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Starke Frauen gestalten ihre Zukunft

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Von Oktober 2025 bis Mitte März 2026 haben 23 motivierte Teilnehmerinnen am 47. BAFF-Grundkurs in Osterrönfeld teilgenommen – mit großem Engagement, Offenheit und dem Willen, sich weiterzuentwickeln.

In insgesamt 18 Bausteinen wurde nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch die persönliche Entwicklung gefördert. Zu den Bausteinen im Grundkurs gehörten unter anderem Themen wie betriebliche Altersvorsorge, das digitale Agrarbüro, Besteuerung in der Landwirtschaft, Büroorganisation und Zeitmanagement sowie Mitarbeiterführung auf dem Hof. Besonders spannend in diesem Kurs: Gleich zu Beginn stellten sich die Teilnehmerinnen unter der Überschrift „Mein Platz auf dem Hof heute“ vor. Sechs Monate später, zum Abschluss, wurde genau dieses Thema erneut aufgegriffen – mit beeindruckenden Ergebnissen. Es war deutlich zu sehen, wie sehr sich die Frauen im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben und wie klar sie heute ihren Platz auf dem Betrieb beschreiben können. Am Abschlusstag präsentierten die Teilnehmerinnen ihre Ergebnisse in einer tollen, wertschätzenden Runde – ein gelungener Abschluss dieser intensiven Qualifizierung.

Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer, Ute Volquardsen (r.), überreichte den Teilnehmerinnen des BAFF-Grundkurses ihre Urkunden.

Neben vielen fachlichen Inhalten konnten ganz konkrete Fortschritte erzielt werden: Notfallordner wurden erstellt und gefüllt, die Digitalisierung in den Büros auf den Betrieben vorangebracht und wichtige Strukturen geschaffen. „Vor allem aber haben die Frauen im Laufe der Qualifizierung deutlich an Selbstbewusstsein gewonnen. Sie haben sich einen bunten Strauß an Wissen erarbeitet, der ihnen ermöglicht, aktiv mitzureden, Verantwortung zu übernehmen und auf den Betrieben sichtbar zu sein“, freut sich Anette Störtenbecker, die als Agrarreferentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein die Absolventinnen der BAFF-Kurse betreut. Auch der Aufbaukurs in Bredstedt konnte Anfang März nach sechs Bausteinen erfolgreich mit vielen Teilnehmerinnen abgeschlossen werden. Herzlichen Glückwunsch an alle Absolventinnen zu ihrer starken Leistung.

Die Teilnehmerinnen des BAFF-Grundkurses vor der Landwirtschaftskammer in Rendsburg
Auch der BAFF-Aufbaukurs ging Mitte März in Bredstedt zu Ende.

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Forum für Frauen in der Landwirtschaft des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein

Am: 27. Mai, 11 bis 17 Uhr

Ort: Investitionsbank
Schleswig-Holstein (IB.SH)

Ostern ohne Eier?

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„Knapp, aber nicht dramatisch“, so wird die aktuelle Versorgungssituation mit Eiern im Lebensmittelhandel beschrieben. Es ist also genug Angebot da, bei einzelnen Haltungsformen oder Sortierungen kann es jedoch Lücken geben. Während in vielen anderen Bereichen in der Landwirtschaft die Erzeugerpreise aktuell nicht kostendeckend sind, berichten die Geflügelhalter von einer regen Nachfrage und stetigen Preisaufschlägen für Schlachtgeflügel und vor allem für Eier.

Seuchenzug verringert das Angebot

Dennoch ist die Stimmung auch in dieser Branche nicht ungetrübt. Denn eine Ursache des knappen Eierangebotes sind Ausbrüche der Geflügelpest auf vielen Betrieben. Das Friedrich-Loeffler-Institut meldete zuletzt etwa 20 neue Ausbrüche in Deutschland im Monat. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland aufgrund der Vogelgrippe mehrere Hunderttausend Tiere gekeult. Der Wiederaufbau der Bestände zieht sich hin. Dazu kommt das Seuchengeschehen in den Nachbarländern. Bei einem Selbstversorgungsgrad von 75 % ist Deutschland auf Importe angewiesen. Wichtigster Lieferant sind die Niederlande, gefolgt von Polen. Bereits im vorigen Jahr sorgte eine ähnliche Situation für einen Anstieg der Erzeugerpreise. So lag die Weser-Ems-Notierung für ein M-Ei zu Ostern 2024 noch bei 15,9 ct, stieg dann Ostern 2025 auf 18,75 ct und erreichte in der vorigen Woche 20,65 ct. In den letzten Wochen vor dem Osterfest war die Angebotssituation so knapp, dass viele Erzeuger nicht mehr die vertraglich gebundenen Packstellen beliefert, sondern die Eier selbst am freien Markt verkauft haben. Dafür wurden dann auch Vertragsstrafen in Kauf genommen. Höhere Erzeugerpreise sind notwendig, da ebenso die Kosten der Eierproduktion durch höhere Löhne, steigende Energiepreise und hohe Auflagen stetig steigen. Im vergangenen Jahr zahlten Verbraucher im Durchschnitt 2,02 € für eine Zehner-Packung Eier aus Bodenhaltung. Aktuell kostet die günstigste Packung vielerorts etwa 2,49 €.

