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Mit Deutschrock haben sie in den 1970er Jahren angefangen. Jetzt starten fünf Musiker in Neumünster unter dem Bandnamen „Phakt“ im Stil des frühen Progressive Rock wieder durch. Für vier von ihnen ist es ein Comeback.
Die musikalische Geschichte der heutigen Rockband „Phakt“ aus Neumünster begann bereits in den 1970er Jahren. Damals hieß die Band noch „Morgentau“ und spielte Deutschrock. 1980 gewann die Band den ersten Preis bei einem Amateurwettbewerb in den Holstenhallen. Wie viele träumten die Jugendlichen von einer großen Musikerkarriere, doch dann trennte sie das Leben. Wirklich aus den Augen verloren hätten sie sich aber nie, sagen sie heute. Mit neuem Namen (Phakt ist ein Anagramm ihrer Vornamen, aber auch der Name eines Sterns), neuen Stücken und neuer (alter) Besetzung wollen es die fünf Musiker nun noch einmal wissen.
Die Bandmitglieder:
P = Jan Philip Richter (Gesang, Gitarre): Mit knapp 30 Jahren ist er der Jüngste und der Sohn des Gitarristen Hartmut Richter. „Vieles, was ich über Musik weiß, habe ich von meinem Vater gelernt“, sagt er. Bei Phakt spielt er seit 2021 Gitarre und singt. Philip mischt aber auch noch als Gitarrist und Sänger in der bekannten Neumünsteraner Band „Mustangs Of Fire“ (Hardrock) mit.
H = Hartmut „Hardy“ Richter (Leadgitarre): Sein Vater war Grundschullehrer und hat unter anderem Musik unterrichtet. „Man wollte mich immer zum Klavierspielen animieren“, sagt Hardy. Doch daraus wurde nichts, und so bekam er zu seinem 14. Geburtstag eine Konzertgitarre geschenkt. Die wurde aber schnell gegen eine E-Gitarre eingetauscht. Hardy spielt neben Phakt noch in der Coverband „Tendance“ (Pop, Rock).
A = Achim (Joachim) Pohnke (Bass): „Mein älterer Bruder hat zum 16. Geburtstag eine Gitarre bekommen“, erzählt er. „Diese habe ich mir jedoch geschnappt, und die ersten Akkorde hat mir ein Freund aus der Nachbarschaft beigebracht.“ Achim lieh sich Noten und Gedichtbände in der Bücherei aus. Die deutsche Lyrik habe den Autodidakten beim Vertonen stark beeinflusst. Peter Gabriel und Udo Lindenberg sind damals seine großen Vorbilder gewesen.
K = Klaus Hoffmann (Schlagzeug): Klaus bekam von einem Freund die ersten Trommelstöcke geschenkt. Obwohl keiner der Jugendlichen damals wusste, wie, gründeten sie zu dritt eine Band, und er wurde „automatisch“ Schlagzeuger. „Das erste gebrauchte Schlagzeug war geliehen“, erzählt er. Zu seinem 16. Geburtstag bekam er dann endlich ein eigenes. Lange Zeit trommelte er bei den „Bandits“, einer bekannten Coverband.
T = Thomas Schmidt (Keyboard): Sein Vater war Schlagzeuger, ein Berufsmusiker, der viel in Tanzlokalen unterwegs war. Auch sein Bruder war Schlagzeuger und Gründungsmitglied der Band Morgentau. So wuchs Thomas schon als Kind in die Welt der Musik hinein. „Musikunterricht hatte ich allerdings auf einem alten Akkordeon, ein Klavier konnte sich meine Familie nicht leisten“, sagt er. Später war er auch in einer Schülerband.
Die Musik ist immer ihr Hobby geblieben. Als sich die Band 2019 nach 45 Jahren wieder formierte, gab sie zwei kleine Konzerte noch unter dem Bandnamen Morgentau. Erst nach dem Ausstieg des damaligen Sängers Klaus R. startete die Band 2020 unter dem Bandnamen „Phatt“ durch. Neuer Sänger ist nun Jan Philip Richter, der Sohn des Gitarristen Hartmut Richter. „Mit seinen knapp 30 Jahren und seiner Röhre bringt Philip frischen Wind in die Band“, sagt Vater Hartmut nicht ohne Stolz.
