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Späte Salbei-Arten

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Sie kommen mit klingenden Namen wie Ananas-, Honigmelonen- oder Fruchtsalbei daher und zeigen ihren Blütenflor, wenn heimische Salbeiarten längst verblüht sind. Die Arten mit dem meist (sub)-tropischen Hintergrund leuchten als Farbträger bis weit in den Herbst hinein in Rot, Violett, Pink oder herrlichem Blau. Doch nur eine Frostnacht genügt, um dem Schauspiel ein Ende zu bereiten. Daher empfiehlt sich die Kultur im Kübel.

Der Ananas-Salbei (Salvia rutilans) ist eine äußerst attraktive Kübelpflanze mit essbaren Spätherbstblüten in einem feurigen Rot. Meist öffnen sich die Blüten erst im Oktober. Vor dem ersten Frost ins Haus geräumt, bleibt der Blütengenuss bis in den Dezember hinein erhalten. Den Namen trägt Ananas-Salbei nicht ohne Grund, denn bei Berührung geben die Blätter einen aromatischen Fruchtduft ab. Die Pflanze verträgt regelmäßigen Schnitt sehr gut. Daher kann reichlich geerntet werden. Blätter und Blüten aromatisieren Desserts und Süßspeisen, aber auch Fleischgerichte in der asiatischen Küche. Optimal steht die Pflanze im Wintergarten. Die Überwinterung erfolgt hell bei 5 bis 15 °C oder kräftig zurückgeschnitten bei um die 5 °C. Verbringt die Pflanze den Sommer im Freien, gibt man immer über den Untersetzer reichlich Wasser. Pralle Sonne mag der Ananas-Salbei jedoch nicht. Sortentipp: ‚Pineapple Scarlet‘, 80 bis 150 cm hoch, feuerrote Blüte von Oktober bis Dezember

Blüten und Blätter des Ananas-Salbeis finden in der Küche vielseitige Verwendung. Foto: Karin Stern
Der Duft von Salvia elegans erinnert deutlich an reife Honigmelonen. Foto: Karin Stern

Auch der Honigmelonen-Salbei (Salvia elegans) punktet mit feuerroten Lippenblüten. Sie zeigen sich jedoch schon früher im Juli und bleiben bis November erhalten. Das hellgrüne, weiche Laub bildet einen dichten Busch. Die Triebe verholzen leicht an der Basis. Berührt man die Blätter, verströmen sie einen leichten Duft nach Honigmelonen. Die Blüten und Blätter werden gern Süßspeisen und Fruchtsalaten beigemischt, schmecken aber auch gut im Tee. Die Wärme liebende Pflanze braucht unbedingt einen geräumigen Kübel ab 5 l Erdvolumen. Optimal ist ein geschützter Standort im lichten Schatten. In der prallen Sonne vergilben die Blätter schnell. Verbringt der Honigmelonen-Salbei den Winter hell bei 5 bis 15 °C, bleibt er meist grün. Fehlt der passende Platz dafür, schneidet man die Pflanze zurück. Sie überwintert dann bei etwa 5 °C. Wer einen Topfgarten mit Aromapflanzen anlegen möchte, gesellt neben dem oben beschriebenen Ananas-Salbei noch Limonenysop ‚Sangria‘ (Agastache mexicana), Zitronenverbene (Lippia citriodora) und den blau blühenden Rosmarin ‚Blaulippe‘ (Rosmarinus officinalis) hinzu. Seine reiche Blüte zeigt sich von April bis Juni.

Nicht unerwähnt bleiben darf der Fruchtsalbei (Salvia dorisiana). Manchmal wird die Blattschönheit mit dem spitzovalen, weichen Laub auch als Zimmerlinden-Salbei angeboten. Die Blüten in Himbeerrosa öffnen sich von November bis Januar. Damit eignet sich diese Salbei-Variante besonders gut für den Wintergarten.

Salvia microphylla ,Hot Lips‘ zeigt eine zauberhafte Farbkombination seiner unzähligen, kleinen Blütchen. Foto: Karin Stern
Die violetten Blüten des Salbeis bilden einen tollen Kontrast zu Federborstengras ,Rubrum‘. Foto: Karin Stern

Doch unter den spät blühenden Salbei-Arten finden sich auch Vertreter, die sogar ausgepflanzt durchaus in Beet oder Rabatte wacker mithalten. Die meisten öffnen ihre Blüten bereits im Sommer. Der prächtige Flor findet allerdings durch den Frost ein abruptes Ende. Salvia microphylla und Salvia greggii zählen hier zu den empfehlenswerten Varianten. Die Sorte ‚Hot Lips‘ zeigt blutrote Blüten mit einem Schuss Weiß, ‚Royal Bumble‘ blüht tiefrot und ‚Nachtvlinder‘ purpurviolett. Wer Rosaviolett bevorzugt, wählt ‚Icing sugar‘. Milde Winter in warmen Lagen können diese Salbei-Vertreter sogar im Freien überstehen. Neben dem Frost ist jedoch winterliche Nässe eine mindestens ebenso große Gefahr. Wenn man die Überwinterung probieren möchte, achtet man bei der Pflanzung unbedingt auf eine gute Drainage und gibt den Pflanzen ausreichend Schutz durch eine Laubaufschüttung oder Reisigabdeckung. Wer das Risiko nicht eingehen möchte, gräbt die Pflanzen vor dem Frost aus, topft sie ein und überwintert sie im Haus. Alternativ kann man im Sommer aus den halbreifen Trieben Stecklinge ziehen. Als Jungpflanzen kommen sie auf der Fensterbank meist gut über den Winter.

