StartNachrichtenAgrarpolitikTaube: Kleegras macht den Ackerbau besser

Taube: Kleegras macht den Ackerbau besser

Zwischenergebnisse des „Modellvorhabens Schlei“ vorgestellt
Von Dr. Robert Quakernack
Prof. Uwe Latacz-Lohmann (li.) und Prof. Friedhelm Taube (r.) erläutern Umweltminister Tobias Goldschmidt die Schwerpunkte des Projektes. Fotos: rq

Wie zwischenbetriebliche Nährstoffflüsse optimiert und Nährstoffüberhänge reduziert werden können, untersuchen Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) im Rahmen des Forschungsprojektes „Modellvorhaben Schlei“. Analysiert werden zudem mögliche Förderinstrumente, um Leistungen der Landwirte in den Bereichen Wasser-, Klima- und Biodiversitätsschutz zu honorieren. Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) informierte sich am Montag (24. April) auf dem Milchviehbetrieb von Andreas Hobus in Dörphof, Kreis Rendsburg-Eckernförde, über die Zwischenergebnisse.

Goldschmidt erklärte: „Nährstoffeinträge sind eine der großen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Artenvielfalt, unsere Böden und Gewässer, aber auch unser Klima leiden enorm – besonders sichtbar wird dies in der Schlei und in der Ostsee.“ Lösungen erforderten den Schulterschluss mit der Landwirtschaft.

Geleitet wird das Forschungsvorhaben von Prof. Uwe Latacz-Lohmann und Prof. Friedhelm Taube von der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU. Im Rahmen des Projekts werden die von der Landwirtschaft erbrachten Leistungen für Umwelt und Natur nach dem Modell der Gemeinwohlprämie (GWP) bewertet, die vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) in Schleswig-Holstein entwickelt wurde, um freiwillig erbrachte Gemeinwohlleistungen durch Landwirte zu honorieren. Laut Latacz-Lohmann stehen die Landwirte in der Region der Gemeinwohlprämie durchweg positiv gegenüber. Auch der Landesbauernverband zeigte sich bereits als Fürsprecher. Die GWP ermöglicht den Betrieben, Biodiversitäts- und Gewässerschutz als wirtschaftlichen Betriebszweig in das Betriebsgeschehen zu integrieren. „Unsere Untersuchungen vor Ort zeigen, dass der Nährstoffeintrag in die Schlei spürbar reduziert werden könnte, wenn die Gemeinwohlprämie als Instrument einer zukünftigen Agrarpolitik zur Umsetzung käme“, so Latacz-Lohmann. Goldschmidt äußerte Zweifel, dass die Politik die GWP bereits in der kommenden Förderperiode ab 2028 als Instrument einbinden werde. Latacz-Lohmann warb dafür, möglichst frühzeitig Elemente der GWP in die Ökoregelungen zu übernehmen.

Im Fokus des Forschungsvorhabens steht zudem die Erprobung der Hybridlandwirtschaft, bei der eine konventionelle Bewirtschaftung mit Elementen des Ökolandbaus kombiniert wird. So könne beispielsweise durch bestimmte Fruchtfolgen der Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz bei annähernd gleich hohen Erträgen reduziert werden. Taube erklärte: „Unsere detaillierten Untersuchungen zur Optimierung der Düngung im Sinne des Gewässerschutzes und zur Erweiterung der Fruchtfolgen um Kleegras im Schlei-Projekt zeigen das große Optimierungspotenzial nicht nur für den Gewässerschutz, sondern auch den Klimaschutz und die Biodiversität.“ So könnten allein durch die Reduzierung der Nitrateinträge Umweltkosten in der Größenordnung von 200 €/ha vermieden werden.

Florian Tietjens erläuterte das Prinzip der schlaginternen Segregation: Auf 90 % der Fläche wird 90 % des Nährstoffbedarfs gedüngt; 10 % verbleiben ungedüngt.
Matthias Staack berichtete, dass Gras und Kleegras aufgrund ihrer hohen Wurzellängendichte in der Lage sind, N-Auswaschungen nahezu komplett zu vermeiden.
Laut Dr. Ralf Loges könnten die Ziele der europäischen Farm-to-Fork-Strategie mithilfe der Hybridlandwirtschaft Eins-zu-Eins umgesetzt werden.
Betriebsleiter Andreas Hobus will mit einem erhöhten Kleegrasanteil unter anderem die Proteinversorgung seiner Milchkühe sicherstellen.

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