Lokale Lieferketten als Vorteil

Zuletzt haben Presseberichte dafür gesorgt, dass sich Verbraucher stärker mit Eiern eindeckten. Gefragt sind aktuell vor allem weiße Eier zum Färben. Die Eiernachfrage ist jedoch auch insgesamt gestiegen. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2023 noch bei 236 Eiern und hat sich bis 2025 auf 252 Eier erhöht. Eier profitieren von ihrem Image als vergleichsweise günstige Eiweißquelle und damit Fleischersatz und passen in aktuelle Ernährungstrends. So trifft eine wachsende Nachfrage auf ein ohnehin knappes Marktangebot. Während die Importware meist in den Verarbeitungsbereich geht, versorgen sich viele Supermärkte mit Eiern aus der direkten Umgebung. Diese „Frühstückseier“ stammen also von benachbarten Höfen. So wird auf lange Transportwege verzichtet und die lokale Wirtschaft unterstützt. Es senkt zudem die Abhängigkeit von Importen. Wenn jedoch die lokalen Betriebe zum Beispiel von der Geflügelpest betroffen sind, können die Händler nicht einfach woanders einkaufen beziehungsweise müssen sich erst mit etwas Aufwand neue Lieferanten suchen. Durch diese bodenständigen Lieferketten steigt so die Anfälligkeit für Preisschwankungen. Insgesamt ist diese regionale Versorgung aber ein Pluspunkt für das Ei. Die Branche setzt damit um, was sich Verbraucher für andere Produkte wünschen. Daher lässt sich eine Knappheit in den Tagen vor dem Osterfest gut verkraften.

Weniger Fläche, aber Einschränkungen bleiben

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Im Dezember sprach Felix Schwartz aus Sörup offen über Existenzängste. Rund 55 ha seiner Flächen sollten damals Teil eines geplanten Naturschutzgebietes am Winderatter See werden – für den Milchviehbetrieb mit Jerseyherde ein Szenario mit ungewissem Ausgang. Drei Monate später klingt die Lage weniger dramatisch. Entwarnung will der Landwirt dennoch nicht geben.

In einer Informationsveranstaltung des Landesamtes für Umwelt (LfU) im Grundhofer Krug wurde jetzt der aktuelle Stand der Planungen vorgestellt. Rund 80 bis 100 Interessierte und Betroffene waren gekommen, um sich über das geplante Naturschutzgebiet Winderatter See, Tal der Kielstau und Umgebung zu informieren.

Zentrale Botschaft des Abends: Statt rund 500 ha umfasst der aktuelle Entwurf der Gebietskulisse nun rund 342 ha. Bei Schwartz wären nach aktuellem Stand nur noch etwa 20 ha betroffen.

„Das ist mit der Situation im Dezember nicht mehr zu vergleichen“, sagt Schwartz. Damals habe große Unsicherheit geherrscht, verbunden mit der Sorge, den Betrieb in seiner jetzigen Form nicht fortführen zu können. Heute sei die Lage „deutlich entschärft“, auch wenn ein fader Beigeschmack bleibe.

Dass es zu dieser Anpassung kam, ist nach Darstellung des LfU auch Ergebnis zahlreicher Gespräche mit Betroffenen. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung habe es Abstimmungen mit Eigentümern und Bewirtschaftern gegeben. Ein Prozess, der aus Sicht vieler Beteiligter Wirkung gezeigt hat.

Einschränkungen bleiben

Die nun vorgestellten Regelungen greifen weniger stark in die Bewirtschaftung ein als zunächst befürchtet. Grünland darf weiterhin genutzt werden, auch Beweidung und Mahd bleiben grundsätzlich möglich. Feste Vorgaben zu Schnittzeitpunkten oder eine Begrenzung der Schnitthäufigkeit sind nicht vorgesehen.

Allerdings gibt es Einschränkungen: Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf Grünlandflächen künftig nicht mehr zulässig, ein Umbruch sowie die Umwandlung in Ackerland sind ausgeschlossen. Auch eine Intensivierung der Entwässerung ist nicht erlaubt. In Gewässerrandstreifen gelten zusätzliche Vorgaben, etwa Einschränkungen bei der Düngung.

Betroffen sind auch Jäger, Forstwirte, Anwohner, Besucher und Angler, etwa durch zusätzliche Vorgaben wie bei der Kitzrettung, wo Drohneneinsätze unter Umständen genehmigungspflichtig sind.

Für Ackerflächen sind insbesondere im 25 m breiten Randstreifen an der Kielstau Einschränkungen vorgesehen. Dort sind weder Düngung noch Pflanzenschutzmittel oder ein Umbruch zulässig. Für diese Flächen besteht die Möglichkeit eines finanziellen Ausgleichs.

Auch wenn zentrale Befürchtungen, etwa eine drastische Reduzierung der Schnittnutzung, sich nicht bestätigt haben, sieht Schwartz weiterhin Herausforderungen. „Der Betrieb läuft erst einmal ganz normal weiter“, sagt er. Anpassungen könnten sich aus den indirekten Folgen der Auflagen ergeben. Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel könne bei starkem Unkrautdruck zum Problem werden. Auch die Futterqualität und -menge könnten langfristig beeinflusst werden. „Das muss man dann sehen und darauf reagieren“, so Schwartz. Im Zweifel könne zusätzlicher Futterzukauf notwendig werden.

Wirtschaftlichkeit infrage

Ein zentraler Kritikpunkt bleibt die wirtschaftliche Seite. Für Einschränkungen auf Grünlandflächen ist derzeit keine direkte Entschädigung vorgesehen.

Während für Ackerflächen Ausgleichszahlungen möglich sind, müssen Grünlandbewirtschafter auf freiwillige Programme wie den Vertragsnaturschutz ausweichen. Diese sind jedoch an zusätzliche Auflagen gebunden und nicht garantiert. „Am Ende bedeutet das für uns vor allem mehr Aufwand, mehr Bürokratie und mehr Unsicherheit“, beschreibt Schwartz die Situation.