Der Mexikanische Salbei mit seinen leuchtend königsblauen Blüten wächst etwa 60 cm hoch. Foto: Karin Stern

Auch einige eher selten angebotene Salvia-Hybriden begeistern mit ihrem überreichen, bis spät in den Herbst anhaltenden Blütenflor. Gemeinsam mit Gräsern, buntem Herbstlaub und Fruchtschmuck entstehen wunderbare Gartenbilder. Nicht zuletzt freuen sich auch Insekten über die späte Blüte von ‚Amistad‘ (leuchtend violett), ‚Love and Wishes‘ (tiefes Purpurviolett), ‚Ember‘s Wish‘ (orangerot) oder die unglaublich aparte ‚Phyllis Fancy‘ (bläulich-weiß). Rein „Blaublütiges“ bieten der Pfeffer-Salbei (Salvia ulginosa) oder die Sorten des Mexikanischen Salbeis (Salvia patens). Dessen enzianblaue Blüten stehen in einem hübschen Kontrast zu den bunten Herbstfarben. Pfeffer-Salbei fühlt sich eher auf feuchten Böden in voller Sonne wohl. Mit seiner Höhe von etwa 1 m empfiehlt er sich daher als Hintergrundpflanze in Staudenrabatten oder am Teichrand. Als weitgehend winterhart gilt der Herbst-Salbei ‚Grandiflora‘ (Salvia azurea). Manchmal wird die Pflanze auch unter der Bezeichnung Prärie-Salbei angeboten. Von August bis Oktober zeigen sich die azurblauen Blüten an etwa 1 m hohen Stängeln. Die späte Blüte und die Winterhärte machen diesen Salbei so wertvoll. Er mag kalkreiche, magere Standorte in vollsonniger Lage. In Steppenpflanzungen fügt sich der Herbst-Salbei prima ein. In kälteren Lagen erhält er dennoch etwas Winterschutz und sollte hier zudem im Frühjahr gepflanzt werden.

Johannisbeer-Salbei ,Cerro Potosi‘ (Salvia microphylla) fühlt sich in Beet und Topf gleichermaßen wohl. Foto: Karin Stern
Der aus Südamerika stammende Salvia guaranitica lockt mit seinen herrlich blauen Blüten Bienen, Hummeln und Falter an. Foto: Karin Stern
,Angel Wings‘ zeigt ein zartes Rosa – so schön können Engelsflügel aussehen. Foto: Karin Stern
Von Juni bis Oktober präsentiert der Mexikanische Salbei ,Cambridge‘ seinen himmelblauen Flor. Foto: Karin Stern
Salvia microphylla punktet mit auffälliger Farbgebung seiner Blüten. Sie hängt von der jeweiligen Sorte ab. Foto: Karin Stern


Herausforderung Waldumbau

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Schäden in unseren Wäldern und der menschengemachte Klimawandel erfordern einen kontinuierlichen Umbau des Waldes zu einem stabilen, zukunftsfähigen Lebens- und Wirtschaftsraum. Dies stellt die Waldbesitzenden und Waldbewirtschafter vor große Herausforderungen, da erhebliche Investitionen in eine leider unsichere Zukunft getätigt werden müssen. Dieser Problematik widmete sich das Waldbauseminar im September 2025 in Bad ­Segeberg.

Unter der bewährten fachlichen Leitung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NWFVA) fand an der Lehranstalt für Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und nachmittags im Revier Daldorf der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten die diesjährige landesweite Waldbaufortbildung statt. Vier Vorträge und eine Exkursion beleuchteten das Thema, wie Waldbesitzende und Forstleute den Herausforderungen begegnen sollten, die sich aus dem Umbau nicht mehr klimastabiler, oft schon geschädigter Wälder ergeben. Ein wichtiges Grundprinzip dabei ist es, dass Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft, die sogenannten standortheimischen Arten, als stabiles ökologisches Grundgerüst an der neuen Waldgeneration beteiligt sind. Daher sieht die aktuelle Förderrichtlinie zur finanziellen Unterstützung des Waldumbaus im Privat- und Kommunalwald auch einen Mindestanteil von 51 % standortheimischer Baumarten im neu geschaffenen Waldbestand vor. Wie wissenschaftlich begründet wird, ob eine Baumart standortheimisch ist, erläuterte Marcus Schmidt in seinem Vortrag und stellte die für Schleswig-Holstein verbindliche Liste der betreffenden Arten vor. Dabei traten auch einige kleine Überraschungen auf: So ist beispielsweise die Eibe als heimische Art der „freien Wildbahn“ strittig, während unter anderem die Elsbeere, eine Baumart der wärmeren Klimate, in unserem Bundesland schon als heimisch anerkannt wird.

