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Mit der Drohne den Mähtod verhindern

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Wenn die Wiesenmahd im Frühling beginnt, leben Rehkitze und andere Wildtierkinder gefährlich. Naht die landwirtschaftliche Maschine, gehen sie im hohen Gras instinktiv auf Tauchstation und geraten leicht in das Mähwerk. Überall im Land engagieren sich Freiwillige in Zusammenarbeit mit Landwirten dafür, Kitze vor der Mahd zu entdecken und zu sichern. Nun wurde auch in Tangstedt im Kreis Stormarn ein Verein für Rehkitzrettung gegründet.

Drohnen haben nicht in allen Anwendungen einen guten Ruf – hier werden sie einmal vernünftig eingesetzt! Mit Wärmebildkamera ausgestattet entdecken die Maschinen im Flug über das Feld Kitz oder Hase, sodass die Läufer losgehen und das Jungtier einsammeln können. Das muss morgens gegen 4 Uhr geschehen, denn nach Sonnenaufgang ist der Unterschied zwischen Körper- und Umgebungstemperatur zu gering zum Aufspüren. Doch diese Unbequemlichkeit nehmen die freiwilligen Kitzretter gern auf sich.

Marte Sach (50) führt mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb mit 450 Tieren in der Oberalsterniederung und profitiert natürlich auch selbst von dem Verein. Im vergangenen Jahr hat sie im Kitzrettungsverein im benachbarten Wakendorf II im Kreis Segeberg mitgearbeitet. 850 ha wurden dort 2023 betreut und dabei 150 Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt. Da der dortige Verein an seine Belastungsgrenze kommt, hat Sach Ende März mit 26 Gründungsmitgliedern den Tangstedter Verein gegründet. Heute hat er schon 55 Mitglieder. Landwirte, Jäger, der Naturschutzverband Nabu und die Gemeinde sind mit im Boot. Bisher gab es vier Einsätze, dabei wurden sieben Kitze gerettet.

„Wir wollen den Tierschutz und dabei die Landwirte unterstützen“, erklärt Sach. Sie betont, dass bei Wildtod oder -verletzung durch Mahd ohne vorherige Absuche Strafen bis zu 4.000 € drohen. „Der Landwirt braucht uns nur anzurufen und notfalls eigene Helfer beizusteuern. Wir versuchen aber, das Personal abzudecken und die Landwirte so gut wie möglich zu unterstützen.“ Das Team besteht derzeit aus rund 50 Helfern, die sich abwechseln, darunter drei Drohnenpiloten und zwei -anwärter. Jeder Pilot hat drei bis fünf Helfer zur Hand.

Ist ein Kitz entdeckt, gehen Läufer dorthin und nehmen es mit dem Käscher in eine Tasche auf, die mit Gras ausgelegt ist. Um Geruchsübertragung zu vermeiden, nehmen sie auch Gras zwischen Handschuhe und Tier. Synthetische Gerüche von Waschmitteln oder Deos sollen vermieden werden, „also keine frisch gewaschene Kleidung tragen. Körpergerüche sind Natur“, so Marte Sach. Dass mit dem Tier nicht gekuschelt werden darf, versteht sich von selbst.

Das aufgenommene Kitz wird in der Tasche am Feldrand abgestellt – schattig und nicht an einer Straße oder einem Weg –, bis die Mahd vorbei ist, die natürlich möglichst bald am Vormittag erfolgen muss. Danach wird das Jungtier in der Nähe „befreit“ – im hohen Gras als Schutz gegen Fuchs und Hund. Da das Kitz schon in der Tasche Geräusche macht, hält sich die Ricke meist bereits in der Nähe auf.

Der Verein Rehkitzrettung Tangstedt wirbt um Unterstützung und weitere Mitglieder und Helfer. Bis nächstes Jahr muss eine Drohne nach neuer EU-Norm inklusive Pilotenschulung angeschafft werden, Kostenpunkt 7.000 bis 8.000 €.

Kontakt, auch für Landwirte mit Einsatzwunsch, Tel.: 01 60-95 75 27 05, www.rehkitzrettung-tangstedt.de

Drohnenteams überregional unter www.deutsche-wildtierrettung.de

Drohnenfluggenehmigung in Naturschutzgebieten: Kreis Stormarn überprüft erneut

Manche der bewírtschafteten Wiesen in der Oberalsterniederung liegen in Naturschutzgebieten. Deren Überfliegung mit Drohnen kann nach der neuen Luftverordnung (LuftVO) von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises genehmigt werden. Eine Genehmigung durch den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) ist hierfür nicht mehr wie früher erforderlich. Das Betreiben einer Drohne zu Naturschutzzwecken ist laut LuftVO möglich, wenn der Naturschutz gewahrt bleibt und der Überflug für den Zweck erforderlich ist.

Da Tangstedt an der Grenze der Kreise Segeberg und Stormarn liegt, befindet sich das Einsatzgebiet des Vereins in beiden Kreisen. Vom Kreis Segeberg wurde die Genehmigung zum Überflug erteilt (liegt dem Bauernblatt vor). Der Kreis Stormarn hat hingegen die Genehmigung zunächst abgelehnt mit der Begründung, dass primär der Artenschutz gewährleistet sein müsse, insbesondere der von störanfälligen Brutvögeln. Die Kreisbehörde will sich aber noch einmal mit dem Landesamt und den Nachbarkreisen abstimmen und eine erneute Überprüfung durchführen. „Wir sehen, dass sich die Technik immer weiterentwickelt, die Störungen durch Drohnenbefliegungen daher immer geringer ausfallen und sie neben dem Schutz der Wildtiere mittlerweile auch potenziell dem Schutz von Brutvögeln dienen kann“, schreibt Nina Juhnke vom Fachdienst Naturschutz. 

Nordbauern Schleswig-Holstein feiern Zehnjähriges

Mit Fachprogramm und Feierstunde wird am Freitag, 31. Mai, von 10 bis 16 Uhr das zehnjährige Bestehen der Nordbauern Schleswig-Holstein e.V. im Freilichtmuseum Molfsee begangen.

Die Nordbauern haben sich vor rund zehn Jahren zum Ziel gesetzt, Qualität und Absatz von Produkten heimischer Direktvermarkter zu verbessern und den einzelnen Mitgliedern eine Stimme nach außen zu geben. Wichtige Bereiche der Vereinsarbeit sind Weiterbildungsmaßnahmen, gemeinsames Auftreten sowie die Intensivierung der Zusammenarbeit in Vertrieb und Logistik – auch im Hinblick auf den Lebensmittelhandel. Mitglieder im Direktvermarkterverband sind sowohl landwirtschaftliche Betriebe als auch handwerkliche Lebensmittelverarbeiter, die regionale Lebensmittel herstellen und vertreiben.

Am Vormittag des 31. Mai wird es sich um fachliche Themen der Direktvermarktung drehen, während es am Nachmittag dann feierlich wird. Gestartet wird mit Gedanken zu regionaler Wertschöpfung durch Verkaufsautomaten, zu digitaler Lebensmittelvermarktung und zu Mikrologistik, mit der Lebensmittel in kleinen Mengen vom Hof zum Verkauf transportiert werden. Im zweiten Teil der Veranstaltung werden sowohl Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) als auch Landwirtschaftskammerpräsidentin Ute Volquardsen ihre Glückwünsche den Nordbauern übermitteln. Die Fördergemeinschaft „Einkaufen auf dem Bauernhof“ stellt sich vor und Dr. Kerstin Poehls, Direktorin des Freilichtmuseums Molfsee, über das Museum als Logistik-Hub sprechen. Flankiert wird der Direktvermarktertag durch die Filmvorführung von „Tatort Almwiese“ mit anschließendem Gespräch zwischen Dr. Kerstin Poehls und Prof. Urs Wyss, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, am 30. Mai um 18 Uhr und dem landwirtschaftlichen Familientag mit Mitmach-Aktionen für Klein und Groß im Freilichtmuseum Molfsee am Sonntag, 2. Juni.

Die Nordbauern stoßen am 31. Mai auf zehn Jahre Interessenvertretung für Direktvermarktung in Schleswig-Holstein an. Foto: Ernst Schuster

Die Veranstaltung wird gefördert durch das Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV) und unterstützt vom Freilichtmuseum Molfsee, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Fördergemeinschaft Einkaufen auf dem Bauernhof. Die Teilnahme ist kostenlos.

Alle Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter in Schleswig-Holstein sind herzlich eingeladen teilzunehmen.

Details zum Programm und zur Anmeldung finden sich hier.

Stauden mit rotem Laub

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Sorgfältig ausgewählt, setzen Stauden mit rötlichem Laub wundervolle Akzente zwischen hellgrünen Pflanzen. Unschlagbar ist die Wirkung auch kombiniert mit gräulich oder gelb überlaufenem Laub. Einige Stauden zeigen ihre rötliche Blattfärbung ausdauernd vom Frühjahr bis zum Herbst. Bei anderen hingegen fällt sie vor allem im Frühjahr ins Auge.

