Die Züchter haben lange darauf gewartet: Endlich ist der Pferdenachwuchs da und tobt über die norddeutschen Weiden.
Insbesondere auf gedrillten Flächen ist ersichtlich, wie viele Betriebe oder Lohnunternehmen schon lange auf Spurführung und Lenksysteme am Schlepper setzen (siehe folgendes Foto). Häufig wird dann von GPS gesprochen. Dabei ist GPS nur eines von weltweit mehreren Globalen Navigations-Satelliten-Systemen (GNSS). GPS hat sich ähnlich wie beispielsweise „Tempo“ für das Papiertaschentuch in der Gesellschaft zum Synonym der GNSS entwickelt. Es gibt nämlich neben dem amerikanischen (GPS) auch ein europäisches (Galileo), ein russisches (Glonass) und ein chinesisches (Beidou) Satellitensystem. Die Systeme bestehen aus mehreren Satelliten im Orbit.
Um eine Positionsbestimmung mit dem Schlepper auf dem Feld oder auch dem Handy im Straßenverkehr zu ermöglichen, wird ein Satellitenempfang zu mindestens vier beziehungsweise bei GPS sechs der Satelliten des GNSS benötigt. Dabei wird die Position durch eine sogenannte Laufzeitmessung bestimmt – die Zeit, die das Signal vom Empfänger (Lenksystem am Schlepper oder Handy) zum Satelliten und wieder zurück benötigt. Dadurch, dass die Laufzeit zu mehreren Satelliten gemessen wird, deren Positionen bekannt sind, kann auf die Position des Schleppers beziehungsweise des Handys auf der Erde geschlossen werden.
Problematisch ist hierbei nur, dass die Zeitmessung nanosekundengenau sein muss, um eine Positionsbestimmung auf wenige Meter zu erreichen. Durch verschiedene Störfaktoren, insbesondere aufgrund der atmosphärischen Schichten, die das Satellitensignal durchdringt, wird die Laufzeit jedoch verfälscht. Dadurch ist die Standortgenauigkeit beim Handy beispielsweise immer nur auf wenige Meter genau möglich. In der Landwirtschaft, insbesondere zur Aussaat, ist jedoch eine Genauigkeit im Zentimeterbereich vonnöten, damit das Lenksystem einen tatsächlichen Mehrwert ausspielt. Hierfür muss das Satellitensignal mithilfe von Korrektursignalen berichtigt werden.
GNSS-Korrektursignale können sowohl satellitenbasiert als auch über Mobilfunk bereitgestellt werden. Satellitenbasierte Korrektursignale sind etwa die von John Deere angebotenen StarFire-I-, StarFire-II- und StarFire-III-Signale. Hierüber kann eine Genauigkeit von 10 bis 15 cm (SF I) bis zu 3 cm (SF III) erreicht werden. Die Korrektur erfolgt über geostationäre Satelliten, die sich aufgrund ihrer Geschwindigkeit im Idealfall stets über demselben Punkt auf der Erdoberfläche befinden. Diese Signale sind flächendeckend verfügbar, können jedoch beispielsweise an Waldrändern abgeschirmt werden.
Das gängigste Korrektursignal ist RTK (Real Time Kinematic). Hierfür wird ein Netz an Referenzstationen genutzt, die am Boden fest installiert sind. Dadurch liegen für jede Referenzstation exakte Koordinaten vor. Aufgrund der stets unveränderten Position können die Fehler in der Laufzeitmessung der Satellitenortung berechnet werden. Die Position des Schleppers wird somit zunächst über Satellitenempfang bestimmt.
Zeitgleich wird über Mobilfunk eine Verbindung zum RTK-Netzwerk der Referenzstationen aufgebaut. Hierüber wird eine Position des Schleppers innerhalb des Netzwerks bestimmt, worüber das GNSS-Signal korrigiert werden kann. Aufgrund dessen wird mit RTK eine Genauigkeit von 2,5 cm erreicht.
