Der vergangene Herbst stellte die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein vor anspruchsvolle Bedingungen. Auf einen milden September folgte ein nasses und kaltes Vegetationsende im November. Viele Felder standen unter Wasser oder wiesen nur eingeschränkte Befahrbarkeit auf. Der darauffolgende Winter war vergleichsweise feucht, jedoch vorerst ohne größere Frostperioden. Das neue Jahr begann mit starken Temperaturschwankungen. Neben vielen sehr gut entwickelten Wintergetreideflächen sind an etlichen anderen Standorten die Bestände bereits durch deutliche Entwicklungsrückstände gezeichnet. Landwirte sehen sich daher mit der Herausforderung konfrontiert, wie sie die bestehenden Bedingungen meistern und ihren Beständen einen erfolgreichen Start in die Vegetationsperiode ermöglichen können.
Grundsätzlich muss vor der ersten Düngemaßnahme die Düngebedarfsermittlung (DBE) nach Düngeverordnung (DÜV) für Stickstoff und Phosphat erfolgen, eine beispielhafte Berechnung ist in Tabelle 1 für Winterweizen, Wintergerste und Winterroggen zu sehen. Die sich aus diesen Berechnungen ergebenden Bedarfswerte sind als rechtsverbindliche Obergrenze zu betrachten und dürfen nicht überschritten werden. Sowohl aus umwelttechnischer als auch aus pflanzenphysiologischer Sicht sollte die effiziente Ausnutzung der Nährstoffe höchste Priorität haben. Angesichts der wieder steigenden Düngerpreise ist es besonders wichtig, die Nährstoffgaben so zu gestalten, dass sie von den Pflanzen möglichst vollständig genutzt werden können. Im Folgenden werden mögliche Strategien für eine bedarfsgerechte Düngung erläutert. Die immer im Vordergrund stehende DBE muss schriftlich dokumentiert und über einen Zeitraum von sieben Jahren aufbewahrt werden. Eine detaillierte Erläuterung der rechtlichen Grundlagen zur DBE wurde bereits in vorangegangenen Artikeln des Bauernblatts behandelt und kann auch auf der Webseite der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nachgelesen werden unter https://t1p.de/natsu
Steigerung der Stickstoffeffizienz
Die optimale Nährstoffaufnahme und -umsetzung im Frühjahr hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zwar kann im Frühjahr in den Winterungen kaum noch Einfluss auf eine optimale Bodenstruktur genommen werden, dennoch ist es entscheidend, sich über günstige Vorfrüchte für die Folgekulturen im Klaren zu sein. Günstige Vorfrüchte bedeuten in der Regel ein besseres Nährstoffaneignungsvermögen des Bestandes und eine verbesserte Nachlieferung von Nährstoffen. Maßgeblich entscheidend für eine optimale Nährstoffverfügbarkeit ist der pH-Wert des Bodens. Abhängig vom pH-Wert variiert die Mobilität der Nährstoffe und damit einhergehend die Verfügbarkeit für die Pflanzen. Eine ausgewogene Grund- und Mikronährstoffversorgung kann nur gewährleistet werden, wenn der pH-Wert für den Standort im optimalen Bereich liegt. Besonderes Augenmerk sollte zudem auf die Schwefelversorgung gelegt werden. Sie ist entscheidend für die Stickstoffaufnahme und -umwandlung der Pflanze. Die Schwefelgabe sollte daher mit der ersten Stickstoffgabe im zeitigen Frühjahr nach Ende der Sperrfrist und zu Vegetationsbeginn erfolgen, um frühzeitig die Versorgung sicherzustellen. Insgesamt liegt für Wintergetreidebestände der Düngebedarf bei etwa 20 bis 30 kg S/ha. Die in flüssigen Wirtschaftsdüngern vorhandenen Schwefelmengen liegen organisch gebunden vor und müssen im Boden zunächst mineralisiert werden. Angesichts der niedrigen Bodentemperaturen sowie des aktuell vielerorts hohen Wassersättigungsgrades der Böden und der daraus resultierenden geringen Mineralisationsrate ist es daher ratsam, selbst in langjährig organisch gut versorgten Böden eine mineralische Schwefelgabe zu ergänzen.
