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Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 20

Schweinefleischnachfrage bislang zu ruhig
Von Karsten Hoeck, LK-Markt
Foto: Pixabay

Stagnierende oder eventuell sogar rückläufige Kurse im Schlachtschweinehandel zu Beginn der Grillsaison drücken die Stimmung in der Branche. Trotz der reduzierten Schweinebestände und der deutlich unter dem Vorjahr liegenden Schlachtmengen bleibt das Angebot für die Nachfrage zu groß. Für die laufende Woche haben einige Großabnehmer reduzierte Hauspreise angekündigt. Von einer wirtschaftlichen Schweinehaltung bleibt man somit weit entfernt. Die Gefahr weiter Strukturbrüche nimmt zu. Dabei begann das Jahr recht hoffnungsvoll. Es dauerte bis Mitte Februar, die Angebotsüberhänge an Schweinen abzubauen, die durch den Jahreswechsel entstanden waren. Die Schlachtbetriebe mussten sich plötzlich um Nachschub bemühen. Die Schlachtschweinepreise stiegen in den folgenden Wochen stark an und erreichten Ende März ein Niveau von 1,95 €/kg SG. Dieses konnte sich bis Ende April behaupten. Angesichts der ebenfalls gestiegenen Ferkelpreise und der deutlichen höheren Forderungen für Mischfuttermittel hofften die Schweinemäster auf weitere Preis­aufschläge. Erst bei deutlich über 2 €/kg SG können aktuell alle Kosten beglichen werden. Diese Hoffnung wurde jedoch nicht erfüllt. Anfang Mai gaben der Vereinigungspreis auf 1,80 €/IP nach. Die Fleischnachfrage im Inland erfüllte nicht die Erwartungen. Große Lagerbestände in Kühlhäusern reichen aus, um den ersten Bedarf an Grillfleisch zu bedienen. Dazu kommt, dass die Notierungen in den EU-Nachbarländern unter den hier geltenden Kursen liegen. Hiesige Schlachtbetriebe können sich dort relativ preisgünstig mit Schweinen eindecken. Die Nachfrage nach Schweinen aus der Region ist zurückgegangen.

Inlandsnachfrage ist zu gering

Durch die Afrikanische Schwei­nepest (ASP) ist der Export von Schweinefleisch aus Deutschland in viele Länder nicht möglich. Damit hat der Absatz auf den heimischen Markt beziehungsweise in die EU-Nachbarländer an Bedeutung gewonnen. Hier hakt es jedoch. Hohe Preissteigerungen in vielen Bereichen, vor allem für Energie und Lebensmittel, dämpfen auch die Nachfrage nach Schweinefleisch. Aus dem Lebensmittelhandel wird berichtet, dass die Verbraucher immer mehr auf Sonderangebotsaktionen achten. Man ist preissensibler geworden. Die Preise im Fleischgroßhandel stehen auch aktuell weiter unter Druck. Ein weiteres Problem kommt hinzu: In den vergangenen Jahren hat sich das Verbraucherverhalten geändert. Der Verzehr von Schweinefleisch pro Kopf ist in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren von etwa 39 kg auf zirka 31 kg zurückgegangen. Selbst in der Grillsaison werden immer öfter andere Artikel wie Geflügel- und Rindfleisch oder auch fleischlose Spezialitäten gekauft. Nach den Zahlen der Novemberviehzählung ist der Schweinebestand in Deutschland innerhalb eines Jahres um 9 % auf 23,6 Millionen Tiere zurückgegangen. Diese Entwicklung setzt sich in diesem Jahr wohl weiter fort. Dennoch rechnen Experten vorerst nicht mit einem ausgeglichenen Markt. Man bleibt hierzulande auf Ausfuhren angewiesen. Die Nachfrage nach Schweinefleisch ist schneller gesunken als das Angebot.

Wie soll es weitergehen?

