Anfang März besuchten fünf junge Schweden die Lehranstalt für Forstwirtschaft, um mehr über die Forstwirtschaft in Deutschland und die praktische Laubholzernte zu erfahren. Drei Wochen haben sie mit den Forstwirtauszubildenden gemeinsam gearbeitet, im Internat gelebt und an verschiedenen Exkursionen zu den Besonderheiten der deutschen Forstwirtschaft teilgenommen. Neben neuem Wissen und Erfahrungen sind natürlich auch neue Freundschaften entstanden.
Die Lehranstalt für Forstwirtschaft pflegt mit ihren Forstwirtauszubildenden seit Anfang der 2000er Jahre einen regelmäßigen jährlichen Austausch mit schwedischen Forstschulen. In den zurückliegenden Jahren hatten üblicherweise je fünf Auszubildende aus Bad Segeberg die Chance, an einem Maschinenführerlehrgang in Schweden teilzunehmen und im Rahmen des Austausches zudem Land und Leute näher kennenzulernen. Für die Auszubildenden ist es eine besondere Möglichkeit, die angesichts der begrenzten Teilnehmerzahl nicht allen zur Verfügung steht. Aktuell erfolgt der Austausch mit der Naturbruksskolan in Svenljunga.
Seit 2018 nutzt auch die Partnerschule in Svenljunga die Möglichkeit, junge Menschen nach Deutschland zu einem Austausch zu schicken. Im ersten Jahr noch auf eigene Kosten, hat sich der Besuch aus Schweden auch finanziell durch die Erasmus-Förderung etabliert. Mit Ausnahme der Pandemiejahre (2021 und 2022) sind in jedem Jahr zwischen drei und sechs junge Schweden nach Bad Segeberg gereist.
Ankunft in Schleswig-Holstein
Anfang März war es dann wieder so weit, dass vier junge Männer und eine junge Frau aus Schweden in Bad Segeberg ankamen. Begleitet wurden sie von zwei Lehrenden aus ihrer Schule, die jedoch nach zwei Tagen wieder die Rückreise antraten. Somit waren die Gäste auf sich allein gestellt. Wie sich jedoch zeigte, hat sich schnell ein inniger Kontakt mit dem dritten Ausbildungsjahr an der Lehranstalt entwickelt. Trotz sprachlicher Schwierigkeiten vor allem auf Seite der deutschen Auszubildenden hat man schnell Wege der Verständigung gefunden.
Begonnen hat der diesjährige Austausch mit einer kurzen Einführung in die Landwirtschaftskammer und ihre Forstabteilung und deren Aufgaben sowie einer gemeinsamen Stadtrallye in Bad Segeberg gemeinsam mit den deutschen Auszubildenden. Die Gruppen waren dabei jeweils gemischt, sodass beide Seiten an ihren englischen Sprachkenntnissen feilen konnten.
Einblick in die deutsche Forstwirtschaft
Der nächste Tag war geprägt von einem vertieften Einblick in die deutsche Forstwirtschaft am Beispiel eines größeren privaten Forstbetriebes. Hier wurden die grundsätzlichen Unterschiede am deutlichsten. Während man in Schweden eher auf die Gesamtmasse des Rohstoffes Holz schaut, steht in der deutschen Forstwirtschaft der Wertzuwachs des einzelnen (eher wertvollen) Holzstamms im Zentrum. Und so investieren deutsche Forstbetriebe, auf den ersten Blick schwer verständlich für die Schweden, viel Liebe und Zeit in die Entwicklung qualitativ hochwertiger Einzelbäume und Stämme.