Grün als vorherrschendes Farbthema im Garten verträgt sehr gut ein paar Farbtupfer. Als Faustregel gilt, dass man nicht mehr als 20 % einer anderen Laubfarbe beigeben sollte. Vermeiden Sie dabei Mischungen aus roten, gelben und silbernen Laubpflanzen. Eine einzelne dieser Akzentfarben zwischen grünen Nachbarn hebt das jeweilige Farbthema besser hervor.

Das rote Laub des Federborstengrases ,Rubrum‘ harmoniert mit dem Orange der Zinnien. Foto: Karin Stern

Rotes Laub lässt sich farbharmonisch mit rosafarbenen, roten oder orangefarbenen Blüten kombinieren. Hier bieten sich Sonnenbraut ‚Rubinzwerg‘ (Helenium-Hybride), Fackellilie (Kniphofia galpinii), Montbretie ‚Lucifer‘ (Crocosmia), Türkenbundlilien (Lilium henryi) und die Dahlie ‚Bishop of Llandaff‘ als blühende Pflanzpartner an. Gelb-rote Kontraste fallen dagegen sehr kräftig aus. Die Mischung von blauen oder violetten Blüten mit rotem Laub führt eher zu einer Abschwächung des Effekts. In sonnig gelegenen Rabatten bilden Rotlaubige den zurückhaltenden Ruhepunkt und geben der nachbarlichen Blütenpracht einen Rahmen. In schattigen und halbschattigen Bereichen kommt die Vielfalt an Blattformen und -größen der rotblättrigen Stauden zur Geltung. Niedrige Arten leisten gute Dienste als Bodendecker. Doch Vorsicht, in weniger lichten Bereichen wirkt ein Übermaß an rotem Laub schnell düster. Nachbarn mit hellgrünem Laub sind daher sehr wichtig, um das bereits angesprochene Verhältnis zwischen hellen und dunklen Tönen zu erreichen. Schmuckes Laub kommt nicht nur im Beet zur Geltung, auch als Solitär gepflanzt oder im Kübel kultiviert erweisen sich rotlaubige Stauden als echte Hingucker.

Farbharmonie in Rot, Violett und Grün. Foto: Karin Stern

Werfen wir nun einen Blick auf Staudenarten und -sorten mit rotem Laub. Das Purpurglöckchen (Heuchera) verschönert mit seinen je nach Sorte teilweise wintergrünen Blättern sonnige bis halbschattige Gartenbereiche. Besonders attraktiv wirkt das Purpurglöckchen im Vordergrund von Rabatten, eignet sich jedoch auch für den Kübel. Das Angebot an buntlaubigen Hybriden ist in den letzten Jahren sehr umfangreich geworden. Empfehlenswert ist die wuchsfreudige ‚Frostet Violet‘. Sie macht sich gut neben Funkien (Hosta), Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) und Wiesenknöterich (Bistorta officinalis).

Die Dunkle Oktober-Silberkerze ‚Brunette‘ (Cimicifuga simplex) braucht etwas Zeit für ihre Entwicklung. Einmal etabliert, wird die langlebige Staude für schattige bis halbschattige Bereiche mit den Jahren immer schöner. Neben dem attraktiven Laub punktet sie im Herbst mit auffälligen weißen Blütenkerzen. Die Staude treibt spät aus. Daher empfiehlt sich in der Nachbarschaft die Pflanzung von Zwiebelblumen, die im Frühjahr für etwas Farbe sorgen.

Die Oktober-Silberkerze präsentiert intensiv schwarz-rotes Laub und rosig-weiße Blütenstände. Foto: Karin Stern

Auch die Mandelblättrige Wolfsmilch ‚Purpurea‘ (Euphorbia amygdaloides) bevorzugt halbschattige Lichtverhältnisse, gern auch auf kalkhaltigem Boden unter Bäumen oder am Gehölzrand. Das gelbgrüne Laub der Wald-Marbel (Luzula sylvatica) und die weißen Blüten der Wald-Aster (Aster divaricatus) eignen sich als Begleiter. Die Mandelblättrige Wolfsmilch braucht etwas Schutz vor praller Wintersonne. Tipp: Beim Rückschnitt Handschuhe tragen, da der austretende Milchsaft Hautreizungen verursachen kann.

Für sonnige Lagen finden sich ebenfalls geeignete Kandidaten. Mit rosafarbenen Blüten von Mai bis Juli und bronzebraunem Laub fallen die beiden Storchschnäbel ‚Espresso‘ und ‚Elizabeth Ann‘ (Geranuim maculatum) ins Auge. Sie wirken hübsch neben Frauenmantel (Alchemilla), Polsterphlox (Phlox subulata) oder dem Pfeifengras ‚Moorhexe‘ (Molinia caerulea). Auf ausreichend feuchtem, humosem Boden fühlt sich die Staude in der Sonne sehr wohl, blüht aber auch noch im Halbschatten zuverlässig. Ein wahrer Schatz unter den Rotlaubigen ist die Fetthennen-Hybride ‚Purple Emperor‘ (Sedum) mit purpurfarbenen Blättern an meist roten Stängeln. Sie werden von August bis Oktober mit dunkelrosafarbenen Blütentellern gekrönt. Der Fetthenne gefällt ein warmer, vollsonniger Standort auf trockenem Boden. Sie wirkt als Solitär ebenso schön wie in der Gruppe oder im Kübel.

Rotes Farbspiel mit Fetthenne und Ziergras ,Red Baron‘.Foto: Karin Stern
Der wintergrüne Schwarze Schlangenbart wirkt in Gemeinschaft mit Zwiebelblühern ganz apart. Foto: Karin Stern
Prächtige Fetthenne ,Purple Emperor‘ fällt mit besonders dunklem Laub und schöner Blüte ins Auge. Foto: Karin Stern
Blatt und Blüte harmonieren beim Dunklen Storchschnabel auf angenehme Weise. Foto: Karin Stern
Das Purpur-Greiskraut ,Britt-Marie Crawford‘ verfügt über eine starke Schmuckwirkung. Foto: Karin Stern


Weitere Stauden mit rotem Laub für sonnige Standorte (Auswahl):

Purpur-Günsel ‚Braunherz‘ (Ajuga reptans)
Farn-Fiederpolster ‚Platt‘s Black‘ (Cotula squalida)
Japanisches Blutgras ‚Red Baron‘ (Imperata cylindrica)
Purpur-Greiskraut ‚Desdemona‘ (Ligularia dentata)


Weitere Stauden mit rotem Laub für schattige Standorte (Auswahl):

Braunblättrige Prachtspiere ‚Chocolate Shogun‘ (Astilben-Hybride)
Braunblättriger Wasserdost ‚Chocolate‘ (Eupatorium rugosum)
Schwarzer Schlangenbart ‚Niger‘ (Ophiopogon planiscapus)

„Innovation fällt nicht vom Himmel“

Dr. Dorothee Schulze Schwering arbeitet seit Herbst 2022 als Innovationsmanagerin bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Als Keynote-Sprecherin wird sie bei den Grünen Innovationstagen Ende Mai auf Gut Steinwehr einen Impuls geben. Wie der Berufsalltag der Münsterländerin aussieht und was Innovation in der Landwirtschaft ausmacht, schilderte sie dem Bauernblatt.

Was bedeutet Innovation?

Innovation heißt so viel wie Erneuerung oder Veränderung. Es ist nicht unbedingt dieses Bahnbrechende, das viele vor Augen haben. Man kommt von einer Problemstellung, hat eine Idee. Aus der Idee wird ein Produkt oder eine Dienstleistung und erst wenn dieses Produkt oder diese Dienstleistung in die Anwendung kommt, ist es eine Innovation.

Wie managen Sie Innovationen?

Ich betrachte Innovationen entlang der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette, von der Vorleistungsindustrie über die Primärproduktion bis in den nachgelagerten Bereich. Grundsätzlich teile ich mein Aufgabenfeld in vier Bereiche. Der erste Bereich ist das Identifizieren von Innovationsfeldern. Was ist neu? Was sind aktuelle Trends? Was machen Start-ups? Was machen Forschung und Entwicklung?

Der zweite Bereich ist das Innovationsnetzwerk. Innovation funktioniert nicht im stillen Kämmerlein zu Hause, sondern nur, wenn man hinausgeht und Erfahrungen austauscht. Es ist wichtig zu wissen, wer wo mit welchem Wissen sitzt und wie Symbiosen geschaffen werden können. Für Innovation muss jeder Beteiligte sein Wissen beitragen, um dann am Ende etwas zu kreieren und Innovation entstehen zu lassen. Typische Einrichtungen für mein Innovationsnetzwerk sind das Seedhouse in Osnabrück, das Foodhub NRW, das DIL (Deutsches Institut für Lebensmitteltechnologie) in Quakenbrück und die Hochschulen in der Region. Auch an der Landwirtschaftskammer sind innovative Projekte und Vereine angedockt, wie das Zentrum für nachwachsende Rohstoffe und das Leguminosen-Netzwerk. Hier funktioniert der Austausch gerade mit Blick auf die Eiweißpflanzen-Strategie sehr gut. Um pflanzliche Eiweiße vermehrt in den Kreislauf zu bringen, braucht es eine Verarbeitung beziehungsweise Wertschöpfung. Meine Aufgabe ist es dabei, Schnittstellen zu identifizieren.