Der richtige Zeitpunkt der Düngung
Die Düngestrategie sollte immer in Abhängigkeit von Witterung und Bestandesentwicklung festgelegt werden und nicht auf einer einheitlichen Lösung für alle Gegebenheiten basieren. Die optimale Bereitstellung von Nährstoffen erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und Weitsicht. Aufgrund der zunehmenden Trockenperioden im späten Frühjahr und Frühsommer erweist sich eine späte Stickstoffgabe häufig als ineffizient, da keine ausreichende Nährstoffmobilität vorliegt. Eine zu hohe Stickstoffgabe in frühen Entwicklungsstadien kann hingegen zu Nährstoffverlusten führen, beispielsweise durch Verlagerung. Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass gut entwickelte Bestände grundsätzlich nicht zu stark angedüngt werden sollten, da (zu) hohe Bestandesdichten die Krankheits- und Lageranfälligkeit deutlich erhöhen. Weiterhin kann ein zu üppiger Blattapparat entstehen, der unter Umständen in der Gesamtphotosyntheseleistung weniger effizient sein kann, insbesondere in Jahren mit nur durchschnittlicher Strahlung während der Kornfüllung. Auch potenzielle Wasserverluste durch erhöhte Transpiration sind zu berücksichtigen, wobei dieser Effekt in Schleswig-Holstein vergleichsweise gering ausfällt.
Sinnvolle Düngestrategie wählen
Obwohl die Werte des Nitratmessdienstes zur betrieblichen und schlagbezogenen Berechnung des Düngebedarfs herangezogen werden können, empfiehlt es sich, eigene Bodenproben durchzuführen, um die Nährstoffversorgung der einzelnen Schläge präzise zu beurteilen. Nach der eingehenden Bestandesbeurteilung muss entschieden werden, ob schwache Bestände durch Düngung gefördert oder starke Bestände reduziert werden müssen. Unabhängig von dieser Entscheidung sollte die erste Stickstoffgabe stets in Kombination mit mineralischem Schwefel erfolgen. In Anbetracht der vorliegenden Smin-Werte sollten etwa 20 bis 30 kg S/ha in der ersten Gabe berücksichtigt werden. Bei stark entwickelten Beständen kann die erste Stickstoffgabe in eine 1a- und 1b-Gabe unterteilt werden. Für Wintergerste sollte die Stickstoffmenge in starken Beständen etwa 60 bis 70 kg N/ha betragen und bei schwächeren Beständen um zirka 20 bis 30 kg N/ha erhöht werden, um die Triebbildung positiv zu unterstützen. Die zweite Gabe kann in der Wintergerste durchaus bereits die Abschlussgabe darstellen. Zu diesem Zeitpunkt sollte die restliche Stickstoffmenge gemäß der Düngebedarfsermittlung ausgebracht werden.
Im Winterweizen sollte die Düngung ebenfalls abhängig von der Bestandesentwicklung erfolgen. In üppig entwickelten Beständen kann die erste Stickstoffgabe auf 60 bis 80 kg N/ha reduziert werden. Für weniger weit entwickelte Bestände ist eine erhöhte Düngung bis zu 100 kg N/ha ratsam, wobei auch hier eine Aufteilung in 1a- und 1b-Gabe sinnvoll sein kann. Besonders in Bezug auf die Proteingehalte sollte die Schwefeldüngung im Winterweizen nicht vernachlässigt werden, da sie einen wesentlichen Einfluss auf die Stickstoffumsetzung und somit auf die Proteinbildung hat. Auf humusarmen Ackerbaustandorten mit geringem Nachlieferungspotenzial sollte der Schwefelbedarf mit zirka 30 kg S/ha abgedeckt werden. Abhängig von der Ertragserwartung sollte die Schossergabe mit 60 bis 80 kg N/ha erfolgen. Eine starke Reduzierung dieser Gabe könnte negative Auswirkungen auf die Ährenausdifferenzierung haben und sollte daher vermieden werden. Die nach Düngebedarfsermittlung ermittelte restliche Stickstoffmenge kann in der dritten Gabe kurz vor dem Ährenschieben angepasst ausgebracht werden. Sollte Bodentrockenheit bevorstehen, sollte die Gabe vorgezogen werden. Eine Düngung während Trockenperioden ist aufgrund der eingeschränkten Nährstoffmobilität nicht zu empfehlen.
