Salbei ist weit mehr als das bekannte Küchenkraut. Mit Ausnahme Australiens und der Antarktis ist Salbei auf allen Kontinenten der Erde zu Hause. Mehr als 900 Arten sind es weltweit, damit ist die Gattung Salvia eine der artenreichsten. Die meisten Salbeiarten wachsen ausdauernd als immergrüne Halbsträucher oder Stauden, allerdings sind nicht alle bei uns winterhart. Über die Kräuterspirale hinaus lassen sich die verschiedenen Formen im Garten gestalterisch sehr vielfältig einsetzen.
Salbei gehört zu den Lippenblütlern. Die meisten Arten besitzen aufrechte, ährige Blütenstände. Während der einheimische Wiesensalbei (Salvia pratensis) und der Steppensalbei (Salvia nemorosa) schon ab Mai oder Juni blühen, sind viele Salbeiarten Spätsommerblüher und haben ihren Höhepunkt im Juli und August, manche blühen bis spät in den Herbst hinein. Als Blütenfarbe überwiegen zwar unterschiedliche Blautöne, etliche Arten und Sorten blühen aber auch rot, rosa, weiß oder hellgelb. Bei vielen Salbeiformen ist auch das Blatt sehr attraktiv.
Der bei uns wohl bekannteste ist der Küchensalbei (Salvia officinalis), der schon im antiken Griechenland als Würz- und Heilpflanze geschätzt war und den vermutlich die Römer über die Alpen brachten. Inzwischen sind viele Sorten und Farben verbreitet: der breitblättrige, robuste Salbei ‚Berggarten‘, rotblättriger Purpursalbei (,Purpurascens’), Sorten mit weiß-grün oder gelb-grün panaschierten (‚Icterina‘) oder sogar dreifarbigen Blättern (‚Tricolor‘). Die Sorte ‚Alba‘ blüht weiß, ‚Rosea‘ rosafarben. Alle Sorten von Salvia officinalis können gleichermaßen als Gewürzkraut und Heilpflanze verwendet werden.
„Salbei“ kommt von „heilen“
Der botanische Gattungsname Salvia leitet sich vom lateinischen salvare = heilen ab. Während bei uns vor allem Salvia officinalis als Heilpflanze bekannt ist, werden in anderen Weltgegenden auch viele andere Salbeiarten als Heilkraut, in der Küche oder zum Räuchern bei Ritualen genutzt.
Salvia officinalis wirkt antibakteriell, entzündungswidrig, krampflösend und schweißhemmend. Innerlich findet das Kraut vor allem in Erkältungsteemischungen und bei übermäßigen Schweißausbrüchen sowie zum Abstillen Verwendung, äußerlich bei Mund- und Zahnfleischentzündungen, zum Gurgeln bei Halsentzündungen und als Waschung bei verschiedenen Hautkrankheiten. Zuweilen werden auch Wiesensalbei und Muskatellersalbei (Salvia sclarea) als Heilpflanzen genutzt, beide wirken etwas schwächer als S. officinalis. Der Muskatellersalbei war vor allem im europäischen Mittelalter als Küchenkraut und Arzneipflanze beliebt. Bei Hildegard von Bingen findet sich die Verwendung einer Abkochung aus dem Kraut bei Vergiftungen beschrieben. Die zweijährige, duftende Pflanze liebt warme Plätze und passt gut in Steppengärten und sonnige Staudenbeete. An ihr zusagenden Stellen vermehrt sie sich durch Selbstaussaat.
Auch der Steppensalbei (Salvia nemorosa) braucht einen sonnigen Standort und durchlässigen, nährstoffreichen Boden. Besonders beliebt sind Hybriden wie ‚Mainacht‘ und ‚Ostfriesland‘, deren schwarzblaue beziehungsweise dunkelviolette Blüten sich bereits ab Juni, manchmal sogar schon im Mai öffnen. Bei rechtzeitigem Rückschnitt blüht der Steppensalbei im September ein zweites Mal.
Der aus Nordamerika stammende Blaue Salbei (Salvia azurea) wird auch Spätherbstsalbei genannt, weil seine himmelblauen Blüten oft noch im Oktober und November leuchten. Damit ist er einer der Letzten im Salbeireigen. Anders als viele seiner Verwandten verlangt S. azurea frischen und lehmigen Boden. Auf sandigen Böden ist die Art oft nicht ausreichend winterhart.
Fülle an Aromen
Um die unterschiedlichen Duftnoten der verschiedenen Salbeiarten zu erschnuppern, muss man an den Blättern reiben. Dann entfalten sich je nach Art und Sorte herbe, würzige, fruchtige oder ganz unbeschreibliche Aromen. Der Geschmack der Blätter ist bei den meisten Salbeiarten recht herb, was an den enthaltenen Bitterstoffen liegt. Neben Salvia officinalis sind auch die Blätter (und Blüten) anderer Arten essbar, etwa die des Ananassalbeis (Salvia elegans), der auch „Honigmelonensalbei“ genannt wird. Die großen Blätter zeichnen sich diesen Namen entsprechend durch ihr fruchtiges Aroma aus. Zur Blüte kommt Ananassalbei erst im Spätsommer, blüht dafür aber häufig bis in den November hinein leuchtend rot.