Was passiert, nachdem Sie solche Schnittstellen ausgemacht haben?

Dann kommen wir zum dritten Bereich: dem Innovationstransfer. Das Wissen, das ich durch das Netzwerken und Innovationsfeldanalysen generiere, soll nicht bei mir bleiben. Deswegen gehe ich hinaus. Vorträge und Keynotes auf Veranstaltungen sind sehr wichtig. Zudem versuchen wir, Start-ups, die nicht immer einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben, aber ein interessantes Produkt bieten, der Branche zuzuführen. Von Bedeutung ist ebenfalls, dass wir die Problemstellungen und Bedürfnisse der Landwirtschaft frühzeitig in Richtung Forschung, Entwicklung und Start-ups tragen. Ich hatte schon Fälle, dass Food-Start-ups Rohstoffe aus Schweden oder aus Ägypten bezogen haben, obwohl heimische Produzenten direkt vor der Haustür waren. Ein weiterer Punkt ist, der Landwirtschaft gewisse Vorbehalte vor der Start-up-Welt zu nehmen.

Welche Vorbehalte gibt es? Ist nicht jeder landwirtschaftliche Betrieb nach der Übergabe an die nächste Generation ein Start-up?

Ja, mit dieser Aussage gehe ich voll mit. In vielen unserer Landwirtinnen und Landwirte stecken Start-up-Unternehmer, weil sie etwas Neues beginnen. Auf landwirtschaftlichen Betrieben entstehen Start-ups allerdings häufig als Bereich neben der Hauptproduktion. Diese Nebenbereiche entwickeln sich je nach Innovationsgrad und individueller Situation unterschiedlich schnell weiter.

Wann passt der Begriff Start-up denn nicht?

Klassische Start-ups haben eine ganz andere Dynamik. Viele investieren erst einmal, ohne zu wissen, was dabei herauskommt und ob es wirklich funktioniert. Das ist für einen Landwirt zunächst völlig abwegig. Landwirte rechnen klassischerweise ihren Business-Plan durch und investieren danach. Zu Innovationen gehört aber ein erhöhtes Risiko einfach dazu, also der Mut zu „trial and error“.

Wie versuchen Sie den „Error-Anteil“ gering zu halten?

Bei der Umsetzung von Innovation – meinem vierten Arbeitsbereich – sind wir als Landwirtschaftskammer durch die verschiedenen Abteilungen in der Lage, als Team Umsetzungsprozesse konstruktiv zu begleiten. Bei vielen Innovationsthemen kommen beispielsweise baurechtliche Fragen auf, bei anderen sind es Fragen zur Fütterung oder zur Düngung. Grundsätzlich muss man festhalten: Innovation ist kein vorgefertigter Prozess, den man aus der Schublade zieht. Innovation muss immer neu erarbeitet werden. Aber es gibt viele landwirtschaftliche Betriebe, die sehr unternehmerisch denken und offen für neue Themen sind.

Wo sind aktuell die Innovationsschwerpunkte im Agrarsektor?

Wenn man sich die Investments anguckt, die insbesondere im Start-up-Bereich passieren, basiert Innovation aktuell überwiegend auf Technik, Künstlicher Intelligenz und Robotik. Aber auch in Sachen Bioökonomie gibt es Entwicklungen wie die Stärkung der Kreislaufwirtschaft oder die Steigerung der Wertschöpfung aus Nebenprodukten. Beispiele sind Initiativen zur Fußbodenherstellung aus Spargelschalen oder die Verwendung von Biertreber in Haferdrinks und Steinobstkernen in der Kosmetik.

Was ist wichtig, um ein positives Innovationsumfeld zu schaffen?

Entscheidend ist das Mindset, sich auf Veränderung einzulassen und zu gucken: Was gibt es für Trends? Wo geht die Entwicklung in der Gesellschaft gerade hin? Wie kann ich das vielleicht in den Betrieb integrieren? Innovation steht nicht im Katalog, sondern sie ist ein Prozess. Gute Ideen fallen nicht einfach vom Himmel. Ein ganz wichtiger Faktor ist daher, dass Leute aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen und über Innovation diskutieren. Hohe Diversität innerhalb einer Gruppe steigert den Output und den Erfolg, weil man mit verschiedenen Blickwinkeln auf gleiche Fragestellungen guckt. Perspektivwechsel sind wahnsinnig wichtig für den Innovationsprozess. Beim Besuch von Veranstaltungen wie den Grünen Innovationstagen, wenn man den Hof vielleicht auch mal gedanklich ein bisschen zu Hause lassen kann, können tolle Ideen entstehen. 


Alle Informationen zu den Grünen Innovationstagen am 29. und 30. Mai auf Gut Steinwehr sowie Anmeldung:
https://ziel-sh.de/

Die Esche nicht verlieren

Die Europäische Esche (Fraxinus excelsior) ist eine der wichtigsten heimischen Laubbaumarten Schleswig-Holsteins. Durch das aus Asien eingeschleppte Eschentriebsterben ist sie mittlerweile aber aus den meisten Wäldern Norddeutschlands fast verschwunden. Daher muss für die Zukunft das Augenmerk der Waldeigentümer von der Umwandlung geschädigter Eschenbestände in andere Baumarten hin zum Erhalt noch vorhandener Eschen als Genpool der Zukunft wechseln. Andernfalls wäre ein ganzes Ökosystem bedroht.

Dieser Problematik widmete sich im März eine Veranstaltung, in der die Lehranstalt für Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer am Naturerlebnis Bungsberg Experten der Eschen-Forschungs- und Erhaltungsprojekte „FraDiv“ und „FraxForFuture“ mit Forstpraktikern aus ganz Schleswig-Holstein zusammenbrachte. Durch grundlegende Vorträge und eine anschließende Exkursion in den Wäldern der Herzoglich Oldenburgischen Forstverwaltung wurden die Notwendigkeit und die praktischen Möglichkeiten zum Erhalt der Baumart Esche verdeutlicht.

Rolle im Ökosystem

Dr. Katharina Mausolf stellte die Bedeutung von Eschenwäldern dar.
Foto: Hans Jacobs

In einem packenden Vortrag stellte Dr. Katharina Mausolf von der Kieler Universität aus dem Projekt „FraDiv“ die Bedeutung der Esche im Zusammenspiel unserer Waldökosysteme dar. Eschenlaub ist nährstoffreich, schnell abbaubar und recht lichtdurchlässig. Hiervon profitieren sehr viele begleitende Lebewesen erheblich. Etwa 500 Arten von Flechten, Pilzen, Moosen und Insekten sind direkt an Eschen gebunden, für 24 % hiervon muss ein hohes Aussterberisiko angenommen werden, wenn die Eschen aus unseren Wäldern verschwinden.

Auch aus der Gruppe der Gefäßpflanzen ist eine große Zahl mit Eschen assoziiert, von denen beispielhaft die Einbeere, der Sumpf-Pippau oder einige Orchideen-Arten genannt werden können. Eschenreiche Wälder sind zudem Hotspots für Saftlingspilze, die wie zum Beispiel der Papageiengrüne Saftling sowohl selten als auch farblich sehr speziell sind. Der Schwund der Artenvielfalt bei sinkenden Eschenanteilen im Wald ist wissenschaftlich nachweisbar.

Eine besondere Bedeutung kann die Esche auch für die Klimastabilität unserer Wälder gewinnen, sofern wir sie erhalten können: Eschen sind sehr gut an Trockenphasen angepasst, die wahrscheinlich in der Zukunft vor allem im Frühsommer deutlich zunehmen werden. Im Gegensatz zu anderen Baumarten sinkt ihr Zuwachs in solchen Jahren nicht, sondern bleibt mindestens konstant. Und auch das hochwertige Holz der Eschen sollte irgendwann wieder zu unserem Nutzen zur Verfügung stehen.

Die Einbeere – für die Artenvielfalt feuchter Wälder sind Eschen besonders wichtig. Fotos (2): Dr. Borris Welcker

Im Projekt „FraxForFuture“ wurden unter anderem die Verluste durch das Eschentriebsterben in den vielfältigen Funktionen des Waldes monetär bewertet. Dr. Aaron Westhauser, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Freiburg, stellte dies ausführlich dar. Unter Einfluss des Triebsterbens nimmt die ökonomische Leistungsfähigkeit der Esche stark ab, trotzdem ist ein zurückhaltender und umsichtiger Umgang mit aktuell betroffenen Beständen aus ökonomischer Sicht vorteilhaft, auch wenn die rein ertragswirtschaftliche Bedeutung der Esche für den Forstbetrieb längerfristig gering ausfallen wird.

