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Gewichtsverlust sollte nicht zu groß werden

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Es ist durchaus normal, wenn Sauen während der Säugezeit Gewicht verlieren, es sollte aber nicht zu viel sein. Prof. Dr. ­Steffen Hoy, Universität Gießen, hat untersucht, wovon die Gewichtsabnahme abhängt.

Im Durchschnitt nehmen Sauen während der Säugezeit ab. Das ist ein normaler Vorgang, der bei vielen Säugetieren nach der Geburt abläuft. Die Sauen produzieren Milch für die Ferkel und brauchen dafür die Energie aus dem Futter. Ist der Bedarf an Energie größer als die Menge, die sie über das Futter aufnehmen können, „schmelzen“ sie Körperfett ein, um Energie für die Milchbildung bereitzustellen. Dabei nehmen die Sauen ab. Verlieren sie zu viel an Gewicht, kann das zu negativen Folgeerscheinungen führen, wie verlängertem Absetz-Beleg-Intervall, höherer Umrauscherrate, niedrigerer Wurfgröße sowie geringerer Ausgeglichenheit der Ferkel im Folgewurf. Auf der Lehr- und Forschungsstation Oberer Hardthof (OH) der Universität Gießen werden die Sauen routinemäßig zu Beginn und am Ende der Säugezeit gewogen. Das war die Voraussetzung, um die Faktoren mit Einfluss auf die Gewichtsveränderung während der Säugezeit zu untersuchen.

Was bedeutet Netto-Gewichtsverlust?

Die Sauenzuchtanlage des OH wird seit etwa zehn Jahren im Drei-Wochen-Rhythmus mit sieben Gruppen zu je 16 Sauen betrieben. Der Betrieb besitzt eine Spotmix-Fütterungsanlage. Jedes Kilo Futter, das täglich über jedes Ventil (auch im Abferkelstall) ausdosiert wird, kann so erfasst werden. Damit konnten wir den Futterverbrauch von der Abferkelung bis zum Absetzen (im Mittel mit 26 Säugetagen) an einer großen Anzahl an Sauen (exakter: Säugezeiten, da viele Sauen über mehrere Würfe hinweg verfolgt wurden) analysieren. Die Sauen sind überwiegend reinrassige Landrasse- oder Edelschwein-Tiere oder Kreuzungen aus beiden. Wenige reinrassige Piétrain- und Duroc-Sauen komplettieren den Bestand. Wir erfassten Genotyp, Wurfnummer, Säugewoche, die Anzahl aufgezogener Ferkel pro Wurf und die durchschnittliche Außentemperatur in der jeweiligen Säugezeit. Die Sauen wurden routinemäßig am dritten Säugetag und am Absetztag einzeln gewogen. Daraus ließ sich die Gewichtsabnahme (oder auch -zunahme) in der Säugezeit berechnen. Dabei handelt es sich um den Netto-Gewichtsverlust. Das Gewicht der Ferkel zur Geburt, der Nachgeburten sowie des Fruchtwassers waren ohne Bedeutung, da die Sauen erst nach der Abferkelung gewogen wurden. Bei einem Wurfgewicht zur Geburt von im Mittel 22 kg (gesamt geborene Ferkel), etwa 5 kg Fruchtwasser und zirka 4 kg Nachgeburt müssen zum Netto-Gewichtsverlust etwa 31 kg addiert werden, um den Brutto-Gewichtsverlust zu bestimmen. Üblicherweise werden die Sauen nämlich nicht nach dem Abferkeln, sondern – wenn überhaupt – bei der Einstallung in die Abferkelbucht gewogen. Das Gewicht zur Einstallung abzüglich des Gewichts beim Absetzen ist somit der Brutto-Gewichtsverlust, der dann angegeben wird.

Piétrain-Sauen sind am leichtesten

Von 1.813 Sauen waren sowohl das Gewicht am dritten Tag der Säugezeit als auch das zum Absetzen der Ferkel bekannt. Viele Sauen wurden dabei mehrfach gewogen – vom ersten bis elften Wurf. Das mittlere Gewicht aller Sauen am Tag 3 nach der Abferkelung betrug 245,2 kg. Beim Absetzen der Ferkel brachten die Sauen durchschnittlich 238,0 kg auf die Waage. Im Schnitt verloren die Sauen somit 7,2 kg Gewicht netto (brutto etwa 38 kg). Die Unterschiede zwischen den Sauen waren enorm mit einer Spanne von 75 kg Abnahme bis 56 kg Zunahme (netto).

Die Piétrain-Sauen waren an Tag 3 der Säugezeit mit 225 kg am leichtesten. Die anderen Rassen beziehungsweise Hybriden unterschieden sich kaum (Abbildung 1). Das Gewicht veränderte sich in der Säugezeit signifikant: Bei den Duroc-Sauen nahm es um 5 kg zu, bei allen anderen Genotypen zwischen um 7 bis 12 kg ab (netto).

Junge Sauen nehmen stärker ab als ältere

In die weiteren Analysen gingen nur Sauen der weißen Genotypen (Landrasse (L), Edelschwein (E) und Hybride aus L und E) ein. Erwartungsgemäß stieg mit zunehmendem Alter das Gewicht der Sauen an, wie die Daten von 1.628 Sauen zeigten. Drei Tage nach der Abferkelung wogen Jungsauen 223 kg. Das Gewicht erhöhte sich signifikant auf 276 kg bei Sauen mit fünf oder mehr Würfen. Am Absetztag waren die Jungsauen 211 kg schwer, die ältesten Sauen 272 kg (Abbildung 2). Die Jungsauen nahmen während der Säugezeit 11,9 kg netto ab. Das entspricht einer Gewichtsabnahme von 5,3 %. Beim Brutto-Gewicht betrug der Gewichtsverlust 42,9 kg (= 19,2 %). Sauen mit vier oder mehr Würfen hatten eine Netto-Gewichtsabnahme von nur 3,9 bis 4,6 kg (1,5 bis 1,7 %). Bezogen auf das Brutto-Gewicht sind das 34,9 bis 35,6 kg, also etwas weniger als 13 % (Tabelle 1).

Temperatur beeinflusst Gewichtsverlust

Bei 856 Sauen (ausschließlich „weiße“ Sauen; L, E sowie E x L beziehungsweise L x E) konnten wir die mittlere Außentemperatur (gemessen an der nächstgelegenen Wetterstation) während der gesamten Säugezeit ermitteln und in einen Zusammenhang zur Gewichtsentwicklung stellen. Die mittlere Temperatur wurde dabei in drei etwa gleich große Klassen eingeteilt:

unter 6,2 °C

6,2 bis 14,0 °C

über 14,0 °C

Das Körpergewicht der Sauen drei Tage nach der Abferkelung in den drei Temperatur-Klassen war annähernd gleich. Je höher die mittlere Außentemperatur während der Säugezeit war, umso mehr verloren die Sauen an Gewicht. In den Wintermonaten betrug der Netto-Gewichtsverlust lediglich 3,2 kg (brutto etwa 34,2 kg). Bei hohen mittleren Außentemperaturwerten über 14 °C stieg dieser Wert auf 12,5 kg oder brutto zirka 43,5 kg. (Tabelle 2).