Die bestehenden Pachtverträge liefen unabhängig davon weiter. Auch die Frage nach möglichen Wertverlusten von Flächen wurde angesprochen. Seitens des LfU wurde dies verneint, eine Einschätzung, die im Publikum nicht überall auf Zustimmung stieß.

Gleichzeitig wurde auf der Veranstaltung deutlich, dass es sich beim geplanten Schutzgebiet nicht um ein kurzfristiges Vorhaben handelt. Planungen existieren nach Angaben des LfU bereits seit Jahrzehnten. Große Teile der Flächen befinden sich bereits in öffentlicher Hand oder wurden gezielt für Naturschutzzwecke entwickelt.

Das Gebiet rund um den Winde­ratter See gilt als ökologisch wertvoll. Moorige Niederungen, extensiv genutztes Grünland und Gewässer bieten Lebensraum für zahlreiche Arten – von Wiesenvögeln über Amphibien bis hin zu Insekten. Ziel der Unterschutzstellung ist es vor allem, Nährstoffeinträge zu reduzieren und bestehende Lebensräume langfristig zu sichern.

Mit der Informationsveranstaltung ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Der Verordnungsentwurf soll öffentlich ausgelegt werden, Stellungnahmen können abgegeben werden. Diese werden anschließend geprüft und fließen gegebenenfalls in die endgültige Fassung ein.

Zeitplan unklar

Das LfU strebt einen Abschluss des Verfahrens noch in diesem Jahr an. Der Zeitplan hängt aber maßgeblich davon ab, wie viele Stellungnahmen eingehen und wie aufwendig deren Prüfung ausfällt.

„Wir werden auf jeden Fall eine Stellungnahme abgeben“, sagt Schwartz. Ob und in welchem Umfang diese berücksichtigt werde, sei jedoch offen. Hier setze man auf die zugesagte Einzelfallprüfung. Für den Milchviehbetrieb in Sörup bleibt es eine gemischte Bilanz. Die ursprünglichen Existenzsorgen haben sich nicht bestätigt, der Betrieb kann voraussichtlich weitergeführt werden. Gleichzeitig bleiben wirtschaftliche Risiken und ein erhöhter Abstimmungsbedarf. „Es ist besser geworden, aber ganz zufrieden kann man damit nicht sein“, fasst Schwartz zusammen. Entscheidend sei nun, dass sich die Rahmenbedingungen perspektivisch nicht weiter verschärften und Planungssicherheit bestehe. 

Foto: Thore Groth
Foto: Thore Groth
Foto: Thore Groth


Eier in schmucken Drahthüllen

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Heide Riedel aus Schönberg im Kreis Plön war über viele Jahre eine gern gesehene Ausstellerin rund ums Ei. Ob bei den traditionellen Ostereiermärkten im Tönninger Packhaus, Heikendorfer Künstlermuseum oder Eutiner Ostholstein-Museum, ihre Kreationen präsentierte sie mit Herzblut und Freude einem interessierten Publikum. Doch nun soll es gut sein. Die 88-Jährige zeigt für das Bauernblatt ein letztes Mal ihre kunstvoll mit Draht ummantelten Werke.

Mit der Teilnahme am diesjährigen Ostereiermarkt im Heikendorfer Künstlermuseum setzte Heide Riedel einen Schlusspunkt. Als wohl älteste Mitwirkende verkündete sie das Ende. Nun solle es gut sein, entschied die hochbetagte Seniorin. „Alle Rohlinge, die ich noch in meinem Fundus hatte, sind jetzt aufgebraucht“, erzählt sie.

Dekorative Eier im Drahtgeflecht sind zum Osterfest ein hübscher ­„Ei-Catcher“.
Foto: Silke Bromm-Krieger

In ihrem Apartment hat die Künstlerin in Pappschächtelchen noch eine hübsch verzierte Eierauswahl bruchsicher verwahrt, zur Erinnerung in zwei Alben Fotos ihrer schönsten Werke versammelt. Ob ihr das Abschiednehmen von der lieb gewonnenen Beschäftigung schwerfalle? Riedel hält kurz inne, überlegt und sagt voller Überzeugung: „Nein.“ Über die Zeit habe sie leise schleichend gemerkt, dass ihre Augen nicht mehr so wollten und es für ihre Hände zunehmend anstrengender wurde, mit dem störrischen, unflexiblen Material Draht umzugehen. „Jetzt will ich mich nur noch meinen Handarbeiten widmen. Ich bin begeisterte Quilterin und gestalte gern Patchworkdecken. Da habe ich es mit angenehm weichen Stoffen zu tun“, meint sie. Dass Riedel eine künstlerische und kreative Ader hat, kommt nicht von ungefähr.

