Die Holsteiner Pferdetage mit der Verbandsstutenschau, den Landes-Championaten in Dressur und Springen, den Qualifikationen zum Bundes-Championat und der Fohlenauktion boten eine Bühne für die Besten. Doch neben dem tollen Sport gab es leider auch einen Unfall. Die Reiterin Ulrike Pöhls aus Neumünster musste mit dem Hubschrauber nach Hamburg geflogen werden, hat aber die Intensivstation noch am gleichen Tag wieder verlassen.
Den Auftakt zu den Holsteiner Pferdetagen machten die Dressuraspiranten. Nach den Reitpferdeprüfungen und den Qualifikationen am Donnerstag wurden am Freitagvormittag auf dem Herbert-Blöcker-Platz die ersten Landes-Champions des Jahres gekürt. In einer Dressurpferdeprüfung der Klasse L im Klassement der Fünfjährigen setzte sich Sir Mystic EA von Sir Donnerhall-Fürst Heinrich gegen die Konkurrenz durch. Der Rappwallach aus der Zucht (Z.) und dem Besitz (B.) von Elisabeth Christina Ahn-Ballies aus Grebin, Kreis Plön, kam mit Laura Wilms im Sattel zu einer Gesamtnote von 8,2. Dafür wurde ihm bei der Championatsehrung der begehrte Eichenkranz umgelegt.
Die Silbermedaille sicherte sich Questore von Quantensprung-Lorentin I (Z.: Claus-Heinrich Petersen aus Ahrenviöl, Kreis Nordfriesland) mit der Note 7,7. Jan Lens saß für das Gestüt Fohlenhof im Sattel. Auf der Bronzeposition rangierte Caramel von Caracho-Aljano (Z.: Sönke Wilhelm Thamling aus Kollmar, Kreis Steinburg). Paula de Boer hatte die braune Stute gesattelt und die Wertnote 7,5 erhalten.
Die Siegerehrung im Landes-Championat der sechsjährigen Dressurpferde führte Black Jack JG von Bon Coeur-Hofrat aus der Zucht von Joana Graf aus Bargfeld-Stegen, Kreis Stormarn, an. Kaddur Kelkha ritt den Rapphengst zu einer Wertnote von 7,8. Auf dem zweiten Platz (7,5) folgte Fiorino Hit EA von Fürst Romancier-Licotus, ebenfalls aus der Zucht von Ahn-Ballies und vorgestellt von Laura Wilms. Die Bronzemedaille vergab das Richterkollegium, das aus Gabriele von Appen, Tanja Konopka und John Mc Cormack bestand, an Belle de Jour von Bon Coeur-Lorentin I (Z.: Nicole Högler, Leonberg) unter Christian Busse (7,5).
Starke Vierjährige
Am Sonnabend wurde es im Parcours schon ab 9 Uhr spannend, als es bei den vierjährigen Springpferden um die Vergabe des Titels Landes-Champion ging. Sie mussten eine Springpferdeprüfung der Klasse A** bewältigen, was sehr vielen jungen Talenten hervorragend gelang. Von 28 Qualifizierten absolvierten 20 den Parcours ohne Abwurf. Doch nur wer eine Wertnote von mindestens 8,5 erreichte, kam in die Platzierung des Finales. Mit einer 8,8 setzte sich schließlich Cieramo VA von Cieran-Clarimo unter dem Iren Diarmuid Howley an die Spitze dieser starken Konkurrenz. Cieramo stammt aus der Zucht und dem Besitz von Manfred von Allwörden aus Grönwohld, Kreis Stormarn.
Den Siegern dicht auf den Fersen waren Martini von Million Dollar-Carthago (Z. und B.: Sören von Rönne aus Neuendeich, Kreis Pinneberg) und der Däne Konstantin Deeken Künnemann mit einer 8,7. Die Bronzemedaille wurde gleich zweimal vergeben: Zum einen an Daikon VA von Dominator Z-Cassini I, der ebenfalls vom Grönwohldhof stammt und unter Edmond Guntz-Malblanc punktete, und zum anderen an Mathilda von Del Arko-Corrado (Z. und B.: Torsten Gripp aus Willenscharen, Kreis Steinburg), die von Antonia-Selina Brinkop pilotiert wurde. Beide Pferde wurden mit 8,6 bewertet.
Das Finale der siebenjährigen Springpferde wurde in einer Springprüfung der Klasse S* mit Stechen ausgetragen. Hier setzte sich die Crumble-Cassini I-Tochter Inside of my Heart (Z.: Thomas Voss aus Schülp, Kreis Rendsburg-Eckernförde) gegen die Konkurrenz durch. Philipp Battermann pilotierte die Schimmelstute zu Gold. Silber ging an den gekörten Hengst Coquetto von Cornet Obolensky-Casquetto (Z.: Witt Pferdezucht GbR in Wellinghusen, Kreis Dithmarschen) mit Hannes Ahlmann im Sattel. Es folgte der ebenfalls gekörte Hengst Diamant de Operette VA von Diamant de Semilly-Contender (Z.: Manfred von Allwörden), den Mathilda Karlsson ritt.
Sturz im Finale
Überschattet wurde das Championat von einem schweren Sturz. Ulrike Pöhls aus Neumünster und die Stute Indira kamen am letzten Hindernis des Stechparcours zu Fall. Während Indira den Parcours auf vier Beinen verlassen konnte, musste die Reiterin mit dem Rettungshubschrauber in eine Hamburger Klinik geflogen werden. Am Abend kam die Nachricht, dass Ulrike Pöhls die Intensivstation verlassen konnte.
