Mit der Palu-Förderrichtlinie setzt die Bundesregierung ein wichtiges Signal: Moorbodenschutz soll nicht gegen, sondern mit der Landwirtschaft gelingen. Der freiwillige Ansatz, kombiniert mit einer breiten und stufenweisen Förderstruktur, ist ausdrücklich zu begrüßen. Von der Beratung über Planung und Umsetzung bis zur Bewirtschaftung entsteht erstmals ein durchgängiges Instrumentarium. Vieles davon greift langjährige Forderungen des Berufsstandes auf – insbesondere die Erkenntnis, dass Klimaschutz nur dann funktioniert, wenn er sich auch betriebswirtschaftlich trägt.
Die Landwirtschaft befindet sich dabei in einer besonderen Rolle: Sie ist zugleich betroffen, mitverantwortlich und Teil der Lösung. Genau deshalb ist der gewählte Ansatz richtig, auf Freiwilligkeit und Kooperation zu setzen, statt Ordnungsrecht zu verschärfen. Moorschutz ist kein Einzelbetriebsprojekt, sondern ein komplexer Prozess, der ganze Regionen umfasst. Er funktioniert nur im Zusammenspiel mit Wasser- und Bodenverbänden sowie benachbarten Flächeneigentümern.
Positiv hervorzuheben ist auch die Idee der Leuchtturmprojekte. Sie können wichtige Impulse liefern und zeigen, was technisch und organisatorisch möglich ist. Gleichzeitig muss klar sein: Solche Projekte stehen unter besonderen Rahmenbedingungen. Ihre Daten müssen ergebnisoffen ausgewertet und mit Blick auf die Praxis vorsichtig eingeordnet werden. Was im Modell funktioniert, ist nicht automatisch flächendeckend übertragbar. Gut beraten ist, wer die betroffenen Akteure über ihre Verbände auf EU-, Bundes- und Landesebene (zum Beispiel im Beirat zur Niederungsstrategie) rechtzeitig und effektiv in die Erarbeitung von Förder- und Projektgrundlagen einbezieht.
Die politischen Zielmarken, die für die Palu-Richtlinie gelten, sind ambitioniert. Der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz empfiehlt, bis 2045 rund 80 % der landwirtschaftlich genutzten Moorflächen – etwa 1 Mio. ha – wiederzuvernässen. Dafür wären jährlich rund 50.000 ha umzustellen. Ob dieses Flächenziel tatsächlich erreicht wird, erscheint zumindest fraglich. Vor allem aber greift die Debatte zu kurz: Entscheidend ist nicht, ob eine Zielzahl erfüllt wird, sondern wie der Weg dorthin gestaltet wird.
Hier zeigt die Erfahrung, dass Programme ohne tragfähige Einbindung der Landwirtschaft an ihre Grenzen stoßen. Das Beispiel des Programms Biologischer Klimaschutz in Schleswig-Holstein mit angestrebten 715.000 t CO2-Einsparung pro Jahr verdeutlicht, wie groß die Lücke zwischen politischem Anspruch und praktischer Umsetzung sein kann. Ohne einen funktionierenden kooperativen Ansatz bleibt man weit hinter den eigenen Zielen zurück.
Der Schlüssel liegt daher in regionalen Lösungen: Niederungsbeiräte, abgestimmtes Wassermanagement und funktionierende Flächentauschmodelle sind zentrale Bausteine. Nur so lassen sich Zielkonflikte auflösen und großflächige Maßnahmen umsetzen, ohne einzelne Betriebe wirtschaftlich zu überfordern. Das Projekt „UMZOG“ im Oldenburger Graben zeigt, wie man sich gemeinsam auf den Weg machen kann, um ihn erfolgreich beschreiten zu können. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Unsicherheiten über die Nutzungsperspektiven. Paludikulturen werden politisch als Zukunftsmodell dargestellt, sind aber in der Praxis bislang oft noch keine tragfähige wirtschaftliche Alternative. Hohe Kosten, fehlende Märkte und unklare Vermarktungswege bremsen die Entwicklung. Hier braucht es Zeit, Forschung und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen.
Umso wichtiger ist es, dass die Entwicklung solcher Wertschöpfungsketten gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Praxis vorangetrieben wird und die Erfahrungen aus bestehenden Kooperationen und Netzwerken konsequent gebündelt werden. Diesen Ansatz wählt das Verbundprojekt „PaludiAllianz“, in das unter anderem der Bauernverband Schleswig-Holstein und der Deutsche Bauernverband die fachliche landwirtschaftliche Expertise einfließen lassen – und auch einmal für die notwendige Bodenhaftung sorgen.
Ein zentraler Punkt ist zudem die Frage des Erhalts der Wertschöpfung in den Moorregionen, in Schleswig-Holstein besonders in der Eider-Treene-Sorge-Region. Für viele Betriebe, insbesondere in der Milchviehhaltung, ist entscheidend, dass Wiedervernässung so gestaltet wird, dass eine Nutzung weiterhin möglich bleibt. Es geht darum, Wasserstände zu finden, die sowohl Emissionsminderungen ermöglichen als auch eine wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftung sichern. Offene Fragen zu Futterqualität, Befahrbarkeit oder Tiergesundheit zeigen, dass hier noch erheblicher Klärungsbedarf besteht.
Nicht zuletzt ist Moorschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wenn landwirtschaftliche Nutzung eingeschränkt oder verändert wird, muss das dauerhaft und verlässlich kompensiert werden. Zugleich erfordert der Umbau erhebliche Investitionen in die wasserwirtschaftliche Infrastruktur nebst Neuverteilung der Kosten.
Die Palu-Richtlinie ist in der Gesamtschau ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Sie zeigt, dass Politik bereit ist, den Wandel nicht nur einzufordern, sondern auch zu begleiten und finanziell auszustatten. Entscheidend wird jedoch sein, die Programme konsequent an der Praxis auszurichten, wissenschaftlich zu begleiten und gemeinsam mit den Betrieben weiterzuentwickeln.
Denn eines bleibt klar: Erfolgreicher Moorschutz entsteht nicht durch Zielzahlen oder Modellprojekte allein – sondern durch tragfähige Lösungen vor Ort, die von den Betrieben mitgetragen werden.




