Die Vereinten Nationen haben 2026 erstmals das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Soweit der Anspruch. Wie es in der Praxis in Schleswig-Holstein wirklich zugeht, hat der Bioland-Anbauverband am vergangenen Sonntag in der Friesischen Schafskäserei in Tetenbüll, Kreis Nordfriesland, erkundet und dafür den schleswig-holsteinischen LandFrauenverband sowie die Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein, Nora Steen, als Mitveranstalterinnen gewonnen.
In einer ersten Gesprächsrunde diskutierten das Thema Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU), LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen und Nora Steen. Die Bischöfin wünscht sich, dass gar nicht mehr diskutiert werde, ob Mann oder Frau einen Betrieb führen.
Eheverträge prüfen
Doch die Ministerin berichtete, Familien seien nach wie vor froh, wenn nach Töchtern „endlich“ ein Sohn zur Welt komme, als ob nur er der natürliche Betriebsnachfolger sein könne. Jungen Frauen wünsche sie daher mehr Selbstbewusstsein nach dem Motto: „Das kann ich genauso gut wie mein Bruder oder der Nachbar“. Jede Frau müsse auf ihr Leben schauen und entscheiden, was sie daraus machen wolle. Sie erlebe, wie Männer die Rolle ihrer Frauen auf den Höfen lobten, doch frage sie dann, wie die Frauen wirtschaftlich abgesichert seien, blieben sie lange still.
Ins gleiche Horn stieß Jürgensen. Sie erzählte, dass die von mittlerweile 1.000 Frauen genutzte Fortbildung zur Büroagrarfachfrau dazu geführt habe, dass Teilnehmerinnen auf ihren Hof zurückkehrten und ihre Männer um ein ernstes Gespräch gebeten hätten – der Ehevertrag zwischen ihnen müsse neu überdacht werden. „Das gab dann drei Tage schlechte Stimmung im Haus, aber wir müssen Frauen in diesen Fragen einfach mehr stärken.“ Stichpunkte könnten die finanzielle Versorgung sein, die Alterssicherung für sie selbst oder die Frage, wer für die Pflege der Eltern und Schwiegereltern zuständig sei. Jürgensen erklärte: „Ich möchte auch, dass Gremien paritätisch besetzt sind, beispielsweise die, die über Förderprogramme entscheiden.“
Gestandene Bäuerinnen
Klare Kante gab es auch in dem von Bioland-Geschäftsführerin Annette Stünke moderierten „Hofgespräch“. LandFrauen erzählten, wie sie ihre Betriebe allein oder partnerschaftlich mitführten. Gastgeberin Monika Volquardsen sagte: „Wir machen alles gemeinsam.“ Jeden Morgen würden die Aufgaben des Tages besprochen. Nicht erst in ihrer aktuellen Phase der Genesung nach schwerer Krankheit setze sie voll auf die tollen Mitarbeiter. Als die von ihr vorgeschlagenen Neuerungen im Betrieb nennt sie die Akupunktur und Homöopathie bei den Schafen, die Heutrocknung und den Aufbau der Besichtigungen der Hofkäserei. Dann öffnete sie ihre Jacke und zeigte das Shirt darunter: „Komme, was da Wolle, ich Schaf das“. Beifall für das Selbstbewusstsein war ihr sicher.
Doris Thees besitzt eine Gemüsegärtnerei in Mildstedt bei Husum, setzt sich leidenschaftlich für gesunde Böden und kurze Wege ein, verkauft auf Wochenmärkten – und hat vier Kinder großgezogen. Kein Wunder, dass sie die Frage nach der Aufgabenverteilung in Betrieb und Familie zwischen Mann und Frau in den Mittelpunkt stellte. Ihr Credo: „Jeder muss einen Zuständigkeitsbereich finden – und andere machen lassen.“
Anne Wienke vom Hof Koxbüll, Kreis Schleswig-Flensburg, schließlich fühlte sich anfangs „als Mutter ausgefüllt und zufrieden“. Zu den „drei K“ Kinder, Küche, Kirche seien plötzlich als „viertes K“ die Kälber gekommen. Seit 2012 führt sie den Betrieb allein. Auf 130 ha setzt sie auf die drei Beine Landwirtschaft, Naturschutz und soziale Arbeit, bindet dabei junge Menschen mit Unterstützungsbedarf ein. Sie sprach einen für die weitere Diskussion womöglich entscheidenden Punkt an: „Frauen funktionieren anders als Männer, sie suchen Gemeinschaft und wollen Entscheidungen auf eine breite Basis stellen – wie ein Kapitän, damit es allen gut geht und keiner meutert.“
Insgesamt waren sich alle an der Veranstaltung Beteiligten einig, dass es wichtig sei, dass die UN dieses Jahr zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen hat, jedoch noch viel getan werden müsse, um eine Gleichstellung der Frauen in den Köpfen der Menschen zu erreichen.
Fotos: Birger Bahlo




