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Vertrauen zwischen Mensch und Tier

Mehr als 300 Besucher schauten sich die Pferdeshow an, die von der Pferdegilde Dannau und Umgebung von 1866 in der Helmstorfer Reithalle inszeniert wurde.

Simone Schnoor, zweite Vorsitzende der Pferdegilde, begrüßte die Besucherinnen und Besucher und übergab dann die Moderation an Sandra Keck, Schauspielerin des Hamburger Ohnsorg-Theaters. Sie führte humorvoll, unterhaltsam und fachkundig durch das Abendprogramm, mal auf Plattdeutsch und dann wieder auf Hochdeutsch.

Die Show begann mit dem Rassering, in dem 19 Pferderassen vom Shetlandpony über den Friesen bis hin zum imposanten Shire Horse vorgestellt wurden. Dann folgten zwölf Schaubilder, in denen Reiter und Pferde demonstrierten, was Mensch und Tier gemeinsam zu leisten vermögen: Bei den Westernreitern und bei „Horse and Dog“ ging es sportlich zu. In den Bereichen Zirkuslektionen und Freiarbeit waren Konzentration und Disziplin gefragt. Zirkuslektionen für Pferde bedeuten Spiel, Spaß und Abwechslung für Reiter und Pferd. Bei der Freiarbeit lernen die Pferde, auf den Menschen zu achten und seine Hilfen zu verstehen.

In einer mit Musik untermalten Quadrille wurde den Zuschauern eine Art des Formationsreitens präsentiert. Romantisch wurde es, als eine Formation im Dunkeln geritten wurde, bei der die Pferde mit Lichterketten geschmückt waren. Wie immer standen auch bei dieser Pferdeshow hinter der Leichtigkeit der Darbietungen sehr viel Arbeit, Fleiß, Disziplin und vollkommenes Vertrauen zwischen Mensch und Tier.

Kurzlebige Stauden von unverzichtbarer Schönheit

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Auch weniger langlebige Schönheiten unter den Stauden haben einen Platz im Beet verdient. Viele der nicht sonderlich ausdauernden Arten eignen sich prima als Lückenfüller oder Platzhalter für Nachbarpflanzen, die noch nicht ihre volle Ausbreitung erreicht haben. Auch wenn ihnen schnell die Puste ausgeht, gleichen sie ihre geringe Lebenserwartung mit reichlicher Selbstaussaat aus. Damit bleiben sie meist über viele Jahre erhalten.

Die Lebensdauer einer Staude hängt nicht nur an den individuellen Pflanzeneigenschaften, sondern ist auch von äußeren Faktoren abhängig. Dazu gehören neben Bodenbeschaffenheit, Standorteignung und Nährstoffversorgung auch die klimatischen Bedingungen. Kurzlebige Arten wie Schleierkraut (Gypsophila), Prachtkerze (Gaura lindheimerii), Duftnessel (Agastache rugosa) oder das Spanische Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus) lassen sich meist nicht durch Teilung verjüngen. Hier bleibt tatsächlich nur der Weg über die (Selbst-)Aussaat, die Stecklingsvermehrung oder den Neukauf im Frühjahr.

Schleierkraut überzeugt mit locker-leichten Blütenwolken. Foto: Karin Stern
Die unzähligen Einzelblüten der Prachtkerze öffnen sich nach und nach. Foto: Karin Stern
Die Wirkung des Spanischen Gänseblümchens in Treppenfugen ist spektakulär. Foto: Karin Stern
Einjähriger Fuchsschwanz und Duftnessel sind hübsche Pflanzpartner. Foto: Karin Stern


Neben den bereits genannten Arten zählen auch der Violette Schöterich ‚Bowles Mauve‘ (Erysimum linifolium) und die Blauminze (Nepeta prattii) zu den kurzlebigen Stauden, die mit überwältigender Schönheit beeindrucken. Schöterich ‚Bowles Mauve‘ ist eine Hybridform des ausdauernden Goldlacks. Die kompakt und buschig-aufrecht wachsende Sorte aus England eignet sich für Beet und Kübel gleichermaßen. In Töpfen mit mindestens 3 l Erdvolumen ist ‚Bowles Mauve‘ mit den graugrünen Blättern und der langen Blütezeit ein toller Blickfang. Bereits im April, an sehr geschützten Standorten sogar früher, öffnen sich an bis zu 70 cm langen Stielen unzählige lilaviolette Blüten. Sie erhalten viel Besuch von Bienen und Schmetterlingen. Die Blütezeit kann sich bis in den Spätherbst hineinziehen, wenn verblühte Triebe regelmäßig herausgeschnitten werden. Tipp: Nach der Hauptblüte die Pflanzen etwa um ein Drittel zurückschneiden, mit Blühpflanzendünger versorgen und ausreichend feucht halten. Ausgepflanzt erhält diese Goldlack-Variante einen Platz in der Sonne auf durchlässigem, trocken-magerem und kalkhaltigem Boden.

Goldlack ,Bowles Mauve‘ blüht überschwänglich neben der Blauminze. Foto: Karin Stern

Die Blauminze, manchmal auch als China-Drachenkopf angeboten, kommt auf jedem normalen Gartenboden in sonniger Lage gut klar. Er sollte jedoch nicht zu nährstoffreich, dafür aber sehr durchlässig sein. Von Juni bis Juli zeigen sich die leuchtend blauen, leicht duftenden Blüten an 60 bis 90 cm langen Blütenstielen. Bienen und Schwebfliegen werden davon magisch angezogen. Der buschig-lockere, horstartige Wuchs erinnert an die Verwandtschaft mit anderen Katzenminze-Arten. Ebenso sorgt ein rechtzeitiger Rückschnitt nach der Hauptblüte für eine herbstliche Nachblüte.

Werfen wir nun noch einen Blick auf die eingangs erwähnten Stauden. Das Schleierkraut bereichert den ganzen Sommer über mit luftig-leichten Blütenwolken jede Staudenpflanzung. Wichtig ist ein kalkhaltiger, magerer und durchlässiger Boden. Ansonsten kommt es im Winter schnell zu Wurzelfäulnis. Hübsche Begleiter sind andere trockenheitsliebende Stauden wie Lavendel, Salbei, Kugeldisteln, Bart-Iris und Heiligenkraut. Schleierkraut in der Nachbarschaft verleiht jeder Pflanzung Transparenz und Leichtigkeit. Hybride ‚Rosenschleier‘ beeindruckt mit rosafarbenen, gefüllten Kugelblütchen. Hybride ‚Compact Plena‘ ist das weiß blühende Pendant dazu. Beide wachsen etwa 30 cm hoch. Mit etwas Glück gelingt die Teilung, wenn man darauf achtet, ein scharfes Messer zu verwenden und an jedem Teilstück einige Wurzeln und Triebe zu belassen.

Die dichten Matten des Spanischen Gänseblümchens sind von unzähligen Blüten überzogen. Foto: Karin Stern

Das Spanische Gänseblümchen ‚Blütenmeer‘ erfreut als Dauerblüher von Juni bis Oktober in Mauerritzen und Steinfugen. Hier bildet es dichte Matten, die mit einer Vielzahl von gänseblümchenartigen Blüten überzogen sind. ‚Blütenmeer‘ übersteht aufgrund seiner Herkunft aus Mexiko und Südamerika nur wirklich milde Winter. Eine Teilung der kurzlebigen Staude lohnt sich also nicht, ist aber auch nicht notwendig. Sie samt reichlich aus und sorgt so selbst für Nachwuchs. Sollte der zur Plage werden, entfernt man Verblühtes rechtzeitig. Tipp: Die Staude sieht toll aus als Unterpflanzung von Hochstämmchen im Kübel und in den Fugen von Treppen.

