Die Ampferbekämpfung im Grünland ist zwingend erforderlich, da sich die konkurrenzstarke Pflanze rasant ausbreitet, wertvolle Futtergräser verdrängt und die Futterqualität durch Oxalsäure mindert. Auch wenn die besten Bekämpfungserfolge im Spätsommer zu erwarten sind, kann nach dem ersten Schnitt schon mit der Bekämpfung begonnen werden. Eine ressourcenschonende Einzelpflanzenbehandlung ist für Qualität und wertvolle Artenvielfalt der Flächen empfehlenswert. Neue Pflanzenschutztechnik ist präzise, effizient und in der Lage, große Mengen an Pflanzenschutzmitteln einzusparen.
Um dem Integrierten Pflanzenschutz Genüge zu tun, sei vorab darauf hingewiesen, dass erfolgreiche Narbenpflege und händisches Entfernen von ersten auftretenden Einzelpflanzen im Bestand mit dem Ampferstecher die Grundlage der Ampferbekämpfung sind oder sein sollten.
Nimmt der Ampfer dann trotzdem überhand im Bestand, kann die chemische Bekämpfung sinnvoll und notwendig werden. In der Literatur wird der Spätsommer als vorzüglicher Termin für die chemische Bekämpfung der Ampferpflanzen in einem Grünlandbestand genannt. Arbeitswirtschaftliche Gründe machen es aber oft erforderlich, weitere Termine für die Bekämpfung zu finden, und es gibt sie auch. Wichtig ist, dass sich die zu bekämpfenden Pflanzen in einem wüchsigen Rosettenstadium bis hin zum beginnenden Schossen befinden. Es muss ausreichend freie Blattmasse zur Verfügung stehen, damit die Pflanzen genügend Wirkstoff aufnehmen und in die Wurzel transportieren können. Ist das Stadium zu fortgeschritten und befindet sich die Pflanze schon in der Blütenbildung (erste Blütenquirle sichtbar), wird der Wirkstoff unter Umständen nicht effektiv in die Wurzel transportiert. Die Saftströme konzentrieren sich dann auf die Vermehrungsorgane, und die Altpflanze kann überleben.
Ungeachtet ob im Frühsommer nach dem ersten Schnitt oder später im Jahr, sollte sich die Ampferpflanze also im aktiven Rosettenstadium befinden. Oft entwickelt sich der Ampfer nach dem Schnitt zügiger als der restliche Bestand. Dieser Zeitpunkt sollte genutzt werden, damit die Pflanze frei getroffen und die Wirkstoffe nachhaltig aufgenommen werden können. Für die chemische Bekämpfung stehen mehrere Wirkstoffe in unterschiedlichen Kombinationspräparaten zur Verfügung. Hierbei gibt es einen kleeschonenden Wirkstoff, Thifensulfuron-methyl, der in Harmony SX enthalten ist.
Weitere, jedoch nicht kleeschonende Mittel sind Ranger und Garlon, jeweils mit den beiden Wirkstoffen Fluroxypyr + Triclopyr. Als kostengünstigere, aber nicht so breit wirkende Lösungen stehen Tomigan 200 oder Lodin mit dem Wirkstoff Fluroxypyr (solo) zur Verfügung.
Simplex mit den Wirkstoffen Fluroxypyr + Aminopyralid ist ebenfalls sehr wirksam, ist aber wegen Persistenz im Futter und Nachbauproblemen mit dem Wirtschaftsdünger für die Ampferbekämpfung nicht nötig. Es kann mit den anderen zur Verfügung stehenden Mitteln gearbeitet werden.
Oft kommt aktuell noch die herkömmliche vollflächige Behandlung zum Einsatz. Dies sollte in Zukunft jedoch aufgrund der sehr praktikablen Technik zur Einzelpflanzenbehandlung im Spotspray dringend überdacht werden.
Einzelpflanzen- und Horstbehandlung
Ersten Ampfernestern oder sehr vereinzeltem Auftreten in einem Bestand kann grundsätzlich über eine Einzelpflanzenbehandlung mit der Rückenspritze oder auch mit dem Ampferstecher begegnet werden. Kommt die Rückenspritze zum Einsatz, sollten moderne Flachstrahldüsen im Gerät verbaut sein. Bei der Anwendung muss auf die Vermeidung von Punkteinträgen und Überdosierung und damit möglichen Schäden an der Kulturpflanze und dem Naturhaushalt geachtet werden. Auf den Einsatz von Rundkegeldüsen, wie sie oft vom Hersteller in den Geräten verbaut sind, sollte unbedingt verzichtet werden. Sie sind viel zu ungenau.