Das Resultat kann durch die niedrigere Futteraufnahme bei hohen Temperaturen erklärt werden. Bei einer Außentemperatur von unter 6,2 °C fraßen die Sauen im Mittel der Säugezeit 5,83 kg pro Tag. Bei einer hohen Außentemperatur (über 14,0 °C im Mittel der gesamten Säugezeit) fraßen die Sauen jeden Tag 640 g Futter weniger (Tabelle 2). Damit fehlte die Futter-Energie, um einen stärkeren Netto-Gewichtsverlust zu verhindern. Die Einschränkung der Futteraufnahme begann dabei nicht schon am ersten Säugetag, sondern erst ab der dritten Säugewoche. Zwischen der niedrigen und mittleren Temperatur-Klasse traten in allen vier Säugewochen kaum Unterschiede in der täglichen Futteraufnahme der Sauen auf. Vor allem bei hohen Temperaturwerten fraßen die Sauen in der letzten Säugewoche täglich 1,68 kg weniger als in der Temperatur-Klasse unter 6,2 °C (Abbildung 3). Diese Differenz kann durch die Wärmebildung nach der Futteraufnahme erklärt werden. Je mehr Futter gefressen wird, desto mehr wird auch Wärme erzeugt. Diese Wärme muss an die Umgebung abgeleitet werden, damit die Sauen nicht von einer Kreislaufbelastung betroffen sind. Je wärmer es ist, desto schwieriger wird es für die Tiere, die entstehende Wärme an die Umgebung abzugeben. Deshalb schränken die Sauen bei höherer Temperatur die Futteraufnahme ein.

In der Klasse mit den höchsten Außentemperaturen gab es etwa 5 % Säugezeiten mit Tagesmittelwerten von 20 °C oder mehr (im Durchschnitt der gesamten Laktation). Bei der Stallklimaberechnung nach DIN 18910 wird eine Stalltemperatur kalkuliert, die etwa zwei bis drei Grad über der Außentemperatur liegt. Somit gab es Säugezeiten, bei denen im Mittel Stalltemperaturwerte von mindestens 22 bis 23 °C auftraten. Derart hohe Temperaturen sind für die Sauen eine starke Belastung. Eine hohe Luftgeschwindigkeit (über 2 m/s) bei Sommerluftrate und/oder eine Kühlung (Cool-Pads, Nieder- oder Hochdruckbefeuchtung) sind unbedingt zu empfehlen. Auf ausreichende Wasserversorgung (mindestens 2 l/min Durchfluss an den Tränken) ist zu achten. Die Sauen im Abferkelstall sollten dreimal täglich gefüttert werden, um eine hohe Futteraufnahme zu erzielen.

Viele aufgezogene Ferkel – höherer Gewichtsverlust

Mit 1.520 „weißen“ Sauen beziehungsweise Würfen wurden drei annähernd gleich große Gruppen für die Wurfgröße beim Absetzen gebildet: maximal elf, zwölf und mindestens 13 Ferkel mit den Mittelwerten 10,3, 12,0 und 13,3. Es konnte ein signifikanter Einfluss der Wurfgröße beim Absetzen auf den Gewichtsverlust der Sauen nachgewiesen werden. Sauen mit elf oder weniger Ferkeln beim Absetzen verloren im Mittel 3,6 kg netto an Gewicht (brutto zirka 35 kg). Der Netto-Gewichtsverlust von Sauen mit großen aufgezogenen Würfen (13 und mehr Ferkel) betrug dagegen 12,7 kg (brutto etwa 44 kg). Die Sauen beider Gruppen hatten am Tag 3 nach der Abferkelung ein identisches Gewicht von je 248 kg. Sauen mit im Mittel 13,3 aufgezogenen Ferkeln nahmen je Säugetag 150 g mehr Futter auf als Sauen mit 10,3 Ferkeln am Ende der Säugezeit. Diese zusätzliche Futteraufnahme reichte aber offenbar nicht aus, um den Energiebedarf der Sauen mit großen Würfen zu decken, da sie am meisten Gewicht verloren haben. Dieses Resultat zeigt, wie wichtig eine hohe Futteraufnahme säugender Sauen ist. Folgendes Beispiel soll das abschließend demonstrieren. Erhöht man die Energiekonzen­tration des Säugefutters von 12,8 auf 13,4 MJ ME, führt das bei 6 kg Futteraufnahme lediglich zu einer Steigerung der Energieaufnahme von 3,6 MJ ME am Tag. Wenn man es dagegen schafft, die Futteraufnahme um 1 kg zu steigern, bedeutet das ein Mehr von etwa 13 MJ ME Energieaufnahme pro Tag.

Fazit

Der Gewichtsverlust säugender Sauen wird durch Genotyp, Wurfnummer, Stalltemperatur und Wurfgröße beim Absetzen beeinflusst. Bei Jungsauen, hoher (Stall-)Temperatur und großen aufgezogenen Würfen ist der Gewichtsverlust am größten.

Sauen müssen in der Säugezeit nicht zunehmen. Sie sollen aber nicht zu stark abnehmen, um nachteilige Effekte nach dem Absetzen der Ferkel zu vermeiden.

Mit einer dreimaligen Fütterung pro Tag, unmittelbar nach der Abferkelung beginnend, und der Optimierung des Stallklimas im Sommer können der Gewichtsverlust der Sauen eingeschränkt und mögliche Folgewirkungen (zum Beispiel höhere Umrauscherrate) abgemildert werden. Die Futtermenge wird dabei langsam von Säugetag zu Säugetag gesteigert.

Wie entwickeln sich die Energiepreise?

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Zum Jahresbeginn zeigen sich an den Märkten für landwirtschaftliche Produkte viele Unsicherheitsfaktoren. Im Schlachtschweinehandel sorgen Angebotsüberhänge für Preisabschläge. Das Auftreten der Maul- und Klauenseuche in Brandenburg verstärkt den Preisrückgang. Dadurch ist auch der Handel mit Nutzkälbern zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen. Welche Auswirkung dieser Krankheitsfall auf den Milch- und Schlachtrindermarkt hat, ist noch unsicher. Auch die Erlöse für die letzte Ernte der Ackerfrüchte lagen auf einem unzureichenden Niveau. Der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump sorgt für Spannungen und Unsicherheiten im internationalen Handel mit Getreide und Ölfrüchten. Während die Erlössituation somit unsicher bleibt, sind Entlastungen bei den Kosten kaum zu erwarten. Hierzu ein Blick auf den Energiemarkt:

Drill, baby, drill

Der neue US-Präsident Trump gibt sich als Freund der fossilen Brennstoffe. Er will, dass die Konzerne mehr Öl und Gas fördern, um die Energiepreise zu senken. Doch genau das will die Erdölindustrie verhindern. Somit ist unsicher, ob die Ölproduktion überhaupt erhöht wird. Zum Jahresbeginn sind die Rohölpreise deutlich gestiegen. Man rechnet mit verschärften Maßnahmen gegen die Ölexporte Russlands. Somit könnten vor allem im ersten Quartal 2025 die Ölpreise und damit auch die Kurse für Benzin und Heizöl hoch bleiben. In Deutschland sind die Spritpreise zum Jahresbeginn durch die höhere CO2-Abgabe um zirka 3 ct/l gestiegen. Im weiteren Verlauf kommt es auf die Entwicklung der Weltwirtschaft und damit auf die Energienachfrage an. In China sorgt ein Einbruch am Immobilienmarkt für reduziertes Wirtschaftswachstum. In den USA wird vor allem auf die Zinsentwicklung geschaut. Ein erklärtes Ziel von Trump ist die Senkung der Inflation. Gerade Lebensmittel sind dort stark im Preis gestiegen. Dazu müsste man die Zinsen erhöhen. Dies bremst auf der anderen Seite jedoch das Wirtschaftswachstum, da sich Kredite verteuern. Dies spricht für eine reduzierte Energienachfrage. Die Waffenruhe im Krieg in Gaza sorgt zudem für Hoffnung, dass die Tankerrouten sicherer werden. Damit könnte das Ölangebot steigen und die Preise zusätzlich unter Druck setzen. Bleibt zu hoffen, dass sich auch im Ukraine-Krieg im laufenden Jahr eine friedliche Lösung findet. Die Terminkurse für Erdgas sind in Europa zuletzt wieder gestiegen, nachdem sie im Vorjahr zwischenzeitlich deutlich gefallen waren. Auch hier erwägt die EU neue Importbeschränkungen gegen russische Gaslieferungen.

Strompreise tendenziell günstiger

Vor allem in Norddeutschland sollten die Strompreise zum Jahresbeginn sinken. Ein Grund dafür sind die reduzierten Netzentgelte, die jetzt bundesweit verteilt werden. Private Bestandskunden zahlen nach der Erhebung eines Vergleichsportals im Januar etwa 36 ct/kWh. Der Preis für Neukunden liegt bei 29 ct/kWh. Ende des Jahres 2024 waren noch günstigere Konditionen möglich. Viele Tage mit „Dunkelflaute“ haben die Stromkurse am Spotmarkt im Dezember und Januar jedoch steigen lassen.

Insgesamt zeigen sich zum Beginn des laufenden Jahres Unsicherheit und Spekulation an den Märkten. Vieles hängt jetzt von politischen Entscheidungen ab. Sanktionen und Protektionismus wirken somit gegen die klassischen Einflussfaktoren wie Angebot und Nachfrage.

Frischer Wind und ein Jahr voller Pläne

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Im Kalender des Agrarausschusses stand am ersten Januarwochenende, wie bereits in den vergangenen Jahren, ein besonderer Termin. An diesem Wochenende findet immer das Klausurwochenende statt, in diesem Jahr in Weissenhäuser Strand. Um eine nicht ganz so willkommene Tradition beizubehalten, musste die Anreise auch zu dieser Klausur wieder bei Schneegestöber und glatten Straßen bewerkstelligt werden, was zu einigen Verzögerungen führte.

Neben dem Agrarausschuss waren sowohl Mirco Engelbrecht als Vertreter des Landesverbandes als auch Fehmke Dallmeier-Tießen als ausscheidende Agrarreferentin vor Ort. Auch Dr. Susanne Werner war als angehende Vertretung und Ansprechpartnerin für den Agrarausschuss anwesend, um die Jahresplanung 2025 anzugehen und die Aufgabenverteilung für alle bevorstehenden Veranstaltungen zu besprechen.

Verteilen der Zuständigkeiten

Ein intensives Kennenlernen in geselliger Runde durfte in dieser Konstellation auf keinen Fall zu kurz kommen und so konnten sich alle Beteiligten im Zuge der Veranstaltungen in entspannter Atmosphäre untereinander austauschen, ehe es an die Verteilung der Zuständigkeiten ging. An diesem Punkt wurde allen Beteiligen klar, wie viele Termine innerhalb des kommenden Jahres zu berücksichtigen und zu planen sind. Hierzu zählen etwa die Agrarexkursion im Herbst, die Sommeragrarexkursion oder die vielen Agrarausschusstreffen. Auf der Agenda standen weiterhin der Arbeitskreis Agrar des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL), der dreimal im Jahr tagt, sowie die Erntekronenübergaben, die gemeinsam mit den Kreislandjugendverbänden vorbereitet werden müssen. Insgesamt gab es 40 Aufgabenbereiche zu vergeben. Diese wurde gleichmäßig auf das Sprecherteam aufgeteilt, sodass nun jeder für ebenjene Aufgaben zuständig ist, die auch Freude bereiten und den eigenen Interessen und Stärken entsprechen.

Aus der Arbeit im Agrarausschuss ist die gemeinsame Klausurtagung nicht mehr wegzudenken. Foto: Fehmke Dallmeier-Tießen

Nachdem die Zuständigkeiten verteilt waren, wurde der Blick auf den bereits ziemlich prall gefüllten Landjugendkalender geworfen, um die kommenden Treffen zu datieren. Zudem wurden erste Überlegungen zu Themen und Ablauf der Exkursionen getroffen. Die bevorstehenden und geplanten Agrarausschusstreffen und Exkursionen lassen in jedem Fall auf ein spannendes Jahr hoffen.

Am Abend machten sich zudem einige Mitglieder des Landesverbandes auf den Weg, um den Abend gemeinsam mit der Gruppe zu verbringen und um das Kennenlernen zwischen dem neu gewählten Agrarausschuss und dem Landesvorstand zu fördern. Auch eine Austauschrunde zu gemeinsamen Terminen und der Zusammenarbeit innerhalb des Verbandes wurde noch eingebaut.

Klausurtagung für die Arbeit unerlässlich

Abschließend lässt sich sagen, dass die Klausurtagung sehr wichtig für die Arbeit im Agrarausschuss und nicht mehr wegzudenken ist. Zudem schauen wir sehr positiv gestimmt auf das vergangene Jahr des Agrarausschusses mit vielen interessanten und gut besuchten Agrarausschusstreffen zurück. Wir möchten uns in diesem Sinne recht herzlich bei John Gosch für die hervorragende Mitgestaltung und Unterstützung im Agrar­ausschusssprecherteam bedanken und freuen uns auf das kommende Jahr mit vielen Veranstaltungen gemeinsam mit interessierten Junglandwirten aus dem ganzen Land.

