Teil eines zielführenden Wildmanagements der großen wiederkäuenden Schalenwildarten wie Rot- und Damwild ist unter anderem der behördlich bestätigte Abschussplan. Diese Grundlage einer passenden Bejagung soll sich eng am vorhandenen Bestand der entsprechenden Arten ausrichten. Doch wie kann der Bestand erfasst werden? Moderne Drohnentechnik bietet gute Möglichkeiten der Wildzählung.
Foto: Thore Schlüter
Die Forstabteilung der Landwirtschaftskammer bietet als Dienstleistung auch die Befliegung mit Drohnen an. Über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser Technik wurde schon im Bauernblatt berichtet (siehe Ausgabe 33/2025). Dass über die klassischen forstlichen Probleme aus dem Waldschutz oder dem Waldbau hinaus auch der Bereich der Wildbewirtschaftung von Luftbildern erheblich profitieren kann, wurde durch eine Befliegung zur Erfassung des Damwildbestandes eines Hegerings im Osten des Landes im Februar 2026 deutlich.
Methoden der Wildzählung
Früher war es üblich, den Bestand der örtlich vorkommenden Wildarten über eine Kombination aus bodengebundener Zählung vom Weg oder vom Hochsitz aus und der Entwicklung der Abschüsse aus den vergangenen Jahren herzuleiten. Gelegentlich wurden auch Losungsinventuren zur Ergänzung durchgeführt. Letztere Methode lässt aber nur Aussagen über eine Zu- oder Abnahme des Wildbestands zu. Insgesamt sind die Ergebnisse dieser Bestandsermittlungen durch viele Unsicherheitsfaktoren geprägt. Daher führten sie häufig zu einer Unterschätzung, seltener zu einer Überschätzung der Anzahl des Wildbestandes. Im Ausland, wo es zum Beispiel in Skandinavien oder Afrika notwendig ist, auf sehr großer, oft menschenleerer Fläche ohne Infrastruktur Tiere zu zählen, kommt schon länger die Zählung aus der Luft zum Einsatz. Hierfür werden Helikopter oder Kleinflugzeuge genutzt. Als deutlich günstigeres, störungsarmes und sehr gezielt einsetzbares Gerät für eine Beobachtung aus der Luft steht heute die Drohnentechnik zur Verfügung. Sie ist in unserer norddeutschen Kulturlandschaft sehr gut einsetzbar und bietet die Möglichkeit, mit hochauflösenden Kameras und mit Wärmebildtechnik Wild von oben gut zu erfassen.
Die Wärmebildtechnik in Kombination mit Drohnen wird schon einige Jahre verstärkt zur Suche von Jungwild vor der Grünlandmahd eingesetzt. Dabei ist es wichtig, dass zwischen den gesuchten Wildkörpern und der Umgebung ein Temperaturunterschied besteht, der groß genug ist, den Wildkörper auf dem Wärmebild deutlich sehen zu können. Die Erfassung von Wildbeständen insgesamt ist daher bei kalter Witterung besonders erfolgversprechend. In Kombination mit Schnee und einem laubfreien Vegetationszustand lassen sich Tierkörper in vielen Lebensräumen sogar ohne Wärmebild gut aus der Luft erkennen. Schwierigkeiten können natürlich auftreten, wenn sich die zu zählenden Tiere in dichten, immergrünen Nadelwaldbereichen aufhalten. Hier ist eine leistungsstarke Wärmebildtechnik dann unerlässlich. Diese zeigt zum Beispiel auch Schwarzwildkessel unter großen, schneebedeckten Brombeerbüschen an.
Drohneneinsatz planen
Eine Wildzählung mit der Drohne bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung. Zunächst müssen ein geübter Drohnenführer und eine geeignete Drohne mit der passenden Bildgebung zur Verfügung stehen. Dann muss der richtige Zeitpunkt gewählt werden. Der Spätwinter, insbesondere bei Frost oder Schnee bietet sich hier an. Je früher man an einem Tag beginnt, desto mehr Flächen können beflogen werden. Um einen ganzen Tag zur Befliegung zu nutzen, müssen die Akkus der Drohne regelmäßig getauscht und im Fahrzeug wieder aufgeladen werden. An dem beschriebenen Einsatztag wurden im ständigen Austausch drei Akkus und ein Schnellladegerät genutzt.
Der nächste Planungsschritt betrifft den Ort der Befliegung. Dabei sind vor allem Bereiche sinnvoll, auf denen sich das gesuchte Wild am Tag üblicherweise aufhält, die aber andererseits nur schwer vom Boden aus abgesucht werden können, ohne das Wild dabei zu beunruhigen. Im Fall des hier beschriebenen Einsatzes waren es vor allem Gehölzstrukturen, Geländesenken oder Moorflächen. Hierfür wird eine sorgfältige Vorplanung der Befliegungsbereiche gemacht, die möglichst lückenlos aneinander anschließen. Die Reichweite der eingesetzten Drohne betrug zirka 700 bis 1.500 m im Radius, sodass ungefähr 300 ha große Teilbereiche gebildet wurden. Möglichst mittig in diesem Sektor wird der Start- und Landeplatz gewählt. Je höher und freier dieser liegt, desto größer ist die Reichweite des Funksignals.