Den Abschluss des Tages bildete ein Besuch auf dem Submissionsplatz in Daldorf, wo auch die Zuschlagspreise für das dort liegende Stammholz mitgeteilt wurden. Angesichts von Preisen von über 10.000 € für einzelne Stämme wurde die Zielsetzung dieser anderen, auf den Einzelstamm ausgerichteten Forstwirtschaft hier noch einmal deutlich. Und so ist davon auszugehen, dass der eine oder andere Festmeterpreis den Schweden noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Besuch im Laubholzsägewerk
Als nächster Programmpunkt stand der Besuch eines Laubholzsägewerks an. Wie es der Zufall manchmal will, wurde gerade zum Zeitpunkt des Sägewerksbesuchs das erste Holz vom Wertholzlagerplatz aus Dalldorf angeliefert. So konnten die jungen Gäste direkt beobachten, wie aus einem Langholzstamm mit einigem Manipulationsaufwand langsam Schnittholz für Bodenbeläge entstand. Einzelne Holzmerkmale (oder auch Fehler) bekommen dabei eine besondere Bedeutung für die spätere Sortierung des Schnittholzes in verschiedene Qualitätskategorien. Das besuchte Sägewerk trocknet zudem einen Teil des Holzes in den eigenen Lagerhallen beziehungsweise Trockenräumen, sodass die späteren Kunden die Ware direkt nach der Auslieferung verarbeiten können. Auf dem ersten Stück des Rückweges nach Bad Segeberg machte die Exkursionsgruppe noch halt in der Zentrale der Landwirtschaftskammer, um sich über die weiteren Aufgaben der Kammer zu informieren und in der Deula zu Mittag zu essen. In der Zentrale wurden Fotos gemeinsam mit den schwedischen Gästen gemacht und direkt auf dem Instagram-Account der Landwirtschaftskammer gepostet (siehe dazu auch Foto in dieser Ausgabe, Kammer kompakt, S. 33).
Besuch in der Kammerzentrale
Den Abschluss des Exkursionstages bildete der Besuch bei einem Harvester. Diese skandinavische Standardtechnik wird schon seit Jahrzehnten auch in Deutschland für die Holzernte eingesetzt. In diesem Fall handelte es sich jedoch um einen speziell für die Starkholzernte unter deutschen Bedingungen aufgerüsteten Harvester. Neben einem deutlich stärkeren Kran kommt auch ein Aggregat zum Einsatz, das mit größeren Stammdurchmessern zurechtkommt. Das Bild der Maschine mit den schwedischen Gästen verdeutlicht die Größe des Harvesteraggregats. So konnten die schwedischen Gäste die aus der Heimat bekannte Technik mit Sonderausstattung im Einsatz sehen.
Käferkalamitäten im Harz
Eine Besonderheit, auf die die Schweden für ihre eigene Forstwirtschaft gern verzichten können, sind die Käferkalamitäten in der Fichte der zurückliegenden Jahre. Das machte ein Besuch im Harz sehr deutlich. Insbesondere infolge der Trockenjahre 2018 bis 2020 und der daran anschließenden Massenvermehrung von Borkenkäfern präsentierte sich den schwedischen Gästen ein nahezu apokalyptisches Bild des Harzes: abgestorbene Bäume und Kahlflächen, so weit das Auge reichte. Angesichts der Tatsache, dass die Fichte die Hauptbaumart in den Wäldern um Svenljunga ist, und des auch dort offenkundigen Klimawandels waren die Gäste etwas bestürzt. Zurück in Bad Segeberg haben sie dann auch die Zeit genutzt, sich mit dem Waldschutzexperten der Forstabteilung gemeinsam Gedanken für den schwedischen Wald zu machen. Sollte es in einigen Jahren, hoffentlich Jahrzehnten, so weit sein, dass Ähnliches auf die schwedischen Wälder zukommt, sind jedenfalls diese fünf jungen Menschen bereits vorbereitet und haben Ideen, wie der Prozess zumindest verlangsamt werden kann.
Praktische Arbeit und Abschied
Wenn der Eindruck entsteht, die schwedischen Gäste hätten überwiegend nur geschaut und seien nicht selber aktiv geworden, so täuscht das. Zwei Wochen ihres Deutschlandaufenthaltes haben die Schweden gemeinsam mit den Auszubildenden der Lehranstalt in den Wäldern rund um Bad Segeberg bei gemeinsamer Arbeit verbracht. Für alle stand eine Woche mit dem Schwerpunkt (Laub-)Starkholzernte mit verschiedenen Techniken und Hilfswerkzeugen auf dem Programm sowie eine weitere Woche mit verschiedenen forstlichen Arbeiten, sozusagen ein Best-of der praktischen Forstwirtschaft.
Dabei sind neue Freundschaften entstanden und so fiel der Abschied allen schwer. Die Zeit bis zum Wiedersehen war nicht lang, der Gegenbesuch aus Deutschland startete am Ostermontag bereits mit der Klassenfahrt und setzt sich mit fünf ausgewählten Auszubildenden bis Ende Mai fort. Der deutsch-schwedische Austausch in der Forstwirtschaft ist zum Erfolg geworden, der die Menschen verbindet.




