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Comeback nach 45 Jahren

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Mit Deutschrock haben sie in den 1970er Jahren angefangen. Jetzt starten fünf Musiker in Neumünster unter dem Bandnamen „Phakt“ im Stil des frühen Progressive Rock wieder durch. Für vier von ihnen ist es ein Comeback.

Die musikalische Geschichte der heutigen Rockband „Phakt“ aus Neumünster begann bereits in den 1970er Jahren. Damals hieß die Band noch „Morgentau“ und spielte Deutschrock. 1980 gewann die Band den ersten Preis bei einem Amateurwettbewerb in den Holstenhallen. Wie viele träumten die Jugendlichen von einer großen Musikerkarriere, doch dann trennte sie das Leben. Wirklich aus den Augen verloren hätten sie sich aber nie, sagen sie heute. Mit neuem Namen (Phakt ist ein Anagramm ihrer Vornamen, aber auch der Name eines Sterns), neuen Stücken und neuer (alter) Besetzung wollen es die fünf Musiker nun noch einmal wissen.

Die Bandmitglieder:

P  = Jan Philip Richter (Gesang, Gitarre): Mit knapp 30 Jahren ist er der Jüngste und der Sohn des Gitarristen Hartmut Richter. „Vieles, was ich über Musik weiß, habe ich von meinem Vater gelernt“, sagt er. Bei Phakt spielt er seit 2021 Gitarre und singt. Philip mischt aber auch noch als Gitarrist und Sänger in der bekannten Neumünsteraner Band „Mustangs Of Fire“ (Hardrock) mit.

H  = Hartmut „Hardy“ ­Richter (Leadgitarre): Sein Vater war Grundschullehrer und hat unter anderem Musik unterrichtet. „Man wollte mich immer zum Klavierspielen animieren“, sagt Hardy. Doch daraus wurde nichts, und so bekam er zu seinem 14. Geburtstag eine Konzertgitarre geschenkt. Die wurde aber schnell gegen eine ­E-Gitarre eingetauscht. Hardy spielt neben Phakt noch in der Coverband „Tendance“ (Pop, Rock).

A  = Achim (Joachim) Pohnke (Bass): „Mein älterer Bruder hat zum 16. Geburtstag eine Gitarre bekommen“, erzählt er. „Diese habe ich mir jedoch geschnappt, und die ersten Akkorde hat mir ein Freund aus der Nachbarschaft beigebracht.“ Achim lieh sich Noten und Gedichtbände in der Bücherei aus. Die deutsche Lyrik habe den Autodidakten beim Vertonen stark beeinflusst. Peter Gabriel und Udo Lindenberg sind damals seine großen Vorbilder gewesen.

K  = Klaus Hoffmann (Schlagzeug): Klaus bekam von einem Freund die ersten Trommelstöcke geschenkt. Obwohl keiner der Jugendlichen damals wusste, wie, gründeten sie zu dritt eine Band, und er wurde „automatisch“ Schlagzeuger. „Das erste gebrauchte Schlagzeug war geliehen“, erzählt er. Zu seinem 16. Geburtstag bekam er dann endlich ein eigenes. Lange Zeit trommelte er bei den „Bandits“, einer bekannten Coverband.

T  = Thomas Schmidt (Keyboard): Sein Vater war Schlagzeuger, ein Berufsmusiker, der viel in Tanzlokalen unterwegs war. Auch sein Bruder war Schlagzeuger und Gründungsmitglied der Band Morgentau. So wuchs Thomas schon als Kind in die Welt der Musik hinein. „Musikunterricht hatte ich allerdings auf einem alten Akkordeon, ein Klavier konnte sich meine Familie nicht leisten“, sagt er. Später war er auch in einer Schülerband.

Die Musik ist immer ihr Hobby geblieben. Als sich die Band 2019 nach 45 Jahren wieder formierte, gab sie zwei kleine Konzerte noch unter dem Bandnamen Morgentau. Erst nach dem Ausstieg des damaligen Sängers Klaus R. startete die Band 2020 unter dem Bandnamen „Phatt“ durch. Neuer Sänger ist nun Jan Philip Richter, der Sohn des Gitarristen Hartmut Richter. „Mit seinen knapp 30 Jahren und seiner Röhre bringt Philip frischen Wind in die Band“, sagt Vater Hartmut nicht ohne Stolz.

Auch am Schlagzeug gab es einen Wechsel von Torsten zu Klaus. „Als wir schließlich zusammengewachsen waren, haben wir den Namen in Phakt geändert“, erzählt Schlagzeuger Klaus. „Phatt klang auch viel zu übergewichtig“, sind sich alle lachend einig. Ausgesprochen wird „Phakt“ übrigens englisch, also nicht mit „a“, sondern mit „ä“. Ein passendes neues Logo musste her, das mit seinem gezackten „A“ in der Mitte tatsächlich an einen Stern erinnert. Achims Bruder hat es mithilfe von KI (Künstliche Intelligenz) entworfen. „Den Berg im Hintergrund, den wollen wir aber erst noch erklimmen“, so die einhellige Meinung mit einen Hauch Selbstironie. Vom damaligen Deutschrock (Krautrock) in Anlehnung an Bands wie Novalis haben sich die fünf heute deutlich entfernt. Heute spielt Phakt ausschließlich selbstkomponierte Stücke im Stil des Progressive Rock (kurz Prog oder Progrock) der 1970/80er Jahre. „Wir wollen nichts Altes mehr spielen und komponieren alle Songs neu“, erzählt Keyboarder Thomas.

Die aktuellen englischsprachigen Texte seien zeitkritisch und tiefgründig. Teilweise gebe es Songs von zehn Minuten und mehr mit vielen Instrumentalparts und teilweise dreistimmigem Gesang. Coverversionen gebe es allerdings keine. „Unser Ziel ist es, dass andere Bands uns covern“, sagt Schlagzeuger Klaus scherzhaft, und alle stimmen lachend ein.

Hier stimmt die Chemie, Spaß und Freude sind offensichtlich. Doch trotz des hohen Anspruchs an sich selbst soll die Musik immer ein Hobby bleiben. Denn der bevorstehende Ruhestand einiger Mitglieder soll für Familie und Reisen genutzt werden. Aber „Phakt“ bleibt. Darüber ist man sich einig.

Sobald die ersten Rhythmen aus den Lautsprechern erklingen, wird man unweigerlich mitgerissen. Melodisch und eingängig, manchmal sogar ein wenig melancholisch sind die drei Stücke, die im Proberaum vorgespielt werden. Und es wird laut, aber die ­Akustik ist dank professioneller Technik einwandfrei. Man ahnt, wie gut diese anspruchsvollen Stücke, die ganze Geschichten erzählen, auf einer großen Bühne klingen müssen. Stücke, die an international bekannte Bands wie Uriah Heep, Marillion oder Genesis erinnern.

Die Musiker von Phakt agieren wie fein gestimmte Gitarrensaiten. Die freundschaftliche Verbundenheit ist bei jedem Ton spürbar und verleiht ihrer Musik eine einzigartige Qualität. Kein Wunder, denn die Band ist ein großartiges Team, in dem sich jeder gleichermaßen kreativ einbringen kann. „Wir lieben es, die Stücke gemeinsam zu erarbeiten“, sagt Keyboarder Thomas, den alle nur Tommy nennen. 16 neue Titel sind auf diese Weise bereits entstanden. Das Programm steht also, und der nächste Schritt ist die Veröffentlichung auf CD. Pläne für weitere Livekonzerte sind auch schon geschmiedet.

Die Neumünsteraner Musikszene der 1980er Jahre war viel kleiner und die Ansprüche des Publikums viel geringer. „Früher hatten wir ein Röhrenradio als Verstärker für die Gitarre“, erzählt Klaus. Nicht einmal Mikrofone gab es bei ihrem ersten Auftritt auf einem Klassenfest. Und trotzdem: Die Mädels haben sie angehimmelt, als wären sie Stars. Heute ist das anders, zumindest was die Technik angeht. Ohne digitales Equipment geht gar nichts mehr. Die Transformation ins Digitale ist Phakt jedenfalls bestens gelungen.

Mit neuem Namen, neuen Stücken und neuer (alter) Besetzung starten die fünf Musiker noch einmal durch. V. li.: Hartmut Richter (Gitarre), Thomas Schmidt (Keyboard), Klaus Hoffmann (Schlagzeug), Jan Philip Richter (Gesang, Gitarre), Achim Pohnke (Bass). Foto: Matthias Gerlach

Deutlich mehr Biobetriebe und größere Anbaufläche

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Die amtliche Statistik fragt im Rahmen der Agrarstrukturerhebungen seit 1999 nach der ökologischen Wirtschaftsweise, so auch das Statistikamt Nord. Die Auswertung der vergangenen 20 Jahre von 2003 bis 2023 zeigt: Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe entwickelte sich stetig.

Erste Pionierbetriebe mit ökologischem Anbau wurden in Schleswig-Holstein in den 1950er Jahren gegründet, weitere entstanden Anfang der 1980er Jahre. Der Aufschwung des Ökolandbaus folgte der ersten EU-Ökoverordnung von 1991, die den Ökobegriff schützte und die Möglichkeit der Vermarktung als ökologisch erzeugtes Lebensmittel bot.

Von 2003 bis 2023 stieg die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Schleswig-Holstein von 338 auf 820, darunter 74 Demeter-Betriebe und mehr als 300 Bioland-Höfe. 190 Betriebe wirtschafteten in dem besagten Zeitraum durchgängig. Waren vor 20 Jahren erst 2 % aller Betriebe ökologisch ausgerichtet, so wirtschafteten im vergangenen Jahr 7 % ökologisch. Dagegen stiegen in Deutschland im selben Zeitraum die Anteile ökologischen Landbaus von 4 auf 11 %.