Der grazile Wuchs des Patagonischen Eisenkrauts verbindet die straff aufrechten Blütenkolben im Hintergrund mit dem überhängenden Federborstengras. Foto: Karin Stern

Drei weitere kurzlebige Stauden erfreuen sich mittlerweile großer Beliebtheit. Die Prachtkerze ist eine verholzende Halbstaude mit langen Blütenstielen. Hier zeigen sich die Einzelblüten in Weiß, Rosa oder Fliederfarben. Sie öffnen sich nacheinander. So entsteht der Eindruck einer sehr langen Blütezeit, die vom Frühjahr bis zum ersten Frost andauert. Leider ist die Prachtkerze nicht zuverlässig winterhart. Gefällt es ihr am Standort (sonnig, windgeschützt, durchlässiger und trockener Boden), erhält sie sich über die Selbstaussaat, ohne dabei lästig zu werden. Möglich ist auch die Vermehrung über Stecklinge. Das Patagonische Eisenkraut steht bei Hummeln hoch im Kurs. Im Beet sorgt die Staude mit ihrem grazilen, architektonischen Wuchs und den violetten Blüten für Aufsehen. Auch die Duftnessel wird von Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen gern angeflogen. Am optimalen Standort in sonniger Lage mit trocken-sandigem Boden ist die Duftnessel nicht ganz so kurzlebig. Ältere Pflanzen fallen meist der winterlichen Bodennässe zum Opfer.

Wie erfolgreiche Verjüngung funktionieren kann

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Unsere Wälder befinden sich in einem für langlebige Organismen wie Bäume rasanten Anpassungsprozess. Insbesondere die Folgen des menschengemachten Klimawandels setzen den Wald mit ausgedehnten Trockenphasen in der Vegetationszeit, Stürmen und anderen Extremwetterereignissen einem hohen Stress aus. Diesen Herausforderungen so zu begegnen, dass wir auch in Zukunft hinreichend stabile Waldökosysteme nutzen können, ist derzeit die wichtigste Aufgabe der Forstwirtschaft. Hierfür werden auch neues Vermehrungsgut, Jungpflanzen und Saat von bewährten und neuen, möglichst klimastabilen Baumarten benötigt.

Grundsätzlich nehmen derzeit besonders drei Herangehensweisen an die zukunftsfähige Verjüngung von Wäldern einen breiten Diskussionsraum ein.

Wälder sich selbst überlassen?

Zum einen wird empfohlen, Wälder weitgehend sich selbst und der sogenannten „biologischen Automation“ zu überlassen. Das bedeutet, die Eingriffe in den Wald werden minimiert oder unterbleiben in Vollschutzgebieten sogar ganz. Die kommenden Waldgenerationen sollen sich auf diese Weise unter möglichst geringem „menschengemachten Stress“ aus den Bäumen entwickeln, die den veränderten Umweltbedingungen am besten standhalten.

Als alleinige Lösung weist dieses Vorgehen aber vor allem folgende Schwachstellen auf: Als Baumarten des neuen Waldes stehen nur die Arten zur Verfügung, die im betreffenden Wald bereits vorkommen. Und dies können, zum Beispiel in Fichtenwäldern, durchaus Arten sein, die in Zukunft immer stärker unter dem Klimawandel leiden werden. Selbst die Rotbuche, in der Vergangenheit die führende Baumart der natürlichen Waldgesellschaften auf fast allen Böden in Schleswig-Holstein, wird auf den Standorten, die ihr weniger zusagen, in Zukunft wahrscheinlich deutlich an Konkurrenzstärke und Überlebenskraft einbüßen. Darüber hinaus sind Artenzusammensetzung und Nutzbarkeit der einzelnen Bäume bei diesem Vorgehen zufällig, was eine langfristige Erzeugung des wichtigen „Ökorohstoffes“ Holz deutlich einschränkt. Bäume können sich an veränderte Umweltbedingungen über Generationen evolutionär gut anpassen – leider verändert der Mensch die Umweltbedingungen derzeit so schnell, dass der Generationswechsel der Bäume dahinter weit zurückbleibt.

„Turbo-Modell“ und „Multi-Kulti“

Die zweite Grundidee für eine zukunftsfähige Forstwirtschaft ist, unter Anbetracht der steigenden Produktionsrisiken die Ernte und Verjüngung der Bäume in einem möglichst kurzen Takt aufeinander folgen zu lassen. Diese dem „Naturwaldansatz“ ganz entgegengesetzte Wirtschaftsweise würde bedeuten, ertragsstarke und schnell wachsende Baumarten zu pflanzen und sie möglichst schnell wieder der Rohholzerzeugung zuzuführen. Dies ermöglicht einen schnellen Baumartenwechsel bei kontinuierlichem Holzertrag.

Allerdings hat eine solche Wirtschaftsweise nicht mehr viel mit dem Wald als Lebensraum zu tun. Boden- und Bestandesbelastung sind hoch, der Erholungswert eingeschränkt, und vor allem die Biodiversität unserer typischen Waldarten, die auf alte und tote Baumindividuen der heimischen Laubbaumarten angewiesen sind, leidet in nicht vertretbarem Maße. Ein solcher „Geschwindigkeitswaldbau“, vor allem wenn er sich auf schnell wachsende, in Schleswig-Holstein nicht heimische Nadelbäume konzentriert, erhöht erheblich das Risiko, dass der ganze Wald plötzlich „aus der Kurve fliegt“.

Der dritte Ansatz für die Verjüngung zukunftsfähiger Wälder beruht auf der Überlegung „wenn das Mittelmeer-Klima zu uns kommt, müssen wir in Zukunft mit den Baumarten des Mittelmeerraumes wirtschaften“. Dieser Grundgedanke hat dazu geführt, dass in den umfangreichen Wiederaufforstungen in Schleswig-Holstein seit dem Trockenjahr 2018 bestimmte „alternative“ Baumarten in deutlich höherem Umfang gepflanzt werden. Neben den ohnehin schon länger beliebten, als klimastabil geltenden Douglasien und Roteichen betrifft dies vor allem die Esskastanie, die Baumhasel und die Schwarznuss, aber auch mediterrane Exoten wie Flaum­eiche, Orientbuche, Lebensbaum, Zeder oder türkische Tanne. Die zusätzliche Nutzung von Baumarten des „deutschen Weinbauklimas“, wie zum Beispiel der Elsbeere oder der Weißtanne, wirkt in diesem Zusammenhang schon „konservativ“.

Leider ist bei eingehender Betrachtung auch diese Lösung für unsere Wälder im Klimawandel nicht alleine zielführend. Alle genannten Baumarten kommen aus eigenen, vom deutschen Wald sehr unterschiedlichen Ökosystemen. Sie sind von Natur aus mit anderen Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen vergesellschaftet, die sie in Schleswig-Holstein meist nicht vorfinden. Dafür gibt es hier wiederum eine immense Zahl von Organismen des heimischen Waldökosystems, die mit den Neuankömmlingen bestenfalls nichts anfangen, schlimmstenfalls aber in nicht absehbare Konkurrenz- oder Schädigungsbeziehungen geraten können. Und schon eine ganz einfache Überlegung zeigt die Problematik der Bäume aus dem Süden: Trotz des Klimawandels haben wir in Norddeutschland nach wie vor gelegentlich auch strengen Frost, und viele der oben erwähnten Arten sind schlicht frostgefährdet.

Unter einem lichten Kiefernaltbestand hat sich als kommende Waldgeneration eine gemischte Verjüngung aus Laub- und Nadelbäumen eingefunden.

Stabile Mischwälder in der Zukunft

Wie fast immer liegt die Wahrheit nach heutigem Stand des Wissens darin, die Vorteile aller Herangehensweisen möglichst zu kombinieren. Stabile Wälder der Zukunft brauchen zunächst ein Grundgerüst bewährter standortheimischer Arten. Die Rotbuche wird nach den meisten Klimaprognosen gerade in Schleswig-Holstein auch längerfristig Wachstumsbedingungen vorfinden, die ihre Beteiligung in fast allen Wäldern sinnvoll erscheinen lässt.

