Die nächste Bundesregierung sollte sich mehr um die heimische Produktion und resiliente Infrastrukturen kümmern. Das verlangt der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (Ovid) in seinem Forderungspapier für die kommende Legislaturperiode, das er am Montag in Berlin vorgelegt hat.
In dem Papier spricht sich der Verband unter anderem dafür aus, über bessere Anbaubedingungen, den Einsatz moderner Technologien und eine stärkere Digitalisierung die Produktion von Eiweißpflanzen in Deutschland auszudehnen. Ziel müsse es sein, den Selbstversorgungsgrad mit proteinreichen Futtermitteln von derzeit 30 auf 50 % zu erhöhen.
Nachbesserungsbedarf sieht Ovid beim Green Deal. Notwendig seien mehr Augenmaß, ein Abbau von Bürokratie sowie die Förderung neuer Technologien. Der Verband mahnt ein modernes Gentechnikrecht an, das die Nutzung neuer Techniken wie CrispR/Cas regele. „Ernährungssicherheit und internationale Wettbewerbsfähigkeit erfordern Innovationen in der Pflanzenzüchtung“, heißt es in dem Papier. Deutschland müsse sich in Brüssel dafür starkmachen, „endlich ein zeitgemäßes und wissenschaftsbasiertes Gentechnikrecht zu schaffen und ideologische Widerstände zu überwinden“.
„Wir müssen wir jetzt die richtigen politischen Weichen stellen, um die Wettbewerbsfähigkeit einer ganzen Branche nicht zu gefährden“, erklärte Ovid-Präsidentin Jaana Kleinschmit von Lengefeld. Seit 125 Jahren seien die deutschen Ölmühlen verbandlich organisiert. Ihnen gehe es darum, „Deutschland auch zukünftig verlässlich mit Lebens- und Futtermitteln zu versorgen”. Dies sei kein Selbstläufer. Ernährungssicherheit, resiliente Lieferketten und offene Märkte müssten wieder stärker in den Fokus rücken.
Klimaschutz durch Biokraftstoffe
Eine klare politische Linie ist aus Sicht von Ovid bei der Bewertung von Biokraftstoffen erforderlich. „Nachhaltige Biokraftstoffe sind der Garant für mehr Klimaschutz auf der Straße“, betont der Verband und wendet sich gegen Versuche, Biokraftstoffe aus landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten zu eliminieren. Dringend notwendig sei eine praxisnahe Umsetzung von Regulierungen zu Lieferketten und Nachhaltigkeitsberichterstattungen sowie der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Hier gelte es, Legalitätsnachweise zu reduzieren und Doppelnachweise zu vermeiden.
Wettbewerbsfähige Gaspreise
Ein weiteres zentrales Anliegen der Ölmühlenindustrie ist die Senkung der Energiekosten. Ovid fordert einen fairen Wettbewerb für energieintensive Lebensmittelbetriebe und wettbewerbsfähige Gaspreise für prozesswärmeintensive Industrien. Zudem sollte die Strompreiskompensation auf diese Sektoren erweitert und eine praxisorientierte Ausgestaltung der Industrie-Netzentgelte umgesetzt werden. Das helfe den Unternehmen, ihre Energieversorgung zu flexibilisieren und langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.



