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Trotz bester Witterungsbedingungen für die Maisernte fanden sich zahlreiche Kaufinteressenten zur Auktion der RSH eG in Dätgen ein. Die angebotenen Tiere konnten aufgrund der hervorragenden Qualität bei flottem Marktverlauf durch Auktionator Claus-Peter Tordsen zügig zugeschlagen werden.
Gegenüber der August-Auktion war die Preisspitze deutlich breiter bei dieser ersten Auktion des am 1. September beginnenden Geschäftsjahres der RSH. Dreimal gab es Gebote bei 4.000 € oder darüber und sechsmal für 3.000 € und darüber.
Bullen bis 4.000 €
Die Auktion begann mit der dreiköpfigen Kollektion der rotbunten Bullen. Dabei stach der dunkelrot gezeichnete „Simply Red“-Sohn „Feko“ der Zuchtstätte Thomas Schmahl, Milchhof Wesenberg, aufgrund seines überragenden Exterieurs und bemerkenswerter Leistungen auf der Mutterseite deutlich hervor. So war es nicht verwunderlich, dass sich ein hiesiger Käufer diesen Ausnahmebullen für 4.000 € sicherte. Der Durchschnittspreis der rotbunten Bullen betrug 3.000 €. Bei den schwarzbunten Bullen war die Nachfrage verhaltener. Hier wurde von den drei angebotenen Vatertieren nur „Fasco“, ein Sohn von „Diggy Dex“, vermarktet. Er erzielte 3.000 € und stammt aus der Zucht von Karsten Kaack, Ratzbek.
Färsen bis 4.350 €
Die angebotenen weiblichen Tiere wurden flott versteigert. Preissiegerin war dabei die „Redford“-Tochter „Evening“, eine abgekalbte, extrem leistungsbereite schwarzbunte Färse, ebenfalls aus der Zucht von Thomas Schmahl, Wesenberg. Bei einer Einsatzleistung von 47 kg präsentierte sie sich mit bestem Fundament sowie körperstark. Hier fiel nach hartem Bieterduell schließlich bei 4.350 € der Hammer. Eine weitere abgekalbte schwarzbunte Färse, vorgestellt von der gleichen Zuchtstätte, „Diamant“, eine körperstarke „Fangio“-Tochter, gefiel auch durch ihr hervorragendes Fundament bei hoher Einsatzleistung. Sie erreichte 4.000 €. Noch weitere drei schwarzbunte Färsen erzielten Gebote von 3.000 € oder darüber. Der Durchschnittspreis der schwarzbunten Färsen betrug 2.683 €.
Die Rohwedder GbR, Buchholz, stellte mit 3.400 € die teuerste rotbunte Färse. Die „Rambo PP“-Tochter überzeugte durch ihre ebenfalls sehr hohe Einsatzleistung, viel Kraft und Stärke sowie beste Strichplatzierung und nicht zuletzt aufgrund ihrer genetisch homozygoten Hornlosigkeit. Die rotbunten Färsen erzielten durchschnittlich 2.494 €.
Angler und Kreuzungen
Die Kollektion der abgekalbten Angler Färsen erreichte 2.288 € im Mittel. Dabei stellte Volker Asmussen, Dannewerk, mit der besonders harmonischen und genetisch hornlosen „Blavand P“-Tochter „Dusty P“ die teuerste und erzielte für sie 2.600 €. Drei sehr wüchsige und vielversprechende Angler Kälber, geboren Anfang August, angeboten von der Zuchtstätte Michael Petersen, Taarstedt, wurden im Durchschnitt für 467 € verkauft, dabei erreichte „Granate“ (Vater „Claus P“), genetisch hornlos, 550 €.
Drei abgekalbte Kreuzungsfärsen erreichten durchschnittlich 1.967 €.
Fazit
Die Kaufinteressenten nutzen verstärkt die aktuellen Marktchancen zur Bestandsergänzung, was vor dem Hintergrund der zuletzt etwas freundlicheren Milchmarktprognosen sicher betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Dazu bietet die nächste Auktion der RSH eG am 15. Oktober eine weitere gute Gelegenheit. Diese findet im Vermarktungszentrum der RSH eG in Dätgen statt. Angeboten werden Tiere, die ausschließlich aus BHV1- und BVD/MD-freien Betrieben stammen.
Beim Pachtdeckel für Windräder stellen sich die Länder quer. Der Bundesrat forderte am Freitag vergangener Woche in seiner Stellungnahme zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2027), die geplante und bei Eigentümerverbänden unbeliebte Obergrenze für Flächenpachten zu streichen.
Beim Agri-PV-Bonus schwebt den Ländern statt 0,5 ein Wert von 2,5 ct/kWh vor. Auch beim Biogas forderte die Länderkammer deutliche Korrekturen. Für die Jahre 2027 bis 2032 solle das Ausschreibungsvolumen einheitlich bei 2,5 GW liegen. Der Landwirtschaftsausschuss warb dafür, flächenschonende Lösungen gezielt zu stärken, um Konflikten mit der landwirtschaftlichen Produktion entgegenzuwirken.
Ausbauziel für Biomasse bleibt umstritten
Nicht gefolgt ist die Länderkammer einer gemeinsamen Empfehlung des Landwirtschafts- und des Umweltausschusses, wonach statt 9,5 GW installierter Leistung 19,3 GW als Ziel für Biomasseanlagen im Jahr 2035 verankert werden sollten. Die Ausschüsse hatten argumentiert, dass ein bloßes Halten der aktuellen Kapazität angesichts der im Biomassepaket 2025 bereits gekürzten Volllaststunden zu einem Rückgang der tatsächlich erzeugten Strommenge um 35 % führen würde. Die Zielmarke von 9,5 GW entspreche bereits der heutigen Leistung der Bioenergie im Stromsektor, hatte auch das Hauptstadtbüro Bioenergie kritisiert.
Bei der Herbst-Agrarministerkonferenz (AMK) am selben Tag in Würzburg haben die Ressortchefs der Länder ebenfalls einen Beschluss zum Entwurf des EEG 2027 gefasst. Auch sie lehnen den Pachtdeckel für Windenergieanlagen ab und bitten den Bund, auf den Passus sowie die geplanten Sanktionen bei höheren Grundstücksentgelten zu verzichten. Im Beschluss betonen die Agrarressortchefs zudem, dass der Ausbau der PV-Anlagen nicht zulasten landwirtschaftlicher Fläche erfolgen dürfe. Höhere Investitions- und Betriebskosten von Agri-PV- und Moor-PV-Anlagen sowie der zusätzliche Nutzen dieser Anlagen müssten gegenüber klassischen Freiflächenanlagen angemessen berücksichtigt werden. Darüber hinaus setzt sich die AMK dafür ein, verlässliche wirtschaftliche Perspektiven für bestehende und neue Biogas- und Biomethananlagen zu gewährleisten sowie ein eigenständiges Ausschreibungssegment für hochflexible Biomethananlagen vorerst beizubehalten.