Aus Sicht der Genetik ist dabei eine mögliche Bastardierung mit der Orientbuche mit großer Vorsicht zu betrachten. Auch die anderen heimischen Laubbaumarten behalten eine große Bedeutung, die zum Beispiel bei der Traubeneiche oder dem Spitzahorn sicher noch steigen wird. Dieses Grundgerüst ist durch Saat und Pflanzung, wo möglich aber auch großflächig aus stammzahlreichen Naturverjüngungen zu erhalten. Dazu gehört zwingend, dass Rehe und Hirsche diese Verjüngung nicht zerstören. Konsequente Jagd wird damit mehr denn je zu einem Schlüssel für die Zukunft unserer Wälder.

Dieses Grundgerüst kann und sollte durch weitere, in Schleswig-Holstein bereits bewährte, aber auch neue Baumarten in angemessener Zahl ergänzt werden. Je besser sich diese Arten bereits in unsere Ökosysteme eingepasst haben, umso günstiger ist deren Zukunftsprognose. Lärchen, Douglasien und Tannen können einen gewissen Nadelbaumanteil sichern, Elsbeeren, Esskastanien, Nussbäume und andere Arten in kleinen Trupps schrittweise in unsere Waldökosysteme eingebunden werden.

Um den Dreiklang der Nachhaltigkeit aus Ökologie, Ökonomie und Sozialleistungen der Forstwirtschaft zu sichern, ist neben dem Oberziel vielfältiger, standortgerechter Baumartenmischungen eine kontinuierliche und fachlich kompetente Pflege der Wälder unverzichtbar. Eine solche Pflege, die zunächst darauf achtet, welche Entwicklungen ohne aktives Eingreifen zielführend sind, wo nötig aber bereits früh in kleinen, aber häufigen Korrekturen tätig wird, ist zeit- und arbeitsaufwendig. Damit wird Forstwirtschaft teuer – sichert aber den Erhalt stabiler und zukunftsfähiger Wälder mit ihrer umfassenden Bedeutung für die Gesellschaft. Allem übergeordnet ist der langfristige Erhalt des Waldes an sich, dem nachgeordnet ist die Nutzung einzelner, wertvoller Bäume.

Geeignetes Vermehrungsgut

Eine alte Douglasie – wahrscheinlich besser auf den Klimawandel eingestellt als jede Fichte.
Fotos: Dr. Borris Welcker

Die natürliche Verjüngung wird durch Saat oder Setzlinge ergänzt. Dieses Vermehrungsgut muss an anderer Stelle gewonnen, transportiert, gegebenenfalls herangezogen und im Forstbetrieb wieder eingebracht werden. Dabei sind die Vorschriften des Forstvermehrungsgutgesetzes unbedingt zu beachten. Die meisten der in unseren Wäldern genutzten Arten unterliegen diesem Gesetz. Das heißt, es darf nur Vermehrungsgut aus zugelassenen Erntebeständen in andere Wälder eingebracht werden – Saataktionen mit selbstgesammelten Eicheln sind zum Beispiel nur zulässig, wenn die Eicheln auch im selben Wald gesammelt wurden. Dadurch werden zum einen die Gesundheit und qualitativ gutes Wachstum des Bestandes gesichert, andererseits weiß man, woher, also vor allem aus welchen klimatischen Wuchsbedingungen die neuen Bäume stammen.

Unter diesem Aspekt ist es eine besonders gute Nachricht der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), dass zum Beispiel bei den Baumarten Spitzahorn, Esskastanie, Traubeneiche und Weißtanne das Saatgutjahr 2022/23 sehr gute Ernteerträge aufweist.

Da es immer schwieriger wird, geeignete Erntebestände zu finden, gleichzeitig aber die Nachfrage nach Saat- und Pflanzgut stetig wächst, sind Waldeigentümer aufgerufen, bei entsprechender Eignung mögliche Saatgut-Erntebestände amtlich anerkennen zu lassen. Dies gilt umso mehr, weil die Saat von Bäumen hinsichtlich der Klimastabilität einige Vorteile aufweist, aber deutlich mehr Saatgut erfordert als die Anzucht von Jungbäumen in den Baumschulen.

Vorsicht ist bei Baumarten geboten, die dem Forstvermehrungsgutgesetz unterliegen, für die es aber in Deutschland keine oder kaum anerkannte Saatgutbestände gibt. Die betrifft zum Beispiel die Zeder oder die Flaumeiche, die in Deutschland bisher als forstlich unbedeutend galten. Forstvermehrungsgut sollte nur durch vertrauenswürdige Baumschulen und Händler bezogen werden.

Eine frühzeitige Planung der gewünschten Baumarten einschließlich möglicher Varietäten, Mengen und Größen erleichtert die Umsetzung jeder Neubegründung. Das passende Herkunftsgebiet ist von zentraler Bedeutung, die Qualität der Pflanzen muss vorab und unbedingt auch bei der Anlieferung im Wald kontrolliert werden. Grundsätzlich wird also auf „ausgewähltes“ Vermehrungsgut zugegriffen. Besonders gut ist es, wenn die Pflanze das Prädikat „geprüft“ trägt oder aus Beständen stammt, die von der Gütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut (DKV) als Sonderherkünfte anerkannt wurden.

Fazit

Die Zukunft unserer Wälder in Schleswig-Holstein wird von den Folgen des Klimawandels geprägt sein. Der Aufbau von stabilen, arten- und verjüngungsreichen Mischwäldern aus standortheimischen und bewährten sowie in angemessener Zahl neu einzugliedernder Bäumen kann dazu beitragen, die Wälder an sich langfristig zu sichern. Dabei spielen die Eignung und ausreichende Verfügbarkeit des Vermehrungsgutes eine wichtige Rolle. Zum Thema „Anerkennung von Forstsaatgut-Erntebeständen“ berät gerne der Autor. Und in der Umsetzung des Aufbaus unserer Wälder mit Zukunft hilft die Forstabteilung der Landwirtschaftskammer mit Rat und Tat.

Mehr Mais und Gerste, weniger Weizen erwartet

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Die Landwirte in der Europäischen Union haben zur diesjährigen Ernte insgesamt weniger Weizen, aber mehr Gerste als 2023 ausgesät und dürften auch den Maisanbau ausdehnen.

Die EU-Kommission beziffert das Weizenareal in einer ersten Schätzung auf 22,90 Mio. ha; das wären 994.000 ha oder 4,2 % weniger als im Vorjahr. Davon dürften 20,95 Mio. ha auf Weichweizen entfallen, was im Vorjahresvergleich einem Rückgang um 806.000 ha oder 3,7 % entsprechen würde. Damit blieben die Brüsseler Fachleute nur geringfügig unter der Prognose des EU-Dachverbandes der Getreidehändler (Coceral), der das Weichweizenareal in der Gemeinschaft wenige Tage zuvor auf 21,14 Mio. ha veranschlagt hatte. Vor allem die Bauern in Frankreich, Deutschland, Rumänien und Bulgarien dürften den Anbau dieser Getreideart nach Einschätzung der EU-Kommission eingeschränkt haben.

Für die Bundesrepublik weisen die Brüsseler Fachleute eine Weichweizenfläche von 2,64 Mio. ha aus; das wären 201.000 ha oder 7,1 % weniger als 2023. Auf einem ähnlichen Niveau hatte das Statistische Bundesamt (Destatis) die Winterweizenfläche bereits im Dezember 2023 gesehen, nämlich bei 2,61 Mio. ha. Optimistischer war dagegen zuletzt Coceral mit 2,73 Mio. ha. Relativ betrachtet noch stärker als beim Weichweizen wenden sich die EU-Landwirte vom Hartweizenanbau ab. Nach der aktuellen Schätzung der Brüsseler Kommission dürfte das Hartweizenareal in der Gemeinschaft in diesem Jahr erheblich kleiner als bei der Ernte 2023 ausfallen, und zwar mit etwa 1,95 Mio. ha um 188.000 ha oder 8,8 %.

