Als landesweite Analyse liefert der aktuelle Rinder-Report 2024/2025 auch in diesem Jahr eine fundierte Datengrundlage zur tatsächlichen ökonomischen Situation der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein. Die Vollkostenauswertung stellt dabei eine Kontrollrechnung dar, die es ermöglicht, nicht nur die Stärken und Schwächen des eigenen Betriebes zu identifizieren, sondern auch dessen Position im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt einzuordnen. Auf diese Weise wird eine überbetriebliche Vergleichbarkeit geschaffen sowie eine differenzierte Bewertung verschiedener Betriebsstrukturen und Produktionsansätze ermöglicht.
Die Betriebszweigauswertung (BZA) basiert auf einer Vollkostenauswertung, die sich gezielt auf den Betriebszweig Milch konzentriert. Grundlage hierfür sind sämtliche Kosten und Erlöse, die eindeutig der Milchviehhaltung zugeordnet werden können.
Von entscheidender Bedeutung für die Berechnung ist zudem die Zuteilung der Faktoransätze. Bei der Betrachtung eines einzelnen Betriebes werden die Faktoren Arbeit, Boden und Kapital mit betriebsspezifischen Werten angesetzt. Für die landesweite Vergleichbarkeit werden diese Faktoransätze vereinheitlicht und auf Durchschnittswerte gestützt. Durch diese Standardisierung wird eine marktgerechte Entlohnung der eingesetzten Produktionsfaktoren abgebildet. Für die vorliegende Auswertung wurden folgende Ansätze zugrunde gelegt: ein Lohnansatz von 25 € pro Stunde für den Betriebsleiter, Pachtkosten von 400 €/ha für Ackerland sowie 350 €/ha für Grünland und ein Zinssatz von 4 %.
Die Kenntnis und das Verständnis der eigenen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen stellen eine wesentliche Grundlage für fundierte unternehmerische Entscheidungen dar.
Auswertungen zum Tag der Rinderspezialberatung
Das neue Veranstaltungsformat, das in Kooperation zwischen den Rinderspezialberatungsringen und der Landwirtschaftskammer durchgeführt wurde, prägt nun auch inhaltlich den Rinder-Report. Die thematische Ausrichtung der Auswertung orientiert sich dabei am jeweiligen Jahresschwerpunkt der Veranstaltung. Im Berichtsjahr lag der Fokus auf dem Thema „Optimierte Kälberhaltung – alles Wichtige für eine erfolgreiche Kälberaufzucht“.
Eine gute Aufzucht ist in vielerlei Hinsicht entscheidend für den Betrieb. Die Widerstandsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Tiere im späteren Lebensverlauf wird unter anderem durch eine optimale Aufzucht positiv beeinflusst. Die Leistungsparameter wie Erstkalbealter und Milchleistung spiegeln so die Qualität der Kälberaufzucht (siehe Abbildung). Bei einer optimierten Kälberaufzucht werden Tageszunahmen von über 1.000 g erreicht, um Besamungsgewicht und Zeitpunkt der Erstbesamung zu beeinflussen. Diese Tiere mit einem geringen Erstkalbealter haben das Potenzial dazu, mehr Milchleistung zu erbringen. Jedoch sollte hierbei auch immer die Entwicklung des Einzeltieres berücksichtigt werden.
Die Auswertungen des Wirtschaftsjahres 2024/2025 zeigen außerdem, dass die 25 % leistungsstärksten Betriebe bei einem durchschnittlichen Erstkalbealter von 26,1 Monaten um 5,5 % bessere Reproduktionsraten erzielen als die 25 % schwächeren Betriebe mit einem Erstkalbealter von 27,7 Monaten. Ebenso liegen die Tierarzt-, Medikamenten- und Klauenpflegekosten in den erfolgreicheren Betrieben um 48,96 € pro Produktionseinheit Färse (PE) unter denen der weniger erfolgreichen Betriebe. In den leistungsstärkeren Betrieben wird pro Kalb eine höhere Menge an Vollmilch vertränkt. Insgesamt liegt die verfütterte Menge aus Vollmilch und Milchaustauscher pro Produktionseinheit um etwa 10 kg höher.