Zuvor hatte der Deutsche Bauernverband (DBV) die Agrarminister gebeten, sich für Biogas- und Biomethananlagen einzusetzen, darunter für ausreichend ausgestaltete Ausschreibungsvolumina, wirtschaftlich tragfähige Förderbedingungen sowie die Absicherung bestehender Erzeugungskapazitäten. Konkret will der DBV eine Verdopplung des Ausschreibungsvolumens und einen Flexzuschlag von 150 €/kW. Auch weitere Erneuerbare Energien wie Agri-PV, Dachanlagen und Windkraftanlagen sollten weiterhin zur Wertschöpfung im ländlichen Raum beitragen, so die Verbandsforderung.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte ihren Reformkurs in der ersten Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag am Vortag verteidigt. Es gehe darum, Kosten einzusparen, da diese „explodiert“ seien. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien müsse „marktorientierter, kosteneffizienter und systemdienlicher“ erfolgen, fasste der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), Stefan Rouenhoff (CDU), in seiner Bundesratsrede zusammen.
Widerspruch kam jedoch aus den eigenen Reihen. „Wir müssen Biogas und Bioenergie stärken“, betonte Hans Koller, Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für das EEG und das Energiewirtschaftsrecht. Er warnte ausdrücklich davor, bei Biogas „etwas zu zerschlagen, was die letzten 20, 25 Jahre aufgebaut worden ist“. Zugleich mahnte Koller auch einen sparsamen Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen an. Beim Solarausbau will das BMWE hingegen den Fokus auf die vergleichsweise günstigeren Freiflächenanlagen legen.
AfD will EEG abschaffen
Die AfD-Fraktion forderte mit einem eigenen Gesetzentwurf die komplette Abschaffung des EEG. Auch die Grünen hatten bereits einen eigenen Reformentwurf präsentiert. Ihre Abgeordnete Katrin Uhlig warb im Plenum dafür, diesen zu unterstützen. Sie zeigte sich verwundert darüber, dass Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) in derselben Woche im Kabinett den Fahrplan zur Abkehr von fossilen Energien vorgelegt habe und Kabinettskollegin Reiche nun zwei Gesetze einbringe, „die den Ausbau Erneuerbarer Energien massiv ausbremsen“. Das zweite Gesetz ist das ebenfalls im Bundestag und Bundesrat beratene „Netzpaket“, mit dem der Anlagenzubau mit dem Netzausbau synchronisiert werden soll.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht ebenfalls in beiden Gesetzentwürfen einen „erheblichen Widerspruch“ zu dem von der Bundesregierung entwickelten und bei den Vereinten Nationen in dieser Woche vorgelegten Plan, bis 2045 aus den fossilen Energien auszusteigen. Das weitere parlamentarische Verfahren werde laut BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser zur Richtungsentscheidung über die wirtschaftliche Entwicklung und den Klimaschutz. Aus Verbandssicht müssten beide Gesetze deutlich nachgebessert werden, sonst drohe Stillstand in der Energiepolitik mit erheblichen negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsplätze.
In der separaten Debatte zum Netzanschlusspaket machte die SPD-Fraktion deutlich, dass sie den in der Branche scharf kritisierten Redispatch-Vorbehalt, der Anlagenbetreibern in überlasteten Netzgebieten vorübergehend die Entschädigung bei Abregelung streicht, ebenfalls ablehnt. Die Fraktion setzt laut Nina Scheer stattdessen auf den Ausbau von Speichern. Auch Grüne und Linke halten den Redispatch-Vorbehalt für den falschen Weg. Im Bundesrat fand eine komplette Streichung dieses Mechanismus indes keine Mehrheit.
Beihilferechtliche Genehmigung läuft aus
Dass die Länderkammer und die Abgeordneten im Parlament binnen zwei Tagen über beide energiepolitischen Reformen berieten, ist kein Zufall. Beide Gesetzentwürfe sind als besonders eilbedürftig eingestuft. Hintergrund ist, dass das aktuelle EEG 2023 nur bis Ende 2026 beihilferechtlich genehmigt ist. Um einen nahtlosen Anschluss zu ermöglichen, ist vorgesehen, dass das EEG 2027 am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Es wird laut Bundesregierung entsprechend angestrebt, davor das beihilferechtliche Verfahren bei der Europäischen Kommission erfolgreich abzuschließen.
In diesem Jahr stand die Norla ganz im Zeichen der Frauen in der Landwirtschaft. Mit lilafarbenen Astern und Schleifen am Revers wurde auf dem Messegelände sichtbar gemacht, wie stark Frauen die Landwirtschaft prägen und wie wichtig Solidarität untereinander ist. Auch der Landjugendverband Schleswig-Holstein hat sich klar dazu bekannt. Im Landjugendpavillon konnten sich über 40 Landjugendliche, die in der Landwirtschaft tätig sind, an einer Fotowand verewigen und so zeigen: Frauen gehören selbstverständlich zur Landwirtschaft und gestalten sie aktiv mit.
Doch nicht nur mit dieser Aktion war die Landjugend Schleswig-Holstein auf der Norla präsent. Auch 2026 war der Landjugendverband wieder mit seinem Pavillon auf dem Messegelände in Rendsburg vertreten. Über die gesamten Messetage hinweg wurde dort gebacken, geschminkt, diskutiert und vor allem miteinander gesprochen.
Ins Gespräch kommen
Beim täglichen Waffelverkauf und beim Kinderschminken kam die Landjugend mit zahlreichen Besuchern ins Gespräch. Gleichzeitig bot der Stand Raum für Gespräche über die Anliegen junger Menschen im ländlichen Raum. Gerade diese Gespräche machten einmal mehr deutlich, welchen Stellenwert die Norla für die Landjugend hat. Hier treffen Landwirtschaft, Politik, Verbände und Gesellschaft unmittelbar aufeinander. Für die Landjugend bedeutet das die Möglichkeit, ihre Themen sichtbar zu machen und mit denjenigen ins Gespräch zu kommen, die politische Entscheidungen treffen. Über die Messetage hinweg konnten zahlreiche Gäste aus Politik und befreundeten Verbänden am Landjugendpavillon begrüßt werden. Unter anderem kamen Nelly Waldeck und Umweltminister Tobias Goldschmidt von Bündnis 90/Die Grünen, Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU), Landtagspräsidentin Kristina Herbst und Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU) sowie viele weitere Gäste vorbei. Dabei blieb es nicht bei kurzen Fototerminen oder höflichen Floskeln. Es wurde diskutiert, nachgefragt und über konkrete Themen gesprochen, die junge Menschen auf dem Land und die Landwirtschaft beschäftigen.
Ein besonderes Highlight war der Besuch von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU). Im Gespräch mit ihm konnten die Landjugendlichen ihre Anliegen auch auf Bundesebene einbringen. Für den Verband ist es wichtig, nicht nur in Schleswig-Holstein Gehör zu finden, sondern die Perspektive junger Menschen aus dem ländlichen Raum auch dort zu präsentieren, wo bundespolitische Entscheidungen getroffen werden.
Erfolgreiche Politikaktion
Für zusätzliche Spannung sorgte die alljährliche Politikaktion. Dabei konnten sich verschiedene Politikerinnen und Politiker Redezeit zu den Forderungen der Landjugend erspielen. So mussten sich die Teilnehmenden mit den Positionen des Verbandes auseinandersetzen und konnten gleichzeitig zeigen, wie gut sie die Themen der Landjugend kennen. Die Aktion sorgte dabei nicht nur für Unterhaltung, sondern vor allem für einen direkten Austausch über politische Forderungen und die Zukunft des ländlichen Raumes.