Alternative Baumarten

Hier klingt bereits ein Grundproblem der standortheimischen Arten durch: Diese etablierten sich unter den klimatischen Bedingungen der Vergangenheit. Wie sich dieser für Pflanzengesellschaften entscheidende Rahmen aber in Zukunft ändern wird, ist extrem ungewiss. Daher war ein zweiter Vortrag auch dem Stand des Wissens über „alternative“ Baumarten gewidmet. Stefan Lieven stellte dar, wie die NWFVA anhand vorhandener Anbauversuche, Auswertung von Anbauten der forstlichen Praxis und einer umfangreichen Literaturrecherche Steckbriefe für eine ganze Zahl von Baumarten entwickelt hat, die weder heimisch noch seit über 100 Jahren in unseren Wäldern bewährt sind. Diese Kurzvorstellungen wichtiger alternativer Baumarten enthalten als Resultat immer eine Beurteilung, ob diese unter den passenden Boden- und Lagebedingungen ­anbauwürdig erscheinen oder nicht. Auch wenn eine einigermaßen sichere Beurteilung dieser Frage erst langfristig erfolgen kann, geben diese Steckbriefe doch schon einige hilfreiche Hinweise.

Erfreulicherweise scheinen viele Baumarten als Beimischungen in kleinen Trupps oder Gruppen geeignet. Allerdings wird unter anderem die derzeit sehr gern gepflanzte Esskastanie nur als „bedingt anbauwürdig“ beurteilt. Sie ist zwar wüchsig mit guter Streuzersetzung, aber auch krankheitsanfällig und neigt extrem zu einer holzentwertenden Ringschäle. Ausdrücklich abgeraten wird durch die Forstliche Versuchsanstalt vom Anbau der Westlichen Hemlocktanne. Diese hat ein großes Potenzial, invasiv zu werden, und könnte damit heimische Arten gefährden. Für alle Interessierten stehen die Steckbriefe als Download zur Verfügung, wie der Pressemitteilung der NWFVA zu entnehmen ist.

Baumartenwahl und Flächenvorbereitung

Das komplexe Thema der Wahl geeigneter Baumarten wurde in einem Vortrag von Nikolas von Lübke vertieft. Dabei wurde deutlich, dass neben dem Anspruch, einen auch in Zukunft stabilen Wald zu schaffen, natürlich noch viele andere Faktoren die Wahl der neu begründeten Baumarten beeinflussen. Um ein zielgerichtetes Handeln zu ermöglichen, bietet es sich an, ein gewichtetes Entscheidungsschema zur Baumartenwahl auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten anzuwenden. Hierbei werden neben den individuellen örtlichen Standortbedingungen und Klimaprognosen zum Beispiel auch die finanziellen Rahmenbedingungen des Betriebs, die Verfügbarkeit bestimmter Baumarten und -sortimente, eine Gewichtung ökologischer, ökonomischer und sozialer Ansprüche an den Wald und andere, eigentümerspezifische Einflussfaktoren berücksichtigt. Der Kern dieser Entscheidung bleibt aber immer, die existenziell wichtige Frage der zukünftigen Baumarten eines Waldes nicht „aus dem Bauch heraus“ zu treffen. Baumartenwahl bedeutet Zukunftsvorsorge. Dies trifft natürlich auch auf die Frage zu, wie sich bestimmte Arten der Vorbereitung von Waldflächen für einen Umbau auswirken. Dies verdeutlichte Ulrike Talkner im letzten Vortrag des Tages anhand der Vorstellung von drei Versuchen zu unterschiedlichen Bodenvorbereitungsverfahren. Diese Versuche bestätigten im Wesentlichen, dass einerseits der Erhalt der Bodenstruktur, andererseits aber auch der Verbleib der Biomasse auf der Fläche für ein zukunftsfähiges Waldwachstum sehr wichtig sind. Flächiges Räumen von Schlagabraum, Begleitvegetation und Streuauflage führen insbesondere auf armen Sanden zu langfristigen Nährstoffverlusten und sollten möglichst vermieden werden. Ein flächiges Mulchen hingegen belastet den Boden je nach eingesetzter Maschine, Bodenart und Witterung so stark, dass die notwendige Bodenporenstruktur dauerhaft zerstört werden kann. Zudem werden dadurch vorhandene Naturverjüngung, Kleinhabitate und die Lebensgemeinschaft der bodennahen Totholzbewohner flächig vernichtet. Als Resultat des Vortrags muss festgestellt werden, dass die Bestandesvorbereitung so schonend und kleinflächig wie möglich ausfallen sollte. Kurzfristige Bewirtschaftungserleichterungen durch „schiere“ Flächen dürfen nicht mit einem langfristigen Schaden am Ökosystem Waldboden erkauft werden. Streifenweises Mulchen, am besten mit einem Mulchkopf von der Rückegasse aus, oder Bagger-Pflanzstreifen bieten hier mögliche Lösungsansätze. Und auf vielen noch überschirmten Flächen ist eine Bodenvorbereitung einfach überflüssig, stört das Ökosystem und kostet zudem noch Geld.

