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Pflanzkartoffeln aus Schleswig-Holstein für die ganze Welt

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Schleswig-Holstein ist bekannt für seine Pflanzkartoffelproduktion. Vor allem die Westküste wird aufgrund der Gesundlage für die Kartoffelvermehrung genutzt. Schädlinge, die zum Beispiel Viren übertragen können, treten hier wegen des Westwindes nur im geringen Maße auf. In diesem Jahr gab es aber auch hier einen Anstieg der Viruswerte.

Schleswig-Holstein ist seit vergangenem Jahr das Bundesland mit der zweitgrößten Vermehrungsfläche von Pflanzkartoffeln (2.756 ha). Auf Platz eins steht Niedersachsen mit 6.505 ha und auf Platz drei Mecklenburg-Vorpommern mit 2.584 ha. Der Kartoffelanbau nahm im ganzen Bundesgebiet ab. Schleswig-Holstein ist eines der wenigen Länder, das eine Zunahme der Fläche verzeichnen konnte. Vor allem hohe Stufen, also Kategorien im Vorstufen- und Basisbereich, werden hier angebaut. Diese haben besonders hohe Anforderungen an die Pflanzengesundheit.

Die Anerkennungsstelle und die ehrenamtlich Besichtigenden führen während der Vegetation zwei bis drei Feldbesichtigungen durch. Hierbei wird auf Fehlstellen, Sortenreinheit und Krankheiten wie Schwarzbeinigkeit und Viren geachtet. Die vorige Feldbesichtigungssaison war so gut wie noch nie. Insgesamt wurden nur zwei Partien aberkannt (0,07 %) und nur sechs Partien abgestuft (0,7 %).

Nach der Ernte wird die Beschaffenheitsprüfung durchgeführt. Im Labor werden die Proben mittels Elisa oder qPCR auf bis zu sechs Viren (Roller, Y, A, M, X, S) untersucht. Nach der Beschaffenheitsprüfung gab es eine Aberkennungsrate von 3,5 % und Abstufungen von 11,8 %. 2022 gab es nur 1,5 % Aberkennungen und 9,2 % Abstufungen und 2021 sogar noch weniger mit 0,8 % Aberkennungen und 4,5 % Abstufungen.

Vor allem der Frühjahrsflug der Blattläuse ist für die Kartoffelpflanzen besonders kritisch. Die Kartoffeln beginnen gerade zu wachsen, und das helle Grün ist für die Blattläuse besonders attraktiv. Durch die milden Winter überleben viele Blattläuse. Diese begannen 2023 besonders früh zu fliegen. Die Läuse verursachen dann Primärinfektionen, die meist erst im darauffolgenden Jahr zu sehen sind. Aus den guten Werten der Feldbesichtigung und den relativ schlechten Ergebnissen der Beschaffenheitsprüfung lässt sich schließen, dass es 2023 zu vielen Primärinfektionen gekommen ist.

In Schleswig-Holstein spielt hauptsächlich das Y-Virus eine Rolle. Es kann zu starken Mosaiksymptomen kommen. Viruskranke Pflanzen können zu großen Ertragseinbußen führen. Das Virus wird an die Tochterknollen weitergegeben und kann im nächsten Jahr zu großen Schäden führen. Um die Verbreitung innerhalb der Fläche zu unterbinden, müssen kranke Pflanzen frühzeitig von dem Schlag entfernt werden.

Der Großteil der Pflanzkartoffel aus Schleswig-Holstein wird exportiert, vor allem in Drittländer (Nicht-EU-Länder). Die guten Kartoffelqualitäten sind in der ganzen Welt gefragt. Hauptexportländer sind Ägypten, Marokko und Vietnam, die schon im Herbst ihre Ware erhalten.

Das Pflanzen steht bereits wieder vor der Tür. Um gesunde Pflanzkartoffeln produzieren zu können, ist gesundes Ausgangspflanzgut elementar wichtig. Während der Vegetation sollten der Blattlausflug und das Selektieren von kranken Pflanzen immer im Blick behalten werden. Die Landwirtschaftskammer ist zuständig für die Pflanzkartoffelanerkennung. Es ist eine hoheitliche Aufgabe. Weitere Informationen dazu erteilt die Autorin.

Viruskranke Pflanzen müssen früh selektiert werden.
Foto: Melanie Hahn

Wie entwickelt sich der Milchpreis?

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Es gibt keine Möglichkeit, den zukünftigen Verlauf der Preisentwicklung für landwirtschaftliche Produkte vorherzusagen. Marktbeobachter versuchen, aus der aktuellen Faktenlage einen möglichen Trend einzuschätzen. Gerade beim Milchpreis gibt es verschiedene Prognosemodelle, denn der Milchpreis ist für viele Betriebe entscheidend für den Erfolg in diesem arbeits- und kostenintensiven Betriebszweig.

In Schleswig-Holstein zeigten die Auszahlungspreise seit Mitte des vergangenen Jahres eine leicht ansteigende Entwicklung. Einige Parameter deuten darauf hin, dass diese Preiserholung vorerst unterbrochen wird. Der vom ife-Institut errechnet Rohstoffwert der Milch – ein aus den wirklichen Verkaufspreisen von Butter und Magermilchpulver ermittelter theoretischer Milchpreis – gab im Februar um 0,5 auf 42,2 ct/kg Milch nach. Im Dezember lag dieser Kurs noch bei 43,7 ct/kg. Auch die Börsenmilchwerte, die sich aus den Terminmarktnotierungen für Butter und Magermilchpulver an der EEX-Börse in Leipzig ableiten, gehen ab April ebenfalls weiter zurück, was keinen schnellen Anstieg der Milchpreise in den nächsten Monaten erwarten lässt. Der Trend der Preise für die zwischen den Meiereien gehandelter Spotmilch zeigte zuletzt deutlich nach unten. Anfang März lag der Kurs für Norddeutschland hier noch bei 41,50 und ist bis Ende März auf 33,50 ct/kg Milch gefallen. Auch am Weltmarkt fallen die Preise. Bei der letzten Global-Dairy-Trade-Auktion in Neuseeland am 19. März sind die Preise im Mittel um 2,8 % gesunken. Analysten begründen diesen Preisrückgang mit der rückläufigen Nachfrage am Weltmarkt, vor allem aus China. Dabei ist die Milchproduktion rückläufig. Die fünf größten Exportländer melden ein geringeres Angebot. Die weltweite Nachfrage nach Milchprodukten ist jedoch uneinheitlich und die weitere Tendenz ungewiss.