436.000 Hektar Mais in Deutschland

Dagegen rechnen die Brüsseler Beamten mit einer Ausweitung des EU-weiten Körnermaisanbaus um 760.000 ha oder 9,1 % auf 9,15 Mio. ha. Die Coceral-Prognose belief sich hier auf lediglich 8,65 Mio. ha. Nach der Voraussage der EU-Behörde werden insbesondere die Landwirte in Frankreich, Rumänien, Ungarn, Spanien und Italien mehr Körnermais aussäen. Die betreffende Fläche in Deutschland wird auf voraussichtlich nur 436.000 ha taxiert; das wären 37.000 ha oder 7,8 % weniger als im Vorjahr. Der EU-Agrarhandel hatte mit einem deutlich größeren Areal in der Bundesrepublik gerechnet, nämlich mit 485.000 ha.

Gemäß der Voraussage der EU-Kommission dürfte auch der Anbau von Gerste in der Union im Vergleich zu 2023 insgesamt ausgeweitet werden, nämlich um 359.000 ha oder 3,5 % auf 10,68 Mio. ha. Zuwächse soll es vor allem in Spanien geben. Das bundesdeutsche Gerstenareal wird bei 1,67 Mio. ha gesehen, was einem Plus von 3,5 % entsprechen würde. Coceral war indes für das Bundesgebiet von etwa 30.000 ha weniger ausgegangen.

Deutlich mehr Mais und Gerste in Aussicht

Unter der Annahme durchschnittlicher Erträge taxiert die EU-Kommission die diesjährige Getreideernte in der Gemeinschaft auf 278,82 Mio. t, was im Vergleich zu 2023 einem Zuwachs von 3,4 % entsprechen würde. Im Einzelnen wird dabei für Weichweizen ein Aufkommen von 120,75 Mio. t vorausgesagt; das wären allerdings 3,9 % weniger als im Vorjahr. Die optimistischere Coceral-Prognose beläuft sich auf 123,22 Mio. t Weichweizen. Das deutsche Aufkommen sieht die EU-Kommission bei 18,81 Mio. t; das wären 11,1 % weniger als 2023.

Im Hinblick auf die EU-Produktion von Mais und Gerste rechnen die Brüsseler Beamten gegenüber 2023 mit einer Steigerung um 10,8 % auf 68,99 Mio. t beziehungsweise 13 % auf 53,71 Mio. t. Dabei wäre das Plus beim Mais vor allem der größeren Fläche zu verdanken und bei der Gerste vorwiegend ertragsinduziert. Mit Blick auf die Ölsaaten rechnen die Fachleute für 2024 mit einer Produktion von 19,47 Mio. t Rapssaat und einer Rekordmenge von 10,69 Mio. t Sonnenblumensaat; das wären vor allem flächenbedingt 1,8 % weniger beziehungsweise ertragsbedingt 4,9 % mehr als im Vorjahr. age

Wird der Weg das Ziel beim Ökoanbau?

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Die Zahl der Betriebe in Deutschland, die nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus wirtschaften, hat weiter zugenommen und ist von 2020 bis 2023 um 2.600 oder 10 % auf rund 28.700 gestiegen. Landesweit arbeiten inzwischen 14,2 % der landwirtschaftlichen Betriebe mindestens gemäß den Vorgaben der EU-Ökoverordnung. Das sind die Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2023, die gerade veröffentlicht wurde. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche wuchs von 2020 bis 2023 um 16 % auf 1,85 Mio. ha. Ihr Anteil an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) von 16,6 Mio. ha stieg in dieser Zeit von 9,6 % auf 11,2 % (siehe Artikel „Ökolandbau wächst moderat“).

Das Signal ist, der Ökolandbau in Deutschland wächst. Aber von Bio in der Breite sind die Zahlen weiterhin noch weit entfernt. Und gemessen an den politisch gesetzten Zielen und Erwartungen ist das Wachstums- und Umstellungstempo noch viel zu verhalten. Es sieht so aus, dass das 30-%-Ziel der Ampel-Regierung nur noch in der Theorie erreichbar sein wird. Die Ökoanbaufläche wird weiterwachsen, aber die Kurve ist nicht steil genug. Die Gründe sind vielfältig.

Sieht man die Umsetzungszahlen für den ökologischen Landbau genauer an, so ist in Deutschland ein hoher regionaler Spezialisierungsgrad zwischen den einzelnen Bundesländern festzustellen. Das dürfte ein Grund sein, der die Umstellung bremst. Ertragsschwächere Standorte mit einem hohen Anteil an Dauergrünland rechnen sich am besten. Niedrige Pachtpreise und extensive Bewirtschaftung passen gut in das System und sind Bedingungen, die eine Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise erleichtern. Ertragsrückgänge und ökonomische Einbußen sind dann vergleichsweise geringer als bei intensiv wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieben auf Hochertragsstandorten. Schon 2021 war bei einem 10 %igen Bio-Anteil an der landwirtschaftlichen Fläche Dauergrünland mit 19 % deutlich überrepräsentiert.

Neben Dauergrünland erreichen auch andere Erzeugnisse zweistellige Bio-Anteile, wie Frischeier mit 14 % der Menge. Den höchsten Bio-Anteil bei pflanzlichen Produkten hat Unterglasgemüse mit 24 % der Fläche. Bei diesen Produktbereichen sind nicht Flächenprämien umstellungsentscheidend, sondern die spezifische Nachfrage und der Organisationsgrad der Lieferketten und Abnehmerstruktur. Kulturen im Freiland, die witterungsabhängiger sind, stark unter Schädlingen und hoher Anbaukonzentration leiden, befinden sich am unteren Ende der Tabelle. So liegen die Mengenanteile bei Getreide bei 3 %, Zuckerrübe unter 2 % und Raps unter 1 %.
Der stärkste Treiber für eine Anbauausdehnung kann nur die Nachfrage sein. Die ist neben Überzeugungsstärke beim Großteil der Verbraucher weiterhin preiselastisch und damit schwer kalkulierbar. Auch muss man sich fragen, ob der Umstellungsanreiz schwächer wird, je mehr die Systeme des konventionellen und ökologischen Anbaus zusammenwachsen und Düngemittel- sowie Pflanzenschutzmitteleinsatz eingeschränkt werden.

Wenn nicht nur der Weg das Ziel sein soll, liegt es an der Politik, den Einsatz der umstellungswilligen Landwirtinnen und Landwirte zu unterstützen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die dem ausgegebenen Ziel gerecht werden.

Ökolandbau wächst moderat

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Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland, die nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus wirtschaften, ist von 2020 bis 2023 um 2.600 oder 10 % auf rund 28.700 gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) unter Berufung auf die Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2023 weiter mitteilte, arbeiteten damit zuletzt 11 % aller landwirtschaftlichen Betriebe mindestens gemäß den Vorgaben der EU-Ökoverordnung.

Die ökologisch bewirtschaftete Fläche wuchs von 2020 bis 2023 um 16 % auf 1,85 Mio. ha. Ihr Anteil an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) von 16,6 Mio. ha stieg in dieser Zeit von 9,6 % auf 11,2 %.

In Bezug auf die mittlere Flächengröße pro Betrieb zeigen die Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2023 laut Destatis ein nahezu identisches Bild zwischen dem Ökosektor und der Landwirtschaft im Allgemeinen. Die ökologisch wirtschaftenden Betriebe verfügten mit durchschnittlich 66,7 ha über eine nahezu identische Flächenausstattung wie der deutsche Durchschnittsbetrieb mit 65 ha. In der regionalen Betrachtung zeigt sich der amtlichen Statistik zufolge, dass 2023 mit 423.000 ha fast ein Viertel der deutschen Ökofläche auf Bayern entfällt. Die nächst­größeren Ökoflächen sind mit 228.400 ha in Brandenburg und 199.700 ha in Mecklenburg-Vorpommern zu verorten.

Bioschweine nur eine kleine Nische

Die Zahl der Betriebe mit ökologischer Tierhaltung ist zwischen 2020 und 2023 von 17.300 um 11 % auf 19.200 gestiegen. Von den bundesweit insgesamt 161.700 tierhaltenden Betrieben im Jahr 2023 waren demnach 12 % Ökobetriebe.