So war ihr Urgroßvater Hofjuwelier des dänischen Königs, ihre Tante Käte Lassen (1880-1956) eine bedeutende Malerin und Glaskünstlerin. Sie selbst absolvierte von 1969 bis 1975 an der Fachhochschule und Werkkunstschule Schwäbisch Gmünd eine Ausbildung zur Gestaltenden Goldschmiedin und legte anschließend die Meisterprüfung ab. Von 2006 bis 2007 qualifizierte sie sich in einer Fortbildung zur Restauratorin im Gold- und Silberschmiedehandwerk. Im Berufsleben war sie selbstständige Goldschmiedemeisterin und nahm parallel regelmäßig an ausgewählten Kunsthandwerkermärkten wie dem Goldschmiedemarkt auf Antik Hof Bissee teil. Um ihr Angebot zu erweitern, fing sie irgendwann an, Eier aus dünnen Drahtgeflechten in Kupfer und Silber zu gestalten. Der Zuspruch der Kundschaft zu den zarten Kreationen blieb hinter den Erwartungen, und Riedel überlegte, wie sie ihre Eierkunst weiterentwickeln könnte. Eine Begegnung mit Dr. Klaus-Dieter Hahn (†), dem damaligen Leiter des Ostholstein-Museums, brachte für sie überraschende Impulse und Erkenntnisse. Der Heimatforscher, der selbst verzierte Ostereier sammelte und den Ostereiermarkt im Ostholstein-Museum ins Leben rief, machte sie mit der Tradition der slowakischen Drahtostereier-Herstellung bekannt. Er gab ihr auch entsprechende Literatur mit auf den Weg. Besondere Aufmerksamkeit fand ein Katalog mit dem Titel „Gebogen und gebunden“ des Považské múzeum in Žilina. Es ist das einzige Museum in der Slowakei, das sich intensiv mit der Erforschung und Dokumentation der Drahtbinderei und mit dem Aufbau einer Datenbank internationalen Maßstabs zu diesem Thema befasst.

Jedes Ei ist ein unwiederbringliches Unikat.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Riedel las in der Publikation, dass das Umflechten der Eier mit Drahtnetzen in der Slowakei auf eine lange Tradition zurückgeht und dort vermutlich schon im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einem typischen, einheimischen Handwerk wurde. Die Drahtbinderei entstand als zusätzliche Einnahmequelle der männlichen Bevölkerung in Zeiten von Missernten. Die umflochtenen Eier waren dabei nur ein Produkt der vielfältigen Drahtbinderei-Erzeugnisse. Die luftigen Konstruktionen wurden ausschließlich in feinster Handarbeit hergestellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als sich die politische Ordnung in Europa veränderte, begann dort der Niedergang der Drahtbinderei, nach dem Zweiten Weltkrieg war sie in ihrer ursprünglichen Form verschwunden. Erst ab 1989 keimten ein neues Interesse und eine neue Bewertung der traditionellen Kultur auf, die in der Slowakei zu einer Wiederbelebung des Handwerks führten.

Autodidaktisch erlernt

Nach der Fachlektüre und dem Anschauen unzähliger Fotos fuchste sich die Künstlerin mit Elan ins unbekannte Metier hinein. „Es müssen zu Ostern ja nicht immer nur bemalte Eier sein“, dachte sie sich. Autodidaktisch erlernte sie verschiedene Drahtbinde- und Umflechtungstechniken, was sich zunächst als recht mühsam herausstellte. Doch sie ließ nicht locker, wusste, dass Übung die Meisterin macht, und experimentierte mit farbig lackiertem Kupferdraht sowie Gold- und Silberdraht.

„Für die Drahtbindetechnik benötigt man für jedes Ei einen etwa 6 bis 7 m langen Draht, den man in vielen kleinen Schlingen um das Ei legt. Nach einigen Versuchen lernte ich je nach Häufigkeit und Dichte der Schlingen, immer wieder neue Muster zu entwerfen und zu verwirklichen“, blickt sie zurück. Beim Gestalten habe sich zudem herausgestellt, dass das Hühnerei von seiner Größe und Form her am besten dafür geeignet sei.

Draht, Schere, Ei: Für die Drahtbinderei braucht es neben einer künstlerischen Hand nur wenig Material.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Im Jahr 2012 nahm sie mit ihren Eiern im Drahtgewand erstmals am Friedrichstädter Ostereiermarkt teil. Die Premiere verlief erfolgreich, sodass sie in der Folge am Ball blieb. Sie beobachtete auch, dass sie mit ihrer Art der Gestaltung auf den Märkten die Einzige war. „Meist fing ich im Herbst mit dem Drahtbinden an, sodass ich dann für die Märkte im Frühjahr genügend Exponate zusammenhatte“, berichtet sie. Die filigrane Arbeit sei manches Mal eine Herausforderung gewesen. „So nebenbei kann man das Drahtbinden nicht betreiben. Es erfordert viel Zeit, eine leichte Hand, eine hohe Konzentration, jede Menge Fingerspitzengefühl, Geschick und Geduld. Stundenlang am Stück kann man sich nicht damit beschäftigen. Es braucht zwischendurch Pausen“, weiß sie aus Erfahrung.

Blütenartige Schlaufen

Damit man sich das alles besser vorstellen kann, will sie spontan die Kunst des Drahtbindens anschaulich an einem Ei demonstrieren. Doch ein dafür benötigter Rohling ist, wie bereits eingangs erwähnt, in ihrem Haushalt nicht mehr vorhanden. Die Künstlerin behilft sich kurzerhand mit einem rohen Hühnerei aus der Küche. Verschärfte Bedingungen! Wenn das gute Stück versehentlich kaputtgehen sollte, gibt’s Rührei. Doch davon lässt sie sich nicht beirren. Sie schneidet beherzt ein langes Stück Draht von der Rolle ab und beginnt, daraus einen kleinen Ring zu formen, um den sie mit flinker Hand fünf blütenartige Schlaufen fädelt. Die erste Runde um den Ring ist so geschafft. An ihr legt sie die nächsten Runden an, bis das Gebilde eine Ausweitung von etwa 1 bis 2 cm erreicht hat.

