Schon der Name mancher Gehölze, wie Vogelbeere und Vogelkirsche, weist daraufhin, welch große Bedeutung manche Bäume und Sträucher als Nahrung für Vögel haben können. Mit geeigneten fruchtreichen, heimischen Gartengehölzen lässt sich das natürliche Nahrungsangebot im Garten erheblich steigern.
Die winterliche und inzwischen vielerorts sogar ganzjährige Vogelfütterung ist bei vielen Gartenbesitzern beliebt. Schöner und nachhaltiger ist jedoch die Bereitstellung eines natürlichen, möglichst ganzjährigen Nahrungsangebots für die gefiederten Gartenbewohner. Hierbei spielen Bäume und Sträucher eine besondere Rolle. Mit einer entsprechenden Vielfalt und einer geeigneten Auswahl fruchttragender Gehölze lässt sich die Vogelwelt das ganze Jahr über auf natürliche Weise unterstützen.
Gehölze stellen als Solitäre oder in Gruppen nicht nur das Gerüst des Gartens dar, sondern schaffen auch besondere Blickpunkte, interessante Lichtwirkungen sowie Sonnenschutz. Zudem können sie im Zusammenspiel mit Hecken aus Gehölzen für geeignete Sicht-, Betretungs- und Windschutzverhältnisse sorgen.
Für die Vogelwelt erfüllen Gehölze zahlreiche wichtige Funktionen. Sie bieten Nistplätze sowie Schutz- und Versteckmöglichkeiten, insbesondere in dornigen Sträuchern. Darüber hinaus dienen die in Hecken und Bäumen lebenden Insekten, die Blüten der Gehölze sowie später vor allem Samen und Früchte als Nahrung. Mitunter bleiben die Früchte einiger Sträucher und die Samenstände bis weit in den Winter hinein am Gehölz haften – genau dann, wenn in strengen Wintern schnell Nahrungsmangel auftreten kann.
Vielfalt des Fruchtangebots heimischer Sträucher
Im Folgenden werden einige wichtige heimische Gartengehölze vorgestellt, die mit ihren Früchten ein wertvolles zusätzliches Nahrungsangebot für Vögel im Garten bereitstellen.
Das bei Vögeln beliebteste Gehölz in Natur und Garten ist die Vogelbeere (Sorbus aucuparia), die auch als Eberesche bezeichnet wird und sowohl strauch- als auch baumförmig wachsen kann. 63 heimische Vogelarten ernähren sich von der Eberesche. Hinzu kommen 31 Säugetierarten, die ihre Früchte ebenfalls nutzen. Die reifen roten Früchte erinnern an kleine Äpfel und finden auch Verwendung in Küche und Medizin der Menschen. Als sogenannte Wintersteher bleiben die Früchte oft bis in den Winter hinein am Baum hängen und stellen dann eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel dar.
Im Gegenzug unterstützen die Vögel die Verbreitung der Eberesche, da die Samen häufig unverdaut ausgeschieden werden und so an neuen Standorten keimen können. Die rote Färbung vieler Früchte ist für Vögel besonders attraktiv, da sie diese Farbe gut wahrnehmen und dadurch angelockt werden. Auf diese Weise wird die Samenverbreitung durch den Fruchtverzehr gefördert.
Andere Arten der Gattung Sorbus, wie die Mehlbeere (Sorbus aria), der Speierling (Sorbus domestica) oder die Oxelbeere (Sorbus intermedia), eignen sich ebenfalls als vogelfreundliche Fruchtgehölze für den heimischen Garten.
Mit seinen schwarzen Früchten ist der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) bei Vögeln nahezu ebenso beliebt wie die Vogelbeere. Hier finden 62 Vogelarten Nahrung. Auch für den Menschen besitzt der Holunder mit seinen weißen Blüten und schwarzen Beeren große Bedeutung. Die Beeren werden unter anderem für Säfte, Gelees und Marmeladen genutzt. Früher hieß es nicht ohne Grund, mit dem Holunder habe man die Apotheke im Garten.
Der nahe verwandte Traubenholunder (Sambucus racemosa) mit seinen roten Früchten ist deutlich seltener anzutreffen, wird von Vögeln jedoch fast ebenso gern genutzt.
Die kleinwüchsigen und teilweise rankenden Beerengehölze wie die Waldhimbeere (Rubus idaeus), die Wildbrombeere (Rubus spec.), die wilde Rote Johannisbeere (Ribes rubrum), die wilde Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) oder die Wilde Stachelbeere (Ribes uva-crispa) sind ebenfalls wertvolle Nahrungspflanzen für Vögel. Dies gilt gleichermaßen für ihre Kulturformen. Allerdings entsteht hier häufig eine Konkurrenz zwischen der menschlichen Nutzung und den hungrigen Gartenvögeln. Einige Früchte sollte man den Vögeln jedoch durchaus zur Erntezeit überlassen.
Die beiden heimischen Weißdornarten Ein- und Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna und Crataegus oxyacantha) zählen aufgrund ihrer reichen Produktion roter Beerenfrüchte zu den wichtigen Nahrungspflanzen für Vögel. Die Früchte bleiben häufig lange am Strauch haften. Zudem bietet das dichte und dornige Geäst guten Schutz. Weißdorn ist daher auch eine beliebte Heckenpflanze. In regelmäßig geschnittenem Zustand bildet er allerdings deutlich weniger Blüten und Früchte, sodass einige frei wachsende Exemplare bei ausreichendem Platzangebot wesentlich mehr Vogelnahrung liefern.