Um RTK nutzen zu können, wird jedoch eine Mobilfunkverbindung zur Datenübertragung ins Netzwerk der Referenzstationen benötigt. Folglich hängt die Genauigkeit der Spurführung mit RTK vom Mobilfunkempfang ab. In Gebieten, die nur sehr weitmaschig mit Mobilfunkmasten ausgestattet sind, könnte der Empfang für die exakte Spurführung nicht ausreichen.
In Schleswig-Holstein steht das Sapos-Korrektursignal des Landesamts für Vermessung und Geoinformation mittlerweile kostenfrei zur Verfügung. Somit fallen für die Nutzung des RTK-Signals keine weiteren Kosten an. Es wird lediglich eine SIM-Karte mit einem Mobilfunkvertrag für den Schlepper benötigt.
In Deutschland gibt es vier Mobilfunknetze: das D1-Netz von Telekom, das D2-Netz von Vodafone, das O2-Netz von Telefónica und das 1&1-Netz von 1&1. Folglich ist es egal, welcher Mobilfunkanbieter genutzt wird, die Datenübertragung läuft stets über eines der vier Mobilfunknetze.
Die Mobilfunkverträge am Markt unterscheiden sich im genutzten Mobilfunknetz, dem Datenvolumen, der Datengeschwindigkeit und selbstverständlich im Preis. Die Tabelle zeigt beispielhaft, wie stark sich Mobilfunkverträge mit wenig Datenvolumen zwischen verschiedenen Anbietern sowohl in der Leistung als auch im Preis unterscheiden. Doch wie viel Datenvolumen und welche Datengeschwindigkeit werden für den Schlepper benötigt, um RTK zu nutzen?
Selbst die Mobilfunkverträge mit dem geringsten Datenvolumen können bedeutsame Kosten im Monat hervorrufen – erst recht, wenn mehrere Schlepper auf dem Betrieb mit RTK fahren und eine SIM-Karte benötigen. Bei vielen Anbietern besteht auch die Möglichkeit, eine MultiCard zu nutzen. Dann laufen auf einer Telefonnummer mehrere SIM-Karten. Bei der Telekom kostet dies beispielsweise 19,95 € pro SIM-Karte. Doch wie groß muss das Datenvolumen überhaupt sein, und wird eine Geschwindigkeit von mehr als 300 MBit/s wirklich benötigt?
Tatsächlich ruft das Sapos-Signal etwa 2 MB/h ab. Folglich sind Datengeschwindigkeiten von mehreren 100 MBit/s gar nicht nötig. Die RTK-Nutzung ist selbst mit gedrosselter Datengeschwindigkeit von 64 kBit/s möglich, die sich häufig nach aufgebrauchtem Datenvolumen einstellt.
Netzclub ist deutschlandweit der einzige Mobilfunkanbieter, der eine kostenlose SIM-Karte mit freiem Datenvolumen von 200 MB anbietet. 200 MB wäre für jedes private Handy wohl eindeutig zu wenig, ist für einen Schlepper aber allemal ausreichend, insbesondere da nach aufgebrauchtem Datenvolumen die Datengeschwindigkeit lediglich auf 64 KBit/s gedrosselt wird – genügend für RTK.
Unter https://www.netzclub.net können kostenlos ein Account angelegt und eine SIM-Karte bestellt werden. Nach wenigen Werktagen ist die SIM-Karte postalisch zugestellt und kann in einem Videotermin rund um die Uhr mithilfe des Personalausweises verifiziert und aktiviert werden. Anschließend muss die SIM-Karte nur noch im SIM-Karten-Slot des Satellitenempfängers auf dem Schlepper eingesetzt werden (siehe Foto links), und die präzise Arbeit kann beginnen.