Vor allem die hiesige Tierhaltung ist auf der Suche nach verlässlichen Perspektiven. Die hohen Anforderungen der Politik und der Verbraucher führen zu hohen Kosten für den Umbau der Haltungsformen. Kein Milchbauer weiß heute, was er in einem halben Jahr für seine Milch erlöst. Um mehr Gewissheit über die künftigen Preise zu schaffen, will die Politik klare Lieferverträge zwischen Meiereien und Landwirten vorschreiben. Der Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) soll entsprechend geändert werden. Die Gegner dieser Gesetzesänderung befürchten die Neuauflage einer Art Milchquote, da die Lieferverträge auch klare Mengenvorgaben setzen. Derzeit wird diskutiert, ob eine Absicherung der Erzeugerpreise auch über Terminmärkte funktionieren könnte. Zudem werden verschiedene Fest- oder Mindestpreismodelle genannt. Etliche Milchbauern befürchten viel Bürokratie, ohne dass sich die Erlöse wesentlich bessern. Marktexperten sind eher gegen staatliche Eingriffe in den Handel. Sie vertrauen auf das Unternehmertum und die Selbstregulierung durch Angebot und Nachfrage. Wer liquide ist und das nötige Fachwissen hat, kann selbst einen Teil der Produktion über Kontrakte an der Terminbörse absichern. Auch können Meiereien dies für die Lieferanten übernehmen und Kontraktpreise anbieten, ähnlich wie beim Vorverkauf von Getreide oder Raps. Durch solche Maßnahmen können stabilere Preise erzielt werden. Das Risiko nimmt ab, garantiert höhere Preise hat dies jedoch nicht zur Folge.

Gesund ist, was guttut

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Licht und Wärme sind der wichtigste Kraftstoff für Pflanzen und Tiere. Jetzt im Sommerhalbjahr gibt die Natur Vollgas. Auch die Menschen verbringen wieder mehr Zeit draußen – sei es bei der Arbeit auf den Feldern, der Gartenpflege oder dem geselligen Miteinander.

Das Miteinander steht auch im Zentrum der bundesweiten „Agrill“-Kampagne, die vom Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) ausgeht. „Agrill“ ist ein Wortspiel aus „April“ und „Grill“. Bäuerinnen und Bauern laden dabei Verbraucher ein, bei Grillwurst, -käse und -gemüse über landwirtschaftliche Themen zu diskutieren. So sollen „Gesprächsgräben“ in entspannter Lagerfeueratmosphäre überwunden werden. Gut so, denn das Gegenüber anzuhören ist wichtig, auch wenn Meinungen weit auseinanderliegen. Schon der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU) erklärte als Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2023 analoge Lagerfeuer als „notwendig für die Gemeinschaft“.

Klar ist: Essen bedeutet Emotion. Der Aufschrei der Agrarbranche war laut, nachdem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kürzlich ihre Empfehlungen aktualisiert hat. Laut DGE sollen wir unseren Fleischkonsum um die Hälfte reduzieren und insgesamt weniger tierische Produkte verzehren, um nicht nur unsere Gesundheit, sondern zusätzlich das Klima zu schonen. Wer gerne Wurst und Käse isst, fühlt sich dadurch schnell mit dem moralischen Zeigefinger ermahnt.

Und ja, für öffentliche Einrichtungen sind die DGE-Empfehlungen auch eine Richtschnur. Aber für alle anderen bleiben sie eben „nur“ Empfehlungen. Und beim Essen geht es nicht nur darum, seinen Körper optimal mit Nährstoffen zu versorgen, sondern um Genuss, denn gesund ist, was guttut.

Nahrungsaufnahme ist ohnehin individuell: Mir selbst wurde kürzlich ein Vitamin-B12-Mangel bescheinigt – mit der ärztlichen Empfehlung, mehr tierische Produkte zu verzehren. Aber auch ohne DGE-konträre Diagnose: Kein Verbraucher mag Essensvorschriften. Initiativen wie „Veggieday“ oder „Veganuary“ – ein Wortspiel mit „Januar“ – schließen große Teile der Bevölkerung aus. Sie können zwar dazu dienen, zu informieren und neugierig auf neue Produktgruppen zu machen. Aber wenn Ernährungskampagnen ausgrenzen oder vor den Kopf stoßen, schädigt das den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Verbraucher sollten vielmehr befähigt werden, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Verständliche und sachliche Information zu Lebensmitteln, zum Beispiel zu Herkunft, Tierwohl oder Inhaltsstoffen, sind dafür hilfreich. Politik sollte hier die passenden Rahmenbedingungen und Systeme schaffen. Denn nur wer gut informiert ist, kann auch gut diskutieren. Besonders jetzt im Aktionsmonat „Agrill“.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Eine Pause von zu Hause und Abenteuer erleben

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Die Inhaftierung eines Elternteils ist ein Ereignis, das das Leben der betroffenen Familien massiv verändert. Besonders für die Kinder kann die Situation sehr schwierig sein. Seit 2018 erhalten sie in Schleswig-Holstein Unterstützung durch das Projekt „Wellenbrechen“, das von der Straffälligenhilfe der stadt.mission.mensch gGmbh in Kiel mit Förderung des Landesministeriums für Justiz und Gesundheit ins Leben gerufen wurde.

Ein Nachmittag auf Hof Stoltenberg in Schönkirchen, Kreis Plön. Aylin* nimmt im Reitstall einen Kamm aus dem Korb und geht zu Pony Daisy. Das Mädchen begrüßt es, streicht leicht über seinen Hals und setzt dann zaghaft den ersten Strich an der Mähne des Tieres an. Daisy hält mucksmäuschenstill. Aylins Gesichtszüge entspannen sich, während sie immer wieder vorsichtig mit dem Kamm durch die Mähne fährt. Reitpädagogin Andrea Block-Stoltenberg ist an ihrer Seite und ermutigt sie, es einmal mit kräftigeren Strichen zu versuchen. Aylin traut sich und lächelt zufrieden.