Auch der Pfirsichsalbei (Salvia greggii) blüht bis zum Spätherbst in leuchtenden Farben. Der Pfirsichsalbei liebt vollsonnige Standorte, ist gut hitze- und trockenheitsverträglich und übersteht leichte Fröste bis etwa –7 °C. Der Fruchtsalbei (Salvia dorisiana), der im mittelamerikanischen Regenwald zu Hause ist, kommt bei uns nicht immer zur Blüte. Dafür sind die großen, hellgrünen, aromatisch duftenden Blätter sehr attraktiv und geben Frucht- und Blattsalaten sowie Süßspeisen eine besondere Note.
Blühender Salbei zieht reichlich Bienen und Hummeln an. Der südamerikanische Sumpfsalbei (Salvia uliginosa) ist bei Hummeln sogar so beliebt, das er auch „Hummelschaukel“ genannt wird. Trotz seines Namens braucht der Sumpfsalbei, der bis zu 1,80 m Höhe erreichen kann, zwar feuchten, humosen, nicht zu schweren Boden, verträgt aber wie alle Salbeiarten keine Staunässe. Der aus Kalifornien stammende Kolibrisalbei (Salvia spathacea) heißt so, weil seine honigsüß duftenden Blüten in seiner Heimat von Kolibris besucht werden. Auch beim brasilianischen Strauchsalbei (Salvia guaranitica) übernehmen Kolibris die Bestäubung.
Überwinterung im Kübel
Viele tropische und subtropische Salbeiarten sind bei uns nicht winterhart, können im Kübel aber mehrjährig gezogen werden. Dazu gehören neben Salvia elegans und Salvia dorisiana auch der Mexikanische Strauchsalbei (Salvia leucantha) und Salvia guaranitica. Beide brauchen humusreichen, durchlässigen, aber ausreichend feuchten Boden und im Sommer einen sonnigen Standort. Bei frostfreier Überwinterung entwickeln sie sich Jahr für Jahr zu immer üppigeren Büschen. Der ebenfalls aus Mexiko stammende Hüllblattsalbei (Salvia involucrata) blüht erst ab September, zeigt dann aber bis zum ersten Frost ausdrucksvolle Blüten in kräftigem Pinkrot.
Überwintern sollte man Salbeikübel in einem hellen, kühlen Raum. Ideal sind Temperaturen zwischen 5 und 15 °C. Die Pflanzen sollten über Winter zwar regelmäßig, aber sparsam gegossen werden. Starkwüchsige Arten wie Salvia guaranitica und Salvia uliginosa kann man auch als einjährigen Sommerflor behandeln. Dann schneidet man im Frühherbst Stecklinge, die hell und kühl überwintern müssen und im Frühjahr zu neuen Pflanzen heranwachsen.
Der Schopfsalbei (Salvia viridis) zeichnet sich durch seine farbigen, lange anhaftenden Hochblätter aus. Nach Vorkultur im Haus eignet er sich gut zur Zwischenpflanzung in Staudenbeeten oder zwischen einjährigen Sommerblumen. Auch Mehliger Salbei (Salvia farinacea), seiner bemehlt wirkenden Blütenstände wegen, wird meist einjährig gezogen. Die je nach Sorte weiß oder blau blühende Art bevorzugt humusreichen Schotterboden und passt gut in Steppenbeete.
Pflege für ein langes Leben
Für Halbsträucher, deren unterer Teil verholzt, ist regelmäßiger Rückschnitt wichtig, damit die Pflanzen nicht verkahlen und auseinanderfallen. Der beste Zeitpunkt dafür ist im Frühjahr zu Beginn des Neuaustriebs, bei Bedarf kann ein zweiter Schnitt im Spätsommer nach der Blüte beziehungsweise bei Kübelpflanzen vor dem Einräumen im Herbst erfolgen. Im Freiland überwinternde Pflanzen dürfen im Herbst nicht geschnitten werden, weil sie sonst leicht Frostschäden erleiden. Bei bedingt winterharten Arten wie Salvia greggii erhöht sich die Chance, sie im Freiland durchzubringen, wenn sie besonders tief gepflanzt und über Winter mit einer Reisigabdeckung geschützt werden.
Die Lebensdauer kurzlebiger Salbeiarten wie Salvia argentea lässt sich verlängern, indem man die Stängel direkt nach der Blüte zurückschneidet. Das Eindrucksvollste am Silberblattsalbei sind sowieso seine großen, filzigen, silberweißen Blätter. Pflückt man einige davon rechtzeitig vor dem Einziehen der Pflanze im Herbst, kann man sie getrocknet als Küchengewürz oder zum Räuchern verwenden. Auch die weiß-gelben Blüten im Frühsommer sind essbar. S. argentea verlangt durchlässigen, eher trockenen Boden und verträgt keine Staunässe. Er passt gut in Steingärten und sonnige Staudenrabatten.



