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Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 3822

Viele schlachtreife Lämmer bei ruhiger Nachfrage
Von Judith Wahl, LK-Markt
Foto: Pixabay

Wer schlachtreife Lämmer abliefern möchte, muss aktuell Geduld aufbringen. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist das Angebot derzeit sehr groß. Demgegenüber ist die Nachfrage klein. Zum anderen gelangte jüngst günstigeres Lammfleisch aus Exportländern auf den hiesigen Markt und setzte den Preis mit unter Druck. So hat sich hierzulande zu Wochenbeginn ein Preis von 3,40 €/kg Lebendgewicht inklusive Mehrwertsteuer eingependelt.

Futtervorräte knapper

Nach einer langen trockenen Periode fehlt es bei den Betrieben zum Teil an Futter auf den Weiden. Speziell wenn kein Klee in der Grünlandnarbe ist, muss mit Kraftfutter zugefüttert werden. Diese seit etwa August teurer gefütterten Tiere könnten nun abgeliefert werden. Zudem fehlen weiterhin Weiden mit ausreichendem Futtervorrat. Auch das Beweiden von Grünlandschlägen von Milchviehhaltern ist in diesem Jahr schwieriger. Diese sind ebenso auf ausreichend Grundfutter angewiesen und werden wohl einen weiteren Schnitt ernten.

Manch ein Schäfer hätte nicht nur wegen der Futterverfügbarkeit die schlachtreifen Tiere gerne innerhalb weniger Tage verkauft. Nach den regenreichen Tagen in der vergangenen Woche müssen bei einem späteren Abgabetermin die Lämmer noch einmal entwurmt werden, was wiederum Wartezeit bis zur Ablieferung mit sich bringt.

Die vorläufige Statistik zum Fleischverbrauch in Deutschland 2021 zeigt, dass der Selbstversorgungsgrad für Lamm- und Schafsfleisch gestiegen ist. Lag der Selbstversorgungsgrad 2020 bei 37,9 %, liegt er für 2021 bei 51,3 %. Ein maßgeblicher Faktor dabei ist die inländische Erzeugung, welche von 32.600 auf 37.200 t Schlachtgewicht gestiegen ist. Es wurde allerdings zudem ein geringerer Verbrauch berücksichtigt. So lag der Verbrach 2020 bei 86.000 t Schlachtgewicht gegenüber 72.600 t Schlachtgewicht im Jahr 2021. Aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor, doch dem Vernehmen nach könnte der Verbrauch 2022 noch geringer ausfallen. Eine Prognose der EU-Kommission geht davon aus, dass der Fleischverzehr im Durchschnitt der Mitgliedstaaten 2022 um 0,2 % zurückgeht.

Preise geben nach

Seit Monatsbeginn hat der Preis um 30 ct/kg Lebendgewicht inklusive Mehrwertsteuer nachgegeben. Bei wöchentlichen Preisabschlägen steigt das Interesse der Verkäufer, die eigenen Tiere zügig zu vermarkten, was zusätzlichen Angebotsdruck auslöst. Derzeit muss ein Schäfer bis zu drei Wochen auf den Ablieferungstermin warten. Die Schlachtunternehmen fragen nur begrenzte Stückzahlen nach. Sowohl aus der Gastronomie als auch vom Verbraucher ist die Nachfrage nach Lammfleisch zurückgegangen. Auch wenn hierzulande Touristen Urlaub machen, konsumieren diese weniger Lammfleisch als in anderen Jahren. Jeder passt auf sein Geld auf und weiß, dass er es nur einmal ausgeben kann. Da stehen edlere Fleischteile oder auch Restaurantbesuche weiter hintan. Lammfleisch wurde in den vergangenen Wochen vermehrt aus dem Vereinigten Königreich importiert. Vom Hamburger Großmarkt wird in dieser Woche jedoch berichtet, dass der Angebotsdruck nachlässt. So kam es zu einer Stabilisierung der zuvor gefallenen dortigen Preise für Lammfleisch. Dies könnte ein Impuls sein, der auch eine Festigung der Kurse im Lebendhandel mit sich bringt. Preisaufschläge werden vorerst nicht erwartet. Das Angebot ist im Herbst saisontypisch groß. Außerdem werden im Oktober wieder die außer in den Monaten Januar und Februar geringsten Schlachtzahlen erwartet. Lamm ist auch kein Weihnachtsartikel, und bei der aktuellen Inflationsrate und den derzeit versendeten Briefen zur Anpassung der Gaspreise schrumpfen die Hoffnungen, dass eines der teureren Fleischprodukte demnächst wieder mehr konsumiert wird. Man darf jedoch nicht vergessen: Die Kurse für Lämmer von 3,40 €/kg Lebendgewicht inklusive Mehrwertsteuer bewegen sich immer noch 20 ct/kg über dem Vorjahrespreis beziehungsweise 75 ct über dem Wochenpreis von 2020 und 1,35 € über 2019 – der Zeit vor Corona. 

