Die ökonomische Situation für Schweine haltende Betriebe hat sich nach den Krisenjahren 2019 bis 2022 deutlich verbessert. Trotzdem ist das Wirtschaftsklima schlecht. Viele Schweinehalter beabsichtigen auszusteigen. Hauptgründe sind immer mehr Bürokratie sowie fehlende Planungssicherheit und Perspektiven. Im Rahmen der Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) am Dienstag (20. Februar) in Osnabrück berichteten ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes und ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack zur aktuellen Lage und stellten Forderungen an die Politik.
Die Schweinehaltung in Deutschland hat in den vergangenen Krisenjahren eine Ausstiegswelle erlebt. Allein in den vergangenen drei Jahren sei die Schweineerzeugung um ein Fünftel abgebaut worden, berichtete die ISN. Inzwischen habe sich die ökonomische Situation der Betriebe wieder verbessert. Die Preise für Ferkel und Mastschweine bewegten sich seit dem vergangenen Jahr auf sehr hohem Niveau. Die Preisaussichten seien angesichts der Rückgänge in der Erzeugung in Deutschland und in ganz Europa gut.
Große Kostensteigerungen
Laut ISN ist die Investitionsbereitschaft in die Schweinehaltung äußerst gering. Gründe dafür seien steigende Bürokratie, fehlende Planungssicherheit und die stetig neuen und wechselnden Anforderungen. Diese Gründe führten weiter zum Ausstieg der Betriebe und spiegelten sich auch in den Bauernprotesten der vergangenen Monate wider. Dierkes erklärte: „Auf fast jeden von uns Schweinehaltern kommen hierzulande durch neue Auflagen zusätzliche Kosten von einer oder mehreren Millionen Euro zu.“ Am Ende müssten die Erzeugerpreise daher um mindestens ein Viertel steigen.
In dem von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) vorgeschlagenen Tierwohl-Cent sieht er aktuell kein geeignetes Instrument, um mehr Geld auf die Höfe zu holen. Dierkes kritisierte: „Teilvorschläge, wie sie Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir mit der Abgabe auf Fleisch und Fleischprodukte ins Spiel gebracht hat, bringen uns nicht weiter.“ Erst wenn klar geregelt sei, wie das Geld dann auch sicher bei den Schweinehaltern ankomme und nicht im Bundeshaushalt verdampfe, könne ein Schuh daraus werden.
Der ISN-Vorsitzende forderte einen Stopp neuer Rechtsvorgaben, bis die schon beschlossenen Vorgaben fristgerecht umgesetzt seien. Die Fraktionsspitzen müssten zudem beweisen, dass sie es mit dem Lösen der Stallumbaubremse ernst meinten. Dierkes stellte klar: „Nur ein Betrieb, der wirtschaftlich auf beiden Beinen steht, hat die Kraft, zukünftige Herausforderungen und Veränderungen zu stemmen.“
„Berliner Stückwerk“
„Selbst die Rekorderlöse für Mastschweine und Ferkel werden durch steigende Kosten mehr als aufgefressen“, schilderte Staack. Insbesondere die in den kommenden Jahren anstehenden Vorgaben durch Tierhaltungs- und Emissionsauflagen sowie durch den Umbau auf höhere Haltungsstufen machten den Schweinehaltern große Sorgen. Die sähen sich so einem unfairen Wettbewerb gegenüber ihren europäischen Berufskollegen ausgesetzt.
Die Tierhalter brauchten jetzt Klarheit, wie sie ihre Betriebe aufstellen sollten. „Sie können nicht morgen ihre Ställe abdichten, um die Abluft zu filtern, und die gleichen Ställe übermorgen für das Tierwohl wieder öffnen“, unterstrich der Geschäftsführer.
Auch die staatliche Haltungskennzeichnung für Fleisch stelle die ganze Kette vor große Herausforderungen, besonders in der Logistik und der Vermarktung. Staack bezeichnete die Umsetzung als „Berliner Stückwerk“. So wüssten beispielsweise weder die verantwortlichen Bundesländer noch die Wirtschaft, wohin die Tierhalter ihre Haltungsstufen melden müssten und wie die Kontrollen erfolgen sollten. Dabei müssten die Meldungen von den Schweinemästern spätestens zum 1. August abgegeben werden.
Effizienz vermarkten
ISN-Vorstandsmitglied Thomas Asmussen aus Gelting, Kreis Schleswig-Flensburg, sieht insbesondere die heimische Ferkelerzeugung gefährdet. Nach den in Deutschland geltenden Stallbauvorgaben müsse ein Sauenplatz mittlerweile mit rund 10.000 € gerechnet werden. Solch hohe Investitionen seien trotz der aktuellen Preisrallye nur mit Förderung zu realisieren.
Grundsätzlich sieht er Schleswig-Holstein weiterhin als Gunststandort für die Schweineproduktion an. Asmussen erklärte im Gespräch mit dem Bauernblatt: „Wir haben in den vergangenen Jahren viel in Energieeffizienz investiert.“ Der größte Hebel für Effizienzsteigerungen sei aber die Futterverwertung. Mit Blick auf die Forderungen nach mehr Tierwohl stellte er aber klar, dass die Effizienz der Futterverwertung von Schweinen durch Außenklimareize sinke.
Klar ist für Asmussen, dass die Bedeutung von Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Vermarktung wächst. Auch dafür sei es wichtig, eine Branchenkommunikation aufzubauen. „Zehn Jahre ist der Konsum von Fleisch verteufelt worden“, überspitzte er. „Dass der Konsum von Fleisch zu einer gesunden Ernährung dazugehört und dass wir Fleisch effizient und mit hohen Tierwohlstandards erzeugen können, müssen wir der Bevölkerung wieder näherbringen“, betonte der Schweinehalter.