Gute Laune bei Laura Stolley, Dr. Susanne Werner, Tessa Nafziger, Mirco Engelbrecht, Fehmke Dallmeier-Tießen, Wiebke Wendt und Malte Blöcker (v. li.) Foto: Laura Stolley

Die erste Veranstaltung des Agrarausschusses findet am Donnerstag, 27. Februar, in Rendsburg statt. Zu diesem Termin dürfen wir die Agrar-Influencerin Annemarie Paulsen bei uns begrüßen. Als Landwirtin aus der Uckermark und gebürtige Schleswig-Holsteinerin vermittelt sie ein authentisches Bild von der Landwirtschaft und wird uns mitnehmen und erläutern, wie man die Landwirtschaft ins richtige Licht rückt.

Aktivstall auf dem Vilica-Reiterhof in Klappschau

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Louise und Ruprecht Reinke haben den Familienbetrieb in der Nähe von Schleswig übernommen und den Reitstall mit Boxenhaltung in einen Aktivstall umgebaut. Nicht nur das Ehepaar ist überzeugt von dem Konzept. Auch die Einsteller sind glücklich, ihre Pferde in der neuen Gruppenhaltung zu erleben.

Viele kennen Louise Reinke noch unter ihrem Mädchennamen Louise Hansen, denn unter diesem war sie hocherfolgreich im Fahrsport unterwegs. Viele Jahre fuhr sie im Bundeskader der Pony-Zweispänner. Zweimal wurde sie Deutsche Jugendmeisterin und einmal Deutsche Meisterin. Dazu kommen diverse gute Platzierungen bei internationalen Turnieren bis CAI***. Mit ihren Leistungen hat sie sich für das Goldene Fahrabzeichen qualifiziert.

Immer mit dabei ist ihre Mutter, Dr. Kristina Hansen. „Sie hat mich nicht nur als Beifahrerin immer unterstützt“, berichtet Reinke. Vor etwas mehr als einem Jahr übergaben die Hansens den Familienbetrieb an ihre inzwischen verheiratete Tochter Louise Reinke. „Mein Mann Ruprecht ist voll mit eingestiegen und meine Eltern helfen noch sehr viel mit“, erzählt die 30-Jährige glücklich. Ihren Mann lernte sie während ihres Landwirtschaftsstudiums in Kiel kennen. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen. „Es hat sich recht schnell herauskristallisiert, dass wir den Betrieb gemeinsam führen“, erinnert sie sich. Neben der Landwirtschaft und dem Reitstall gehört auch das Heim Levslund dazu. Auf einer weitläufigen Hof- und Parkanlage finden Menschen mit Behinderung oder Pflegebedarf ein Zuhause.

Der Betrieb ist schon seit 1883 in Familienbesitz. Jede der inzwischen fünf Generationen hat eine etwas andere Dynamik in den Hof gebracht. So auch die jüngste Geschäftsführerin, die schon während ihres Studiums anfing, sich mit Aktivställen zu beschäftigen. Ihre Bachelorarbeit schrieb Reinke darüber, wie sie einen Aktivstall auf ihrem Hof umsetzen und dabei die vorhandenen Gebäude einbeziehen könnte.

„Der Fokus bei der Pferdehaltung liegt ja immer auch darauf, wie sie wirtschaftlich gestaltet werden kann“, erklärt sie und führt weiter aus: „Viele Hofbesitzer trainieren noch ihre Einsteller. Ich habe zwar einen Trainerschein, aber neben dem Betrieb und den zwei kleinen Kindern keine Zeit, den Reitunterricht für alle meine Einsteller durchzuführen.“ Dieses Standbein vieler Betriebe fiel für sie also aus. „Ich möchte gern, dass die Leute hierherkommen, weil sie die Haltung toll finden. Und daher müssen wir auch allein damit Geld verdienen können.“ Für sie war die Lösung der Aktivstall. „Ich kann mir nichts Besseres für die Pferde vorstellen“, sagt sie.

Baby Tilda, Ruprecht Reinke, Fahrpony Maibach sowie Louise Reinke und Tochter Henriette (v. li.) sind stolz auf den neuen Aktivstall. Foto: privat

Gute Laune garantiert

Für ihre Recherche fuhr das Ehepaar Reinke durch ganz Deutschland und schaute sich verschiedene Aktivställe an. „Ich habe jedes Mal gute Laune bekommen“, erinnert sich die Fachfrau. Diese Haltungsform sei so naturnah wie nur möglich. Sie glaubt außerdem, dass die Boxenhaltung irgendwann eingeschränkt wird. Dann möchte sie nicht die Letzte sein, die umstellt.

Neben dem Aspekt der artgerechten Haltung ergibt sich für die Reinkes auch ein wirtschaftlicher Vorteil. Statt 30 Pferden können sie nun 40 unterbringen. Gestartet sind sie allerdings nicht mit einer vollständigen Belegung. „Wir mussten den Pferden das System erst einmal beibringen“, erklärt Louise Reinke.

Die Reaktionen der Einsteller auf die Umstellung waren sehr unterschiedlich. Einige sind gegangen, andere waren skeptisch, haben aber Reinke vertraut und sind jetzt überzeugt. Wieder andere waren gleich begeistert. „Auf jeden Fall habe ich gemerkt, dass sich viele noch gar nicht mit Aktivställen und Gruppenhaltung beschäftigt hatten“, berichtet Reinke. In Süddeutschland sei diese Haltungsform im Freizeitbereich hingegen schon sehr verbreitet.

Nach ihrer Recherche und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema entschied sie sich für das Konzept der Selektion. Jedes Pferd trägt einen Transponder und bekommt an den zwei Kraftfutterstationen über den gesamten Tag verteilt individuelle Portionen Kraftfutter. Wenn das Pferd fertig gefressen hat und den Ausgang benutzt, kommt es an ein Selektionstor. Entweder gelangt es über einen Rundweg zurück in die Gruppe oder in den Raufutterbereich. „Wenn sie da Zugang haben, können sie frei fressen und selbst entscheiden, wann sie den Bereich wieder verlassen und zur Gruppe zurückkehren“, erklärt Reinke. Sie steuert also die Anzahl der Raufutterzugänge pro Tag.

Darüber hinaus wollte sie den Einstellern auch verschiedene Raufutteroptionen bieten. Deshalb gibt es einen Fressbereich für Heulage und einen für Heu. „Das wäre sonst in der Herde gar nicht möglich“, erklärt sie.

Durch Extras wie Stämme zum Beknabbern wird den Pferden nicht langweilig. Foto: privat

Alles durchdacht

Mit diesem System erfahren die Pferde keinen Zeitdruck und es gibt kein Gerangel um die Plätze am Futter. Im Sommer kann das Tor auch auf die Weide selektieren. „So kann ich auch diesen Zugang begrenzen. Wenn wir alle um 15 Uhr hereinholen und ein Pferd darf nur für eine Stunde auf die Weide, dann kommt es eben erst um 14 Uhr hinaus“, so Reinke.

Auch über das Kraftfutter hat sich das Ehepaar Gedanken gemacht. „Es gibt ja viele Pferde, die so leichtfuttrig sind, dass sie kaum Kraftfutter benötigen“, erläutert sie. Daher haben sie in mehrere Behälter investiert und können nun extrem energiearme oder getreidefreie Futter anbieten. Bei manchen Pferden kommen nur ein paar Krümel heraus, damit sie wieder in den Raufutterbereich gelangen können.

