Ende Mai/Anfang Juni überragt er die Getreidebestände: der Ackerfuchsschwanz. Hatte man die Notbremse gezogen und die Befallsnester rechtzeitig abgemulcht, so ist nun kein neuer Samen ausgefallen. Geschah dies aber nicht, landen nun, je nach Besatz, Hunderte bis Tausende von neuen Ackerfuchsschwanzsamen auf dem Boden. Wie geht man damit um, wie kann man den Sameneintrag in den Boden verhindern beziehungsweise minimieren?
Eine Schlüsselstellung im Samenmanagement nimmt die Stoppelbearbeitung ein. Die Art der Bodenbearbeitung entscheidet darüber, ob ausgefallener Ackerfuchsschwanzsamen keimt oder für Jahre den Samenvorrat im Boden anreichert.
Der essenzielle Punkt dabei ist die Keimruhe der Samen. Frisch ausgefallene Ackerfuchsschwanzsamen müssen nachreifen, ehe sie keimen. Ackerfuchsschwanz besitzt dabei eine primäre und eine sekundäre Keimruhe (siehe Tabelle). Die primäre Keimruhe kann nach Literaturangaben von null bis acht Wochen dauern. Praktisch kommen null Wochen aber kaum zum Tragen. Ursächlich dafür sind neben der genetischen Prägung zusätzlich die herrschenden Temperaturen während des Zeitraumes der Samenreife des Ackerfuchsschwanzes. Kurz gesagt: Je wärmer und trockener es in dieser Phase ist, desto kürzer ist die primäre Keimruhe.
Die Bestimmung der primären Keimruhe wird umso schwieriger, je bestockter die Ackerfuchsschwanzpflanzen sind. Zieht sich die Bestockungsphase über einen längeren Zeitraum hin, haben die jeweiligen Triebe je nach Witterungseinfluss eine unterschiedlich lange Keimruhe.
Durch Dunkelheit gelangen frisch ausgefallene Ackerfuchsschwanzsamen in die sekundäre Keimruhe. Das bedeutet, dass diese Samen im aktuellen Herbst nicht mehr keimfähig sind und die Samenbank im Boden aufgefüllt wird. Eine in den Boden eingreifende beziehungsweise mischende Bodenbearbeitung erzielt diesen unerwünschten Effekt. Je tiefer Samen vergraben werden, desto länger ist die sekundäre Keimruhe. Ursachen sind die dort herrschenden gleichmäßigeren Temperatur- und Feuchteverhältnisse und ein höherer CO2-Gehalt in Verbindung mit weniger O2 in der Bodenluft.
Handlungsempfehlungen gegen Ackerfuchsschwanz
Im Folgenden werden verschiedenen Handlungsempfehlungen basierend auf der Biologie des Ackerfuchsschwanzes gegeben:
Situation 1: Ackerfuchsschwanz-Ähren sind flächig sichtbar, viele Ähren bedeuten viele Samen. ➔ Ziel: Keimung der Samen
Dr. Stephen Moss, der englische Herbizidexperte, bezeichnete die standardmäßige Stoppelbearbeitung als „waste of time“ (Zeitverschwendung). Mit Kenntnis der Biologie des Ackerfuchsschwanzes wird schnell klar, warum. Die gängigen Geräte, wie Kurzscheibenegge und Grubber arbeiten in einer Tiefe, die zwangsläufig zu einer Bodenbedeckung des ausgefallenen Ackerfuchsschwanzsamens führt. Bodenbedeckung bedeutet Dunkelheit, somit keine Keimung aufgrund der sekundären Keimruhe und in dessen Folge Anreicherung des Bodensamenvorrates.
Dagegen sorgt der Einsatz eines flach arbeitenden Gerätes (Striegel) für den erforderlichen Lichtreiz, sodass bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit die Keimung oberflächennaher Ackerfuchsschwanzsamen erfolgen kann. Ist kein Striegel vorhanden, darf das alternative Bodenbearbeitungsgerät nur an der Oberfläche kratzen. Im Zweifel ist es besser nichts zu machen als zu tief zu bearbeiten und eine sekundäre Keimruhe auszulösen. Bei kurzer primärer Keimruhe und Niederschlägen zwischen den Striegelgängen (Feuchtigkeit ist zwingend notwendig für die Keimung) wird der Erfolg innerhalb von zirka drei bis fünf Wochen sichtbar. Eine lange primäre Keimruhe verschiebt diesen Prozess zeitlich nach hinten und somit auch die nachfolgende Grundbodenbearbeitung und Aussaat. Wird aber mit einem tiefen Bearbeitungsgang Samen vorher vergraben, ist die Chance auf Keimung vertan und der Samenvorrat im Boden weiter angereichert.
Das Thema Strohverteilung kommt zusätzlich erschwerend dazu. Strohschwaden sind ein enormes Problem, und die Gefahr steigt mit zunehmender Schneidwerkbreite. Im Zweifel muss das Stroh abgefahren werden, da unter einer Strohmatte Ackerfuchsschwanz kaum beziehungsweise stark verzögert keimt.
Situation 2: Befallsnester wurden rechtzeitig gemulcht, die restliche Fläche ist ackerfuchsschwanzfrei, aber es ist hinreichend Samenpotenzial aus den Vorjahren im Boden vorhanden. ➔ Ziel: Bodensamenvorrat abbauen
Da kein Ackerfuchsschwanzsamen auf der Bodenoberfläche liegt, braucht der Striegel nicht zum Einsatz zu kommen. Der erste Bearbeitungsgang dient der Stroheinmischung, um die Strohrotte zu fördern. Des Weiteren sollten die sich im Boden befindlichen Ackerfuchsschwanzsamen aus den Vorjahren aus der sekundären Keimruhe zum Leben erweckt werden. Durch Lichtreiz und Feuchtigkeit (kurze Niederschläge) wird die Keimung dieser Samen angeregt.
Die Wahl des Bearbeitungsgerätes und die Bearbeitungstiefe hängen auch davon ab, wo sich der Großteil der Samen befindet. Die klassische Kurzscheibenegge ist besonders gut geeignet für Samenpotenzial in den oberen 5 cm Boden. Ein mehrmaliger Einsatz bietet jeweils neuen Lichtreiz und damit die Chance auf neue Auflaufwellen. So besteht die Möglichkeit, die Ackerfuchsschwanz-Samenbank im Boden zu reduzieren. Aber auch hier benötigt man Zeit. Je höher die Samenlast im Boden ist, umso intensiver und langwieriger ist dieser Prozess.
Fazit
Je nachdem ob ein aktueller Ackerfuchsschwanz-Besatz auf den Flächen vorhanden ist, muss die Stoppelbearbeitung gestaltet werden. Samenausfall bedeutet flache Bearbeitung, kein aktueller Samenausfall erfordert dagegen, durch tiefere Bearbeitung Bodensamenvorrat zu reduzieren. Eines haben beide Maßnahmen gemeinsam: Sie benötigen Zeit, Geduld und das passende Wetter und Werkzeug.
Auf den Punkt gebracht
Die flache Bodenbearbeitung mit einem Striegel hat zum Ziel, aktuell ausgefallene Samen zum Keimen zu bringen, damit diese nicht in eine sekundäre Keimruhe fallen und den Bodensamenvorrat anreichern. Dafür müssen die Stoppeln bei Ackerfuchsschwanz-Besatz lange flach bearbeitet liegen bleiben.
Dagegen dient die tiefere Stoppelbearbeitung zur Stroheinmischung und vor allem die Scheinbestellung zur Ausdünnung des Bodensamenvorrats. Somit befindet man sich in einem gewissen Zielkonflikt.