Die Elfjährige und ihre Geschwister Mehmet* (8) und Leyla* (6) (* Namen geändert) machen gerade eine herausfordernde Zeit durch. Seit einigen Monaten ist ihre Mutter in Haft, etwa eineinhalb Jahre wird sie noch in einer Justizvollzugsanstalt bleiben, bis sie zur Familie zurückkehren kann. Währenddessen ist der Stiefvater der Kinder allein für sie da. Seit September vorigen Jahres begleitet Sozialpädagogin Laura Rahlf die Familie. Sie weiß, was Kinder durchmachen, wenn ihr Leben durch die Inhaftierung von Mutter oder Vater durcheinandergebracht wird. Auch wenn sie nicht schuld an den Straftaten ihrer Eltern sind, leiden sie doch unter den Konsequenzen. „Oft haben sie das Gefühl, von einer Welle an Veränderungen, Ängsten und Fragen überrollt zu werden. Sie sind meist sehr verunsichert. Nicht selten kommt es bei ihnen zu psychischen Problemen und Konflikten mit Freunden oder in der Schule“, so die Projektmitarbeiterin. Da sei es wichtig, dass die Kinder jemanden an ihrer Seite hätten, mit dem sie über Fragen, Befürchtungen, Probleme und Bedürfnisse sprechen könnten, der sie stärke und ihnen helfe, damit umzugehen. Verständnis und Sicherheit seien das, was sie brauchten.

Hier kommt das Projekt „Wellenbrechen“ ins Spiel, das verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote für Kinder und Familien von Inhaftierten bereithält. Neben den Angeboten für Erwachsene, nimmt das Projekt mit pädagogischen Angeboten die Kinder in den Blick. So kam es, dass Laura Rahlf mit Reitpädagogin Andrea Block-Stoltenberg und dem von ihr initiierten Förderverein Landerleben Kontakt aufnahm.

Selbstvertrauen stärken

Der Förderverein ermöglicht Kindern aus prekären Verhältnissen heilsame Natur- und Tiererlebnisse, unabhängig von Herkunft und Geldbeutel der Eltern (das Bäuerinnenblatt berichtete). Die Idee: den psychisch belasteten Geschwistern regelmäßig einen unbeschwerten Nachmittag auf dem Reiterhof zu schenken und dabei ihre Sozialkompetenz und das Selbstvertrauen zu stärken. Hierfür sagte der Förderverein seine finanzielle Unterstützung zu. Für den Selbstbehalt sprang das Projekt ein. So konnte das Angebot für die Familie kostenfrei bleiben.

Der Umgang mit Daisy tut Aylin sichtlich gut. Reitpädagogin Andrea Block-Stoltenberg unterstützt sie im Umgang mit dem New-Forest-Pony.

Zum zweiten Mal hat Laura Rahlf heute die Geschwister von zu Hause abgeholt. Sie begleitet sie bei ihrem monatlich stattfindenden Hofausflug und bringt sie anschließend wieder heim. „In den Osterferien werden alle von uns begleiteten Kinder einen ganzen Tag mit vielen Aktionen auf Hof Stoltenberg verbringen und spielerisch auf dem Rücken der Pferde eindrucksvolle Momente erleben“, kündigt sie an. Auch wenn die Beratungsstelle des Projekts ihren Sitz in Kiel hat, agieren die Mitarbeitenden landesweit. Sie besuchen die Kinder und Familien zu Hause, an einem neutralen Ort, oder diese kommen direkt in die Beratungsstelle. Alle Angebote basieren auf Freiwilligkeit und die Gespräche sind vertraulich. „Eine Zusammenarbeit mit weiteren Stellen oder Ämtern geschieht nur, wenn die Familien dies wünschen. Aktuell betreuen meine zwei Kollegen und ich 36 Kinder und 20 Familien“, informiert Laura Rahlf. Bei Bedarf begleiteten die Fachkräfte die Kinder ebenfalls zu Besuchen ins Gefängnis und unterstützten den Kontakt zum inhaftierten Elternteil. „Manchmal ist es ja so, dass die Eltern getrennt oder geschieden sind und dass ein Elternteil deshalb die Kinder nicht selbst dorthin begleiten will.“

Entspannte Ferienfreizeiten

Außerdem bietet das Projekt kostenlose Freizeiten an. Hier treffen sich Kinder und Jugendliche, die alle von der Inhaftierung eines Elternteils oder Angehörigen betroffen sind. In lockerer ­Atmosphäre können sie sich kennenlernen und untereinander austauschen. In diesem Jahr wird es im Sommer zum Surfen nach Sylt, in ein Ferienhaus nach Dänemark oder in ein Abenteuercamp nach Radbruch gehen.

„Es ist immer toll zu sehen, wie die Kinder diese Pause von zu Hause in einem Kreis von anderen Kindern genießen, die in einer ähnlichen Situation sind. Hier müssen sie sich nicht verstellen, etwas verheimlichen oder sich schämen“, betont sie. Ebenfalls falle es ihnen während einer Freizeit leichter, sich den pädagogischen Mitarbeitenden zu öffnen und ihnen etwas anzuvertrauen, das ihnen vielleicht schon länger auf der Seele liege. „Wir nehmen uns bewusst viel Zeit, auf die Ferienkinder und ihre Emotionen einzugehen. Sie freuen sich, wenn sie einmal ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen.“

Pony Daisy unterstützt die Kinder darin, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Es vermittelt ihnen ein Gefühl von Wärme, Nähe, Kraft und Stärke.

Aylin, Mehmet und Leyla sind mittlerweile mit Mähne- und Schweifkämmen, Fellbürsten und Hufauskratzen fertig. Jetzt wollen sie mit Daisy auf dem Hofgelände einen Spazierritt unternehmen. Nacheinander dürfen sie entweder ein Stück auf dem Pony reiten, vorweggehen und die Richtung vorgeben oder das Pony an der Leine führen.

Leyla steigt als Erste aufs Pony. Die Reitpädagogin führt sie zu einem Apfelbaum und gibt ihr eine kleine Aufgabe. „Möchtest du für die Kaninchen zum Knabbern ein paar Äste vom Baum holen?“, fragt sie. Leyla nickt noch etwas schüchtern, hält aber schon wenig später stolz einige Äste in der Hand. Sie hat die Aufgabe gemeistert und es sogar geschafft, dabei ihr Gleichgewicht auf dem Ponyrücken zu halten. „Das hast du gut gemacht!“, lobt Andrea Block-Stoltenberg und Leyla strahlt. Laura Rahlf macht ein Foto der Aktion, das sie später den Eltern zeigen wird.

Neues digitales Angebot

Sie berichtet von einem neuen, kostenfreien digitalen Angebot für Kinder und Jugendliche im Alter von etwa zehn bis 18 Jahren, das seit Herbst 2023 zum Projekt „Wellenbrechen“ gehört: einer Online-Beratung und einem Chat.