Ein kleiner Ring, um den blütenartig Schlaufen gefädelt werden, steht am Anfang eines jeden Werkprozesses.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Jetzt kommt das Ei ins Spiel, denn das Geflecht muss nun vorsichtig ans Oval angepasst werden. Weiter gestaltet sie Schlaufe um Schlaufe, während sie das noch flexible und wackelig auf dem Ei liegende Drahtgeflecht gleichzeitig gut festhalten muss, bis sie zur Mitte des Eis gelangt. In diesem Stadium zieht sich der Draht selbst fest und schmiegt sich an die Form des Eis an. „Zu Beginn sind mir im Werkprozess etliche Eier kaputtgegangen. Das war schade, weil ein begonnenes Drahtgebilde nicht automatisch auf ein anderes Ei passt. Da war dann die vorherige Mühe wertlos.“ Für bestimmte Muster zeichnete sich Riedel eigene Kreuzstichvorlagen, wie sie bei textilen Techniken zur Herstellung von Spitzen und Häkelmustern verwendet werden. Akribisch arbeitete sie nach dieser Anleitung, zählte Kästchen für Kästchen genau ab.

Mit 88 Jahren geht Heide Riedel in den Eierkunst-Ruhestand.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Was sie an der Drahtkunst so fasziniert und geliebt habe? „Das Spannende war, dass man anfangs nie wusste, wie das tatsächliche Endergebnis aussehen würde. Das komplette Muster ergab sich erst zum Schluss, wenn ich in der letzten Runde des Umflechtens angekommen war“, antwortet die Rentnerin. Auch mit den eigenen Händen unwiederbringliche Unikate geschaffen zu haben, die andere Menschen erfreuten, habe sie froh gemacht. Ein seltenes altes Handwerk lebendig zu halten, ebenso. Als wir uns an der Haustür voneinander verabschieden, kommt bei Heide Riedel vielleicht doch noch ein kleines bisschen Wehmut auf. „Dann ist das jetzt wohl das Ende der Karriere“, sagt sie, während ein verhaltenes Lächeln um ihre Mundwinkel huscht.

Aktuelle Erkenntnisse aus der Bodenkunde, Teil 1

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Mit dem NordLink wurde 2021 eine rund 623 km lange 525-kV-Hochspannungs-Gleichstromverbindung zwischen Deutschland und Norwegen in Betrieb genommen, um Erneuerbare Energien auszutauschen. Das überwiegend als Seekabel ­verlegte Kabelsystem erreicht bei Büsum das Land und verläuft bis zur Konverterstation in Wilster rund 54 km als Erdkabel, der Großteil durch landwirtschaftlich genutzte Böden. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten im Jahr 2020 konnten viele Landwirte ihre Flächen bereits im darauffolgenden Jahr wieder bewirtschaften. Dennoch stellt sich die Frage nach langfristigen Auswirkungen auf Bodenstruktur und Ertrag.

Bedeutsam sind dabei besonders die mit der Bodenbewegung einhergehende Störung der Bodenstruktur und Veränderungen der Bodeneigenschaften. Um die bodenkundlichen und pflanzenbaulichen Auswirkungen zu untersuchen, führte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel 2024 und 2025 ein Monitoring durch.

Monitoring der HAW Kiel

Im Rahmen des Monitorings wurden im Zeitraum 2024 bis 2025 von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel im Fachbereich Agrarwirtschaft, Fachgebiet Bodenkunde und Pflanzenernährung, insgesamt zehn Flächen mit Silomais, drei Flächen mit Wintergerste und vier Flächen mit Winterweizen untersucht. Um jeweils die gesamte Fläche zu betrachten, wurden die Bestände mit einer Drohne überflogen und multispektrale Aufnahmen erstellt. Anschließend ­wurde ein Pflanzenindex (NDVI/NDRE/­MSAVI) je Pixel berechnet, um die photosynthetisch aktive Biomasse zu quantifizieren. Die Entnahme von Ernteproben in unterschiedlichen Indexbereichen (niedrig, mittel und hoch) ermöglichte die Erstellung einer Korrelation zwischen Index und Ertrag. Im Anschluss wurden der Bereich der Trasse und ein flächenspezifischer Referenzbereich gegenübergestellt und verglichen (siehe Abbildung 1).

Ertragsdifferenzen zwischen −1 % und −12 %

Die Erträge (siehe Tabelle) im Bereich der Kabeltrasse lagen auf allen untersuchten Flächen unter dem Ertrag in der Referenz (unbeeinflusster Bereich). Insgesamt lagen die Ertragsdifferenzen zwischen minus 1 % und minus 12 %. Dabei ließ sich keine Kulturart mit besonders hohen oder mit besonders niedrigen Ertragsunterschieden erkennen. Die Unterschiede beim Silomais waren 2024 tendenziell höher. Dies ist wahrscheinlich auf Witterungsunterschiede während der Vegetationsperiode in den entsprechenden Jahren zurückzuführen. Bei etwas höheren Temperaturen und besser verteilten Niederschlägen im Sommer fielen die Ertragsunterschiede beim Silomais 2025 etwas geringer aus. Zu berücksichtigen ist, dass 2024 das vierte Erntejahr nach den Bauarbeiten war und im Jahr 2025 der Bau bereits fünf Jahre zurücklag.

Insgesamt lagen die ermittelten Erträge auf einem für die Region typischen Niveau. Bedeutsam ist, dass mit der angewendeten Methodik nicht unterschieden werden kann, inwieweit die verringerten Erträge auf den Einbau der Kabel (Bodenbewegung) oder den Betrieb des Erdkabels und die daraus resultierende Wärmeabgabe zurückzuführen sind.