Die Idee dahinter ist auch, dass die Pferde öfter durch die verschiedenen Bereiche gehen und sich so mehr bewegen sollen. Reinkes haben ihnen auch schon Tracker umgelegt, um herauszufinden, ob das funktioniert. „Ein sehr gemütlicher Haflinger hat es immerhin auf sieben Kilometer gebracht. Die Fleißigeren haben bis zu zehn Kilometer geschafft“, berichtet Reinke. Noch seien sie in der Lernphase, darum sei das Raufutter noch frei zugänglich. „Es werden mehr Kilometer, sobald das reglementiert ist. Ich denke, drei bis fünf Kilometer kommen noch dazu“, ist sich die Fachfrau sicher.

Die ganze Umstellung hat gut geklappt und die Pferde verstehen das System immer mehr. In der Gruppe von 30 Pferden haben sich schnell Untergruppen gebildet, obwohl manche Pferde die Gruppenhaltung gar nicht kannten. „Wir haben ein Pferd dabei, das viele Magengeschwüre hatte und zu den anderen Pferden immer grätzig war. Die Magenprobleme sind weg und es krault sich inzwischen mit anderen“, freut sich Reinke. Das Pferd sei vorher auch kaum liegend gesehen worden. Heute kann Reinke es über die Videoüberwachung jede Nacht, aber auch tagsüber liegend beobachten. „Das ist wirklich die beste Entwicklung, die ich feststelle“, sagt sie über das Pferd.

Auch eine ihrer Stuten hat in der Box stets um sich gehauen, wenn Fütterungszeit war, und war insgesamt eher biestig. Jetzt steht die Stute ganz dicht und zufrieden mit den anderen zusammen. „Es ist so schön, das zu sehen. Die Pferde suchen sich ihre Gesellschaft nun selbst aus“, sagt Reinke.

Immer matschfrei

Sie glaubt, dass viele Menschen ihre Zweifel an Offenställen hätten, weil sie damit Matsch im Winter verbänden. Sie und ihr Mann haben einen großen Teil des investierten Geldes in die Befestigung des Unterbodens gesteckt. Nun sind die mit Bodenmatten ausgelegten Laufflächen und Sandpaddocks sehr gut drainiert. So ist der ganze Stall matschfrei.

Neben der Fläche des Aktivstalls gibt es noch immer die große Reithalle, einen Reitplatz, einen überdachten Longierzirkel und eine Führanlage, die noch genutzt wird. Das Motto ist: Je mehr laufen, desto besser. Neben ihren Fahrponys stehen auch noch andere Sportpferde auf der Anlage. Das sei kein Problem. Auf ihrer Deutschlandtour haben die Reinkes einen Dressurstall besichtigt, in dem Grand-Prix-Pferde gelaufen sind. „Der Besitzer sagte, dass die Pferde viel gelassener seien und weniger den Tierarzt brauchten“, erzählt Reinke. Ähnliches hat sie auch schon festgestellt. „Die vermeintlichen Geister sind aus der Reithalle ausgezogen“, sagt sie lachend. Auch auf ihrem Hof sind die Pferde gelassener geworden.

Reinke ist außerdem überzeugt, dass dies die richtige Haltungsform für Pferde mit Sehnen- oder Fesselträgerschäden und Trageerschöpfung ist. Sie alle profitierten, wenn die Beine den ganzen Tag ruhigen Schrittes bewegt würden.

Möchten die Pferde lieber ihre Ruhe haben, ist das bei Reinkes auch möglich, denn es gibt eine Chill-out-Box. Dort kann sich jedes Pferd aus der Gruppe zurückziehen. Die Box wird vor allem von rangniedrigeren und älteren Pferden genutzt.

Neue Ideen

„Natürlich ist der Aktivstall keine Eier legende Wollmilchsau, aber wir können auf viele Kriterien eingehen“, ist sich Reinke sicher. Nun, da der Umbau geschafft ist, möchte sie in diesem Jahr auch wieder auf den Kutschbock steigen. Allerdings hat sie vor drei Jahren zwei ihrer Ponys verkauft. Von den dreien, die noch übrig sind, kennt eins das Turnierleben noch nicht so gut. Trotzdem möchte Reinke gern nach Holland auf ein internationales Turnier fahren und peilt die Landesmeisterschaften an.

Über den Kauf eines Lusitanos kam Louise Reinke zur Working Equitation. Foto: privat

Nebenher hat sie aber auch eine neue Leidenschaft entwickelt: die Working Equitation. Damit fing sie 2021 an, als sie gemeinsam mit ihrer Mutter einen Lusitano kaufte. „Die muss man ein bisschen anders reiten, als wir es gewohnt sind“, berichtet die Trägerin des Silbernen Reitabzeichens. Gemeinsam mit ihrer Mutter fuhr Louise Reinke nach Portugal in die Hochburg der Lusitanos. „Das war mega. Da ist der Funke übergesprungen“, lacht sie. Inzwischen haben sie viele Working-Equitation-Hindernisse aufgebaut, trainieren einmal im Monat mit den Einstellern und planen ein Turnier. Bei Reinkes auf dem Familienbetrieb Vilica-Reiterhof ist immer etwas los.

Fordern und Machen

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Wenn die Grüne Woche am Sonntag zu Ende geht, haben sich zahlreiche Aussteller aus den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau mit ihren Produkten, Ideen und Themen auf einer der traditionsreichsten Messen präsentiert. Durch die vorgezogene Bundestagswahl im Februar fand die Grüne Woche dieses Mal mitten im Wahlkampf statt und wurde für Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) zur Abschiedstour. Überschattet wurde die Veranstaltung vom Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Brandenburg. Innerhalb von Stunden nach dem Bekanntwerden haben die Märkte reagiert. Die Umsatzverluste für die heimische Tierhaltung sowie die vor und nachgelagerten Unternehmen benannte der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) zunächst mit 1 Mrd. €. Der Seuchenausbruch war auch in Berlin bemerkbar: Die sonst so beliebte Tierhalle war nahezu verwaist.

Die Grüne Woche ist auch ein politisches Forum zum Jahresauftakt. Politiker unterschiedlichster Couleur haben die Veranstaltungspodien vor der Wahl genutzt. Die Vertreter der Agrar- und Ernährungswirtschaft drängten in Berlin auf einen Kurswechsel der Agrarpolitik. Mit gemeinsamer Stimme forderten der Bundesverband des Lebensmittelhandels (BVLH), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Deutsche Bauernverband (DBV) weniger Bürokratie, mehr Steueranreize und finanzielle Unterstützung. Die stagnierende Wirtschaft und gestiegene Kosten belasten die Unternehmen, gleichzeitig ist die Verbraucherstimmung getrübt. Der gescheiterten Ampel-Regierung warfen die Verbände vor, einen Großteil der notwendigen Weichenstellungen verpasst zu haben. BVLH, DRV und DBV forderten weniger Auflagen und Dokumentationspflichten für Betriebe, einheitliche Regeln in der EU und langfristige finanzielle Unterstützung durch den Staat, etwa beim Umbau der Tierhaltung.