Das Wichtigste auf einen Blick
Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 wurden insgesamt 542 Betriebe in die Auswertung einbezogen. Die durchschnittliche Milchleistung konnte im Vergleich zum Vorjahr erneut gesteigert werden. Erstmals wurde im Durchschnitt die Marke von 10.000 l überschritten. Sie liegt nun bei 10.128 kg ECM pro Kuh.
Positive Entwicklungen sind eine gestiegene Milchleistung, ein gesunkenes Erstkalbealter (EKA) und gute Milchpreise. Negative Entwicklungen im Vergleich zum Vorjahr zeigen insbesondere die Auswirkungen des Blauzungenvirus (BTV-3) gegen Ende des Jahres 2024 und zu Beginn des Jahres 2025. Einige tiergesundheitsbezogene Kennzahlen weisen im Vergleich zum vorherigen Wirtschaftsjahr eine Verschlechterung auf. So sind sowohl die Kuh- als auch die Kälberverluste stark angestiegen. Dies wirkt sich unter anderem auch negativ auf die Bestandsentwicklung aus, die im Vergleich zum Vorjahr in den negativen Bereich gefallen ist und nun bei −0,41 % liegt. Darüber hinaus sind die Tierarzt- und Besamungskosten deutlich gestiegen, insgesamt um nahezu 0,5 ct/kg ECM.
Auch die Arbeitserledigungskosten setzen ihren Aufwärtstrend fort. Neben steigenden Lohnkosten tragen insbesondere höhere Ausgaben für die Innenwirtschaft zur Kostensteigerung bei. Diese sind im Vergleich zum Vorjahr um 16 % gestiegen und liegen nun bei 3,63 ct/kg ECM. Hauptursache hierfür ist der zunehmende Einsatz von Mechanisierung und moderner Technik in den Betrieben. Dazu zählen unter anderem automatische Melksysteme, Fütterungsroboter, Futterschieber sowie verschiedene Sensortechnologien, die zunehmend Einzug in die Praxis halten.
Trotz dieser Herausforderungen wird das kalkulatorische Betriebszweigergebnis (BZE) im aktuellen Wirtschaftsjahr maßgeblich durch den gestiegenen Milchpreis positiv beeinflusst. Im Durchschnitt konnte ein Unternehmergewinn von 5,87 ct/kg ECM erzielt werden. Zwischen den erfolgreichsten 25 % der Betriebe und den weniger erfolgreichen 25 % zeigt sich dabei eine Differenz von 16,33 ct/kg ECM im BZE.
Erkenntnisse aus den Vergleichsgruppen
Im Rinder-Report werden die ausgewerteten Betriebe anhand von fünf verschiedenen Vergleichsgruppen nach ausgewählten Produktionskennzahlen differenziert analysiert. Die Einteilung erfolgt nach Milchleistung, Bestandsgröße, Grundfutterleistung, Reproduktionsrate sowie Melkverfahren.
Die strukturierte Auswertung ermöglicht einen differenzierten Vergleich betrieblicher Kennzahlen, die gezielte Bewertung von Einflussfaktoren sowie das Erkennen wirtschaftlich relevanter Zusammenhänge und Schwellenwerte.
In der Tabelle 2 werden die verschiedenen kalkulatorischen Betriebszweigergebnisse der einzelnen Vergleichsgruppen in aller Kürze dargestellt. Die ausführlichen Auswertungen der Vergleichsgruppen sind unter folgendem Link im Rinder-Report zu finden: https://t1p.de/jreev
In den Vergleichsgruppen, die nach Milchleistung (kg ECM pro Kuh) und Herdengröße differenziert wurden, zeigt sich, dass das kalkulatorische Betriebszweigergebnis insbesondere in Betrieben mit hoher Milchleistung oder größeren Tierbeständen positiver ausfällt. Auffällig ist, dass sich die erzielten Leistungen weitgehend unabhängig von Herdengröße und Milchleistung auf einem vergleichbaren Niveau bewegen und keine wesentlichen Unterschiede erkennbar sind. Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen in den Produktionskosten. Mit steigender Milchleistung und wachsender Herdengröße nehmen sie ab. Dies ist darauf zurückzuführen, dass größere und hochleistende Betriebe effizienter ihre Produktion organisieren und wirtschaften, sodass die Kosten je Liter Milch sinken. Besonders deutlich wird dieser Effekt in den Bereichen Grundfutterkosten, Tierarztkosten sowie beim Lohnansatz. Dieser Effekt ist auch bei der Grundfutterleistung in kg ECM pro Kuh zu sehen.
