Start Blog Seite 124

Großer Erfolg der Fleischrinder-Auktion 2025

0

Die Fleischrinder-Auktion 2025 in der Vermarktungshalle der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG (RSH eG) in Dätgen bewies erneut die hohe Qualität der Fleischrinderzucht in Schleswig-Holstein. Inzwischen fand die Auktion zum dritten Mal am neuen Standort statt, und am 1. März konnten Besucher von nah und fern vor Ort begrüßt werden. Und auch während der Auktion schalteten viele Zuschauer online ein, um die Auktion zu verfolgen. 21 Zuchtbetriebe nahmen mit ihren Tieren an der Veranstaltung teil, sodass über 30 Fleischrinderbullen sowie 18 weibliche Tiere aus fünf verschiedenen Rassen im Rahmen der Hybrid-Auktion mit Liveübertragung aus dem Ring unter den Hammer kamen.

Am Vorabend der Auktion konnten alle Bullen ihre Qualität bei der Verbandsanerkennung unter Beweis stellen, bevor in den Rasseblöcken die Körsieger herausgestellt wurden. Alle Besucher und Beschicker ließen den Abend dann im Anschluss bei Klönschnack, Bier, Burgunderbrötchen, Kraut und Remoulade ausklingen. Erfreulich war, dass schon am Freitag eine Vielzahl überregionaler Besucher vor Ort war. Am Sonnabend begann der Tag mit einem spannenden Wettbewerb der Jungzüchter, bevor die Bullen von Thore Kühl dem Publikum nochmals vorgestellt wurden. Pünktlich um 13 Uhr konnte der Auktionator Claus-Peter Tordsen vor vollen Rängen mit der Auktion beginnen.

Ausgewogene Limousins

Bei den Limousins sicherte sich „Sparky vom Schauedamm“ von Thomas Henningsen, Hürup, gekört mit den Traumnoten 8-9-8, den Titel des Körsiegers und trat damit in die Fußstapfen seines dänischen Vaters „Randers Sand i Ego“, der ebenfalls mit 8-9-8 gekört wurde. Besonders beeindruckend war die Fruchtbarkeit seiner Mutter- und Großmutterlinie, die bereits fünf beziehungsweise neun Kälber mit hervorragenden Aufzuchtleistungen hervorgebracht hatten. Bei der Auktion erzielte er einen Verkaufspreis von 4.300 €.

Der Reservesieger aus der Limousin-Kollektion kam von Kirsten Hahn aus Moorsee und gehörte zu den ersten Nachkommen des französischen Bullen „Piano“, der für seinen ausgewogenen Typ und leichte Geburten bekannt ist. Er zeigte sich in hervorragendem Rassetyp mit einer exzellenten Beckenpartie und wurde mit 9-8-8 gekört. Seine Mutter „Aria“ wurde auf der Landesschau prämiert und überzeugte mit überdurchschnittlichen Aufzuchtleistungen. Der Bulle erreichte einen Verkaufspreis von 4.500 €.

„Joel vom Schauedamm“, ein „James“-Sohn, war der Topseller der Auktion und wechselte für 5.200 € den Besitzer. Als homozygot hornloser Bulle mit einem RZF von 113 und einer beeindruckenden Abstammung überzeugte er mit den Körnoten 8-8-8.

Der Topseller aus dem Stall von Thomas Henningsen, Hürup, „Joel vom Schauedamm“, wechselte für 5.200 € den Besitzer. Foto: Claus-Henning Tordsen

Gefällige Angus

Auch die Angus-Kollektion wusste zu gefallen. Der Siegerbulle „Tamme von Hof Kamerun“ von Willi Göttsche, Hennstedt, beeindruckte nicht nur mit den Körnoten 9-9-8, sondern auch mit seiner Abstammung: Auf der Vaterseite standen viel britische Genetik und der bekannte Altmeister „Transformer“, während über die Mutterlinie „KEA Tassilo“ für weitere Qualität sorgte. Der Bulle, der zusätzlich den Rotfaktor trägt, wurde für 4.800 € zugeschlagen. Der Reservesieger der Angus, „ML Explorer“, zeigte sich mit viel Rassetyp und einer erstklassigen Bemuskelung in roter Fellfarbe. Er ist ein Halbbruder des Topsellers von Dätgen 2024. Mit einem Verkaufspreis von 3.600 € fand der mit 8-9-7 gekörte Bulle bei zügigen Geboten einen Käufer.