Das Schminken von Kindern und Erwachsenen ist fester Bestandteil der Landjugend auf der Norla. Foto: Thore Groth
Auch abseits des Landjugendpavillons war der Verband präsent. Am Rande der Norla fand der Landesbauerntag statt, wo die Landesvorsitzenden Marlies Muxfeld und Mirco Engelbrecht ein eindrucksvolles Grußwort halten durften. Dabei unterstrichen sie erneut das klare Bekenntnis der Landjugend zur parteipolitischen Unabhängigkeit. Der Verband versteht sich als Stimme junger Menschen im ländlichen Raum, unabhängig davon, welcher Partei sie angehören. Gleichzeitig machte die Landjugend deutlich, dass für Extremismus jeglicher Art kein Platz ist.
Diese Haltung ist fest in der Geschichte des Verbandes verankert. Seit seiner Gründung vor mehr als 75 Jahren ist der Landjugendverband paritätisch besetzt. Gleichberechtigung und die Beteiligung von Frauen und Männern gehören damit nicht erst seit aktuellen gesellschaftlichen Debatten zum Selbstverständnis des Verbandes.
Ein weiterer Höhepunkt der Norla war die Siegerehrung der diesjährigen Strohpuppenaktion. Fünf Landjugendgruppen hatten mit ihren Strohpuppen eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist, wenn gemeinsam angepackt wird. Für ihren Einsatz konnten sich die Ortsgruppen über finanzielle Unterstützung freuen. Ermöglicht wurde diese durch die Sponsoren der Aktion, darunter der Giro- und Sparkassenverband und die Rinderzucht Schleswig-Holstein. Die Strohpuppenaktion steht damit beispielhaft für das, was Landjugend ausmacht: Gemeinschaft, Kreativität und die Bereitschaft, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.
Während des Wettmelkens mussten Fragen beantwortet werden. Foto: Thore Groth
Am Sonntag gab es schließlich noch einen besonderen Termin bei der Sparkasse. Am Messestand der Sparkasse waren während der Norla Eimer gegen eine Spende vergeben worden. Der Erlös kam dem Landjugendverband zugute. Dabei kam erneut eine beachtliche Summe zusammen, für die man sehr dankbar ist; schließlich trägt Unterstützung wie diese auch dazu dabei, dass die Angebote des Verbandes aufrechterhalten werden können.
Gegen 18 Uhr schlossen sich am Sonntag die Messetore. Damit ging eine ereignisreiche Norla zu Ende. Hinter den vielen Gesprächen, Aktionen und Begegnungen stehen vor allem Menschen, die sich für den ländlichen Raum engagieren und ihre Interessen selbstbewusst vertreten. Die Norla 2026 hat einmal mehr gezeigt: Landjugend ist mehr als ein Treffpunkt auf dem Messegelände. Sie mischt sich ein, sucht den Dialog und bringt die Perspektive junger Menschen dorthin, wo über ihre Zukunft gesprochen und entschieden wird. Und genau dafür bietet die Norla jedes Jahr die richtige Bühne.
Vier intensive Messetage, wechselhaftes Wetter und jede Menge landjugendlicher Einsatz: Auch 2026 war der Landjugendpavillon auf der Norla wieder ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. Bei Waffeln und Getränken, „Hau den Lukas“, an der „Bauer sucht Frau“-Fotowand und beim Kinderschminken war an allen Tagen einiges los.
Gleichzeitig bot die Norla viel Raum für Begegnungen und politischen Austausch. Zahlreiche Gäste aus Politik und Verbandswelt schauten am Pavillon vorbei, darunter Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne). Für eine besondere Überraschung sorgte der spontane Besuch von Bundesaußenminister Dr. Johann Wadephul (CDU). Bei der Politikaktion und in vielen Gesprächen zwischendurch konnten die Lajus Themen und Anliegen direkt mit den Gästen diskutieren.
Ein weiterer Höhepunkt war die Siegerehrung der diesjährigen Strohpuppenaktion. Nach wochenlanger Arbeit, kreativen Ideen und der großen Juryrundfahrt wurden auf der Norla die teilnehmenden Landjugendgruppen ausgezeichnet und die Platzierungen bekannt gegeben. So wurde der Pavillon vier Tage lang einmal mehr zu einem Ort des Austauschs, Wiedersehens und Zusammenkommens. Möglich wurde das vor allem durch die vielen ehrenamtlichen Helfer, die an allen Tagen mit angepackt haben.
Bei Waffeln und Wittenseer tauschte sich Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU, 2. v. r.) mit dem Laju-Vorstand aus. Foto: ljvUmweltminister Tobias Goldschmidt (vorn, Mitte) wird von Tessa Nafziger (li.) in das Trettrecker-Rennen eingewiesen. Foto: ljvDaniel Günther (Mitte) im Gespräch mit den Laju-Vorsitzenden Marlies Muxfeldt und Mirco Engelbrecht. Foto: ljvDie Sieger des Strohpuppenwettbewerbs wurden am Norla-Sonnabend geehrt. Foto: ljvDie stellvertretende Ministerpräsidentin Aminata Touré (Grüne) beim Besuch des Landjugend-Pavillons. Foto: Patrick MühlingEinen Scheck über 3.682,47 € erhielt die Landjugend vom Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein. Foto: jhNelly Waldeck (li.), Landtagsabgeordnete der Grünen, nutzte den Norla-Besuch für ein Gespräch mit dem Laju-Vorstand. Foto: ljvPolitik zu Gast: Abgeordnete der Landes- und Bundespolitik besuchten die Landjugend. Foto: ljvLiebe auf dem Land: Die „Bauer sucht Frau“-Wand wurde auch in diesem Jahr eifrig zum Kennenlernen genutzt. Foto: jhSiegerehrung Strohpuppenwettbewerb der Landjugend, Norla 2026; Foto: ljv
Tradition, Dankbarkeit und der Blick nach vorn standen in der vergangenen Woche bei der feierlichen Übergabe der Erntekrone 2026 im Mittelpunkt.
Die Präsidentin sowie Vertreterinnen und Vertreter des Vorstands und des Ehrenamts der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nahmen die Krone aus den Händen des Kreislandjugendverbandes Nordfriesland und des Landesvorstandes der Landjugend entgegen.
Für Kammerpräsidentin Ute Volquardsen hatte die diesjährige Übergabe eine besondere Bedeutung: Die Erntekrone stammt aus Nordfriesland und damit aus ihrer Heimatregion. Sie dankte den Landjugendlichen für die vielen Stunden Arbeit, die in der gebundenen Krone stecken, und würdigte zugleich das Engagement junger Menschen für Landwirtschaft und ländliche Räume.
Die Erntekrone symbolisiert den Dank für die eingebrachte Ernte. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass diese trotz moderner Technik, guter Planung und fachlichem Können keine Selbstverständlichkeit ist. Das zeigte auch das Erntejahr 2026. Verschiedene Witterungsbedingungen stellten die Betriebe vor Herausforderungen und sorgten regional für unterschiedliche Ergebnisse.