Die Auswertung der Vergleichsgruppen nach Reproduktionsrate zeigt, dass sich die Ergebnisse nicht eindeutig in eine Richtung entwickeln. Das beste kalkulatorische Betriebszweigergebnis wird nicht von Betrieben mit möglichst niedrigen Reproduktionsraten erzielt. Vielmehr liegt das positivste Ergebnis im Durchschnitt im Bereich zwischen 26 % und 33 %.
Bei der Gegenüberstellung der Melkverfahren, automatisches Melken und Melken im Melkstand, wird deutlich, dass das automatische Melken trotz einer tendenziell höheren Milchleistung mit höheren Kosten verbunden ist als das Melken im Melkstand. Ursächlich hierfür sind insbesondere die höheren Investitions- und Betriebskosten im Bereich der Innentechnik sowie die damit verbundenen erhöhten Gebäudekosten.
Blick in die „Zukunft“ 2025/2026
Der Milchpreis stellt einen wesentlichen Einflussfaktor für den wirtschaftlichen Erfolg eines Betriebes dar. Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 lag der durchschnittliche Basis-Milchpreis in Schleswig-Holstein bei 50,71 ct/kg. Im laufenden Wirtschaftsjahr ist ein deutlicher Preisrückgang zu beobachten. Seit September 2025 sind die Milchpreise von durchschnittlich rund 50 ct/ kg auf 33,16 ct/kg im Februar gesunken.
Diese Entwicklung wirkt sich negativ auf die erzielten Leistungen der Betriebe aus und unterstreicht die Bedeutung eines fundierten Kostenmanagements. Die genaue Kenntnis der eigenen Kostenstrukturen sowie eine Stärken-Schwäche-Analyse gewinnen in diesem Zusammenhang weiter an Bedeutung.
Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung der Schlachtpreise für Rinder, die, wie bereits im Vorjahr, weitergestiegen sind und vorerst ein hohes Niveau halten. Dadurch kann der Tierverkauf einen zusätzlichen positiven Beitrag zu den betrieblichen Erlösen leisten. Insgesamt bleiben die Agrarmärkte weiterhin von hoher Volatilität geprägt. Vor diesem Hintergrund ist es für landwirtschaftliche Betriebe zunehmend wichtig, ihre wirtschaftliche Resilienz zu stärken und entsprechende Rücklagen zu bilden. Die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre zeigt, dass die Produktionskosten im Vergleich zur Milchpreisentwicklung weniger stark gestiegen sind.
Der Rinder-Report 2024/2025 ist auf Seite der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein unter dem Pfad „Landwirtschaft > Tier > Rind“ zu finden: https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Landwirtschaft/Tier/Rinder-Report_2025.pdf
Fazit
Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 wurde in Schleswig-Holstein im Durchschnitt ein positives Betriebszweigergebnis von 5,87 ct/kg ECM erzielt. Der Milcherlös sowie die insgesamt erzielten Leistungen sind sehr positiv zu bewerten. BTV-3 hat die Betreibe in diesem Wirtschaftsjahr weitgehend in Gesundheitszahlen und Kosten negativ geprägt. Die weiterhin steigenden Arbeitserledigungskosten, bedingt sowohl durch höhere Löhne als auch durch zunehmende Kosten in der Innentechnik, wirken sich ebenso wie die durch BTV-3 verursachten Mehrkosten steigernd auf die Produktionskosten aus. Sowohl kurzfristige als auch langfristige Entwicklungen, Entscheidungen und externe Einflüsse erfordern auch künftig eine vorausschauende Planung, da weiterhin erheblichen Schwankungen auf den Agrarmärkten zu verzeichnen sind.