Netzclub finanziert sich über Werbeeinnahmen. Die Werbung wird entweder per SMS, MMS oder per E-Mail zugestellt. Laut Netzclub können bis zu 30 Werbebotschaften im Monat verschickt werden. Der Vorteil bei der Nutzung über den Schlepper ist jedoch, dass die Werbung über SMS und MMS nicht dargestellt werden kann. Somit erreichten uns im Rahmen unseres Testzeitraums lediglich etwa zwei Werbeanzeigen innerhalb von vier Monaten per E-Mail.
Für eine präzise Spurführung mit RTK benötigt der Schlepper eine SIM-Karte. Dabei sind die Leistungen der gängigen Mobilfunkverträge für die Nutzung völlig überzogen und führen zu vermeidbaren monatlich laufenden Kosten von mehr als 20 € je Schlepper. Netzclub bietet eine kostenlose SIM-Karte mit freiem Datenvolumen an.
In den meisten Streitkräften ist die Befehlstaktik das oberste Prinzip, in der Bundeswehr die Auftragstaktik. Was ist der Unterschied? Kurz gesagt beschreibt der Befehl den Weg zum Ziel. Der Auftrag benennt das Ziel und gibt Freiheiten bei der Wahl des Weges. Die Auftragstaktik übergibt den Handelnden im Feld Verantwortung für den Erfolg und basiert auf dem Prinzip der Inneren Führung, das die Soldaten zum eigenständigen Denken auffordert. Das setzt Kompetenz voraus. Die Grundsätze von Befehl und Gehorsam bleiben natürlich erhalten. Die Bundeswehr ist kein Debattierklub.
In weiten Teilen der Politik und teils auch in der Verwaltung hat die Befehlstaktik heute Priorität, und sie zieht eine immer engere Führung von Wirtschaft und Gesellschaft nach sich. Unter der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hat Brüssel etwa 100 Umweltgesetze verabschiedet, also fast zwei pro Monat. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne)
fährt mit seiner Novelle des Tierschutzgesetzes die Tierhaltung an die Wand, mit dem Zukunftsprogramm Pflanzenschutz den Ackerbau. In Schleswig-Holstein treibt der Maßnahmenplan zur Antibiotikareduzierung Blüten. Dokumentation und Kontrolle erscheinen inzwischen wichtiger als die Arbeit selbst.
Wir fahren im abgesicherten Modus. Beim PC funktionieren in diesem Modus nur noch grundlegende Funktionen. In unserer Wirtschaft funktioniert immer weniger. Große Unternehmen wandern aus. Kleine gehen nicht pleite, sie hören nur auf zu produzieren.
Das Schlimmste ist: Die Politik meint es gut. Sie ist der festen Überzeugung, dass sie dem Bürger hilft, wenn sie ihn möglichst eng führt. Denn so macht er ja weniger falsch. Man kann in dieser engen Führung aber auch ein Demokratiedefizit sehen. Der Autor Harald Martenstein fasst die Lage in harte Worte: „Der Zwilling des autoritären Staates ist der Staat als Alleskümmerer, ein Moloch, der meint, für jedes Detail und winzigste Ungerechtigkeiten zuständig zu sein, und dabei vor Bäumen den Wald nicht mehr sieht. So einem Staat sehen wir gerade bei seiner Entstehung zu.“
Wir haben ein Problem: Eine zu enge Führung der Wirtschaft verhindert echten Aufbruch. „Breit fahren, schmal denken“ – mit diesem Motto walzt der politische Panzer nicht nur die Wirtschaft platt. Dem britischen Historiker Niall Ferguson zufolge gab es mehrere Gründe, warum Europa ab 1450 Großreiche wie China überholte: eine freie Wissenschaft, medizinische Erfolge und das christliche Arbeitsethos, der harte Konkurrenzkampf. Eine politische Befehlstaktik gehörte nicht dazu. Die gab es damals im kaiserlichen China.
