StartNachrichtenPferd & ReiterZwei Reservesieger in Berlin

Zwei Reservesieger in Berlin

Bundeskaltblut- und Bundeshengstschau Fjordpferde bei der Grünen Woche
Von Lena Höfer
Der 20-jährige Schleswiger Kaltblüter Zigeunerbaron wurde Bundesreservesieger. Foto: privat

Auf der Grünen Woche in Berlin standen in diesem Jahr die Pferde im Mittelpunkt. Neben der Bundeskaltblutschau hatten auch die Fjordpferde ihren großen Auftritt in der Tierhalle. Im Rahmen der FN-Bundeshengstschau wurden unter ihnen die Bundessieger in zwei Altersklassen ermittelt.

Sowohl bei den Kaltblütern als auch bei den Fjordpferden waren die Reihen der Teilnehmer etwas ausgedünnt. Grund dafür war die Maul- und Klauenseuche, die in einer Brandenburger Wasserbüffelherde nachgewiesen worden war. Zwar sind davon nur Paarhufer betroffen, es mussten aber auch Pferde zu Hause bleiben, die aus Beständen stammen, in denen zusätzlich Klauentiere gehalten werden.

Nele-Sophie Knudsen hatte sich trotzdem auf den weiten Weg von Emmelsbüll-Horsbüll, Kreis Nordfriesland, in die Hauptstadt gemacht, um ihr 20-jähriges Schleswiger Kaltblut Zigeunerbaron auszustellen. Der Hengst ist erst seit zwei Jahren bei ihr. Knudsen hatte ihn zunächst für eine Saison von den Züchtern Michael und Helmut Thiel aus Krumstedt, Kreis Dithmarschen, gepachtet. Doch dann wollte sie ihn nicht mehr hergeben. „Er ist einfach toll. Es gibt nichts, was ich nicht an ihm mag“, schwärmt sie. Die Züchter verkauften ihr den Hengst und nun läuft er manchmal sogar in ihrem Schulbetrieb mit.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Kerrin Buysarr und der Züchterfreundin und Nachbarin Bente Lück sei sie nur aus Spaß nach Berlin gefahren. „Bente hatte schon einmal einen Bundessieger und schwärmte immer von der Veranstaltung. Das wollten wir zusammen erleben“, erklärt Knudsen. Mit einer Bundesprämie oder gar einer so guten Platzierung hatte sie nicht gerechnet, aber Zigeunerbaron bekam die Auszeichnung und wurde sogar Reservesieger. „Kann mich mal jemand kneifen?“, postete Knudsen danach in den Sozialen Medien.

Überraschung auf der Rückfahrt

Sie hat noch einen Bundessieger im Stall, den Hengst Ferrero, außerdem knapp 20 weitere Schleswiger. Sie alle werden neben der Zucht als Schulpferde, beim therapeutischen Reiten oder vor der Kutsche eingesetzt. Auf der Rückfahrt von Berlin wartete die nächste Überraschung auf Knudsen. Bei einem Kontrollblick auf die Kamera im Stall entdeckte sie ein gesundes Hengstfohlen im Stroh. „Das war besonders schön“, sagt die stolze Züchterin, die sich auf weitere Fohlen von ihrem Bundesreservesieger freut.

Bei den Fjordpferden war die Beteiligung aus Schleswig-Holstein etwas größer. Sechs Hengste wurden vorgestellt. Auch hier stellten Züchter aus dem Land zwischen den Meeren den Bundesreservesieger bei den Althengsten. Solfin Skova ist in der Fjordszene kein Unbekannter. Der in Dänemark gezogene Hengst wurde als Zweijähriger von Inka Störmann-Thies gekauft und auf das Gestüt Klosterhof in Flethsee, Kreis Steinburg, geholt.

Dreijährig wurde Solfin Skova beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/­Hamburg gekört. Zwei Jahre später, 2016, gewann er die Bronzemedaille beim bundesweiten Championat der Freizeitpferde und wurde somit Leistungshengst. Wieder ein Jahr später wurde er Bundessieger der Fjordhengste in Berlin. „Damals waren die Hengste in leistungsgeprüfte und nicht leistungsgeprüfte aufgeteilt und nicht wie heute nur nach dem Alter“, erinnert sich Störmann-Thies. Doch damit nicht genug. Vor drei Jahren wurde der Weißfalbe erneut Reservesieger der Bundeshengstschau, diesmal in Bad Segeberg. Im gleichen Jahr bekam er aufgrund seiner erfolgreichen Nachzucht den Titel Elitehengst und nahm mit Sina-Christin Joesten hocherfolgreich an der Europameisterschaft der Fjordpferde in der Dressur teil. Dies wiederholte das Paar im vergangenen Jahr.

Team Schleswig-Holstein

„Nun sind Pferd und Reiterin die ganze Woche in Berlin und machen bei der Grünen Woche im Showprogramm mit“, berichtet Störmann-Thies. Daher habe es sich angeboten, ihn auch noch einmal auszustellen. Joesten war es auch, die mit Störmann-Thies‘ Schwester, Marita Ranneck, und Denise Träger den Hengst in Berlin vorstellte.

Marita Ranneck freute sich über den Erfolg von Klosterhofs Brijan Baron. Foto: Lily Brandt

Die Besitzerin selbst wollte in diesem Jahr bei ihrem erkrankten Mann bleiben. Doch auch aus der Ferne nahm sie Anteil: „Es ist schon sehr besonders, dass Solfin Skova auch nach acht Jahren immer noch auf dem Endring vorn mitlaufen kann. Das unterstreicht die starke Qualität dieses Hengstes“, macht sie deutlich. In Berlin waren auch der von ihr gezogene Klosterhofs Brijan Baron und der bei ihr stationierte Ioran dabei. Die beiden Hengste gehören Nicola Pokrantz-Berger. Brijan Baron gewann in seiner Altersklasse den 1a-Preis. Ioran, der Siegerhengst der Körung 2024, bekam den 1b-Preis bei den Vierjährigen.

Zum Team Schleswig-Holstein gehörten auch Kevin und Billy Chlan aus Husby, Kreis Schleswig-Flensburg, sowie Inga-Lotta Harder aus Nahe, Kreis Segeberg. „Es ist immer schön in Berlin“, weiß Störmann-Thies. Stallgassenpartys und Züchterabende stärken den Zusammenhalt. Und wenn einer im Publikum „Schleswig“ ruft, brüllt mit Sicherheit eine Gruppe: „Holstein!“

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