Der Abend bot zugleich Gelegenheit, den Blick nach vorn zu richten. Denn wer über Ernte spricht, spricht auch über das, was heute für morgen gesät wird. Eine wichtige Rolle kommt dabei der jungen Generation zu. „Landwirtschaft braucht Menschen, die Lust haben, Verantwortung zu übernehmen“, betonte Volquardsen. Junge Menschen entwickelten Betriebe weiter, probierten neue Ideen aus und seien bereit, Bewährtes zu erhalten und gleichzeitig Veränderungen anzustoßen. Die Landjugend leiste hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie bringe junge Menschen aus Landwirtschaft und ländlichem Raum zusammen, schaffe Netzwerke und Freundschaften, ermögliche Weiterbildung und biete Raum, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
Ute Volquardsen ermutigte die Landjugendlichen deshalb ausdrücklich, sich einzubringen, Fragen zu stellen und auch deutlich zu machen, wo Veränderungen notwendig seien. Denn die Landwirtschaft der Zukunft könne nur gemeinsam mit den Menschen in der Praxis gestaltet werden.
Im Anschluss gab die Kreislandjugend mit ihrem Erntebericht einen Einblick in das zurückliegende Anbau- und Erntejahr in Nordfriesland. Danach stand vor allem der persönliche Austausch im Mittelpunkt.
Die Erntekrone aus Nordfriesland hat nun ihren Platz im Foyer der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gefunden und wird die Kammer durch das kommende Jahr begleiten. Sie erinnert an die Ernte 2026 und die Arbeit, die dahintersteht. Gleichzeitig steht sie für das, was auch in Zukunft entscheidend sein wird: weiter säen, weiter ausprobieren und weiter zusammenhalten.
In diesem Jahr traten die besten Ponyreiter aus Schleswig-Holstein und Hamburg zum 58. Mal an, um die Landesponystandarte weiterzugeben und die neuen Landesmeister zu ermitteln. Auch die diesjährigen Ponychampions des Pferdestammbuchs Schleswig-Holstein/Hamburg stehen nun fest.
„Wir hatten ein tolles Landesponyturnier bei strahlendem Sonnenschein. Einen besseren Herbstanfang hätte es nicht geben können“, befand Tim Streichert am Sonntagabend während der Aufräumarbeiten. Für den zweiten Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins (RuFV) Bad Segeberg ist der Aufmarsch in jedem Jahr der Höhepunkt, aber in diesem Jahr machten ihn auch die vielen „glücklichen Gesichter“ mehr als zufrieden.
Streichert und seinem Team ist es immer wichtig, das Landesponyturnier in jedem Jahr zu verbessern und alles anzupassen. Eine daraus entstandene Neuerung war das Geländeponychampionat der Klasse A*. Auch das sah der Turnierchef positiv: „Wir sind mit der Premiere sehr zufrieden.“ Julia Wiechmann vom Pferdesport- und Förderverein Süseler Baum, Kreis Ostholstein, war ebenfalls begeistert. „Es ist eine supergute Premiere“, sagte sie. Im Sattel der fünfjährigen Donna Vincenza W von Vincenzo SH hatte sie die Prüfung gewonnen. Den Silberrang sicherte sich die ebenfalls fünfjährige Mescal-Tochter Calina. Die von Uwe Bahn gezogene Ponystute wurde von Laura Stoltenberg-Frick vom Probsteier Reitverein Schönberg, Kreis Plön, vorgestellt. Auf Rang drei kam Nino Nonstop von Wengelo’s Nelson aus der Zucht von Manfred Vogel. Geritten wurde er von Claudia Stelzer.
Am Sonnabend ging es weiter mit dem Championat der dreijährigen Hengste. Hier setzte sich Steendieks Georg Clooney von Golden Grey an die Spitze. Der Fuchsschecke stammt aus der Zucht von Peter Böge aus Schönhorst, Kreis Rendsburg-Eckernförde, und wurde von Bereiterin Mareike Peckholz vorgestellt. Sie saß auch wieder im Sattel von Steendieks Diego de la Vega von Morgensterns Dalai. Der vierjährige Hengst verteidigte seinen Titel aus dem vergangenen Jahr.
Bei den dreijährigen Stuten sicherte sich Grenzhoehes Marietta von Neverland WE den Titel. Die Stute stammt aus der Zucht von Sabine Reimers-Mortensen aus Lutzhorn, Kreis Pinneberg, und steht auch in deren Besitz. Im Sattel saß Linda Boller.
Gold für Samy Lucyga
Im Championat der vierjährigen Stuten und Wallache führte schließlich Raute von der Wiesharde von Dreidimensional AT NRW die Ehrenrunde an. Die Bundeschampionatsfinalistin aus der Zucht von Brit Svea Murmann aus Handewitt, Kreis Schleswig-Flensburg, wurde von Corinna Schwarz präsentiert.
Als Nächstes entschied sich das Championat der Dressurponys. Lia Marleen Dornecker ritt ihre sechsjährige Deutsche Reitponystute Meereen zum Sieg. Die Stute aus der Zucht von Bettina Mangels aus Todenbüttel, Kreis Rendsburg-Eckernförde, ist eine Tochter des Crown Notting Hill, war Prämienfohlen und Prämienstute und wurde schließlich mit der Note 9,1 Reservesiegerin ihrer Leistungsprüfung.
Der 13-jährige Samy Lucyga vom RuFV Birkengrund Schönhorst sicherte sich mit seiner Ms. Moneypenny den Titel des Landesmeisters in der Vielseitigkeit.Foto: RathmannVerlag/Malina Blunck
Die ersten Landesmeister wurden ebenfalls am Sonnabend bejubelt. Der Sieger in der Vielseitigkeit heißt Samy Lucyga, reitet für den RuFV Birkengrund Schönhorst und saß im Sattel von Ms. Moneypenny. Der 13-Jährige und seine Ponystute aus der Zucht von Peter Böge sind seit rund drei Jahren ein Paar und längst ein erfolgreiches Team. „Sie ist mein Herzenspony“, erzählte Samy. Silber gewann Laura Küntzler vom RuFV Südtondern Leck, Kreis Nordfriesland, mit Minnie Mouse. Bronze ging an den Hamburger Maximilian Jasper Hein mit Akebys Träum’ Mit Mir.
Großer Finaltag in Bad Segeberg ist und bleibt aber der Sonntag. Zum ersten Mal wurde an diesem Tag die Siegerschärpe im Eignungschampionat der Reitponys vergeben. Der vierjährige Hengst Freienfeldes Major Bubblegum von Mescal aus der Zucht von Swantje Hinz und seine Reiterin Anna-Marie Frahm verließen den Platz mit dem Titel.
Dankbare Siegerin
In der finalen Ponyspringprüfung der Klasse L mit Stechen blieb Lisa Helena Hübner von der Reitsportgemeinschaft Groß Buchwald, Kreis Rendsburg-Eckernförde, mit dem 13-jährigen Mikabo W von FS Maracaibo zum dritten Mal an diesem Wochenende fehlerfrei. So sicherte sie sich die Goldmedaille in der Landesmeisterschaft der Ponyspringreiter. Die Zwölfjährige war nach ihrem Triumph glücklich: „Ich bin meinem Pony doll dankbar, er hat das richtig toll gemacht. Und genauso dankbar bin ich meinen Eltern, dass sie mir das alles hier ermöglichen.“ Silber gewann Henrike Amalie Mougin aus Grömitz, Kreis Ostholstein, mit Mescal II. Isabell Albert vom Reit- und Sportverein Hüttener Berge, Kreis Rendsburg-Eckernförde, bekam Bronze mit GvK Richthofen.