Zum Stichtag 1. März 2023 wurden laut Angaben von Destatis in Deutschland 949.300 Rinder nach den Ökovorgaben gehalten; das waren 88.000 Tiere oder 10 % mehr als 2020. Der Anteil der ökologisch gehaltenen Rinder am gesamten Rinderbestand lag damit 2023 bei 9 %. Eine weitere bedeutende Tierart in der ökologischen Tierhaltung sind die Hühner: Im vergangenen Jahr wurden davon insgesamt 10,38 Millionen in 5.600 Betrieben ökologisch gehalten. Ihr Anteil machte 7 % des deutschen Hühnerbestandes aus. Im Jahr 2020 hatte dieser 5 % betragen.

Wenig Schaf- und Ziegenhaltung

Betriebe mit ökologischer Schweine-, Schaf- oder Ziegenhaltung finden sich deutlich weniger: 2023 gab es bundesweit 3.100 Betriebe mit Schaf-, 2.000 Höfe mit Ziegen- und 1.800 Betriebe mit Schweinehaltung gemäß den ökologischen Vorgaben. Die Zahl der ökologisch gehaltenen Schweine stieg seit 2020 um 15 %, und zwar von 212.500 auf 244.200 Tiere. Damit führten die Bioschweine allerdings weiterhin nur ein Nischendasein, denn ihr Anteil am gesamten Schweinebestand lag bei 1 %. Deutlich höher war der Anteil der ökologisch gehaltenen Ziegen mit 34 % und der der Schafe mit 14 %.

Zu den Bundesländern, wo der Ökolandbau im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich vertreten ist, zählt Brandenburg. Dort hat die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe im Jahr 2023 von zuvor 1.593 auf 1.632 zugenommen. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche belief sich laut den Kontrollverfahren des ökologischen Landbaus auf 225.245 ha, was einem Anteil von 17,3 % entsprach. Das waren 7.835 ha oder 0,7 % mehr als 2022. Im Jahr 2019 waren es 174.253 ha gewesen, und der Anteil hatte sich auf 12,9 % belaufen. age


Politische Ziele

Erstmals 2002 hat die Bundesregierung, damals mit Agrarministerin Renate Künast (Grüne), das Ziel formuliert, den ökologischen Landbau bis 2010 auf 20 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche auszudehnen. Die besonderen Leistungen des Ökolandbaus für Boden- und Gewässerschutz, aber auch der Beitrag zum Tierschutz und dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen wurden zur Begründung des Ziels herangezogen.

Die nachfolgenden Bundesregierungen haben das Ziel wiederholt bestätigt. Die Große Koalition von CDU/CSU und SPD 2016, damals durch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), hat mit der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel von 20 % Ökolandbau auf 2030 verschoben.

Im Juni 2021 wurde vom Rat der Europäischen Union der Green Deal beschlossen – der Großplan, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen. Im ­Green Deal ist festgelegt, dass der Anteil des Ökolandbaus bis 2050 auf 25 % steigen soll.

Im Dezember 2021 hat die Ampel-Regierung in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass der Anteil der ökologischen Anbaufläche bis 2030 auf 30 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche steigen soll. mbw


Aus der Tankmilchprobe die individuelle Zellzahl

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GenoCell ist ein neuartiges genomisches Analyseverfahren, das die Bestimmung der individuellen Zellzahl der Einzelkühe aus einer Tankmilchprobe ermöglicht. Erstmals wird die DNA-­Analyse zur Bestimmung der Zellzahlen verwendet. Im Hinblick auf eine gute Eutergesundheit der Herde ist die engmaschige Überwachung der Zellzahl ein wichtiges Instrument. Dies kann in Ergänzung zur Milchkontrolle durch das GenoCell-Verfahren mit ­äußerst geringem Aufwand ­ermöglicht werden.

Nach wie vor gilt Mastitis als größtes Gesundheitsproblem in der Milchviehhaltung. Zum einen wirken sich entzündliche Eutererkrankungen negativ auf das Tierwohl aus, zum anderen verursachen sie erhebliche wirtschaftliche Verluste auf den Betrieben. Diese Einbußen entstehen hauptsächlich durch eine verringerte Milchleistung betroffener Kühe, aber auch durch Tierarztkosten, erhöhte Remontierungskosten sowie ein gesteigerter Arbeitsaufwand für das Melken erkrankter Tiere tragen hierzu bei.

Vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen gilt es zudem, Antibiotika zur Behandlung von Mastitiden so selten wie möglich einzusetzen. Das Euter ihrer Kühe gesund zu erhalten und die Zellzahl als wichtigsten Indikator immer im Blick zu behalten, ist damit entscheidend im Management erfolgreicher Milchviehbetriebe.

Subklinische Verläufe erkennen

Generell wird zwischen einer klinischen und einer subklinischen Mastitis unterschieden. Eine Mastitis wird als klinisch bezeichnet, wenn sie zu Milch- oder Euteranomalien führt, die für den Tierhalter und Tierarzt sichtbar sind. Zusätzlich kann das Allgemeinbefinden der Kuh gestört sein. Bei einer subklinischen Mastitis hingegen zeigen betroffene Kühe keine äußerlich erkennbaren Symptome. Lediglich der Zellgehalt in der Milch ist erhöht (> 100.000 Zellen/ml Milch).

Subklinische Mastitiden bleiben daher zunächst oft unentdeckt, stellen aber häufig ein mögliches Ansteckungsrisiko für den Rest der Herde dar. Zudem geben auch Kühe mit einer subklinischen Mastitis ohne augenscheinliche Krankheitsanzeichen weniger Milch. Eine Zellgehaltserhöhung von 100.000 auf 300.000 führt nach wissenschaftlichen Studien zu Milchverlusten zwischen 4 und 8 %.

Während klinische Mastitiden immer umgehend einer tierärztlichen Behandlung bedürfen, ist die Behandlung einer subklinischen Mastitis abhängig vom Mastitiserreger, dem allgemeinen Infektionsgeschehen in der Herde sowie dem Zeitpunkt der Infektion im Laktationsverlauf. Um hier rechtzeitig die richtige Entscheidung treffen zu können, ist es wichtig, die Entwicklung der Zellzahl betroffener Tiere genau zu beobachten.

Die Zellzahl im Blick behalten

Im Rahmen der Milchleistungsprüfung (MLP) werden elf Mal pro Jahr die Einzelgemelke aller Kühe von Mitgliedsbetrieben des Landeskontrollverbands (LKV) auf Inhaltsstoffe (Fett, Eiweiß und Harnstoff) und auf den somatischen Zellgehalt untersucht. Die auf diese Weise ermittelten Zellzahlen bieten den Herdenmanagern so die Möglichkeit, Veränderungen in der Eutergesundheit zu erkennen und erkrankte Tiere aufzuspüren. Doch insbesondere für Betriebe, die eine Herdensanierung durchführen oder die die Eutergesundheit ihrer Herde verbessern und damit den durchschnittlichen Zellgehalt senken wollen, kann es vorteilhaft sein, die Zellzahl der Einzeltiere häufiger zu erhalten.

Dazu kann nun ein ganz neues Verfahren – GenoCell – genutzt werden. GenoCell ermöglicht es, die Zellzahl der einzelnen Kuh direkt aus einer Tankmilchprobe zu bestimmen und mit geringem Aufwand häufigere Informationen über die Zellzahl der einzelnen Kühe zu bekommen.

