Fußballenveränderungen, die im Laufe der Mastperiode in unterschiedlichen Schweregraden auftreten können, sind eine Herausforderung in der Putenhaltung. Bis heute sind die Ursachen für Fußballenveränderungen nicht eindeutig geklärt. Es gibt viele Faktoren, die auch in Kombination Einfluss auf die Fußballengesundheit nehmen können. Dabei wird aber auch dem Feuchtigkeitsgehalt der Einstreu eine entscheidende Rolle zugeordnet. Feuchte Einstreu kann unter anderem zu Fußballenveränderungen, aber auch zu erhöhten Emissionen im Stallbereich beitragen.
Das derzeit übliche Tränkesystem für Puten in Deutschland sind die sogenannten Glockentränken. Glockentränken zeichnen sich vor allem durch große Rinnen und somit frei stehende Wasser aus. Um Spritzwasser und Wasserverluste durch „Verspielen“ und damit feuchte Einstreu zu vermeiden, sollten Glockentränken regelmäßig nachgestellt werden, um sie den wachsenden Tieren anzupassen. Der untere Rand der Tränke sollte sich auf einer Ebene mit dem Rücken der Puten befinden. Die bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen (2013) geben bei Einzeltränken in der Aufzuchtphase für 350 kg Lebendgewicht mindestens eine Tränke und in der Mastphase je 2.000 kg Lebendgewicht mindestens eine Tränke an.
Masthühner und Legehennen werden überwiegend über sogenannte Nippeltränken getränkt. Nippeltränken haben weniger frei stehendes Wasser. Daher wird vermutet, dass bei dieser Form der Tränketechnik weniger Spritzwasserverluste auftreten. Bisher werden Nippeltränken in der Putenhaltung in Deutschland eher selten eingesetzt. Die bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen geben für die Aufzuchtphase mindestens einen Nippel pro 150 kg Lebendgewicht vor. In der Mastphase sollte pro 500 kg Lebendgewicht mindestens ein Nippel zur Verfügung stehen.
Schwankender Wasserverbrauch
Generell schwankt der Wasserverbrauch von Puten. Einfluss darauf nehmen unter anderem die Zusammensetzung der Futtermischung, der Futterverbrauch, das Alter der Tiere sowie Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit. Auch die Jahreszeit und der Gesundheitszustand spielen eine Rolle. Ein Hahn verbraucht während einer Mastperiode im Durchschnitt zwischen 1 und 2 l pro Tag, bis zur 22. Lebenswoche können das in Summe bis zu 130 l je Tier sein.
Versuchsaufbau auf Haus Düsse
Auf Haus Düsse wurde daher der Frage nachgegangen, ob und wie sich der Einsatz der Nippeltränken in der Putenhaltung umsetzen lässt. Ziel des Versuchs war es, den Einfluss der Tränketechnik (Glockentränke versus Nippeltränke) auf die biologischen Leistungen und die Einstreufeuchtigkeit sowie die Fußballengesundheit von Putenhähnen zu ermitteln.
Auf Haus Düsse stehen zwei identische Mastabteile zur Verfügung. Diese beiden Stallabteile werden jeweils mittig durch einen Versorgungsgang unterteilt, sodass je Abteil zwei Versuchsboxen zur Verfügung stehen. Im gegenwärtigen Versuch wurde in Stallabteil 1 die Glockentränke montiert, während Stallabteil 2 mit der Nippeltränke ausgestattet wurde.
Insgesamt wurden 1.008 Putenhähne der Genetik B.U.T 6 als Eintagsküken eingestallt und zufällig den beiden Versuchsvarianten zugeordnet. Somit wurden je Variante 504 Putenküken eingestallt. Dabei wurden die Küken beider Varianten in der Aufzucht lediglich in eine Box (105 m²) je Abteil eingestallt. Die Einrichtung der beiden Boxen war identisch, nur die Tränketechnik unterschied sich. Im Glockentränkenstall standen den Tieren acht Rundtränken (Umfang 125 cm) sowie in den ersten Lebenstagen fünf Stülptränken zur Verfügung. Der Nippeltränkenstall wurde mit insgesamt 18 Tränkecups ausgestattet. Hier kamen keine Stülptränken zum Einsatz (siehe Fotos).
An Lebenstag 35 wurden die Tiere in die Mast umgestallt. Jeweils die Hälfte der Tiere wurde von Box 1 des jeweiligen Abteils in Box 2 umgestallt. Im Glockentränkenstall wurden dabei die eingesetzten Glockentränken durch größere Hahnentränken ersetzt (Umfang 149 cm). Im Nippeltränkenstall wurden die Tränkecups ebenfalls durch Nippeltränken ersetzt. Je Box wurden insgesamt 245 Tiere, also 490 Tiere je Variante eingestallt. Ausgestattet war Abteil 1 (Box 1.1 und 1.2) jeweils mit insgesamt fünf Rundtränken je Box, Abteil 2 (Box 2.1 und 2.2) war jeweils vorerst mit neun Tränkenippeln ausgestattet. In Futterphase P5 wurden Box 2.1 und Box 2.2 jeweils noch um einen weiteren Tränkenippel auf zehn Tränkenippel erweitert.
