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Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 4322

Ausfuhrabkommen am seidenen Faden
Von Caroline Hertell, LK-Markt
Ukraine-Konflikt, Getreide-Frachter verlassen Odessa. Foto Imago

Auch acht Monate nach Beginn des Krieges in der Ukraine beherrscht das Thema die Märkte, insbesondere den Getreidemarkt. Die Ukraine als einer der global wichtigsten Lieferanten für Mais und Weizen wie auch Ölsaaten konnte zwar Monat für Monat mehr Waren ausführen, dennoch könnte damit jederzeit Schluss sein. Das Ausfuhrabkommen, das im Juli unter Mithilfe der Vereinten Nationen und der Türkei geschlossen wurde, läuft in wenigen Wochen aus. Ob es eine Verlängerung gibt, das ist die große Frage. Jede Nachricht, die eine Zuspitzung des Kriegsgeschehens und damit eine Entfernung von dieser Möglichkeit bedeutet, führt zu steigenden Terminmarktkursen. Darauf reagiert der Markt besonders sensibel, denn ein erneuter Ausfall ukrainischer Lieferungen würde das Angebot am internationalen Markt merklich verknappen und den Bedarf an russischer Ware erhöhen. Die Sorge davor hat an der Matif die 350-€-Marke beim Weizen und fast auch beim Mais wieder in greifbare Nähe rücken lassen. Die Vereinten Nationen meldeten in der vorigen Woche eine Wiederaufnahme der Verhandlungen rund um das Getreideabkommen. Zunächst reagierten die Börsenhandelspreise mit einem optimistischen Abschwung. Doch schon mit der ersten Meldung über das Stocken der Verhandlungen ging es preislich wieder aufwärts.

Stand der Abwicklung

Die Umsetzung des Getreideabkommens wird von den Vereinten Nationen (UN) begleitet und dokumentiert. Eine Liste über alle Verladungen zeigt, dass über 370 Bestellungen in den Häfen von Chornomorsk, Odessa und Pivdennyi bearbeitet wurden. Etwa am 21. Oktober gingen Mais nach China und Italien, Weizen nach Bangladesch und in die Türkei sowie Sonnenblumenöl in die Türkei. Insgesamt wurden mehr als 10 Mio. t Waren verschifft, fast die Hälfte Mais, dann Weizen, dann Raps und auch gut 1 Mio. t Sonnenblumenöl und -schrot. Das ist viel, wenn man die Kulisse und die fehlenden Häfen bedenkt. Aber es ist lange nicht das, was die Ukraine in den letzten Jahren exportiert hat, nämlich bis zu 6 Mio. t Waren pro Monat. Und es ist offenbar auch weniger, als es sein könnte. Die Schiffe passieren einen besonderen Kontrollpunkt in Istanbul, wo die Ladung von Vertretern der am Abkommen beteiligten Länder geprüft wird. Den russischen Inspekteuren wird dabei ein bewusst langsames Arbeiten vorgeworfen und eine Behinderung der gesamten Abwicklung. Immerhin würden nach ukrainischen Angaben rund 165 Frachtschiffe am Bosporus in der Warteschlange liegen und auf Kontrolle warten. In den drei aktiven ukrainischen Häfen sei zuletzt nur ein Drittel der Kapazität ausgenutzt worden.

Verlängerung oder nicht?