Beeindruckendes Fleckvieh

Besonders beeindruckend war der Rassesieger der Rasse Fleckvieh. Mit einer beeindruckenden Entwicklung, einem RZF von 111 und konstanten Tageszunahmen von über 1.600 g zeigte „Hani“ von Axel Erichsen, Sollwitt, sein Potenzial. Mit 8-9-8 gekört, verfügte er über eine langlebige Genetik mit dänischem Einfluss und wurde für 3.500 € verkauft. Der Reservesieger „Herbert“ aus demselben Stall präsentierte sich, mit 8-8-8 gekört, als ausgeglichener Bulle und war zusätzlich homozygot hornlos.

Herausragende Charolais

Bei den Charolais-Bullen entstammte der Siegerbulle „Joris“ einer fruchtbaren Mutter- und Großmutterlinie von Thorsten Jensen, Högel. Sein Vater „Jakobus“ war besonders in der Kreuzungszucht gefragt. Sein Stallgefährte und Reservesieger Charolais „Marc“ überzeugte durch seine Abstammung: Sein Großvater „Milord“ wurde mit 9-8-8 bewertet, während die Mutterlinie mit exzellenten Zwischenkalbezeiten aufwarten konnte. Der teuerste Charolais-Bulle der Auktion kam von Frank Albrecht aus Tetenhusen und war erst zehn Monate alt, zeigte aber bereits eine herausragende Entwicklung. Sein Vater „Jacco“ kombinierte fruchtbare Kuhlinien mit französischer Genetik, was ihm einen Verkaufspreis von 3.100 € einbrachte.

Der Jugend gehört die Zukunft! Als Jungzüchterin ist Gesa Schneidereit gestartet und inzwischen werden auch Auktionsbullen gekonnt präsentiert. Foto: Melanie Knorr

Erstmals Shorthorn dabei

Schleswig-Holstein steht für Rassevielfalt. So konnte in Dätgen erstmals auch ein Shorthorn-Bulle aufgetrieben werden – und was für einer! Der mit 9-8-8 gekörte „Nordmann“ vereinte Besamungsgenetik aus Großbritannien mit einer dänischen Kuhlinie und war zudem homozygot hornlos. Mit einem Verkaufspreis von 2.800 € wurde auch hier ein hervorragendes Ergebnis erzielt.

Blonde d´Aquitaine-Kuh

Auch die weiblichen Tiere zeigten hohe Qualität, und so konnte der Auktionator eine weitere Belebung des Marktes feststellen. Die weibliche Kollektion wurde von der Blonde d‘Aquitaine-Kuh „Polly vom Landhof“ angeführt, die von der WilMar Geestrind GbR zum Verkauf angeboten wurde. Die tragende, mit 7-8-7 bewertete Kuh erzielte mit 2.700 € einen Spitzenpreis.

Das teuerste weibliche Tier der Limousin-Kollektion war „Flieder“, ein landesschauprämiertes, homozygot hornloses Rind von Kirsten Hahn aus Moorsee. Sie wurde für 2.850 € nach Brandenburg verkauft.

Fazit

Die Auktion 2025 unterstrich einmal mehr die hohe Qualität der Fleischrinderzucht in Schleswig-Holstein. Besonders stark nachgefragt waren genetisch hornlose Bullen mit hohen Zuchtwerten und langlebiger Genetik. Starke Besucherzahlen, viele Online-Gebote und Käufer, engagierte Jungzüchter, viele neue Beschicker sowie zahlreiche Aussteller landwirtschaftlicher Dienstleistungen und Maschinen rundeten die Veranstaltung ab.

Beprobung der Ackergrasbestände hat begonnen

0

Mit dem einsetzenden Frühjahrswachstum auf den Grünlandflächen beginnt die diesjährige Reifeprüfung Grünland, ­erster Schnitt der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Ziel ist es, die Terminfindung für den ersten Schnitt zu erleichtern. Daher werden ab jetzt wöchentlich die aktuellen ­Ertrags- und Qualitätsdaten von verschiedenen Ackergras- und Dauergrünlandbeständen aus unterschiedlichen Regionen Schleswig-Holsteins ­veröffentlicht.

Die Reifeprüfung beginnt mit der ersten Mitteilung und endet, sobald auf Grundlage der Analyseergebnisse der optimale Schnittzeitpunkt, gekennzeichnet durch einen Rohfasergehalt (XF) von 23 % in der Trockenmasse (TM), prognostiziert werden kann.

Ergänzend zu den wöchentlichen Mitteilungen im Bauernblatt werden umfangreiche Analysedaten der jeweiligen Standorte über das Grünlandportal der Landwirtschaftskammer zur Verfügung gestellt. Dieses ist entweder online unter www.gruenlandportal-sh.de abrufbar oder kann über die Smartphone-App „Grünlandportal SH“ eingesehen werden. Die App ist in allen gängigen App-Stores kostenfrei erhältlich.