Laura Rahlf (li.) und Daniel Nicol bieten mit Franziska Brandt (beim Fototermin nicht da) seit Herbst 2023 auf der Wellenbrechen-Webseite einen Chat und eine Online-Beratung an.

Auf der Webseite wellenbrechen-sh.de finden die Heranwachsenden Infos und Antworten zu häufig gestellten Fragen rund um das Thema Inhaftierung: Wie kann ich Kontakt zu Papa oder Mama halten? Wie läuft ein Besuch im Gefängnis ab? Wie sieht dort ein Tag aus? Immer am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, jeweils von 15 bis 17 Uhr, können sie mit den Mitarbeitenden live chatten. „Und zwar anonym. Sie brauchen keinen Namen anzugeben. Sind wir nicht im Chat, können sie sich über die Webseite anonym registrieren und Fragen stellen. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden“, versichert Laura Rahlf.

Auf Hof Stoltenberg geht es für die Kinder nun in die Reithalle. Jetzt schlägt die Stunde für Mehmet, der tatkräftig beim Aufbauen eines Parcours hilft und sich danach auf Daisy schwingt. Er traut sich, einen Moment mit einem Tuch vor dem Gesicht zu reiten, geführt von seinen Geschwistern. Zum Abschluss erhält Daisy für ihre geduldige Mitarbeit jeweils eine Mohrrübe von den Kindern.

Mehmet traut sich, einen Moment mit einem Tuch vor dem Gesicht zu reiten, geführt von seinen Geschwistern.

Als Mehmet zunächst etwas ängstlich ist, nicht wagt, dafür näher an das Ponymaul heranzutreten, legt Aylin schützend ihren Arm um seine Schultern und hilft ihm. Nachdem die Kaninchen des Hofes mit Ästen und frischen Kohlblättern versorgt sind, lassen der Junge und die beiden Mädchen den Nachmittag unbeschwert beim Toben und Versteckspielen auf der riesigen Strohburg ausklingen. Andrea Block-Stoltenberg und Laura Rahlf können in fröhliche, völlig entspannte Kindergesichter schauen. Zum Abschied fragt Mehmet: „Dürfen wir in drei Tagen wiederkommen? Es war so schön hier.“

Weitere Informationen im Internet unter ­wellenbrechen-sh.de, ­stadtmission-mensch.de und ­foerderverein-landerleben.de

Nein zu Rechtspopulismus, Nein zu Gewalt

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„Radikal höflich – Umgang mit Rechtspopulismus“ und „Nein zu Gewalt“ gegen Frauen waren die Themen beim Parlamentarischen Abend und beim Arbeitskreis „Jugend macht Politik“ im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin. Schleswig-Holsteiner Lajus waren dabei.

In Arbeitsgruppen hatten wir uns auf die Themen Strukturentwicklung im Ehrenamt, Tierwohl, „Hand in Hand für Europa“, „Demokratie feiern – Landjugend ist bunt“ und „Land und Wirtschaften zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ vorbereitet. Auf dem Parlamentarischen Abend tauchten wir mit Politikern wie Susanne Hüttner-Anton aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium oder dem FDP-Bundestagsabgeordneten Martin Gassner-Herz in Diskussionsrunden in einen engen Austausch ein.

, Julien Reese Im Bundestag verfolgten die Lajus eine Plenumsdiskussion.

Nach einem langen informativen Abend hieß es für einige von uns schon wieder, die Heimreise anzutreten, für den Rest ging es mit dem Arbeitskreis „Jugend macht Politik“ (Jumpo) weiter. Zu Beginn sahen wir uns im Bundestag eine Plenumsdiskussion an. Zu Fuß ging es zurück ins Haus der Land- und Ernährungswissenschaft. Hier ging es zunächst um das Thema „Radikal höflich – Umgang mit Rechtspopulismus“. Was verstehen wir eigentlich unter Rechtspopulismus? Ab wann ist etwas rechtsextremistisch? Wir gingen auf unsere eigenen Erfahrungen und Erlebnisse ein und sprachen darüber, wie man bestimmte Vorfälle vermeiden oder eindämmen kann. In diesem Workshop sind wir alle sehr gewachsen und deutlich sicherer im Umgang mit Rechtspopulismus geworden.

Sonnabendmorgen stiegen wir in das Thema „Gewalt gegen Frauen“ ein. Ab wann ist etwas eigentlich Gewalt? Wie kann sich Gewalt äußern? Wirkt sich Gewalt im häuslichen Umfeld nur auf die Mutter aus oder ebenfalls auf die im Haushalt lebenden Kinder?

Viele Fragen in viel zu wenig Zeit! Zu Mittag mussten wir leider den Workshop beenden, da viele von uns eine sehr lange Heimreise vor sich hatten. Dennoch sind wir auch in diesem Bereich sicherer geworden und haben anhand unserer eigenen Erfahrungen einen einfacheren Umgang mit diesem Thema gewonnen. 

Die Schleswig-Holsteiner mit dem Bundesvorsitzenden Jan Hägerling (r.), v. li.: Christoph Stange, Svenja Carstensen, Malte Blöcker, Lena-Sophie Hagge, Lisa Tödter.

Der Blick ins All ist wunderschön

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Auf dem Dach der Klaus-Groth-Schule in Tornesch steht seit 2010 eine Sternwarte. Hier kann man die Sonne, den Mond, Planeten, Sterne, Galaxien und weitere Himmelskörper beobachten. Die Pinneberger LandFrauen besichtigten die Sternwarte und hörten einen Vortrag zum Thema „Besonderheiten des Sonnensystems“.

Annette Sieggrön und Jens Hartmann vom Verein Regionale Volks- und Schulsternwarte (RVST) zeigten durch das Spiegelteleskop Celestron 14 mit 500-facher Vergrößerung einige Planeten am Himmel. Uranus, Jupiter und Mond waren an diesem Abend gut zu sehen. Auf dem Mond erkannte man große Krater. Der größte hat einen Durchmesser von 2.240 km und ist mehr als 8 km tief.

Vor 4,5 Milliarden Jahren kollidierte die Erde mit dem marsgroßen Himmelskörper Theia. Aus einem Gemisch aus Materie von Theia und der Urerde entstand unser Mond. Die Erde war am Anfang nur eine heiße Kugel aus geschmolzenem Gestein, umgeben von heißen, ätzenden und giftigen Gasen. Für die weitere Entwicklung und unser Leben war Wasser nötig. Wissenschaftler vermuten, dass das Wasser von Kometen stammt, die mit der Erde kollidiert sind.