Sind größere Flächen mit Ampfer besetzt, ist eine Behandlung mit der Rückenspritze nicht mehr sinnvoll. Jedoch ist eine vollflächige Behandlung für den Naturhaushalt, die Artenvielfalt im Bestand und die Kulturpflanzen problematisch. Auch wenn die oben angegebenen Herbizide als selektiv bezeichnet werden, sind sie für die Kulturgräser dennoch eine metabolische Herausforderung. Das bedeutet, dass die Gräser Kraft und Vitalität beim Abbau der Herbizide benötigen, die sie ohne Applikation in Ertrag und Qualität hätten investieren können.
Wie aber kann eine effiziente Behandlung ausschließlich der Ampferpflanzen realisiert werden? Hierzu haben sich schon vor Jahren unterschiedliche Start-up-Unternehmen Gedanken gemacht. Unter anderem ist von der Firma Allgäu Automation, zunächst im Rahmen eines Hochschulprojekts, ein Gerät entwickelt worden, das während der Überfahrt über das Grünland mittels Kameratechnik und einer Bild-Analyse-Software Ampferpflanzen erkennt und mit speziellen Spotdüsen mit 10 cm Applikationsbreite engräumig applizieren kann. Die gesamte Arbeitsbreite beträgt 8,80 m. Somit ist eine sehr effektive, bestands- und artenvielfaltschonende „Einzelpflanzenbehandlung“ mit einer professionellen Überfahrt möglich. Überdosierungen, wie beim Einsatz mit der Rückenspritze, sind ausgeschlossen. Die möglichen Einsparungen an Pflanzenschutzmitteln entsprechen beinahe dem prozentualen Deckungsgrad des Ampfers auf der Fläche. Somit können laut Hersteller bis zu 98 % im Vergleich mit der vollflächigen Anwendung eingespart werden. Dies schützt Artenvielfalt und Naturhaushalt, spart Pflanzenschutzmittel und Geld und kann sogar höhere Erträge und bessere Qualitäten zur Folge haben, da die Kulturpflanzen keinen Wachstumsdepressionen durch die Herbizide ausgesetzt sind.
Weiterentwicklung der Techniken
Auch wenn die Technik gegen Ampfer schon seit Jahren gut funktioniert, wird ständig an Verbesserungen und Erweiterungen gearbeitet. So wird der RumboJet880 der Firma Scheel in Sarlhusen aktuell mit neuer Kameratechnik ausgerüstet. Die neuen Kameras sind in der Lage, KI-gestützt zu arbeiten, während die alte Technik vorrangig mit herkömmlicher Bilderkennungssoftware arbeitete. Ziel ist es, weitere Unkräuter wie Jakobskreuzkraut zu detektieren und gezielt und schonend aus dem Bestand zu entfernen.
Auch andere Firmen, etwa die Rumex GmbH oder Ecorobotix, entwickeln ihre Geräte ständig weiter. So werden die zu applizierenden Spots durch immer geringeren Düsenabstand und extrem kurze Reaktionszeiten der Applikationstechnik immer kleiner. Hierdurch ist es bereits möglich, einzelne sehr kleine Unkräuter aus Kulturpflanzenbeständen zu entfernen. Auch wird die Technik immer vielseitiger einsetzbar. Einige Spezialgeräte können außer im Grünland auch im Acker- und Gemüsebau eingesetzt werden. Solch moderne Technik hat allerdings ihren Preis. Im Vergleich zu herkömmlichen Feldspritzen ist die Schlagkraft reduziert. Neben den genannten Spezialtechniken ist auch die Kartierung des Ampferaufkommens mithilfe von speziellen Drohnen möglich. So gewonnene Schlagkartierungen können auf moderne Feldspritzen übertragen werden. Sind diese mit kleinen Teilbreiten oder, besser noch, Einzeldüsenschaltungen ausgerüstet, kann auch hiermit Spotspraying durchgeführt werden. Es können große Mengen an Herbiziden eingespart werden.
Egal ob vollflächig oder im Spotspraying appliziert wurde, nach jeder Ampferbekämpfung muss zwingend eine Nachsaat durchgeführt werden, um die entstehenden Lücken sofort zu schließen und eine Neubesiedlung durch Unkräuter zu verhindern. Hierbei können wie gewohnt wertvolle Weidelgräser eingesetzt werden, aber es ist natürlich auch möglich, artenvielfältigere Mischungen einzusetzen. Es ist allerdings darauf zu achten, dass die Mischungen ausreichend konkurrenzstark sind.
Fazit
Als bedeutendem Unkraut im Grünland ist einem vermehrten Auftreten des Ampfers unbedingt gegenzusteuern. Dies geschieht immer noch oft mit vollflächigen chemischen Applikationen. Neue Technik macht herkömmliche Behandlungen überflüssig, bei denen in der Regel auch alle wertvollen Kräuter aus dem Bestand entfernt werden. Durch Spotspraying werden Kulturpflanzen und Naturhaushalt geschont. Artenvielfalt und minimale Herbizidmengen können die Futterqualität und sogar die Erträge verbessern.