Neben zahlreichen anderen Hartriegelarten in unseren Gärten sind zwei heimische Vertreter besonders wertvolle Vogelnährgehölze. Von beiden Arten ernähren sich jeweils mehr als 20 Vogelarten. Der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) verdankt seinen Namen der roten Herbstfärbung seiner Blätter sowie den roten Zweigen. Seine holunderähnlichen Steinfrüchte sind schwarzblau.
Der Gelbe Hartriegel (Cornus mas), besser bekannt als Kornelkirsche, ist als früh blühendes Gartengehölz sehr beliebt, da er die ersten Insekten und Blütenbesucher des Jahres mit Pollen und Nektar versorgt. Die kirschähnlichen Früchte werden nicht nur von Vögeln geschätzt, sondern finden auch vielfältige Verwendung in der Küche.
Auch die Gattung Viburnum mit ihren Schneeball-Arten bietet zahlreiche interessante Gartenpflanzen mit vogelfreundlichen Früchten. Heimisch ist neben dem Wolligen Schneeball (Viburnum lantana) mit zunächst roten und später schwarzen Steinfrüchten auch der Gewöhnliche Schneeball (Viburnum opulus). Dessen rote Früchte werden zunächst weniger gern gefressen. Da sie jedoch lange am Strauch verbleiben, dienen sie später – wenn andere Fruchtquellen knapp werden – vielen Wildvögeln als wichtige Winternahrung.
Eine besonders auffällige Frucht trägt das Europäische Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), auch Gewöhnlicher Spindelstrauch genannt. Von seinen Früchten ernähren sich 24 Vogelarten. Besonders Rotkehlchen zeigen Interesse an den Samenmänteln, die von September bis Oktober aus den reifen Fruchtkapseln hervortreten. Die Früchte der als giftig geltenden Pflanze erinnern an die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher. Daher erhielt die gesamte Pflanzengattung ihren Namen.
Auch Schlehe und Sanddorn sind durch ihre lange Fruchthaftung bis weit in den Winter hinein für zahlreiche Vogelarten interessant. Rund 20 Vogelarten suchen an diesen Dornengehölzen nach Nahrung. Gleichzeitig stellen sie durch ihren stacheligen Wuchs wichtige Schutzgehölze dar. Als Gartenhecken eignen sich beide Arten allerdings nur eingeschränkt, da sie dazu neigen, sich in angrenzende Grün- und Beetflächen auszubreiten.
Eine weitere wichtige Strauchart für etwa 20 Vogelarten ist die Gemeine Berberitze mit ihren länglich-eiförmigen, scharlachroten Früchten und gelben Blüten im Frühjahr. Ihre mit Blattdornen bewehrten Zweige machen sie zugleich zu einem wertvollen Schutzgehölz. Auch als Heckenpflanze ist sie gut geeignet.
Nadelgehölze, Bäume und Rosen als Vogelnahrung
Unter den Nadelgehölzen sind vor allem der Wacholder mit seinen dunklen Beeren sowie die Eibe hervorzuheben, die sowohl als Solitärbaum als auch als Heckengehölz Verwendung findet.
Von den baumförmig wachsenden Arten sind insbesondere die Traubenkirsche (Prunus padus) und die Vogelkirsche (Prunus avium) zu nennen. Bereits ihre Namen weisen auf die Bedeutung ihrer Früchte für die Vogelwelt hin.
Auch Obstgehölze und Streuobstbestände beziehungsweise Obstgärten, insbesondere mit Wildbirne und Holzapfel, stellen wichtige Nahrungsquellen für Wildvögel dar. Ebenso sind die Hagebutten zahlreicher Rosenarten wertvolle Nahrungsergänzungen. Vor allem die Hundsrose (Rosa canina) bietet mit ihren lange am Strauch haftenden Früchten bis weit in die kalte Jahreszeit hinein Nahrung. Auch die Essigrose (Rosa gallica), die Zimtrose (Rosa majalis) und die Bibernellrose (Rosa pimpinellifolia) eignen sich mit ihren ungefüllten Blüten und Hagebutten als Nahrungspflanzen.
Die häufig in Gärten gepflanzte Kartoffelrose (Rosa rugosa) besitzt ebenfalls für Vögel attraktive Früchte. Sie ist jedoch keine heimische Art, entkommt immer wieder aus Gärten und breitet sich in der Natur invasiv aus.
Eine gute Zeit für Gehölzpflanzungen ist neben dem Herbst auch das Frühjahr. Dann lassen sich neue Solitär-, Allee- und Heckenpflanzungen gut planen und umsetzen. Die Ergänzung neu anzulegender oder umzugestaltender Gartenbereiche mit attraktiven Vogelnährgehölzen bereichert nicht nur die Biodiversität und die Insektenvielfalt, sondern schafft zugleich zusätzliche natürliche Nahrungsquellen für die Vogelwelt – eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Winterfütterung am Vogelhäuschen.