Die ökologisch landwirtschaftlich genutzte Fläche in Schleswig-Holstein verdreifachte sich in den vergangenen 20 Jahren von 22.540 ha im Jahr 2003 auf 77.200 ha im Jahr 2023, das ist ein Anstieg von 2 auf 8 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF).

Diese Entwicklung ist unter anderem auf nationale und europäische Fördermaßnahmen zurückzuführen. Die EU strebt im Rahmen des Green Deal bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 25 % der Flächen in ökologischer Bewirtschaftung an. Der Koalitionsvertrag der derzeitigen deutschen Regierung enthält sogar das Ziel von 30 % ökologischen Landbaus bis 2030.

Die vollständige Statistik ist abrufbar unter: https://t1p.de/fx1x8

Einschätzung zur Ökolandbaustatistik von Joachim Becker, Vorsitzender des Ökoausschusses des BVSH

„Wir brauchen mehr Verarbeitungskapazitäten“

„Die Steigerung im Ökolandbau ist gut, aber wir sind an der Grenze damit, und es soll ja weitergehen“, sagt Joachim Becker, Biobauer, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Steinburg und Vorsitzender des Ökoausschusses des Bauernverbandes Schleswig-Holstein. Als Bremse für einen weiteren Absatz sieht Becker vor allem die geringen Kapazitäten für Weiterverarbeitung im Bundesland: „Wir brauchen mehr Wertschöpfung!“

Den Ökohafer dieser Ernte muss Joachim Becker versuchen, in Niedersachsen zu verkaufen. Foto: Tonio Keller

Im Übrigen finde der Zuwachs im Ökobereich vielfach auf schlechtem Grünland statt. Ein Beispiel: Ein Bauer mit 60 ha hört auf. 40 ha gutes Land verpachtet er, 20 ha schlechtes behält er und macht Öko. Prämienoptimierung nennt Becker das. „Das kann nicht der Sinn sein, das ist zu kurz gedacht“.
Schleswig-Holstein sei immer noch „zum Rohstofflieferanten für Ökoprodukte verdammt, allein durch die Lage, entfernt von den großen Verbraucherzenten“, so Becker weiter. Die konventionelle Landwirtschaft könne einiges durch Export kompensieren, doch der Ökolandbau habe seinen Absatz im Inland, und so solle es auch sein, aber „da sind wir weit weg von den Märkten“.

Beispiel Braugerste: Die nächste Ökomälzerei liegt in Bayern. Hin- und Herfahren koste 80 €/t runter, 80 €/t wieder hoch. Jetzt gebe es immerhin das umgebaute Futtermittelwerk von Gut Rosenkrantz. „In Uelzen stehen sogar drei Ökomühlen. Und vergleiche das erst mal mit Bayern!“ Im Gemüsebereich sei Dithmarschen vorn dran in der Vermarktung durch die neu gebaute Frosterei vom Westhof.

Beispiel Milch: „Alle drei Meiereien in Schleswig-Holstein verarbeiten Trinkmilch und Butter, der Ökokäse kommt aus Süddeutschland. Und bei Käse kannst du viel Milch verschwinden lassen.“ Dass Erzeuger ihren eigenen Käse produzieren, findet er gut, aber das bleibe ein Nischenprodukt. „Wenn wir uns im Ökobereich erweitern wollen, und das wollen wir ja, müssen wir größer denken!“ Das heißt: „Mehr Verarbeitung, mehr Absatz – dafür brauchen wir das Land.“ Sprich Förderung. Es gibt jetzt Förderung für Schul- und Kitaspeisung im Ökobereich. Auch gut! Aber auch da werden vorwiegend verarbeitete Produkte gebraucht. „Wenn die Ökotomate aus China kommt, hat Schleswig-Holstein nichts davon!“

Beim anschließenden Absatz der Produkte sieht Becker Potenzial. Der Lebensmitteleinzelhandel fordere zunehmend Ökofleisch, auch im Discountbereich gebe es noch Zuwachs. „Der Ukraine-Krieg hat das Käuferverhalten durcheinandergebracht, das muss sich erst wieder einpendeln. Aber die Tendenzen sind positiv.“ Tonio Keller

Einschätzung zur Ökolandbaustatistik von Dr. Peter Boysen, Vorsitzender der Landesvereinigung Ökolandbau (LVÖ)

„Umsatz- und Preissteigerungen durch Corona ebben ab“

Der Ökolandbau hat sich in Schleswig-Holstein sowohl bezogen auf die Betriebe als auch auf die bewirtschaftete Fläche in den vergangenen drei Jahrzehnten ähnlich entwickelt wie in anderen Regionen Deutschlands. Der prozentuale Anteil liegt jedoch etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Das liegt daran, dass Schleswig-Holstein über viele ertragreiche Böden und meist auch über ausreichende Niederschläge verfügt und daher ein Gunststandort für die intensive landwirtschaftliche Produktion ist.

Dr. Peter Boysen. Foto: pm

Mit Beginn der Corona-Pandemie haben die Verbraucher sehr viel mehr zu Hause gegessen, die Mahlzeiten selbst zubereitet und beim Einkauf auf besondere Qualität geachtet. Die Nachfrage nach Biolebensmitteln stieg ab 2022 sehr stark an und übertraf in viele Bereichen das Angebot, wodurch es zu Preissteigerungen im Handel kam und auch die Erzeugerpreise teilweise bis um 20 % gestiegen sind.
Vor dem Hintergrund der Absatz- und Preissteigerungen haben 2022 vermehrt Betriebe auf Ökolandbau umgestellt. Das waren häufig Betriebe, die schon länger über eine Umstellung auf Ökolandbau nachgedacht und sich auch schon dazu haben beraten lassen. Nach der Pandemie stieg der Außer-Haus-Verzehr wieder stark an, und der Absatz für Biolebensmittel stagnierte. Infolgedessen stellten in 2023 nur neue wenige Betriebe auf die ökologische Produktion um. Seit 2024 nimmt die Zahl der Ökobetriebe jedoch wieder zu.
Die höhere Zahl der Umstellungen in 2022 wird im Wesentlichen durch die geringere Zahl von Umstellungen in 2023 ausgeglichen. Somit setzt sich der bisherige Trend von jährlich 5 bis 7 % Zuwachs bei den Biobetrieben weiter fort. Mit den stetig sich verbessernden Rahmenbedingungen für Ökobetriebe wird der Zuwachs im Ökolandbau noch weiter steigen.

In Schleswig-Holstein gehen wir davon aus, dass wir bis 2027/28 einen Anteil von 14 bis 15 % erreichen, sowohl bei der Anzahl an Betrieben als auch bei der ökologisch bewirtschafteten Fläche.
Dr. Peter Boysen, LVÖ SH und HH

Fristen für den seitlichen Rückschnitt der Knicks

Früher wurden die Knicks ­traditionell nach der ­Ernte der Druschfrüchte zurück­geschnitten.

Diese Pflegemaßnahme in den Sommermonaten ist aufgrund der Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes und des Artenschutzrechtes nicht mehr zulässig, sondern darf erst ab dem Herbst durchgeführt werden.

Die Frist entspricht dabei dem klassischen Knickpflegezeitraum vom 1. Oktober bis Ende Februar. Dabei sind die Abstandsregelungen zu beachten, bis auf 1 m Abstand vom Knickwallfuß und maximal 4 m in die Höhe darf zurückgeschnitten werden. Der seitliche Rückschnitt ist zudem nur alle drei Jahre zulässig. Die händische Herausnahme einzelner Zweige beziehungsweise das Freischneiden von Feldeinfahrten oder Weidezäunen zur Sicherstellung der Stromdurchleitung ist ganzjährig erlaubt.

Für weitere Beratung steht der Fachbereich unter knick@lksh.de zur Verfügung.

Schmuck für einen langen Blütensommer

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Mit ihrer langen Blühdauer und der Eignung für sonnige Standorte führt an Rispenhortensien eigentlich kein Weg vorbei. Dank einer mittlerweile breiten Sortenvielfalt gibt es als Zugabe interessante Farbverläufe obenauf.

Hydrangea paniculata, die Rispenhortensie, stammt aus Ostasien und fühlt sich in unserem Klima ausgesprochen wohl. Im Laufe der Jahre wächst das Blütengehölz etwa 1 bis 3,5 m hoch und präsentiert dabei eine sortenabhängige straff aufrechte bis leicht überhängende Wuchsform. Dabei macht das Gehölz als Solitär eine ebenso gute Figur wie als Hintergrundpflanze oder in einer Blütenhecke. Ihre Vielseitigkeit zeigt die Rispenhortensie auch darin, dass sie sich ausgezeichnet im Kübel kultivieren lässt. Während der Blütezeit an exponierter Stelle drapiert, ergibt sich ein großartiger Blickfang. Die Blütenrispen zeigen sich in hellgrün, cremefarben bis weiß, rosa oder rot je nach Sorte und Jahreszeit. Auch deren Aufbau ist sortenabhängig. Die Rispen sind entweder locker aufgebaut oder dicht mit Blüten besetzt. Als Nachzügler in der Hortensienfamilie öffnen sich die beeindruckenden Blüten mitten im Hochsommer. Die Blütenstände sind ausgezeichnete Trockenblumen. Floristen verwenden sie gerne, da die Farbe auch während des Trocknungsvorgangs erhalten bleibt.

