StartNachrichtenWald & JagdBegehrte Plätze und sehr engagierte Teilnehmer

Begehrte Plätze und sehr engagierte Teilnehmer

Aktuelles aus der forstlichen Bildung
Von Dr. Jörg Hittenbeck, Landwirtschaftskammer SH
Kursteilnehmende im Austausch mit dem Betriebsleiter der Rodenberg Port Logistik Fotos: Dr. Jörg Hittenbeck

Der aktuelle Forstwirtschaftsmeisterkurs ist mit großer Nachfrage, hoher Motivation und einem vielseitigen Lehrgangsprogramm gestartet. Bereits das erste halbe Jahr zeigte, wie breit das Aufgabenspektrum künftiger Meister ist: Es reicht von Mitarbeiterführung und Betriebswirtschaft über Arbeitssicherheit und Logistik bis hin zu Waldbau, Forsteinrichtung und digitaler Prozessgestaltung.

Mitte Dezember begann der neue Forstwirtschaftsmeisterkurs an der Lehranstalt für Forstwirtschaft mit zwei Kennenlerntagen. Neben den Teilnehmern aus Schleswig-Holstein gehören jeweils zwei Teilnehmer aus Hamburg und Berlin zur Gruppe. Die meisten werden von ihren Arbeitgebern entsandt, die auch die Lehrgangskosten übernehmen. Dies macht deutlich, welchen Stellenwert die Meisterqualifikation in den Betrieben besitzt und wie gefragt gut ausgebildete Führungskräfte in der Forstwirtschaft sind.

Auch die Bewerberzahlen belegen die große Nachfrage. Für die zwölf vorgesehenen Plätze lagen deutlich mehr Bewerbungen vor. Sieben Interessenten aus Schleswig-Holstein musste abgesagt werden. Auch dem Wunsch aus Mecklenburg-Vorpommern, mehrere Mitarbeiter der dortigen Landesforsten weiterzubilden, konnte nicht entsprochen werden.

Entsprechend groß ist die Freude bei denjenigen, die einen der begehrten Plätze erhalten haben. Das zeigt sich auch im Unterricht: Die Gruppe arbeitet motiviert mit, beteiligt sich rege an Diskussionen und stellt viele interessierte Nachfragen. Zur Vorbereitung auf die Prüfungen in der Betriebs- und Unternehmensführung haben sich mehrere Lerngruppen gebildet. Darüber hinaus wurden zahlreiche Videotermine angeboten, um offene Fragen zu klären und die Teilnehmer gezielt auf die Prüfungen vorzubereiten.

Unterricht über Berufsgrenzen hinweg

Der reguläre Lehrgang begann Anfang Januar mit zwei Blockwochen zur Vorbereitung auf Teil 3 der Meisterprüfung, die Berufsausbildung und Mitarbeiterführung. Diese Unterrichtswochen absolvierten die angehenden Forstwirtschaftsmeister gemeinsam mit künftigen Fischwirtschaftsmeistern.

Der berufsübergreifende Unterricht erwies sich für alle Beteiligten als Gewinn. Durch den Austausch erhielten die Teilnehmer Einblicke in andere Arbeitsbereiche und konnten zugleich viele Gemeinsamkeiten entdecken. Der gemeinsame Unterricht in Teilen der Meisterausbildung bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wird daher voraussichtlich kein Einzelfall bleiben. Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Inhalte fachlich zusammenpassen. Besonders geeignet sind die Themen Ausbildung und Mitarbeiterführung. Aber auch in der Betriebs- und Unternehmensführung, beispielsweise bei der Buchführung, unterscheiden sich die Anforderungen der Grünen Berufe häufig nur wenig.

Bereits Ende Januar stand für die Gruppe die erste schriftliche Prüfung in Teil 3 an. Ende Februar folgten die praktische Unterweisung und das Fallbeispiel zur Mitarbeiterführung.

Diese Prüfungstage fielen mit einem Autounfall von Forstwirt-Auszubildenden zusammen, die zu dieser Zeit ihren Blockunterricht an der Lehranstalt absolvierten. In dieser besonderen Situation zeigten die angehenden Meister, dass soziale Kompetenz für sie nicht nur ein Prüfungsthema ist. Trotz des eigenen Prüfungsstresses kümmerten sie sich um die Auszubildenden, spendeten Trost und standen ihnen mit echtem Mitgefühl und tatkräftiger Unterstützung zur Seite.