Politik ist selten „im Feld“ tätig. Die überhebliche Ansicht, man wisse es am grünen Tisch besser als im Grünen, ist falsch. Es wird Zeit, dass die Politik zur Auftragstaktik zurückehrt, auf die Innere Führung der Beteiligten vertraut und Verantwortung abgibt an die, die die Schlacht um die Zukunft Europas schlagen. Das Erkennen des Problems ist auch hier der erste Schritt zu seiner Lösung.
Auf dem Deutschen LandFrauentag 2024 gehörten drei Schleswig-Holsteinerinnen zu den LandFrauen, die auf die große Bühne in der Wunderino-Arena gebeten wurden. Vor 5.000 Teilnehmenden nahm die ehemalige Präsidentin des LandFrauenverbandes SH, Ulrike Röhr, mit der Goldenen Biene die höchste Anerkennung des dlv entgegen. Die besondere Auszeichnung symbolisiert persönlichen Einsatz für Staat und Gesellschaft sowie einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn.
Geehrt wurden auch LandFrauen, die sich mit innovativen Ideen im ländlichen Raum erfolgreich selbstständig gemacht haben. Darunter auch Sina Steensen aus Stedesand/Trollebüll , die als Unternehmerin des Jahres 2024 ausgezeichnet wurde. Sie sei mutig in die Direktvermarktung eingestiegen – und das mit Erfolg, hieß es in der Laudatio. Die Trollebüller Eiscremerei wurde erst im März 2023 eröffnet und vertreibt heute bereits an Hofläden, den Einzelhandel, Automaten und Gastronomiebetriebe. Einen Film über sie gibt es unter https://t1p.de/uivsl dlv
Dritte im Bunde ist Ingrid Sattler. Sie war mehr als 20 Jahre Mitglied im Vorstand des LandFrauenverbands Friedrichstadt und zwölf Jahre als Vorsitzende tätig. Für ihr vielfältiges soziales Engagement wurde sie als LandFrau des Jahres 2024 ausgezeichnet.
Mächtige Wolkengebilde über Wattenmeer, Dünen oder Landschaften, Lichterglanz auf Meereswogen, Rinder im Morgendunst, filigran herausgearbeitete Pflanzen und Bäume, Bilder voller Kontraste und Farben, die an niederländische und flämische Landschaftsmaler des 17. bis 19. Jahrhunderts erinnern, wie Jacob Van Ruisdael, Meindert Hobbema, Willem Maris oder auch Vincent van Gogh – das ist die Handschrift von Saskia Boelsums.
Die malerische Landschaftsfotografie ist ihre Art, sich auszudrücken, ihre Empfindungen und Gefühle für den einen Moment in der Umgebung in bearbeitete Pixel zu wandeln und Stimmungen zu erschaffen, deren Bandbreite von mystisch, tiefgründig über malerisch überwältigend bis bunt und heiter reichen. Momentaufnahmen, in deren Vordergrund ihre persönliche Wahrnehmung und Interpretation einer Landschaft stehen. Ihre Leinwand sind ihre Fotografien, die sie mit der Kamera macht und die sie dann als Raw-Files in ihrem Studio künstlerisch nachbearbeitet – Pixel für Pixel, wochen-, manchmal monatelang. „Wenn mir die Farbe oder der Kontrast zum Beispiel von Grashalmen nicht gefällt, dann zeichne ich sie einzeln nach“, sagt sie. Dafür nutzt sie die einfachen Werkzeuge von Photoshop, wie den Stift. „Aber ich verwende keine Filter“, so Boelsums.
Sie selbst bezeichnet sich nicht als Fotografin, sondern nennt sich „einen bildenden Künstler mit einer Kamera“. Ihre Liebe zu Wolken und Wetterphänomenen begann bereits in der Kindheit. Als sie vier Jahre alt war, zog die Familie erst in den Iran, dann nach Curaçao. Im Iran lebte sie am Rand einer Wüste. Boelsums kann sich noch gut daran erinnern, wie sie mit ihrem Vater einen aufziehenden Sandsturm beobachtete. Ihre Leidendschaft für die niederländische Landschaft begann nach dem Studium mit dem Umzug von der Stadt aufs Land. Umgeben von der Natur wuchs in ihr der Wunsch, ihre Gefühle künstlerisch auszudrücken.
