Um die Niederungen Schleswig-Holsteins auf die Herausforderungen des Klimawandels und weitere veränderte Rahmenbedingungen vorzubereiten, hat ein Projektbeirat aus Landwirtschaft, Naturschutz, Wasserwirtschaft, ländlicher Entwicklung und Gemeinden sowie des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums eine Strategie für deren Zukunft erarbeitet. Anlässlich seiner letzten Sitzung in Bergenhusen, Kreis Schleswig-Flensburg, stellte der Projektbeirat diese am Dienstag fertig. Mit ihr werden die Herausforderungen und der Rahmen für die zukünftige Entwicklung der Niederungen beschrieben.
Zudem hat die Landesregierung einen auf der Niederungsstrategie aufbauenden Handlungsplan beschlossen. Ziel ist, die Niederungen an die Herausforderungen des Klimawandels und der entwässerungsbedingten Geländesackungen anzupassen und zugleich die wirtschaftliche Nutzung weiterhin zu ermöglichen.
Etwa ein Fünftel der Landesfläche liegt unterhalb von 2,5 m NHN und zählt damit zu den Niederungen. Diese Gebiete prägen das Land und sind auf eine gut funktionierende Wasserwirtschaft angewiesen, um großräumige Überflutungen zu vermeiden und Bevölkerung und Infrastruktur zu schützen. So können die Niederungen bewohnt und bewirtschaftet werden. Heute müssen das Wassermanagement und in Teilen auch die Landnutzung an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden. Dazu zählen der Klimawandel und die fortschreitenden, entwässerungsbedingten Geländesackungen, die die Gebiete tendenziell nasser machen. Auch gesellschaftliche Ziele wie die Treibhausgasneutralität bis 2040 und der Biodiversitätsschutz machen Anpassungen nötig.
Gleichzeitig sind viele wasserwirtschaftliche Anlagen sanierungsbedürftig, für deren Betrieb die Wasser- und Bodenverbände zuständig sind. Viele dieser Anlagen wurden während des Programms Nord in den 1950er bis 1970er Jahren geplant und errichtet und müssen nun technisch angepasst werden. Bei der zukunftssicheren Gestaltung der Niederungen sollen die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen ebenso wie die landwirtschaftliche Produktion gesichert werden.
Anlässlich der letzten Sitzung des Projektbeirates erklärte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne): „Zusammen mit den Mitarbeitenden beider Ministerien leisten wir mit dieser Strategie einen wesentlichen Beitrag, um die Niederungen Schleswig-Holsteins zukunftssicher zu machen. Die Herausforderungen für die Niederungen sind groß: Der steigende Meeresspiegel macht die Entwässerung immer schwieriger, während große Teile der Niederungen immer tiefer sacken und vernässen. Gleichzeitig sind viele alte Schöpfwerke der Herausforderung kaum mehr gewachsen.“
Möglichkeiten zur Wertschöpfung notwendig
Das Landwirtschaftsministerium hat die Entwicklung der Niederungsstrategie sowie den Dialog mit den Betroffenen vor Ort begleitet. „Die Zukunft unserer Niederungen ist unweigerlich mit der Landwirtschaft verknüpft – etwa ein Fünftel der Landesfläche ist als Niederung definiert, 80 Prozent davon werden landwirtschaftlich genutzt. Die Niederungen sind somit Existenzgrundlage für viele landwirtschaftliche Betriebe und Familien und werden in großen Teilen seit Generationen bewirtschaftet. Klar ist aber auch: Der Klimawandel erfordert Anpassungen in den Regionen der Niederungen. Es ist daher zwingend erforderlich, gemeinsam mit den Betroffenen vor Ort im Dialog Lösungen zu entwickeln“, sagte Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU). Die Niederungsstrategie schaffe hierfür einen geeigneten Handlungsrahmen. Schwarz betonte, dass eine an Umweltzielen orientierte landwirtschaftliche Flächenbewirtschaftung in den Niederungen langfristig nur erfolgreich sein könne, wenn die Betriebe eine Möglichkeit zur Wertschöpfung hätten. Dafür müssten eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive und Planungssicherheit gewährleistet werden.
Mit dem vom Kabinett beschlossenen Handlungsplan sollen die Regionen nun befähigt werden, die Niederungsstrategie umzusetzen. Dafür benennt der Handlungsplan Maßnahmen, mit denen die Menschen in den Niederungen die Herausforderungen bewältigen können.
Angebote für die Landwirtschaft schaffen
„Gemäß dem Handlungsplan werden wir etwa mit den Wasser- und Bodenverbänden die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen der Schöpfwerke und wasserwirtschaftlichen Infrastruktur erarbeiten und prüfen, wie die Finanzierung auf eine breitere Basis gestellt werden kann“, erklärte Goldschmidt. Dazu gehöre, das Energiemanagement an den Schöpfwerken zu optimieren und alternative Lösungsansätze zu erproben. „Ein weiteres Beispiel ist, dass wir mit dem Landwirtschaftsministerium neue Vertragsmuster und Angebote für die Landwirtschaft schaffen, die eine bodenschonende, klimafreundliche und die Artenvielfalt fördernde Bewirtschaftung von Moor- und Marschböden fördern“, so der Umweltminister.
Die Niederungsstrategie des Projektbeirates ist abrufbar unter t1p.de/mnx5g und kann als Print-Version beim Land angefragt werden.
Eine Einordnung des Bauernverbandes Schleswig-Holstein folgt in der kommenden Ausgabe.
Hintergrund
Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten, Starkregen, Trockenheit oder Moorsackungen: Der Klimawandel stellt die Niederungsgebiete vor zunehmende Herausforderungen. Im Juni 2023 veröffentlichte das Land eine Förderrichtlinie für die Niederungen, mit der es vielversprechende Projekte vor Ort unterstützt. Gefördert werden Akteure, die Teile ihrer Niederungsgebiete an die Folgen des Klimawandels anpassen. Zuwendungen können etwa Projekte erhalten, die die Anpassung von wasserwirtschaftlichen Anlagen wie Schöpfwerken und Sielen planen, Maßnahmen zum Wasserrückhalt in der Landschaft erarbeiten und umsetzen oder die Nutzungen in Einzugsgebieten an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen.