Für Winterroggen und Wintertriticale sollte die Düngung analog zur Wintergerste erfolgen. Da Roggen eine sehr frühe und hohe Stickstoffaufnahme zeigt, sollte die Startgabe besonders betont werden. Die zweite Teilgabe sollte gleich im Anschluss zu EC 30/31 dem Bestand zur Verfügung stehen. Der sich langsamer entwickelnde Triticale kann durchaus auch in einer Drei-Gaben-Strategie, ähnlich wie Winterweizen gedüngt werden. Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass insbesondere an Standorten, die im späten Frühjahr von Trockenheit bedroht sind, eine Zwei-Gaben-Strategie ebenso gut funktioniert. Die Wahl der Strategie sollte entsprechend an den Standort und die vorherrschende Witterung angepasst werden. Der Fokus sollte bei Triticale vorrangig auf der Ertragsbildung und weniger auf der Proteinbildung liegen. In allen Kulturen empfiehlt es sich, eine Nullparzelle anzulegen, um die Wirksamkeit der Düngemaßnahme zu überprüfen und gegebenenfalls Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln. Häufig wird das Nachlieferungsvermögen des Bodens unterschätzt. Zudem empfiehlt es sich, Düngefenster mit einer um 20 bis 30 % reduzierten Düngemenge anzulegen, um den optimalen Zeitpunkt für die Anschlussdüngung besser einschätzen zu können. Wenn sich die Pflanzen im Düngefenster gelb verfärben, ist der ideale Zeitpunkt gekommen, um den gesamten Bestand zu düngen, bevor ein Nährstoffmangel auftritt.
Organische Düngung besonders beachten
Angesichts der steigenden Preise für mineralische Düngemittel ist es sinnvoll, der organischen Düngung besondere Beachtung zu schenken. Für eine optimale Nährstoffnutzung sollte darauf geachtet werden, die Verluste während der Ausbringung auf ein Minimum zu reduzieren. Zum Zeitpunkt der Düngung sollte möglichst eine kühlfeuchte Witterung herrschen, um gasförmige Verluste zu minimieren, die bei höheren Temperaturen verstärkt auftreten können. Nach Ablauf der Sperrfrist sind daher frühe Düngetermine für die Gülleausbringung zu priorisieren, sofern die Befahrbarkeit gemäß Düngeverordnung gewährleistet ist. Eine streifenförmige Aufbringung ist zwingend vorgeschrieben. Frühere Ausbringungstermine haben meist ein geringeres Ammoniak-Verlustpotenzial und führen zudem zu einer besseren Ausnutzung des organisch gebundenen Stickstoffanteils. Da jedoch nur das enthaltene Ammonium für eine kurzfristige Wirkung eingeplant werden kann, sollte neben der mineralischen Schwefeldüngung gegebenenfalls auch mineralischer Stickstoff gedüngt werden.
Fazit
Viele Strategien für die effiziente N-Düngung sind möglich, müssen aber aus betrieblicher Sicht auch praktikabel sein und sich an die standortspezifischen Gegebenheiten anpassen. Die Gabenstrategie sollte optimal in bestehende Betriebsabläufe integriert werden. Dabei liegt die oberste Priorität auf einer hohen N-Effizienz, die sowohl die Umweltaspekte berücksichtigt als auch die Voraussetzung für ein hohes Ertragsniveau bei bestmöglicher Qualität darstellt. Darüber hinaus dürfen Aspekte wie eine gute Bodenstruktur, ausgeglichene pH-Werte und eine ausgewogene Ernährung mit Grund- und Mikronährstoffen nicht außer Acht gelassen werden, um den gedüngten Stickstoff gut nutzen zu können. Aktuelle Empfehlungen zur Grund- und Mikronährstoffdüngung sind den „Richtwerten für die Düngung“ der Landwirtschaftskammer SH zu entnehmen.