Klein bleibende Züchtungen wie ,Bobo‘ eignen sich für Beet und Kübel gleichermaßen. Foto: Karin Stern
Geschickt platziert, fällt die imposante Rispenhortensie über Wochen hinweg ins Auge. Foto: Karin Stern

Die Rispenhortensie fühlt sich auf fast jedem Boden wohl. Wichtig ist eine humose, nicht zu trockene Beschaffenheit. Einmal eingewachsen, kommt sie an sonnigen, weniger optimalen Standorten gut zurecht. Damit zeigt sich die Rispenhortensie flexibler in ihren Ansprüchen als die klassische Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla), die eher halbschattige Lagen bevorzugt. Rispenhortensien vertragen auch etwas mehr Trockenheit als andere Hortensienarten. Dennoch achten Sie während der Blüte auf eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit. Als Faustregel gilt, dass die Pflanze umso durstiger ist, je üppiger sie blüht. Und selbst in der kalten Jahreszeit wirken die Blütenstände immer noch charmant. Lassen Sie daher Abgeblühtes gerne stehen und nehmen Sie den notwendigen Rückschnitt im Spätwinter vor. Rispenhortensien blühen am neuen Holz. Daher schneidet man einfach die letztjährigen Triebe zurück. Im Prinzip verträgt diese Hortensienart auch einen stärkeren Rückschnitt. Wer eine hohe Sorte als Sichtschutz pflanzt, beschränkt sich mit dem Rückschnitt auf das Entfernen alter Blütenstände und frostgeschädigter Zweige. Bei der Verwendung als niedrige Blütenhecke oder Hintergrundpflanzung sorgt ein stärkerer Rückschnitt sämtlicher Zweige für einen regen Neuaustrieb und somit viele Blütenrispen. Zudem hält ein solcher Schnitt die Pflanze kompakt. Die Zweige im unteren Bereich werden etwas dicker und verleihen den schweren Blütenästen mehr Stabilität.

Der breitbuschige Wuchs erlaubt die vielfältige Verwendung. Foto: Karin Stern
Diese Rispenhortensie mit ihren fast kugeligen Blütenständen fühlt sich zwischen Weg und Hauswand sehr wohl. Foto: Karin Stern

Doch nicht nur der richtige Schnitt bildet die Basis für eine üppige Blüte, auch die Düngung spielt eine wichtige Rolle. Besonders empfehlenswert sind spezielle Langzeitdünger für Hortensien. Arbeiten Sie diesen nach Packungsanweisung im Mai oberflächlich in den Boden ein. Er eignet sich auch für die Versorgung der Kübelpflanzen. Manche Gärtner bevorzugen dafür jedoch einen Flüssigdünger, der im zweiwöchigen Abstand von April bis August ins Gießwasser gegeben wird. Doch die Rispenhortensie überzeugt nicht nur mit ihrer attraktiven Blüte, sie zeigt sich zudem sehr robust gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Treten doch einmal gelbe Blätter mit grünen Adern auf, leidet die Pflanze unter Eisenmangel, der sogenannten Chlorose. Mit einem eisenbetonten Dünger verschwindet die Erscheinung wieder. Zudem ist die Rispenhortensie im Vergleich zu den anderen Hortensienarten recht frosthart und kommt ohne Winterschutz aus. Kübelpflanzen überwintern frostfrei und hell bei etwa 3 bis 5 °C.

Sorten mit locker aufgebauten Blütenrispen sind besonders für Insekten interessant. Foto: Karin Stern

Die vielen Neuzüchtungen in den vergangenen Jahren machen die Auswahl für den Garten nicht leichter. Orientierung bietet der Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung, der verschiedene Sorten begutachtet hat. Die Kriterien der Bewertung sind auf www.gehoelz​sichtung.de nachzulesen.

Nachfolgende Sorten wurden als „Premiumgehölze“ ausgezeichnet:

‚Candlelight‘: straff aufrecht, 90 cm hoch, kegelförmige Rispe im Farbverlauf von grünlich über cremefarben bis rosarot im Abblühen

‚Early Sensation‘: aufrechter Wuchs, 110 cm hoch, breit kegelförmige, cremefarbene Blüte, im Abblühen karminrot

‚Wims Red‘: locker aufrechter Wuchs, 125 cm hoch, breit kegelförmige, cremefarbene Blüte, im Abblühen rosa

‚Magical Flame‘: lockerer Wuchs, 90 cm hoch, lockerer, kegelförmiger Blütenstand, cremefarben, im Abblühen rosarot

‚Phantom‘: buschiger bis straff aufrechter Wuchs, 115 cm hoch, großer und breiter kegelförmiger Blütenstand, Farbverlauf von grünlich über cremefarben bis rosa im Verblühen

‚Kyushu‘: aufrechter, dichter Wuchs, 135 cm hoch, sehr großer, lockerer Blütenstand, cremeweiß

‚Limelight‘: breitbuschig bis straff aufrechter Wuchs, 140 cm hoch, fast runder Blütenstand, Farbverlauf von grünlich über weiß und cremeweiß bis rosarot im Abblühen

‚Pinky Winky‘: kompakter Wuchs, 110 cm hoch, schmal kegelförmige Rispen im Farbverlauf von grünlich über cremeweiß bis rosarot mit weißen Blütenspitzen

‚Magical Fire‘: aufrechter bis leicht überhängender Wuchs, 90 cm hoch, kegelförmiger, lockerer Blütenstand, cremeweiß, im Abblühen leuchtend rosa

‚Magical Candle‘: breitbuschiger bis straff aufrechter Wuchs, 135 cm hoch, fast kugeliger Blütenstand, Farbverlauf von grünlich über weiß bis cremeweiß, im Abblühen rötlich.

Die Blüte von ,Wims Red‘ erscheint Anfang Juli zunächst in Weiß. Im Abblühen färbt sie sich Rosa und später Bordeauxrot. Foto: Karin Stern
,Limelight‘ bildet eine üppige Blüte und ist sehr frosthart. Foto: Karin Stern


Artenschutz auf Pferdeweiden

Hohe Besatzdichten, kaputte Grasnarben, überlastete Böden – Pferdehaltung hat bei Naturschützern nicht gerade den besten Ruf. Dabei können Pferdeweiden dem Artenschutz sogar dienen, wenn das Management stimmt.

Wie es gelingen kann, den Artenschutz auf der Pferdeweide zu fördern, und wie das Pferd sogar davon profitieren kann, das erläuterten die Referentinnen und Referenten beim Onlinevortrag „Artenreiches Grünland in der Pferdehaltung“. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung von der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD), der Koordinierungsstelle Hessen des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL) und den Landschaftspflegeverbänden Rheingau-Taunus und Main-Kinzig-Kreis. „Die Landschaftspflegeverbände sehen viel Potenzial in der Zusammenarbeit mit pferdehaltenden Betrieben“, bekräftigte Dietmar Simmering vom DVL, der durch den Abend führte. Das Thema bewege sich allerdings im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunalpolitik.

„Der Naturschutz sieht nicht gern Pferde auf seinen Flächen, daran sollten wir arbeiten“, befand Detlev Finke von der DVL-Koordinierungsstelle Schleswig-Holstein. Hier laufen schon seit 2015 mehrere Projekte zur Pflege und Entwicklung artenreichen Pferdegrünlands. Wie Finke deutlich machte, ist in vielen Bundesländern der Rückgang von naturschutzfachlich relevantem Grünland dramatisch. In Schleswig-Holstein liege ihr Anteil am gesamten Dauergrünland bei 5 %.

Mitte des vergangenen Jahrhunderts habe es im Grünland mehr als 400 Pflanzenarten gegeben. Davon seien in Schleswig-Holstein nur noch zehn bis 15 Arten übrig. Sehr viele Flächen seien zu artenarmen Weidelgras/Klee-Mähweiden geworden. Darunter litten auch viele Tierarten, allen voran die Insekten. Deren Biomasse sei selbst in Schutzgebieten um 75 % zurückgegangen, so der Experte. Im Osten und Süden Deutschlands seien die Zahlen etwas besser, aber dennoch unzureichend bis schlecht. Reine Strategien zum Erhalt des artenreichen Grünlands würden nicht mehr ausreichen: „Wir müssen wieder artenreiches Grünland anlegen, sonst geht uns die genetische Vielfalt verloren“, so der Appell des Agraringenieurs.

Pferdehaltung und Naturschutz

Für viele Pferdehalter sei die Weide mehr Last als Lust, berichtete Finke. Mit der Aufnahme von Gras werden verschiedene negative Auswirkungen auf die Pferdegesundheit in Verbindung gebracht, zum Beispiel Übergewicht, Hufrehe und andere Stoffwechselstörungen. Dabei ist Gras die natürlichste Futtergrundlage für Pferde. Die gleichmäßige, langsame Aufnahme von strukturreichen Halmen wirkt sich positiv auf die Verdauung aus.

Hier kommen die Vorteile des artenreichen Grünlands zum Tragen, denn auf Rinderhaltung optimiertes Grünland ist für Pferde in der Tat problematisch: Die Hochleistungsgräser sind zu fruktanreich, die enthaltenen stickstoffbindenden Leguminosen zu eiweißreich. Zudem wird dieses Grünland meist früh genutzt, sodass der Rohfasergehalt gering ist.

Das Pferd als ehemaliges Steppentier sei an nährstoffarmen Standorten am besten aufgehoben, betonte der Referent. Optimales Pferdegrünland enthält vor allem kohlenhydratarme Gräser, viele Kräuter, wenig Leguminosen und einen hohen Rohfaseranteil. „Das alles sind Charakteristika, wie sie auch im Naturschutz erwartet werden“, so Finke. Das richtige Management und ausreichende Flächen vorausgesetzt, sei die Entwicklung artenreicher Flächen mit Pferden also möglich und komme sowohl dem Grünland als auch dem Pferd zugute.

In Deutschland würden Pferde bereits seit Jahren erfolgreich in der Biotoppflege eingesetzt. Gerade im artenreichen Dauergrünland werde zurzeit knapp die Hälfte der Flächen als Wiese, Mähweide oder Weide für Pferde genutzt. Pferde verwerten auch ältere Aufwüchse und hartblättrige Süß- und Sauergräser gut. Das trifft vor allem auf die Robustrassen zu. Die im Naturschutz häufig gewünschten späteren Nutzungstermine entsprechen auch den Empfehlungen für die Pferdeweide und für Pferdeheu.

