Sie werden bei Login in den Shop auch automatisch auf der Bauernblatt-Website eingeloggt und können sich dann zukünftig mit dem gleichen Passwort auf beiden Websites anmelden.
Was können Gemeinden tun, um junge Hausärzte aufs Land zu holen, wie sinnvoll sind Praxisgemeinschaften und was bringt die geplante Krankenhausreform für den Ländlichen Raum? Um diese und andere Fragen rund um die künftige ärztliche Versorgung auf dem Land ging es gestern in Neumünster.
Der LandFrauenverband Schleswig-Holstein begrüßte dazu in den Holstenhallen Dr. Oliver Grundei, Staatssekretär im Ministerium für Justiz und Gesundheit Schleswig-Holstein. Grundei sparte nicht mit Kritik an der geplanten Krankenhausreform von Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD). Viele Krankenhäuser in Schleswig-Holstein seien defizitär. Für sie ginge es momentan vor allem darum, zu überleben, bis endlich eine Entscheidung des Bundes vorliege. Für die ambulante Versorgung spiele die Attraktivität einer Region einen große Rolle, so Grundei. Zudem scheuten junge Ärzte oft das unternehmerische Risiko, eine eigene Praxis auf dem Land einzurichten. Kostenlose Räume für den Start einer neuen Praxis oder Ärztehäuser könnten helfen, die künftige Versorgung zu sichern, so der Staatssekretär.
Fototermin für Staatssekretär Dr. Oliver Grundei mit der Präsidentin des schleswig-holsteinischen LandFrauenverbandes Claudia Jürgensen
Der genetische Austausch der einzelnen Rotwild-Vorkommen in Schleswig-Holstein ist durch die Zerschneidung, Verbauung und Zersiedelung der Landschaft nicht mehr ausreichend gegeben.
Ein von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstütztes Feldforschungsprogramm soll jetzt bei der Datensammlung über die Wanderbewegungen der faszinierenden Großwildart helfen und Grundlagen für Entscheidungen zu mehr Schutz der Wanderwege oder auch für den Bau neuer Grünbrücken bilden.
Dafür hatte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) kürzlich im Wildpark Eekholt bei Großenaspe einen Förderbescheid über 70.000 € für das Projekt des Landesjagdverbandes (LJV) in der Tasche. „Wir sind Weltmeister, leider nicht immer in der richtigen Richtung“, meinte Wolfgang Heins, Präsident des LJV, anlässlich des Treffens im Wildpark Eekholt.
Gestatten Rotwild. Im Bild ein weibliches Tier im Eekholter Rotwildgehege. Die Gesichtserkennung ist viel schwieriger als beim Menschen, hieß es in Eekholt.
Schleswig-Holsteins „König der Wälder“ ist in Not und steht bereits auf der Vorwarnliste der Roten Liste im Artenschutz, erfuhr der Minister in der Runde mit Wolfgang Heins, dem leitenden Wildbiologen Frank Zabel sowie Linus Prinz, Project Manager KI-Transfer-Hub Schleswig-Holstein, und Hilmar Freiherr von Münchhausen für das International Council for Game and Wildlife Conservation (CIC).
„Für uns ist es eine besondere Freude, das ehrgeizige Projekt zu unterstützen, das es ermöglichen soll, auf Aufnahmen von Wildkameras basierend eine KI-unterstützte Gesichtserkennung für das Rotwild zu entwickeln und damit ein Stück zum Artenschutz beizutragen“, sagten Wildpark-Geschäftsführer Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck und Isabelle Mahnert, Enkelin von Wildparkgründer Dr. Hans-Heinrich Hattlapa. „Der Wildpark beherbergt drei unterschiedliche Rotwildrudel in den Gehegen und bietet eine gute Basis für Gesichtsaufnahmen, die der KI-unterstützten Entwicklung des Erkennungsprogramms wertvolle Lernvorlagen bieten“, erklärte Frank Zabel. Er ist maßgeblich an der Entwicklung des Programms beteiligt.
Innehalten und die Lage erkennen
„Bereits heute ist die genetische Verarmung des Rotwildes im Land sichtbar“, so Wolfgang Heinz. Etwa 3.000 bis 4.000 Stück Rotwild ziehen ihre Fährten vom Lauenburgischen Sachsenwald über den Duvenstedter Brook, die Segeberger Heide oder die um den Wildpark Eekholt liegenden Forsten bei Heidmühlen, Forst Ihlo bis hin zum Froeslev-Jardelunder Moor an der dänischen Grenze in 16 inzwischen inselartigen Vorkommen. „Es ist bitter, Rotwild mit verkürzten Unterkiefern oder blind geborene Kälber zu sehen“, meinte Heinz.
Um das Thema der genetischen Verarmung beim Rotwild ist es in Schleswig-Holstein schlecht bestellt, erfuhr Minister Dirk Schrödter am Rotwildgehege im Wildpark Eekholt im Gespräch mit Hilmar Freiherr von Münchhausen vom CIC und Wolfgang Heinz, Präsident im Landesjagdverband (vorn v. li.).
„Es geht uns keineswegs nur um die Erhaltung der letzten auch jagdlich spannenden Großwildart, sondern um ein Innehalten und Erkennen, wie spät es bereits auf der Artenschutzuhr ist“, sagte Wolfgang Heinz. „Eine Großwildart wie das Rotwild zieht eine ganze Kette an Biodiversität hinter sich her und mit sich“, erklärte Frank Zabel. Dazu gehörten nicht nur im Haarkleid mitgetragene Pflanzensamen oder durch Rotwildbeweidung unterstützte Insekten oder Kleinlebewesen, die nicht einmal einen deutschen Namen tragen, geschweige denn eine Lobby besitzen.
Infrastruktur erschwert das Leben
Und für das Rotwild, das auf seine Wanderkorridore angewiesen ist, seien inzwischen nicht nur Autobahnen und andere Infrastrukturen eine Katastrophe, bemerkte Hilmar Freiherr von Münchhausen. Die letzten Wildwanderwege versperrten heute leider allzu häufig große Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit teilweise Hunderten Hektar Zaun, hieß es.
Wie wichtig es ist, Chancen für bessere Entscheidungen und dabei auch modernste Technik zu nutzen, wird im neusten Wildtierforschungsprojekt zur genetischen Verarmung und den Wanderbewegungen des Rotwildes sichtbar, waren sich Wolfgang Heins (li.) und Minister Dirk Schrödter bei der Übergabe des Förderbescheides des Landes über 70.000 € einig.
An rund 546 km Autobahn in Schleswig-Holstein seien gerade einmal fünf Grünbrücken kaum nennenswert. Und bei der Planung von Solarflächen im Außenbereich seien Wildtiere nicht ausreichend berücksichtigt, lautete die Forderung der Jäger an die Landespolitik nach Nachbesserung. Allein die deutschlandweite Jagdstrecke des Rotwildes von etwa 73.000 Stück sei ein Indikator, welch hohe und auf den ersten Blick kaum erkennbare Bedeutung die Großwildart in ihren Lebensräumen im Land habe, meinte Hilmar Freiherr von Münchhausen.
„Das Projekt ,Rotwild-ID‘ zeigt anschaulich, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten und der Nutzen Künstlicher Intelligenz sind und auf den ersten Blick etwa in Naturschutzprojekten gar nicht vermutet werden“, fasste Minister Dirk Schrödter zusammen. So können etwa eine Wildtierbeobachtung und ein Monitoring ganz ohne Stress oder ohne Besenderung von Tieren erfolgen und wertvolle Daten für Zukunftsentscheidungen liefern.