Heike Scharf blickt durch das Teleskop.

Wenn der Nachthimmel klar und ohne Wolken ist, können in der Sternwarte auch die Kugelsterne M13, M15 und M35 beobachtet werden. Der Sternenhaufen M13 befindet sich 25.000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Herkules.

Gesteinsbrocken aus dem Weltall, die den Weg durch die Atmosphäre schaffen und auf der Erde einschlagen, nennt man Meteoriten. Asteroiden sind große kosmische Körper, die beim Einschlag Krater hinterlassen. Ungefähr ein- bis zweimal innerhalb einer Million Jahre wird die Erde von einem großen Asteroiden getroffen. Vor 65 Millionen Jahren ging ein Asteroid mit zirka 14 km Durchmesser vor dem heutigen Mexiko nieder und riss einen Krater von 180 km Durchmesser. 75 % aller lebenden Tier- und Pflanzenarten gingen verloren, unter anderem auch die Dinosaurier. Heute lässt es sich nicht mehr ermitteln, ob der Einschlag des Asteroiden oder die daraufhin folgenden Vulkanausbrüche für die Verdunkelung der Sonne verantwortlich waren.

Heike Scharf, Hobbyastronom Bodo Hübner und Anke Ruckert (v. li.). Fotos (2): Marlies Martin

Der größte Krater der Erde ist der Vredefort-Krater. Ein Asteroid ging vor 2 bis 3,4 Milliarden Jahren in Südafrika nieder und hat einen Krater von 300 km Durchmesser gebildet. Vor ungefähr 1,85 Millionen Jahren entstand bei einem Einschlag in Kanada das Sudbury-Becken. Ein 10 km großer Asteroid schleuderte Material 800 km weit aus dem Einschlagkrater.

Auch unsere Kontinente sahen einst anders aus. Es gab zunächst eine Fläche namens Pangäa, die von einem einzigen Meer umgeben war. Vor ungefähr 200 Millionen Jahren zerfiel dieser Urkontinent durch plattentektonische Vorgänge in zwei Teile, in einen nördlichen, Laurasia, und einen südlichen, Gondwana. Später zerfielen diese wiederum in noch kleinere Stücke, unsere heutigen Kontinente. Auch aktuell verändert sich unsere Erde. Alle Kontinente sind in Bewegung und verschieben sich jedes Jahr um einige Zentimeter.

An jedem ersten Donnerstag im Monat lädt der RVST zu den Tornescher Astronächten mit Himmelsbeobachtungen, Vorträgen und Filmen ein. Nichtvereinsmitglieder sind willkommen. 

Ganz nah an den Touristen dran

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Die Zukunft bauen – das wollen die ZukunftsBauer! Oke Martinen in Süddorf auf der Insel Amrum engagiert sich in diesem Projekt des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Was für ihn dabei im Fokus steht, schildert er im Gespräch mit dem Bauernblatt.

Salami, Krustenbraten, Gulasch, Hacksoße von den eigenen Rindern und Schweinen, dazu Eier – der Platz im Hofladen ist minimal, aber dort gibt es die leckersten Produkte. Direktvermarktung ist ein wichtiges der Standbein des Betriebs von Familie Martinen in Süddorf. Vergangenes Jahr wurden 48 Rinder geschlachtet, ein Teil geht an die Gastronomie. Mehrere Kühlräume für Fleisch stehen im Stall. „Bis jetzt verarbeitet es ein Schlachter, aber nächstes Jahr wollen wir das selbst machen – die komplette Veredelung bis zum fertigen Gericht“, sagt Oke Martinen. Dann soll auch ein Foodtruck losfahren, den er bauen lässt, zu verschiedenen Plätzen auf der Insel. Aus dem Wagen soll es dann auch warme Gerichte geben – und Pommes aus eigenen Kartoffeln.

Mutter Birgit präsentiert einen schönen Schweinekrustenbraten.

Amrum – ein Feriengebiet reinsten Wassers! Da bietet sich nicht nur Direktvermarktung an, da kommt es in der Saison praktisch täglich zu Kontakt mit Touristen und damit auch zu Gesprächen über Landwirtschaft. „Sie sehen die Kühe auf der Weide, das kommt gut an. Sie sehen, wie es wirklich läuft in der Landwirtschaft.“

Früher hat er auch Schülern von seiner Arbeit erzählt – auf Amrum gibt es vier Schullandheime, „da kann man jede Woche was machen“. Im Moment hat er keine Zeit dazu, da er eine Pension in Norddorf für Festmieter umbaut: Wohnraum schaffen für Einheimische ist auch ein Thema auf den Inseln, die unter „Versyltung“ leiden, wie es neuerdings heißt. Wie gesagt, die Vermittlung an Schulklassen will er wieder aufnehmen, sobald er Kapazität hat. „Es ist erstaunlich, wie wenig Ahnung die Lehrer von Landwirtschaft haben. Den Kindern kann man es leicht vermitteln, aber die Lehrer müssen es auch wissen!“

Zum Beispiel, dass er seit Jahren nicht mehr pflügt. „Wir nehmen Kompost und Grünschnitt an, bauen damit Humus auf. Das macht den Boden widerstandsfähiger gegen Trockenheit“ – ein Zukunftsthema angesichts des Klimawandels, denn Bewässerung fällt auf der Insel aus. Dafür macht Starkregen Probleme. Über den Meeresspiegelanstieg macht er sich nicht so sehr Sorgen. „Wir liegen 15 Meter hoch, das dauert.“ Amrum, Sylt und Föhr haben, anders als die Halligen, einen Geestkern.

Ein weiteres Thema, über das er reden muss, ist der Gänsefraß: „Voll die Katastrophe! Die Dänen vergrämen die Gans, das drückt sie hier ‘runter, seitdem ist es doller geworden.“ Getreide hat er deshalb auf ein Minimum reduziert. Er hat es mit Winterhafer probiert, ein Jahr ging es super, dann nicht mehr. „Sie fressen zwar nicht die Saat, aber die Körner.“

Er scheut sich nicht, dazu auch mal Ministerpräsident Daniel Günther anzurufen, wie er überhaupt viel Öffentlichkeitsarbeit macht. Der NDR hat in der Serie „Nordstory“ schon mehrfach über seinen Betrieb berichtet, etwa dass das Umweltministerium keine Entschädigung für Gänsefraß zahlt, aber auch über „nette Themen“, als sie die seltenen Leicoma-Schweine anschafften: „Robust, agil und für die Haltung im Freien sehr geeignet, der intramuskuläre Fettanteil hoch, das Fleisch marmoriert.“ Oder über die Blühwiese, die er mit der Landjugendgrupppe anlegte, die er selbst mal gegründet hat.