Dabei hängt die Eignung der Fläche als Pferdeweide von den eingesetzten Pferderassen ab: Nordpferderassen wie die meisten Ponys kommen am besten mit mageren Standorten wie Sandheiden oder Feuchtgrünland zurecht. Dagegen können sportlich genutzte Großpferde vor allem auf mäßig nährstoffreichen Standorten eingesetzt werden, dem sogenannten mesophilen Grünland. Sie drohen auf mageren Standorten unterversorgt zu sein.

Herausforderung Giftpflanzen

Allerdings warnte Finke: „Wenn wir artenreiches Grünland haben, haben wir auch Ertragsverluste.“ Gegenüber Hochleistungsgrünland sei mit 15 bis 20 % Ertragsrückgängen zu rechen. Das könnten sich nur Betriebe leisten, die in der Fläche nicht zu knapp bemessen seien. Der landwirtschaftliche Futterwert sinke ebenfalls, allerdings nicht im gleichen Maße wie der Ertrag. Für leichtfuttrige Pferde könne der gesunkene Futterwert sogar positiv sein. Demgegenüber stünden eine hohe Nutzungselastizität und ein hoher diätetischer Wert des Futters.

Auf Naturschutzflächen gedeihen oft auch Giftpflanzen wie das Jakobskreuzkraut. Sie müssen frühzeitig ausgestochen oder mit der Wurzel ausgerissen werden. Foto: Imago

Es gibt jedoch auch Probleme. Zum einen gedeihen auf Naturschutzflächen oft unerwünschte Giftpflanzen wie die Herbstzeitlose, das Jakobskreuzkraut oder der Sumpfschachtelhalm. Hier gilt es, frühzeitig einzelne aufkommende Pflanzen auszustechen oder mit der Wurzel auszureißen, da das frühe Ausmähen im Naturschutz oft nicht erwünscht ist. Zwar meiden Pferde Giftpflanzen auf der Weide, sofern ihnen genügend anderes Futter zur Verfügung steht. Ist die Weide aber zu stark abgegrast, sollte man sich darauf nicht verlassen. Zudem verlieren gerade diese drei genannten Arten auch im Heu nicht ihre Giftigkeit, werden im getrockneten Zustand aber eher gefressen.

Zum anderen ist Pferdehaltung besonders in Ballungsgebieten häufig von hohen Besatzdichten und geringem Flächenangebot geprägt. Daraus entstehen Schwierigkeiten wie ein kurzes Abweiden der Grasnarbe, starke Trittschäden durch das hohe Bewegungsbedürfnis der Tiere und verkotete Geilstellen. Durch eine angepasste Besatzstärke und gutes Weidemanagement könne man diese Schäden weitestgehend vermeiden, so Finke.

Aus naturschutzfachlicher Sicht wird für naturnahe Weidelandschaften eine ganzjährige Beweidung gefordert. Gerade benachteiligte Weidelandschaften, zum Beispiel in Feuchtgebieten, profitieren von der ganzjährigen, gleichmäßigen Nutzung: Vor allem in aufwuchsarmen Phasen wird auch überständiges Gras gefressen oder Bäume und Büsche geschält. Der Kot wird gleichmäßig und regelmäßig auf der Fläche verteilt. Das zieht Insekten an, die wiederum attraktive Beute für Vögel sind. Besonders vorteilhaft sind gemeinsame Weideprojekte mit Pferden und Wiederkäuern, weil deren Fraßverhalten sehr unterschiedlich ist.

Kompromisse finden

Warum die Ganzjahresbeweidung nicht nur für den Naturschutz, sondern auch für das Pferd ideale Bedingungen bietet, erklärte Prof. Konstanze Krüger-Farrouj von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen in Baden-Württemberg: Es fänden keine abrupten Futterwechsel statt, wie es bei Heufütterung im Winter und Weidegang im Sommer der Fall sei. So werde das empfindliche Verdauungssystem geschont. Zudem werde der Bewegungsbedarf des Pferdes in dieser Haltungsform am besten gestillt. Probleme bereite bei Weidehaltung allerdings häufig der geforderte Witterungsschutz. Schutzhütten müssten genehmigt werden, angrenzende Wälder seien in der Regel nicht zur Beweidung zugelassen. Nur wenn die Gemeinde die Nutzung genehmige, dürfe ein Wald als Witterungsschutz integriert werden.

Gras ist die natürlichste Futtergrundlage für Pferde. Auf Rinderhaltung optimiertes Grünland kann aber Probleme verursachen. Foto: Imago

Die Realität sieht in den meisten Gegenden Deutschlands anders aus: Viele Pferdebetriebe müssen mit wenig Fläche auskommen, auf der viele Pferde gehalten werden, damit das Unterfangen wirtschaftlich betrieben werden kann. „Die Boxenhaltung ist immer noch die bevorzugte Haltungsform. Davon müssen wir wegkommen, wenn wir Pferde pferdegerecht halten und ein artenreiches Grünland haben wollen“, so die Professorin. Pferden in Boxen oder in Kleingruppen stünden häufig auch kleine Koppeln zur Verfügung, die dann dauerhaft belastet seien. Zudem hätten sie einen stärkeren Bewegungsdrang als Pferde in Offenstall- oder Weidehaltung und verursachten dadurch mehr Trittschäden.

Um die Weiden möglichst verträglich für den Naturschutz, aber auch für Pferd und Mensch zu bewirtschaften, müssen Kompromisse gefunden werden. Bewährt habe sich die Haltung von Großgruppen auf Umtriebsweiden. So könnten schützenswerte Pflanzen erhalten werden. Allerdings leide die Biodiversität durch den Umtrieb, da biologische Ketten unterbrochen würden. Bei sehr großen Gruppen gebe es immer einen stark belasteten Bereich um den Eingang zur Weide, berichtete Krüger. Der sei jedoch unter Umständen zu vernachlässigen, wenn dafür die Gesamtweide schonend beweidet werden könne.

Besonders zu empfehlen sei der Expertin zufolge der Aktivstall, denn durch den ganzjährigen Auslauf in einem befestigten Bereich seien die Pferde ausgeglichener und hätten auf der Weide selbst weniger Bewegungsdrang. Der Zugang zur Weide kann mittels Computersteuerung gut kontrolliert und für verschiedene Pferdetypen unterschiedlich gehandhabt werden. Nach Medikamentengaben kann die Weide geschlossen bleiben, sodass keine Rückstände in den Boden gelangen.

Artenvielfalt wiederherstellen

Für die Rückentwicklung von Flächen zu artenreichem Grünland gibt es zwei Optionen: die Ansaat mit Regiosaatgut und die Verwendung von Mahdgut. Bei der ersten Variante wird gebietseigenes Saatgut aus Wildsammlungen in Fachbetrieben vermehrt und kann dann erworben werden. Das Saatgut wird von den Anbauverbänden RegioZert und VWW-Regiosaaten zertifiziert und ist nach Ursprungsgebieten eingeteilt. Teilweise gibt es Fördermöglichkeiten, um die relativ hohen Kosten auszugleichen. Diese belaufen sich auf mindestens 600 bis 800 €/ha.

Viele Gräser- und Kräuterarten sind allerdings nicht zertifizierbar und im Regiosaatgut nicht vorhanden. Für hochwertige Naturschutzflächen wird daher eher auf die Mahdgutsaat zurückgegriffen. Dabei wird ein bestehendes artenreiches Grünland geerntet und direkt auf die Maßnahmenfläche ausgebracht. Aus dem Mahdgut keimen dann vielfältige Samen aus.

Wichtig bei der Ansaat von artenreichem Saatgut: Die Grasnarbe muss aufgefräst werden, damit die junge Saat an den Boden gelangt und die Konkurrenzkraft der Altnarbe gebrochen wird. Der Erfahrung nach laufen 65 bis 70 % der gesäten Arten auf. „Nach drei bis fünf Jahren kann man so eine Wiese von einem historischen artenreichen Grünland fast nicht mehr unterscheiden“, sagt Detlev Finke. Wichtig für Landwirte: Nach der Ökoregelung fünf (ÖR 5) der Gemeinsamen Agrarpolitik können einige dieser Arten besonders gefördert werden.

Steigende Nachfrage in Asien außer China

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Die Schweinehalter in der Europäischen Union haben im Zeitraum Januar bis April 2024 mehr Tiere und diese mit einem höheren Gewicht als in der Vorjahresperiode an die Schlacht­unternehmen geliefert. Laut
aktuellen Angaben des Statistikamtes der Europäischen Union (Eurostat) nahmen die Schweineschlachtungen bezogen auf die Tierzahl um 2 % und mit Blick auf das Schlachtgewicht (SG) um 3,7 % zu.

Gerechnet in Schlachtgewicht wuchs das Aufkommen in Polen Eurostat zufolge besonders kräftig, nämlich um fast 11 %. Höher fiel das relative Plus nur in Ungarn und Bulgarien mit jeweils rund 13 % aus. Auch in den großen Produktionsländern wuchs die Schweinefleischerzeugung spürbar, so in Deutschland um 2,9 % und in Spanien um 2,8 %. Dänemark und die Niederlande meldeten ebenfalls eine Zunahme von annähernd 3 %. In Frankreich und Italien erhöhte sich das Aufkommen um jeweils gut 3 %, in Belgien sogar um mehr als 5 %.

Rückläufig, allerdings zum Teil äußerst stark, war die Produktion im ersten Jahresdrittel nur in kleineren EU-Mitgliedsländern, so in Litauen, Lettland, der Slowakei und Slowenien, sowie außerdem in Griechenland. Das Minus reichte dabei gemäß den Eurostat-Zahlen von knapp 2 % in Lettland bis zu gut 18 % in Griechenland und sogar mehr als einem Fünftel in Litauen.