Erhöhte Bodentemperatur in den Kabelgräben

Neben den Ertragserhebungen wurden Bodenuntersuchungen und -temperaturmessungen durchgeführt. Auf drei Flächen wurden Temperatursensoren installiert, die Bodentemperatur und Bodenwassergehalt in 10 cm, 30 cm und 45 cm Tiefe erfassen. Dabei ließen sich auf allen drei Feldern höhere Temperaturen im Kabelgraben feststellen. Diese lagen auf einer der Flächen im Zeitraum vom 15. November 2025 bis zum 15. Februar 2026 in 45 cm Tiefe bei im Mittel plus 1,25 K. In 10 cm Tiefe ließ sich noch eine Erhöhung der Temperatur um plus 0,69 K feststellen (vergleiche Abbildung 2). In 1 m Entfernung zum Kabelgraben konnten keine signifikanten Erhöhungen der Bodentemperatur mehr festgestellt werden. Auf den anderen Flächen lagen die Werte in einem ähnlichen Bereich. Während der Sommermonate ließen sich im Kabelgraben tendenziell geringere und über die niederschlagsreichen Herbstmonate höhere Bodenwassergehalte feststellen.

Veränderte Bodeneigenschaften

Um den Einfluss auf weitere relevante Bodenparameter zu erfassen, wurden auf zwei Flächen Bodenproben (Stechzylinder und Bohrstock) im Kabelgraben und außerhalb (Referenz) entnommen. Offensichtlich hat das Befüllen des Kabelgrabens dazu geführt, dass ab einer Tiefe von zirka 30 cm höhere Sand- und entsprechend geringere Schluff- und Tongehalte vorzufinden waren. Auch das Porensystem ist durch die Baumaßnahme nachhaltig verändert worden: Während sich auf den Referenzen die Wasserleitfähigkeit zwischen Ober- und Unterboden nicht unterschied, konnte im Bereich der Kabelgräben unterhalb des Bearbeitungshorizontes eine geringere Wasserleitfähigkeit festgestellt werden. Dies deutet daraufhin, dass die Porenkontinuität, die Ober- und Unterboden funktional miteinander verbindet, durch Regenerationsprozesse auch nach fünf Jahren noch nicht vollständig wiederhergestellt ist.

In Dithmarschen sind und werden zahlreiche Erdkabel verlegt.

Fortführung im Jahr 2026

Für das Erntejahr 2026 ist eine Fortführung des Monitorings auf weiteren Flächen vorgesehen. Dabei kann voraussichtlich auch die 2025 entstandene Erdkabeltrasse BorWin 6 auf Ertragsunterschiede untersucht werden, um die Auswirkungen im ersten Jahr nach dem Einbau des Kabelsystems zu quantifizieren. Zudem sind durch die Auswertung weiterer Bodenparameter zusätzliche Erkenntnisse hinsichtlich des Regenerationsverhaltens der Böden in Dithmarschen zu erwarten.

An dieser Stelle muss bedacht werden, dass die Auswirkungen von Erdkabeltrassen von zahlreichen Faktoren wie der Bodenart, der Auslastung des Kabels, der Qualität der Bauarbeiten sowie den Witterungsbedingungen abhängen. Auch die Folgebewirtschaftung kann die Auswirkungen beeinflussen. So können der Anbau intensiv bewirtschafteter Kulturarten wie Kartoffeln oder wendende Bodenbearbeitung die Regeneration des Bodens verzögern, während Ertragsdepressionen mit dem Anbau strukturfördernder Arten minimiert werden können.

Fazit

Die NordLink-Trasse führte in den Erntejahren 2024 und 2025 auf den 17 untersuchten Flächen zu geringeren Erträgen im Bereich der Trasse zwischen 1 % und 12 %. Somit ließen sich auch vier beziehungsweise fünf Jahre nach dem Einbau noch Ertragsdepressionen im überwiegend jedoch einstelligen Bereich feststellen. Diese Ergebnisse decken sich mit Ergebnissen aus Testfeldern im Bereich des SüdLinks und der Literatur. Weitere Untersuchungen in der kommenden Vegetationsperiode versprechen zusätzliche Erkenntnisse besonders hinsichtlich des Regenerationsverhaltens der Marschen in Dithmarschen. Insgesamt sind die dargestellten Ergebnisse als vorläufig zu interpretieren.

Vorsicht nach Kälberdurchfall

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Kälberdurchfall und Atemwegserkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten und wirtschaftlich bedeutendsten Erkrankungen in der Kälberaufzucht. Beide Krankheitskomplexe verursachen erhebliche Verluste durch erhöhte Mortalität, verminderte Gewichtszunahmen und langfristig reduzierte Leistungsfähigkeit der Tiere.

Rund 18,5 % der Kälber erkranken an Durchfall, und rund 8,7 % zeigen infektiöse Erkrankungen der Atemwege. Die dabei entstehenden Schädigungen des Lungengewebes sind irreversibel, wirken sich langfristig aus und führen so zu deutlichen Einbußen während der ersten Laktation von rund 500 l.

Aktuelle Erkenntnisse verdeutlichen die engen Wechselwirkungen zwischen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der Atemwege. Sie werden durch gemeinsame Risikofaktoren, Immunsuppression und Haltungsbedingungen vermittelt. Kälberdurchfall tritt häufig in den ersten Lebenswochen auf und wird durch verschiedene Erreger, zum Beispiel Escherichia coli F5, Rota-Virus, Corona-Virus oder Cryptosporidium parvum verursacht. Der daraus resultierende Flüssigkeits- und Elektrolytverlust führt zu Dehydratation und metabolischer Azidose, die das Immunsystem stark belasten.