Langfristige Bedeutung

Langfristig rechnet sich der Erhalt dieser Baumart, denn angesichts der Herausforderung des Klimawandels und der vielfältigen Eigenschaften, die die Esche auszeichnen, ist sie nach wie vor eine wertvolle Baumart. Zudem gibt es Anzeichen für bereits ablaufende Selektionsprozesse zu weniger anfälligen Individuen. In einer Studie wird der monetäre Verlust durch ein Verschwinden der Eschen im Bereich der Ökosystemleistungen auf über 45 Mio. € pro Jahr geschätzt.

Handlungsempfehlungen

Die beteiligten Forscherinnen und Forscher entwickelten als Handlungsempfehlung ein Konzept, das von Dr. Tim Burzlaff, FVA Freiburg, und Dr. Katharina Mausolf am Bungsberg erstmalig der Forstpraxis präsentiert wurde. Wichtige Bestandteile dieser Empfehlungen, über die die Forstabteilung der Landwirtschaftskammer gern weiter informiert, sind der Erhalt jeder geeigneten Altesche und die langfristige Entwicklung von Eschentrupps aus heranwachsenden Exemplaren.

Hinsichtlich älterer bis alter Eschen muss in der Zukunft gelten, dass diese grundsätzlich nicht mehr gefällt werden, soweit nicht einer der folgenden Gründe dies erfordert:

Innerhalb verkehrssicherungspflichtiger Bereiche besteht eine reale Bruch- und Wurfgefahr durch Schäden wie das Eschentriebsterben mit folgender Stammfußnekrose.

Außerhalb verkehrssicherungspflichtiger Bereiche ist der Erhalt des Baumes aufgrund einer erheblichen Stammfußnekrose praktisch ausgeschlossen, und eine Ernte ist technisch ohne Bodenschäden möglich und zusätzlich wirtschaftlich sinnvoll.

Die Nutzung aufgrund anderer Gründe wie der Ernte wertvollen Stammholzes, der Räumung von Flächen zur besseren Neukulturanlage oder Ähnlichem sollte auf jeden Fall unterbleiben – jede einzelne Esche zählt mittlerweile!

Junge Eschen, beginnend mit immer noch zu findenden Naturverjüngungen, sollten als Trupps bis Gruppen gezielt gefördert und herausgepflegt werden. Das bedeutet, dass auf Kleinflächen von etwa 5 bis 20 m Durchmesser andere Bäume wie vor allem Ahorn entnommen werden, die im oberen Drittel der Eschen für deren Kronenentwicklung eine Konkurrenz darstellen. Dabei darf es auch keine Rolle spielen, wenn ein Teil der so geförderten Jungeschen schon Symptome des Eschentriebsterbens aufweist. Diese Infektion erfolgt jährlich neu und kann von Jahr zu Jahr wechseln. Das übergeordnete Ziel ist es, einen gewissen Anteil an Eschen irgendwie zu erhalten, um deren Genpool für eine zukünftige Waldentwicklung zu retten. Nur so kann eine langfristige Anpassung der Eschen an den Erreger des Triebsterbens erfolgen.

Es steht außer Zweifel, dass dieses Vorgehen kurz- bis mittelfristige Kosten verursacht, indem einerseits ein erhöhter Pflegeaufwand entsteht und andererseits möglicherweise wertvolle Bäume anderer Arten zugunsten auch durch Triebsterben gezeichneter Eschen geopfert werden. Daher wird empfohlen, auch nur einen Trupp je Hektar als „Eschen-Keimzelle“ herauszupflegen. Auf der übrigen Fläche dominieren dann andere Baumarten, und infizierte Eschen können entweder der Konkurrenz unterliegen oder im Zweifel auch in Pflegeingriffen zugunsten anderer Arten entfernt werden. Um die Langfristigkeit dieser Maßnahme sicherzustellen, kann es sinnvoll sein, die „Eschen-Keimzellen“ zu markieren und zu dokumentieren.

Mittel- bis langfristig wird diese Erhaltungsmaßnahme durch die Pflanzung genetisch selektierter, möglichst resistenter Eschenzüchtungen aus Samenplantagen ergänzt werden. Bis dieses Vermehrungsgut in ausreichender Zahl zur Verfügung steht, wird es nach Expertenmeinung aber noch einige Jahre bis Jahrzehnte dauern.

Eindrücke aus der Praxis

Im Anschluss präsentierte Ulf Köhn Waldbilder der Herzoglich Oldenburgischen Forstverwaltung, die durch das Eschentriebsterben geprägt sind. Dabei wurde zunächst deutlich, dass die seit Generationen nach den Grundsätzen der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft bewirtschafteten Wälder des Betriebs durch ihre intensive Mischung an Baumarten und Altersstufen zwar unter dem Verlust der Esche leiden, aber es zu keinen ausgedehnten Kahlflächen durch den Ausfall einer Baumart kommt. Auf einigen Versuchsflächen des Projektes „FraDiv“ konnte zum einen eindrucksvoll gezeigt werden, wie vielfältig die Fauna und Flora, insbesondere die Pilzwelt, selbst in kleinen Eschengruppen ist. Dies gilt auch, wenn die Fläche diverse weitere Baumarten bis hin zu eingeführten Nadelbaumarten aufweist. Zum anderen zeigen umfangreiche Langzeitversuche, welche Mischungen anderer Baumarten sich als forstwirtschaftlicher Ersatz der Esche eignen können. Dabei spielen die Flatterulme und der Spitzahorn eine besondere Rolle – aber auch die kleinstandörtliche Abhängigkeit des Baumwachstums wurde deutlich.

Erbgut der Esche erhalten

Auch die oben beschriebenen Eschen-Naturverjüngungstrupps konnten gefunden und an deren Ausprägung die weitere Behandlung diskutiert werden. Allerdings sind solche Ausgangssituationen deutlich seltener als gemischte Verjüngungen, in denen nur einzelne Eschen vorkommen. Umso wichtiger ist es, eschendominierte Bereiche zu finden und zu erhalten. In einem eindrucksvollen Eschen-Saatgutbestand wurde auch die Möglichkeit diskutiert, durch den Gewinn von Propfreisern das besonders wertvolle Erbgut dieser Bäume zu erhalten oder Eschensaat über einen jahrzehntelangen Zeitraum durch Tiefkühlung zu erhalten.

Fazit

Auch wenn die Exkursion keine großflächigen Ausfälle ganzer Eschenbestände umfasste – die Kernaussage der Veranstaltung kann auch auf solche Katastrophenflächen übertragen werden: Erhalt jeder Esche mit Überlebenschance, Finden und Fördern möglicher Eschen-Verjüngungsgruppen und Ergänzung durch trupp- bis gruppenweise eingebrachte, standortgerechte Ersatzbaumarten bei gleichzeitigem Erhalt der Bodenstruktur, Pilz-, Pflanzen- und Kleintierwelt. Wer heute noch auf Ausfälle von Eschen durch radikale Entnahmen mit nachfolgender flächiger Bodenbehandlung reagiert, handelt im Sinne der Waldökosysteme schlicht unverantwortlich.

Alles für Jäger, Angler, Griller und Gartenfreunde

„Das war eine Jagd-, Angel- und Outdoormesse, die sich sehen lassen konnte“, freute sich Wolfgerd Jansch von den Holstenhallen in Neumünster über das Ergebnis der dies­jährigen Outdoor-, Jagd- und Naturmesse. „Tolle Atmosphäre und ein vielseitiges Angebot. So macht Messe Spaß“, meinten Besucher.

Auch die Partner vom Dänischen Jagdverband waren begeistert. „So eine Wohlfühlmesse hätten wir auch gern“, lobten die Dänen. Kaum verwunderlich, denn das Angebot war nicht nur breit gefächert, sondern auch reichlich und fachlich anspruchsvoll. Das reichte von der Green Screen Tour der Naturfilmer am Freitag bis hin zu jagdpolitischen Ausblicken auf dem Landesjägertag oder, verbunden mit der Landestrophäenschau, zu Einblicken in das Leben heimischer Rothirsche und ihre Probleme im Lebensraum zwischen den Meeren.

Fröhlich und gelassen ging es in der Halle der Jagdhundezüchter und -verbände zu. Neben spannenden kleinen Vorführungen gab es viel Gelegenheit, sich bei den Verbandsmitgliedern und -vertretern Rat und Auskunft zu den einzelnen Rassen vom Teckel bis zum Deutsch Drahthaar zu holen.

Entspannte Stimmung herrschte auch am Stand der Frauen aus dem Jägerinnenforum. „Immerhin – von den 17.745 Mitgliedern im Landesjagdverband sind inzwischen 2.801 Frauen, Tendenz steigend“, freute sich Jägerin Elena Kruse.

Geballte Frauenpower am Stand des Jägerinnenforums (v. li.): Elena Kruse, Anke Svensson, Sophie Götsch, Miriam Olschewski und Svea Niemann

Angebot für Freizeit, Jagd und Angeln

Neben dem teilweise hochkarätigen Angebot der Jagdausrüster und Zubehörlieferanten durften sich die Angler über manches Schnäppchen bei den Ausstattern für das nasse Hobby freuen. „Angeln hat seit Corona einen durchaus spürbaren Aufschwung genommen“, meinte der Geschäftsführer des Landesangelverbands, Robert Vollborn. Mit einem Zuwachs von rund 4.000 Anglern zählt der Verband jetzt 44.000 Mitglieder.