Eine echte Herausforderung, aber auch ein möglicher Durchbruch im Rotwildmonitoring, das steht hinter dem Projekt „Rotwild ID“, das in Zusammenarbeit mit dem Landesjagdverband und dem Wildpark Eekholt als Unterstützer entwickelt wird, freuten sich die Beteiligten mit Wildbiologe Frank Zabel, Digitalisierungsminister Dirk Schrödter, Wolfgang Heins, Präsident des LJV, Isabelle Mahnert, Enkelin von Wildparkgründer Dr. Hans-Heinrich Hattlapa, und Wildpark-Geschäftsführer Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck über die Landesförderung des Projektes (v. li.).
Der Weltmarktpreis für Weizen wird seit etwa 20 Jahren am Schwarzen Meer gemacht. Bis zirka 2000 war Russland noch Nettoimporteur, dann hat sich das Bild total gewandelt, vor allem durch eine grundlegende Modernisierung der russischen Landwirtschaft, die erheblich in westliche Landtechnik, Saatgut und Agrarchemie investierte. Seit 2014 sind die Getreideexporte Russlands von etwas über 30 Mio. t auf fast 60 Mio. t im Jahr 2023 gestiegen.
Der russische Staat erhebt eine Exportsteuer von derzeit etwa 36 US-$/t Weizen, die direkt in den russischen Staatshaushalt fließt. So ist der russische Staat an einem möglichst hohen Export interessiert. Dabei versucht Moskau, einen FOB-Preis von etwa 200 US-$/t nicht zu unterschreiten, denn so können den Produzenten (die oft genug Oligarchen gehören) nach Abzug der Exportsteuer und Logistikkosten etwa 135 US-$/t gezahlt werden, die sie benötigen, um die nächste Aussaat zu finanzieren.
Anzeichen von Bodenbildung
Durch günstige Preise ist russischer Weizen derzeit sehr konkurrenzfähig. Im März könnten mehr als 4 Mio. t ausgeführt werden. Allerdings sind die Preise von Exporteuren in den vergangenen Tagen nicht mehr gesenkt worden. Es finden sich zunehmend Käufer, die Kontrakte knapp oberhalb der Marke von 200 US-$/t fob abschließen.
Russland hofft, der ukrainischen Wirtschaft (vor dem Krieg entfielen 10 % des ukrainischen BIP auf die Landwirtschaft) möglichst viel Schaden zuzufügen. Russlands Angriffe gegen die Getreide-Infrastruktur der Ukraine sollen deren Exportfähigkeit untergraben. Das Ende des Getreideabkommens bedeutete, dass ein Großteil des ukrainischen Getreides nach Europa ging, wo der Widerstand wegen des Preisverfalls für in Europa produziertes Getreide auf die Hälfte ständig größer wurde. Die alternative Schifffahrtsroute bewirkt eine Vervielfachung der Logistikkosten, die zulasten des Auszahlungspreises für ukrainische Landwirte geht, der inzwischen unter 100 €/t gesunken ist. Wegen der niedrigen Preise in der Ukraine hatben sich auch Motivation und Möglichkeiten der dortigen Bauern verringert, die Saat für 2024 auszubringen, weil jeder Hektar finanzielle Verluste bedeutet. Aktuell wird geschätzt, dass die ukrainische Weizenernte 2024 gegenüber dem Vorjahr um etwa 10 % geringer sein wird.
Russlands Kriegsziele
Putin arbeitet an einem Zusammenbruch der ukrainischen Landwirtschaft. Die Sicherung der Welternährung ist ihm herzlich egal, was schon der Exportstopp für Getreide vom 15. März bis zum 30. Juni 2022 zeigte. Dieser trug maßgeblich zur Explosion der Nahrungsmittelpreise im Frühsommer 2022 bei. Nahrungsmittel als Waffe einzusetzen, ist das Gleiche wie der Einsatz von Energielieferungen als Waffe, wenn diese im Winter zurückgehalten oder für „unfreundliche“ Staaten gedrosselt werden.
Für deutsche Marktfruchtbetriebe bestehen in der derzeitigen Lage wenig Aussichten auf steigende Getreidekurse. Auch wenn in der EU wegen der übernässten Böden in Nordwesteuropa weniger Getreide geerntet wird und auch die Ernte in der Ukraine geringer ausfallen wird, verteidigt Russland seine dringend benötigten Weltmarktanteile mit einer aggressiven Preispolitik. Für Tierhalter ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt für langfristige Futtermittelkontrakte, denn billiger als jetzt kann auch Russland nicht verkaufen. Und die Prognosen für eine weitere Rekordernte in Russland sind bekanntlich gut.
Marktlage – für die Woche vom 25. bis 31.3.2024
Getreide: Die Preise für Brotweizen stabilisierten sich um 200 €/t, die für Futterweizen bei etwa 10 € weniger.
Raps: Am heimischen Rapsmarkt belebten die Preissteigerungen die Abgabebereitschaft der Erzeuger.
Futtermittel: Das 30-Monatstief der Mischfutterpreise belebte das Interesse der Landwirte an mittelfristigen Mischfutterkontrakten.
Kartoffeln: Die ersten Frühkartoffellieferungen hatten anscheinend kaum Auswirkungen auf die Preise.
Schlachtrinder: Das enttäuschende Ostergeschäft hatte die Jungbullennotierungen nicht beflügelt.
Schlachtschweine/-sauen: Die Marktverhältnisse auf dem Schlachtschweinemarkt blieben unverändert.
Ferkel: Die Preisentwicklung in der Karwoche war sehr stabil.
Milch: Die aktuellen Rohstoffmärkte sind von einer ausreichenden Verfügbarkeit und einer abnehmenden Nachfrage gekennzeichnet.
Schlachtlämmer/-schafe: Mit dem beginnenden Ramadan und den bevorstehenden Osterfeiertagen hat sich der Handel mit Lammfleisch belebt.
Markttendenz – für die Woche vom 1. bis 7.4.2024
Getreide: Wegen der Sorge um mögliche Lieferunterbrechungen aus Osteuropa könnte sich Weizen in Paris befestigen.
Raps: Preissteigerungen sollten das Verkaufsinteresse auch an Partien der Ernte 2023 beleben.
Futtermittel: Die geringe Wettbewerbsfähigkeit für Exportgetreide am Weltmarkt drückt die Preise für Futtergetreide weiter.
Kartoffeln: Viel Export und überregionaler Absatz haben die Vorräte längst dezimiert.
Schlachtrinder: Die Preise für Jungbullen geben geringfügig nach, die für Kühe ziehen weiter an.
Schlachtschweine/-sauen: Mit steigenden Temperaturen und der nahenden Grillsaison nimmt die Nachfrage erfahrungsgemäß zu.
Ferkel: Nach Einschätzung einiger Teilnehmer dürfte nach Ostern eine festere Tendenz möglich sein.
Milch: Es werden bessere Butterverkäufe fürs Ostergebäck und wegen der kommenden Spargelsaison erwartet.
Schlachtlämmer/-schafe: Nach wie vor ist das heimische Angebot klein und lässt sich zügig zu etwas höheren Preisen vermarkten.
Die seit 2022 als Hilfe für die Ukraine in Kraft gesetzten autonomen Handelsmaßnahmen laufen noch bis zum 5. Juni. Bis dahin muss die jetzt gefundene Trilog-Einigung vom EU-Parlament und dem Rat formell bestätigt werden. Mit einer endgültigen Zustimmung des Europaparlaments wird Ende April gerechnet. Auch der Rat müsste die Einigung zeitnah formalisieren. Hier zeichnet sich allerdings vereinzelt Widerstand ab. Genannt werden Frankreich und Polen. Sollte zeitnah eine Lösung gefunden werden, könnten die neuen Handelsrestriktionen fristgerecht am 6. Juni für ein weiteres Jahr in Kraft treten.