Mehrere Praxisbeispiele

Nach dem Mittagessen wurden drei Exkursionspunkte rund um Daldorf besichtigt. Ralf-Volker Nagel, der Direktor der Forstlichen Versuchsanstalt, stellte mit Unterstützung einiger junger Wissenschaftler der NWFVA und dem zuständigen Revierleiter der Landesforsten, Thomas Jacobi, Bestandesbilder zum Waldumbau vor. Zunächst wurde ein gut zehnjähriger Voranbau unter lichten Fichten und Lärchen vorgestellt. Hier wurden in recht großer Stückzahl Douglasien und Buchen truppweise in Bagger-Kratzstreifen gepflanzt. Hinzu kamen noch etliche Baumarten aus Naturverjüngung, zum Beispiel Birke, Lärche, Fichte, Eberesche, Kiefer und Eiche. Insgesamt steht der Folgebestand artenreich und gut gemischt da. Die Buche ist trotz des recht nährstoffarmen und nur mäßig frischen Bodens bemerkenswert vital, was neben ihrem geringen Alter auch daran liegen kann, dass sie mit großen Containerballen gepflanzt wurde, die eine Trockenheit nach der Pflanzung besser ausgleichen können. Die Douglasie leidet sichtlich unter verschiedenen Stressfaktoren, vor allem den pilzlichen Erkrankungen Diplodia und Schütte. Angesichts der Einschätzung der Douglasie als „extrem zukunftsfähig“ ist dies eine ernüchternde Erkenntnis. Es zeigt sich, dass man nie auf nur eine Baumart setzen sollte. Insbesondere durch die üppige und artenreiche Naturverjüngung stellt sich im Nachhinein die Frage, ob die Zahl gepflanzter Bäume auch geringer hätte sein können. Durch mehr unbepflanzte Bereiche in stärker beschatteten Bestandesteilen wäre auch eine stärkere vertikale Strukturierung des Folgebestandes entstanden. Alles in allem kamen die Teilnehmer aber zum Ergebnis, dass der Folgebestand sehr gut aussieht und alle Möglichkeiten einer zukunftsfähigen Weiterentwicklung bietet.

Das zweite Bestandesbild zeigte die Vorbereitung für einen Buchen-Voranbau auf Baggerstreifen in einem Küstentannen-Douglasien-Mischbestand. Hier läuft bereits großflächig Küstentannen- Naturverjüngung auf. Um einen einschichtigen Folgebestand ohne Mischbaumarten zu verhindern, ist eine Ergänzung mit Laubbäumen, hier natürlich am besten mit der Schattbaumart Buche, unbedingt sinnvoll. Die Tanne zeigt trotz eines geringen Alters von 48 Jahren bereits Bäume über 70 cm Brusthöhendurchmesser. Dies ist ein Zeichen dafür, dass man sich auf keinen Fall nur auf das Alter eines Vorbestandes verlassen darf, wenn es um die Entscheidung geht, bereits den Folgebestand als klimastabilen Mischbestand zu etablieren. Bei den Baggerstreifen wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass die beiseitegezogene Biomasse möglichst im Bestand bleiben sollte, um nicht als ungenutztes Nährstoffdepot auf der Gasse zu verrotten.

Absterbende Bestände wie diese Edeltannenfläche stellen große Herausforderungen an eine klimastabile Wiederaufforstung. Foto: Dr. Borris Welcker

Das dritte und letzte Bestandesbild war eine ehemalige Edeltannen-Schnittgrünfläche. Die Tannen sind fast vollständig abgestorben und der Boden ist stark mit Brombeere verwildert. Bei genauer Betrachtung zeigte sich jedoch, dass durch die Brombeere bereits eine erhebliche Menge junger Bergahornpflanzen, über den ganzen Bestand verteilt sogar über zehn weitere Baumarten in einzelnen jungen Bäumen zu finden sind. Anhand dieses Bildes wurde intensiv diskutiert, inwieweit der Bestand oder Teile davon noch geräumt und neu aufgeforstet werden sollten oder ob man die Fläche zumindest teilweise nicht auch einer natürlichen Wiederbewaldung überlassen könnte. Dabei muss bedacht werden, dass forstrechtlich durchaus bereits vom Vorhandensein eines Folgebestandes ausgegangen werden kann, wenn auch sehr verstreut und von geringer Qualität. Um dies zum Beispiel durch flächiges Mulchen wieder rückgängig zu machen, bedürfte es dann einer Kahlschlaggenehmigung, mit der gegebenenfalls auch die mögliche Förderung der Wiederaufforstung um 50 % sinken würde. Als Tenor der Diskussion wurde festgehalten, dass man allenfalls kleine Bereiche räumen, eventuell von den Rücke­gassen aus oder mit Kleinraupen mulchen und dann gruppen- bis horstweise neu bepflanzen könnte. Dies wäre aber unbestritten ein erheblicher finanzieller Aufwand, der sich durch viele kleine Wildschutzzäune noch erheblich erhöhen würde. Dieses Bestandesbild zeigte sehr deutlich, wie stark auch die Investitionsbereitschaft der Waldbesitzenden Einfluss darauf nimmt, wie die Herausforderung Waldumbau bewältigt werden kann.

