Mark Dümichen wirtschaftet seit vielen Jahren in Direktsaat. Er nutzt ein ausgeklügeltes System, zu dem stetige Bodenbedeckung, Kompost und Komposttee sowie bio-algeen-Produkte gehören.
An einem warmen Tag Mitte August sitzen Landwirt Mark Dümichen aus Lichterfelde im Fläming und Armin Maaß, Außendienstberater für bio-algeen-Produkte von der Schulze & Hermsen GmbH, gemeinsam in Dümichens historischem Vierseithof. Dieser Hof ist – mit Unterbrechung während der DDR-Zeit, als hier die örtliche Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) saß – seit über 400 Jahren im Familienbesitz. An diesem Punkt sind wir schon mitten in Dümichens Kernproblem: „Wir hatten hier immer einmal schwierige Zeiten. Zu jeder Zeit aber hat der Hof mindestens 15 Familien ernährt. Heute muss meine Frau dazuverdienen und ich weiß wirklich nicht, ob ich meinem Sohn, der Agrarwissenschaften studiert, zur Übernahme raten soll.“
Dümichen zählt auf: Alles wird teurer, nur die Getreidepreise sinken. Der Klimawandel macht die Produktion unsicher, zumal hier am Südhang des Fläming, wo Regen rar ist und die Böden leicht sind. Die Eigentumsstrukturen machen es ihm, der die Hälfte seiner Betriebsfläche pachtet, auch nicht leichter: „Soll ich meinen Boden in Ordnung bringen und dann gehen meine 20 Eigentümer los und verpachten an den Nächsten?“
Wie alles begann – der Abschied vom Pflug
Dümichen hat seine Entscheidung vor vielen Jahren getroffen. Ja, er bringt seine Böden in Ordnung, denn er ist überzeugt: „Nur auf gesundem Boden kann ich gesunde Nahrungsmittel erzeugen.“
Pflügen, sagt er, sei für jeden Boden das Schlimmste: „Ich schichte ihn um, bringe Sauerstoff hinein und er geht kaputt. Allen, die jetzt sagen ,Das haben wir schon immer so gemacht‘, entgegne ich: Ja, weil wir keine Maschinen hatten, mit denen wir die Kulturen in den bewachsenen Boden bekommen haben. Jetzt haben wir sie. Die Technik ist so gut, dass wir den Pflug nicht mehr brauchen.“
Natürlich hat auch er es anders gelernt: „Wir alle haben zu viel über den Ertrag geredet und zu wenig über den Boden.“ Doch als er kurz nach Ende seiner Ausbildung, 1993 war das, gemeinsam mit seinem Vater als Wiedereinrichter zu wirtschaften begann, merkten beide schnell, dass die Kosten zu hoch waren. So begannen sie mit der Mulchsaat, Dümichen trat der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung bei und lernte hinzu. Anfang des neuen Jahrtausends wechselte er zur Direktsaat und stieß alsbald auf die Drilltechnik des brasilianischen Herstellers Semeato. Heute besitzt er zwei Maschinen, eine 15 Jahre alte mit 4,50 m Arbeitsbreite und eine fünf Jahre alte mit 5,20 m. „Die sind robust, einfach zu handhaben und genau das, was ich brauche. Schließlich drille ich jede meiner Flächen zweimal im Jahr.“
„Als ich diese Technik kennengelernt hatte, stand mein Weg fest“, sagt er schlicht und fasst in wenigen Sätzen zusammen, wie sich ihm das ganze System öffnete: „Es geht darum, die Böden wiederzubeleben und das Wasser zu halten. In meiner Fruchtfolge wechseln sich Blatt-, Halm- sowie Sommer- und Winterfrucht konsequent ab. Zwischenfruchtmischungen mit zehn und mehr Kulturen baue ich ein, wann immer ich kann. Und zu diesem Konzept gehören für mich weitere Maßnahmen, nämlich Kompost und Komposttee sowie bio-algeen-Produkte.“ Das Ergebnis: „Wir ernten nicht mehr, aber gleichbleibend. Mit deutlich weniger Kosten.“
Die Wurzel macht den Unterschied
Armin Maaß nickt. Er ist seit 1990 Berater bei Schulze & Hermsen und kennt Vater und Sohn Dümichen schon seit Jahrzehnten. In einem engen Vertrauensverhältnis hat er begleitet, wie sich die beiden in Versuchen an die bio-algeen-Produkte herangetastet haben: „Sie haben mit Raps angefangen und immer Vergleiche von unbehandelten und behandelten Parzellen angestellt.“ Mark Dümichen nickt und ergänzt: „Der Raps kommt besser durch den Winter. Die Wurzel sieht deutlich anders aus, auch wenn man oberirdisch vielleicht erst einmal nichts davon sieht. Auf so einem Standort hier macht das aber den Unterschied.“ Und das ist dringend nötig, denn der Südhang des Fläming hat es wirklich in sich. In diesem Jahr, in dem alle genug oder sogar zu viel Niederschläge im Sommer hatten, regnete es in Lichterfelde gerade einmal 40 l.