China noch größter Abnehmer

Wie Eurostat zudem berichtete, ging es mit dem Schweinefleischexport der EU weiter nach unten. In den Monaten Januar bis April 2024 wurden 1,43 Mio. t ausgeführt; das waren 5 % weniger als im ersten Jahresdrittel 2023. Wichtigster Abnehmer war weiterhin China, obgleich die Volksrepublik ihre Bezüge um 17,5 % auf rund 358.600 t drosselte. Seit Jahren ist der chinesische Import von EU-Schweinefleisch rückläufig: Erreichte dieser 2020 die Rekordmenge von 3,34 Mio. t, waren es im vorigen Jahr „nur“ noch 1,16 Mio. t.

Und nun droht der EU eine Importbeschränkung, denn Peking hat ein Anti-Dumping-Verfahren gegen europäische Schweinefleischlieferanten eröffnet. Die chinesischen Behörden begründen dies mit Beschwerden aus der eigenen Schweinefleischbranche. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass der Schritt eine Reaktion auf die von der EU-Kommission angedrohten Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos ist.

Auch die Schweinefleischlieferungen der EU in das Vereinigte Königreich (UK) nahmen zuletzt ab, jedoch lediglich um 1,1 % auf 285.500 t. Japan als drittgrößter Auslandsmarkt für EU-Schweinefleisch schränkte die Importmenge ebenfalls ein, und zwar gleich um 11,9 % auf gut 130.500 t.

Philippinen und Vietnam kaufen mehr

Dagegen kauften andere asiatische Länder deutlich mehr Schweinefleisch in der EU. Die Lieferungen auf die Philippinen erhöhten sich um 16,3 % auf 121.500 t, die nach Südkorea um 16,9 % auf 103.800 t und die nach Vietnam sogar um 70,8 % auf fast 51.100 t. Auch die USA steigerten ihre Bezüge kräftig, nämlich um 35,9 % auf etwa 42.400 t. Australien schränkte den Import von EU-Schweinefleisch indes um 14,9 % ein auf 32.700 t.

Die EU importierte im Berichtszeitraum ihrerseits rund 53.700 t Schweinefleisch; das waren 1,1 % mehr als von Januar bis April 2023. Die größte Menge kam aus dem Vereinigten Königreich, nämlich 34.500 t. Aus Chile wurden gut 7.800 t bezogen, aus der Schweiz knapp 6.400 t. age

Europäische Union steigert Rindfleischexport

Die Europäische Union hat in den ersten vier Monaten dieses Jahres deutlich mehr Rindfleisch exportiert als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Laut Angaben der Brüsseler Kommission wurden 344.959 t einschließlich Lebend­rindern in Schlachtgewicht ausgeführt; das waren 14,5 % mehr als im ersten Jahresdrittel 2023. Die Erlöse legten um 12,6 % auf 1,64 Mrd. € zu. Wichtigster Drittlandsmarkt für EU-Rindfleisch ist das Vereinigte Königreich, das im Berichtszeitraum 115.855 t abnahm und damit ein Drittel der gesamten Exportmenge. Im Vergleich zur Vorjahresperiode bedeutete das aber ein Minus von 5 %. Dagegen stockte die Türkei ihre Bezüge kräftig auf, nämlich um 72,2 % auf 39.198 t. Während Israel die Rindfleischeinfuhr aus der EU um 15,4 % auf 15.793 t drosselte, steigerte Bosnien-Herzogowina selbige um ein Viertel auf 15.521 t. Nach Ghana lieferten die EU-Exporteure 12.090 t Rindfleisch, womit die Vorjahresmenge um 9,5 % übertroffen wurde. Auffallend ist der kräftige Anstieg der Ausfuhren nach Algerien und in den Libanon; diese verzeichneten jeweils mehr als eine Verdopplung auf 11.471 t beziehungsweise 10.461 t.

Die Rindfleischeinfuhren der EU gingen hingegen zurück. Importiert wurden von Januar bis April insgesamt 119.450 t und damit 2,3 % weniger als in den ersten vier Monaten 2023. Die Importausgaben verringerten sich um 1,4 % auf 797 Mio. €. Die Rindfleischbezüge aus dem Vereinigten Königreich wurden um 2,3 % auf 35.064 t zurückgefahren, die aus Brasilien um deutliche 12,9 % auf 28.834 t. Dagegen legten die Einfuhren aus Argentinien leicht zu, nämlich um 1,9 % auf 21.904 t.age

Europa zum Anfassen

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„Was habe ich persönlich von der EU?“ So oder ähnlich lautete eine im Vorfeld der Europawahl im Juni in den Medien diskutierte Frage. Aus der großen Zahl möglicher Antworten soll im Folgenden ein konkretes Beispiel herausgestellt werden: Das EU-Bildungs-Förderprogramm Erasmus+ unterstützt und ermöglicht Bildungsabschnitte im Ausland. Die Forstabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) nutzt diese Möglichkeiten seit fast zwei Jahrzehnten.

Mittlerweile ist die ganze LKSH als Bildungsanbieter für Erasmus+-Projekte akkreditiert. Das heißt, dass Lernende und Lehrende aller Grünen Berufe unseres Bundeslandes, soweit eine Verbindung zur Landwirtschaftskammer besteht, Projekte für einen Ausbildungsabschnitt im Ausland entwickeln und mit Unterstützung aus EU-Geldern durchführen können.

Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt, im Fall von Mobilitätsprojekten also zum Beispiel mit einer Idee, einem Wunsch, etwas im Ausland kennenzulernen, oder einer Bekanntschaft mit Bildungskollegen eines anderen Landes. Auf dieser Grundlage kann dann Schritt für Schritt ein Projekt, eine Partnerschaft oder ein intensiver, beidseitiger Austausch von Menschen und Wissen entstehen.

Langjährige Forstschulpartnerschaft

So entstand vor über 20 Jahren auch der Kontakt der Lehranstalt für Forstwirtschaft (LAF) mit einer Forstschule in Schweden. Mit der Naturbruksskolan Svenljunga aus der Provinz Westergötland besteht nun schon viele Jahre eine intensive und freundschaftliche Partnerschaft mit vielen Facetten.

Es wurde in der Vergangenheit in einem Forschungsprojekt zum digitalen Lernen zusammengearbeitet, neun Gruppen von Forstwirt-Auszubildenden aus Bad Segeberg waren im Laufe der Jahre für mehrere Wochen zum Unterricht in Schweden, mehrere Gruppen schwedischer Schüler waren schon in Schleswig-Holstein zu Gast und regelmäßig nahmen auch Lehrkräfte beider Schulen an den Mobilitätsprojekten teil. Auch dies wird als „Job-Shadowing“ gefördert.

Seit der Anschaffung eines Forstmaschinen-Simulators für die LAF Bad Segeberg spielt auch der Wissenstransfer zur Lehre mit diesem hochmodernen Schulungsgerät eine große Rolle. Neben Expertenbesuchen aus Schweden war ein Arbeitslehrer der LAF im März zu einer einwöchigen Intensivschulung in Svenljunga. Warum sollten nicht auch andere Grüne Berufe von ähnlichen Lehr- und Lernaustauschen profitieren?

Auszubildende in Schweden

Seit Anfang Juni sind die fünf diesjährigen Austausch-Forstazubis wieder in Deutschland. Sie haben in den vorangegangenen sieben Wochen seit Mitte April an der Naturbruksskolan in Svenljunga und auf kürzeren und längeren Exkursionen in Schweden eine Vielzahl neuer Eindrücke gesammelt und sehr viel Neues gelernt, was in Deutschland in dieser Form nicht zu finden ist. Pflanzenanzucht, Waldbau, Pflege- und Durchforstungsformen der Skandinavier unterscheiden sich teilweise wesentlich vom Vorgehen in Deutschland. Insbesondere aber die Ernte im Kahlschlagsverfahren ist in Deutschland meist nur noch nach großen Waldschäden zu finden.

Die Arbeit mit forstlichen Großmaschinen wird an schwedischen Forst­schulen als Basiskompetenz unterrichtet.

Die Herausforderung liegt nun darin, deutsche und schwedische Verhältnisse miteinander zu vergleichen und zu erkennen, welche Unterschiede warum auftreten. Dies wurde von den angehenden Forstwirten der LAF gut gemeistert. Natürlich gilt Ähnliches auch in den vielen anderen Lebensbereichen, in die die deutsche Gruppe Einblick gewonnen hat, von der urwüchsigen, beeindruckenden Natur des Nordens über das „Vildmarksliv“ mit Lagerfeuer, Angeln und mehr bis zu kulturellen Aspekten in Stockholm oder Göteborg.

Ein Kernbereich des Austausches war natürlich wieder der praktische Lehrgang mit forstlichen Großmaschinen, vor allem dem Kurzholzrückezug (Forwarder). Dieser aufwendige Lehrgang ist besonders wertvoll, da entsprechende Maschinen für den realen Lehrbetrieb in Schleswig-Holstein nicht zur Verfügung stehen. Dies bedeutet aber auch einen erheblichen zusätzlichen Kostenaufwand. Durch eine großzügige Unterstützung der Hermann-und-
Lydia-Früchtenicht-Stiftung war es möglich, die Eigenbeteiligung der Auszubildenden für die Lehrgangskosten erneut auf einem Niveau zu halten, das jeder Teilnehmer problemlos stemmen konnte.

Beachtliches Netzwerk aufgebaut

Auslandsprojekte führen zu fachlichem Mehrwert, aber auch zu persönlichem Gewinn. Die vielen Kontakte, die durch die Erasmus+-Mobilität der LAF bereits zustande gekommen sind, bilden mittlerweile ein beachtliches Netzwerk. Das gilt für die Lehrkräfte untereinander, aber auch für die ehemaligen Auszubildenden oder die Organisatoren mit ihren vielen externen Ansprechpartnern von der Papierfabrik bis zur Nationalparkverwaltung.