Fazit

Die Waldbaufortbildung zeigte von der Baumartenentscheidung bis zur Flächenvorbereitung, wie komplex die Entscheidungen für den richtigen Weg eines Waldumbaus sein können. Dabei spielen die Einschätzung zukünftiger Entwicklungen, vor allem hinsichtlich des Klimas, und die Ziele der Waldbesitzenden eine entscheidende Rolle. Aber auch andere ökologische, ökonomische und soziale Ziele und Rahmenbedingungen bis hin zur Förderung sind zu berücksichtigen. In jedem Fall ist es gut, sich hierzu immer wieder neu zu informieren und den aktuellen Stand des Wissens zu berücksichtigen. Siehe dazu auch den Folgeartikel

Zollfreie Kontingente erhöht

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Die EU und die Ukraine haben eine endgültige Einigung über die Aktualisierung des Handelsteils in ihrem Assoziierungsabkommen (DCFTA) erzielt. Der EU-Ministerrat hat nach Angaben des Ukrainischen Agribusiness Club (UCAB) der Ausweitung mehrerer Zollkontingente für die Einfuhr von Agrar- und Lebensmittelgütern in die EU zugestimmt, deren Höhe bereits Anfang Juli von der EU-Kommission veröffentlicht wurde. Die Neuregelung soll am 29. Oktober in Kraft treten.

Die neuen Quoten betreffen Produkte, die einen erheblichen Anteil an der Struktur der ukrainischen Agrarexporte haben, beispielsweise Getreide, Geflügel, Zucker und Eier. Außerdem hat der Rat die Senkung beziehungsweise Abschaffung einer Reihe von Zöllen auf Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen aus der Ukraine abgesegnet.

Der größte Anstieg der zollfreien Lieferungen gegenüber dem Stand von 2021 wurde für Honig vereinbart; hier steigt die Quote von 6.000 t auf 35.000 t, was einem Plus von 483 % entspricht. Auch die umstrittene Quote für Weißzucker wurde verfünffacht, und zwar von 20.000 t auf 100.000 t. Gut verdreifacht wurde die zollfreie Liefermenge für Magermilchpulver; statt der bisherigen 5.000 t sind es jetzt 15.400 t. Die Eierquote fällt mit 18.000 t ebenfalls dreimal so hoch aus wie zuvor. Bei Geflügelfleisch wurde die Quote um 33 % erhöht, von 90.000 t auf 120.000 t

Deutlich angehoben wurden zudem die Quoten für verarbeitete Lebensmittel. An Kleie und deren Rückständen dürfen künftig 85.000 t zollfrei in die EU geliefert werden; davor waren es 21.000 t. Bei Gerstengrieß wurde eine Erhöhung von 7.800 t auf 33.200 t vorgenommen. Für Waren wie Pilze, fermentierte Milch, verarbeitete Milch und Sahne sowie Lebensmittelzubereitungen werden die Zollkontingente komplett abgeschafft.

Allerdings kommt die Ukraine auch der EU entgegen. Laut dem aktualisierten Abkommen wird sie das Volumen der Quoten für europäische Waren erhöhen. Bei Schweinefleisch steigt die Liefermenge von 20.000 t auf 45.000 t, bei Geflügelfleisch sogar von 20.000 t auf 120.000 t. Für Zucker ist eine Anhebung von 40.000 t auf 100.000 t vorgesehen. age

Exportquoten angepasst

Russische Geschäfte mit Mineraldüngern

Die russische Regierung hat die Exportquoten für Mineraldünger verlängert und angepasst. Eine entsprechende Resolution wurde am Freitag vergangener Woche verabschiedet. Die Kontingente starten laut dem Pressedienst des Kreml am 1. Dezember und sollen bis einschließlich 31. Mai 2026 gelten. Ausgeführt werden dürfen demnach insgesamt 18,7 Mio. t an Düngemitteln. Freigegeben sind Lieferungen von mehr als 10,6 Mio. t Stickstoffdünger und mehr als 8 Mio. t Mehrnährstoffdünger. Die Quoten sind er Regierung zufolge so bemessen, dass ein ausreichendes Niveau an Düngemitteln auf dem Inlandsmarkt gewährleistet werden kann.

Mit dem Export von Mineraldüngern hat Russland im bisherigen Jahresverlauf gute Geschäfte gemacht. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte 2025 nach Schätzungen des russischen Verbandes der Mineraldüngerhersteller eine Ausfuhrmenge von 45 Mio. t erreicht werden.