So erfolgte die Futtervergabe
Die Futtervorlage erfolge sowohl in der Aufzucht wie in der Mast ad libitum. Gefüttert wurden die Tiere mit einem Standardfutterprogramm für Putenhähne: sechs Phasen (P1 bis P6), stickstoff (N)- und phosphor (P)-reduziert gemäß Deutscher Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Die Futterzuteilung erfolgte händisch und die Mengen wurden erfasst. Vor jedem Futterwechsel wurde das Futter zurückgewogen. Zudem wurde der Wasserverbrauch je Tränketechnik erfasst, das Waschwasser wurde ebenfalls erfasst und berücksichtigt.
Nach jedem Futterwechsel wurde eine Stichprobe von 100 Tieren je Variante gewogen, um das Durchschnittsgewicht der Herde zu ermitteln. Am Ende der Mast an Tag 141 wurde die gesamte Gruppe sowohl im Glocken- als auch im Nippeltränkenstall gewogen.
Die Gewichtserfassung zeigt, dass die Tiere mit einem Startgewicht von 60 g in die beiden Abteile eingestallt wurden. Nach P1, also an Lebenstag 14, zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Varianten. Die Tiere an der Nippeltränke waren im Durchschnitt 10 g schwerer als die Tiere an der Glockentränke. In P2 gleicht sich der signifikante Unterschied zwischen den Varianten wieder aus. Somit sind beide Varianten mit den gleichen Voraussetzungen in den Mastabschnitt gestartet. Ab der Mast lagen die Gewichte der Tiere im Glockentränkenstall über den Gewichten der Tiere im Nippeltränkenstall. Der Unterschied zwischen den beiden Varianten wurde mit zunehmendem Alter der Tiere größer. Bei Ausstallung wogen die Tiere im Glockentränkenstall im Durchschnitt 24,06 kg, während die Tiere an der Nippeltränke ein Durchschnittsgewicht von 22,41 kg aufwiesen. Der Gewichtsunterschied lag zu diesem Zeitpunkt bei von 1,68 kg.
Gleichzeitig zur Gewichtsentwicklung wurde auch der Futterverbrauch in Kilogramm pro Tier ermittelt. Eine statistische Auswertung war aufgrund fehlender Wiederholungen nicht möglich. Ein direkter Vergleich der beiden Tränketechniken in Bezug auf den Futterverbrauch zeigt, dass während der Aufzucht keine Unterschiede erkennbar waren. Mit Beginn der Mast fraßen die Tiere im Durchschnitt in P3 bereits 60 g weniger Futter je Tier. Am Ende in P6 waren es 1,58 kg Futter weniger je Tier. In der gesamten Mastphase fraßen die Tiere an der Glockentränke 5,59 kg mehr Futter als die Tiere an der Nippeltränke (vergleiche Tabelle 2).
Die Tiere im Glockentränkenstall wiesen höhere Gewichte, aber auch einen höheren Futterverbrauch auf, während die Tiere im Nippeltränkenstall zwar geringere Gewichte aufwiesen, aber gleichzeitig auch weniger Futter gefressen haben. Das führte dazu, dass der Futteraufwand sich nicht unterschied (2,33 kg/kg im Glockentränkenstall versus 2,32 kg im Nippeltränkenstall). Die geringe Futteraufnahme im Nippeltränkenstall spiegelt sich auch in den Tageszunahmen in Gramm je Tier wider. Insgesamt über die Tränketechniken gemittelt, lagen die Tageszunahmen im Glockentränkenstall im Durchschnitt um 11 g über den Werten im Nippeltränkenstall (167,03 g versus 155,74 g).
Der Wasserverbrauch wurde ebenfalls täglich je Abteil über Wasseruhren erfasst. So konnte der durchschnittliche Wasserverbrauch in Litern je Kilogramm Zuwachs ermittelt werden. In der Aufzucht konnten keine großen Unterschiede ermittelt werden. Ab Futterphase P3 wurde der Unterschied zwischen den Varianten größer. In P6 – also am Ende der Mast – lag der Verbrauch an der Glockentränke bei 5,99 l/kg Zuwachs und an der Nippeltränke bei 4,87 l/kg Zuwachs (vergleiche Tabelle 2). Der tägliche durchschnittliche Wasserverbrauch konnte statistisch zwischen den Gruppen analysiert werden. Während der Aufzucht konnten keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf den durchschnittlichen Wasserverbrauch festgestellt werden (Glockentränke 0,21 l pro Tier und Tag; Nippeltränke 0,21 l pro Tier und Tag). In der Mast hingegen unterschied sich der Wasserverbrauch je Tier und Tag signifikant (Glockentränke 1,05 l pro Tier am Tag; Nippeltränke 0,80 l pro Tier am Tag). Ein Überblick über den Gesamtverbrauch je Tier in der Aufzucht zeigt ebenfalls keinen Unterschied zwischen den Varianten (7,56 l versus 7,74 l). Während der Mastphase konnte allerdings ein Unterschied von 25,85 l festgestellt werden. Die Tiere an der Glockentränke verbrauchten während der Mast insgesamt 110 l pro Tier, die Tiere an der Nippeltränke hingegen lediglich 84 l.