Zum Konzept ZukunftsBauer meint Oke bescheiden, dass die Landwirtschaft in Deutschland ohnehin zukunftsträchtig sei. „Aber es werden uns noch neue Probleme bevorstehen. Da ist es gut, wenn man voneinander Lösungen hört, anstatt sich nur allein Gedanken zu machen.“ 

Oke Martinen ist der letzte Vollerwerbslandwirt auf der Insel Amrum.

BLE fördert weitere drei Jahre Veranstaltungen für Tierhalter

Seit 2020 hat sich das von der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft geförderte Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“ zum Ziel gesetzt, Wissen zu Tierwohlthemen an die Praxis zu vermitteln. Der Schwerpunkt lag bislang auf den Nutztierarten Rind, Schwein und Geflügel. In der neuen Förderperiode (2024 bis 2026) wird das Angebot um die kleinen Wiederkäuer, Pferde und Neuweltkameliden, also Lamas und Alpakas, erweitert.

„Um Tierhalter in Deutschland nachhaltig zu stärken und sie dabei zu unterstützen, Tier- und Umweltschutz, Qualität bei der Produktion sowie Marktorientierung zu priorisieren, wurde das bundesweite Netzwerk Fokus Tierwohl gegründet“, so heißt es auf der Homepage des Netzwerkfokus Tierwohl. Es wurden tierartspezifische Geschäftsstellen gebildet, welche wissenschaftliche Daten, neueste Erkenntnisse aus der Forschung und Praxis bündeln und in Zusammenarbeit mit den Verbundpartnern aufbereiten.

Der Transfer in die Praxis gelingt durch die sogenannten Tierwohlmultiplikatoren in den verschiedenen Bundesländern. Konkret bedeutete das in den letzten drei Jahren, dass vielfältige Veranstaltungen mit dem übergeordneten Thema Tierwohl durchgeführt worden sind. In Schleswig-Holstein waren das beispielsweise kostenlose Seminare und Schulungen zur Nottötung beim Schwein, Low-Stress-Stockmanship für Rinderhalter oder zum Herdenschutz im Geflügelbereich.

Mit der Förderung des Projektes durch die Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft für weitere drei Jahre werden nun zusätzlich auch die Tierarten Pferd, kleine Wiederkäuer und Neuweltkameliden behandelt. Weitere Schwerpunkte liegen in der Förderung der Biodiversität, Klimaschutz, Wechselwirkung mit Emissionen, Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit in Verbindung mit Tierwohl.

Für 2024 sind unter anderem Seminare zur praktischen Geburtshilfe beim Rind, Großtierrettung, Erste Hilfe an Schwein und Pferd sowie Lehrgänge zur Klauenpflege in Planung.

Seit Beginn des Jahres können wieder neue Impulsbetriebe in das Netzwerk Fokus Tierwohl aufgenommen werden. Die Impulsbetriebe sind landwirtschaftliche Betriebe, die bereits besonders innovative und tierwohlgerechte Konzepte verfolgen und bereit sind, ihre Erfahrungen mit Berufskollegen zu teilen und in die Öffentlichkeit zu tragen. Mehrmals im Jahr finden Netzwerktreffen für die verschiedenen Tierarten statt, die zu Austausch und Weiterbildung genutzt werden.

Sowohl Betriebe mit Interesse an der Teilnahme am Projekt als Impulsbetrieb als auch alle anderen Interessierten mit Fragen und Anregungen, beispielsweise zu möglichen Veranstaltungen, können sich an Hannah Straky, Tierwohlmultiplikatorin bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, wenden. Sie ist erreichbar unter ­hstraky@lksh.de oder telefonisch unter 0 43 81-90 09 47.

10.000 Jahre Pflanzenkultur

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Der Großteil unserer heutigen Nahrungspflanzen war unseren Vorfahren noch unbekannt. Das gilt umso mehr, je weiter wir in der Geschichte zurückblicken. Gleichzeitig wurden in früheren Jahrhunderten in Mitteleuropa Pflanzen angebaut und verzehrt, die heute ein Nischendasein fristen. Manche Arten und Formen scheinen gar ganz verschwunden.

Die Anfänge der Kultivierung von Pflanzen sind weltweit mit dem Beginn der Sesshaftigkeit vor ungefähr 10.000 Jahren verbunden. Erst der jahrtausendelange Prozess der züchterischen Veränderung brachte aus Wildpflanzen unsere heutigen Nahrungspflanzen hervor. Manche Kulturpflanzen wie Lauch, Salat (Lattich) oder Puffbohnen (Vicia faba) wurden dabei so stark verändert oder sind schon so lange in Kultur, dass keine ursprüngliche Wildform mehr bekannt ist.

Durch Mönche kam die Spargelkultur nach Mitteleuropa. Foto: Anke Brosius

Die vermutlichen Ursprungsformen unserer Nutzpflanzen sind in rund zehn geografischen Gebieten zu finden, die auf fast allen Kontinenten verteilt liegen (Vavilov-Zentren). Das einzige in Europa liegende Ursprungsgebiet umfasst die Mittelmeerländer; hier wurden unter anderem Einkorn, Erbsen, Hopfen, Spargel und Kohl in Kultur genommen. Andere in Mitteleuropa schon früh angebaute Kulturen wie Gerste, Hirse und Lein stammen hingegen ursprünglich aus Kleinasien und Nordafrika (Äthiopien).

Weil aus der Zeit der frühen menschlichen Siedlungen keine schriftlichen Überlieferungen existieren, können Rückschlüsse auf die damals gebräuchlichen Nahrungspflanzen nur aus archäologischen Funden gezogen werden. Wichtige Hinweise gibt die Archäobotanik, die neben Früchten und Samen auch an historischen Grabungsstellen aufgefundene Pollen und Sporen auswertet. Dabei ist nicht immer klar, ob es sich um wild gesammelte oder um bereits auf Feldern und in Gärten kultivierte Pflanzen handelt. So wurden in mitteleuropäischen Siedlungen der Jungsteinzeit bereits Spuren von Äpfeln gefunden. Ob diese aber von wilden Äpfeln stammen oder ob die Menschen damals schon begonnen hatten, Apfelbäume gezielt anzupflanzen und in der Folge auf Fruchtgröße und Geschmack auszulesen, bleibt offen.

