Mit dem Start der neuen GAP Anfang des Jahres wird neben anderen Maßnahmen auch der Anbau von Agroforstsystemen (AFS) gefördert. Bei AFS erfolgt der gemeinsame Anbau von Gehölzen mit einer weiteren pflanzlichen oder tierischen Nutzung auf der Fläche. Die räumliche Anordnung und Verwertung der Gehölze können stark variieren. Die in Deutschland historisch vorkommenden AFS sind zum Beispiel Streuobstwiesen oder die Waldweidenutzung. Der Artikel beschreibt, worauf es ankommt.
Im Rahmen der GAP 2023 wird der streifenförmige Anbau von Gehölzen auf Acker- und Grünland in Höhe von 60 €/ha gefördert. Bei streifenförmigen AFS sind die Gehölzabstände den mechanisierten Produktionsbedingungen im Betrieb angepasst. Bei der Etablierung von AFS sollte die spätere Verwendung des Holzes entschieden sein. Demnach ist zusätzlich in Abhängigkeit vom Standort die geeignete Baumart zu wählen. Wenn eine energetische Verwertung oder eine stoffliche Nutzung der Holzfasern erfolgen soll, eignen sich in überwiegenden Fällen ertragsstarke zertifizierte Pappelsorten.
Abhängig von den Ertragszuwächsen liegt der Erntezyklus zwischen drei und zehn Jahren. Die Standdauer beträgt 20 bis 30 Jahre. Bei der stofflichen Nutzung wie zum Beispiel der Faserproduktion ist tendenziell eine geringere Pflanzendichte zu wählen, und der Erntezyklus ist länger. Ist das Ziel des Anbaus die Produktion von Wertholz, müssen deutlich längere Standzeiten der Gehölze festgelegt werden. Weiterhin ist die Pflanzdichte der Werthölzer (zum Beispiel Kirsche oder Eiche) deutlich geringer zu wählen.
Der Anbau von Gehölzstreifen erfolgt mit Stecklingen (20 bis 30 cm), mit Pflanzruten (90 bis 200 cm) oder Ganzpflanzen im Frühjahr, wenn der Boden nicht mehr gefroren ist, kein Spätfrost droht und der Rehbock mit dem Fegen größtenteils aufhört. Im Gegensatz zum konventionellen Marktfruchtbau ist die Pflege der Gehölzstreifen vergleichsweise extensiv. Entscheidend ist ein effizienter mechanischer oder chemischer Pflanzenschutz im Anbaujahr. Bei ausreichender Nährstoffversorgung des Bodens ist eine Düngung nicht nötig.
Die Wahl des Ernteverfahrens ist abhängig von der Pflanzdichte, der Dimension der Gehölze und der Holzverwertung. Geeignete Verfahren sind betriebsübliche Motorsägen und Hacktechnik, selbstfahrende Gehölzhäcksler oder Forstmaschinen. Die Rekultivierung der Gehölzflächen erfolgt mit einer Bodenfräse. Für zentrale Fragen zur Bewirtschaftung von AFS ist der deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) eine erste Anlaufstelle.
Betriebswirtschaftliche Einschätzungen
Durch die Etablierung von AFS wird die Produktvielfalt des landwirtschaftlichen Betriebes erhöht, und Schwankungen im Betriebseinkommen können gesenkt werden. Wenn die Gehölze zur eigenen Wärmeproduktion genutzt werden, kann die Abhängigkeit von preisvolatilen fossilen Energieträgern vermieden werden.
Da Gehölze im Vergleich zum Marktfruchtbau einen geringeren Nährstoff- als Wasserbedarf haben und die Gehölzernte am besten bei gefrorenem Boden im Winter erfolgt, verschieben sich die Konkurrenzräume hin zu nassen Flächen. Demzufolge sind AFS in Gunstregionen wie der Kölner Bucht, dem Straubinger Gäu oder der Magdeburger Börde gegenüber deckungsbeitragsstarken Marktfrüchten weniger wirtschaftlich, ebenso auch in Regionen in Schleswig-Holstein mit sehr guten Böden.