Der Trilog-Kompromiss, die Handelsrestriktionen gegenüber der Ukraine in Teilen auszuweiten, wackelt. Brüsseler Diplomaten bestätigten, dass unter anderem Frankreich und Polen sowie Ungarn die zwischen EU-Kommission, Rat und Europaparlament gefundene Übereinkunft so nicht mittragen wollen. Dem Vernehmen nach soll die Einfuhr von noch mehr Agrarprodukten begrenzt werden. Konkret hatten sich die Co-Gesetzgeber darauf verständigt, Eier, Geflügelfleisch, Mais, Hafer, Getreideschrot beziehungsweise -grütze sowie Honig und Zucker über Quoten zu begrenzen. Das heißt, sobald die importierten durchschnittlichen Mengen der Jahre 2022 und 2023 überschritten werden, sollen Zölle über eine Notbremse greifen. Während der Handelsausschuss des Parlaments die Einigung bereits gebilligt hat, wurde die Abstimmung im Ausschuss der Ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten (Coreper) nun auf diese Woche verschoben.
Als einen „schwachen Kompromiss“ haben die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (Copa) und ländlichen Genossenschaften (Cogeca) die politische Übereinkunft bezeichnet. Die beiden Dachverbände beklagen, dass als Referenzzeitraum nicht auch die Einfuhren aus dem Jahr 2021 miteinbezogen werden und somit teilweise auch das Vorkriegsniveau berücksichtigt werde. Auf Kritik stößt zudem, dass Gersten- und Weizenimporte aus der Ukraine zunächst nicht berücksichtigt werden sollen. Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, bezeichnete es derweil als „nicht nachvollziehbar, dass entscheidende Forderungen des EU-Parlaments unberücksichtigt bleiben“. Nach Ansicht des Generalsekretärs sollte auch Weizen in die „Notfallbremse“ mit einbezogen werden. Auch der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses, Norbert Lins (CDU), monierte, dass Weizeneinfuhren nicht begrenzt werden sollen.
Da die aktuell gültigen autonomen Handelsmaßnahmen nur noch bis zum 5. Juni gültig sind, stehen die Co-Gesetzgeber unter Zeitdruck. Das Europaparlament strebt an, Ende April in der letzten Sitzungswoche vor der Europawahl Anfang Juni final abzustimmen. Die Frage ist nun, ob durch den Widerstand des Rates das Einigungspaket wieder aufgeschnürt werden muss. Dies würde eine für die Ukraine rechtzeitige Annahme der für ein Jahr angelegten Regelung fast unmöglich machen.
Die Berichterstatterin des EU-Parlaments, Sandra Kalniete, unterstrich, dass das anhaltende Engagement der EU angesichts des brutalen russischen Angriffskrieges bis zum Sieg der Ukraine fortgeführt werde. Dies habe allerdings auch Auswirkungen auf die Landwirte in der EU. Deren Bedenken habe man nun aufgenommen.age
Keine andere Zwiebelblume kann im zeitigen Frühjahr mit den Osterglocken konkurrieren. Pünktlich zur Osterzeit zwischen Ende März und Mitte April öffnen sich die leuchtend gelben Blüten und strahlen in reinen Farben. Auffallend ist die Vielfalt dieser Frühlingsblüher.
Neben den gelben Trompetennarzissen weist diese artenreiche Gattung, die meist als „Osterglocken“ bezeichnet wird, eine Vielfalt an Formen, Wuchsgrößen und Farben auf: von der Teller- und Trompetenform bis zu weit zurückgebogenen Blütenblättern und zu Blütenfarben, die sich von Weiß über Gelb mit orangefarbenen oder scharlachroten Augen bis zu zweifarbigen Blüten erstrecken.
Besonders beliebt sind Osterglocken zum Schnitt bunter Frühlingssträuße. Aber hier ist Vorsicht geboten; stehen sie mit anderen Blumen in der Vase, können sie großen Schaden anrichten: Tulpen verkrüppeln, Nelken welken, Freesien und Anemonen blühen nicht auf, und die Blütenblätter der Rosen verbrennen sogar. Schuld daran ist das Narzissenstängelgift. Diese Probleme lassen sich jedoch vermeiden, wenn man die Osterglocken einen Tag separat ins Wasser gibt und sie erst am zweiten Tag zu anderen Schnittblumen in die Vase stellt. Möglich ist es auch, das Gift zu neutralisieren, indem man einen Esslöffel Aktivkohle im Vasenwasser verrührt.
Im Freiland sorgt diese Giftigkeit der Narzissen für unproblematisches Wachstum. Während Tulpenzwiebeln in wühlmausgefährdeten Gärten oft über Winter aufgefressen werden, traut sich kein Tier an die Osterglockenzwiebeln heran, die sich deshalb ständig weiter ausbreiten.
Voraussetzung für eine jährlich wiederkehrende, reichhaltige Blüte ist es, dass das Kraut, wie bei allen Frühlingsblühern, so lange unberührt stehen bleibt, bis es sich von allein einzieht. Nur dann können alle wichtigen Stoffe für die Regeneration der Zwiebel gespeichert werden, aus der im nächsten Jahr der neue Austrieb mit den Blüten erfolgt. Sinnvoll ist es auch, sich bildende Fruchtkapseln auszukneifen, da eine Vermehrung aus Samen unerwünscht ist und die Zwiebel nur Kraft kostet. Im Rasen wird das Laub erst ab Mitte Juni gemäht, wenn es vergilbt ist. In Beeten und Rabatten kann man mit einem kleinen Trick das unschöne vergilbende Laub, das nach allen Seiten auseinanderfällt, wenig sichtbar gestalten: die Blätter eines Horstes werden zusammen zu einem Knoten gefasst und fallen dann kaum noch auf.
Zeigt sich im Laufe der Jahre eine Blühunwilligkeit der Narzissen, wird es Zeit zum Umpflanzen. Dann werden im Juli die Zwiebeln aus der Erde genommen, geteilt und in Trupps wieder eingepflanzt. Ideal ist ein lockerer, humoser Boden, der mit Kompost verbessert werden kann. Nach Möglichkeit sollten Stellen gewählt werden, an denen die letzten fünf Jahre keine Osterglocken gestanden haben, da sonst leicht eine Bodenmüdigkeit auftritt.
Die Zukunft bauen – das wollen die ZukunftsBauer! Thomas Andresen aus Sillerup, Kreis Schleswig-Flensburg, engagiert sich in der schleswig-holsteinischen Arbeitsgruppe dieses Projektes des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Was für ihn dabei im Fokus steht, schildert er im Gespräch mit dem Bauernblatt.
Was macht Sie zu einem ZukunftsBauer?
Eigentlich würde ich mich selbst so nicht bezeichnen, aber im Rahmen dieser DBV-Initiative passt das schon. Zukunft ist so vielschichtig und vielseitig. Und jeder Landwirt hat Bereiche, in denen er besonders gut ist, wodurch er sich als ZukunftsBauer sehen kann. Wichtig ist, dass nicht die Probleme, sondern die Lösungen im Fokus stehen.
War Ihnen sofort klar, dass es beim ZukunftsBauer nicht um den Bauern als Landwirt geht, sondern um den Zukunft Bauenden?
Ich finde diese Doppeldeutigkeit clever. Der Begriff basiert ja auf der sogenannten rheingold-Studie. Die wesentlichen Erkenntnisse daraus sind für mich allerdings nichts Besonderes. Mit den Themen Selbstverständnis, Rollenverständnis und Kommunikation habe ich mich schon immer auseinandergesetzt. Dazu gehören Fragen zur Betriebsentwicklung und danach, wie mein Bild in der Gesellschaft ist. Öffentlichkeitsarbeit ist mir schon immer wichtig gewesen. Dadurch kann ich meine Außendarstellung selbst beeinflussen.