Erbsen waren in Mitteleuropa die früheste Hülsenfrucht. Foto: Anke Brosius
Lein wurde sowohl als Nahrungs- wie auch als Faserpflanze genutzt. Foto: Anke Brosius
Die Ackerbauern der Jungsteinzeit kultivierten schon Schlafmohn. Foto: Anke Brosius


Die ältesten bekannten Ackerbaukulturen Europas nördlich der Alpen entstanden vornehmlich auf fruchtbaren Lößböden entlang der Flussläufe auf einem breiten Streifen zwischen dem heutigen Ungarn und Nordfrankreich. Angebaut wurden zu dieser Zeit vor allem Gerste, Emmer, Erbsen, Linsen und Lein, seltener Einkorn, Hirse und (Schlaf-)Mohn. Ein beträchtlicher Teil der Nahrung, vor allem Kräuter, Blattpflanzen, Wurzeln und Früchte, stammte damals vermutlich noch aus Wildsammlung.

Regionale Unterschiede

In der mittleren Jungsteinzeit ab etwa 4500 vor unserer Zeitrechnung (v. u. Z.) dehnten sich die Ackerbaugebiete Richtung Süden bis ins Alpenvorland aus, nach Norden hin über das norddeutsche Flachland bis nach Dänemark und Südschweden. Dabei differenzierten sich regionale Unterschiede heraus. So spielten im milden Bodenseeraum der Anbau von Nacktweizen und Mohn sowie von Flachs zur Fasergewinnung eine große Rolle. In Norddeutschland hingegen war Gerste das Hauptgetreide vor Emmer und Einkorn, der anspruchsvollere Weizen wurde hier nur vereinzelt angebaut. An Hülsenfrüchten gab es anfangs im Norden nur Erbsen, während in Süddeutschland auch Linsen kultiviert wurden. Erst zu Beginn der Bronzezeit (etwa 2000 v. u. Z.) kamen Ackerbohnen hinzu, die in Nord- und Ostdeutschland bald zu den wichtigsten Nahrungspflanzen zählten.

Zum Getreide gehörte auch eine zahlreiche, bunte Ackerbegleitflora. Manche Wildkräuter, die in archäologischen Ausgrabungen nachgewiesen worden sind, gelten heute als ausgestorben. Auch Hafer („Flughafer“), Roggen und Leindotter tauchten in Mitteleuropa anfangs als „Unkraut“ in Getreidefeldern auf. Im ersten Jahrhundert v. u. Z. wurde Hafer an der Unterelbe bereits feldmäßig angebaut, Leindotter wurde seiner öl- und eiweißhaltigen Samen wegen kultiviert.

Zum Getreide gehörte auch eine bunte Ackerbegleitflora: Feldrittersporn Foto: Anke Brosius

In den folgenden Jahrhunderten nahmen die regionalen Unterschiede im damaligen Germanien beträchtlich zu, denn die Römer brachten eine Vielzahl neuer Kulturpflanzen über die Alpen, darunter viele Gemüse- und Obstpflanzen, die im nicht römisch besetzten Norden nicht oder nur mit großer Verzögerung Einzug hielten. So konnte aus Brunnenfunden in Süddeutschland der Anbau vielfältiger Getreide nachgewiesen werden, Dinkel machte neben Gerste nun den Hauptanteil der Nahrung aus. An Hülsenfrüchten wurden neben Linsen, Erbsen und Ackerbohnen auch Speiseplatterbsen (Lathyrus sativus) verzehrt.

Anderes Gemüse gab es offenbar wenig – hauptsächlich Sellerie, Kohl und Schildampfer. Dafür wurden viele Gewürzpflanzen wie Fenchel, Kümmel, Wacholderbeeren und Hopfen verwendet. Gefunden wurden auch zahlreiche Spuren von bis heute medizinisch gebrauchten Pflanzen wie Malve, Schafgarbe, Thymian und Wegerich. In Norddeutschland waren Emmer, Hirse, Leindotter und Bohnen sowie Lein die wichtigsten Kulturen, Letzterer auch als Faserpflanze. Im Bereich der Nordseeküste, wo die Böden durch häufige Überflutungen salzhaltig waren, gediehen neben Lein vor allem Gerste, Ackerbohnen und Hafer.

Klimatisches Auf und Ab

Die Römer brachten Schildampfer mit. Foto: Anke Brosius

Während zur Römerzeit nördlich der Alpen im Vergleich zu heute vermutlich ähnliche bis etwas wärmere Temperaturen herrschten, was die Etablierung mediterraner Pflanzen begünstigte, folgten im Frühmittelalter Jahrhunderte mit deutlich kälterem und nasserem Klima. In der Folge nahm nicht nur die Pflanzenvielfalt wieder ab, auch reifte das Getreide, das nach wie vor die Nahrungsgrundlage bildete, häufig nicht aus oder es gab Überschwemmungen, sodass es immer wieder zu Missernten und Hungersnöten kam. Auch aufgrund von Kriegen und Seuchen bei Mensch und Vieh ging die Bevölkerungszahl stark zurück. Siedlungen wurden verlassen, ehemalige Ackerflächen holte sich die Wildnis zurück.

Erste schriftliche Quellen, aus denen ein neuer Aufschwung von Landwirtschaft und Gartenbau hervorgeht, gibt es gegen Ende des ersten Jahrtausends u. Z. In dieser Zeit werden nördlich der Alpen viele Kloster gegründet. Insbesondere Benediktiner- und Franziskanermönche bringen aus Italien Pflanzenableger und Gartenwissen mit, ziehen in ihren Gärten vielfältige Heilkräuter, Gemüse und Würzpflanzen und beleben den Obstbau neu. Auch weltliche Gutshöfe sind ein Hort der zahlreichen neuen Nutzpflanzen, darunter verschiedene Zwiebelformen, Lauch, Rettich, Amarant, Gurken, Mangold, diverse Minzen, Salbei und Liebstöckel. Im mittelalterlichen Wärmehoch (etwa zwischen 1000 und 1300) gedeihen auch Vigna-Bohnen und Kichererbsen, Melonen, Pfirsiche und Esskastanien.

