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Ideologie macht nicht satt

Kommentar zu Ernte und Trockenheit
Von Dr. Robert Quakernack
Schleswig-holsteinische Landwirte fuhren eine gute Getreide- und Rapsernte ein. Foto: Landpixel

Gute Ernten mit guten Qualitäten und kaum Trocknungskosten – die Bauern im Norden können zufrieden auf die Getreide- und Rapsernte zurückblicken. Insbesondere im Vergleich zu den anderen Bundesländern hat sich Schleswig-Holstein wieder einmal als landwirtschaftlicher Gunststandort präsentiert. Die Potenziale des Standorts müssen allerdings erst gehoben werden. „Dazu gehören sowohl eine exzellente Ausbildung als auch ein gut strukturierter vor- und nachgelagerter Bereich“, betonte Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, auf der Landeserntepressekonferenz vergangene Woche auf Gut Rosenkrantz. Er mahnte allerdings, dass die aktuelle Trockenheit noch problematisch für die Herbstkulturen wie Zuckerrüben und Mais sowie die Futtergewinnung auf Grünland werden könne.

Viele Regionen in Deutschland ächzten unter dem Hitzesommer. Der Deutsche Wetterdienst berichtet von einem Temperaturplus von 2,9 K im Vergleich zum vieljährigen Mittel. 2022 sei der sechsttrockenste Sommer seit 1881 gewesen und mit 820 Stunden der sonnenscheinreichste. Die Trockenheit hatte darüber hinaus niedrige Pegelstände in den Flüssen und eine Rekordwaldbrandsaison zur Folge. 

Als Betroffene des Klimawandels muss sich die Landwirtschaft insgesamt klimafester aufstellen. Die Branche ist als Verursacherin ebenso in der Pflicht, ihrerseits den Ausstoß von Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) kündigte zu diesem Zweck den Aufbau eines Kompetenzzentrums für klimaeffiziente Landwirtschaft an. Ein sinnvoller Schritt!

Die Grünen sehen vor allem im Ausbau des Ökolandbaus eine Erfolg versprechende Anpassungsstrategie, sowohl mit Blick auf den Klimawandel als auch auf die Stärkung der Biodiversität. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) bezeichnet den Ökolandbau sogar als Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft. Zur Nachhaltigkeit gehört aber auch die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln, und hier stellt die erhebliche Ertragslücke zum klassischen Landbau ein großes Problem dar. Es ist zudem falsch zu behaupten, dass Ökolandbau grundsätzlich nachhaltig sei und konventionelle Landwirtschaft nicht. Beide Systeme haben ihre Stärken. Durch einen guten Austausch kann es gelingen, im Ökolandbau die Erträge zu steigern und die klassische Landwirtschaft möglichst ohne Ertragseinbußen nachhaltiger zu machen. 

Weiteres Potenzial, die Landwirtschaft klimafester zu machen, bieten robuste Sorten, die mit langen Trockenphasen umgehen können. Moderne Züchtungstechniken könnten die Entwicklung solcher Sorten beschleunigen. Doch die EU hält an ihrem sehr strengen Gentechnikrecht fest, sodass beispielsweise die Genschere CrispR/Cas im Werkzeugkoffer begraben bleibt. Dass das De-facto-Verbot für neue Züchtungstechniken wissenschaftlich nicht begründet sei und somit der Nachhaltigkeit schade, betonte jüngst auch Prof. Matin Qaim von der Universität Bonn.

Fest steht: Einfache Lösungen wird es bei der Bekämpfung des Klimawandels und bei der Anpassung an seine Folgen nicht geben. Umso wichtiger ist es, ohne ideologische Scheuklappen nach Lösungen zu suchen und Ernährungssicherheit global zu denken. Denn Ernährungssicherheit ist ein entscheidender Faktor für die Sicherung von Frieden.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb
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