Der geringere Futterverbrauch im Nippeltränkenstall zeigt sich auch in den Futterkosten (€ pro Tier). So waren die Futterkosten bei der Nippeltränketechnik um 2,12 € je Tier geringer. Da aber die Gewichte im Glockentränkenstall über den Gewichten der Tiere im Nippeltränkenstall lagen, war der Tiererlös um 2,70 € je Tier geringer, was letztendlich zu einem geringeren Überschuss von 16,13 € je Pute führte. Im Glockentränkenstall lag der Überschuss (Tiererlös-/Futterkosten) je Tier bei 16,72 € und somit um 0,59 € höher.
In Bezug auf die Gesamtverluste konnte zwischen den Varianten kein Unterschied festgestellt werden. Die Gesamtverluste lagen im Glockentränkenstall bei 5,30 %, während es im Nippeltränkenstall 5,26 % waren. Es zeichnet sich aber ab, dass im Glockentränkenstall die Verluste während der Aufzucht geringer (1,20 % versus 2,80 %), aber während der Mast höher (4,10 % versus 2,46 %) waren. Die höheren Verluste in der Aufzucht an der Nippeltränke sind vor allem auf die Verluste in den ersten sieben Tagen (0,97 % versus 1,98 %) zurückzuführen. Die höheren Verluste in der Mast im Glockentränkenstall können auf die höheren Verluste aufgrund von Beschädigungspicken zurückzuführen sein (2,2 % versus 1,2 %).
Um zu ermitteln, ob mehr beziehungsweise weniger Spritzwasserverluste in den einzelnen Tränkesystemen während der Haltung auftraten, wurden am Ende der Aufzucht und am Ende der Mast Einstreuproben gezogen und auf ihren Trockenmassegehalt analysiert. Die Ergebnisse der Einstreuproben zeigen, dass es am Ende der Aufzucht keinen signifikanten Unterschied zwischen den Varianten gab (73,35 % versus 72,50 %). Am Ende der Mast war die Einstreu im Nippeltränkenstall signifikant trockener als im Glockentränkenstall (65,47 % versus 74,08 %).
Und die Ballengesundheit?
Um den Einfluss der trockeneren Einstreu auf die Fußballengesundheit zu ermitteln, wurde gleichzeitig mit der Probenziehung auch eine Fußballenbonitur (Aufzucht LT 34, Mast LT 139) bei 100 zufällig ausgewählten Tieren je Variante nach KTBL (2016) durchgeführt und den Noten 0 (keine Veränderungen) bis 4 (hochgradige Veränderungen) zugeordnet.
In der Aufzucht konnten in beiden Varianten keine Auffälligkeiten festgestellt werden. Beide wiesen lediglich die Note 0 auf. In der Mast hingegen waren signifikante Unterschiede zwischen den Varianten festzustellen. Die Tiere, die mit der Glockentränke – im Mittel Note 1,97 – getränkt wurden, hatten eine signifikant schlechtere Fußballengesundheit als die Tiere an der Nippeltränke – im Mittel Note 1,08. Die Grafik zeigt die Verteilung der Fußballenscores während der Mast. Dabei wiesen die Tiere an der Glockentränke mehr Tiere in den Scores 2 und 3 auf. Auch wiesen sie im Gegensatz zu den Tieren an der Nippeltränke Scores im Bereich 4 auf. An der Nippeltränke hingegen zeigten mehr Tiere den Score 0.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Tiere an der Nippeltränke insgesamt ein geringeres Gewicht aufwiesen. Diese verminderte Gewichtsentwicklung ist auf den geringeren Futterverbrauch zurückzuführen. Somit konnte in Bezug auf die Futterverwertung kein Unterschied festgestellt werden. Die durch den geringeren Futterverbrauch entstandenen niedrigeren Kosten können allerdings nicht den durch den Gewichtsverlust entstandenen Minderertrag ausgleichen. Somit war der Überschuss je Tier am Ende des Versuchszeitraums bei den Tieren an der Nippeltränke geringer. Die Verluste in den ersten sieben Tagen waren höher, was zu höheren Verlusten in der Aufzucht führte, die aber durch die geringeren Verluste in der Mast wieder ausgeglichen werden konnten, sodass auch in Bezug auf die Verluste kein Unterschied festzustellen war. Der Wasserverbrauch war an der Nippeltränke geringer, ebenso die Einstreufeuchtigkeit. Dies liefert Hinweise auf geringere Spritzwasserverluste in der Einstreu. Ebenso war die Fußballengesundheit im Nippeltränkenstall signifikant höher als im Glockentränkenstall. Wie viel Wasser von den Tieren tatsächlich getrunken wurde und wie viel auf Spritzwasserverluste zurückzuführen ist, konnte nicht ermittelt werden.