Vielfältige Standorte und Bestände

Für die diesjährige Reifeprüfung werden insgesamt 25 Bestände beprobt, darunter neun Ackergras- und 16 Dauergrünlandflächen. Die Bestände verteilen sich auf sechs Regionen in Schleswig-Holstein (siehe Übersicht 1).

Während die Ackergrasbestände in der Regel durch Deutsches oder Welsches Weidelgras als dominierende Art geprägt sind, sind die Dauergrünlandflächen deutlich artenvielfältiger. Ihre Zusammensetzung wird maßgeblich durch natürliche Standortbedingungen, das jeweilige Grünlandmanagement sowie die Nutzungsintensität bestimmt.

Detaillierte Informationen zur botanischen Zusammensetzung und zur erfolgten Düngung sowie weitere Standort-, Boden- und Bestandsdaten sind ebenfalls über das Grünlandportal abrufbar.

Erste Beprobung der Ackergrasbestände

Zum Auftakt der Reifeprüfung wurden in der vergangenen Woche zunächst die Ackergrasflächen beprobt. Aufgrund der gewählten Arten und Sorten sind diese bereits etwas fortgeschrittener entwickelt als die Dauergrünlandflächen. Grundsätzlich befinden sich die Bestände aufgrund der anhaltend niedrigen Temperaturen sowie des bisher niederschlagsarmen Frühjahrs noch in einem frühen phänologischen Stadium.

Gleichzeitig spiegelt sich die aktuell trockene und kalte Witterung in einem verzögerten Wachstum der Pflanzen wider. Die TM-Erträge der Ackergrasbestände waren zum Zeitpunkt der Beprobung mit einem durchschnittlichen Ertragswert von 5,3 dt/ha regionsübergreifend gering. Niedrige Rohfasergehalte (durchschnittlich 12,6 % XF in der TM) und hohe Energiewerte (durchschnittlich 7,9 MJ NEL kg/TM) deuten ebenfalls auf noch junge Aufwüchse in frühen Entwicklungsstadien hin. Auch zum kommenden Wochenende werden weiterhin nur marginale XF- und TM-Zunahmen bei gleichbleibend hohen Energiegehalten prognostiziert.

Die Tabelle zeigt einen Überblick über weitere ausgewählte Qualitätsparameter, die insbesondere für die spätere Silierung und Fütterung von Bedeutung sind, die Übersicht 2 zeigt die Entwicklung der Rohfasergehalte und der Energiekonzentrationen der Ackergrasbestände der unterschiedlichen Regionen.

Ausblick: Nach der ersten Beprobung der Ackergrasaufwüchse begann in dieser Woche ebenfalls die Beprobung der Dauergrünlandbestände. Erste Analyseergebnisse, einschließlich der Prognosen, sind ab Anfang kommender Woche im Grünlandportal verfügbar.

Alle Ergebnisse finden sich auch online unter: https://t1p.de/sso1f

Hinweis

Entgegen der Ende 2024 überarbeiteten Versorgungsempfehlung für Milchkühe der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) wird für die diesjährige Reifeprüfung noch die Einheit MJ NEL/kg Trockenmasse zur Darstellung des umsetzbaren Energiegehalts der Aufwüchse verwendet.

Den Start in die erste Laktation leichter gestalten

0

Mit der ersten Kalbung endet das Leben als Jungrind und der Alltag einer Milchkuh beginnt. Diese Umstellung stellt für Färsen zuerst einmal eine enorme Belastung dar und die Umgewöhnung fordert Zeit. Auf der anderen Seite wird von dem Tier erwartet, hohe Milchleistungen zu erbringen. Verschiedene Managementanpassungen können dabei helfen, den Färsen den Einstieg in die Laktation zu erleichtern.

Färsen stehen in der Herde im Rang unter den älteren Kühen. Diese Rangfolgen führen dazu, dass die Altkühe die Färsen vom Fressplatz, von der Tränke oder vom Liegeplatz vertreiben, wenn sie selbst gerade diese Ressource nutzen wollen. Dadurch sinken Futter- und Wasseraufnahme der Färsen und auch Liegezeit und Wiederkaudauer nehmen ab. Dies hat direkt einen negativen Einfluss auf die Milchleistung der Tiere. Zusätzlich führen diese Störungen bei den Färsen zu anhaltendem Stress, was gesundheitliche Nachteile mit sich bringt. Stoffwechselstörungen und Euterentzündungen können dann eher auftreten.