Die neue Ponylandesmeisterin im Springen wurde Lisa Helena Hübner mit ihrem Mikabo W.. Foto: RathmannVerlag/Malina Blunck
Bereits am Vortag hatte sich Züchterin Brit Svea Murmann über den Sieg ihrer Raute von der Wiesharde gefreut. Nun hatte Ruth von der Wiesharde ihren großen Auftritt. Mit Lisa Kroll vom RuFV Südtondern Leck im Sattel sprang die fünfjährige Stute zum Titel im Ponyspringchampionat.
Die neue Landesmeisterin in der Dressur hat in dieser Saison bereits Brillantes mit ihrem Pony geleistet. Die Hamburgerin Sophie Levien und Carlo Carlucci tanzten in Hamburg zum Sieg im Ponydressurderby und wurden im Anschluss als Reservepaar für die Pony-Europameisterschaften im französischen Le Mans nominiert. In Bad Segeberg setzte sich Levien in den drei Wertungsprüfungen mit deutlichem Abstand an die Spitze und wurde zur Landesmeisterin gekürt. „Dieses Jahr war unglaublich. Ich habe immer noch nicht alles realisiert, was passiert ist. Das war jetzt ein sehr schöner Abschied der Saison“, sagte sie. Die Silbermedaille bekam die Fehmaranerin und Vorjahressiegerin Lilly Elisabeth Marquardt mit ihrem Dobby von D-Day AT. Bronze gewann Florine Tesdorpf von der Reitgemeinschaft Hof Barkholz mit Notre Petit von Notre Baux.
Sophie Levien gewann mit Carlo Carlucci die Ponylandesmeisterschaft Dressur. Es gratulierten Tim Streichert (v. li.), die Präsidentin des Landesverbandes der Reit- und Fahrvereine Hamburg, Anja Hillert, das Vorstandsmitglied des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein, Dr. Christiane Müller, und der Vorsitzende des RuFV Bad Segeberg, Mario Hinz.Foto: RathmannVerlag/Lena Magens
Abschied von Richter
Den gefeierten und imposanten Höhepunkt bildete der Aufmarsch der Ponyreitabteilungen vor der altehrwürdigen Tribüne auf dem Landesturnierplatz. Im 31. Wettkampf um die Landesponystandarte traten 13 Vereine aus ganz Schleswig-Holstein an. Der Reit- und Fahrverein Neuengörs und Umgebung, Kreis Segeberg, mit Karin David-Studt verteidigte souverän seinen Vorjahrestitel und nahm die Ponystandarte in Empfang. Die Ponyreiter des Fehmarnschen Ringreitervereins folgten auf dem zweiten Platz, Team I von Pferdesport Granderheide, Kreis Stormarn, belegte Rang drei.
Und so endete ein Landesponyturnier, das mit viel Liebe zum Detail und außergewöhnlichem ehrenamtlichen Engagement auf die Beine gestellt wurde.
Eins war den Verantwortlichen noch ganz wichtig: das Gedenken an den ehemaligen Vorsitzenden des RuFV Bad Segeberg und Macher des Landesponyturniers, Manfred Richter. Er war vor Kurzem recht plötzlich verstorben. „Manfred Richter hat der nachfolgenden Generation rechtzeitig Organisationsbereiche übertragen. Damit hat er dafür gesorgt, dass dieses Turnier auch weiter stattfinden kann“, sagte Streichert und machte deutlich, dass es für ihn und das Organisationsteam nicht einfach war, dieses Landesponyturnier ohne Richter durchzuführen. In einer Schweigeminute während des Aufmarsches wurde dem leidenschaftlichen Pferdemann im Rahmen seines liebsten Wettbewerbs gedacht, denn die Abteilungen waren ihm besonders wichtig. pm
Ein Frühbeet fängt die ersten und letzten Sonnenstrahlen des Jahres ein. Es funktioniert wie ein kleines Gewächshaus. Die Scheiben oder Folie lassen die Sonnenstrahlen hindurch und halten die Wärme im Inneren. Wer noch vor Weihnachten frisches Blattgrün ernten möchte, legt am besten gleich los.
Im Oktober lässt sich der freie Platz für die Aussaat von Feldsalat, Winterportulak, Radieschen und Möhren nutzen. Letztlich bestimmt der Witterungsverlauf den Erntetermin, der sich von Dezember bis Mai erstrecken kann.
Wichtig ist in den Herbst- und Wintermonaten das regelmäßige Lüften per Hand. Dies beugt Pilzkrankheiten vor, da die Luft unter Glas sehr feucht werden kann. Verfügt das Frühbeet über automatische Fensterheber, muss dennoch manuell gelüftet werden. Die Kraft der Sonne reicht ab Oktober nicht mehr aus, um die Heber zu betätigen.
Mit den untergelegten Steinen wird hier manuell gelüftet. Foto: Karin Stern
Doch das Frühbeet lässt sich auch anderweitig nutzen, etwa um geerntetes Spätgemüse bis zur Verarbeitung frisch zu halten oder einzulagern. Dafür wird Porree samt Wurzelballen stehend eingegraben. Wurzelgemüse (von Grün befreit) und Kohlköpfe (von Hüllblättern befreit) legt man in eine mit Stroh ausgekleidete Vertiefung und bedeckt das Gemüse mit Erde. Tipp: Bei Problemen mit Wühlmäusen zur Abwehr verzinkten Draht einlegen.
Im Spätherbst lässt sich das Frühbeet eine Zeit lang für die Lagerung von Gemüse nutzen. Foto: Karin Stern
Im Dezember und Januar steht – sofern es die Witterung erlaubt – die Ernte von Feldsalat, Winterportulak und Radieschen an. Zudem ist weiterhin regelmäßig zu lüften, und das eingelagerte Gemüse sollte nach und nach aufgebraucht werden. Kündigt sich starker Frost an, wird das Gemüse besser in den Keller geräumt.
Erfahrungsgemäß klappt es ab Ende Februar mit der Aussaat von Schnittsalat, Rucola, Radieschen, frühem Rettich, frühen Möhren und Kresse. Ob der richtige Zeitpunkt erreicht ist, erkennt man daran, dass der Boden so weit abgetrocknet ist, dass er sich feinkrümelig vorbereiten lässt. Bei der Wahl der Sorten ist darauf zu achten, dass diese für den Anbau unter Glas geeignet sind. Gegen Ende Februar, Anfang März erhält man im Gartenmarkt die ersten vorgezogenen Gemüse- und Salatjungpflanzen. Das erspart die Anzucht auf der Fensterbank, die zudem im Februar ohne künstliche Beleuchtung nicht gelingen dürfte. Spätestens die Märzsonne vertreibt den Winter und erlaubt Aussaat und Pflanzung auch in ungünstigeren Lagen.
Auf den Freilandbeeten herrscht noch Leere, aber aus dem Frühbeet kommt täglich Salat auf den Tisch. Foto: Karin Stern
Manche Gärtner nutzen das Frühbeet für die Anzucht von Gemüse und Sommerblumen in Aussaatschalen. Die Setzlinge kommen dann nach einer Abhärtungsphase Mitte/Ende April ins Freiland. Tipp: Wärme liebende Kulturen wie Gurke, Melone, Tomate oder Paprika zunächst im Haus auf der Fensterbank keimen lassen und frühestens nach dem Pikieren tagsüber bei Sonnenschein ins Frühbeet stellen. Nachts sollten diese empfindlichen Zöglinge wegen der niedrigen Temperaturen besser wieder ins Haus gestellt werden. Andernfalls kann es zu Entwicklungsstörungen kommen.