Muss ein ZukunftsBauer intensive Öffentlichkeitsarbeit betreiben?
Nein, überhaupt nicht. Das ist halt mein Weg. Aber Öffentlichkeitsarbeit ist ein weites Feld. Es geht damit los, Rücksicht zu nehmen, wenn man mit dem Trecker eine Ortschaft durchfährt. Es gilt also, sich zu engagieren und nicht die Schuld für etwas bei anderen zu suchen.
Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Mit den Leuten hier im näheren Umfeld haben wir kaum Konflikte, weil wir versuchen, das nicht zu provozieren. Meine Mitarbeiter fahren immer langsam, wenn irgendwo Spaziergänger oder Reiter unterwegs sind. In der Nähe von Häusern, in denen kleine Kinder wohnen, fangen wir nicht noch abends an, Mais zu häckseln. Sonntags fahren wir nur Gülle, wenn es unbedingt sein muss. Dazu richten wir jedes Jahr ein Osterfeuer aus und spendieren Wurst und Fleisch für die Nachbarschaft. Solche Events stärken den Zusammenhalt.
Kann der ZukunftsBauer auch bis in die Großstädte wirken?
Ja, der ZukunftsBauer ist besonders für die Kommunikationsebene mit den Verbrauchern in der Stadt eine große Chance. Über diese Initiative zeigen wir, dass wir schon viel weiter sind in unserer Entwicklung, als die Menschen in Berlin, Hamburg oder Kiel vermutlich denken.
Wie stark ist der ZukunftsBauer bereits innerhalb der Branche bekannt?
Die meisten Berufskollegen haben zumindest schon davon gehört, aber viele können damit nicht wirklich etwas anfangen. Das liegt vermutlich daran, dass die Empfehlungen aus der Studie normales landwirtschaftliches Unternehmertum beschreiben. Seit Generationen haben wir unsere Betriebe weiterentwickelt, um sie für die jeweils nächste Generation fit zu machen. Jetzt heißt das halt „ZukunftsBauer“. Vorher war es einfach nur „Bauer“.
Liegt der Schwerpunkt also in der Außendarstellung?
Auf jeden Fall. In öffentlichen Gremien wird es teilweise so dargestellt, dass wir erst einmal in die Branche kommunizieren und an unserem Selbstbild arbeiten müssen. Ich denke, das Selbstbild haben wir eigentlich schon. Und die Kommunikation nach innen schließt die Kommunikation nach außen ja nicht aus. Wir müssen die Betriebe, die wirklich gute Ideen haben, als Leuchtturmprojekte hervorheben, sodass es auch in der städtischen Bevölkerung ankommt. In der Vergangenheit haben wir zu wenig über die guten Dinge geredet, die wir machen, zum Beispiel im Bereich Tierwohl oder bei der Antibiotika-Reduktion. Ich meine zudem, wir dürfen auch darstellen, dass wir mit unserer Hände Arbeit Geld verdienen wollen, um unsere Familien zu versorgen und Mitarbeiter ordentlich zu bezahlen.
Die nach dem niederschlagsreichen Winter größtenteils intensiv wassergesättigten Flächen trocknen nun nach und nach ab und können für die Maisbestellung vorbereitet werden. Vor der Düngung der Flächen mit Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff und Phosphor ist stets eine Düngebedarfsermittlung (DBE) nach den Vorgaben der Düngeverordnung (DÜV) zu erstellen.
Die Höhe des N-Düngebedarfes von Silomais ist nach DÜV zunächst abhängig von dem Durchschnittsertrag der betriebseigenen Flächen. Dieser wird mit dem Basisertrag nach DÜV abgeglichen, und dementsprechend wird der vorgegebene Düngebedarf um Zu- und Abschläge korrigiert. Je 50 dt FM/ ha Mehrertrag sind maximale Zuschläge von 10 kg N/ha anzusetzen. Bei geringeren Erträgen im Vergleich zum Basisertrag sind je 50 dt FM/ha Abschläge in Höhe von 15 kg N/ha zu beachten.
In dem Beispiel in Tabelle 1 ist die DBE für eine nach Angaben des Deutschen Maiskomitees in Schleswig-Holstein durchschnittliche Ertragsannahme von 426 dt/ ha aufgeführt. Von dem ertragsbasierten Bedarfswert sind in der DBE der Nmin-Wert (0 bis 90 cm Tiefe), die anzurechnenden 10 % des Gesamt-N aus der organischen Düngung zu den Vorkulturen des Vorjahres sowie die Nachlieferung über den Humusgehalt des Bodens und die Abschläge für Vor- beziehungsweise Zwischenfrüchte abzuziehen, um den N-Düngebedarf der jeweiligen Fläche zu erhalten. In dem gewählten Beispiel besteht ein Düngebedarf von 136 kg N/ha.
Weitere Vorgaben in der N-Kulisse
Silomais ist eine der meistangebauten Kulturarten innerhalb der N-Kulisse in Schleswig-Holstein. Auf Flächen in der N-Kulisse sind weitere Vorgaben in der Bedarfsermittlung und auch in der praktischen Düngung zu beachten. Der bedeutendste Punkt ist die Reduktion des ermittelten N-Bedarfs um 20 %. Ausnahmen können hier gemacht werden, sofern der reduzierte N-Gesamtdüngebedarf für die Flächen des Betriebes innerhalb der N-Kulisse und auch der jeweils schlagspezifisch ermittelte Bedarf (ohne die Reduktion um 20 %) nicht überschritten wird. Wird dies sichergestellt, können N-Mengen zwischen Kulturarten und Flächen verschoben werden, um eine N-bedürftigere Kulturart höher zu versorgen.
Des Weiteren errechnet sich der Basisertrag nicht aus den vergangenen fünf Anbaujahren, sondern stets aus den Jahren 2015 bis 2019. Hierüber wird sichergestellt, dass die Anbaujahre mit bereits erfolgter N-Reduktion nicht herangezogen werden und mögliche Ertragseinbußen sich nicht potenzieren.
In dem Beispiel in Tabelle 1 ergeben sich dementsprechend 109 kg N/ha. Zu beachten ist auch, dass die 170-kg-N-Obergrenze in der N-Kulisse schlagspezifisch einzuhalten ist. Insbesondere bei Fruchtfolgekombinationen innerhalb eines Jahres, zu denen organisch gedüngt werden soll, ist dies zu bedenken, beispielsweise bei Ackergras vor Silomais, wenn beide Kulturarten organisch versorgt werden sollen. Dies gilt aber auch für eine Kombination aus Festmist- und Gülledüngung zu Silomaisflächen.
Zu beachten ist zudem die verkürzte Einarbeitungsfrist bei der Aufbringung von Wirtschaftsdünger auf unbestelltem Ackerland. Hier ist eine Einarbeitung innerhalb einer Stunde vorgeschrieben. Wirtschaftsdünger müssen zudem jährlich auf die Gehalte von N und P analysiert werden (außer Festmist von Huf- oder Klauentieren). Auch muss zwingend eine Zwischenfrucht im vorangegangenen Herbst eingesät worden sein, wenn der Mais gedüngt werden soll. Eine Ausnahme besteht hier nur, wenn die Vorkultur mit der Ernte erst nach dem 1. Oktober das Feld räumt.