Der neue EU-Agrarkommissar, Christophe Hansen, begeisterte bei seinen Auftritten durch seine Verankerung in der Landwirtschaft und einen gewissen Pragmatismus. Er konnte deutlich machen, dass ihm die Bedeutung der Landwirtschaft für die Wirtschaft im ländlichen Raum bewusst ist. Für die zukünftige Entwicklung der Branche und deren Wettbewerbsfähigkeit müsse der Klimawandel berücksichtigt werden, ist Hansen überzeugt. Er will sich für einen angemessenen Haushalt einsetzen und forderte einen Generationenwechsel in der europäischen Landwirtschaft. Weniger als 12 % der Landwirte und Landwirtinnen sind unter 40 Jahre alt. Der Beruf müsse wieder attraktiver gemacht werden (siehe Seite 10).

Selbstbewusstsein und Eigeninitiative demonstrierten im Schulterschluss Tierhalter, Fleischwirtschaft und Handel. Zur positiven Bilanz hat der Abschluss des Drei-Parteien-Vertrages beigetragen an dem Rewe, Tönnies Lebensmittel und Landwirte aus Schleswig-Holstein beteiligt sind (siehe Seite 21). Die drei Parteien verhandeln erstmals gleichberechtigt an einem Tisch über die Konditionen und Rahmenbedingungen, klare Parameter für die Preisfindung sowie verbindliche Zusammenarbeit sorgen für seine langfristige Planungssicherheit.

Ein Emanzipationsprojekt ist auch die Initiative Tierwohl (ITW), die als branchenübergreifendes Bündnis der deutschen Lebensmittelkette aus dem Zögern der Politik entstanden ist. Die ITW konnte auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken (siehe Seite 18). Sie verfolgt sie das Ziel, Tierwohl in die Breite zu bringen. Innerhalb eines Jahrzehnts ist die Anzahl der teilnehmenden Betriebe deutlich gewachsen und der Bekanntheitsgrad bei Konsumenten ist groß. Bislang haben die Landwirte über die Initiative Tierwohl eine Förderung von insgesamt 1,5 Mrd. € aus der Wirtschaft erhalten, ohne staatliche Beteiligung. Diese Beispiele zeigen nicht nur einem großen Publikum in Berlin, dass neben Fordern auch Machen steht. mbw

Brandenburg hat die MKS-Impfstoffbank aktiviert

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Aufgrund des aktuellen MKSAusbruchsgeschehens haben die übrigen Bundesländer Brandenburg als derzeit betroffenes Land gebeten, die MKS-Impfstoffbank zu aktivieren. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um bei einer möglichen Ausbreitung der Maulund Klauenseuche (MKS) auf weitere Gebiete in Deutschland vorbereitet zu sein.

I m Falle eines MKS-Ausbruches müssen die Nutztierbestände schnell und wirkungsvoll vor einer möglichen weiteren Ausbreitung des MKS-Virus geschützt werden. Es besteht Einigkeit zwischen den Bundesländern und dem Bund, dass die Bekämpfung der MKS mit aller Konsequenz und oberster Priorität geführt wird. Zu diesem Zweck haben die Bundesländer eine eigene MKS-Impfstoffbank für Deutschland bereits vor Jahren etabliert. Brandenburg hat am Montag dieser Woche die Aktivierung dieser MKS-Impfstoffbank beantragt, um für alle denkbaren zukünftigen Szenarien auch außerhalb Brandenburgs gerüstet zu sein. Insgesamt 750.000 Impfdosen gegen die MKS solle die Reserve in der Impfbank in Brandenburg dann zukünftig umfassen, heißt es vom Landesumweltministerium. Der Impfstoff verhindert zwar nicht die Infektion, er mildert und verkürzt aber den Krankheitsverlauf.

Reaktionsgeschwindigkeit stärken

Die Aktivierung der MKS-Impfstoffbank zum jetzigen Zeitpunkt diene der Stärkung der Reaktionsfähigkeit im Kampf gegen die Seuche, teilte das Land Brandenburg mit, da von der Aktivierung bis zu einer möglichen Bereitstellung der Impfdosen mindestens sechs Tage benötigt würden. Die Bundesländer haben sich dafür ausgesprochen, dass die Kosten für die Aktivierung dieser Impfstoffbank nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Länder aufgeteilt werden. Diese Entscheidung zur Aktivierung der MKS-Impfstoffbank ist keine Entscheidung für den tatsächlichen Einsatz dieses Impfstoffes. In Brandenburg ist die Impfung bei der jetzigen Seuchensituation nicht vorgesehen. Bisher gibt es einen Ausbruchsbetrieb in Brandenburg und alle bisherigen Untersuchungen im Umfeld des Ausbruchsbetriebes waren negativ, sodass bisher keine weitere Seuchenausbreitung festgestellt werden konnte.

Die EU-Kommission ermöglicht den Mitgliedstaaten unter Einhaltung bestimmter Auflagen den Einsatz der Impfstoffe als zusätzliche Seuchenbekämpfungsmaßnahme. Der Impfstoff wird für den Fall einer weiteren Ausbreitung der Seuche oder für den Fall des Auftretens in anderen Regionen Deutschlands als mögliche Bekämpfungsmaßnahme vorrätig gehalten. Falls der Impfstoff in Deutschland nicht zur Anwendung kommt, besteht aufgrund seiner beschränkten Haltbarkeit die Möglichkeit, ihn an Länder, in denen die MKS ständig vorkommt, abzugeben. Über den Verbleib des Impfstoffes entscheiden die Bundesländer.

Serotyp ist entscheidend für eine Impfung

Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), betonte, das FLI habe innerhalb von wenigen Tagen den Serotyp ermittelt, der in Brandenburg aufgetreten sei. Es ist der Serotyp „O“. Ein Impfstoff hilft nur, wenn er auf den Serotyp abgestimmt ist. Bei der MKS gibt es sieben bekannte Serotypen, die noch einmal in Untergruppen unterteilt sind. „Je dichter man mit dem Impfstoff an dem Virus ist, desto besser schützt er die Tiere“, so Reinking.