Betriebswirtschaftliches Neuland

Nach den ersten Prüfungen ging es mit Teil 2, der Betriebs- und Unternehmensführung, weiter. Auf dem Stundenplan standen rechtliche Grundlagen und Handelsrecht, Betriebsorganisation, Steuern, Versicherungen, Zertifizierungs- und Managementsysteme sowie Buchführung und Bilanzerstellung.

Viele dieser Inhalte gehören für Forstwirte nicht zum täglichen Geschäft. Vertrauter sind häufig Themen wie die Kosten- und Leistungsrechnung oder die Strukturen von Behörden und Verwaltungen. Insgesamt mussten sich die Teilnehmer daher in zahlreiche neue Sachgebiete einarbeiten. Die intensive Beteiligung im Unterricht und die selbst organisierten Lerngruppen zeigten jedoch, mit welchem Engagement sie sich dieser Herausforderung stellten.

Ein weiterer Bestandteil von Teil 2 war ein dreitägiger Unterrichtsblock der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Dabei lernten die Teilnehmer das Unternehmermodell der SVLFG kennen. Im Mittelpunkt standen wichtige Themen der Arbeitssicherheit: Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen, Unterweisungen, rechtliche Grundlagen des Arbeitsschutzes und die praktische Unfallprävention.

Dabei wurde allen noch einmal deutlich, dass Arbeitssicherheit bei betrieblichen Entscheidungen von Anfang an mitgedacht werden muss. Schließlich geht es nicht allein darum, gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, sondern vor allem darum, Unfälle zu verhindern und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.

Beeindruckenden Dimensionen

Blick von der Schiffsbrücke auf den Lübecker Holzhafen

Besonders großen Anklang fanden die forstlichen Themen, die zwischen die betriebswirtschaftlichen Unterrichtseinheiten eingestreut wurden. Teilweise standen diese Inhalte aufgrund ihrer jahreszeitlichen Bedeutung in der ersten Jahreshälfte auf dem Programm. Andere befassten sich mit den Besonderheiten forstlicher Betriebe.

Ein anschauliches Beispiel bot eine Exkursion zur Firma Rodenberg Waldkontor zum Thema Forstlogistik. Im Lübecker Hafen konnten die Teilnehmer miterleben, wie eines der firmeneigenen Schiffe entladen wurde. Die großen bewegten Holzmengen, der Zeitdruck durch die Liegekosten des Schiffes, die Anforderungen des Lärmschutzes und nicht zuletzt die Dimensionen der eingesetzten Entladetechnik beeindruckten die Gruppe.

Anschließend nahmen sich die Logistikverantwortlichen in der Betriebszentrale Zeit, die Abläufe ausführlich zu erläutern. Außer um die allgemeinen Anforderungen an eine funktionierende Logistikkette ging es besonders um die Herausforderungen der Forstwirtschaft. Witterung und Wegezustände beeinflussen die Planung ebenso wie die Tatsache, dass Holz kein einheitlich genormtes Transportgut ist. Für viele Teilnehmer eröffnete die Exkursion einen neuen Blick auf die komplexen Prozesse zwischen Wald, Transport, Hafen und Abnehmer.

Den Wald für zehn Jahre vorausdenken

Ein weiteres Thema der forstlichen Betriebsführung war die Forsteinrichtung. Dabei werden Waldbestände erfasst und die betrieblichen Planungen für das kommende Jahrzehnt entwickelt. Bäume müssen gemessen und Bestände beschrieben werden. Darauf aufbauend ist zu beurteilen, wie sich der Wald in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich entwickeln wird und wie diese Entwicklung durch forstliche Maßnahmen gesteuert werden kann.

Für viele Teilnehmer war dies ein neues Arbeitsfeld, das Inventur, Planung und waldbauliche Entscheidungen eng miteinander verbindet. Meister müssen dabei nicht nur den aktuellen Zustand eines Bestandes erfassen, sondern langfristig denken und unterschiedliche betriebliche, ökologische und waldbauliche Ziele berücksichtigen.