Für viele Schweine haltende Betriebe stellt sich aktuell die Frage: aussteigen oder umsteigen? Die Markteinflüsse durch den Kriegsausbruch in der Ukraine übersteigen mittlerweile die negativen Entwicklungen, die zuvor schon durch Corona und ASP ausgelöst wurden. Die hohen Kostensteigerungen vor allem für Energie und Futtermittel stehen einer inflationsbedingt reduzierten Schweinefleischnachfrage gegenüber. Angesichts dessen, dass in der Schweinehaltung in den kommenden Jahren ein hoher Investitionsbedarf (Tierwohl, Immissionsschutz et cetera) vorhanden ist, sind oftmals rasche Entscheidungen notwendig. Erneut gibt es Forderungen an die Politik, den Umbau der Tierhaltung zu fördern. Dies sollte sowohl finanzieller Art sein als auch der rechtzeitige Erlass der neuen Vorschriften. Einige wenige Betriebe sehen die aktuelle Entwicklung jedoch auch als Chance und denken über neue Haltungsformen nach. Den steigenden Bedarf nach regionalen Produkten sieht man hier als Chance. Dazu bedarf es jedoch viel unternehmerischer Kreativität, vor allem wenn man sich vom Rohstofflieferanten zum Dienstleister wandeln möchte.

Marktlage für die Woche vom 16. bis 22.5.2022

Getreide: Der jüngste WASDE-Report hat die Weizen-Terminkurse in der Vorwoche wieder steigen lassen. Indien hat die Exporte gestoppt.

Raps: Die Matif-Kurse bewegten sich mit zirka 870 €/t weiter unter den jüngsten Rekordwerten. Die höheren Soja- und Rohölpreise stützen die Rapspreise.

Futtermittel: Die US-Sojakurse sind Ende letzter Woche wieder gestiegen. Man rechnet mit größeren Importen durch China.

Kartoffeln: Das Angebot an alter Ware neigt sich dem Ende zu. Knapp sind hochwertige Qualitäten. Die Kurse bleiben fest.

Schlachtrinder: Der erneute Versuch der Abnehmer, die Rinderpreise zu drücken, scheint erfolgreich zu verlaufen.

Schlachtschweine/-sauen: In der Vorwoche blieb der Basispreis unverändert. Der Fleischabsatz bleibt jedoch problematisch.

Ferkel: Die Nachfrager der Mäster bleibt auch nach den jüngsten Preisabschlägen ruhig. Dies betrifft nicht nur freie Ferkelpartien.

Milch: In diesem Monat erreichen viele Auszahlungspreise ein neues Rekordniveau. Die Milchanlieferung erreicht den saisonalen Tiefpunkt.

Schlachtlämmer/-schafe: Das Angebot an alten Lämmern geht zurück, während mehr frische Lämmer angeboten werden.

Markttendenz für die Woche vom 23. bis 29.5.2022

Getreide: Angebot und Nachfrage nach Getreide der alten Ernte sind kaum noch vorhanden. Die Kurse für die neue Ernte ziehen nochmals an, da Regen fehlt.

Raps: Bis zur neuen Ernte gibt es noch vereinzelt Anschlussbedarf. Dann wird hierzulande und international mit höheren Ernten gerechnet.

Futtermittel: Das Angebot an Sojaschrot bleibt hoch. Futtergetreide und andere Komponenten bleiben jedoch knapp und teuer.

Kartoffeln: Der Handel stellt immer mehr auf importierte Frühware um. Auch überregional beginnen die Rodungen.

Schlachtrinder: Überregional wurden besonders die Jungbullenkurse reduziert. Auch Schlachtkühe werden billiger gehandelt.

Schlachtschweine/-sauen: Alles spricht für einen Fehlstart in die Grillsaison. Für die laufende Woche gibt es bereits reduzierte Preisgebote der Schlachtereien.

Ferkel: Immer mehr Mastställe werden vorübergehend oder für immer geschlossen. Einige Mäster warten auf weitere Preisabschläge.

Milch: Auch wenn die Milchproduktion jetzt wieder steigt und die Produktpreise nachgeben, bleibt Luft für weitere steigende Erzeugerpreise.

Schlachtlämmer/-schafe: Für die neuen Lämmer lassen sich durch die ruhige Nachfrage bislang kaum Preisaufschläge erzielen.

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