Im April ist der Kopfsalat erntereif, der Kohlrabi legt noch zu. An den Seitenwänden finden junge Tomatenpflanzen tagsüber ein warmes und helles Plätzchen. Foto: Karin SternSo vielseitig lässt sich ein Frühbeet mit Kresse, Rucola, Pflücksalat ‚Lollo bionda‘, Kopfsalat und Bataviasalat nutzen. Foto: Karin Stern
Je nach Pflanztermin kann man gegen Ende April bereits den ersten Kopfsalat ernten. Früher dran sind die im zeitigen Frühjahr gesäten Pflücksalate und der Rucola. Der geräumte Platz im Frühbeet lässt sich hervorragend für die Pflanzung der vorgezogenen Salatgurken, Melonen und Buschtomaten nutzen. Anfangs nehmen sie noch nicht so viel Raum ein, sodass die Salate nach und nach geerntet werden können, während sich das Wärme liebende Gemüse etabliert.
Ab Ende Mai, Anfang Juni füllen sie das Frühbeet vollständig aus. Auch Balkonpaprika oder Peperoni lohnen einen Versuch im Frühbeet. Man pflanzt sie jedoch nicht vor Mitte Mai. Tipp: Die Abdeckung des Frühbeets nach der Schafskälte im Juni entfernen und bis zum Herbst beiseitestellen. Denn auch mit automatischen Fensterhebern wird es unter der Abdeckung bei Sonnenschein sehr heiß, sodass der Ertrag von Tomate, Gurke und Co. darunter leidet.
Wer gern Endivien mag, sät im Juli im Freiland aus und setzt die Jungpflanzen Ende August nach der Gurken-, Tomaten- und Melonenernte ins Frühbeet. Auf die gleiche Weise wird mit vorgezogenem Kopf- oder Pflücksalat und Kohlrabi verfahren. Lohnend ist auch die Aussaat von Feldsalat, Spinat, Kresse und Winterportulak für die Herbsternte. Je nach Witterung sollte das Frühbeet im Verlauf des Septembers wieder seine Abdeckung erhalten.
Automatische Fensteröffner erleichtern das regelmäßige Lüften enorm. Foto: Karin Stern
Frühbeete sind als vorgefertigte Bausätze aus Holz, Metall oder Kunststoff erhältlich. Möglich ist auch ein Selbstbau mit Holz, Gewächshausfolie oder Stegdoppelplatten. Letztere isolieren etwas besser, sind allerdings auch teurer. Das Grundprinzip ist ganz einfach: Als Umrandung dienen Bretter, als Eindeckung ein Holzrahmen, auf dem Folie oder Stegdoppelplatten befestigt werden. Unbedingt eine Lüftungsmöglichkeit einbauen! Selbst gebaute Frühbeetkästen aus Kiefernholz wirken optisch sehr ansprechend. Werden sie auf eine Umrandung aus Steinen gestellt, verlängert sich ihre Haltbarkeit. Auch ein Hochbeet lässt sich mit einem Frühbeetkasten versehen. So kombiniert man die Vorteile eines Hochbeets mit der Möglichkeit, die Anbausaison zu verlängern. Tipp: Hier sollte auf eine entsprechende Windsicherung des Frühbeets geachtet werden.
Die Verwendung spezieller Gewächshausfolie empfiehlt sich für selbst gebaute Frühbeete. Foto: Karin SternDieses selbst gebaute Frühbeet wird für den Anbau von Küchenkräutern genutzt. Foto: Karin Stern
Werden Geflügelfleisch- und Honigimporte aus Brasilien in die Europäische Union bald wieder möglich sein? Nach Abschluss des Audits durch Experten der Europäischen Kommission erklärte Brasiliens Landwirtschaftsminister André de Paula Anfang September, die Ergebnisse seien „zufriedenstellend“. Eine Sprecherin der Brüsseler Behörde betonte dagegen in der vergangenen Woche, der Bericht liege noch nicht vor.
Auf die Frage, wann mit den Ergebnissen zu rechnen sei, wollte die Sprecherin „nicht spekulieren“. Am 1. September, wenige Tage vor Abschluss des Audits, hatte die Kommission noch angegeben, es könne „mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate dauern“, bis die Resultate der Prüfung vorlägen.
Aus dem brasilianischen Ministerium hieß es indes, die Kontrollen seien positiv bewertet und Geflügel sowie Honig damit für den EU-Markt so gut wie zugelassen worden. Nun müsse man „den bürokratischen Prozess abwarten“. Man gehe davon aus, dass man schon bald wieder auf der Liste der Geflügel- und Honiglieferanten für die Europäische Union stehen werde.
Hintergrund ist ein seit dem 3. September geltendes EU-Importverbot für eine Reihe von Agrargütern aus Brasilien, darunter Geflügelfleisch, Honig und Rindfleisch. Grund für das Verbot sind fehlende oder zu spät eingereichte Nachweise, dass die Masttiere beziehungsweise Bienen während ihrer gesamten Lebensdauer nicht mit antimikrobiellen Wachstumsförderern behandelt wurden. Der Einsatz entsprechender Wirkstoffe ist in der EU untersagt.
Für Geflügelfleisch und Honig konnten die nötigen Nachweise aufgrund kürzerer Produktionszyklen bereits in den Sommermonaten nach Brüssel eingereicht werden. Werden diese nun als ausreichend bewertet, ist – vorausgesetzt, die Experten der EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) stimmen zu – mit einer Wiederzulassung der Importe zu rechnen. Bei Rindfleisch dürfte dies dagegen noch eine Weile dauern: Hier liegen die Produktionszyklen bei ungefähr zwei Jahren.
Der brasilianische Verband der Fleischexportindustrie bezeichnet die Unterbrechung der Warenströme in die EU als „besonders besorgniserregend“. Für den europäischen Absatzmarkt gebe es keinen automatischen Ersatz, betont der Verband. Das gelte vor allem für den Absatz hochwertiger Teilstücke. China importiere hauptsächlich Schlachtkörper, um diese im eigenen Land weiterzuverarbeiten.
Mit Blick auf die ausgesetzten brasilianischen Rindfleischimporte in die EU zeigt sich das Mercosur-Land Paraguay besorgt. Der Generaldirektor der paraguayischen Fleischkammer, Daniel Burt, warnte vor steigenden Einfuhren aus Brasilien. Er zeigte sich enttäuscht: Nur wenige Monate nach Inkrafttreten des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten laufe der Fleischmarkt eher über, statt sich wie versprochen durch Handelserleichterungen zu entspannen. Gleichzeitig räumte er ein, dass es gewisse Möglichkeiten gebe, mehr paraguayisches Rindfleisch in der EU abzusetzen. age
Kanada als assoziiertes EU-Mitglied:
Landwirtschaft wäre wohl außen vor
Was würde ein Beitritt Kanadas als assoziiertes EU-Mitglied für die europäische Landwirtschaft bedeuten? Diese Frage stellt sich mancher nach der überraschenden Ankündigung von EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU), die Nordamerikaner als erstes assoziiertes Mitglied aufnehmen zu wollen. Die CDU-Politikerin hatte das in ihrer diesjährigen Rede zur Lage der EU im Straßburger Parlament in Aussicht gestellt (siehe Seite 10). Zur Einordnung: Schon ein regulärer EU-Beitritt der Ukraine wäre agrarpolitisch nicht mit dem eines Schwergewichts wie Kanada vergleichbar. Wer mehr Konkurrenz für die heimische Landwirtschaft fürchtet, kann trotzdem aufatmen – vorerst. Zwar sind die meisten Details der Pläne noch offen. Der kanadische Regierungschef Mark Carney machte in seiner Rede am Donnerstag vergangener Woche im Straßburger Parlament aber klar, wie er sich eine assoziierte Mitgliedschaft vorstellt.