Auch das Getreide bekomme eine ganz andere Wurzel, fährt Dümichen fort: „Das bio-algeen bringt die Bakterien dazu, die Wurzel zu versorgen. Die bekommt dann so einen richtigen Mantel aus Boden.“ Und noch einen Vorteil habe es, wenn er Raps und Getreide nur mit bio-algeen beize: „So könnte ich eventuelle Reste an meine 150 Schweine verfüttern.“
Beim Mais, ergänzt Maaß, sei das Resultat eine bis oben hin mit Körnern besetzte Spindel. Mehr Wurzel bedeutet mehr Photosynthese, die Pflanze steht länger, außerdem erreichen mehr Feinwurzeln mehr von dem immobilen Phosphat.
Alles, was Biologie und Bodenfruchtbarkeit herstellt
Nachdem er eine ganze Reihe von Biostimulanzien ausprobiert habe, sagt Dümichen, gehörten zu seinem Produktionssystem heute die Produkte von bio-algeen und Karner sowie selbst erzeugter Kompost und Komposttee. Damit unterstützt er seine vier Hauptkulturen, darunter 180 ha Getreide, und weitere 180 ha Vermehrungsfläche verschiedenster Kulturen, wie Erbse, Ölrettich, Leindotter, Winterrübse, Buchweizen, Phacelia, Peluschke oder Serradella. Gebeizt wird mit der BZ-5-Beize, Raps und Getreide erhalten das Pflanzenhilfsmittel S90 plus 2 aufs Blatt.
„Alles, was Biologie und Bodenfruchtbarkeit erzeugt, gehört in mein Direktsaatsystem“, erzählt der Landwirt weiter. „Ich bringe jedes Jahr elf Tonnen Zwischenfrüchte in meinen Boden, größtenteils selbst angebaute, ein paar Arten kaufe ich zu.“
Den bereits erwähnten Kompost erzeugt er nach dem Prinzip der gelenkten Kompostierung. Dafür wird das Ausgangsmaterial – 25 Strohballen als Unterlage, 1 % Lehm sowie verschiedene organische Materialien – bei 55 °C kompostiert und täglich gewendet. Nach sechs Wochen ist der Kompost fertig. Die 300 t, die er in diesem Jahr herstellt, kommen ausschließlich seinen Agroforstschlägen zugute. Die anderen Flächen werden mit Komposttee versorgt. Hierfür kommen 35 kg Kompost und 10 kg Honig „für die Mikroorganismen“ in ein 7.000-l-Fass, in das bei exakt 25 °C Wassertemperatur zwei Tage lang Luft eingeblasen wird. Eine Füllung reicht für 40 ha: „Die bringe ich zwei- bis dreimal aufs Blatt, abwechselnd mit bio-algeen.“
Ein ausgeklügeltes System, mit dem er dem Klimawandel auf seinem schwierigen Standort trotzen könne. Dümichen gibt seine Erkenntnisse freimütig an die vielen Interessierten weiter, die sich seinen Betrieb anschauen. Doch damit er seinem Sohn eines Tages guten Gewissens den Betrieb übergibt, braucht es mehr: nämlich das Gefühl, von Politik und Gesellschaft verstanden und unterstützt zu werden.




