Die außergewöhnlich lange Kälteperiode in den Monaten Januar und Februar haben die Bestände der Wintergerste und des Winterroggens auch dank häufiger Schneebedeckung relativ gut überstanden. Dennoch ist von einem reduzierten Ausgangsbefall gerade mit Rostkrankheiten und dem Echten Mehltau auszugehen. Neben Sortenwahl und Saattermin bildet der Ausgangsbefall einen wichtigen Multiplikator in der Krankheitsentwicklung, der insbesondere einen frühzeitigen Befallsaufbau fördert. Entscheidend für den Krankheitsdruck bleibt dennoch die Witterung in den Monaten April und Mai.
Sowohl der Braunrost im Roggen als auch der Zwergrost in der Wintergerste haben in der jeweiligen Kultur langjährig sowohl in der Befallsstärke als auch bezüglich der Ertragsdepressionen die höchste Bedeutung. Gerade bei einem frühzeitigen Befallsaufbau fallen die Ertragsverluste besonders hoch aus. Strahlungsreiche Witterung in Kombination mit milden Nächten fördert beide Krankheiten. Außerdem müssen vereinzelte Niederschläge hinzukommen, wobei zumindest beim Roggen-Braunrost bereits starker Tau ausreichen kann. Für eine erfolgreiche Keimung der Sporen sind nämlich nur zirka 70 % Blattnässe über einen Zeitraum von zirka sechs bis zehn Stunden nötig. Schwächere Infektionen können bereits bei niedrigen einstelligen Temperaturen erfolgen, weshalb oft Ausgangsbefall im Herbst/Winter oder zum Vegetationsstart im Frühjahr zu finden ist. Für eine rasante Ausbreitung sind jedoch höhere Temperaturen maßgeblich.
Mindestens 15 °C sollten beim Roggen-Braunrost für eine stärkere Infektion vorliegen. Der Temperaturbereich für eine optimale Entwicklung liegt allerdings zwischen 20 und 25 °C in Verbindung mit Nachttemperaturen von über 12 °C. Der Zwergrost in der Gerste ist an milde Temperaturen angepasst, sodass der optimale Temperaturbereich für Infektion und Pilzwachstum bei ungefähr 15 bis 20 °C liegt.
Rhynchosporium und Niederschläge
Im Krankheitsspektrum sowohl des Winterroggens als auch der Wintergerste spielen die Rhynchosporium-Blattflecken eine wichtige Rolle. Für eine erfolgreiche Infektion sind mindestens zwölf Stunden Blattnässe nötig, und auch die Verbreitung der Sporen erfolgt über Regentropfen, weshalb diese Krankheit für einen stärkeren Befall auf regelmäßige und höhere Niederschläge angewiesen ist.
Speziell in der Wintergerste hat auch die Netzfleckenkrankheit eine Bedeutung, wobei in den letzten Jahren kaum stärkerer Befall auftrat. Eine Ausnahme stellte das Frühjahr 2024 dar, als die Witterungsfaktoren, bestehend aus häufigen Niederschlägen, frühzeitig hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung, für diese Krankheit optimal zusammentrafen. Die Verbreitung erfolgt mit dem Wind, womit eine schnelle Durchdringung der Bestände möglich ist.
Feuchtes Mikroklima und milde, strahlungsarme Witterung sind für die Entwicklung des Echten Mehltaus essenziell. In beiden Kulturen treten spezialisierte Untergruppen auf, die dementsprechend in Gersten- und Roggen-Mehltau unterschieden werden. Ertragsverluste durch den Echten Mehltau waren in den vergangenen Jahren selten.
Ramularia kaum greifbar
Die Ramularia-Sprenkelkrankheit hat in den vergangenen Jahren in der Gerste eine hohe Bedeutung erlangt und mündete bei stärkerem Befall in deutlichen Ertragsverlusten. Der Befallsdruck nimmt dabei innerhalb Schleswig-Holsteins von Nord nach Süd zu. Viele Aspekte der Epidemiologie sind weiterhin unklar, weshalb eine Prognose dieser Krankheit enorm schwierig ist. Hohe Ertragsrelevanz scheinen Infektionen der Blattetagen Fahnenblatt und F-1 zu haben, die über windverbreitete Sporen bei milden Temperaturen und langer Blattnässedauer erfolgen. Lang anhaltend starke Sonneneinstrahlung macht dann die Symptome meist in der Milchreife sichtbar.
Große Unterschiede zwischen den Sorten
Sortentoleranzen stellen einen enormen Faktor der Krankheitskontrolle dar. Gerade in der Wintergerste bestehen zwischen den Sorten so große Unterschiede in der Anfälligkeit gegenüber den zuvor beschriebenen Krankheiten, dass man oftmals mit der Sortenwahl den Schwerpunkt und die Intensität des Krankheitsgeschehens festlegt. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein veröffentlicht daher jährlich die aktuellen Krankheitsbonituren der Landessortenversuche in der Wintergerste.