Alexandra und Jan Ohle aus Mölln zog es zum Biwak in Wald und Natur – natürlich nur auf erlaubtem Gebiet, verriet das Paar im Gespräch mit Martin Eckelmann (r.).

Viel Geld konnten Besucher und Outdoorfreunde bei den Ausstattern der Wohnmobile, den Lieferanten von schicken Autodachzelten, Quads mit Motorsägenhalterungen oder vierrädrigen Geländeboliden und kraftstrotzenden E-Bikes loswerden.

Zum Luftholen und zu gemütlichen Pausen luden die Grillstände auf dem Außengelände ein. Dort gab es am Sonnabend mit den offenen Grillmeisterschaften und den vom Grill-Klub „Schwale Barbecue“ mitveranstalteten Landesmeisterschaften im Grillen am Sonntag zwei weitere Höhepunkte im Messeprogramm.

Landespflanzenbörse mit alten Obstsorten

Besonders die Nachfrage nach Obstbäumen alter Sorten war riesig.
Fotos: Ralf Seiler

Bei den Jägern durften sich die Besucher über das Angebot der Landespflanzenbörse freuen. „Dieses Jahr reißen uns die Besucher besonders die alten Obstbaumsorten fast aus der Hand“, freute sich der Vorsitzende Dennis Dürrbaum aus der Kreisjägerschaft Neumünster, der mit seinen freiwilligen Helfern die Betreuung und Beratung übernommen hatte. Neben den alten Obstbaumsorten gab es mit rund 15.000 Pflanzen jede Menge Wildsträucher und Bäume für das heimische Revier. 

Marktkommentar

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Die Preisbildung an vielen Märkten ist weniger direkt von Angebot und Nachfrage abhängig, sondern eher von der Nachrichtenlage. So sorgen zum Beispiel Wettermeldungen aus bestimmten Regionen dafür, dass Spekulanten an den Börsen ihre Anlagen in eine bestimmte Richtung lenken. Auch Krisen und Konflikte sorgen für Preisausschläge an den Rohstoffmärkten. Auch am Rohölmarkt werden die weltweiten Krisen aufmerksam beobachtet. Waren es zuvor eher die Meldungen aus dem Ukraine-Krieg, blickt man an den Börsen jetzt eher Richtung Naher Osten. Mit der Not vieler Menschen werden somit an den Börsen Geschäfte gemacht.

Der Weltmarktpreis für Rohöl ist Anfang Mai deutlich gesunken. Am 6. Mai wurden etwa 82,0 US-$/ bbl notiert, während Anfang April der Kurs noch bei zirka 90,0 US-$/bbl lag. Trotz dieses Preisrückgangs liegt der Rohölpreis noch über der Vorjahreslinie. An den Tankstellen hierzulande reduzierte sich der Dieselpreis auf zirka 1,65 €/l. Auch die Heizölkurse gaben nach und liegen mittlerweile deutlich unter der Marke von 1,0 €/l. Damit bewegen sich die Spritpreise auf einem Neunmonatstief. Der Preisrückgang der Vorwoche ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in Kairo ernsthaft über einen Waffenstillstand für den Gaza-Streifen verhandelt wurde. Zum Wochenbeginn zeigt sich jedoch, dass eine Waffenruhe vorerst nicht zu erwarten ist. Die Kriegsparteien bleiben unversöhnlich. Es ist wieder zu Kampfhandlungen gekommen. Bei einem Scheitern der Waffenstillstandsverhandlungen für Gaza dürfte es mit den Ölpreisen kräftig nach oben gehen. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen kündigen Angriffe auf Schiffe im Mittelmeer an. Auf der anderen Seite wird erwartet, dass die Opec-Staaten ihre begrenzte Rohölförderung beibehalten. Trotz aller Bestrebungen, den Verbrauch von Rohölprodukten zu drosseln, erwarten Marktbeobachter auch für dieses Jahr eine weltweit nochmals steigende Ölnachfrage. Dabei blieb die Ölnachfrage aus China in diesem Jahr bislang unter den Erwartungen. Dagegen ist der Ölverbrauch der USA weiterhin sehr hoch, obwohl die US-Notenbank die Zinsen vorerst auf einem hohen Niveau stehen lässt.

Ein weiterer Punkt, der einen möglichen Preisrückgang bremsen könnte ist, dass Lieferungen aus Russland zunehmend unterbunden werden. Über zwei Jahre nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine greifen weitere EU-Sanktionen gegen Moskau. Schon seit Anfang Dezember darf bereits kein russisches Rohöl mehr per Tanker in die EU eingeführt werden, seit Anfang Januar verzichtet Deutschland auf Importe über die Pipeline Druschba. Ab Anfang Mai will die EU auch keine Raffinerieprodukte wie Diesel, Benzin oder Schmierstoffe mehr aus Russland abnehmen. Dies könnte vor allem den hiesigen Dieselmarkt beeinflussen. Rund 12,5 % seines Verbrauchs deckte Deutschland laut Branchenverband bislang aus Russland – trotz des Ukraine-Kriegs. Ersatz komme aus den USA, Westeuropa und dem arabischen Raum. Marktexperten erwarten jedoch keine drastischen Preissprünge. Das seit Langem angekündigte Embargo hat dafür gesorgt, dass die Lagertanks mit Diesel aufgefüllt wurden. Damit wird vorerst mit einem ausreichenden Angebot gerechnet.

Marktlage – für die Woche vom 6. bis 12.5.2024

Getreide: Die anhaltende Trockenheit in Südrussland und den südlichen Plains in den USA hat die Weizenpreise weiter unterstützt.

Raps: Raps gewann in Paris, weil anhaltende Regenfälle in Frankreich die Ertragsaussichten dämpften.

Futtermittel: Die festeren Tendenzen an den internationalen Getreidebörsen hatten höhere Preise für Futtergetreide zur Folge.

Kartoffeln: Angebot und Nachfrage hielten sich am heimischen Speisekartoffelmarkt weiterhin die Waage. Für Premiumware aus dem Kistenkühllager waren Preisaufschläge üblich.

Schlachtrinder: Im Handel mit Jungbullen wurde von einem ausgeglichenen Markt ohne saisonale Preisschwäche berichtet.

Schlachtschweine/-sauen: Mit der schöneren Witterung waren am deutschen Schlachtschweinemarkt lebhaftere Absatzimpulse zu verzeichnen.

Ferkel: Das etwas größere Angebot wurde rege von Mästern nachgefragt.

Milch: An den Märkten für Milch- und Molkenpulver setzten sich die ruhigen Tendenzen fort.

Schlachtlämmer/-schafe: Die Nachfrage nach Lämmern und Lammfleisch war saisonal bedingt durchweg ruhig.

Markttendenz – für die Woche vom 13. bis 19.5.2024

Getreide: Mehrere Marktexperten senken die russische Weizenernteprognose um mehrere Millionen Tonnen.

Raps: Raps wird unterstützt vom dicken Plus bei Sojabohnen, nachdem heftige Überschwemmungen in Brasilien die Erntearbeiten stoppten.

Futtermittel: Auch Sojaschrot wird deutlich höher bepreist, den Sojabohnen folgend.

Kartoffeln: Das durch die Spargelsaison bedingte rege Interesse sorgt derzeit für zusätzliche Impulse.

Schlachtrinder: Der Bedarf an Jungbullen der Haltungsform 3 kann nur knapp gedeckt werden, gezahlt werden 25 ct/kg über der Empfehlung für QS-Tiere aus konventioneller Herkunft.

Schlachtschweine/-sauen: Die Nachfrage nach Kurzbratartikeln und nach Grillwurst profitiert von den deutlich gestiegenen Temperaturen.

Ferkel: Die Vermarktung verläuft zügig. Es können für alle Ferkelpartien leicht Abnehmer gefunden werden.

Milch: Butter wird ruhig bis rege nachgefragt, Schnittkäse wird kontinuierlich gut nachgefragt.

Schlachtlämmer/-schafe: Die ausgeglichene Marktlage mit stabilen Preisen setzt sich fort.

Unsicherheit auf den EU-Agrarmärkten bleibt

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Die landwirtschaftlichen Betriebe in der EU befinden sich weiterhin in einer schwierigen Lage. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Bericht der EU-Kommission zu den EU-Agrarmärkten hervorgeht, stellen vor allem die Inputkosten nach wie vor ein Problem dar. Immer noch liegen die Preise für die meisten Vorleistungen deutlich über dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Das gilt vor allem für Dünger, Energie und Futtermittel.

Große Unsicherheiten für die Landwirte ergeben sich durch den Klimawandel, der unvorhersehbare Extremwetterereignisse wahrscheinlicher macht, durch die geopolitischen Konflikte und durch wirtschaftliche Faktoren wie die gestiegenen Zinssätze und erhöhten Arbeitskosten. Laut Kommission sind auch die Lebensmittelpreise nach wie vor hoch. Zusammen mit den getrübten Aussichten für das allgemeine Wirtschaftswachstum sei daher die Hoffnung auf eine sich erholende Verbrauchernachfrage begrenzt.