Respiratorische Erkrankungen manifestieren sich typischerweise ab dem zweiten Lebensmonat und umfassen infektiöse Ursachen wie Pasteurella multocida, Mannheimia haemolytica, Mycoplasma bovis und respiratorische Viren, zum Beispiel BRSV, PI3. Diese Erreger attackieren ein durch Stress und schlechte Haltung geschwächtes Immunsystem. Eine nicht ausreichende Nährstoffversorgung und ein Mangel an Spurennährstoffen wie Selen sind weitere Risikofaktoren. Während Hitze Durchfallerkrankungen begünstigt, treten Atemwegserkrankungen vermehrt bei hoher Luftfeuchtigkeit auf. Diese wetterbedingten Faktoren kann man zwar nur bedingt beeinflussen, sie sollten aber mitgedacht werden.

Die Risikofaktoren

Beide Erkrankungskomplexe teilen zahlreiche Risikofaktoren:

Kolostrumqualität und -aufnahme: Unzureichende passive Immunität erhöht die Anfälligkeit gegenüber beiden Krankheitsgruppen.

Umweltbedingungen: Schlechte Luftqualität, hohe Feuchtigkeit und mangelhafte Stallhygiene fördern sowohl Durchfallerkrankungen durch fäkal-orale Übertragung als auch Atemwegsinfektionen durch Aerosole.

Auf Übertragungswege achten: Neben den Fütterungseinrichtungen am Tränkeautomaten oder Nuckeleimer kann auch die Wasseraufnahme an der Tränke ein Infektionsrisiko bergen.

Haltungsdichte und Management: Hohe Tierdichte und ungenügende Entmistung führen zur erhöhten Erregerexposition.

Ernährungsfehler: Fehler bei Tränkemenge, Temperatur oder Umstellungsstress wirken immunsuppressiv und prädisponieren Kälber für Mehrfachinfektionen.

Mit der sogenannten Darm-Lungen-Achse ist eine systemische Verbindung zwischen Darm- und Atemwegserkrankungen beschrieben. Durch eine initiale Enteritis (Durchfall) können Immunabwehr und Barrierefunktion des Darmes geschwächt werden, was wiederum zu erhöhter systemischer Entzündungsneigung führt.

Systemische Entzündungsreaktionen können die Lungenabwehr beeinträchtigen, wodurch pathogene Keime leichter in den unteren Atemtrakt eindringen und das bereits geschwächte Kalb zusätzlich herausfordern. Das angestrengte Immunsystem kann in dieser Situation nicht mehr adäquat auf die respiratorischen Erreger reagieren.

Somit zeigen Kälber mit vorangegangenem Durchfall ein bis zu 2,5-fach erhöhtes Risiko für nachfolgende Atemwegserkrankungen. Grundsätzlich gilt: Ein Kalb mit Durchfall ist auch immer ein potenzielles „Lungen-Kalb“. Dieser Zusammenhang wird unter anderem durch verminderte Energieaufnahme, eine gestörte Darmflora und ein geschwächtes Immunsystem erklärt.

Kontrolle und Management

Eine erfolgreiche Kontrolle beider Krankheitstypen erfordert ein integriertes Management:

optimale Kolostrumversorgung (≥50 g IgG/L, innerhalb der ersten drei Stunden nach Geburt, entsprechend einem Brix-Wert ≥22 %)

hygienisches Stallmanagement, besonders trockene Einstreu und regelmäßige Reinigung der Fütterungseinrichtungen

geeignete Lüftungssysteme, dadurch Vermeidung von Zugluft und Reduktion von Ammoniak

Stressminimierung durch stabile Gruppenhaltung und schrittweise Futterumstellung bei ausreichender Energieversorgung

Impfstrategien gegen Rota-Virus, Corona-Virus und respiratorische Pathogene, je nach Herdensituation. Mögliche intranasale Impfung nach überstandener Durchfallerkrankung

Die Dokumentation und Kennzeichnung, gegebenenfalls durch farbliche Markierung, von Durchfallkälbern fördert die Aufmerksamkeit, um bei ersten Anzeichen einer aufkommenden Atemwegsinfektion rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Mit dem Wissen, dass Kälber nach einer überstandenen Durchfallerkrankung ein höheres Risiko für Atemwegserkrankungen tragen, sollte auf diese Käber besonders geachtet werden. Der Zeitpunkt für Maßnahmen am Kalb, zum Beispiel Umstallen, Enthornen, Futteränderung, sollte dementsprechend angepasst werden.

Fazit

Kälberdurchfall und Atemwegserkrankungen stehen in einem multifaktoriellen Zusammenhang, der sowohl durch Umweltfaktoren als auch durch immunologische Mechanismen vermittelt wird. Die Prävention erfordert ein integratives Management, das sowohl die frühe Lebensphase (Kolostrum, Hygiene) als auch spätere Risikoperioden (Gruppenhaltung, Fütterung) berücksichtigt. Ein besseres Verständnis der sogenannten Darm-Lungen-Achse kann entscheidend dazu beitragen, Kälberverluste und den Antibiotikaeinsatz langfristig zu reduzieren sowie die Leistungsfähigkeit der späteren Milchkuh zu erhalten.

KI im Stall und auf dem Acker

Jahrelang war Künstliche Intelligenz (KI) in der Landwirtschaft vor allem eines: ein Werkzeug für spezialisierte Rechen- und Analyseaufgaben. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die technischen Möglichkeiten jedoch deutlich erweitert. Ein Blick darauf, warum die Technik inzwischen auch Sprache verarbeiten kann und warum das für landwirtschaftliche Betriebe relevanter ist als bisher vielfach angenommen wurde.