Zumindest in der EU dürften die russischen Exporteure keine Käufer für ihren Dünger finden. Seit Juli verlangt die Gemeinschaft nämlich einen Strafzoll auf stickstoffhaltige Düngemittel aus Russland, um eine zu starke wirtschaftliche Abhängigkeit von diesem Lieferanten zu verhindern und Kremlchef Wladimir Putin einen Geldhahn abzudrehen. age

Aktuell keine Einfuhren in die EU

Ukrainisches Rindfleisch

Die Ukraine hat im laufenden Kalenderjahr bisher weder lebende Rinder noch Rindfleisch in die Europäische Union exportiert. Das hat EU-Agrarkommissar Chris­tophe Hansen in seiner Antwort auf die Parlamentarische Anfrage des stellvertretenden Vorsitzenden im Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments, Daniel Buda, klargestellt. Der Brüsseler Agrarchef beruft sich bei dieser Aussage auf die europäischen Statistiken zum internationalen Warenverkehr.

Des Weiteren betonte Hansen, dass die Revision der vertieften und umfassenden Freihandelszone mit der Ukraine keine Erhöhung der bestehenden Zollkontingente für Rindfleisch vorsehe. Im Allgemeinen sind die ukrainischen Ausfuhren von lebenden Rindern und Rindfleischerzeugnissen für andere Märkte als die EU bestimmt. Darüber hinaus erinnerte der Agrarkommissar daran, dass die EU-Handelsbilanz für Rindfleisch und lebende Tiere seit vielen Jahren positiv ist, woran sich auch 2025 nichts ändern dürfte. Die Rindfleischimporte der EU hätten sich 2024 auf 2,6 Mrd. € summiert, die Exporte umgekehrt auf 4,9 Mrd. €. Für den aktuell wahrnehmbaren Rückgang der EU-Exporte macht Hansen hauptsächlich einen akuten Mangel an Rindern und den damit verbundenen Rückgang der Fleischproduktion verantwortlich. Zudem betonte er, dass die Preise weiterhin durch eine robuste Nachfrage gestützt würden – vom Binnenmarkt wie vom Exportgeschäft. „Die Erzeugerpreise in der EU bleiben auf einem historisch hohen Niveau“, konstatierte Hansen. age

Bohne, Lupine und Erbse besser vermarkten

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„Proteine sind für Mensch und Tier von wesentlicher Bedeutung und ein unverzichtbarer Bestandteil der täglichen Ernährung“, stellte Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) am Mittwoch vergangener Woche in einer Diskussion zur Eiweißpflanzenstrategie im Kieler Landtag klar. Zudem besäßen proteinreiche Leguminosen wie Ackerbohne, Lupine und Erbse ackerbauliche Vorteile. Sie minderten den Düngebedarf und die Entstehung von Lachgas- oder Ammoniakemissionen, zugleich reduzierten sie bei richtiger Nutzung das Risiko von unerwünschten Stickstoffverlusten im Boden.

Mehrjährige Leguminosen-Gras-Gemenge unterstützten zusätzlich die Bodenkohlenstoffspeicherung und verbesserten die Bodenstruktur, was sich wiederum positiv auf den Wasserhaushalt und die Bodenfruchtbarkeit auswirke, so Schwarz. Die Erweiterung der Fruchtfolge durch Leguminosen leiste somit nicht nur einen Beitrag zum Integrierten Pflanzenschutz, sondern fördere auch die Biodiversität, denn Insekten profitierten von blühenden Ackerbohnen oder Klee, gerade nach dem Abblühen der Rapsbestände. Gleichzeitig stellt die Diversifizierung von Fruchtfolgen eine wichtige Klimaanpassungsmaßnahme im Ackerbau dar.

Strukturen aufbauen

Trotz der Vorteile, die der Anbau von Leguminosen biete, würden nur auf knapp 5 % des Ackerlands in Schleswig-Holstein Leguminosen angebaut, so der Minister. Er erklärt das vor allem mit betriebswirtschaftlichen Gründen, denn insbesondere Ackerbaubetrieben fehle es an wirtschaftlich tragfähigen Verwertungsoptionen und attraktiven Vermarktungsmöglichkeiten für Kleegras, Ackerbohne, Lupine und Erbse. Die Absatz- und Vermarktungsstrukturen seien nur eingeschränkt gegeben, trotz des hohen Bedarfs an Eiweiß. „Gleichzeitig beziehen wir hochwertige Proteinfuttermittel weiterhin in großen Mengen aus dem Ausland – Proteine vorwiegend für die Fütterung, aber auch für die Humanernährung“, berichtete Schwarz.

Werner Schwarz Foto: MLLEV

Es gelte daher, die heimische Eiweißproduktion zu stärken und strategisch voranzubringen. Neben der Förderung des Leguminosenanbaus mit praxisnahen und attraktiven Programmen müssten Verwertungsoptionen und Wertschöpfungsketten systematisch gestärkt werden. Durch moderne technische Verfahren könnten hochwertige Proteinprodukte gewonnen werden, die neben der Rinderfütterung auch in der Fütterung von Monogastriern eingesetzt werden oder zukünftig eine Rolle in der Humanernährung spielen könnten. Bundesweit liefen bereits entsprechende Forschungsvorhaben und Pilotprojekte.

Anstelle der Entwicklung einer eigenen Eiweißstrategie neben der bereits bestehenden Strategie des Bundes halte er die Umsetzung konkreter, praxisnaher Maßnahmen für richtig und wichtig. Zur Stärkung der Unabhängigkeit von Eiweißimporten und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Eiweißpflanzen gelte es, bestehende Maßnahmen auf Landesebene gezielt zu bündeln und erfolgreich weiterzuentwickeln.