Zur Unterscheidung geimpfter und infizierter Tiere wird ein sogenannter Marker-Impfstoff eingesetzt. Dazu gibt es Test-Systeme, mit denen die Antikörper identifiziert werden können. Sie klären, ob es sich um ein geimpftes Tier handelt, das deswegen Antikörper bildet, oder um ein infiziertes Tier mit Antikörper-Bildung. Es lässt sich sogar unterscheiden, ob es ein geimpftes und trotzdem infiziertes Tier ist. Das ist auch sehr wichtig, weil man zum Ende eines Ausbruchs wieder Untersuchungen braucht, um zu zeigen, dass es keine infizierten Tiere mehr gibt und man die Restriktionszonen aufheben kann. age, mbw

Möglicherweise Punkteintrag

Bei dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) bei Wasserbüffeln im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland verdichten sich die Anzeichen, dass es sich um einen punktuellen Eintrag handelt. Der Ausbruch war am 10. Januar vom FriedrichLoeffler-Institut (FLI) bestätigt worden. Als Folge wurden eine Schutzzone von drei Kilometern Radius sowie eine Überwachungszone von zehn Kilometern Radius eingerichtet. In einem Radius von einem Kilometer wurden durch die Veterinärämter die Bestände mit empfänglichen Tieren untersucht und beprobt. Das Potsdamer Landwirtschaftsministerium teilte am 14.  Januar mit, dass die betreffenden Proben durch das Landeslabor negative Untersuchungsergebnisse aufweisen. Das bedeute, dass es im Radius von einem Kilometer keinen weiteren Ausbruch der MKS gebe. Das Ministerium berichtete, dass die EUKommission die durch das Land eingerichteten Schutz- und Überwachungszonen bestätigt habe. Damit sei die Gebietskulisse auf EU-Ebene rechtskräftig. age

DRV: Schon eine Milliarde Euro Schaden

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Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) rechnet mit immensen wirtschaftlichen Schaden durch die Maul- und Klauenseuche (MKS). In Berlin appellierte DRVHauptgeschäftsführer Jörg Migende an die Politik, Exportfreiheit zu schaffen.

Auf seiner Pressekonferenz während der Grünen Woche stellte der DRV aus aktuellem Anlass die Auswirkungen des jetzt bekannt gewordenen MKS-Falls in Brandenburg vor. Dabei sei die heimische Tierhaltung genauso betroffen wie die vor- und nachgelagerten Unternehmen, so Migende. „Entlang der Wertschöpfungskette gehen wir Stand heute bereits von einem Umsatzverlust in Höhe von einer Milliarde Euro aus“, erklärte DRV-Hauptgeschäftsführer am Donnerstag voriger Woche in Berlin.

Dies mache die Dimension und die möglichen Gesamtschäden für die Zukunft deutlich. Zudem erwartet der DRV wegen zu befürchtender anhaltender Exportbeschränkungen weitere massive Auswirkungen. Das gelte umso mehr, weil neben Drittstaaten auch Unternehmen aus anderen EU-Ländern aus Unsicherheit gerade vor Ware aus ganz Deutschland zurückschreckten. Betroffen seien also nicht nur Produkte aus den Restriktionszonen.

Migende appellierte an die Politik, auf einer regionalisierten Betrachtungsweise deutscher Produkte im EU-Binnenmarkt zu bestehen und dies in den Drittlandsmärkten umgehend und konsequent zu verhandeln. „Wir brauchen überall dort, wo es nicht wissenschaftlich begründbar ist, möglichst schnell wieder Exportfreiheit“, mahnte der DRVHauptgeschäftsführer. Jeder Tag zähle. Auch der Milchindustrie-Verband (MIV) warnt vor großen Herausforderungen durch die MKS für das deutsche Exportgeschäft. Das oberste Ziel müsse es jetzt sein, eine Regionalisierungsvereinbarung mit möglichst vielen Drittländern zu erreichen.

Auf den landwirtschaftlichen Betrieben und entlang der Kette seien strenge Biosicherheits- und Hygienemaßnahmen unbedingt einzuhalten und gegebenenfalls zu verschärfen. „Es muss weiterhin alle Energie darauf verwendet werden, eine Ausbreitung dieser hochansteckenden Viruserkrankung zu vermeiden“, so Migende. Peter Manderfeld, Vorstandsvorsitzender der Hochwald-Molkerei, Thalfang, warnte davor, dass die Verbringungsrestriktionen ein akutes Problem seien. Wenn dies nicht schnell gelöst werde, könnten die Meiereien die Milch der Landwirte innerhalb weniger Tage nicht mehr verarbeiten. Er sieht die Gefahr für einen Einbruch des Milchpreises. Die Spotmärkte reagierten schnell, wenn Ware nicht absetzbar sei. Die Bedeutung politischer Gespräche zeige die Tatsache, dass Großbritannien seinen Markt für pasteurisierte Milch aus Deutschland wieder geöffnet habe.

Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzender der Agravis, betonte, die Dramatik des Falls habe alle Marktbeteiligten mit voller Relevanz erwischt. Er appellierte an den gesamten Sektor, Biosicherheitsmaßnahmen mit aller Sorgfalt durchzuführen. Für die landwirtschaftlichen Betriebe wie für sämtliche Geschäftspartner und -kontakte gelte es jetzt, die Kontrakte zwischen den Betrieben zu limitieren. pm, mbw

Wertschöpfung bei Frischfleisch im Land lassen

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Rewe, Tönnies Lebensmittel sowie 15 Landwirte aus Schleswig-Holstein haben im Rahmen der Grünen Woche in Berlin einen Drei-Parteien-Vertrag über Frischfleisch geschlossen. Damit bilden die Partner die Grundlage für das Programm „Landbauern Schwein” in der Haltungsform 3 für die Bedientheken der ReweMärkte in Schleswig-Holstein und Hamburg.

Gestartet wird mit Frischfleisch, später soll der Wurstbereich dazukommen. Rewe startet mit 900 Schweinen wöchentlich, weitere 1.800 Tiere die Woche kommen in einem zweiten Schritt hinzu. Die Produkte sind ab dem Sommer in allen Rewe-Märkten erhältlich. Der Lebensmittelhändler plant in höheren Haltungsstufen mit einer Ganztiervermarktung. Die Vermarktung der Tiere läuft über die Rendsburger Schweine-Vermarktungs-Gesellschaft. Bereits im Oktober hatte Rewe mit dem Lebensmitteleinzelhändler Penny, der Marke Die faire Milch und der Erzeugergenossenschaft Fair Food den in dieser Form ersten bundesweiten Drei-Parteien-Vertrag vorgestellt.

Bei einem Drei-Parteien-Vertrag sitzen alle Partner an einem Tisch und verhandeln gleichberechtigt über Konditionen und Modalitäten. Es entsteht eine geschlossene Lieferkette vom Hof bis zum Markt. Der Vertrag bringt mit klaren Parametern für Kalkulation und Preisfindung mehr Planungssicherheit für die gesamte Lieferkette.

Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) erklärte die Unterzeichnung für „vielleicht nicht historisch, aber als einen wichtigen Schritt. Wenn die Wirtschaft einig ist, ist eine Menge möglich.“ Für Schleswig-Holstein seien kluge Systeme wichtig, die eine regionale Erzeugung mit regionaler Vermarktung kombinierten, um Wertschöpfung im Land zu halten. „Als Rewe Group bekennen wir uns zur heimischen Landwirtschaft. Eine langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit ist uns wichtig“, so Marcel Weber, Geschäftsleiter Ware Eigenmarke der Rewe Group. Der Plan, im Frischebereich auf Haltungsstufe 3 umzustellen, sei ambitioniert. Mit dem Drei-Parteien-Vertrag habe man die Hürde des Kartellrechts genommen. Vorteile für die Schweinehalter seien eine fünfjährige Vertragslaufzeit, verbindliche Mengenabnahmen und klare Zuschläge.