Phosphat als wichtiger Nährstoff
Phosphat ist für Silomais, insbesondere in der Jugendentwicklung, ein wichtiger Nährstoff. Der Bedarf nach DÜV variiert je nach Durchschnittsertrag und Gehaltsklasse des Bodens. Zu beachten ist, dass nach DÜV ab einer P-Bodenversorgung von 25 mg P2O5/100 g Boden (ermittelt nach DL-Methode) lediglich die in der Bedarfsermittlung errechnete P-Abfuhr (siehe Tabelle 2) gedüngt werden darf. Sollte die Düngemenge dennoch die Abfuhr überschreiten, muss dies in einer Fruchtfolge über drei Jahre wieder ausgeglichen werden.
Trotz des hohen P-Bedarfs in der Jugendphase kann sich Mais jedoch vergleichsweise schlecht Phosphat aneignen. Der Nährstoff muss den Pflanzen daher in einer wasserlöslichen Form möglichst wurzelnah zur Verfügung stehen. Neben der klassischen mineralischen Unterfußdüngung erweist sich in Versuchen der Landwirtschaftskammer auch die Verwendung von Mikrogranulaten als Bandapplikation als vorteilhaft, um P-Überschüsse durch eine verringerte Applikation des Nährstoffs zu verhindern.
Eine weitere Möglichkeit, den Nährstoff P an die Wurzel zu bekommen, besteht über die Unterfußdüngung (UFD) von organischen Wirtschaftsdüngern, denn schließlich werden über die Wirtschaftsdünger meist bereits hohe Mengen des Nährstoffs auf die Fläche gebracht. In jahrelangen Versuchen der Landwirtschaftskammer konnte gezeigt werden, dass die mit Nitrifikationshemmern versetzten Güllen oder Gärsubstrate ein Nährstoffdepot im Wurzelbereich der Maispflanzen bilden, wodurch der Nährstoffbedarf des Maises in vollem Umfang und ohne zusätzliche mineralische N-/P-UFD gedeckt werden kann, ohne Ertragsverluste zur Folge zu haben (siehe Abbildung).
Organische Düngung auf Maisflächen
Typischerweise steht Silomais auf langjährig organisch gedüngten Böden, die je nach Standortbedingungen, Vor- und Zwischenfrüchten sowie Höhe der Wirtschaftsdüngergaben deutlich mehr N nachliefern, als über die DBE nach DÜV angegeben wird. Aufgrund der späteren Bodenbearbeitung im Frühjahr und der spät einsetzenden Beschattung durch die Maispflanzen sind die Mineralisationsbedingungen auf diesen Flächen besonders günstig. Auch kann der Mais über die lange Standzeit wie kaum eine andere Kultur diese verfügbar werdenden Nährstoffe aufnehmen. Eine Reduktion der Düngung ist daher empfehlenswert.
Da auf den Mais anbauenden Betrieben meist ohnehin Wirtschaftsdünger vorhanden ist, sollte der Nährstoffbedarf vorrangig hierüber gedeckt werden. Nach der DÜV ist die geforderte Anrechnung der Mindestwirksamkeit, bezogen auf den Gesamtstickstoffgehalt im Jahr des Aufbringens von 60 % für Rindergülle und Gärsubstrate beziehungsweise 70 % für Schweinegülle, relativ hoch. Aus diesem Grund ist zwingend darauf zu achten, den enthaltenen Stickstoff nicht über Ammoniakverluste bei der Ausbringung entweichen zu lassen.
Umso bedeutender ist daher die zügige Einarbeitung der Wirtschaftsdünger, um den Kontakt zur Luft zu unterbinden. Insbesondere bei warmen und abtrocknenden Witterungsbedingungen können durch die zeitnahe Einarbeitung (innerhalb von vier Stunden, in der N-Kulisse innerhalb einer Stunde) die gasförmigen Ammoniakverluste deutlich reduziert werden. Um die Höhe der aufgebrachten Nährstoffmengen richtig einschätzen zu können, empfiehlt sich immer eine Wirtschaftsdüngeranalyse.
Blick auf Grundnährstoffe und pH-Wert
Für hohe Erträge im Mais ist neben der Versorgung mit N und P auch eine bedarfsgerechte Bereitstellung von weiteren Nährstoffen zu beachten. Auf leichten und trockenheitsgefährdeten Standorten ist eine gute Kaliumversorgung der Silomaisbestände bedeutend. Ein Teil der Kalidüngung kann bereits über Gülle oder Gärsubstrat abgedeckt werden. Ein noch offener Bedarf kann über Kornkali gegeben werden, mit dem dann auch der Schwefelbedarf gedeckt werden kann.
Häufig wird die Bedeutung eines gut eingestellten pH-Wertes unterschätzt. Jedoch hat der pH-Wert einen bedeutenden Einfluss auf die Verfügbarkeit der Nährstoffe. Auch reagiert Silomais besonders empfindlich auf zu geringe pH-Werte des Bodens. Mittels Kalkgaben kann der pH-Wert in einen optimalen Bereich für die jeweilige Bodenart gebracht werden und bietet bei der Wahl eines entsprechenden Kalkes auch die Möglichkeit, den Magnesiumbedarf mit dieser Gabe abzudecken.
Fazit
Vor dem Aufbringen von Düngemitteln mit wesentlichen Nährstoffgehalten ist grundsätzlich eine Düngebedarfsermittlung für N und P zu erstellen. Über die im Vegetationsverlauf lange Aufnahme der Nährstoffe bis in den frühen Herbst hinein können Wirtschaftsdünger im Mais optimal eingesetzt werden.
Über zwei Tage bot die Bioland-Schweine-Tagung am 20. und 21. Februar in Fulda ein bunt gefächertes Programm zu Fütterung, Stallbau und Vermarktung. Christian Wucherpfennig von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
„Tiergesundheit – eine Frage der Haltung?“ lautete der Titel des Vortrages von Stefan Wesselmann, Tierarzt aus Hohenlohe (Baden-Württemberg). Als Tierhalter sollte man nicht nur die Gesetze befolgen, sondern den Tieren gegenüber auch Empathie zeigen. „Bei der Stallplanung ist die Tiergesundheit in den Vordergrund zu stellen, zum Beispiel wie Infektionsketten unterbrochen werden können und ob ausreichend Kranken- und Genesungsbuchten eingeplant sind“, hob Wesselmann hervor. Die Haltung sollte, abgeleitet aus dem Qualitätsmanagement, einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess unterliegen. Ställe müssen bei allen Temperaturen von –20 °C bis +35 °C funktionieren. Daher sollten Wind- wie Sonnenschutz von Beginn an Teil der Stallplanung sein.
Auslauf- und Freilandhaltung trotz ASP
Dr. Katja Schulz vom Friedrich-Loeffler-Institut erläuterte die neue Risikobewertung unter ASP-Bedingungen. „In der Auslauf- und Freilandhaltung ist das Risiko für einen Eintrag zwar höher, aber wenn die Biosicherheitsmaßnahmen konsequent erfüllt werden, ist es tolerierbar“, erklärte Schulz und ergänzte: „Vögel und Nagetiere sind als Vektoren nur ein theoretisches Risiko und daher ohne Evidenz.“ Übernetzungen und Überdachungen seien weder praktikabel noch verhältnismäßig vor dem Hintergrund des bestehenden Risikos. Solche Vorgaben kämen einer Aufgabe der Haltungsform gleich. Im Ergebnis ist also die Auslauf- und Freilandhaltung auch im ASP-Seuchenfall möglich. Betriebe und Behörden können sich künftig an den „Empfehlungen zur Fortführung dieser Haltungsform in ASP-Sperrzonen“ orientieren.