„Ja, ich kenne da vielleicht jemanden …“ ist ein unglaublich wichtiger Satz im Leben, und dank der EU-Bildungsförderung kann er deutlich häufiger ausgesprochen werden. Jeder, der schon einmal ein Erasmus-Bildungsprojekt mitgemacht hat, weiß genau, was die EU für ihn tut.

Ergebnisse der Landessortenversuche Wintergerste

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Die Wintergerste wurde zur Ernte 2024 laut Statistikamt Nord auf etwa demselben Flächenumfang von rund 73.400 ha (+3 %) wie im Vorjahr angebaut. Während vor zwei Jahren noch hohe Preise auch für die Wintergerste am Markt zu erzielen waren, ist die momentane Lage bei Preisen um 150 €/t ungünstig. Während nach erster Ertragsprognose von einer leicht überdurchschnittlichen Ernte ausgegangen wird, haben die Erträge in den Landessortenversuchen (LSV) unterhalb der Erwartungen gelegen. Wie die einzelnen Sorten sich präsentiert haben, ist im folgenden Artikel beschrieben.

Die Aussaatbedingungen im vergangenen Jahr waren nach einer schwierigen und nassen Ernte des Winterweizens für die Wintergerste weitestgehend normal, nachdem eine trockene Phase im September die Böden hatte abtrocknen lassen. Für Saaten ab Oktober eröffnete sich jedoch regenbedingt zumeist erst wieder in der Monatsmitte ein kurzes akzeptables Zeitfenster. Durch milde Witterung mit weiterhin großen Niederschlagsmengen entwickelten sich die meisten Bestände, die sich im Herbst bereits gut entwickelt hatten, auch über Winter weiter. Vereinzelt litten Flächen unter der Staunässe.

Durch starken Blattlauszuflug mussten in manchen Regionen insbesondere früher gedrillte Bestände im Herbst mit Insektiziden behandelt werden. Hier bestand die Herausforderung häufig darin, die richtige Terminierung zu finden, da der Zuflug sich über einen längeren Zeitraum erstreckte. Entsprechend sind teilweise Gerstenflächen mit nicht resistenten Sorten stark durch das Gerstengelbverzwergungsvirus geschädigt worden. Durch Nässe im Frühling war das Wurzelwerk insgesamt schwach entwickelt, jedoch waren die Pflanzen überwiegend gut bestockt. Deutlich in Erscheinung ist in diesem Jahr wieder Rhynchosporium getreten, aber auch Netzflecken gab es, überwiegend in den Hybridsorten. Zur Kornfüllung hin trat deutlich Zwergrost auf, und in der Abreife konnte in vielen Beständen, auch in der Praxis, Ramularia beobachtet werden.

Während Mitte Juli im Süden von Schleswig-Holstein die Ernte der Wintergerste teilweise abgeschlossen war, konnte in den nördlichen Landesteilen witterungsbedingt erst begonnen werden. In den Versuchen wie auch in der Praxis traten daher Lager und besonders Halmknicken auf und erschwerten die Ernte.

Witterungsbedingt musste die Gerstenernte oftmals in den kurzen Zeitfenstern bis spät in den Abend erfolgen.

Aufbau und Standorte der Landessortenversuche

Die Landessortenversuche werden für Wintergerste in allen Naturräumen angelegt. Für die Marsch gewertet werden konnte lediglich der Standort Sönke-Nissen-Koog. In der mehrjährigen Verrechnung kommen zur Schleswig-Holsteinischen Marsch auch Standorte aus Niedersachsen hinzu. Weiterhin werden grundsätzlich für alle Naturräume auch angrenzende Naturräume anteilig und gewichtet mit in die Auswertung einbezogen, um ein belastbares und robustes Ergebnis zu erlangen. Für die Geest konnte in diesem Jahr nur der Standort Schuby Ergebnisse bereitstellen. Im Östlichen Hügelland konnten wie in den Vorjahren die Standorte Kastorf, Futterkamp und Loit in die Wertung einbezogen werden.

Grundsätzlich sind die Versuche wie gehabt in Form einer zweistufigen Prüfung aufgebaut, wobei in der Stufe 2 (zur Ertragsauswertung herangezogen) der Fungizid- und Wachstumsreglereinsatz ortsüblich-intensiv stattfindet und dafür in der Stufe 1 (zur Beurteilung von Standfestigkeit und Krankheitsanfälligkeit) kein Fungizid eingesetzt und Wachstumsregler deutlich reduziert wird.

Erträge der LSV niedriger

Die Erträge der Wintergersten-LSV konnten in diesem Jahr nicht an das hohe Niveau der Vorjahre anknüpfen. Trotz überwiegend gut bestockter Bestände und ohne Stress durch Trockenheit oder Hitze, auch nicht während der Abreife, konnten in Futterkamp 103 dt/ ha, in Kastorf 105,3 dt/ha und in Loit 110,7 dt/ha geerntet werden (Tabelle 3). Auch am Standort Schuby blieb trotz optisch sehr zufriedenstellender Parzellen das Ertragsniveau mit 65,4 dt/ ha hinter den Erwartungen zurück (Tabelle 2). Im Sönke-Nissen-Koog lag der Ertrag im Mittel bei 87,2 dt/ha (Tabelle 1).

Auffällig ist in diesem Jahr die hohe Differenz in den Erträgen zwischen den beiden Behandlungsstufen, was zum einen auf einen sehr hohen Krankheitsdruck schließen lässt, und andererseits sind Vorernteverluste durch fehlende Strohstabilität nicht auszuschließen.

Qualität zufriedenstellend

Als wichtigstes Qualitätskriterium zur Bewertung von Wintergerste dient im Handel das Hektolitergewicht. Während aus der Praxis teils Meldungen von kritischen Werten kamen, lagen die Hektolitergewichte in den Versuchen bis auf wenige Ausnahmen auf einem sehr hohen und zufriedenstellenden Niveau im Mittel der Sorten je Standort zwischen 67,1 und 69,8 kg/hl (Tabelle 4). Insgesamt schwächere Werte, aber immer noch deutlich über 63 kg/hl und damit volle Vermarktungsfähigkeit erreichten die Sorte ‚SU Hetti‘, ebenso wie die Sorten ‚Avantasia‘ und ‚Julia‘, die in diesem Merkmal eine entsprechende Einstufung aufweisen.

Der Landessortenversuch präsentierte sich im Juni sehr gut und ließ zu diesem Zeitpunkt ein höheres Ertragsniveau erwarten.

Was sind die Gründe, woran lag es?

Die wesentliche Frage ist nun, auch aus Praktikersicht, wo die Gründe für die nicht zufriedenstellenden Erträge liegen. Wie eingangs beschrieben, hat die nasse Periode nach Aussaat bis zur Ernte (mit einer kurzen Ausnahme im Mai) über einen langen Zeitraum wenig Sauerstoff an die Wurzeln kommen lassen, wodurch insgesamt das Wurzelsystem nicht stark ausgebildet werden musste, aber auch nicht konnte.

Hinsichtlich der Wasserversorgung war das in diesem Jahr kein Problem. Jedoch ist nicht auszuschließen, dass die Nährstoffverfügbarkeit in den intensiver durchwurzelten Bodenschichten niedriger war. Dies gilt in erster Linie für alle verlagerungsgefährdeten Nährstoffe, aber neben Stickstoff (N) insbesondere auch für Schwefel (S). Hier ist nicht auszuschließen, dass ein latenter S-Mangel einen Mangel an N nach sich gezogen hat.

Zudem kann ein S-Mangel neben einer reduzierten Biomasse auch die Fertilität beeinflussen und damit die Kornzahl reduzieren. Bei weitestgehend normalen Bestandesdichten und normalen Tausendkornmassen (im Mittel der Versuche zwischen 49 und 56 g/1.000 K., Schmachtkorn konnte nicht beobachtet werden) lag teilweise die Kornzahl je Ähre im Vergleich zu Vorjahren geringfügig niedriger.

Für Stress in den Beständen hat neben dem Zuviel an Wasser in der feuchten Witterung auch der starke Krankheitsdruck gesorgt. Wo in der Praxis auch noch Druck durch das Gerstengelbverzwergungs- oder das Gerstengelbmosaikvirus Typ 2 auftrat, wurden die genannten Probleme verschärft. Auch ein Mangel an Strahlung während der Kornfüllung wird diskutiert, dies wird allerdings im Vergleich zu heißen oder zumindest phasenweise heißen und trockenen Vorjahren durch eine „kühlebedingt“ lang gestreckte Kornfüllungsphase wieder relativiert. Die Gründe für das erreichte Ertragsniveau dürften demnach vielschichtig und von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich zum Tragen gekommen sein.

Für den Anbau empfohlene Sorten

In den Anbau sollen nach wie vor Sorten genommen werden, die sich mehrjährig mit guter Leistung gezeigt haben oder mit denen im Betrieb bereits gute Erfahrung gemacht wurden und die entsprechend gut eingeschätzt werden können. Die für die jeweiligen Naturräume empfohlenen Sorten sind in den Tabellen 5 bis 7 dargestellt. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Sortenempfehlung nur geringfügig geändert.

In den Versuchen konnte eine gute Kornqualität mit hohen Hektolitergewichten ermittelt werden.