Die Holsteiner Pferdetage wurden auch als Geburtstagsfeier für den 20-jährigen Hengst Clarimo genutzt, der einst selbst mit Rolf-Göran Bengtsson auf internationalem Parkett erfolgreich war und nun mit seinen Nachkommen Werbung für das Holsteiner Pferd in Zucht und Sport macht. Im Anschluss waren die jüngsten Holsteiner dran: Insgesamt 21 Fohlen des aktuellen Jahrgangs kamen zur Versteigerung. Zur Preisspitze avancierte Rosalie von Crack-Casall aus der Zucht von Achaz von Buchwald aus Hamburg. Für 16.500 € wurde diese Tochter der international erfolgreichen Canada I.Z. zugeschlagen. Zwei weitere Fohlen waren den Kunden 10.000 € oder mehr wert. Zum einen war das C’est la Vie von Charaktervoll-Barcley (Z.: Heiko Clausen aus Nieblum, Kreis Nordfriesland) aus dem berühmten Cassini-Stamm 3389 (10.500 €). Zum anderen kostete Rhapsodie von Casall-Clearway (Z.: Jan-Kuhrt Stegemann aus Eesch, Kreis Dithmarschen) glatte 10.000 €. Der Durchschnittspreis der verkauften Fohlen lag bei 8.166 €.
Im Anschluss an die Springprüfung der Klasse S** mit Stechen, die Christoph Lanske mit dem Holsteiner Hengst Catching Fire von Cellestial für sich entscheiden konnte, wurde der Herbert-Blöcker-Platz in ein Fußballfeld verwandelt: „Kickers meet Holstein“ stand an.
Zwei Siegerstuten
Am Sonntag gab es dann noch einmal ein volles Programm: Die Verbandsstutenschau sowie die Landes-Championate der fünf- und sechsjährigen Springpferde waren angesetzt. Die Holsteiner Siegerstuten 2023 heißen N-Quinta (springbetont) und Mein ganzes Herz WK (dressurbetont).
N-Quinta von Casall-Corofino I aus der Zucht von Günther Fielmann aus Schierensee, Kreis Rendsburg-Eckernförde, war bereits als Siegerin ihrer Eintragung im Körbezirk Rendsburg-Eckernförde herausgestellt worden. Ihre Mutter Nanett I wurde 2002 selbst mit dem Titel der Holsteiner Siegerstute ausgezeichnet und kann mittlerweile fünf S-erfolgreiche Nachkommen vorweisen. „N-Quinta ist eine außergewöhnliche Stute mit hervorragender Typausprägung und drei sehr guten Grundgangarten“, urteilte Zuchtleiter Stephan Haarhoff, der gemeinsam mit Carsten Lauck und Hanno Köhncke die Kommission bildete. Erste Reservesiegerin wurde Nubia BB von Keaton-Casall (Z.: Manfred Birchler, Schweiz), der zweite Reservesieg ging an Nouri von Colcannon-Lavall I (Z.: Avora Pferde GmbH & Co. KG aus Welmbüttel, Kreis Dithmarschen).
Den Titel der dressurbetonten Holsteiner Siegerstute 2023 darf fortan Mein ganzes Herz WK von Escolar-Aljano (Z.: Wenke Kraus, Niedersachsen) tragen. „Ein imposantes Stutenmodell mit beeindruckender Bewegungsmechanik, viel Abdruck und Kraft“, kommentierte Stephan Haarhoff. Der Reservesieg wurde Noblessa HaS von Fürstenball-Contender (Z.: Zuchtgemeinschaft Rörden aus Witsum/Föhr) zugesprochen.
Weitere Titel
Sehr gute sportliche Leistungen wurden in den Championaten der fünf- und sechsjährigen Springpferde gezeigt. Der fünfjährige Hengst Cellado von Cellestial-Corrado I (Z.: Schmidt GbR, Mecklenburg-Vorpommern) gewann bereits die Qualifikationsprüfung und sicherte sich im Landeschampionat mit den Wertnoten 9,1 und 9,3 in den beiden Umläufen ebenso souverän den Sieg. Im Sattel saß dabei Christoph Lanske, Bereiter im Stall von Enno Glantz. Silber (Wertnoten 8,5 und 8,9) ging an Tomte von Toulon-Carthago (Z.: Zuchtgemeinschaft Jan und Karin Lüneburg aus Hetlingen, Kreis Pinneberg), geritten von Rasmus Lüneburg. Dritte wurden Carmarino VA von Carbol-Clarimo (Z.: Manfred von Allwörden) und Diarmuid Howley mit den Wertnoten 8,7 und 8,6.
Bei den Sechsjährigen wurde Django Riff von Diarado-Cassini II (Z.: Frank Neumann aus Ausacker, Kreis Schleswig-Flensburg) mit der Siegerschärpe und der Paradedecke geehrt. Maximilian Gräfe hatte den Schimmel in einem pfeilschnellen Stechen zum Sieg pilotiert. Platz zwei sicherten sich Charly de Luxe von Charleston-Cantoblanco (Z.: Gisela Jahns aus Großharrie, Kreis Plön) und Philipp Schöllhorn. Der Holsteiner Verbandshengst Charaktervoll von Comme il faut-Contendro I (Z.: Manfred von Allwörden) und Rolf-Göran Bengtsson sprangen auf die Bronzeposition. pm