Der EU-Agrarpreisindex lag der Kommission zufolge zuletzt unter dem Niveau von 2022. Dieser Rückgang sei aber noch nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden. Während sich der Verbraucherpreisindex der EU seit März 2023 stabilisiert habe, liege er aber gegenüber 2015 noch um 43 % höher. Besonders stark war laut der EU-Behörde der Anstieg mit 65 % beziehungsweise 69 % in Polen und Litauen.

Mehr Getreide als 2023/24

Für das Wirtschaftsjahr 2024/25 rechnet die Kommission in der EU mit einer Getreideerzeugung von voraussichtlich 278,5 Mio. t. Dies wäre im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 3 %. Dabei werde vor allem von besseren Erträgen ausgegangen. Zum Außenhandel stellten die Brüsseler Beamten fest, dass die EU-Getreideeinfuhren 2023/24 um rund 17 % über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen dürften. Betont wurde, dass eine verbesserte Logistik im Zuge des Schwarzmeerkorridors die Lieferung von ukrainischem Getreide in Drittstaaten erleichtern würde.

Zur EU-Produktion von Ölsaaten und Eiweißpflanzen erklärte die Kommission, dass diese voraussichtlich steigen werde. Verantwortlich hierfür sei die erwartete Zunahme der Erntemengen von Sojabohnen, Felderbsen und Dicken Bohnen.

Das Rohmilchangebot in der EU wird 2024 nach der Kommissionsprognose leicht zunehmen, und zwar um 0,4 %. Maßgeblich hierfür ist die höhere Milchleistung, denn der Milchkuhbestand dürfte leicht abnehmen. Derweil entwickelten sich die EU-Käseproduktion und der Käseexport nach wie vor stark und könnten 2024 weiter steigen, erklärte die Behörde. Auch die Butterausfuhren könnten bei einem stabilen Inlandsverbrauch zulegen.

Geflügel weiter im Aufwind

Zum EU-Fleischmarkt hielt die Kommission fest, dass wenig überraschend der Trend bei den Verbraucherpräferenzen weg vom Rindfleisch und hin zum Geflügel anhalte. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Rindfleisch in der EU sank 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 % auf 9,7 kg. Der Verbrauch dürfte 2024 weiter sinken, die Kommission veranschlagt das Minus auf 2,8 %. Parallel dazu dürfte aber auch die Rindfleischproduktion in der EU weiter abnehmen, was die Rindfleischpreise stützen würde.

Die Schweinefleischerzeugung in der EU verzeichnete mit einem Minus von 6,6 % im Jahr 2023 einen noch stärkeren Rückgang. Dieser wird sich 2024 nach der Vorhersage der Kommission allerdings verlangsamen. Die Nachfrage nach Geflügel als billigerer Proteinquelle ist derweil nach wie vor hoch. Der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch stieg 2023 um 3 % und soll 2024 um weitere 2 % zunehmen. age

Blattläuse und andere ungeliebte Insekten

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Blattläuse, Getreidehähnchen, Sattelmücken und Weizengallmücken zählen zu den bedeutendsten Schädlingen im Sommer- und Wintergetreide. Sie sind nahezu in jedem Frühjahr und Sommer in den Getreidebeständen in Schleswig-Holstein zu finden. Einen ertragswirksamen Schaden haben diese Schädlinge in den vergangenen Jahren aber nur in wenigen Fällen verursacht.

Der folgende Artikel stellt Insekten vor:

Blattläuse

Der Zuflug geflügelter Getreideblattläuse, vor allem der Großen Getreideblattlaus, der Bleichen Getreideblattlaus sowie der Haferblattlaus, erfolgt oft erst ab Mitte Mai. Nach sehr milden Wintern und einem warmen Frühjahr ist ein früherer Zuflug möglich. Ob sich dann ein bekämpfungswürdiger Befall entwickelt, hängt in erster Linie von der Witterung und dem Vorkommen natürlicher Gegenspieler ab.

Marienkäfer gehören zu den bedeutendsten Gegenspielern der Blattläuse. Sowohl die Käfer als auch die Larven (im Bild zu sehen) fressen gleichermaßen große Mengen an Blattläusen. Es können über mehrere Wochen hinweg mehr als 100 Blattläuse täglich sein.
Rothalsiges Getreidehähnchen
Blaues Getreidehähnchen
Nach Zuflug, Reifungsfraß und anschließender Paarung der Käfer erfolgt die Ablage der ovalen, goldglänzenden Eier an der Blattoberseite der obersten Blätter der Getreidekulturen.
Streifenförmiger Fensterfraß entlang der Blattadern durch die Larven. Da die Schäden optisch sehr leicht auffallen, wird der Schaden meist überschätzt.

Sind natürliche Gegenspieler nicht in ausreichendem Maße vorhanden und herrschen gleichzeitig günstige Witterungsbedingungen (Temperaturen um 20 °C, geringe Sonneneinstrahlung, keine zu heißen Temperaturen von über 30 °C und keine Starkniederschläge), können sich Blattläuse rasant vermehren und größere Kolonien bilden. Bei Massenauftreten können durch Saugschäden (vor allem an Fahnenblatt beziehungsweise Ähre/Rispe) Ertragsdepressionen im Getreide resultieren. Im Sommergetreide besteht zusätzlich die Gefahr der Übertragung von Getreideviren (zum Beispiel Gelbverzwergungsvirus) durch die Blattläuse.

Ob ein Blattlausbefall im Getreide bekämpfungswürdig ist, kann nur durch regelmäßige Bestandeskontrollen sicher beurteilt werden. Werden im Sommer- und Wintergetreide ab Ende Ährenschieben (Saugschädigung) mindestens 30 % befallener Ähren und Fahnenblätter oder eine Blattlaus pro Ähre und Fahnenblatt festgestellt, ist die Bekämpfungsschwelle für einen Insektizideinsatz erreicht. Daneben sollten aber noch weitere Kriterien bezüglich eines Einsatzes von Insektiziden einbezogen werden, beispielsweise das Auftreten von Nützlingen wie zum Beispiel Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen und Schlupfwespen. Sind diese natürlichen Gegenspieler vorhanden, ist auch ein höherer Befall an Blattläusen zu tolerieren.

Wenn ab Blühbeginn ausschließlich Blattläuse zu bekämpfen sind, ist der Einsatz der nützlingsschonenden Präparate Pirimor G (200 g/ ha) oder Teppeki (0,14 l/ ha) unbedingt zu bevorzugen (keine Pyrethroide zur alleinigen Blattlausbekämpfung). Pirimor G wirkt bei höheren Temperaturen über die Dampfphase und erfasst daher auch versteckt sitzende Blattläuse. Der gleiche Effekt wird aufgrund einer teilsystemischen Wirkung beim Einsatz von Teppeki erzielt. Dieses Präparat verfügt über eine gute Dauerwirkung und es wirkt zudem sehr selektiv. Wird die Bekämpfungsschwelle der Blattläuse bei noch niedrigen Temperaturen vor der Weizenblüte überschritten und sind gleichzeitig in größerer Anzahl Getreidehähnchen, Sattel- oder Weizengallmücken anwesend, ist grundsätzlich der Einsatz breit wirksamer Pyrethroide (zum Beispiel Karate Zeon) zu empfehlen.

Die Bekämpfung der Blattläuse als Virusvektoren im Sommergetreide sollte mit einem zugelassenen Pyrethroid mit der Indikation „Blattläuse als Virusvektoren“ erfolgen, aber erst dann, wenn mindestens 10 % der Pflanzen ab dem Ein- bis Zweiblattstadium des Sommergetreides bis Ende des Ährenschiebens befallen sind.

Überschreitungen der Bekämpfungsschwellen und damit einhergehende insektizide Gegenmaßnahmen blieben in den vergangenen Jahren die Ausnahme.

Getreidehähnchen

Zu unterscheiden sind das Rothalsige und das Blaue Getreidehähnchen. Der Zuflug der Käfer erfolgt meist Ende April bis Ende Mai, wobei warme und trockene Frühjahrs- und Sommerwitterung für die Vermehrung und Eiablage förderlich sind. In diesem Jahr wurde aufgrund der sehr hohen Temperaturen in der ersten Aprilhälfte ein sehr früher Zuflug beobachtet.

Nach der Paarung legen die Weibchen einzelne ovale, goldglänzende Eier auf der Oberseite der jeweils obersten Blätter in Getreidekulturen ab. Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven aus den Eiern, die dann den eigentlichen Schaden durch den typischen streifenförmigen Fensterfraß entlang der Blattadern verursachen. Alle Winter- und Sommergetreidekulturen werden befallen, am häufigsten jedoch Winter- und Sommerweizen, Hafer und Sommergerste.

