Jens und Catrin Ritters leben im sogenannten Dveer Huis in Krumstedt, Kreis Dithmarschen. Das historische Haus wurde 1750 erbaut. Seit mehr als 200 Jahren befindet sich der Hof in Familienbesitz. Seither betrieben alle Generationen dort Landwirtschaft und teilen noch eine weitere Gemeinsamkeit: die Leidenschaft für Holsteiner Pferde.
„Pferde prägten seit jeher das Bild unseres Hofes. Mein Großvater Willi Ritters setzte sie zur Feldarbeit ein und züchtete Arbeitspferde. Die mussten sehr vielseitig sein. Fast alle Ackerpferde wurden damals auch geritten, meistens von den Söhnen der Bauern“, erzählt Jens Ritters. Als dann die Traktoren die Arbeitspferde verdrängten, behielt sein Großvater mehrere Pferde und begann, Reitpferde zu züchten. „Für die Zucht kaufte er einige Stuten hinzu, die ihn besonders interessierten. Darunter war auch die Holsteiner Stute Virginia von Frivol xx-Marder aus dem Stamm 730B“, berichtet der Züchter. Dieser Kauf war ein Glücksgriff, denn die braune Stute begründete den Erfolg der Ritters‘schen Sportpferdezucht.
In der nächsten Generation übernahm Jens Ritters’ Vater Hans-Werner den Hof und entwickelte die Sportpferdezucht weiter. „Durch die Veredelung mit Vollblütern entstanden Pferde mit leichterem Exterieur, die den Anforderungen des modernen Sports entsprachen“, erzählt der Krumstedter.
Damals brachte die Zucht gleich zwei Olympiapferde hervor. Die Stute Classic Touch gewann mit Ludger Beerbaum 1992 die Einzelgoldmedaille im Springen bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona. Väterlicherseits stammt die Stute von Caletto II ab, mütterlicherseits von Landgraf I. Der Schimmel Marius von Condrieu xx geht auf die Stammstute Virginia zurück. Mit Hinrich Romeike wurde er bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Hongkong Einzel- und Teamsieger in der Vielseitigkeit.
Häufig ist zu lesen, dass Marius nach dem deutschen Rockmusiker Marius Müller-Westernhagen benannt worden sei. „Besonders als Marius zwei- oder dreijährig war, haben wir immer über die Ähnlichkeit gescherzt, da er ein sehr großes, dünnes und auch ‚langhaariges‘ Pferd war“, sagt der Züchter dazu.
Richtige Reiterfamilie
Jens Ritters reitet seit frühester Kindheit, nahm an den Deutschen Juniorenmeisterschaften teil und war im Springen erfolgreich bis zur schweren Klasse. So stand für ihn schon früh fest, dass er den Hof fortführen würde. „Vor 25 Jahren habe ich den Hof als landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb mit Schweinemast, Milchviehhaltung und Pferdezucht von meinem Vater übernommen“, berichtet er. Schrittweise stellte er ihn auf einen reinen Pferdebetrieb um.
Jedes Jahr züchtet Jens Ritters mit zehn bis zwölf Stuten. Früher wurden die Fohlen aufgezogen, von ihm und seiner Frau Catrin ausgebildet und als Reit- und Sportpferde verkauft. Auf dem Hof wurden dafür die entsprechenden Trainingsmöglichkeiten geschaffen. Es stehen eine Reithalle, Außenplätze, Paddocks und eine Führmaschine zur Verfügung. Catrin Ritters war für die Dressurausbildung der Pferde zuständig und ritt selbst Dressurturniere bis zur Klasse S.
„Da wir älter geworden sind, können wir nicht mehr alle Pferde selbst ausbilden. Seit einigen Jahren verkaufen wir einen Teil des Nachwuchses schon im Fohlenalter. Wir haben unseren Betrieb etwas umgestellt und bieten nun zusätzlich Aufzuchtplätze für Jungpferde an“, erklärt Jens Ritters.
Heute ist Tochter Janne mit den selbst gezüchteten Pferden der Familie im Turniersport aktiv. Die 25-Jährige wurde bereits zweimal Landesmeisterin im Springreiten. Ihr Vater sagt: „Die vielversprechendsten Stuten bekommen meist dreijährig ein Fohlen. Danach entscheiden wir, ob sie ausgebildet werden und eine Weile auf Turniere gehen oder in der Zucht bleiben.“
Siegerhengst Caracho
„Ich war in der glücklichen Lage, einen tollen Stutenbestand von meinem Vater zu übernehmen“, so der Züchter. „Bis zum vergangenen Jahr hatten wir noch eine letzte Stute von ihm auf dem Hof. Nienburg von Concerto II und Fra Diavolo war für mich ein besonderes Pferd. Ich übernahm sie als Zweijährige. Auch sie ging auf die Stammstute Virginia meines Großvaters zurück.“ Nienburg wurde mit der Staatsprämie ausgezeichnet. Unter ihren Nachkommen waren mehrere gekörte Hengste, unter anderem Caracho von Cassilano-Quick Star, der 2014 in den Holstenhallen in Neumünster zum Siegerhengst gekürt wurde. Ritters erzählt, dass Nienburg ihr letztes Fohlen mit 24 Jahren bekam: „Das finde ich in diesem Alter schon recht außergewöhnlich. Normalerweise nehmen Pferde, die 20 Jahre oder älter sind, nicht mehr auf. Nienburg starb im vergangenen Jahr im Alter von 27 Jahren.“
Tochter Janne hat jetzt ihr erstes Turnierpferd Claudia als Zuchtstute übernommen und wartet auf die Geburt ihres Fohlens. Tim Ritters, der Sohn des Ehepaars, kümmert sich als Landmaschinenmechatroniker und mittlerweile Meister um die Maschinen und die Außenwirtschaft. Ob eines der Kinder den Hof übernehmen wird, steht noch nicht fest.