Die faszinierende Schönheit eines Granatapfels brachte sie zum Entschluss, die Technik des Fotografierens zu lernen und sie gab sich dafür vier Jahre Zeit. Boelsums begann, alles in ihrer Umgebung zu fotografieren, um dazuzulernen, vor allem Obst, „das wir im Anschluss gegessen haben, das war eine sehr gesunde Zeit“, bemerkt ihr Mann Peter Veen. Dann musste er für eine Serie von Porträts herhalten, um auch diese Technik zu lernen, „und wir sind immer noch zusammen“, bemerken beide lachend. Mit dem Besuch der Insel Texel begann ihre Landschaftsfotografie: „Da kam alles zusammen, was ich liebte“, so die Künstlerin.
Sie postete ihre Bilder auf Instagram und war zunächst enttäuscht davon, dass Instragram alle ihre Fotos in Quadrate umwandelte. „Das war schrecklich. Ich hatte so lange daran gearbeitet und dann dieses Format. Aber dann entschied ich mich, dass es ein interessantes Format sein könnte“, erzählt Boelsums. Und nun sind alle ihre Bilder quadratisch und dieses Format ihr Markenzeichen. Selbst ihre Visitenkarte ist ein Quadrat. Und hat sie selbst ein Vorbild? „So gefragt: Ich bin beeindruckt von der Technik Rembrandts.“ Weitere Informationen und Bilder unter stadtmuseum-schleswig.de und unter saskiaboelsums.nl
Mit dem guten Sakko im Gepäck reisten Malte und Matti mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein in die an der Spree gelegene Universitätsstadt im Süden Brandenburgs. Zur Delegation gehörten Vertreter aus dem Landesverband und den Kreisverbänden sowie die beiden Absolventen des diesjährigen TOP-Kurses der Andreas-Hermes-Akademie, Wiebke Frank und Johannes Krainbring.
Nach der Ankunft auf dem Messegelände in Cottbus gab es eine regionale Suppe und dabei gleich die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen. Anschließend eröffnete der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die Mitgliederversammlung. Es war für die Lajus spannend, seine Grundsatzrede live mitzuerleben. Diese baute auf den ereignisreichen vergangenen Wochen auf. Rukwied nannte die bisher erzielten Erfolge wie den Erhalt der Kfz-Steuer-Befreiung, der nur durch den gemeinsamen Protest habe erzielt werden können. Dabei lobte er, dass alle protestierenden Landwirte sehr lautstark, aber friedlich ihre Meinung zum Ausdruck gebracht hätten. Dieses Momentum müsse man nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, indem nun endlich der Bürokratieabbau eingeleitet werde und sich die Bauern wieder mehr der eigentlichen Arbeit auf den Betrieben widmen könnten.
Bei der anschließenden Wahl des Präsidiums erlebten die Lajus eine besonders große Geschlossenheit der Delegierten. Alle neu gewählten Kandidaten erhielten Zustimmungswerte über 80 %. Anschließend teilte sich die Versammlung zum Austausch in drei Foren zu den Themen „Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Biodiversität – Neue Auflagen oder Geschäftsmodelle“, „Zukunftsbauer – Stand & Chance Zukunftsbild der Landwirtschaft“ sowie „Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen – Bürokratie abbauen“.
Auf dem Weg zurück zur Unterkunft liefen die Lajus durch die sehr schöne Altstadt von Cottbus. Dabei fielen ihnen die zweisprachigen Straßenschilder auf. Neben den deutschen stehen die sorbischen Straßennamen, denn Cottbus liegt in der Niederlausitz und gehört zum Gebiet, in dem die Sorben als anerkannte Minderheit leben.