Mark Carney Foto: EU
Laut Carney könnten beide Seiten unter anderem bei kritischen Rohstoffen, gemeinsamen Rüstungsprojekten, Künstlicher Intelligenz, Energiesicherheit und Weltraumpolitik enger zusammenarbeiten. Gleiches gelte für Freizügigkeit sowie gemeinsame Erasmus- und Horizon-Programme. Der Vorsitzende der liberalen Partei Kanadas erwähnte die Agrarpolitik in seiner Aufzählung nicht. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Landwirtschaft aus möglichen Verhandlungen herausgehalten werden könnte: Carney kündigte an, lediglich den Handel mit „nicht landwirtschaftlichen Gütern“ zwischen beiden Seiten weiter auszubauen. Von einer Einbindung Kanadas in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) war ebenfalls keine Rede. Gleiches gilt für die phytosanitäre Zusammenarbeit und andere Fragen der Lebensmittelsicherheit.
Dem Vernehmen nach ist es beiden Seiten angesichts der Komplexität lieber, dieses Thema aus möglichen Gesprächen herauszuhalten. Gleichzeitig scheinen sich die agrarpolitischen Beziehungen auch dank des fast zehn Jahre alten Handelsabkommens zwischen EU und Kanada (Ceta) weiter zu verbessern. Der Agrarhandel wächst: Laut EU-Kommission legten die EU-Exporte nach Kanada zuletzt jährlich um im Schnitt 5,5 % zu, die Importe aus Kanada um 8,4 %. age
Die 40. Dithmarscher Kohltage auf dem Hof Hagge in Zennhusen (Gemeinde Hemme), Kreis Dithmarschen, werden im September dieses Jahres nicht nur als Traditionsfest gefeiert, sondern als öffentliches Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft. Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs und Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU) waren sich einig darüber, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft stärker anerkannt werden sollte.
Auf dem Hof der Familie von Thies Hagge-Kern und Andrea Hagge wurde am Dienstag der traditionelle Kohlanschnitt begangen. Für die Auftaktveranstaltung der 40. Dithmarscher Kohltage reiste erstmalig auch Ministerpräsident Daniel Günther an, um gemeinsam mit Landrat Thorben Schütt (CDU) und Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs das Kohlmesser des Kreises Dithmarschen am grünen Blattgemüse anzusetzen.
Für Borwieck-Dethlefs und Günther stand eine Zielbotschaft im Vordergrund: Schleswig-Holsteins Landwirtinnen und Landwirte sollten und müssten mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren – sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft. „Die Kohltage machen Dithmarschen und seinen Kohl sichtbar, aber sie machen vor allen Dingen die harte und anstregende Arbeit unserer Landwirtinnen und Landwirte sichtbar“, so Borwieck-Dethlefs. „Ich würde mir sehr wünschen, dass durch das Offenlegen dieser Arbeit mehr Respekt und mehr Wertschätzung für die Branche entstehen.“
Gleichzeitig appellierte sie an die Gesellschaft, diese müsse tiefer in die Tasche greifen, damit Qualität, Wertschöpfung und Nachhaltigkeit in Schleswig-Holstein erhalten bleiben könnten. Die Kohltage stünden für sie auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demonstrierten, was möglich sei, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen zusammenarbeiteten, statt sich in Negativem zu verlieren. Von Günther wünschte sie sich eine Politik, die der Landwirtschaft mehr Gehör schenke, sodass gemeinsame Lösungen möglich seien.
Eindrücke des ersten Tages der 40. Dithmarscher Kohltage Fotos: Patrick Mühling
Den Kohlanbau in Dithmarschen und die Veranschaulichung durch die Kohltage würdigte auch der Ministerpräsident. Auf den fruchtbaren Marschböden Dithmarschens werden jedes Jahr etwa 90 Millionen Kohlköpfe geerntet. „Ich glaube, es ist gut, dass wir in Schleswig-Holstein mal ein bisschen angeben und zeigen, was wir haben“, sagte Günther. Mit dem größten zusammenhängenden Kohlanbaugebiet Europas müsse man sich nicht verstecken. „Vor 40 Jahren wurde einmal gesagt, die Bayern feiern immer ihr Bier. Da können wir in Schleswig-Holstein auch unser Nationalgemüse ordentlich vermarkten“, betonte der Ministerpräsident.
Auf die Worte seiner Vorrednerin Borwieck-Dethlefs ging er ebenfalls ein. Angesichts globaler Unsicherheiten und unterbrochener Lieferketten müsse bei der Gesellschaft stärker ins Bewusstsein rücken, dass die heimische Landwirtschaft die Versorgung mit Lebensmitteln sicherstelle. Besonders der Kohlanbau sei trotz zunehmender Mechanisierung weiterhin mit erheblicher körperlicher Arbeit verbunden, weshalb Günther ebenfalls eine höhere Würdigung von Erntehelferinnen und -helfern forderte.
Der Ministerpräsident sprach auch die Themen Vertrauen und Freiräume an: „Immer, wenn ein Problem besteht, wird man darauf angesprochen mit: ,Das muss die Politik regeln.’“, verriet er. Politik solle, so Günther, jedoch nicht jedes Problem durch neue Gesetze und Regulierungen lösen. „Ich glaube, dass wir das Ganze umkehren müssen. Dafür brauchen wir uns aber gegenseitig“, erklärte er. Günther appellierte eindrücklich, dass ein Bürokratieabbau nur funktionieren könne, wenn Politik und Gesellschaft akzeptierten, dass es danach auch Menschen geben könnte, welche die neugewonnenen Freiheiten nicht zum Positiven einsetzten.
Der Ministerpräsident durfte dieses Jahr selbst den Kohlanschnitt durchführen. Foto: Patrick Mühling
Sätze wie „Warum habt ihr denn hiergegen kein Gesetz erlassen?“ wolle er dann nicht hören. Freiräume bedeuteten damit gleichzeitig Verantwortung. Und diese wolle er den Landwirtinnen und Landwirten geben. „Wir haben in Schleswig-Holstein bewiesen, dass man nicht nur durch Verordnungen Umweltschutz schafft“, so der Ministerpräsident. Stattdessen setze man in vielen Bereichen bereits auf freiwillige Vereinbarungen.