Färsengruppen schaffen

Diese Gründe sprechen für eine Trennung der Herde in unterschiedliche Altersgruppen. Sind die Färsen unter sich, herrscht deutlich mehr Ruhe in den Gruppen und die Tiere sind entspannter.

Eine reine Färsengruppe kann zum Beispiel gut in einem älteren Stallbereich mit schmaleren Liegeboxenmaßen eingerichtet werden. Besonders große Liegeboxen würden bei einer solchen Gruppe stärker verschmutzt werden, sodass die Boxenmaße ohnehin angepasst werden müssten. Ist ein solches Stallabteil bereits vorhanden, kann es mit einer Färsengruppe sinnvoll genutzt werden, ohne dass größere Umbaumaßnahmen notwendig sind. Auch die Fütterung kann speziell an die Bedürfnisse der Erstlaktierenden angepasst werden. Da Färsen meist eine geringere Milchleistung und eine geringere Futteraufnahme aufweisen als Altkühe, kann dies bei der Rationsgestaltung berücksichtigt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist es, die Färsen nur in der Frühlaktation von der Herde zu trennen, sollte die Gruppenaufteilung anders nicht möglich sein. Sind die Färsen bereits wieder mit dem zweiten Kalb tragend und die Milchleistung sinkt bereits, können sie auch in die Niederleistungsgruppe zu den tragenden Kühen integriert werden. Die Färsen sind nun bereits etwas stabiler und in einer Gruppe hochtragender Tiere herrscht zumeist mehr Ruhe. Die Integration, besonders von mehreren Tieren zeitgleich, läuft hier oft entspannter ab und es entstehen weniger negative Folgen bei den Färsen. 

Bereits im Abkalbebereich sollten Färsen unter sich sein. Auf diese Weise können sich die Tiere in aller Ruhe auf die Geburt und die anstehende Laktation vorbereiten.

Und bei kleinen Herden?

Für Betriebe mit kleinen Herden ist das natürlich nicht ohne Weiteres umsetzbar, jedoch machen schon kleine Maßnahmen spürbare Unterschiede. Eine Trennung von Mehrkalbskühen und Färsen im Abkalbestall lässt sich auf den meisten Betrieben mit geringem Aufwand umsetzen. Dies führt bei den Färsen zu verbesserten Kalbeverläufen, da sie weniger gestresst sind. Auch die Futteraufnahme nimmt zu, sodass der Start in die Laktation etwas geschmeidiger verläuft.

Grundsätzlich sollten Betriebe ohne Färsengruppen auf verschiedene Parameter achten, wenn Färsen in der Herde mitlaufen. Das Tier-Fressplatz- und das Tier-Liegeplatz-Verhältnis sollte in jedem Fall mindestens eins zu eins betragen. Auf diese Weise sind die Ressourcen nicht allzu stark umkämpft und die Färsen haben eine Chance, ausreichend Futter aufzunehmen und einen Liegeplatz zu finden. Zusätzlich sollte besonderer Wert auf die Mischqualität gelegt oder eine Kompakt-TMR gefüttert werden. Oft trauen sich die Färsen selbst bei ausreichend vielen Fressplätzen erst zum Futtertisch, nachdem die Altkühe gefressen haben. In diesem Fall sollte das Futter nicht von den anderen Kühen selektiert worden sein. Die Färsen sollten die Chance haben, eine ausgewogene Ration fressen zu können.

Färsen zusammen integrieren

Sinnvoll ist es auch, mehrere Färsen zeitgleich in die Herde zu integrieren, sollte sich keine Färsengruppe einrichten lassen. Auf diese Weise kennen sich zumindest bereits einige wenige Tiere untereinander, was den Stress etwas minimiert. Auch konzentrieren sich die Rangkämpfe nicht nur auf ein einziges Tier, sondern der Druck verteilt sich auf die neu integrierte Gruppe.

Oft wird eine Trennung der Färsen vom Rest der Herde aufgrund der geringen Färsenzahl nicht vorgenommen. Es macht jedoch schon einen Unterschied, wenn die Gruppe dann vielleicht nicht nur aus Erstlaktierenden, sondern auch aus Zweitkalbskühen besteht. Zwar zeigen auch diese ein dominanteres Verhalten den Färsen gegenüber, aber bei Weitem nicht so stark wie die Altkühe. Daher bringt auch diese Maßnahme Vorteile im Vergleich zu einer gemischten Gruppe.