Ein wichtiger Aspekt der Konkurrenzfähigkeit von AFS gegenüber dem Marktfruchtbau sind die Wechselwirkungen zwischen Marktfrüchten und Gehölzen. Es ist zu erwarten, dass die Auswirkungen der Gehölze auf die Marktfrüchte größer sein werden als umgekehrt. Die von den Gehölzen ausgehende Verschattung sowie die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe können ertragsmindernd auf nahe gelegene Marktfrüchte wirken. Hingegen könnten eine Verschattung oder ein möglicher Windschutz durch Gehölze die Verdunstung bei Marktfrüchten senken und einen Mehrertrag ermöglichen.
Einschätzungen zum ökologischen Fußabdruck
Während der Bewirtschaftung von AFS findet durch eine starke Bewurzelung der Gehölze eine zusätzliche Kohlenstoffbindung statt, die den CO2-Fußabdruck senkt. Infolge der extensiven Bewirtschaftung der Gehölze ist eine längere Bodenruhe gegeben, die vor allem für Bodenlebewesen wie Regenwürmer einen Rückzugsort bietet. Die reduzierten oder sogar ausbleibenden Dünge- und Pestizidgaben fördern den Trink- und Gewässerschutz. Zusätzlich senkt vor allem die ausbleibende Stickstoffdüngung in den Gehölzstreifen nachfolgende klimaschädliche Lachgasemissionen.
Der Anbau von AFS kann einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und Verbesserung der Landschaftsästhetik leisten, wenn dieser in agrarisch dominierten Landschaften erfolgt. Optimal angelegte Gehölzelemente können Trittsteine zwischen Naturschutzflächen sein und einen Austausch von Arten über Distanzen zulassen. In agrarisch dominierten Landschaften in der Ebene können die optimal angelegten Gehölzelemente weiterhin Windbewegungen senken und Erosion vermeiden. Hingegen ist der Schutz gegen Wassererosion bei starker Hangneigung und Gewässernähe am effizientesten.
Fazit
Die Chancen und Risiken von AFS sind wesentlich vom Standort abhängig. Die ökologischen Vorteile von Gehölzen können sich sowohl kurzfristig (zum Beispiel Windschutz) als auch langfristig (zum Beispiel Bodenfruchtbarkeit) in einen ökonomischen Mehrwert übersetzen. Die Konkurrenzkraft von AFS gegenüber dem alleinigen Anbau von Marktfrüchten ist von den standörtlich bedingten Wechselwirkungen abhängig. Eine ökonomische Chance beim Anbau von Gehölzstreifen ist gegeben, wenn der Preis von fossilen Rohstoffen steigt und der Anbau auf Feldstücken erfolgt, die weniger günstig für den Marktfruchtbau sind. Obwohl der Anbau von AFS in agrarisch dominierten Landschaften und Gunstregionen ökologisch am sinnvollsten ist, erscheint dies jedoch ökonomisch am schwierigsten zu verwirklichen. Dies sollte aus politischer Perspektive berücksichtigt werden, wenn zukünftige GAP-Förderbeträge bestimmt werden.
Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft
Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) ist zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Agroforstwirtschaft in Deutschland und verwandte Themen. Er setzt sich dafür ein, dass die Agroforstwirtschaft in der Landwirtschaft verstärkt genutzt wird. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch sozial und ökologisch verantwortbar sein – hier bietet die Agroforstwirtschaft viele Vorteile.
Durch Bildungs- und Informationsangebote sowie die Begleitung und Umsetzung von Projekten zur Agroforstwirtschaft möchte der DeFAF Wissenschaft, Praxis, Politik und Gesellschaft zusammenbringen, um gemeinsam gute Umsetzungsmöglichkeiten für die Nutzung von Agroforstsystemen in der Landbewirtschaftung zu erarbeiten.
Weitere Informationen unter defaf.de