Auch wenn die rohproteinreichen Wicken einige antinutritive Substanzen enthalten, ist eine Verfütterung an das Schwein möglich, wenn man die richtige Wickenart wählt. Davon ist Dr. Lisa Baldinger, Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein (Österreich), überzeugt. „Unbehandelt sind acht Prozent Rationsanteil in der Vormastration unproblematisch“, berichtete sie. Die in den Versuchen vorgenommene Behandlung in Form von Keimung oder Silierung brachte kaum Verbesserungen, sodass dazu nicht geraten werden könne, auch wenn diese Wicken den Schweinen besser geschmeckt hätten.
Da Fütterung und Tiergesundheit großen Einfluss auf die Produktqualität haben, begleitet das Unternehmen Ökoland GmbH Nord intensiv seine Vertragsbetriebe. „Wir bewerten die Betriebe anhand eines Tiergesundheitsindex, in den auch Schlacht- und Befunddaten einfließen“, erläuterte Dr. Leonie Blume. Jeder Betrieb erhält zeitnahe Rückmeldungen und bei Abweichungen einen Betriebsbesuch durch Ökoland sowie den Schweinegesundheitsdienst und den Bestandstierarzt zur Ursachenforschung. „Gesunde Tiere sind wirtschaftlicher, und am Ende macht es auch allen mehr Spaß“, warb Blume für die Vorgehensweise.
Die aufgelöste Bauweise spart Baukosten und ermöglicht dennoch eine klare Trennung der Funktionsbereiche Liegen, Fressen sowie Aktivität und Koten.
Probleme mit unüberdachten Ausläufen
Dr. Werner Hagmüller ist mit seinem Unternehmen „Schweinekompetenz“ selbstständiger Berater für Tiergesundheit und Haltungsverfahren. Zu Beginn beklagte er die Regelung der EU-Bioverordnung, nach der erhebliche Teile der Ausläufe nicht überdacht sein dürfen. „Die fehlende Überdachung führt zu einem Auslauf, der kaum zu entwässern ist, was auch zu erhöhten Emissionen führt“, betonte er. Auch bei vollständiger Überdachung könnten die Schweine Licht und frische Luft genießen, wenn man den Auslauf von den Seiten her offen gestalte. „In der Folge werden viele Betriebe vermutlich bei Neubauten im unüberdachten Bereich des Auslaufs künftig Spalten einbauen und im übrigen Teil mit Stroh sparsam sein“, warnte Hagmüller.
Großen Wert legt er auf die verschiedenen Funktionsbereiche, die für das Schwein gut erkennbar sein müssten. „Bio bietet sehr gute Voraussetzungen, leidet aber zuweilen an der Starrheit der EU-Bioverordnung“, schloss Hagmüller seine Ausführungen.
Über die Möglichkeiten, Emissionen in der Bioschweinehaltung zu reduzieren, referierte Ewald Grimm vom Kuratorium für Bauen in der Landwirtschaft. „95 Prozent des Ammoniaks kommen aus der Landwirtschaft, die im Wesentlichen aus der Tierhaltung selbst sowie aus Wirtschaftsdüngerausbringung und Dunglagerung resultieren“, erklärte er. Auf die Schweine entfällt davon etwa ein Drittel.
Bei den Vorschriften unterscheidet man zwischen dem Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen, womit beispielsweise Mindestabstände begründet werden, und der Vorsorge, möglichst wenig Emissionen zu verursachen. „Nur bei der Vorsorge gibt es die Abwägung zwischen Tierschutz und Emissionsminderung“, betonte Grimm.
Zwar bedürfen Anlagen unterhalb der Bundesimmissionsschutzgesetz-Grenzen nur einer Baugenehmigung, aber in bestimmten Fällen könnten auch hierfür die Vorgaben und Grenzwerte der TA Luft herangezogen werden. Davon kann in Ökobetrieben abgewichen werden, wenn die Vorgaben, zum Beispiel bei der Fütterung, mit der EU-Bioverordnung nicht vereinbar sind. Zur Emissionsminderung bei der Haltung wird in Kürze eine Vollzugshilfe erwartet, die Mindestanforderungen an die Haltungsform definiert, wie Vorgaben zu einer Jaucherinne zur Entwässerung im Auslauf oder Verfahren zur Trennung flüssiger und fester Bestandteile. Auch eine häufige Reinigung der Ausläufe kann darüber festgesetzt werden.
Christian Auinger von der österreichischen Firma Schauer erläuterte bauliche Möglichkeiten zur Emissionsminderung. So lassen sich mittels einer Entstaubung von Stroh die Staubpartikel um 80 % senken, was auch dazu beitrage, dass mit der Luft weniger Emissionspartikel transportiert würden. Bei ökologischer Haltung kommt es aber vor allem auf den Auslauf an. „Der mit Abstand größte Hebel ist die Kot-Harn-Trennung in einem begrenzten Bereich mit Spalten“, betonte Auinger. Weiterhin empfahl er zur Entwässerung von planbefestigten Ausläufen eine Rinne als Blechabdeckung mit Schlitzanteilen.
Für 200 Biosauen neu gebaut
Dr. Matthias Petig bewirtschaftet in 17. Generation einen Bioland-Betrieb im westfälischen Dörentrup. 2022 erfolgte ein Neubau für knapp 200 Biosauen auf der grünen Wiese in der Nähe des Hofes. Die Sauen werden im Zweiwochenrhythmus in zweireihigen Abferkelställen gehalten, die sich wiederum in vier Neuner-Abteile gliedern. In den insgesamt 108 Abferkelbuchten bleiben auch die abgesetzten Ferkel die erste Hälfte der Aufzucht. Die tragenden Sauen werden in Liegehütten mit Fressständen unter Dach und einem dazwischenliegenden Auslauf (aufgelöste Bauweise) gehalten, der zur Hälfte unüberdacht ist. Um selbst Jungsauen vermehren und verkaufen und auch die Vermehrungsbörge halten zu können, wurden knapp 200 Plätze geschaffen.
Umstellung auf 900 Mastplätze
Da Dr. Arne von Ruschkowski kurzfristig verhindert war, stellten Martin Kötter-Jürß von der Bioland-Beratung und Ulrike Westenhorst von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen dessen Betrieb vor. Von Ruschkowski hat den Hof 2021 von den Schwiegereltern übernommen und von 130 Sauen im geschlossenen System auf 900 Biomastplätze umgestellt. Die vorhandenen Gebäude wurden umgebaut und konnten somit weitergenutzt werden. Bedingt durch die großen Gebäude und die Einschränkung, dass nur in eine Richtung Ausläufe möglich waren, fiel die Wahl auf Großgruppenhaltung.
Da die Schweine den Innenbereich bei einer Entfernung zum Auslauf von bis zu 20 m häufig nicht sauber halten, wurde von der klassischen Gliederung „Liegen, Füttern, Auslauf“ abgewichen. Die Fütterung befindet sich nun im hinteren Bereich des Stalls auf Spalten. Von dort gelangen die Tiere in den großzügig eingestreuten Liegebereich, an den sich der Auslauf anschließt. Durch große Tore ist gewährleistet, dass der Liegebereich jederzeit problemlos gemistet werden kann. Der betonierte Liegebereich liegt tiefer, sodass kein Stroh in die Gülle gelangen kann. Trotz der Nutzung der Altgebäude entstanden Kosten je Platz von 1.200 € einschließlich Mist- und Futterlager. „Der Einstieg in die Bioschweinehaltung kostet viel Geld“, so die Schlussfolgerung von Westenhorst und Kötter-Jürß.
So steht‘s um das Futter
Alexander Krahn, langjähriger Mitarbeiter des Biolandhofes Engemann, stellte den Betrieb vor, der seit 1988 ökologisch bewirtschaftet wird. Mit dem Handel von Biogetreide wurde 2003 begonnen. Das Handelsvolumen liegt aktuell bei 80.000 t, wobei die Hälfte auf deutsche und hier wiederum vor allem auf Verbandsware entfällt. Angeboten werden alle Arten Getreide sowie Körnerleguminosen, Körnermais und Weizenkleie.