Fazit

Nahezu jeder Betrieb hat verschiedene Möglichkeiten, den Färsen in Einstieg in das Leben als Milchkuh zu erleichtern. Ob nun eine Färsengruppe eingerichtet wird oder Maßnahmen zur entspannten Integration in die Milchviehherde ergriffen werden, hängt oft von individuellen Gegebenheiten ab. Sicher ist jedoch, dass diese Maßnahmen einen positiven Einfluss auf Leistung und Tiergesundheit haben.

Futterkamp erleben: Ein Besuch lohnt sich

0

Alle zwei Jahre lädt Futterkamp zum Tag des offenen Hofes ein. Am 4. Mai ist es wieder so weit. Das Lehr- und Versuchszentrum der Kammer sieht sich als Botschafter zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern. Man will ins Gespräch kommen und die moderne konventionelle Landwirtschaft zeigen. Alle, die in Schleswig-Holstein Landwirtschaft lernen, kommen einmal im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung hierher. Warum sich ein Besuch darüber hinaus für Landwirte lohnt, weiß Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer (LKSH).

Frau Volquardsen, wie hat sich die Ausbildung im Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung in den letzten Jahren verändert, und welche Rolle spielt das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp dabei?

Ute Volquardsen: In den letzten Jahren haben wir einen deutlichen Wandel in der Ausbildung erlebt. Der Fokus liegt nun stärker auf moderneren Technologien, aber auch Tierwohl. Das Lehr- und Versuchszentrum bietet den Auszubildenden die Möglichkeit, neueste Methoden der Tierhaltung kennenzulernen, was sie optimal auf die Herausforderungen der Branche vorbereitet. Die Erkenntnisse aus unseren Forschungsprojekten fließen direkt in die Ausbildung ein. Wir integrieren aktuelle Forschungsergebnisse in unsere Lehrpläne und bieten den Auszubildenden die Möglichkeit, an praktischen Projekten teilzunehmen, die auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Was können Sie uns über die aktuellen Investitionen in Tierwohl und Digitalisierung erzählen? Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits umgesetzt und können in Futterkamp angesehen werden?

Wir haben in den letzten Jahren – und sind auch noch voll dabei – erheblich in moderne Stallanlagen und digitale Technologien investiert. Dazu gehören etwa Sensoren zur Überwachung des Tierverhaltens und automatisierte Fütterungssysteme. Diese Maßnahmen helfen nicht nur, das Tierwohl zu verbessern, sondern auch die Effizienz der Betriebe zu steigern.

Welche Technologien halten Sie für besonders vielversprechend für die Schweine- und Rinderhaltung?

Die Digitalisierung ist entscheidend für die Zukunft der Tierhaltung. Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz ermöglichen es uns, präzisere Entscheidungen zu treffen und die Gesundheit der Tiere besser zu überwachen. Ich sehe besonders viel Potenzial in der Nutzung von Datenanalysen zur Optimierung von Fütterung und Zucht. Überall an den Ställen, die einsehbar sind, werden am 4. Mai Mitarbeiter Führungen machen und stehen für Fragen zur Verfügung.

Wie reagieren die Landwirte in Schleswig-Holstein auf die neuen Standards und Anforderungen im Bereich Tierwohl?

Wir Landwirte zeigen ein großes Interesse an den neuen Standards, aber es gibt auch Herausforderungen. Viele sind bereit, in Tierwohl zu investieren, benötigen jedoch Unterstützung, um die finanziellen und praktischen Hürden zu überwinden. Wir bieten mit dem Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“ ein Fortbildungsnangebot an, um diesen Übergang zu erleichtern.

Welche Trends und Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren in der Tierhaltung?

Ich sehe eine Zukunft, in der Tierhaltung noch nachhaltiger und tierfreundlicher wird. Wir werden weiterhin in Forschung und Entwicklung investieren, um neue Methoden zu finden, die sowohl den Tieren als auch den Landwirten zugutekommen. Zudem wird der Verbraucher zunehmend Wert auf Transparenz und Nachhaltigkeit legen, was die Branche weiter vorantreiben wird.

Was möchten Sie unseren Besuchern in Bezug auf die Bedeutung der Landwirtschaft und Tierhaltung für unsere Gesellschaft mitgeben?

Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Sie ist nicht nur für die Nahrungsmittelproduktion verantwortlich, sondern auch für den Erhalt unserer Kulturlandschaft und die Förderung von Tierwohl. Ich lade alle ein, sich aktiv mit den Themen Landwirtschaft und Tierhaltung auseinanderzusetzen und die Arbeit der Landwirte wertzuschätzen. Und ganz nebenbei im Rahmen eines tollen Hoffestes mit plattdeutschem Gottesdienst und vielen Aktionen regionale Lebensmittel zu genießen.