Bis diese Pflanzenvielfalt im Norden ankommt, dauert es allerdings ein wenig. Um 1150 werden im Marschland zumindest Küchenzwiebeln großflächig angebaut – ursprünglich waren hier nur wilde Allium-Formen bekannt. Der Weinanbau breitet sich im 13. Jahrhundert bis nach Schottland und Südskandinavien aus. Seit der Erfindung des Wendepflugs ist Roggen zur Hauptgetreideart geworden. Ab dem 14. Jahrhundert kommt Buchweizen nicht nur als Brotfrucht, sondern auch zum Bierbrauen auf und etabliert sich vor allem auf armen Sand- und Moorböden. Der Anbau von Ölsaaten, vor allem Lein, Rübsen und Leindotter, gewinnt an Bedeutung; die ersten Ölmühlen entstehen. Das aus den Samen gewonnene Öl wird nicht nur zu Speisezwecken verwendet, sondern auch zur Befüllung von Lampen.

Bedrohte Sortenvielfalt

Der Flaschenkürbis war der europäische Kürbis des Mittelalters. Foto: Anke Brosius

Beim Gemüse gibt es inzwischen eine große Vielfalt, die fortwährend durch neu hinzukommende Arten ergänzt wird: Neben Kürbissen, Gartenbohnen und später auch Feuerbohnen aus Amerika werden in den Gärten Radieschen aus Italien, Spinat aus Spanien, Schwarzwurzeln aus Frankreich gezogen. Teilweise verdrängen neue, für besser befundene Arten aber auch die bisherigen: So geht mit der Verbreitung der Gartenkürbisse (Cucurbita) der Anbau des Flaschenkürbisses (Lagenaria) zurück; Gartenmelde und Mangold werden vom Echten Spinat verdrängt; manche Arten wie die Spargelerbse haben nicht mehr als eine regionale Bedeutung.

Dafür aber gibt es, da die Saatgutvermehrung auf den Höfen und in den Gärten stattfindet, viele unterschiedliche, an die jeweiligen Bedingungen angepasste regionale Sorten. Auch der Obstbau floriert und führt zu einer großen Vielfalt an Apfel- und Birnen-, Pflaumen- und Kirschsorten, die auf den Wiesen rund um die Höfe wachsen.

Besondere Bedeutung kommt der Kartoffel als neuem Grundnahrungsmittel zu. Nach Schleswig-Holstein gelangt die Knolle aus Amerika vergleichsweise spät, wird dann aber bald zu einem so wichtigen Ernährungsbestandteil, dass die Krautfäule der 1840er Jahre auch hier zur Hungersnot führt. Die heute so gewöhnlichen Tomaten finden in Deutschland erst nach 1920 allgemeine Verbreitung, Zucchini, Knollenfenchel und Zichoriensalate sogar erst in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Während immer mehr Pflanzen aus aller Welt Küche und Garten bereichern, sind (und das gilt bis heute) gleichzeitig viele alte Arten vom Verschwinden bedroht: Einkorn und Emmer, Mispel und Quitte ebenso wie viele Gemüse- und Obstsorten, die bei der „Marktfähigkeit“ und der Vereinheitlichung des Angebots nicht mithalten können. Gab es etwa Mitte des 19. Jahrhunderts noch eine bunte Palette weißer, gelber, dunkelroter und violetter Möhrensorten, setzte sich im 20. Jahrhundert die orangefarbene Einheitsmöhre durch. Von rund 2.000 Apfelsorten allein in Deutschland machen heute genau sieben (!) den Großteil der gehandelten Früchte aus, darunter nur eine einzige „alte“ Sorte.

‚Boskoop‘ ist heute die einzige „alte“ Apfelsorte im Erwerbsobstbau. Foto: Anke Brosius

Auch durch die Professionalisierung und zunehmende Zentralisierung des Saatgutanbaus und -handels droht die über einen so langen Zeitraum geschaffene Vielfalt an Kulturpflanzen verloren zu gehen, insbesondere die vielen regionalen Sorten. Zum Glück gibt es seit einigen Jahrzehnten eine Gegenbewegung, die den in jahrtausendelanger Züchtungsarbeit entstandenen kulturellen wie kulinarischen Reichtum der Menschheit, der in den alten Arten und Sorten liegt, schätzt und zu erhalten sucht.

Viele Verletzungen im Umgang mit Pferden

Etwa jeder fünfte Unfall in den Grünen Berufen ereignet sich bei Arbeiten in der Tierhaltung, so die Unfallstatistik der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Dabei passieren gemessen an den Tierzahlen besonders viele Unfälle im Bereich der Pferdehaltung.

Unfallschwerpunkte sind weiterhin das Führen oder der Umgang mit Pferden bei deren Pflege oder Versorgung. Für eine sichere Pferdehaltung stellt die SVLFG diverse Hinweise und Broschüren zur Verfügung, die im Betrieb umgesetzt werden sollten. Während es in der Rinderhaltung für bauliche Änderungen Übergangsfristen gab, gelten die aktuellen Unfallverhütungsvorschriften für die Pferdehaltung seit dem 1. April 2021. Dennoch möchten wir an dieser Stelle auf einige Schwerpunkte der aktuellen Unfallverhütungsvorschriften hinweisen.

Bei der Ausstattung von Reithallen ist darauf zu achten, dass am Hufschlag eine lichte Höhe von 4 m vorhanden und die Bande umlaufend und ebenfalls in ausreichender Höhe vorhanden ist. Gleichzeitig soll sie Beinfreiheit für den Reiter bieten. Außerdem muss es die Möglichkeit geben, vorhandene Spiegel abzudecken, damit beim Freispringen oder Laufenlassen der Pferde keine Unfallgefahr besteht.

Tierbetreuer benötigen Kenntnisse für einen sicheren Umgang mit den Pferden, sie sollten hierin unterwiesen werden. Insbesondere gehört das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung wie Schuhen mit Stahlkappe und vor allem beim Longieren das Tragen von Handschuhen zum sicheren Umgang mit Pferden dazu. Beim Führen von Pferden darf der Strick nicht um das Handgelenk gewickelt werden und beim Loslassen muss das Pferd mit dem Kopf zum Führenden gewendet und der Gefahrenbereich unverzüglich verlassen werden.

Weitere Informationen, beispielsweise zum sicheren Verladen und zu den Anforderungen an bauliche Anlagen, sowie betriebliche Checklisten zur Überprüfung des Betriebes gibt es auf der Homepage der SVLFG

Zeitraum 2016 bis 2020: Zahlenangaben in Prozent (Grafik: SVLFG)