Dithmarschen ist nicht nur das letzte Abenteuer Europas, hier klingt auch alles vertraut anders. „Im Watt sein ist alles“, „das Dreckige muss ins Eckige“ – jetzt ist die „Wattolümpiade der Neuzeit“ Geschichte.
Nach 20 Jahren und 14 durchgeführten Olümpiaden am Elbdeich hat der Wattikan, die Organisatoren vom Verein der Freunde und Förderer der Wattolümpiade Brunsbüttel, einen Schlussstrich gezogen. Und das mit einem nie da gewesenen Rahmenprogramm und einem dritten Weltrekord. Das Spektakel dauerte zwölf Stunden und brachte schon da zirka 32.000 € an Spenden ein, die genaue Abrechnung folgt erst noch. Knapp 25 Mannschaften gingen für die gute Sache ins Watt und kämpften in den Disziplinen Wattfußball, Watthandball, Wattwolliball und Schlickschlittenrennen um die Ehre und natürlich olümpisches Gold. Die Wattolümpiade wurde wieder traditionell mit einem Gottesdienst am Deich, geleitet von Pastor i. R. Edgar „Eddi“ Huhn, eingeleitet. Die Mannschaften zeigten bereits vor den Wattkämpfen, dass sie voll bei der Sache sind. Mit ausgefallenen Kostümen und oft wattbezogenen Teamnamen zogen sie unter großem Beifall vor die Bühne, bevor die schmutzigen Spiele für eine saubere Sache begangen.
Dann galt es, den zehn Jahre alten Weltrekord von 350 Wattengeln zu brechen. Am Ende legten sich jetzt 386 Menschen in den Elbschlick, um entsprechende Figuren zu formen. Olaf Kuchenbecker vom Rekord Institut für Deutschland (RID) hatte dabei ein prüfendes Auge und bestätigte den Rekord mit Urkunde und Medaillen. Am Elbdeich nutzten die Besucher die Angebote und Aktionen und verfolgten die Wattkämpfe vom Ufer aus. Der olümpische Wattpräsident Michael Behrend dankte am Ende allen Teilnehmern, Unterstützern und Sponsoren, die dem Verein in all den Jahren die Treue gehalten haben und auch beim letzten Mal ihr Material und ihre Manpower ehrenamtlich zum Einsatz brachten. „Ich bin sehr dankbar, so ein geiles Team um mich zu haben.“
Neun Tage hatten die Organisatoren am Deich vorbereitet und aufgebaut, im Hintergrund die Strippen gezogen und sich ins noch saubere Zeug gelegt. Viele der Mannschaften waren nicht zum ersten Mal dabei und hatten bereits im Vorfeld Spenden zugunsten der Krebsgesellschaft gesammelt, die bei der Siegerehrung übergeben wurden. In den 20 Jahren wurden mehr als 600.000 € gesammelt und für den Aufbau der Krebsberatungszentren Westküste oder der Krebsberatungstage eingesetzt. Drahtzieher der ersten Stunde ist der Brunsbütteler Künstler Jens Rusch, der 2001 selbst an Krebs erkrankte und jetzt das neue Netzwerk Patientenkompetenz vorstellte. Hier soll der Informationsfluss zwischen Patienten und Onkologen verbessert und ausgebaut werden. Die Wattolümpiade ging mit einem großen Feuerwerk zu Ende. Ideen für neue Events sind dem Vernehmen nach schon vorhanden.