In den vergangenen Jahren wurde das Thema KI auf Feldtagen und Messen von vielen Praktikern zunächst eher zurückhaltend aufgenommen. Für viele erschien die Technologie abstrakt oder weit von der betrieblichen Praxis entfernt. Oder sie war schlicht schon da, ohne dass sie immer ausdrücklich als KI bezeichnet wurde. Wenn die moderne Feldspritze mithilfe von Kamerasensorik Unkraut von der Kulturpflanze unterscheidet (Spot-Spraying), dann ist das bereits KI. Und wenn der Melkroboter anhand von Sensordaten Alarm schlägt, weil eine Kuh in der Brunst ist oder eine Mastitis entwickelt, bevor das menschliche Auge es erkennt, ist das ebenfalls KI. Diese Form der Künstlichen Intelligenz wird als Machine Learning bezeichnet. Sie ist sehr nützlich, aber sie ist auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert. Sie kann genau eine Sache sehr gut: Muster in Daten erkennen. Fragt man eine Software zur Unkrauterkennung beispielsweise nach einer Zusammenfassung der neuen Düngeverordnung, kann sie darauf keine Antwort geben.

Technologische Entwicklung seit 2022

Genau hier liegt der wesentliche Unterschied zu dem, was wir seit gut zwei Jahren erleben. Mit dem Start von ChatGPT und ähnlichen Modellen hat sich die Technologie fundamental gewandelt. Die Technik ist von spezialisierten KI-Systemen zu allgemeiner einsetzbaren Modellen übergegangen.

Der Computer rechnet nicht mehr nur Nullen und Einsen aus Datensätzen um, sondern kann Sprache, Texte, Bilder und Videos verarbeiten. Die Entwicklung verläuft derzeit sehr dynamisch: Was vor zwölf Monaten noch als technische Spielerei galt, ist heute schon in vielen Bereichen verbreitet. Systeme wie Claude (Anthropic), Gemini (Google), Grok (xAI; Elon Musk) oder die Open-Source-Modelle von DeepSeek entwickeln sich schneller, als manch einer seine Fruchtfolge planen kann.

Was bedeutet das konkret für den Hof? Die KI kann sich vom reinen Werkzeug zu einer unterstützenden digitalen Anwendung entwickeln.

• Der Büro-Allrounder: Man braucht Hilfe bei der Formulierung zum Beispiel eines Widerspruchs gegen einen Bescheid? Der KI werden die Stichpunkte vorgegeben, und sie formuliert daraus in Sekunden einen Widerspruch in formellem Amtsdeutsch.

• Der Wissensmanager: Ein 80-seitiges PDF zur neuen GAP-Reform? Man lädt es hoch und fragt den Chatbot: „Was bedeutet Seite 45 konkret für meinen Betrieb in Schleswig-Holstein?“

• Der Kreative: Neue Video-KI, wie Sora oder andere kommende Modelle, können beispielsweise genutzt werden, um Inhalte für die eigene Instagram-Story zu erstellen, etwa für Betriebe mit Direktvermarktung oder Öffentlichkeitsarbeit. Egal ob Marketingvideo mit eigenen Produkten oder ein Drohnenflug über den Hof, aus einzelnen Handyfotos lassen sich Videos oder Bilder erzeugen.

Grenzen und Herausforderungen

Doch bei aller Euphorie über diese neuen Möglichkeiten ist eine nüchterne Einordnung erforderlich. KI ist kein Orakel, sie ist ein Werkzeug. Und wie jedes andere Werkzeug muss sie richtig eingesetzt werden. Besonders landwirtschaftliche Problemstellungen sind oftmals so speziell, dass der Einsatz der bekannten KI-Modelle nicht immer verwertbare Ergebnisse liefert.

Eine Herausforderung bei der Nutzung moderner Sprachmodelle besteht darin, dass sie sehr überzeugend formulierte Antworten erzeugen können, die dennoch inhaltlich nicht korrekt sind. Dieses Phänomen wird in der Fachliteratur als Halluzinieren bezeichnet. Wenn die KI eine Rechtsfrage zum Pachtvertrag beantwortet, klingt das absolut professionell, kann aber inhaltlich nicht zutreffend sein. Grundsätzlich gilt: Die Qualität der Ergebnisse hängt maßgeblich von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. Ein schlecht geführter Datenschatz im Farm-Management-System führt auch bei Einsatz von KI-Funktionen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Datensouveränität. Viele Landwirte fragen sich zu Recht: Wenn ich meine Betriebszahlen in ein solches System eingebe, wo landen diese Daten? Gerade bei Cloud-Diensten können Daten außerhalb des eigenen Betriebes verarbeitet werden. Der Markt entwickelt sich hier jedoch weiter hin zu lokalen Lösungen, bei denen die Daten das Unternehmen digital nicht verlassen.

Einordnung für die Praxis

Die KI wird den Landwirt nicht ersetzen. Die Verantwortung bleibt immer beim Betriebsleiter. Das Gefühl für den Boden, der Blick für das Tier und die unternehmerische Intuition lassen sich von keinem Algorithmus simulieren. Aber wer sich den neuen Möglichkeiten komplett verschließt, verzichtet möglicherweise auf Effizienzpotenziale. Bereits etablierte KI-Anwendungen im Stall und auf der Landmaschine tragen dazu bei, Pflanzenschutzmittel oder unnötige Tierarztkosten zu reduzieren. Neue KI-Anwendungen können künftig auch administrative Abläufe im Betrieb unterstützen und Informationen strukturieren.