„Die schwierigen Erntebedingungen im vergangenen Jahr führten zu erheblichen Qualitätsproblemen, sodass große Teile der Ernte nicht mehr speisefähig waren und in den Futtersektor flossen“, berichtete Krahn. Zudem fiel die Leguminosenernte unterdurchschnittlich aus. In der Folge fiel der Futtergetreidepreis auf 27 bis 29 €/ dt, während Leguminosen mit 50 €/dt weiter hochpreisig sind. Die um 10 €/dt höheren Preise für Speisegetreide dokumentieren die Knappheit bei Speiseware.
Die Soja- und Maisernte fielen insgesamt gut aus. Im Januar kosteten Sojabohnen 78 €/dt und Mais lag bei 30 €/dt. „Die künftige Preisentwicklung ist nicht vorhersehbar, weil die Herbstbestellung vor allem in Norddeutschland teilweise nicht möglich war“, konnte Krahn diesbezüglich keine Voraussage machen.
Markt für Bioschweine entspannt
Einen Überblick über den Bioschweinemarkt gab Dr. Uwe Balliet, Geschäftsführer der Bio-Handel Nordwest GmbH. „Der Absatz ist in den vergangenen 14 Jahren mit gelegentlichen Schwankungen kontinuierlich gestiegen“, freute er sich. „Zum Wachstum in den vergangenen Jahren haben vor allem die Discounter beigetragen, die immer wieder neue Produkte aufschalten“, betonte Balliet. Da der Absatz der Erzeugergemeinschaft gut laufe und der Markt eine leichte Unterdeckung aufweise, könne man umstellungsinteressierten Betrieben mittlerweile wieder eine klare Perspektive geben.
„Ohne mehrjährige Verträge kann man jedoch keine Bioschweinehalter finden“, warnte Balliet, was der Handel aber mittlerweile verstanden habe. Er biete den Betrieben deswegen nun mindestens fünfjährige und teilweise auch zehnjährige Verträge an. „Der Bioschweinemarkt ist und bleibt aber ein kleiner Markt“, warnte Balliet vor einer zu großen Euphorie.
Die 70-jährige Birgit Völker-Bracker aus Kellinghusen, Kreis Steinburg, hat ein Faible für stimmungsvolle Naturmotive aus Flora und Fauna. In ihrem Atelier entstehen hübsche Unikate in filigraner Handarbeit.
Im schmucken Reihenhaus der Künstlerin stehen an diesem Nachmittag diverse Taschen aufgereiht im Flur. In ihnen hat sie eine Auswahl feinster Schalenkunst und Naturdekorationen reisefertig bruchsicher verpackt. Sie wartet auf ihren großen Auftritt, denn immer einige Wochen vor Ostern ist Birgit Völker-Bracker bundesweit mit einem Stand auf verschiedenen Ostereiermärkten unterwegs. „Als Nächstes geht es zum bekannten Ostfriesischen Ostereiermarkt nach Filsum. Hier treffen sich etwa 40 Künstler vorwiegend aus Deutschland und den Niederlanden und zeigen Eierkunst“, erzählt sie.
Autodidaktisch gestartet
Bereits seit 27 Jahren bannt die frühere Kauffrau Kunst aufs Ei. Zuvor hatte sie entsprechende Werke in einer Ausstellung in Bayern gesehen und war gleich von den kleinen Kostbarkeiten fasziniert. „Das versuche ich auch“, dachte sie und arbeitete sich autodidaktisch in das Metier hinein. Sie merkte, dass es ihr lag, und blieb dabei. Zunächst bemalte sie Eier nur zur eigenen Freude.
Mit ihren Kreationen ist Birgit Völker-Brackererfolgreich als Ausstellerin auf Ostereiermärkten unterwegs.
Nach einiger Zeit bewarb sie sich jedoch das erste Mal bei einem Veranstalter für Ostereiermärkte und wurde prompt als Ausstellerin angenommen. Weitere Märkte folgten. Mittlerweile organisiert sie sogar selbst welche, wie jüngst auf Hof Ansgarius in Willenscharen/Brokstedt im Kreis Steinburg. Dabei treiben die Eierkünstler insgesamt Nachwuchssorgen um. „Leider gibt es immer weniger von uns. Es kommen kaum junge Leute nach. Wahrscheinlich haben sie heutzutage keine Zeit mehr für solch ein Hobby“, bedauert die Ruheständlerin.
Sie habe schon von Kindesbeinen an ihre kreative Ader entdeckt und Kunst in allen Facetten kennen und lieben gelernt. „Meine Eltern betrieben das Malen als Freizeitbeschäftigung. Ich startete mit Porzellanmalerei, später kamen großformatige Rosenbilder hinzu, bis ich beim dreidimensionalen Oval landete“, schaut sie auf die Anfänge zurück und führt hinauf in ein lichtdurchflutetes Atelier, das sie sich im Dachgeschoss eingerichtet hat. Eines wird beim Betreten ihres liebevoll gestalteten Reiches schnell klar: Hier muss niemand Ostereier suchen, hier sind sie bereits in Hülle und Fülle vorhanden. Ob Hühner-, Nandu-, Emu-, Straußen-, Doppeldotter-, Zebrafinken- oder Gänseeier, Hunderte von Rohlingen und unzählige fertig verzierte Eier haben in Regalen, Schränken und Sideboards ihren Platz gefunden. Mittendrin der kunterbunt bestückte Werktisch der Künstlerin: Pinsel, Farben, Lasuren, Leinöl-Firnis, Motivvorlagen und „unfertige“ Eier auf Drähten im Trocknungsprozess befeuern hier ihre Kreativität.
Meist ab dem Herbst, wenn es in ihrem Naturgarten direkt an der Stör nicht mehr so viel zu tun gibt, zieht sich die Seniorin ins Atelier zurück und frönt der kreativen Leidenschaft. „Es kann schon mal sein, dass ich konzentriert fünf Stunden am Stück male, dabei Zeit und Raum vergesse und ganz in meiner eigenen Welt bin“, sagt sie und strahlt zufrieden übers ganze Gesicht. „Aber jetzt möchte ich Ihnen meinen Bauernhof zeigen“, meint sie und geht schnurstracks an ein Sideboard, auf dem sich ein rustikales Holztablett befindet. In ihm liegen auf Bast gebettet wahre „Ei-Catcher“ in verschiedenen Größen, einer schöner als der andere: ein Pferd mit Fohlen, ein Fasan, rosa Ferkel, Meister Adebar, Lämmchen, Kühe, Hühner und noch viel mehr.
Stimmungsvolle Kreationen
Beim Anschauen der ländlichen Bauernhofszenen geht einem das Herz auf. „Mir ist es wichtig, meine Motive originalgetreu nach der Natur zu malen. Das kommt bei den Besuchern von Ausstellungen immer gut an.“ Und so verwundert es kaum, dass in Griffweite eine illustre Bücherauswahl rund um die Tierwelt und das Landleben auf ihren Einsatz wartet. „Ich schaue mir in ihnen die Tierabbildungen an, wenn ich mir bei einem Detail nicht sicher bin. Auch hole ich mir bei den Illustrationen Ideen für neue Motive“, bemerkt die Künstlerin. Ebenfalls biete ihr herrlicher Garten unzählige Anregungen für stimmungsvolle Kreationen. Sie habe ihn bewusst so angelegt, dass sich auch kleinste Tierchen in ihm wohlfühlten und immer etwas Leckeres zum Snacken fänden. „An der Stör sah ich schon Eisvögel, Wildgänse und Schwäne, im Garten beobachte ich gern Libellen und Vögel“, schwärmt die Naturliebhaberin. Übrigens sei es ihre persönliche Handschrift, dass sie die Rohlinge stets mit Ölfarben verziere. Farben, die für die Eiermalerei sonst eher selten zur Anwendung kämen, weil beispielsweise der Trocknungsprozess länger als bei Acryl- oder Aquarellfarben dauere. „Doch Ölfarben bestechen durch ihre Leuchtkraft und große Lichtechtheit und ermöglichen mir flexibel die Darstellung von winzigen, feinen Einzelheiten. Um Highlights und Lichtpunkte aufs Ei zu bannen, nutze ich zusätzlich Lasurfarben“, erklärt sie und setzt sich an den Werktisch.
