StartNachrichtenPflanzeFläche um über neun Prozent ausgeweitet

Fläche um über neun Prozent ausgeweitet

Schleswig-Holstein immer beliebter für den Pflanzkartoffelanbau
Von Melanie Hahn , Landwirtschaftskammer SH
Ohne Gummistiefel ging es in diesem Jahr nicht. Fotos: Melanie Hahn

Der Pflanzkartoffelanbau in Schleswig-Holstein wird immer weiter ausgedehnt. Die Anbaufläche hat sich von 2.756 ha 2023 auf 3.011 ha in diesem Jahr vergrößert. Das bedeutet einen Anstieg von 255 ha oder 9,25 %. Auch deutschlandweit gab es einen Zuwachs des gesamten ­Kartoffelanbaus von 9 %.

In Schleswig-Holstein werden von 64 landwirtschaftlichen Betrieben insgesamt 153 verschiedene Pflanzkartoffelsorten vermehrt. 15 Vertriebsorganisationen (VO-Firmen) melden ihre Sorten bei der Landwirtschaftskammer an. 3.011 ha Vermehrungsfläche sind absoluter Rekord für dieses Bundesland. Die beliebtesten Sorten sind ,Colomba‘, ,Innovator‘, ,Zorba‘ und ,Annabelle‘.

Diesjährige Herausforderungen

Kein Jahr ist wie das andere. So gab es auch in dieser Saison wieder neue Herausforderungen. Noch nie gab es so einen langen Anmeldezeitraum. Grundsätzlich müssen die Vermehrungsflächen bis zum 15. Mai bei der Anerkennungsstelle angemeldet sein. Das klappte 2024 nur bei wenigen Betrieben. Die Anmeldungen zogen sich weit in den Juni und die letzten gingen tatsächlich erst Anfang Juli ein. Aufgrund der nassen Bedingungen bis ins späte Frühjahr hinein kamen viele Betriebe erst spät auf den Acker.

Die Feldbesichtigungssaison zog sich deswegen natürlich ebenfalls in die Länge und ist auch noch nicht ganz abgeschlossen. In Schleswig-Holstein wird überwiegend im Vorstufen- und Basisbereich vermehrt. Die Anforderungen sind im Vergleich zu Z-Pflanzgut höher. Die entsprechenden Feldbestandsprüfungen werden von Feldbesichtigern vorgenommen, die dazu jedes Vorhaben zwei- bis dreimal begutachten. Im Vergleich zum Vorjahr gab es in diesem Jahr mehr Aberkennungen, vor allem wegen Schwarzbeinigkeit. Das viele Wasser begünstigte die Ausbreitung von Bodenbakterien.

Pflanzkartoffeln aus Schleswig-Holstein sind in der ganzen Welt gefragt.

Krautfäule bereitete Probleme

Da das Kartoffelpflanzgut sehr knapp war, wurde auch Pflanzgut verwendet, das teilweise mit Viren belastet war. Trotz geringen Blattlausaufkommens wurden mehr viruskranke Pflanzen gefunden als im Vorjahr. Auch hier kam es zu Aberkennungen.

Ein weiteres Problem – besonders ausgeprägt auf den Ökobetrieben – war die Krautfäule (Phytophthora infestans). Aufgrund dessen brachen vor allem zum Ende der Saison einige Bestände zusammen. Da es sich um einen pilzlichen Erreger handelt, ist die Krankheit zwar nicht anerkennungsrelevant, erschwert allerdings das Ansprechen anderer Krankheiten.

Besonders der Bereich an der Westküste ist für den Kartoffelanbau sehr beliebt. Der fruchtbare Kleiboden und die gesunden Westwinde bieten hier beste Bedingungen. Aber auch im Osten breitet sich der Pflanzkartoffelanbau aus, sogar bis nach Fehmarn.

Derzeit ist die Sikkation in vollem Gange und die ersten Betriebe starten mit dem Roden der frühen Sorten. Durch das teilweise sehr späte Pflanzen verzögert sich auch die Ernte bei diesen Partien um ein bis zwei Wochen. Die Erträge und Qualitäten werden erst bei der Ernte sichtbar. Trotz guter Knollenansätze werden keine Höchsterträge erwartet. Vor allem die vorzeitige Abreife hindert die Knollen am Wachstum.

Die Untersuchungen für die Anerkennung laufen zeitnah nach der Ernte. Alle Partien werden in Laboren auf Viren und Bakterien untersucht. Nur wenn die Grenzwerte eingehalten wurden, kann es zur Anerkennung der Partie kommen. Der Großteil der Pflanzkartoffeln wird in Drittländer (Nicht-EU-Länder) exportiert. Die ersten Länder, wie zum Beispiel Ägypten und Vietnam, erwarten bereits Anfang Oktober einen Beginn der Lieferungen. Die Exportsaison endet erst wieder im Mai nächsten Jahres. Pflanzkartoffeln aus Schleswig-Holstein sind in der ganzen Welt gefragt.

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