Individuelle Zahlen aus der Tankmilchprobe

Das Verfahren beruht auf der Tatsache, dass in der Milch einer jeden Kuh somatische Zellen und damit auch die DNA, also die genetische Information, vorhanden ist. Wenn diese nun durch Genotypisierung bekannt ist, kann mittels eines genomischen Analyseverfahrens die Zellzahl einer jeden Kuh in der Tankmilch bestimmt werden. Vereinfacht gilt dabei: Je mehr DNA einer Kuh in der Tankmilch vorhanden ist, desto höher ist ihr Zellgehalt. Ist zudem die Information über die Milchmenge einer jeden Kuh im beprobten Tank beispielsweise durch eine elektronische Milchmengenmessung vorhanden, kann die Zellzahl der Kühe sehr exakt bestimmt werden. Vergleichsuntersuchungen zeigen, dass die durch GenoCell ermittelten Zellzahlwerte sehr gut mit den in der MLP mittels Durchflusszytometrie gemessenen Zellzahlen der Einzelgemelksproben übereinstimmen (Abbildung 1).

Aber auch ohne Milchmengenmessung kann die Tankmilchprobe Rückschluss auf Einzelkühe mit sehr hohen Zellgehalten geben. In diesem Fall ermittelt GenoCell, welche DNA am häufigsten identifiziert wurde, und rangiert die Kühe absteigend nach ihren Zellgehalten in der Tankmilch. Auf diese Weise liegen zwar keine exakten Zellzahlen zu den einzelnen Kühen vor, aber für den Landwirt wird auf den ersten Blick ersichtlich, welche Tiere hohe Zellzahlen aufweisen und einer gründlichen Untersuchung bedürfen.

LKV ermöglichen Teilnahme an GenoCell

Die Methode hinter dem Verfahren GenoCell wurde von belgischen Wissenschaftlern der Universität in Liège entwickelt und bereits 2014 patentiert. In Deutschland wird das Verfahren von der GenoCell GmbH angeboten, die sich aus drei Gesellschaftern (Milchprüfring sowie LKV Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen) zusammensetzt. Als Bündler haben die weiteren in Deutschland ansässigen LKV die Möglichkeit, auch ihren Mitgliedern die Bestimmung der Einzelzellzahlen aus Tankmilchproben als Ergänzung zur Milchkontrolle anzubieten. Diese Chance hat auch der LKV Schleswig-Holstein genutzt und bietet interessierten Mitgliedern seit April 2023 sowohl eine umfassende Beratung als auch die administrative Organisation zur Teilnahme am GenoCell-Verfahren an.

Genotypisierung und Eutergesundheit

Anstatt, wie in der Milchkontrolle üblich, eine Probe jeder einzelnen Kuh zu ziehen, ist bei GenoCell lediglich eine Probenahme aus dem gut gerührten Milchtank nötig. Alle Kühe, deren Milch sich im Tank befindet, müssen genotypisiert sein, wie es auch für die Schätzung genomischer Zuchtwerte erforderlich ist. Die genetischen Daten werden von den Zuchtverbänden zur Verfügung gestellt. Diese bieten die Herdentypisierung im Rahmen ihrer Zuchtprogramme an, zum Beispiel bei der RSH eG über das Projekt GenomScan. Sollten einzelne Kühe nicht genotypisiert sein, kann dies unkompliziert per Gewebe- oder Blutuntersuchung nachgeholt werden. Die Untersuchung der Tankmilchprobe wird im Labor des Milchprüfrings Baden-Württemberg durchgeführt (Abbildung 2).

Zusätzlich zur Bestimmung der Zellzahlen kann ein Tankmilchmonitoring auf wichtige Mastitiserreger durchgeführt werden. Somit erhalten die Betriebe Hinweise, welcher Erreger ursächlich für die hohen Zellzahlen sein können. Aktuell findet dieses Monitoring noch mit einem PCR-Test statt. Zukünftig sollen die Identifikation der Mastitiserreger und auch ein Screening auf mögliche Antibiotikaresistenzen dieser Erreger mit Hilfe der gleichen Chip-Technologie möglich sein, die auch zur Ermittlung der Zellzahlen verwendet wird.

Fazit

Zusätzlich zu den Ergebnissen der Milchleistungsprüfung haben LKV-Mitgliedsbetriebe mit dem neuen Verfahren GenoCell die Möglichkeit, Einzeltierzellzahlen aus einer Tankmilchprobe zu erhalten. Erstmalig wird dabei die DNA-Analyse zur Bestimmung der Zellzahl genutzt. Einzige Voraussetzung ist die Genotypisierung der Kühe. Gleichzeitig können aus der Probe auch Mastitiserreger identifiziert werden. Mit GenoCell steht damit ein neues und innovatives Instrument im Eutergesundheitsmanagement zur Verfügung.

Kleine Botschafter für den Klimaschutz

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Moospolster statt Schulbank und ganz viel frische Waldluft statt Klimaanlage im Klassenzimmer, das wartete kürzlich im März im ErlebnisWald Trappenkamp auf 26 teilnehmende Schulkinder in einer Akademie der Organisation Plant-for-the-Planet.

„Wir freuen uns riesig, dass wir heute zum dritten Mal mit Kindern im ErlebnisWald zu Gast sein dürfen und hier durch die Landesforsten und von Holzhändler Bernd Jorkisch unterstützt Bäume pflanzen können“, meinte die Neumünsteraner Geographiestudentin und Organisatorin Lea Kanneberg von Plant-for-the-Planet.

„Kinder, Wald und Zukunft, das passt einfach in unsere Philosophie und unsere Kooperation mit dem Erlebniswald als Umweltbildungseinrichtung“, meinte der Daldorfer Holzhändler Bernd Jorkisch, der das Projekt unterstützt und auch persönlich beim Pflanzen dabei war, im Gespräch mit Waldpädagogin Britta Gehlhaar. Fotos: Ralf Seiler

Immerhin hatte der benachbarte Holzhändler 1.000 € für die Pflanzung und Fortbildung beigesteuert. „Kinder, Wald und Zukunft, das passt einfach in unsere Philosophie und unsere Kooperation mit dem Erlebniswald als Umweltbildungseinrichtung“, sagte Jorkisch, der es sich nicht nehmen ließ, auch persönlich dabei zu sein und seine eigene Douglasie zu pflanzen.

600 Douglasien, Küstentannen und Lärchen wurden in der Aktion am Sonnabend gepflanzt. Ganz bewusst Nadelholz, erklärte die begleitende Waldpädagogin Britta Gehlhaar von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF). Gepflanzt wurde in einem Bestand mit einer sogenannten Reihenpflanzung von Buchen und einem Mischbestand mit Lärchen, Kiefern und Fichten. In den vorhandenen Lücken haben die jungen Bäume Platz und Licht zum Wachsen. Im Vorjahr wurden in der Fläche bereits Küstentannen gepflanzt. Douglasien und Küstentannen sind durch ihre Pfahlwurzeln klimastabiler als die flachwurzelnde Fichte, meinte Gehlhaar.

„Jeder Baum zählt, und jedes Kind, das erfahren hat, wie wundervoll ein Wald ist, bereichert als Botschafter für Klima und Umwelt positiv die Welt. Spielerisch lernen und erlebnisreich in Kontakt zu kommen ist dabei wichtig für die Kinder“, weiß Werkstudentin Lea Kannenberg aus Neumünster. Die 24-Jährige studiert Geographie und ist für Plant-for-the-Planet unterwegs.

„Als Holzhändler freut es mich besonders, dass auch wertvolle Nadelhölzer in einem gesunden Mischwald Platz finden“, meinte Bernd Jorkisch. Immerhin liege allein der Anteil von Nadelholz als Industrieholz in Deutschland bei über 75 %. In Schleswig-Holstein ist der Anteil nachwachsender Hölzer deutlich höher als der geerntete Teil, erfuhren die Kinder beim Pflanzen. Außerdem standen für die neuen Klimabotschafter Themen wie Rhetorik, ein Weltspiel, ein World Café und Arbeit in Schulgruppen auf dem freiwilligen Stundenplan. 