Auch der Blick auf forstliche IT-Anwendungen und -Programme eröffnete neue Perspektiven. Eine wichtige Rolle spielen Geodaten und Informationen über die Waldbestände. Ebenso entscheidend ist die Frage, wie diese Daten mit den Partnern innerhalb der Prozesskette geteilt und fortlaufend ergänzt werden können.

Im Zusammenspiel mit Anwendungen der Künstlichen Intelligenz ergeben sich neue Möglichkeiten, Informationen bereitzustellen, auszuwerten und innerhalb der Waldbewirtschaftung auszutauschen. Bei aller Begeisterung wurden im Unterricht jedoch auch die Grenzen diskutiert. Dazu gehören insbesondere Fragen der Datenhoheit und des Datenschutzes sowie die fachliche Prüfung und Bewertung von Ergebnissen, die durch KI-Anwendungen erzeugt werden. Digitale Werkzeuge können die Arbeit unterstützen – die Verantwortung für die Einordnung und die daraus abgeleiteten Entscheidungen bleibt jedoch beim Menschen.

Jungbestände gezielt entwickeln

Absperrbanner für Holzerntearbeiten

Zu den rein forstlichen Inhalten aus Teil 1 der Meisterprüfung, Produktion und Dienstleistung, gehörten insbesondere die Jungwuchs- und Jungbestandspflege. Diese Arbeiten stehen auch im forstlichen Jahreskalender vor allem im Frühjahr an.

Praxisnahe Einblicke erhielten die Teilnehmer im Forstbetrieb Gut Rixdorf des Grafen von Westphalen. Revierleiter Hans-Martin Hay brachte das Ziel der Jungbestandspflege auf eine klare Formel: „Es soll sich nicht der Zufall durchsetzen, sondern die waldbauliche Zielsetzung.“

Ausführlich erläuterte er die verschiedenen Entwicklungsphasen vom Jungwuchs über die Dickung bis zum Jungbestand. Die Jungbestandspflege steht zwischen der Begründung einer Verjüngung und der späteren Durchforstung. Sie ist damit ein frühes und entscheidendes Instrument der waldbaulichen Steuerung. Durch die Auswahl und Förderung geeigneter Bäume werden Konkurrenz, Baumartenmischung, Qualität, Stabilität und die spätere Bestandesentwicklung gezielt beeinflusst.

Sowohl im Vortrag als auch während der praktischen Exkursion ging Hay auf die Besonderheiten verschiedener Baumarten und deren unterschiedlichen Pflegebedarf ein. Die Teilnehmer besichtigten mehrere Bestände, diskutierten waldbauliche Vorgehensweisen und konnten verschiedene Arbeitsmittel erproben.

Für einige waren Geräte wie eine rückentragbare Motorsäge („Spacer“) oder die inzwischen verfügbaren akku- beziehungsweise motorbetriebenen Pflegesägen neu. Teilnehmer, die bereits Erfahrungen mit einzelnen Geräten und Verfahren gesammelt hatten, stellten den anderen die Technik und die jeweiligen Arbeitsweisen vor. Bei der anschließenden praktischen Umsetzung unterstützten sie ihre Kollegen. Auch hier zeigte sich erneut das gute Zusammenwirken innerhalb der Lehrgangsgruppe.

Anspruchsvoller und gelungener Auftakt

Das erste halbe Jahr des Forstwirtschaftsmeisterkurses hat den Teilnehmern bereits viel abverlangt. Die ersten Prüfungen mussten bestanden, zahlreiche neue Inhalte erschlossen und unterschiedliche praktische Aufgaben bewältigt werden. Gleichzeitig bot der Lehrgang viele Gelegenheiten, eigene Erfahrungen einzubringen und voneinander zu lernen.

Die hohe Nachfrage nach den Lehrgangsplätzen und die finanzielle Unterstützung durch viele Arbeitgeber zeigen, wie dringend qualifizierte Meister in der Forstwirtschaft benötigt werden. Die Motivation, die intensive Mitarbeit und der ausgeprägte Zusammenhalt der aktuellen Gruppe lassen erwarten, dass die angehenden Forstwirtschaftsmeister auch die kommenden Lehrgangsabschnitte engagiert und erfolgreich meistern werden.

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