Eine Bestandskontrolle auf Ei- und Larvenbesatz sollte ab ES 39 erfolgen. Die Fraßschäden durch die Larven der Getreidehähnchen werden häufig überschätzt. Eine Bekämpfung ist nur in seltenen Fällen notwendig, wobei unterschiedliche Bekämpfungsschwellen in den Getreidearten zu beachten sind (Wintergetreide: ein Ei/eine Larve je Fahnenblatt oder 10 % zerstörte Fahnenblattfläche; Sommergetreide: ein Ei/eine Larve auf jedem zweiten Fahnenblatt; Hafer: ein Ei/eine Larve je Fahnenblatt). Bei Überschreitung der Bekämpfungsschwelle sollte eine Behandlung mit einem zugelassenen Pyrethroid mit Indikation „Getreidehähnchen“ oder „beißende Insekten“ erfolgen.

Sattelmücke

Sattelmücken sind meist standorttreue Schädlinge im Getreide, wobei Kulturen auf schweren beziehungsweise tonhaltigen Böden mit Vorjahresbefall besonders gefährdet sind. Sattelmückenjahre mit massiven Larvenbefall an den Getreidehalmen sind häufig schon viele Jahre her, Ertragseinbußen von über 50 % waren keine Seltenheit.

Sattelmücke bei der Eiablage (li.), schnurförmiges Eigelege (Mitte) und typische sattelartige Querwülste am Halm durch die Saugtätigkeit der Larven (r.)

Die Verpuppung der Larven erfolgt im Frühjahr im Boden, wobei Trockenheit der wichtigste Begrenzungsfaktor ist. Meist in der zweiten Maihälfte unter warmfeuchten Bodenbedingungen schlüpfen die Sattelmücken aus dem Boden. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier blattober- und blatt­unterseits in Schnüren parallel zu den Blattadern ab. Nach einer Woche schlüpfen die Larven, dringen in die Blattscheide ein, wandern halmabwärts und beginnen oberhalb eines Halmknotens zu saugen. Durch die Saugtätigkeit entstehen die typischen sattelartigen Querwülste an den Getreidehalmen. Hieraus kann bei Starkbefall ein Steckenbleiben der Ähren zum Ährenschieben resultieren.

Weizengallmücke an einer Weizenähre – unter günstigen Bedingungen (windstille, schwülwarme Witterung) legen die Weibchen ihre Eier hinter den Deckspelzen ab.
Den eigentlichen Schaden verursachen die Larven der Weizengallmücke, welche nach dem Schlupf damit beginnen, an der Kornanlage zu saugen.
Nach früher Eiablage zum Ährenschieben des Weizens können Kornausfälle, Schmachtkörner und ein geringeres Tausendkorngewicht die Folge sein.

Ab Ende Juni wandern die Larven in den Boden ab. Alle Winter- und Sommergetreidekulturen können befallen werden. Besonders gefährdet sind Winter- und Sommerweizen sowie Sommergerste. Auf Verdachtsflächen sollten ab Anfang Mai der Flugbeginn beziehungsweise das Vorkommen der Sattelmücke mittels Gelbschalen überwacht und kontrolliert werden. Bestandeskontrollen sind spätestens ab Mitte Mai durchzuführen und die Pflanzen auf mögliche schnurförmige Eigelege an den Blättern zu untersuchen. Bei Überschreitung der Schadschwelle (20 bis 30 % Getreidehalme mit Eigelege oder fünf Eier je Halm) sollte ein zugelassenes Pyrethroid mit Indikation „Sattelmücke“ beziehungsweise „Zweiflügler“ zum Einsatz kommen.

Der Insektizideinsatz richtet sich sowohl gegen die erwachsenen Sattelmücken als auch gegen die schlüpfenden Larven, die den Wirkstoff beim Abwandern unter die Blattscheide aufnehmen. Die Anwendung muss zwingend vor dem Schlupf der Larven, spätestens fünf bis sieben Tage nach Auffinden erster Eigelege erfolgen.

Weizengallmücke

Weizengallmücken sind standorttreue Schädlinge. Alle Winter- und Sommergetreidekulturen können befallen werden, jedoch sind Winter- und Sommerweizen besonders gefährdet. Häufig ab Mitte Juni schlüpfen die Mücken aus dem Boden vorjähriger Befallsflächen. Die Eiablage erfolgt an der Ähre. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven saugen an der Kornanlage, woraus Kornausfälle, Schmachtkörner und ein geringeres Tausendkorngewicht (TKG) resultieren. Nach drei bis vier Wochen wandern die Larven in die oberste Bodenschicht ab und überwintern dort. Ein hohes Schadpotenzial ist jedoch nur bei frühem Auftreten der Weizengallmücken zum Ährenschieben (ES 51-59) und bei gleichzeitig günstigen Bedingungen (windstille, schwülwarme Witterung) gegeben.

In den vergangenen Jahren fand der Hauptzuflug meist erst ab der Vollblüte des Winterweizens statt und hielt teils deutlich bis nach der Blüte an. Zu diesem Zeitpunkt kann sich allerdings der Sommerweizen im empfindlichen Stadium des Ährenschiebens befinden, daher ist hier größere Vorsicht geboten. Selbst wenn der Hauptzuflug der Weizengallmücken zum Ährenschieben des Sommer- oder Winterweizens erfolgt, spielen die Witterungsbedingungen noch eine entscheidende Rolle für die Vermehrung und Eiablage. Da die nur zirka 2 mm großen Weizengallmücken zur Eiablage die Ähre aufsuchen müssen, sind sie sehr anfällig gegenüber Wind und Regen. Für eine intensive Eiablage benötigen die Weibchen über mehrere Tage trockenes und windstilles Wetter.

Zur Kontrolle von Schlupfbeginn (Auftreten) und Befallsstärke der Weizengallmücke können Pheromonfallen genutzt werden, die einen Sexuallockstoff enthalten, der paarungsbereite männliche Weizengallmücken anlockt. Wenn sich während des Ährenschiebens über 100 Weizengallmücken in der Pheromonfalle befinden, ist die Schadschwelle überschritten. Eine Kontrolle des Auftretens kann auch durch Auszählen der Eier legenden Mücken an den Ähren an windstillen Abenden erfolgen (Schadschwelle: eine Mücke je Ähre), wobei sich das Ausmaß des Auftretens aber deutlich schwerer abschätzen lässt.

Schäden durch Weizengallmücken lassen sich am sichersten durch eine einmalige Insektizidbehandlung mit zugelassenen Pyrethroiden mit der Indikation „Weizengallmücke“ beziehungsweise „Zweiflügler“ vermeiden. Die Behandlung sollte in warmen und windstillen Abendstunden erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Aktivität der Mücken besonders hoch. Ziel ist es, die Eiablage an der Ähre zu verhindern.

Auf Flächen mit regelmäßigem Auftreten der Weizengallmücke ist der Anbau resistenter Winter- und Sommerweizensorten empfehlenswert.

Fazit

Auch wenn Blattläuse, Getreidehähnchen, Sattelmücken und Weizengallmücken dazu in der Lage sind, Ertragsverluste im Winter- und Sommergetreide zu verursachen, sollte ein prophylaktischer Insektizideinsatz unbedingt unterbleiben. Um gegen die auftretenden Getreideschädlinge gezielt vorgehen zu können, sind regelmäßige Bestandeskontrollen unbedingt erforderlich. Ein Insektizideinsatz sollte dann nur nach Überschreitung der Bekämpfungsschwelle/Schadschwelle erfolgen.


Übersichtstabellen zu Insektiziden

Aktualisierte Übersichtstabellen zu den derzeit zugelassenen Insektiziden in den Getreidekulturen nebst Anwendungsbestimmungen und Auflagen (zum Beispiel Abstände zu Oberflächengewässern, Bienenschutz) sind auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer unter www.lksh.de aufgeführt. Über folgenden Pfad sind die Dokumente auf der Internetseite zu finden: Startseite > Landwirtschaft > Pflanzenschutzdienst > Pflanzenschutz aktuell > Informationen des Pflanzenschutzdienstes > Pflanzenschutzmittel-Zulassungen

Aktive Belüftung für Leistung und Tiergesundheit

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Typischerweise werden Milchviehställe durch eine Trauf-First-Lüftung belüftet. Besonders im Sommer sind der Luftaustausch und die Temperaturabsenkung oft unzureichend, was zu einem Rückgang der Futteraufnahme bei den Kühen und damit zu niedrigerer Milchleistung sowie Fruchtbarkeitsproblemen führen kann. Um die Belüftung zu verbessern, können sowohl technische als auch bauliche Maßnahmen ergriffen werden.

Auf vielen Betrieben wird die natürliche Belüftung durch benachbarte Gebäude wie den Melkstand mit Wartehof, das Güllesilo, Fahrsiloanlagen oder Anbauten für den Milchtank deutlich beeinträchtigt. Ähnliches gilt, wenn der Stall nicht quer zur Hauptwindrichtung ausgerichtet ist. Bei älteren Ställen ist aufgrund geringerer Traufenhöhen oft weniger Luft im Stall vorhanden. Zudem ist dieser Bereich nicht selten ganz oder teilweise mit einer Mauer verschlossen. Die geringe Belüftung führt dazu, dass die erforderliche Luftwechselrate häufig nicht erreicht wird. Dies kann unter anderem zu Kondenswasserbildung im Dachraum führen, was wiederum Schäden am Bauwerk verursachen kann, wie Pilzbefall am Holz oder schwarze Ablagerungen am Ständerwerk.