Im Klimaschutzprogramm 2030 habe die Landesregierung beispielsweise beschlossen, Anreize für die Anbaudiversifizierung und die Etablierung von Leguminosen auf den Weg zu bringen. Das Kompetenzzentrum klimaeffiziente Landwirtschaft strebe an, ein Modell- und Demonstrationsvorhaben für alternative Verwertungsoptionen von Leguminosen-Gras-Gemengen zu etablieren, um Proteine für zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten jenseits der Wiederkäuer zu entwickeln.

Rixa Kleinschmit Foto: CDU

Der Minister warb bei den Parlamentariern dafür, die benötigten zusätzlichen Haushaltsmittel auch in den kommenden Jahren bereitzustellen und das Kompetenzzentrum weiter zu stärken.

Eiweißlücke schließen

CDU-Agrarsprecherin Rixa Kleinschmit erinnerte daran, dass die Eiweißpflanzenstrategie des Bundes bereits im Jahr 2013 initiiert wurde. Auch sie betonte die Vorteile des Anbaus von Leguminosen und ihr Potenzial, zur Ernährungssicherheit beizutragen. Sie betonte: „Nur wenn wir einen relevanten Teil unserer Lebensmittel und Futtermittel im eigenen Land erzeugen, bleiben wir handlungsfähig und widerstandsfähig gegenüber globalen Krisen.“ Eiweißpflanzen seien für Mensch und Tier eine unverzichtbare Nährstoffquelle, deren Bedeutung weiter zunehme.

Zurzeit würden nur etwa 30 % des Eiweißbedarfs mit heimischer Ware gedeckt, rund 70 % würden importiert, überwiegend Soja aus Brasilien und den USA. Alle wüssten, wie schnell uns solche „Abhängigkeiten in Schwierigkeiten bringen können. Deshalb ist es unser gemeinsames Ziel, die heimische Eiweißproduktion zu stärken und unabhängiger zu werden“, mahnte Kleinschmit.

Ein zentraler Baustein dabei ist die Verarbeitung heimischer Eiweißpflanzen zu hochwertigem Tierfutter. Wenn Ackerbohnen, Lupinen oder Kleegras noch stärker in der regionalen Futterverwertung eingesetzt würden, könnten Importe von Soja und anderen Eiweißfuttermitteln deutlich reduziert werden. Das spare lange Transportwege, senke CO2-Emissionen und schaffe zusätzliche Wertschöpfung in der Region.

Das Ziel ihrer Partei sei es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich der Anbau von Eiweißpflanzen auch betriebswirtschaftlich lohne. Dafür brauche es weiterhin verlässliche Förderung, praxistaugliche Beratung und faire Vermarktungschancen. Das Credo sollte somit lauten: keine neue Strategie – mehr Umsetzung!

Kammer stellt neues Sauenstallkonzept vor

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Am Lehr- und Versuchszentrum (LVZ) Futterkamp wurden am 9. Oktober im Rahmen des Bau- und Energielehrschautags die neu errichteten und umgebauten Futterkamper Sauenställe feierlich eingeweiht. Gemeinsam mit über 200 Gästen feierte das Team des LVZ Futterkamp die Eröffnung der neuen, modernen Stallanlagen, die mit Unterstützung des Ministeriums für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV) realisiert wurden.

Kammerpräsidentin Ute Volquardsen freut sich über den Meilenstein für das LVZ Futterkamp. Foto: Isa-Maria Kuhn

Mit einem Empfang bei Kaffee und Brötchen in der Bau- und Energieausstellung begann am Vormittag die feierliche Einweihung der neuen Sauenställe am LVZ Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Zahlreiche Gäste aus Landwirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von den modernen Stallanlagen zu machen. Neben Landwirtinnen und Landwirten aus dem ganzen Bundesgebiet nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter landwirtschaftlicher Organisationen und Verbände an der Veranstaltung teil.

Dr. Sophie Diers, Fachbereichsleiterin Schweinehaltung am LVZ Futterkamp, begrüßte die Gäste und führte in das Tagesprogramm ein. In ihren anschließenden Grußworten betonten Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, und Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) die große Bedeutung des Projekts. Die neuen Stallanlagen seien nicht nur ein Beispiel moderner, tiergerechter und nachhaltiger Schweinehaltung, sondern auch ein zentraler Beitrag zu praxisnaher Forschung und Ausbildung im Land. Mit rund 400 Sauen bleibt Futterkamp weiterhin der größte Versuchsbetrieb Deutschlands im Bereich der Sauenhaltung.