Maximilian Tönnies, Gesellschafter der Premium Food Group, erklärte: „Wir wollen mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft und ihre Produkte. Der Drei-Parteien-Vertrag schafft Transparenz, Planungssicherheit und Verlässlichkeit.“ Hier werde die Umsetzung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes privatwirtschaftlich angepackt. Er bot die Verlässlichkeit eines regionalen Schlachthofes in Kellinghusen an.

„Für uns ist der Drei-Parteien-Vertrag ein klares Bekenntnis zur finanziellen Absicherung von hochwertigen Fleischprodukten“, so Lars Brunk und Hauke Klindt, die wie weitere Landwirte am Programm teilnehmen. Brunk sieht eine Wertschätzung seiner Arbeit hier realisiert. Er betonte die Abnahmepflicht des Handels und feste Zusagen. Vertrauen schaffe ein „Unterkantenpreis“. Klindt erklärte, Tierhalter wollten „weg von der Masse hin zu regionaler Klasse“. Der Vertrag sei ein Paradigmenwechsel, da Landwirte gleichberechtigt zu den großen Spielern im Markt aufträten. Er hoffe, dass dies dauerhaft funktioniere, denn die Umstellungskosten seien nicht unerheblich. Rewe plant, die Anzahl der Drei-Parteien-Verträge auszuweiten auf weitere Regionen und verschiedene Fleischprogramme. Sönke Hauschild

Rukwied: Landwirte leben Klimaschutz

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Den anhaltenden Rückgang der Treibhausgas (THG)-Emissionen in der Landwirtschaft wertet der Deutsche Bauernverband (DBV) als klaren Beleg für die die Nachhaltigkeitsbestrebungen der Betriebe. „Trotz einer im internationalen Vergleich bereits hoch professionalisierten, nachhaltigen und klimaschonenden Bewirtschaftung gelingt es unserem Berufsstand weiterhin, noch smarter und somit effizienter zu wirtschaften. Das ist gelebter Klimaschutz“, betonte DBV-Präsident Joachim Rukwied anlässlich der Veröffentlichung der endgültigen THG-Emissionszahlen für 2023.

L aut den Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) verringerte sich der THG-Ausstoß der Landwirtschaft 2023 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 0,9 Mio. t auf 63 Mio. t. Maßgeblich waren in erster Linie geringere Emissionen aus landwirtschaftlichen Böden und der Düngung.

Rukwied stellte in dem Zusammenhang erneut klar, dass dem Klimaschutz mit einer Verlagerung der Tierhaltung in Regionen der Welt, in denen weniger effizient und nachhaltig gewirtschaftet werde, nicht gedient sei. „Unsere heimischen Tierhalter brauchen dringend Planungssicherheit und Wettbewerbsgleichheit, denn dies ist letztlich auch ein Beitrag zum internationalen Klimaschutz“, mahnte der Bauernverbandspräsident in Richtung der kommenden Bundesregierung.

Aus Sicht des DBV bereitet zudem die Situation bei der Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) Sorge. Der Klimawandel habe bereits heute erhebliche Auswirkungen auf die Kohlenstoffbindung in der Land- und Forstwirtschaft. Schon bei Verabschiedung der gesetzlichen Verpflichtungen 2021 sei klar gewesen, dass die Vorgaben aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu erreichen seien, so Rukwied. Der Bauernverbandspräsident warnte, Land- und Forstwirte dürften nicht zum Sündenbock verfehlter Emissionsreduktionen anderer Sektoren werden. Es brauche mehr Ambitionen bei der Inwertsetzung der Kohlenstoffspeicherung in Böden und im Forst, sowohl über öffentliche als auch private Mittel.

In die UBA-Berechnung der Emissionen durch LULUCF gingen erstmalig die Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur ein. Die im Inventurzeitraum 2018 bis 2022 gelegenen Dürrejahre ab 2018 hätten zu einem großflächigen Absterben von produktiven, aber gegen den Klimawandel nicht gefeiten Fichtenmonokulturen geführt, so die Behörde. Anders als vor der Dürre habe der Wald deshalb in diesem Zeitraum die Emissionen aus anderen Quellen, wie trockengelegten Moorböden, nicht mehr überwiegend kompensieren können. Er sei sogar selbst zu einer CO2-Quelle geworden.

Insgesamt wurden 2023 in Deutschland rund 672  Mio.  t an Treibhausgasen freigesetzt, 77  Mio.  t oder 10,3  % weniger als 2022. Das war der stärkste Rückgang seit 1990. Die offizielle Schätzung der THG-Emissionen für 2024 wird das UBA Mitte März vorstellen. age

Schwarz: Verkauf von Torten ist möglich

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Aufgrund von Medienberichten und Diskussionen stellt Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsund Verbraucherschutzminister Werner Schwarz (CDU) klar: „Der Verkauf von Lebensmitteln, zum Beispiel Torten, im Ehrenamt war und ist möglich.“ Das EU-Recht enthalte hierfür glücklicherweise Ausnahmeregelungen.

Das gemeinsame Essen und Trinken sei seit jeher ein Kernelement der ehrenamtlichen Gemeinschaftskultur Schleswig-Holsteins, betont Schwarz. Ob bei den Freiwilligen Feuerwehren, Kirchengemeinden, Sportvereinen, der Landjugend oder den LandFrauen – diese Traditionen stärke den sozialen Zusammenhalt und trage wesentlich zur Identität unserer demokratischen Gesellschaft bei. Als Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister sei es ihm ein besonderes Anliegen, die langjährige Tradition des Lebensmittelverkaufs bei ehrenamtlichen Veranstaltungen zu unterstützen.

Schwarz wies darauf hin, dass sein Ressort die bestehenden Ausnahmen noch einmal konkretisieren, erneut kommunizieren und für alle Betroffenen darstellen werde. Einschränkungen werde es nicht geben, so der Minister. Sein Ministerium (MLLEV) plane hierzu Ende Februar eine Veranstaltung, in der die verschiedenen Möglichkeiten des Lebensmittelangebots im Ehrenamt den relevanten Verbänden und Institutionen noch einmal im Detail vorgestellt würden. Hintergrund: Die grundlegenden hygienischen Anforderungen an das Herstellen, Behandeln und Inverkehrbringen von Lebensmitteln sind in EU-Verordnungen mit spezifischen Hygienevorschriften für Lebensmittel tierischen Ursprungs geregelt. Zur Konkretisierung hat die Europäischen Kommission einen Leitfaden für die Durchführung einzelner Bestimmungen erstellt und Ausnahmeregelungen für das Ehrenamt aufgeführt. MLLEV