Hohes Resistenzniveau in der Wintergerste
Resistente Isolate der Krankheitserreger kommen in der Wildpopulation vor oder entstehen durch Mutation. Sie widerstehen den Fungiziden und werden durch wiederholte Anwendungen selektiert, bis sie den Wildtyp verdrängen. Die Anwendungshäufigkeit einzelner Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen ist damit der wesentliche Faktor für Resistenzentwicklungen. Stark fortgeschritten sind die Resistenzen sowohl bei der Netzfleckenkrankheit als auch der Ramularia-Sprenkelkrankheit in der Gerste. Gegen die Netzfleckenkrankheit sind aktuell nur die Wirkstoffe Pyraclostrobin (Beispiel-Produkte: Comet, Balaya) und Trifloxystrobin (Produkte: Delaro Forte, Cayunis) aus der Fungizidgruppe der Strobilurine wirksam. Diese sollten nur in anfälligen Sorten oder bei hohem Befallsdruck zum Einsatz kommen.
Bezüglich der Ramularia-Sprenkelkrankheit sind derzeit nur Kombinationen hochwirksam, die das Kontaktfungizid Folpet (Produkte: Folpan 500 SC, Amistar Max) sowie die Azol-Fungizide Mefentrifluconazol oder Prothioconazol enthalten. Dabei sollte die Aufwandmenge robust gewählt werden. Ein jährlicher Wechsel der zwei Azole ist zur Resistenzverzögerung sinnvoll.
Fokus Abschlussbehandlung
In beiden Kulturen hat die Abschlussbehandlung zum Ährenschieben die höchste Bedeutung, sowohl hinsichtlich des Krankheitsdrucks als auch der Ertragssicherung. Auch der Schutz der Blattetagen F-1 und F-2 ist sinnvoll, wobei in gesünderen Sorten mehr als zwei Behandlungen kaum wirtschaftlich sind. In anfälligen Sorten unter starkem Befallsdruck ist besonders zu berücksichtigen, dass die applizierten Fungizide nur die Blattetagen ausreichend schützen können, die zum Zeitpunkt der Behandlung bereits entwickelt sind.
Sobald die Blattetage F-2 voll entwickelt ist, muss auf Infektionsbedingungen der Rhynchosporium-Blattflecken geachtet werden. Hier reichen in Abhängigkeit vom Infektionsdruck und der Sortenanfälligkeit 0,4 bis 0,6 l/ha eines prothioconazolhaltigen Produktes (250 g/l Wirkstoffgehalt) aus. Der Echte Mehltau in der Wintergerste wird dabei mit erfasst. Auch auf den Zwergrost (Wintergerste) sowie den Braunrost (Winterroggen) muss geachtet werden. Bei sichtbaren Sporenlagern sind 0,6 bis 0,8 l/ ha eines tebuconazolhaltigen Fungizides (250 g/l Wirkstoffgehalt) – mit der Stoppwirkung – eine wirksame Option.
In der Abschlussbehandlung der Wintergerste sollten sowohl der Blattapparat als auch die Grannen Berücksichtigung finden, sodass die Entwicklungsphase des Ährenschiebens hierfür ideal ist. Empfehlenswert sind die Produkte 1,2 l/ha Revytrex, 1,2 l/ha Pioli + 0,6 l/ha Soratel oder 1,2 l/ha Ascra Xpro, jeweils immer in Kombination mit 1,0 bis 1,5 l/ha Folpan 500 SC, um eine ausreichende Absicherung gegen die Ramularia-Sprenkelkrankheit zu gewährleisten. Nur speziell in für Netzflecken anfälligen Sorten sollten den zuvor genannten Kombinationen 0,5 l/ha Comet/Tomec zugemischt werden oder die Wahl auf 1,5 l/ha Delaro Forte + 1,5 l/ha Folpan 500 SC fallen.
Auch im Winterroggen erfolgt die Abschlussbehandlung idealerweise zum Ährenschieben. Elatus Era (0,8 l/ha) oder Pioli + Soratel (1,4 l/ha + 0,7 l/ ha) sind zu bevorzugende Produkte. Bei höherem Befallsdruck und vor allem bei vorhandenem Ausgangsbefall mit Braunrost ist die Zugabe von 0,8 l/ha Orius notwendig.
Weitere Informationen zu der Wirksamkeit zugelassener Fungizide in der Wintergerste beziehungsweise dem Winterroggen finden sich unter folgenden Links: https://t1p.de/wintergerste beziehungsweise https://t1p.de/winterroggen
Fazit
Die Witterung und die Sortenwahl entscheiden über die Relevanz von Krankheiten und den Krankheitsdruck im Allgemeinen. Rhynchosporium-Blattflecken spielen unter kühlfeuchten Witterungsbedingungen besonders in anfälligen Sorten eine wichtige Rolle. Zwerg- (Gerste) und Braunrost (Roggen) sind auf strahlungsreiche, warme Witterung angewiesen und können besonders hohe Ertragsverluste verursachen. Mit Ausnahme anfälliger Sorten sind insgesamt mehr als zwei Fungizidbehandlungen nicht wirtschaftlich. Insbesondere in der Wintergerste sollte man das Einsparpotenzial durch Sortentoleranzen nutzen. Auch in Hinblick auf die schwierige Resistenzsituation der Ramularia-Sprenkelkrankheit sowie der Netzfleckenkrankheit in der Gerste ist dieser Aspekt hochrelevant.