Schlechte EU-Weizenernte

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Günstiger Weizen aus dem Schwarzmeerbereich und die Angriffe auf die Schifffahrt durch den Suezkanal sorgten dafür, dass die weltweiten Terminkurse für Getreide Anfang März unter Druck gerieten. Mit 182 €/t lag der Matif-Weizenkurs auf dem niedrigsten Niveau seit September 2020. Hierzulande rutschten die Gebote für B-Weizen unter 170 €/t für Futterweizen wurden weniger als 140 €/t aufgerufen. Die hiesigen Erzeuger sahen schon die Gefahr, dass sich die Erlöse auf ein Niveau einpendeln, wie es zuletzt vor zehn Jahren aktuell war. Mittlerweile zeigt sich, dass der Preisrückgang überzogen war. Vor allem die reduzierte Prognose für die kommende EU-Getreideernte hat die Kurse wieder stabilisiert. Ende März stieg der Matif-Weizenkurs wieder über die Marke von 200 €/t. Seitdem kann sich der Kurs dort behaupten. Eine weitere spürbare Preiserholung lässt jedoch auf sich warten.

Noch immer zu nass

In vielen Regionen in Europa sorgt eine seit dem vergangenen Herbst anhaltende Nässe für Probleme. Die Aussaatflächen mit Wintergetreide sind deutlich reduziert worden. In diesem Frühjahr stockt die Aussaat der Sommerungen. Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen erfolgen unter erschwerten Bedingungen. Obwohl sich die im vorigen Herbst früh bestellten Getreideflächen in einem guten Zustand präsentieren, hat die europäische Kommission die kommende EU-Weizenernte um 4 % niedriger als im Vorjahr eingeschätzt. Die EU-Weizenanbaufläche soll um eine Million Hektar niedriger als im Vorjahr ausfallen. Die deutsche Weizenernte könnte um 13 % kleiner ausfallen. In Frankreich werden wahrscheinlich 7 % weniger eingefahren werden. Hohe Lagerbestände an Weizen bremsen bislang jedoch eine mögliche weitere Preiserholung. Die EU-Kommission rechnet für die nächste Saison mit einer Halbierung der Weizenimporte aus Ukraine in die die EU, was angesichts der derzeitigen Entwicklung wohl nicht sehr wahrscheinlich ist.

Die gesamte Getreideernte der EU könnte jedoch wiederum höher ausfallen. Besonders die Aussicht auf eine erhöhte Körnermaisernte schlägt dabei zu Buche. Besonders in Spanien wird mit erhöhten Anbauflächen und höheren Erntemengen nach zwei Missernten gerechnet. Auch in Frankreich und Rumänien werden gute Maisernten erwartet. Die EU-Gerstenernte wird um deutliche 13 % ansteigen, vor allem durch ein deutliches Plus bei Sommergerste. Der höhere Anteil an Sommergetreide könnte auch die EU-Haferernte um 19 % ansteigen lassen. Die kleine Vorjahresernte hat die Preise für den gesuchten Qualitätshafer bislang auf einem vergleichsweise hohen Niveau gehalten.

Mittlere Rapsernte möglich

Die kommende EU-Rapsernte wird durch die EU-Kommission mit 19,5 Mio t und damit auf Vorjahresniveau eingeschätzt. Dazu werden dann erneut etwa 5,6 Millionen Tonnen Rapsimporte erwartet. Andere Analysen gingen bislang von einer spürbar geringeren EU-Rapsernte aus. Die Matif-Rapskurse gaben bis Ende Februar auf 407 €/t nach und haben sich seitdem wieder erholen können. Zum Wochenbeginn wurden etwa 445 €/t notiert.

Insgesamt zeigt sich die Lage an den internationalen Getreide- und Ölsaatenmärkten wesentlich entspannter als in den Vorjahren. Die Lagerbestände vor allem bei Weizen, Soja und Körnermais sind weltweit wieder gestiegen. Damit sind jedoch auch die Zeiten der stetig steigenden Kurse vorerst vorbei.

Von Biokohle bis Recycling-Keile

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Agritechnica – das bedeutet Schlepper, Mähdrescher, Feldhäcksler und Roder, viele PS-starke Boliden und eine unüberschaubare Zahl an Anbaugeräten auf der weltweit größten Landtechnikmesse. Und sicherlich war der Großteil der Neuheiten von über 2.800 Ausstellern auch in diesem Bereich zu finden. Doch auch Waldbauern kamen auf ihre Kosten: Wenngleich der Forstbereich, der vor allem in Halle 26 ein Zuhause hatte, schon einmal größer war auf der Agritechnica, so gab es doch allerlei Spannendes zu entdecken.

Keile aus recyceltem Material.

Eine kleine, aber feine Neuheit mitgebracht hat das österreichische Unternehmen Protos, das für seine Integralforsthelme bekannt ist, die individuell konfigurierbar sind. Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde, und auch die alpenländischen Helmspezialisten wollen ihren Teil dazu beitragen: Sie fertigen ihre Kunststoff-Fällkeile ab sofort zu 75 % aus recycelten Material von Resten, die bei der Helmherstellung anfallen, vor allem bei den Außenschalen und den Belüftungsschiebern. Ausgestaltet ist der Keil auf der einen Seite mit einer Wabenstruktur aus 75 Zähnen für den optimalen Biss, auf der anderen Seite mit einer groben Struktur, die das Nachsetzen von weiteren Keilen erlaubt. Die Schlagfläche ist großzügig gerundet, der Keil in fünf verschiedenen Farben erhältlich. 

Weniger Feinstaub bei Hackschnitzeln

Das Thema Hackschnitzelqualität ist in aller Munde bei denjenigen, die eine solche Heizung betreiben. Nichts ist nerviger als eine streikende Heizung – was meist zu nachtschlafender Stunde passiert –, weil sich zu lange Holzstücke in der Förderschnecke verkeilt haben oder eine größere Menge an Feinanteil (Holzmehl) sich zu einem Pfropfen verformt hat, der die Schnecke blockiert und so das System lahmlegt.

Einen anderen Weg bei der Beschaffenheit der Hackschnitzel und deren Beförderung in den Brennraum geht daher Bernhard Lechner von Lechner Heiztechnik in Mitterscheyern: Er lässt das Holz mit einem Ausgangswassergehalt von 35 bis 45 % zu Grobhackschnitzeln hacken: „Das mindert die Hackkosten, befördert durch die Beschaffenheit die natürliche Luftzirkulation und führt dadurch zu geringen Trockenverlusten und einer kurzen Trockenzeit“, sagt er.

Hackschnitzeltransporte leicht gemacht

Im Brennraum habe er daher ein besseres Brennverhalten, kaum Ascheanfall, eine größere Flammbildung, bis zu 30 % mehr Wärme, dabei weniger Feinstaubbelastung und weniger Rußbildung. Diese Parameter seien im Vergleich bei Feinhackschnitzeln allesamt schlechter, hinzu komme die Gesundheitsgefährdung durch Schimmel- und Sporenbildung durch Pilze sowie eine erhöhte Brandgefahr, da sich die feinen Hackschnitzel auf bis 70 °C erhitzen können und dabei bis zu 30 % Trocknungsverluste entstehen.

Die von Lechner bevorzugten Grobhackschnitzel eignen sich nicht für herkömmliche Schneckenförderer, weshalb er auf die Befüllung mit einer Doppelkolbenbeschickung setzt. Dabei drücken wechselseitig zwei Zylinder das Material durch ein Rohr in den Brennraum. Da immer ein Kolben geschlossen ist, ist weder ein Zellrad noch eine Brandschutzklappe nötig, das System nach eigenen Angaben also 100 % rückbrandsicher. Natürlich kann das System auch für die Beschickung mit feinen Hackschnitzeln verwendet werden, die Doppelkolbenbeschickung ist auch nach- beziehungsweise umrüstbar von Bestandsschneckenförderern – unabhängig davon, ob sich die Beschickung bisher ober- oder unterhalb des Heizraums befand.

