Frisch ausgezeichnet mit dem Gütesiegel „Zertifiziertes Museum“ (Ausgabe 6) startet die Herbert-Gerisch-Stiftung in Neumünster in das neue Ausstellungsjahr und feiert Jubiläum: Anlässlich des 25-jährigen Bestehens hat die Stiftung für 2026 ein besonderes Jubiläumsprogramm zusammengestellt – bei freiem Eintritt für das gesamte Jahr, außer für Veranstaltungen.
Foto: Iris Jaeger
Bis zum großen Jubiläumsfest am 10. Mai ist es noch etwas hin, doch bleiben die Ausstellungsräume bis dahin nicht leer. Mit vier Künstlerinnen aus Neumünster und der weiteren Umgebung beginnt das Jubiläumsjahr mit einer spannenden Ausstellung, die auch räumlich an vier Orten auf dem Stiftungsgelände stattfindet: in der Villa Wachholtz, der Remise, in der Galerie und im Souterrain. Mit Inge Pries, Anja Kowalik, Kristin Grothe und Monika Rathlev habe man vier Ausstellerinnen, die unterschiedlicher in ihrer Kunst nicht sein könnten. Und doch sei es gelungen, deren Positionen in einer Ausstellung zusammenzuführen, erklärte die Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Brigitte Gerisch-Hölk, bei der Vorstellung des Jahresprogrammes. „25 Jahre Herbert-Gerisch-Stiftung sind ein lang gelebtes Leben, und doch erscheint es uns allen hier, die über die Zeit mitgeholfen und mitgewirkt haben, wie ein einziger Tag“, so Gerisch-Hölk. Ihrem 2016 verstorbenen Mann sei es zu verdanken, dass er seinerzeit mit Ende 70 den Mut und die Idee gehabt habe, eine Stiftung zu gründen, mit Fokus auf Skulpturen und zunächst internationaler Ausrichtung, blickte Brigitte Gerisch-Hölk auf die Stiftungsjahre zurück.
Foto: Iris Jaeger
2001 wurde die Stiftung gegründet. Fachlich begleitet durch Prof. Herwig Guratzsch und Prof. Christoph Brockhaus entstand der erste Teil des Skulpturenparks im privaten Garten des Stifterpaares. Im Laufe der Jahre wurden die Villa Wachholtz und der Harry-Maasz-Garten restauriert, der zeitgenössische Skulpturenpark integriert und mit Pfauenhaus, der Remise, dem roten Bungalow, dem Souterrain und der Galerie-Terrasse weitere Ausstellungsflächen für Wechselausstellungen, Leihgaben, Neuanschaffungen und Schenkungen geschaffen. Im vergangenen Jahr wurden 500 m2 Gelände an der Schwale zugekauft. Gekrönt wurde die Stiftungsarbeit mit der vor Kurzem erfolgten Zertifizierung. Aktueller Stand: 41 Künstler mit einem Skulpturenbestand von 53 Arbeiten im Außenbereich, international, aber auch regional: „Die Arbeit in den vergangenen Jahren hat uns gezeigt, wie wichtig auch die regionale Kunst für uns und für die Menschen, die hier leben, ist“, so die Vorstandsvorsitzende. In der aktuellen Ausstellung „4 Orte – 4 Positionen“ sei es gelungen, vier regionale Künstlerinnen und deren verschiedene gestalterische Positionen zu vereinen und ihnen durch die Zuweisung von vier verschiedenen Gebäuden dennoch einen individuellen Raum zu bieten, in dem sie sich frei entfalten und die Arbeiten präsentieren könnten.
Foto: Iris Jaeger
In der Villa sind die Arbeiten von Inge Pries zu sehen – zum Teil großformatige Gemälde, die sich zwischen Erinnerung und Imagination bewegen. In ihren Werken verarbeitet Pries Gesehenes, Realität und Gegewart mit Fantasie und Fiktion und verknüpft sie mit Bezügen zur Kunstgeschichte und kunsthistorischen Darstellungen. In dünnen Ölfarblasuren trägt sie auf, übermalt, erinnert, verarbeitet und spielt mit Licht, Form, Farben. Natur und Tiere spielen ebenso eine Rolle wie Kleidung. Ihre Bilder wirken oft mythisch, mystisch mit zum Teil surrealistischen Elementen.
Einen Raum der Stille hat Anja Kowalik in der Remise geschaffen. Neben Stoffcollagen und Gemälden steht ihre raumgreifende Installation im Mittelpunkt. Mit Bezug zum Frauentag widmet sie sich der Frage: „Was benötigen wir Frauen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Wie gelingt Transformation und das Lösen aus vorgegebenen Strukturen?“. Die verwendeten Stoffreste verweisen auf Tradition, Geschichte, Fürsorge und weibliche Handarbeit. Die Collagen enthalten gebrauchte Materialien und haben einen persönlichen Bezug zu ihr und ihrer Mutter. Die in den Stoffen befindlichen Flecke hat sie mit Fineliner nachgezeichnet und die Fragmente in Bildern neu zusammengesetzt. Die für die Rauminstallation aus Laken gewonnenen Stoffschnüre hat sie in ein Drahtgeflecht gearbeitet, das einerseits Halt und Haltung gibt, andererseits wie ein Korsett einengen kann. Sie lädt die Besuchenden zu einem Dialog über Rollenbilder, Verbundenheit und die Kraft der Transformation ein.
Foto: Iris Jaeger
Kristin Grothe hingegen beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit dem Verhältnis von Architektur, Landschaft und Zeit. Sie sind in der Galerie zu sehen. Es ist ein Wechselspiel von Raum und Tiefe, Zerstörung und Harmonie. Grothe arbeitet negativ: Anstatt Farbe aufzutragen, trägt sie die zuvor aufgebrachte oder gedruckte Farbe wieder ab, mit Schleifpapier oder Cutter. An einigen Stellen fügt sie Linien wieder mit Fineliner hinzu, schafft Perspektiven und Tiefe mit Kreide. Das Radieren und das Zerstören des Büttenpapiers hinterlassen einzigartige Spuren und Strukturen, Grafiken, die den Blick einfangen und in die Tiefe ziehen.
Monika Rathlev fühlt sich wohl im Souterrain. Dort hat sie einige Jahre Malunterricht gegeben. Jetzt zeigt sie hier an einer Wand aufgereiht ihre gezeichneten Momentaufnahmen von 2023 bis 2025. „Die habe ich bewusst auf dem kleinen Format gezeichnet, um den Blick auf das Wesentliche zu schärfen und weil sie meine Stimmungen in diesen Momenten widerspiegeln.“ An der gegenüberliegenden Wand sind ihre computergenerierten Zeichnungen zu sehen, die sie mit Stift auf einem Computer-Pad zeichnet und dann als Fine-Art-Drucke auf Büttenpapier präsentiert. Darin verbindet sie traditionelle Abstraktionen mit zeitgenössischer Bildsprache.
Weitere Informationen zu der Ausstellung und den kommenden Veranstaltungsterminen unter www.gerisch-stiftung.de