Marktlage für die Woche vom 19. bis 25.9.2022

Getreide: Die Terminkurse bleiben auf Höhe, die unsichere Marktbeschickung aus dem Schwarzmeerraum stützt sie.

Raps: Der Rapsmarkt ist zunächst gut versorgt und die Kurse befinden sich im Rückwärtsgang.

Futtermittel: Trotz guter Rapsernte bleibt Rapsschrot relativ teuer, am Markt besteht kaum Kaufinteresse.

Kartoffeln: Aufgrund der verbesserten Rodebedingungen steigt das Angebot. Die Preise zeigen sich stabil. Die Nachfrage ist stetig.

Schlachtrinder: Weitestgehend unveränderte Kurse dominieren den Schlachtrindermarkt.

Schlachtschweine/-sauen: Die ISN-Börse handelte vergangenen Freitag weniger als die Hälfte der angebotenen Partien – zu einem schwächeren Kurs.

Ferkel: Bundesweit zeigt sich ein ausgeglichenes Angebots-Nachfrage-Verhältnis. Die Preise steigen höchstens leicht an.

Milch: Das Niveau der Auszahlungspreise hat die 60-ct-Marke erreicht. Butter und Käse gehen bei erhöhten Preisen weiter gut in den Markt.

Schlachtlämmer/-schafe: Das Angebot an schlachtreifen Lämmern übersteigt die Nachfrage deutlich. Das Preisniveau sinkt erneut.

Markttendenz für die Woche vom 26.9. bis 2.10.2022

Getreide: Der kurzfristige Bedarf an Futtergetreide ist gering, für Brotweizen mit 12 % Protein werden steigende Aufschläge gezahlt.

Raps: Im Terminhandel mit Rohöl wie auch Sojaöl ist viel Bewegung, der Rapskurs lässt sich davon nicht beeindrucken.

Futtermittel: Die steigenden Energiekosten verhindern eine Absenkung des Preisniveaus.

Kartoffeln: Innerhalb Deutschlands wird von einem starken Versandgeschäft berichtet, da in einigen Regionen die Ernte zu klein ausfällt.

Schlachtrinder: Schlachtreife Jungbullen sind nur im geringeren Umfang verfügbar. Es wird eine ruhige Nachfrage erwartet.

Schlachtschweine/-sauen: Es wird kaum eine Chance für erneute Preisaufschläge gesehen. So kommt es zu zügigen Anmeldungen zur Schlachtung.

Ferkel: Stabile Preise dürften die Folge eines impulsloseren Marktes sein.

Milch: Das Milchaufkommen ist saisonal rückläufig und geringer als im Vorjahr, in anderen Ländern ist das Defizit noch größer.

Schlachtlämmer/-schafe: Große Partien können vom Markt derzeit nur bedingt aufgenommen werden. Importfleisch ist günstig verfügbar.

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