Für Russland bedeuten die ukrainischen Exporte Marktkonkurrenz, beide Länder können die Importeure von Thailand bis Jemen beliefern. Jede Schiffsladung nimmt außerdem Druck aus dem internationalen Markt. Das kann auf globaler Ebene die Preise schmälern – zum Nachteil der großen Exporteure. Auch der europäische Marktfruchtanbau profitiert von hohen Preisen, solange diese die Kostenanstiege überkompensieren. Manche kritische Stimme sieht hier eine Verbindung zu den sehr schleppend laufenden Landexporten aus der Ukraine in die EU; es gäbe Hebel zur Beschleunigung. Andererseits ist man nach der ernüchternden Maisernte in der EU (–28 % zum Vorjahr) auf Importe angewiesen und auch auf jeden Impuls zur Abbremsung der Inflation, etwa geringere Rohstoffpreise. Die ukrainischen Behörden und einige Marktteilnehmer halten eine Verlängerung des Abkommens für unwahrscheinlich. Das Stocken der wiederaufgenommenen Verhandlungen geht auf dasselbe Argument wie seit Wochen zurück: Von russischer Seite wird eine Lockerung der Sanktionen gefordert, welche sich auf den russischen Agrarsektor auswirken. Dieses russische Druckmittel ist relativ, weil die Zurückhaltung von Handelspartnern gegenüber Russland viel eher auf die komplexe Gesamtlage zurückgeht als auf einzelne Sanktionen. Es kann jedoch zu einer moralischen Zwickmühle werden. Andere Marktteilnehmer hingegen sehen einen offenen, sicheren Fahrkorridor auf dem Schwarzen Meer auch für Russlands Zwecke als unverzichtbar an und können sich deswegen nur eine Verlängerung vorstellen.

Marktlage für die Woche vom 24. bis 30.10.2022

Getreide: Die laufenden Exporte aus dem Schwarzmeerraum haben die Weizenkurse unter Druck gebracht.

Raps: Die Matif-Rapskurse konnten sich zuletzt schwach behaupten. Importe aus der Ukraine drücken hierzulande die Kurse.

Futtermittel: Durch die US-Sojaernte haben die Terminkurse und die Sojaschrotnotierungen hierzulande nachgegeben.

Kartoffeln: Für die ersten ausgelagerten Partien werden erhöhte Kurse verlangt. Das Angebot an frischer Ware geht zurück.

Schlachtrinder: Hierzulande blieben die Kurse in der Vorwoche unverändert. Überregional wurden die Bullenpreise erhöht.

Schlachtschweine/-sauen: Der Basispreis wurde in der Vorwoche deutlich reduziert. Die Schlachtungen wurden reduziert.

Ferkel: Auch die Ferkelkurse wurden zum Wochenbeginn deutlich herabgesetzt, um die Nachfrage zu beleben.

Milch: Während viele Meiereien die Auszahlungspreise nochmals erhöht haben, gibt es auch die ersten Preisabschläge.

Schlachtlämmer/-schafe: Das Angebot übersteigt die aktuell ruhige Nachfrage. Die Kurse wurden nochmals reduziert.

Markttendenz für die Woche vom 31.10. bis 6.11.2022

Getreide: Trotz des schwachen Eurokurses ist die Exportnachfrage vorerst gering. Futtergetreide ist hierzulande gesucht.

Raps: Man rechnet mit einem weltweit knapp ausreichenden Pflanzenölangebot. Auch die Rohölpreise tendieren fest.

Futtermittel: Nach dem jüngsten Preisanstieg geben die Rapsschrotkurse wieder etwas nach. Das Angebot bleibt knapp.

Kartoffeln: Man rechnet weiterhin mit einem ausreichenden Angebot. Die Sonderangebotsaktionen im LEH laufen aus.

Schlachtrinder: Weiterhin prägen die geringen Stückzahlen den Handel. Die Schlachter wehren sich gegen höhere Preisforderungen.

Schlachtschweine/-sauen: Auch weiterhin übersteigt das Angebot die Nachfrage. Die Ablieferungen haben sich erhöht.

Ferkel: Die saisonüblich ruhige Nachfrage hat sich durch die Lage am Schweinemarkt zusätzlich reduziert.

Milch: Die Preise tendieren stabil bis leicht schwächer. Die Anlieferung liegt über der Vorjahreslinie.

Schlachtlämmer/-schafe: Aus GB kommt günstiges Lammfleisch ins Land. Weitere Preisabschläge sind hierzulande möglich.

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