Auf der Abendveranstaltung, bei der Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu Gast war, wurde für die Neulinge von der Laju deutlich, wie wichtig der enge Kontakt zu Politik ist, damit die Belange der deutschen Landwirtschaft politisches Gehör finden.
Am zweiten Tag der Mitgliederversammlung wurde viel geschwiegen, sowohl während als auch nach der Grundsatzrede des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir (Grüne, siehe auch Ausgabe 27). Danach gelang es Vince Ebert, Diplom-Physiker und Kabarettist, die Stimmung wieder etwas aufzulockern.
Für die Landjugend war es etwas Besonderes, vom schleswig-holsteinischen Bauernverband zur Teilnahme am deutschen Bauerntag eingeladen worden zu sein. Das war eine gute Chance, Einblicke auf Bundesebene in den Agrarsektor zu bekommen. Dass das nicht in allen Landesverbänden üblich ist, zeigte sich bei der Verleihung des „Junglandwirt:innen-Gerds“. Immerhin sieben Landesbauernverbände waren ganz ohne junge Leute nach Cottbus gereist. „Wenn die junge Generation so wichtig ist, wie Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied es während seiner Grundsatzrede betont hat, braucht es diesen Pokal eigentlich nicht. Aber da ist noch Luft nach oben – innerhalb der agrarischen Interessenvertretungen, aber auch bei Veranstaltungen wie dem Deutschen Bauerntag“, betonte der Bundesvorsitzende der deutschen Landjugend, Lars Ruschmeyer, bei der Preisverleihung. Die Laju Schleswig-Holstein freut sich umso mehr, dass sich die Delegation aus dem Land zwischen den Meeren den dritten Platz sicherte, denn der schleswig-holsteinische Bauernverband war mit einer Delegation angereist, die zu 20 % aus landwirtschaftlichem Nachwuchs bestand. Vielleicht ein Ansporn, es in zwei Jahren sogar auf den ersten Platz zu schaffen. Mitarbeit: Matti Fleischer
„Wenn es den Tieren gut geht, geht es uns auch gut“ ist ein einfaches Prinzip für Heiko Brüggen, seine Lebenspartnerin Ulrike Baus und deren Sohn Philipp, die zusammen den Hof bewirtschaften. So haben sie sich schon früh für die Initiative Tierwohl entschieden, „obwohl das nie vergütet wurde, weil es für Rinder nie zu einem Programm kam“. Bis 2009 gab es auf dem Hof Milchviehhaltung, dann schaffen sie sie ab zugunsten von Bullenmast – heute 160 Mastplätze, 60 davon auf Stroh, nebenbei werden noch zehn Mutterkühe gehalten (Charolais). 2013 wurde der alte Milchviehstall um- und ein neuer gebaut, beide mit Haltungsstufe 3.
Einer der Ställe zum Großteil mit Gummimatten in den Liegeboxen beherbergt Mastrinder für ein Programm mit Kaufland. Der andere Stall ist der Strohstall für das Strohrind-Programm von Edeka Nord, in dem sich der Betrieb seit drei Jahren befindet – als einer von drei in Schleswig-Holstein. Dabei gibt es von dem Konzern den besagten Zuschlag. Voraussetzungen sind: mindestens 4 m2 pro Tier, Außenklima, GVO-freies Futter, freie Tränken, keine Milcheinkreuzungen bei den Rassen, kurze Entfernung zum Schlachthof – wobei Letzteres wegen Aufgabe des Schlachthofes Bad Bramstedt bedeutet: Danish Crown in Husum. Die meisten Absetzer kommen von einem Betrieb im Nachbarort Gönnebek – kurze Wege!