Wärmegedämmte Dächer tragen besonders im Sommer dazu bei, den Wärmeeintrag durch das Dach zu reduzieren.

Die Wohlfühltemperatur der Milchkuh liegt im Bereich von 5 bis 15 °C. Kann eine Kuh ihre Körperwärme nicht ausreichend an die Umgebung abgeben, kommt es zu Hitzestress beim Tier. Dieser kann an einer erhöhten Atemfrequenz erkannt werden, wobei ein Wert von 30 bis 50 Atemzügen pro Minute als normal gilt. Je höher die Atemfrequenz, desto größer ist der Hitzestress. Dies führt zu einer geringeren Futteraufnahme, was wiederum zu niedrigerer Milchleistung, erhöhten Zellzahlen und vermehrten Fruchtbarkeitsproblemen führt. Insgesamt wird die Kuh anfälliger für Krankheiten.

Die Trauf-First-Lüftung funktioniert aufgrund der Temperaturunterschiede zwischen innen und außen. An warmen, windstillen Tagen kommt die freie Lüftung über Thermik oft zum Erliegen, wodurch die von den Tieren produzierte Wärme kaum noch an die Umgebung abgegeben werden kann. In solchen Fällen ist es oft sinnvoll, die Wärmeabgabe durch Ventilatoren zu fördern, um das Wärmepolster auf der Haut zu durchbrechen.

Bauliche Aspekte

Liegt eine Giebelseite des Stalls in Hauptwindrichtung, sollte über Lochbleche im Giebelbereich die Luftzuführung verbessert werden. Offene, hohe Traufen und eine entsprechend dimensionierte Firstentlüftung sorgen für eine gute Belüftung, wobei der Dachüberstand nicht zu kurz sein sollte, um einen Sonnenschutz für die äußere Liegeboxenreihe zu gewährleisten. Helle und wärmegedämmte Dächer sind vorteilhaft, da der Wärmeeintrag durch das Dach im Sommer reduziert wird. Der Temperaturunterschied zwischen außen und innen ist dadurch größer, was eine bessere Thermik und erhöhten Luftaustausch zur Folge hat. Eine PV-Anlage auf dem Dach sorgt ebenfalls für eine vergleichbare Dämmwirkung. Lichtplatten sollten auf den Dachflächen mit südlicher und westlicher Ausrichtung vermieden werden, um eine direkte Sonneneinstrahlung auf die Tiere zu verhindern.

Optimal für einen effizienten Luftaustausch sind Milchviehställe mit hohen Traufen und ohne windbremsende Hindernisse. 

Einsatz von Ventilatoren

Durch den Einsatz von Ventilatoren werden die Luftgeschwindigkeit erhöht, der Luftaustausch gesteigert und der Kühlungseffekt verbessert. Luftgeschwindigkeiten von mindestens 2,0 m/s im Tierbereich sorgen bei Kühen für einen Kühlungseffekt, da die die Kuh umgebende Wärmeschicht zerstört wird. Im Vergleich dazu liegt die optimale Luftgeschwindigkeit im Kälberbereich bei unter 0,5 m/s. Das Zuschalten der Ventilatoren und deren Steuerung sollten temperaturabhängig und automatisch erfolgen.

Bei hohen Temperaturen suchen die Kühe aktiv angenehme, kühlere Bereiche im Stall auf. Der Liegebereich ist besonders wichtig, da sich die Tiere hier am längsten aufhalten sollen. Um angenehme Bedingungen durch angepasste Luftgeschwindigkeiten zu gewährleisten, sind mehrere Ventilatoren erforderlich. Deckenventilatoren mit großen Durchmessern, die häufig mittig über dem Futtertisch (Dachraum) angebracht werden, drücken die Luft nach unten und von dort nach außen. Hindernisse wie Aufkantungen am Fressgitter oder Liegeboxenabtrennungen können Verwirbelungen verursachen und die Luftgeschwindigkeit reduzieren, wodurch der Kühlungseffekt deutlich geringer ist. Oft wird die erforderliche Luftgeschwindigkeit zur Abkühlung von mindestens 2,0 m/s nur unterhalb des Ventilators (Durchmesser) erreicht.

Axial-Ventilatoren sollten mit einem Neigungswinkel von 15 bis 25° installiert werden.
Eine wirksame Abkühlung der Tiere wird durch Luftgeschwindigkeiten von über 2 m/s erreicht.

Axial-Ventilatoren (Durchmesser zirka 1,20 m) haben eine Wurfbreite von zirka 4 bis 5 m und erreichen Wurfweiten bis zu 20 m. Durch die Anordnung der Ventilatoren in Längsrichtung über den Liegeboxenreihen mit einem Abstand von 15 bis 20 m und einem Neigungswinkel von 15 bis 25° wird ein guter Kühleffekt erzielt. Werden die Ventilatoren hingegen über den Laufgängen platziert, führt dies dazu, dass diese Bereiche zusätzlich ausgetrocknet werden, während der Kühlungseffekt im Liegebereich der Kühe nahezu ausbleibt. Für einen gleichmäßigen Luftstrom sollten die Axial-Ventilatoren fixiert (nicht pendelnd) eingebaut werden und nicht entgegen der Hauptwindrichtung (natürliche Lüftung) ausgerichtet sein. Aber auch Hindernisse wie zum Beispiel Kraftfutterabrufstationen oder Ständerwerk im Liegeboxenbereich bremsen den Luftstrom aus. Hier sind einzelbetriebliche Lösungen zu suchen. Ab einer Höhe von 2,70 m (Ventilatorunterkante) über der Standfläche ist kein Schutzgitter am Ventilator erforderlich. Schutzgitter reduzieren die Leistung des Ventilators um bis zu 30 %, insbesondere wenn sie verschmutzt sind. Je höher die Lufttemperatur im Stall, desto höher ist die erforderliche Drehzahl der Ventilatoren zur Sicherstellung ausreichender Luftgeschwindigkeiten zur Abkühlung. Vielfach laufen die Ventilatoren in einem Leistungsbereich von 10 bis 80 %. In diesem Bereich und bei langen Laufzeiten sind EC-Motoren beziehungsweise eine Frequenzsteuerung sinnvoll. Sie reduzieren die Stromkosten und rechtfertigen damit vielfach die höheren Investitionskosten.

Die Steuerung der Ventilatoren sollte temperaturabhängig und automatisch erfolgen.

Kosten und Nutzen

Um eine effektive aktive Lüftungsunterstützung sicherzustellen, wird ungefähr ein Axialventilator mit einem Durchmesser von etwa 1,20 m für jeweils 20 Kühe beziehungsweise Kuhplätze benötigt (Mittelwert aus Einzel- und Doppelliegereihe). Die Investitionskosten je Lüfter liegen im Bereich von 2.500 €, einschließlich EC-Motor oder Frequenzsteuerung sowie Einbau. Die jährlichen Kosten belaufen sich daher auf ungefähr 20 € pro Kuh. Hinzu kommen Stromkosten von etwa 25 € (50 bis 80 kWh Strombedarf je Kuh). Die Gesamtkosten liegen im Bereich von 45 € pro Kuh und Jahr und sind oft deutlich geringer als der Nutzen allein durch die höhere (nicht abgefallene) Milchleistung.

Kühlung mit Wasser

Durch den Einsatz von Wasser zur Befeuchtung über Verneblungs- oder Berieselungsanlagen wird der Kühlungseffekt zusätzlich erhöht. Allerdings ist die Luftfeuchtigkeit vielfach ein limitierender Faktor. Bei Werten von über 70 % sollte der Einsatz von Wasser zur Befeuchtung vermieden werden. Eine Wärmeabgabe durch die Kühe ist dann nicht mehr möglich (Saunaeffekt). Die wichtigste Maßnahme zur Reduzierung von Hitzestress im Milchviehstall besteht darin, ausreichend hohe Luftgeschwindigkeiten am Tier zu gewährleisten.

Fazit

In Milchviehställen wird die Luftgeschwindigkeit und damit der Luftaustausch durch den Einsatz von Ventilatoren erhöht. Luftgeschwindigkeiten von über 2,0 m/s bewirken einen Kühlungseffekt und eine Verringerung der Wärmebelastung für die Tiere. Dies ist besonders wichtig in „verbauten“ und älteren Ställen, wo die natürliche Belüftung bereits bei niedrigen Temperaturen nicht ausreicht. In vielen Fällen sind die Kosten für Technik und Strom niedriger als der Nutzen allein durch die höhere beziehungsweise nicht abgefallene Milchleistung. Bei Neubauten sollten auch die Möglichkeiten der Wärmedämmung des Stalldaches in Betracht gezogen werden.