Vor dem Einsatz der Drohne müssen vorab alle erforderlichen Genehmigungen eingeholt werden. Dies betrifft die Absprachen im Hegering, die Information der Grundeigentümer, Jagdvorsteher und Jagdausübungsberechtigten mit einer Widerspruchsmöglichkeit, die generelle Flugerlaubnis für die Drohne am betreffenden Ort zur festgelegten Zeit und eventuell auch weitere Genehmigungen. So musste im beflogenen Gebiet eine Sondererlaubnis zum Überfliegen eines Naturschutzgebietes eingeholt werden, und eine Flugverbotszone war zu meiden. Diese Abstimmungen können eine erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Daher sollte man den Einsatz frühzeitig planen.
Befliegung: So geht’s
Während der Befliegung selbst ist darauf zu achten, dass eine gute Flughöhe gewählt wird. Die maximal zulässige Höhe sind 120 m. Es wurde auf zirka 70 m Höhe geflogen, um einerseits einen guten Überblick zu haben, andererseits der Wärmebildkamera aber auch ein sicheres Erfassen von Wärmequellen zu ermöglichen. Während der gesamten Befliegung liefert die Drohne nebeneinander zwei Bilder desselben Ausschnittes. Links ist das Wärmebild zu erkennen, rechts das Realbild. Zeigt das Wärmebild als vorrangiges Suchinstrument eine helle Struktur, kann dann über das Realbild angesprochen werden, worum es sich dabei handelt. Dabei wird möglichst mit dem Kamerazoom gearbeitet, um sich mit der Drohne dem Tier nicht zu sehr von oben zu nähern. So ist es fast immer möglich, zu erkennen, um welche Art es sich handelt, ohne dass das Tier beunruhigt und dadurch flüchtig wird. Zum einen möchte man den Energiesparmodus des Wildes gerade im Spätwinter ja nicht stören, zum anderen könnten durch Flucht bedingte Ortswechsel das Gesamt-Zählergebnis verfälschen. Um Wild auch im Fall einer Flucht möglichst nicht doppelt zu erfassen, könnten auch am Boden, auf geeigneten Hochsitzen oder an anderen Punkten mit gutem Überblick Beobachter postiert werden, die mit Angabe von Zeitpunkt und Bewegungsrichtung mögliches Wild zählen und dokumentieren. Dies ist aber aufwendig und bei fachgerechter Befliegung meist auch überflüssig.
Die Drohne zeichnet ihre Flugbahn durchgehend auf, sodass eine Linienstruktur auf die Landschaftskarte gezeichnet wird, die im Anschluss auch zur besseren Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse gegenüber Jagdpächtern, Jagdgenossen und der Jagdbehörde dienen kann. Wurde Wild der „Zielart“ erfasst, wird der Standort in dieser Linie markiert, und das von beiden Kameras gelieferte Bild abgespeichert. Neben dem zu zählenden Damwild wurden natürlich auch andere Wildarten, vor allem Rehwild und Schwarzwild, in erheblicher Zahl gefunden. Die Unterscheidung der Wildarten aus der Vogelperspektive bedarf etwas Übung, ist dann aber meist problemlos möglich. Gelegentlich werden auch Fehl-Wärmequellen angezeigt, zum Beispiel Wasseraustritte. Aber auch solche Fehler können über das Realbild schnell identifiziert werden.
Auswertung der Bilder
Die Auswertung der Bilder kann dann im Warmen erfolgen. Bereits im Gelände wurde anhand der aufgezeichneten Flugbahnen der Drohne kontrolliert, dass alle wichtigen Bereiche auch beflogen wurden. Die markierten Fundorte und Fotos des erfassten Wildes können dann in aller Ruhe ausgewertet und die Tiere auf den Fotos insgesamt gezählt werden.
Die Wildzählung, die Anlass zu diesem Beitrag war, war sehr erfolgreich. Es konnte festgestellt werden, dass auf der Fläche des Hegerings von mehreren Tausend Hektar mehr Damwild stand, als zunächst angenommen wurde. Dabei waren wie erwartet auch Unterschiede zwischen Gebieten mit starker und zurückhaltender Bejagung festzustellen. Doch es gab auch Überraschungen: Während einige vielversprechende Wälder fast leer waren, standen Damwildrudel im Schutz kleiner Knickstrukturen oder auch mitten auf dem Acker in Senken – Hauptsache, sie konnten von den Wegen aus nicht gesehen werden.
Fazit
Wildzählung mit der Drohne bietet gute Möglichkeiten, einen besseren Überblick über den Gesamtbestand einer großen wiederkäuenden Schalenwildart zu bekommen. Hierbei ist die Forstabteilung der Landwirtschaftskammer gern behilflich. Interessierte können sich per E-Mail an die Bezirksförsterei Ostholstein, Thore Schlüter, wenden: tschlueter@lksh.de