Das Paar ist im Beratungsring für Rindermast aktiv. Von den etwa 50 Mitgliedern sind es aber nur etwa 20, die die Rindermastberatung intensiv nutzen. Gute Fortbildung war und ist Voraussetzung für einen guten Mastbetrieb.
Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 230 ha, davon 86,5 ha Eigenland, auf dem Geestrücken. 210 ha sind Ackerland – Mais, Getreide, aber darunter 15 ha Lupinen, 6 ha Rotklee sowie 10 ha Blühwiesen. Der Rest, rund 20 ha, ist Grünland. „Wir hatten schon immer eine breite Fruchtfolge“, sagt Heiko Brüggen.
Im vierten Jahr bauen sie jetzt Lupinen an, die sie an ihre Rinder verfüttern. „Es ist eine schöne Sache, wenn man sein eigenes Futter hat und kein Rapsschrot zukaufen muss“, freut sich Ulrike Baus. Im ersten Jahr hatten sie Weiße Lupine angebaut mit 4,3 t/ha Ertrag. Dann haben sie es mit Blauer Lupine versucht – das ergab 1,1 t/ha, sodass sie wieder auf Weiße Lupine umstiegen. Für menschlichen Verzehr gibt es noch zu wenig Erfahrung, bisher ist der Alkaloidgehalt zu hoch. „Ein Pizzabäcker hatte Interesse, aber daraus wurde nichts“, so Heiko Brüggen. Vergangenes Jahr unternahmen sie zudem einen Versuch mit 5 ha Wintererbse, „die sind alle eingegangen, aber in ganz Deutschland“.
Dass sie gern experimentieren, ist offensichtlich. „Wir testen auch für andere Betriebe, die können unsere Erfahrungen nutzen“, meint Heiko. So sind sie seit zwei Jahren offizieller Demo-Betrieb für Lupinen im Verbund LeguNet – es gibt außerdem nur noch einen für Erbsen und einen für Bohnen in Schleswig-Holstein. Anfang Juli wurde dazu ein Feldtag in Willingrade veranstaltet, um dafür zu werben, mehr auf heimisches Eiweiß zu setzen. Dabei wurden unter anderem verschiedene Impfvarianten mit Knöllchenbakterien an Lupinen ausgewertet: mit Radicin, mit Torf und keine Impfung. Das Ergebnis: „Es waren keine Unterschiede in Wachstum und Ertrag zu sehen“, so Heiko Brüggen. Außerdem ging es um Unkrautbekämpfung, Sortenwahl, Schädlinge und Krankheiten.
In Sachen Erneuerbare Energien ist die Familie ebenfalls vorn dran. Auf dem Gelände wird eine 700-kW-Biogasanlage betrieben, an der Brüggen zu einem Drittel in einer GmbH beteiligt ist. Mit der Anlage werden eine Hähnchenmastanlage mit acht Ställen und 150.000 Mastplätzen eines anderen Gesellschafters beheizt sowie drei Wohnhäuser. Der Mist aus der Hähnchenmastanlage wird in der Biogasanlage verwertet. Wenn die EEG-Förderung 2028 ausläuft, möchte er mit der Gemeinde ein Programm entwickeln, damit die Anlage mit Nahwärme wirtschaftlich weiterlaufen kann. „Früher war Gas zu billig, jetzt ist die Bereitschaft größer“, sagt er. Ein Investor baut einen Solarpark auf dem Gelände, ein Windpark ist in Überlegung – „das kann man alles gut kombinieren“.
„ZukunftsBauer sind solche, die in die Zukunft denken“, so sieht es Ulrike Baus. „Wir erproben viel – Haltungsstufen, Lupinen, Erneuerbare Energien. Es geht darum: Wie kommt man als Betrieb weiter und schafft Sicherheit?“ In diesem Sinne sind viele Bauern in Schleswig-Holstein ZukunftsBauer, ob sie nun in der Arbeitsgemeinschaft mitwirken oder nicht. Die Familie Brüggen-Baus ist es allemal.