Zu den leistungsstärksten Sorten gehören nach wie vor ‚Esprit‘ und ‚Julia‘ – Letztere hat aufgrund ihrer positiven Eigenschaften bundesweit und auch in Schleswig-Holstein in allen Regionen eine hohe Anbaubedeutung und fällt lediglich mit ihrem tendenziell schwächeren Hektolitergewicht leicht negativ auf. Im Vergleich zu ‚Julia‘ hat ‚Avantasia‘ ein ebenso hohes Ertragspotenzial, aber auch eine deutlich höhere Krankheitsanfälligkeit, was im Anbau berücksichtigt werden sollte. Eine auslaufende Empfehlung erhält die Sorte ‚SU Midnight‘, die insbesondere wegen ihrer in den vergangenen Jahren immer deutlicheren Anfälligkeit für Rhynchosporium abfiel.

Im Östlichen Hügelland, dem Naturraum mit der größten Wintergerstenfläche, sind weiterhin die Sorten ‚SU Jule‘ und ‚Teuto‘ empfohlen, die beide länger sind, aber über die vergangenen Jahre stabile Erträge gezeigt haben. Neu aufgenommen in die Empfehlung im Östlichen Hügelland ist ‚RGT Mela‘, die als lange Sorte zwar auch potenziell lagergefährdeter ist, sich aber ansonsten ausgeglichen in ihren Eigenschaften und mit einem guten Ertragsniveau gezeigt hat.

Aus der Gruppe der Hybridsorten, die in diesem Jahr wieder deutlich ihr Potenzial bewiesen haben, ist in allen Naturräumen ‚Galileoo‘ als Sorte mit hohem Ertragspotenzial empfohlen, ebenso wie die ertraglich knapp ebenbürtige ‚Dakoo­ta‘, die durch frühere Reife, bessere Agronomie und höheres Hektolitergewicht punkten kann.

Auch neu in allen Regionen empfohlen ist ‚Loona‘, die durch ein sehr hohes Ertragsniveau auffiel und dabei in Agronomie, Blattgesundheit und Kornqualität bessere Ergebnisse zeigte. Bei dieser Sorte ist jedoch zu beachten, dass sie ein sehr hohes Bestockungsvermögen besitzt, weshalb sie in der Praxis gegenüber den anderen Hybriden nochmals leicht in der Saatstärke reduziert werden sollte. In der Regel sollte die Saatstärke zwischen 160 und 200 K./m2 liegen, abhängig von Standort, Saatbedingungen und Sätechnik. Speziell in der Marsch geprüft wurde zudem die Sorte ‚Jettoo‘, die wieder gute Ertragsergebnisse zeigte.

Im Falle eines Risikos von bodenbürtigen Viren und bei früheren Saatterminen mit entsprechendem Gelbverzwergungsvirusdruck scheint ‚KWS Delis‘, die früher, kurz und standfest ist und ein gutes Ertragsniveau zeigte, eine Sorte zu sein, die sich für einen Probeanbau eignet.

Fazit

Wegen einer aktuell ungünstigen Preissituation bei gleichzeitig hohen Kosten im Ackerbau scheint Wintergerste auf den ersten Blick weniger attraktiv als in den Vorjahren. Dennoch war sie zumindest in den vergangenen Jahren ertraglich stabil und ist aufgrund des früheren Saatzeitpunktes im Herbst und der früheren Ernte eine unverzichtbare Kultur. Es kommt nun darauf an, mit vertretbarem Kostenaufwand die Bestandesführung realisieren zu können. Dabei spielt neben der nicht beeinflussbaren Jahreswitterung die Sortenwahl eine tragende Rolle.

Ergebnisse der Landessortenversuche Ökowintergerste

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Um bereits mit der Sortenwahl von Ökowintergerste einen wichtigen Baustein im Anbau wählen zu können, lohnt ein Blick in die Auswertung der Landessortenversuche (LSV) der Landwirtschaftskammer, die im ­Folgenden dargestellt ist.

Die Wintergerste nimmt im Ökolandbau eine wichtige Stellung in Ackerbaufruchtfolgen ein. Als Winterung hat sie den Vorteil gegenüber Sommerungen, dass eine höhere Ertragssicherheit erreicht wird und sie durch eine starke Jugendentwicklung in der Lage ist, eine hohe Konkurrenzkraft gegenüber Beikräutern zu entwickeln. Gleichzeitig kann nach einer frühen Ernte durchaus der Anbau von Futterfrüchten, die noch im Herbst genutzt werden sollen, in Erwägung gezogen werden.

Rückblickend hielt das Anbaujahr viele Herausforderungen bereit. Bereits mit der nassen Ernte im vergangenen Jahr musste die Praxis mit viel Durchwuchs und Spätverunkrautung umgehen, während es aber im August und September trockene Phasen gab, die für mechanische Maßnahmen Einsatzzeitpunkte ermöglichten.

Auf sehr schweren, tiefer liegenden Standorten mit hoher Niederschlagssumme verliefen dennoch die Grundbodenbearbeitung und die Saatbettbereitung nicht immer optimal aufgrund feuchter Böden und der vorangegangen Ernte unter feuchten Bedingungen. Insgesamt konnte aber die Wintergerste überwiegend im September noch gut bestellt werden, während spätere Saattermine anderer Kulturen oftmals nässebedingt nicht mehr oder sehr ungünstig realisierbar waren.

Die Entwicklung der Wintergerste vor Winter war ausreichend, bedingt durch eine hohe Wärmesumme. Zudem konnte eine weitere Bestockung nach dem kurzen Wintereinbruch Anfang Dezember ab Jahreswechsel beobachtet werden. Durch die großen Niederschlagsmengen über Winter und im Frühjahr konnte allerdings auch keine gute Wurzelentwicklung stattfinden. Zudem waren einige Bestände in der Praxis durch das von Blattläusen übertragene Gerstengelbverzwergungsvirus betroffen. Ebenso niederschlagsbedingt lagen im Frühjahr die Nmin– und Smin-Werte landesweit auf einem niedrigen Niveau. Trockenstress trat in der folgenden Entwicklung nicht auf, da bis zur Ernte ein mehr als ausreichendes Wasserangebot bestand.

Der Krankheitsdruck lag jedoch auf einem deutlich höheren Niveau als in den Vorjahren. Insbesondere ein frühes und starkes Auftreten von Rhynchosporium kostete Blattfläche und teilweise Triebe. Netzflecken traten auf und der ab Mitte Mai teilweise stark vorhandene Zwergrost begleitete von Beginn der Kornfüllung an die Bestände und reduzierte die Blattfläche.

Die Landessortenversuche der Ökowintergerste werden in Schleswig-Holstein in Lundsgaard in Kooperation mit der Pflanzenzüchtung P.H. Petersen im Norden und am Standort Futterkamp angelegt. Bedingt durch Nässe und damit verbundene Wuchsdepression wurde in Lundsgaard der Landessortenversuch dieses Jahr abgebrochen. In Futterkamp konnte der Versuch aber normal geführt und beerntet werden (siehe Tabelle 1).

Ergebnisse im Landessortenversuch

Der Ertrag des Landessortenversuches Ökowintergerste am Standort Futterkamp lag mit 32,6 dt/ha im Mittel über die Bezugssorten sehr niedrig, wobei es sehr deutliche Sortenunterschiede gab (siehe Tabelle 2). Die Grenzdifferenz von 9 % relativ liegt dabei noch im akzeptablen Rahmen. Gleichzeitig sind die ermittelten Qualitäten insgesamt auf einem akzeptablen Niveau (siehe Tabelle 3).

Die Ursachen für das niedrige Ertragsniveau sind vermutlich vielschichtig. Zum einen hätte vermutlich eine mineralische Schwefeldüngung eine bessere N-Ausnutzung gebracht. Gleichzeitig ist bei einer ausreichenden Bestandesdichte eine geringe Tausendkornmasse (TKM) mit geringer Kornzahl je Ähre erreicht worden. Das kann zum einen an einer schlechten Befruchtung liegen, zum anderen an dem sortenbedingt hohen Krankheitsdruck (Netzflecken und vor allem Zwergrost, siehe Tabelle 4), der in der Kornfüllung klar negative Auswirkungen hatte. Zudem ist bedingt durch starkes Halmknicken nicht auszuschließen, dass (Vor-)Ernteverluste aufgetreten sind.

Für den Anbau empfohlene Sorten

‚KWS Exquis‘ hat in den Versuchen mittlerweile mehrjährig überdurchschnittliche Erträge gebracht, ist dabei gesund und hat eine gute Standfestigkeit und Strohstabilität. Mit ihrer zusätzlichen Resistenz gegenüber dem blattlausübertragenen Gerstengelbverzwergungsvirus ist diese Sorte sehr geeignet für den Ökoanbau.

‚KWS Flemming‘ hat mehrjährig gute Erträge in den Versuchen gezeigt und zeichnet sich durch eine gute Gesundheit mit guter Kornqualität und positiven agronomischen Eigenschaften aus. Sie gehört damit zu den Favoriten in der Sortenwahl.

‚Julia‘ lag in Futterkamp zwar ertraglich leicht unterhalb des Durchschnittes, ist aber mit einer Resistenz gegenüber dem Gelbmosaikvirus Typ II (ohne Resistenz gegen das Milde Gerstenmosaikvirus) ausgestattet, früher reif und hat sehr günstige agronomische Eigenschaften. Aufgrund der früheren Reife ist das Halmknicken im Versuch stärker ausgeprägt. Wie auch im konventionellen Anbau ist sie eine voll empfehlenswerte Sorte.

‚Normandy‘ ist als zweizeilige Gerstensorte im nun zweiten Versuchsjahr sehr positiv aufgefallen und kann durch hohe Kornqualität, guten Ertrag und gute agronomische Eigenschaften punkten. Sie sollte daher in der Sortenwahl Berücksichtigung finden. Da zweizeilige Sorten mit um rund 10 % erhöhter Saatstärke gedrillt werden sollten und dabei stärker als mehrzeilige Sorten bestocken, eignet sie sich gut auch hinsichtlich der Unkrautunterdrückung.