Er habe viele Landwirtinnen und Landwirte erlebt, die Nachhaltigkeit lebten, weil sie einen gesunden Boden und gesunde Tiere haben wollten. Für diese Menschen müsse man es umso mehr schaffen, dass sie am Ende von ihrer Arbeit leben könnten. „Man kann sich immer herunterziehen lassen und über Dinge aufregen, aber in unserem Land läuft auch verdammt viel gut. Das sehen wir an den Dithmarscher Kohltagen“, betonte Günther. Dieses Engagement zeige, dass es viele optimistische Leute gebe, die anpackten. „Und ich finde, genau die sollten wir viel mehr in den Mittelpunkt stellen.“
Lange Zeit diente das lang gezogene Gebäude der Reeperbahn Glückstadt im Freilichtmuseum Molfsee als Materiallager und schlummerte in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin. Doch damit ist es vorbei: Wiederhergestellt und herausgeputzt erstrahlt das historische Gebäude in neuem Glanz und wurde zudem Mitte September offiziell in einer kleinen Feierstunde zum ersten Haus des Jahres im Freilichtmuseum gekürt.
Mit diesem neuen Format „Haus des Jahres“ rückt künftig jährlich eines der historischen Gebäude in den Mittelpunkt des musealen und öffentlichen Interesses. Die ausgewählten Häuser werden dafür jeweils überarbeitet, neu erschlossen und als besonderer Ort erlebbar gemacht. Den Anfang macht dieses Jahr die Reeperbahn Glückstadt. Mit viel Engagement und Manpower wurden das Maschinenhäuschen und die sich daran anschließende überdachte Reepschlägerei von Bewuchs und Unrat befreit, der Lehmboden wiederhergestellt. Neben der Präsentation von Ausstellungsobjekten rund um das Seilereihandwerk wurden Verweil- und Aufenthaltsorte geschaffen, die das Gebäude und seine einstige Funktion direkt erlebbar machen.
Blick ins Haus, in dem unter anderem die Frankfurter Spinnmaschine zu sehen ist Foto: Iris Jaeger
Die Reeperbahn beschreibt den Arbeitsplatz eines Reepschlägers, der auf langen Bahnen Seile hergestellt oder „geschlagen“ hat. „Reep“ ist dabei das niederdeutsche Wort für Seil oder Tau. Wer also bei „Reeperbahn“ in erster Linie an die Vergnügungsmeile und an das Nachtleben in Hamburg-St. Pauli denkt, liegt nicht ganz richtig. Ursprünglich wurden auch da Seile in erster Linie für die Schifffahrt hergestellt. „Die Reeperbahn erzählt von einem alten Handwerk, von Material und Geschick, von körperlicher Arbeit und überliefertem Wissen. Aber sie erzählt ebenso von wirtschaftlichem Wandel, von Familiengeschichte und davon, wie sehr sich unsere Lebens- und Arbeitswelten verändert haben“, sagte Dr. Thorsten Sadowsky, Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, im Rahmen der Feier zur ersten Vorstellung eines Hauses des Jahres. Von 1812 bis 1969 habe sich die Glückstädter Reeperbahn im Besitz der Familie Reinhardt befunden. Als sie dem Straßenbau weichen musste, wurde sie zunächst eingelagert und schließlich nach Molfsee versetzt.
„Seit 1985 gehört sie zu diesem Museum. Und doch beginnt diese Geschichte heute in gewisser Weise noch einmal neu. Denn genau das ist die Idee des Hauses des Jahres. Wir wollen unsere historischen Gebäude nicht nur bewahren, wir wollen sie immer wieder neu erschließen, neue Perspektiven auf sie eröffnen und ihre Geschichte mit unserer Gegenwart in Beziehung setzen“, betonte Sadowsky. Dem pflichtete Museumsdirektorin Prof. Kerstin Poehls bei. Ein Freilichtmuseum sei schließlich kein Archiv abgestellter Häuser. „Es ist ein lebendiger Ort. Seine Gebäude sind historische Zeugnisse, aber sie entfalten ihre Bedeutung erst dann vollständig, wenn Menschen sie betreten, ihre Geschichten entdecken, miteinander ins Gespräch kommen und eigene Erfahrungen mit ihnen verbinden.“
Kuratorin Astrid Paulsen erinnerte zusammen mit Vincent Lühr, einem Nachfahren der einstigen Glückstädter Reepschlägerfamilie, an die Geschichte des Gebäudes und des Handwerks. So seien Reeperbahnen im Wesentlichen zur Zeit der Hanse und des wachsenden Seehandels entstanden. Erstmals schriftlich belegt sind Reepschläger in Norddeutschland in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Seit dem 14. Jahrhundert schlossen sie sich in den Hafenstädten zu Handwerksverbänden, den sogenannten Reepschlägerämtern zusammen. Diese legten die Regeln für Rohstoffe, Herstellung, Ausbildung und Handel fest. „Das Ursprungsmaterial der Taue und Seile war Hanf, und das wurde auch genauso festgelegt. Da durfte kein anderes, billigeres Material verwendet werden“, so Astrid Paulsen. Mit der Industrialisierung und der Verbreitung von Dampfschiffen verlor das Handwerk seit dem späten 19. Jahrundert schrittweise an Bedeutung.
Mit dem Austreibewagen wurden Stränge, sogenannte Duchten, geschlagen – Grundlage für jedes Tau. Foto: Iris Jaeger
Glückstadt wurde 1617 vom dänischen König Christian IV. gegründet. Hafen und Festung sollten sein Reich stärken und gleichzeitig Hamburg Konkurrenz machen. Um 1800 erlebte Glückstadt seine Blütezeit. Handels-, Robben- und Walfangschiffe liefen den Hafen an und benötigten große Mengen an Tauwerk. Diese lieferten vor Ort gleich vier Reepschlägereien. In einer davon machte Andreas Reinhardt (1785-1867) seine Lehre. 1812 übernahm er als Meister den Betrieb. „50 Jahre lang hat er dann im Freien die Seile auf einer Länge von 220 m geschlagen, bei Wind und Wetter. Das war ein echter Knochenjob“, erinnerte Vincent Lühr an die Arbeit seiner Vorfahren. 1852 übernimmt Jakob Reinhardt (1817-1882) den väterlichen Betrieb und überdacht die Bahn 1863 auf einer Länge von 75 m. Die Bretter der Längswand sollen dabei von Transportkisten der örtlichen Zuckerfabrik stammen, andere Bauteile von einem gestrandeten Walfangschiff. 1867 geht der Betrieb an Sohn Andreas (1841-1931) und bleibt bis 1969 in Familienhand, zuletzt geführt von Reepschlägermeisterin Magdalene Reinhardt. Dann musste die Reeperbahn dem Straßenbau weichen und wurde 1985 im Freilichtmuseum wieder aufgebaut.
Vincent Lühr ist der Urgroßneffe von Magdalene Reinhardt und entwickelt aktuell in seiner Examensarbeit an der Uni Flensburg Ideen, wie Grundschüler diesen besonderen Ort künftig spielerisch und altersgerecht entdecken können. Wie mit einem Seil werden auf diese Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft – das entspricht dem Konzept vom Haus des Jahres.
Und wer immer schon wissen wollte, was es mit dem „roten Faden“ auf sich hat, wird auch in der Seilerei fündig: Das teure Tauwerk der britischen Marine wurde häufig gestohlen und zu Geld gemacht. Daraufhin wurde das sogenannte Gaunergarn erfunden: Man zog durch sämtliche Seile einen roten Faden, der sich nicht mehr entfernen ließ, und Johann Wolfgang von Goethe griff dieses Bild in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ auf. Er machte es zur Metapher für ein Motiv, das sich erkennbar durch einen Text oder ein Leben zieht.