Auch am Schlagzeug gab es einen Wechsel von Torsten zu Klaus. „Als wir schließlich zusammengewachsen waren, haben wir den Namen in Phakt geändert“, erzählt Schlagzeuger Klaus. „Phatt klang auch viel zu übergewichtig“, sind sich alle lachend einig. Ausgesprochen wird „Phakt“ übrigens englisch, also nicht mit „a“, sondern mit „ä“. Ein passendes neues Logo musste her, das mit seinem gezackten „A“ in der Mitte tatsächlich an einen Stern erinnert. Achims Bruder hat es mithilfe von KI (Künstliche Intelligenz) entworfen. „Den Berg im Hintergrund, den wollen wir aber erst noch erklimmen“, so die einhellige Meinung mit einen Hauch Selbstironie. Vom damaligen Deutschrock (Krautrock) in Anlehnung an Bands wie Novalis haben sich die fünf heute deutlich entfernt. Heute spielt Phakt ausschließlich selbstkomponierte Stücke im Stil des Progressive Rock (kurz Prog oder Progrock) der 1970/80er Jahre. „Wir wollen nichts Altes mehr spielen und komponieren alle Songs neu“, erzählt Keyboarder Thomas.
Die aktuellen englischsprachigen Texte seien zeitkritisch und tiefgründig. Teilweise gebe es Songs von zehn Minuten und mehr mit vielen Instrumentalparts und teilweise dreistimmigem Gesang. Coverversionen gebe es allerdings keine. „Unser Ziel ist es, dass andere Bands uns covern“, sagt Schlagzeuger Klaus scherzhaft, und alle stimmen lachend ein.
Hier stimmt die Chemie, Spaß und Freude sind offensichtlich. Doch trotz des hohen Anspruchs an sich selbst soll die Musik immer ein Hobby bleiben. Denn der bevorstehende Ruhestand einiger Mitglieder soll für Familie und Reisen genutzt werden. Aber „Phakt“ bleibt. Darüber ist man sich einig.
Sobald die ersten Rhythmen aus den Lautsprechern erklingen, wird man unweigerlich mitgerissen. Melodisch und eingängig, manchmal sogar ein wenig melancholisch sind die drei Stücke, die im Proberaum vorgespielt werden. Und es wird laut, aber die Akustik ist dank professioneller Technik einwandfrei. Man ahnt, wie gut diese anspruchsvollen Stücke, die ganze Geschichten erzählen, auf einer großen Bühne klingen müssen. Stücke, die an international bekannte Bands wie Uriah Heep, Marillion oder Genesis erinnern.
Die Musiker von Phakt agieren wie fein gestimmte Gitarrensaiten. Die freundschaftliche Verbundenheit ist bei jedem Ton spürbar und verleiht ihrer Musik eine einzigartige Qualität. Kein Wunder, denn die Band ist ein großartiges Team, in dem sich jeder gleichermaßen kreativ einbringen kann. „Wir lieben es, die Stücke gemeinsam zu erarbeiten“, sagt Keyboarder Thomas, den alle nur Tommy nennen. 16 neue Titel sind auf diese Weise bereits entstanden. Das Programm steht also, und der nächste Schritt ist die Veröffentlichung auf CD. Pläne für weitere Livekonzerte sind auch schon geschmiedet.
Die Neumünsteraner Musikszene der 1980er Jahre war viel kleiner und die Ansprüche des Publikums viel geringer. „Früher hatten wir ein Röhrenradio als Verstärker für die Gitarre“, erzählt Klaus. Nicht einmal Mikrofone gab es bei ihrem ersten Auftritt auf einem Klassenfest. Und trotzdem: Die Mädels haben sie angehimmelt, als wären sie Stars. Heute ist das anders, zumindest was die Technik angeht. Ohne digitales Equipment geht gar nichts mehr. Die Transformation ins Digitale ist Phakt jedenfalls bestens gelungen.



