Maike Rottstegge-Koch betreibt einen Ponyhof, idyllisch gelegen am Ortsende von Bellin, Kreis Plön. Bis zum nächsten Hof in Richtung Ortsmitte sind es gut 400 m. Nach dem Hof kommen nur noch Felder und Wälder. Ein treuer Wachhund ist hier draußen unerlässlich, muss aber kinderfreundlich sein. Neben normalem Reitunterricht bietet Rottstegge-Koch pädagogisches und therapeutisches Reiten an. Ein bissiger Wachhund würde ihr pädagogisches Konzept konterkarieren. Sie entschied sich deshalb für einen Weißen Großspitz.
Großspitze gelten als älteste Hofhunderasse in Deutschland: Im Jahr 1450 wird erstmals ein „Spitzhunt“ in einem niederrheinischen Dokument erwähnt. Das Problem war, ein solches Tier zu bekommen. „Immer wenn ich gesagt habe, dass der Hund auf einem Bauernhof leben soll, weigerten sich die Züchter, mir einen Welpen zu verkaufen.“ Der Grund dafür war, dass Hunde auf Bauernhöfen oft im Stall oder im Zwinger leben müssen. Das mag der selbstbewusste Großspitz nicht und wird aggressiv. „Die Katzenartigen unter den Hunden“, charakterisiert ihn Maike Rottstegge-Koch. Ein verantwortungsvoller Züchter will dieses Schicksal seinen Welpen ersparen.
Passende Wachhunde
Aber dann klappte es doch. Eine junge Familie in Hamburg, die im dritten Stock lebte, fühlte sich mit ihrem Großspitz überfordert und konnte der jungen Hündin auch nicht den Auslauf bieten, den sie brauchte. So war beiden geholfen. Was für Maike Rottstegge-Koch wichtig war, waren die Papiere, die mit der Hündin mitkamen. Denn sie wollte nicht nur den passenden Wachhund für ihren Hof, sie wollte auch züchten. Sie möchte ihren Beitrag dazu leisten, dass der Großspitz, der auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen steht, für die Zukunft erhalten bleibt.
Bei Maike Rottstegge-Koch dürfen die Großspitze artgerecht frei herumlaufen. Sie bleiben dabei stets an der Grundstücksgrenze. Die bewachen sie. Kommt ein Besucher, begleiten sie den Gast bis zum Haus. Wenn Frauchen dem Hund bedeutet, dass der Besuch willkommen ist, ist seine Aufgabe erfüllt.
Die Großspitze von Maike Rottstegge-Koch bewachen aber nicht nur ihren abgelegenen Hof. Sie schlagen auch Alarm, wenn nachts eines der Ponys Kolik hat oder die Geburt eines Fohlens kurz bevorsteht. „Das ist schon in ‚Brehms Tierleben’ beschrieben“, sagt Maike Rottstegge-Koch.
Beste Familienhunde
Außerdem sind Großspitze allerbeste Familienhunde, mit denen es sich richtig gut und gefahrlos auf dem Sofa knuddeln lässt. Auch mit Katzen kommen sie gut klar. Inzwischen hat Hündin Evoli schon mehrmals geworfen. Die ganz kleinen Großspitze haben dabei durchaus Ähnlichkeiten mit Eisbärbabys. Man kann ihnen stundenlang zuschauen, wenn sie miteinander herumtollen.
Zwölf Wochen bleiben die Welpen bei der Mutter. Weniger geht nicht. „In dieser Zeit bringt ihnen die Hündin die Beißhemmung bei“, erklärt Maike Rottstegge-Koch. Mit auf dem Hof lebt auch Asgar, ein Sohn von Evoli, der längst größer ist als seine Mutter.
Maike Rottstegge-Koch wünscht sich, dass noch mehr Landwirte den Großspitz als ihren Hof- und Familienhund entdecken. Die Farbe Weiß sollte sie nicht abschrecken, auch wenn es nach längeren Regenperioden schon einmal schlammig auf dem Hof werden kann: „Großspitze haben ein ganz besonderes Fell. Der Schlamm trocknet an, aber er verbindet sich nicht mit den Haaren. Ist der Schlamm trocken, schütteln sich die Hunde, und der ganze Dreck ist weg“, sagt die Züchterin.
Man sieht den Hunden mit den langen weißen Haaren nicht an, dass sie sehr pflegeleicht sind. „Der Großspitz sieht aus wie ein typischer Spitz. Das bedeutet, er hat eine Ringelrute und aufrechte, kleine Ohren. Die Schnauze erinnert an die eines Fuchses.“
Größere Verbreitung
„Früher wurden vor allem auf den großen Gütern in Schleswig-Holstein Großspitze gehalten. Und auch Kaiserin Elisabeth von Österreich – Sissi – hatte in ihren späten Jahren einen Großspitz“, weiß Maike Rottstegge-Koch.
Es gibt auch Großspitze in Braun und Schwarz. Die sind vor allem in Süddeutschland verbreitet und bewachen die Weinberge. Dort gibt es überhaupt mehr Großspitze als in Norddeutschland. Die Großspitze fanden irgendwann den Weg nach Amerika. Dort wurde der American Eskimo Dog eingekreuzt. Diese Linie stammt aus amerikanischen Zirkussen, ist gut dressierbar und jagt, ganz im Gegensatz zur ursprünglichen Linie. Doch Maike Rottstegge-Koch steht auf die ursprünglichen Großspitze – und wünscht sich, dass diese schöne, alte Hof- und Hütehunderasse wieder eine größere Verbreitung findet.