Neben Naturmotiven verewigt die Künstlerin auch Bauernhofszenen auf ihren Werken.
Sie nimmt ein Straußenei zur Hand, an dem sie derzeit arbeitet, und demonstriert den Schaffensprozess. Vorsichtig führt sie den Pinsel ans Motiv, das dem berühmten Feldhasen von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1502 nachempfunden ist. „Ich beginne auf der Vorderseite des Eis mit meinem Hauptobjekt, das ich vorskizziert habe. Erst danach gestalte ich den passenden Hintergrund. Eine Kleinigkeit wie eine Feder, Hummel oder Blume kommt bei mir auf die Rückseite. Ich möchte eine Komposition schaffen, die der Betrachter sofort mit einem Blick erfassen kann“, unterstreicht sie. Teilweise bringe sie an Eiern, die sie nicht in einem Naturnest oder anderweitig dekoriere, schlichte weiße Bändchen an, an denen man sie in einen Frühlingsstrauß hängen oder hübsch an einem Zweig in Szene setzen kann.
Naturgetreue Motive
Beim Blick über die Schulter fällt auf, wie dünn der Pinsel ist, mit dem die Künstlerin dem Dürer-Feldhasen gerade Leben einhaucht. „Die Pinsel beziehe ich bei einem Pinselmacher aus dem Bergischen Land. Er hat auch Exemplare, die nur drei Haare haben, die gibt’s sonst nirgendwo“, stellt sie heraus. Mit diesen könne sie 100%ig naturgetreu einzelne Barthärchen, Fellhaare oder Federn auf die Exponate bringen. „Wenn ich einen solchen hauchdünnen Pinselstrich setzen will, halte ich für einen Moment die Luft an, damit ich genau und exakt mit absolut ruhiger Hand arbeite“, verrät sie und präsentiert ein Mini-Zebrafinkenei von 15 mm Durchmesser, auf das sie ein Mini-Rotkelchen gemalt hat. Was für eine filigrane Arbeit!
Eines ihrer Lieblingsmotive seien eben Vögel in allen Variationen und zu allen Jahreszeiten. Doch es sei gar nicht so einfach, zarte Tier- oder florale Motive perspektivisch richtig auf die gekrümmte Fläche des Eis zu bringen. Deshalb kontrolliere sie immer wieder, ob das aufgemalte Motiv von der Optik her stimme und ob die Proportionen harmonisch seien. Ein gutes Auge, viel Geduld, eine ruhige Hand, Talent und Erfahrung seien wichtig, um die Kunst am Ei perfekt zu meistern. „Keines meiner verzierten Eier gleicht dem anderen, es sind alles Unikate. In jedem stecken etliche Stunden Arbeit und viel Herzblut.“
Welches ihrer bemalten Eier ihr selbst das liebste sei, will die Bauernblatt-Reporterin zum Abschluss des Atelierbesuches wissen. Birgit Völker-Bracker lächelt, zögert keine Sekunde und zeigt auf ein mit einem Feldhasen bemaltes Kranichei. „Dieses mag ich sehr gern. Ich würde es nie verkaufen, weil es so selten ist.“ Weitere Infos und Anfragen an die Künstlerin per Mail unter rosenreigen@t-online.de
Silke Bromm-Krieger
Die bemalten Eiersind begehrte Sammel- und Kunstobjekte.
„Weh spricht: Vergeh! Wenn das Selbst leidet, da denkt es nach, wie es nicht mehr leide, und dazu eben soll es denken“, hat Friedrich Nietzsche gesagt und einem höheren Sinn des Leidens eine Absage erteilt. Das Christentum hingegen hat das Leiden zum Zentrum seiner Religion gemacht. Karfreitag ist der Gedenktag dessen.
Es liegt nahe: Wenn es uns schlecht geht, tun wir in der Regel alles, um dies zu ändern. Medizin ist nichts anderes als das Bemühen darum und Prophylaxe das mögliche Vorbeugen dagegen. Das gilt auch für die kluge Vorsorge im Wirtschaftlichen: planen, vorausschauen, aus Erfahrungen lernen. Für den Bauern steht dies unter dem Zeichen guter fachlicher Praxis, die auch die Sorge um Nachhaltigkeit, Tierwohl und Ressourcenschonung beinhaltet – nicht nur eigenem Schaden vorzubeugen, sondern auch an Natur und Gesellschaft. Die ZukunftsBauer haben sich diesem Ziel verschrieben. Letztlich sollen und können alle Bauern und Bäuerinnen ZukunftsBauer und -Bauerinnen sein.
Nun ist nicht aller Schaden, alles Leiden vermeidbar, nicht jedes Risiko kann abgesichert werden. Das gilt für die Gesundheit ebenso wie für den Betrieb. Manches müssen wir wohl oder übel ertragen, was nicht heißt, dass wir es begrüßen müssen. Eine besondere Lage ergibt sich, wenn das Leiden nicht durch höhere Umstände verursacht wird, sondern durch andere Menschen oder Institutionen wie Behörden oder die Politik. Dann lehnen wir uns dagegen auf, und das mit Recht. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Kampf gegen die Bürokratie. Gegen unhaltbare und ungerechte Zustände gilt es anzugehen – mit legalen und demokratischen Mitteln wohlgemerkt, denn Selbstjustiz führt zu Eskalation und nicht zu Erfolg.
Heikel wird es, wenn im Vordergrund nicht das Bemühen steht, die Zustände zu ändern und das Leiden abzuwenden, sondern die Suche nach Schuldigen. Die Brandmarkung von Verursachern geht oft an der Realität vorbei, vor allem aber enthebt sie der Verantwortung, an Lösungen mitzuwirken und gegebenenfalls auch das eigene Verhalten zu korrigieren.
Die großen Herausforderungen unserer Zeit – Klimawandel, Artensterben, Kriegsfolgen, Energiesicherung und Verteidigungsermächtigung, verbunden mit einer tragbaren gesellschaftlichen Lastenverteilung: Sind sie nicht eher „höhere Gewalt“ und weniger Schandtaten von irgendwelchen Missetätern? Und dass beim Versuch, ihnen zu begegnen, Fehler gemacht werden, Irritation, Unsicherheit und Angst auftreten, hat dies nicht vor allem seinen Grund darin, dass für die meisten von uns dergleichen während ihrer Lebenszeit beispiellos ist und nicht (nur) der vermuteten Unfähigkeit von Politikern und anderen Akteuren geschuldet?
Die genannten Herausforderungen verlangen auf vielen Ebenen Veränderungen. Diese bringen aber auch Nachteile, womöglich Leiden mit sich, bei manchen Dingen Verzicht. Wenn lediglich gefordert wird: „Wir doch nicht, sollen doch die anderen!“, wird eine notwendige Transformation der Gesellschaft nicht gelingen. Dann regieren die Umstände selbst, und das könnte größeres Leid verursachen als eine gemeinsame, nach vorn gerichtete Anstrengung. Lasst uns solch sinnloses Leiden vermeiden!