Deutliche Abgasreduzierung

Heizen und gleichzeitig Pflanzenkohle für die regenerative Landwirtschaft für einen „Terra-preta“-Boden bereitstellen – das verspricht das österreichische Unternehmen Guntamatic mit seinem Powerchip Biochar mit 50, 75 oder 100 kW. Im Normalbetrieb sollen damit bis zu 25 % des zu heizenden Holzvolumens in eine hochwertige Pflanzenkohle verwandelt werden – und zwar bis zu 30.000 l Kohle pro Jahr, was einer benötigen Menge für 10 ha Land entspricht. Die erzeugte Pflanzenkohle wird im Wasserbad gelöscht und automatisch in einen Behälter ausgebracht. Sie kann Stickstoff und Phosphordünger ideal aufnehmen und diese nach der Ausbringung besonders langsam abgeben, zudem speichert sie das Wasser lange.

Die von Guntamatic patentierte Karbonisierung, Reinigung und Austragung, bei der die Flamme gestoppt wird und das Holz dann verkohlt, soll eine besonders hohe Qualität der „Pflanzenkohle“ garantieren, der Betreiber kann jederzeit zwischen dem Pflanzenkohlebetrieb oder einem reinen Heizbetrieb wählen.

Weiterer Vorteil: Der Pflanzenkohleanteil speichert das darin gebundene CO2 über lange Zeiträume, sodass diese Heizungen nach Herstellerangaben nicht nur CO2-neutral arbeiten kann, sondern die erste wirtschaftliche Lösung sei, die große Mengen CO2 aus der Atmosphäre ziehen und im Boden einlagern kann. Nebeneffekt der Pyrolyse ist eine deutliche Abgasreduzierung mit bis zu 50 % weniger CO2 und kaum Ascheanfall.

Einen robusten Kurzholz-Liegendspalter für den privaten bis semiprofessionellen Anwendungsbereich stellte Oehler Fahrzeugbau vor. Der OL 1040 wird mit einem 5,5-PS-E-Motor angetrieben und bringt bis zu 10 t Spaltdruck aufs Holz. Geeignet ist er für Kurzholz von einem halben Meter. Der mechanisch verstellbare Spaltkeil fährt durch eine Holzwanne (für mittigen Spalten), die Führung ist für den robusten Einsatz in Messing gestaltet. Der Spalter arbeitet in zwei Spaltgeschwindigkeiten von 6,1 beziehungsweise 15,5 cm/s, der Rücklauf ist einheitlich mit 10 m/s. 

Hackschnitzel besser transportieren

Das Transportieren von Hackschnitzeln zu schwierig zu erreichenden Anlagen kann mitunter aufwändig sein. Mus-Max stellte dazu auf der Agritechnica ein Sauggebläse vor, mit dem die Hackgutbunker kleinerer Heizanlagen direkt vom landwirtschaftlichen Anhänger beschickt werden können. Es kann aber auch beispielsweise eingesetzt werden bei der Nachfüllung vom Hackgutlager in die Brennraumaustragung. Erhältlich ist sie als E-Motor-Variante (11 bis 18,5 kW) sowie Schlepperantrieb. Es lassen sich in der E-Ausführung 12 m Förderhöhe und 10 m Förderweite (steigend) überwinden und damit zwischen 15 und 20 m3 pro Stunde befördern. Die Schleppervariante schafft bei 20 m maximaler Förderhöhe und 15 m Förderweite eine Leistung von 30 bis 40 m3 pro Stunde. 

Komfort für mehr Mitarbeiter

Viele nützliche Helfer wurden auf der Agritechnica vorgestellt.

Ein absoluter Hingucker in Halle 26 war der Hacktruck „Hackthor“ von Jenz Maschinenbau. Das Unternehmen aus dem westfälischen Petershagen beschäftigt mittlerweile 250 Mitarbeiter, hat einen Exportanteil von über 60 %, vor allem innerhalb der EU, aber auch bis nach Japan, und wird in diesem Jahr 160 Hacker bauen. Die neue Königsklasse ist der Hackthor, der mit 530 PS bis zum 120 t Holz pro Stunde hacken kann und der als Prototyp ausgestellt wurde. 2024 wird das Vorserienmodell herauskommen, ab 2025 soll er in Serie gehen. Neben der Hackleistung überzeugt die Maschine vor allem dadurch, dass die 4,70 m nach oben und auch seitlich ausfahrbare Kabine völlig neu gedacht wurde und eher einem kleinen Wohnzimmer mit Kühlschrank, Kaffeemaschine und Komfort (Echtholzverkleidung, Ambientebeleuchtung, Unterhaltungselektronik) gleicht als einer üblichen Kabine.

Hintergrund ist, dass Fachkräftemangel und Zufriedenheit bei den Fahrern auch in der Hackbranche ein Thema ist und gute Fachkräfte nur zu bekommen oder zu halten sind, wenn sie sich an ihrem Arbeitsplatz auch wohlfühlen. Die nach oben und seitlich teleskopierbare Kabine hat auch den Vorteil, dass der Fahrer sowohl das Holzpolter als auch den zu beladenden Lkw deutlich besser überblicken kann, dabei weniger ermüdet und auch die von einem Standplatz aus erreichbare Kranreichweite erhöht wird.

„Rundholzlogistik neu gedacht“ – unter diesem Motto stellten die beiden Unternehmen Reil & Eichinger sowie Wagner Fahrzeugbau ihren 40 km/h-Holzrückewagen WTR 21/905 vor. Die 21 steht für das Gesamtgewicht in Tonnen, die 905 für die 9,05 m Kranlänge. Mit 5 m2 Stirngitterfläche und 5,50 m Ladeflächenlänge kann der geländegängige Offroad-Anhänger einiges an Volumen laden, betrieben werden kann er mit gängigen Standardschleppern. Der flexible Rungenaufbau ermöglicht bei Privatwaldbesitzern und Lohnunternehmern einen rentablen Transport auch bei kleineren Einschlagsmengen bei Kalamitäten, da verschiedene Sortimente gefahren werden können, etwa 2 x 2 m,
2 x 3 m oder 4- beziehungsweise 5-m-Längen.

Ebenfalls am Stand konnte die BMF-Forstbox bestaunt werden für den Frontanbau an Schlepper. Diese Box wird bei der Waldarbeit mitgeführt und vereinigt ein 1,6 m breites Frontpolterschild, ein 0,5 t Frontgewicht, eine Bergeseilwinde mit 4,6 t Zugkraft und 20 m Seil sowie Funkfernbedienung, ein Planierschild mit wechselbarer Hardox-Leiste sowie eine Werkzeugbox mit abschließbaren Staufächern.

Schüttgut leicht transportieren

Einen flexibel einsetzbaren Wagen von Farma/Bigab stellte Forsmw vor. Das Unternehmen, das eigentlich für seine Holzrückewagen bekannt ist, präsentierte auf der Agritechnica ein Hakenlift-System, mit dem sich nicht nur landwirtschaftliche Schüttgüter transportieren lassen, sondern auch Hackschnitzel: Ein Container verbleibt auf der Baustelle und wird befüllt, der andere wird zum Leeren abtransportiert. Mit dem System lassen sich auch alle anderen hakenlifttauglichen Anbauten wie Transportfass und Rungenkorb bewegen, außerdem kann ein Kran angebaut werden.  

Einen kleinen, nützlichen Helfer zum Zersägen von Scheitholz, aber auch von Paletten, Brettern, Pfosten und Balken stellte Geraghty vor. Der „Timber Croc“ ist ein auf stabilen Füßen stehendes Metallkonstrukt, das durch seine Konstruktion und sein patentiertes „Zahn“-Design in der Lage ist, Holz in verschiedenen Durchmessern bis 28 cm allein durch dessen Eigengewicht zu halten. Das Ablängen von Scheitholz ist damit ebenso möglich wie das Anspitzen beispielsweise von Pfahlhölzern. Damit werden vielerlei Gefahren für Mensch und Säge verhindert, die mit dem Sägen auf dem Boden sonst verbunden sind. Es gibt auch eine Variante für den Anbau am Schlepper: Durch eine abgesenkte Hydraulik kann ein schwerer Stamm aufgenommen und nach dem Anheben zersägt oder bearbeitet werden.