Mehrjährig geprüft ohne Anbauempfehlung

‚Esprit‘ ist im ökologischen Anbau aufgrund ihrer höheren Anfälligkeit in Jahren mit höherem Zwergrostdruck im Nachteil gegenüber gesünderen Sorten. Dennoch hat sie ein sehr hohes Ertragspotenzial mit akzeptabler Qualität in Jahren mit geringerem Krankheitsdruck.

‚Melia‘ ist als lange Sorte hinsichtlich ihrer hohen Konkurrenzkraft positiv zu bewerten, hat dabei aber in Standfestigkeit und Strohstabilität deutliche Schwächen. In Futterkamp hat sie den höchsten Befall mit Zwergrost gezeigt. Auch ertraglich ist sie bislang nicht konkurrenzfähig.

Am 3. Mai zeigte der noch zögernd, aber insgesamt zufriedenstellend und gleichmäßig entwickelte Landessortenversuch Ökowintergerste sich so. Foto: Achim Seidel

‚SU Midnight‘ bietet beim Auftreten von bodenbürtigen Gelbmosaikviren des Typs II einen sicheren Schutz mit hohem Ertragspotenzial, aber in den vorigen beiden Anbaujahren hat sie durch ihre hohe Anfälligkeit für Rhynchosporium früh Triebe verloren, was sowohl bei der Bestandesdeckung als auch hinsichtlich des Ertragspotenzials negativ zu bewerten ist.

Junge Sorten in der Prüfung

Mit mittlerem Ertrag, aber sehr guter Qualität zeigte sich ‚Adalina‘. ,Integral‘ ist mit hohem Ertrag, früherer Reife und guter Strohstabilität positiv aufgefallen und besitzt zudem eine Resistenz gegenüber dem Gerstengelbverzwergungsvirus, was die Sorte für den Ökoanbau attraktiv macht. Auch interessant hinsichtlich Ertrag und Qualität ist die zweizeilige Sorte ‚KWS Donau‘, die zudem eine Eignung als Winterbraugerste aufweist (Erfüllung der Qualitätskriterien vorausgesetzt). Bislang nicht zufriedenstellende Ergebnisse hat die Sorte ‚Lioba‘ in Ertrag und Hektolitergewicht erreicht. ‚RGT Mela‘ und ‚Winnie‘ sind beide relativ langstrohige Sorten, haben gute Erträge im ersten Jahr gezeigt und fallen nicht negativ auf.

Anbau von Hybridgersten im Ökolandbau

Grundsätzlich sind Hybridsorten hinsichtlich ihrer hohen und stabilen Ertragsleistung bekannt, die sie aufgrund ihrer hohen Umweltstabilität auch unter extensiveren Anbaubedingungen erreichen. Daher wurden über nun drei Jahre Hybridgersten mitgeprüft, die alle überdurchschnittliche Ertragsleistungen zeigten.

Für den Ökoanbau empfiehlt sich in erster Linie die Sorte ‚Dakoota‘, die früher reif ist und bei gutem Hektolitergewicht eine sehr gute Standfestigkeit und gute Strohstabilität beweist. Sie entspricht in ihrem Profil damit der Weiterentwicklung der Sorte ‚Toreroo‘, die derzeit am Markt ausläuft.

Neuer, mit einem hohen Ertragsniveau, sehr hohem Bestockungsvermögen, guter Qualität und guter Blattgesundheit, ist die Sorte ‚Loona‘, die bei zu hoher Bestandesdichte aber zu Lager neigen kann. Hinsichtlich der Saatstärke hat sich gezeigt, dass die Hybriden auch mit Saatstärken von 250 kf. K./m2 einen ausreichenden Bestand etablieren und ein überdurchschnittliches Ertragsniveau erreichen. Bei sehr guten Saatbedingungen mit idealer Technik sind auch geringere Saatstärken möglich (niedrigere Saatgutkosten), jedoch muss der Beikrautdruck im Auge behalten werden.

Fazit

Das Anbaujahr war schwierig, und die Erträge in den Ökogerstenversuchen haben enttäuscht. Zur Sortenwahl sollten daher mehrjährige Ergebnisse herangezogen und die Eigenschaften der Sorten genau im Blick behalten werden, da im Ökolandbau sortenbedingte Probleme kaum zu korrigieren sind. Grundsätzlich sollte im Anbau aber der Grundnährstoffversorgung Augenmerk geschenkt werden, ebenso wie der Schwefelversorgung, um die knappe Ressource Stickstoff optimal nutzen zu können.

Mutterkühe ökologisch halten

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Warum lohnt es sich, ­Mutterkühe ökologisch zu halten? Und wie läuft eine Betriebsumstellung ab? Antworten auf diese Fragen gibt der folgende Beitrag.

Die Mehrheit der Betriebe, die im vergangenen Jahr die Umstellungsberatung durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Anspruch genommen haben, sind schwerpunktmäßig Mutterkuhbetriebe. 2023 wurden in Niedersachsen in ökologischen Betrieben und in Betrieben in Umstellung 1.700 Mutterkühe mehr gehalten als noch im Vorjahr (siehe Tabelle).

Voraussetzungen für die Umstellung

Gerade bei Mutterkuhbetrieben sind es oft kleinere Änderungen, die eine Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung ermöglichen. Mutterkühe werden in der Regel auch in konventioneller Haltung im Sommer ganztägig auf der Weide gehalten und im Winter aufgestallt. Daher kommt die konventionelle Mutterkuhhaltung bezogen auf die Haltungsbedingungen den Vorgaben der Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion schon sehr nahe.

Sie sieht vor, dass die Rinder Weidegang haben, wann immer es die Umstände gestatten (EU (VO) 2018/848 Anhang II Teil II 1.7.5). Es gilt also das Prinzip der Weidemaximierung, und die Tiere müssen in der Vegetationsperiode so viel Zeit wie möglich auf der Weide verbringen. Diese muss stets den Grünlandcharakter aufrechterhalten. Das bedeutet, es wächst entsprechendes Grundfutter auf, das die Tiere aufnehmen können.

Im Winter ist es möglich, die Tiere aufzustallen – auch ohne Auslauf. Die Stallvorgaben der Verordnung (EU) 2018/848 und der dazugehörigen Durchführungsverordnungen müssen eingehalten werden. Die Mindeststallfläche richtet sich nach dem Lebendgewicht der Tiere und muss während der Winteraufstallung zu jedem Zeitpunkt eingehalten werden.

Eine Mutterkuh, die 700 kg wiegt, benötigt mindestens 7 m² Stallfläche. Außerdem braucht jedes Tier eine eingestreute Liegefläche, und der Anteil von Spaltenboden darf maximal 50 % des erforderlichen Platzangebots betragen. Je nach Stallsystem weichen die Empfehlungen des Platzangebotes von den Mindestanforderungen der EU-Öko-Verordnung ab.

Die Fütterung der Tiere muss grundfutterbasiert erfolgen, was bei Mutterkühen ohnehin der Fall ist. Das Futter kommt in der Regel zum Großteil vom eigenen Betrieb. Zukauffuttermittel müssen in biologischer Qualität eingekauft werden.

Änderung der Produktionstechnik

Die Anzahl der Tiere, die maximal im ökologischen Betrieb gehalten werden können, bezieht sich auf die Fläche, die dem Betrieb zur Verfügung steht (flächengebundene Tierhaltung). Hintergrund ist, dass maximal so viel organische Düngemittel erzeugt werden, wie im Biobetrieb auch ausgebracht werden dürfen.

Alle Produktionsmittel, die zugekauft werden, müssen der Verordnung (EU) 2018/848 entsprechen und für den ökologischen Landbau zugelassen sein.

Auch der Tierzukauf muss primär über Biotiere erfolgen. Eine Ausnahmegenehmigung für den Zukauf konventioneller Zuchttiere können Landwirte nur dann beantragen, wenn keine biologischen Tiere verfügbar sind.

Mineralische Stickstoffdünger dürfen bei ökologischer Bewirtschaftung nicht mehr verwendet werden.

Nachsaaten müssen mit ökologisch zertifiziertem Saatgut erfolgen.

Je nachdem wie der Betrieb zuvor gewirtschaftet hat, können sich große oder kleine Änderungen im Betrieb und im betrieblichen Ablauf ergeben. Doch viele Betriebe halten die Vorgaben des ökologischen Landbaus bereits ein, ohne es zu wissen oder sich zertifizieren zu lassen.

Eine ausführliche Umstellungsberatung, bei der neben den produktionstechnischen auch förderrechtliche und betriebswirtschaftliche Aspekte geprüft werden, wird aus Mitteln der Rentenbank gefördert und von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein kostenlos angeboten. Ansprechpartner ist Björn Ortmanns, erreichbar unter Tel.: 0 43 31-94 53-327, E-Mail:­ bortmanns@lksh.de


Mutterkuhhaltung in Schleswig-Holstein

Auch in Schleswig-Holstein haben in den vergangenen Jahren viele Mutterkuhhalter den Schritt in die ökologische Bewirtschaftung vollzogen. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt die Betriebe mit einer Flächenprämie in Höhe von 473 €/ha Dauergrünland im ersten und zweiten Jahr der Umstellung, in den Folgejahren in Höhe von 260 €/ha. Bei Flächen der Stiftung Naturschutz oder Flächen mit Kompensations- oder Ökokonto-Auflagen wird dieser Betrag um 60 €/ha gekürzt. Es erfolgt gegebenenfalls eine Verrechnung mit anderen Extensivierungsmaßnahmen wie Vertragsnaturschutz oder bestimmten Ökoregelungen. Eine Broschüre mit Informationen zur Umstellung auf Ökolandbau stellt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zum Download zur Verfügung: https://t1p.de/9earn

Björn Ortmanns
, Landwirtschaftskammer SH