Schweinehaltung stärken

Mit dem neuen Stallkonzept setzt die Landwirtschaftskammer ein deutliches Signal für die Zukunft der Schweinehaltung in Schleswig-Holstein. Kammerpräsidentin Volquardsen bezeichnete den Umbau als ein starkes Bekenntnis zur regionalen Schweineproduktion. „Wer Zukunft gestalten will, muss Mut haben“, sagte sie bei der Eröffnung. Das Konzept vereint Forschung, Beratung und Ausbildung unter einem Dach und schafft damit eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung einer tierwohlorientierten und wirtschaftlich tragfähigen Schweinehaltung. Bereits jetzt liefen am Standort Datenerhebungen und Auswertungen erster Praxiserkenntnisse, um Betrieben zeitnah nutzbare Informationen für eigene Umbaumaßnahmen bereitzustellen, so Volquardsen.

Landwirtschaftsminister Werner Schwarz engagiert sich für die Zukunft der Schweinehaltung. Foto: Isa-Maria Kuhn

Auch Landwirtschaftsminister Schwarz hob in seiner Ansprache die Bedeutung der neuen Stallanlagen hervor. Angesichts steigender Anforderungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und enger Fristen sei es das Ziel der Landesregierung, die Betriebe bei der Umsetzung neuer Tierwohlstandards bestmöglich zu unterstützen. Minister Schwarz betonte außerdem, dass die Versuchs- und Demonstrationsställe in Futterkamp die Möglichkeit böten, praxisnahe und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, zu erproben und in die landwirtschaftliche Praxis zu übertragen – auch dadurch solle die Schweinehaltung in Schleswig-Holstein erhalten und gestärkt werden.

Bereits in den ersten Wochen nach der Fertigstellung nutzten über 350 landwirtschaftliche Besucherinnen und Besucher aus ganz Deutschland die Gelegenheit, sich die neuen Stallanlagen anzusehen und sich vor Ort beraten zu lassen.

Der neue Deckstall ist als Außenklimastall mit eingestreutem Liegebereich gestaltet. Foto: Ina Stellwag

Neben der angewandten Forschung und Beratung ist in den Neubauten auch an die Aus- und Weiterbildung gedacht. Die neuen Stallanlagen bieten hervorragende Voraussetzungen, um theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung zu verknüpfen. Darüber hinaus sind sie ein zentraler Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit der Landwirtschaftskammer. Über Besuchergänge können Interessierte, Schulklassen und Seminargruppen einen direkten Einblick in die modernen Haltungssysteme erhalten – ein wichtiger Schritt, um Transparenz zu schaffen und das Vertrauen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft zu stärken.

Ein Stallkonzept mit Zukunft

Im Anschluss an die Grußworte stellte Ina Stellwag vom LVZ Futterkamp das neue Stallkonzept im Detail vor. Die frühere Prüfstation Fuhlensee wurde zu einem modernen Quarantäne- und Eingliederungsstall umgebaut. Dabei wurde die Struktur der ehemaligen Mastabteile vollständig überarbeitet. Den Zuchtläufern steht nun ein Liegebereich mit Mikroklima sowie minimal perforierten Spaltenböden zur Verfügung. An den Eingliederungsbereich schließt sich ein Auslauf an, der über eine Rüsseltür zugänglich ist. Dieser Bereich dient den Tieren als Kotbereich und wird von ihnen sehr gut angenommen. Unterhalb der Spalten sorgt ein Unterflurschieber für die regelmäßige Entmistung. Das Dach des Auslaufs ist als Gründach ausgeführt, während die Traufseite mit einem vollautomatischen Windnetz-Jalousiesystem ausgestattet wurde. Dieses System wird über eine Wetterstation gesteuert und berücksichtigt Parameter wie Windstärke und -richtung, Niederschlag sowie Sonnenintensität.

Ina Stellwag gab einen Einblick in das neue Stallkonzept. Foto: Josephine Hahn
Die Ställe konnten aus nächster Nähe besichtigt werden.
Foto: Isa-Maria Kuhn

Im neuen Deckzentrum stehen 40 Deckplätze gemäß der aktuellen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) zur Verfügung. Darüber hinaus umfasst der Stall 60 Warteplätze, zwölf Zuchtläuferplätze sowie Eber- und Genesungsbereiche. Insgesamt bietet der Außenklimastall Platz für 120 Tiere. Den Sauen steht ein planbefestigter, mit Stroh eingestreuter Liegebereich zur Verfügung, während sich die Fress- und Kotbereiche auf einem erhöhten Plateau mit Spaltenböden befinden. Dieses ist ebenfalls mit einem Unterflurschieber-Entmistungssystem ausgestattet. Im Deck- und Zuchtläuferbereich kommen Selbstfangstände zum Einsatz, während die Wartesauen über kleine Abrufstationen („Kopfstationen“) gefüttert werden. Die Sauen werden in allen Bereichen gruppenweise gehalten und lediglich während der Besamung im Deckbereich kurzzeitig fixiert. Das neue Lüftungssystem des Außenklimastalles kombiniert geöffnete Traufseiten mit Jalousiesystem und einer unterstützenden Lüftungstechnik für optimale Klimabedingungen.

Besuchergänge ermöglichen den Blick in den neuen Abferkelstall. Foto: Ina Stellwag

Der neue Abferkelstall umfasst 60 Bewegungsbuchten mit jeweils knapp 8 m² Fläche. Diese sind auf drei Abteile mit je 20 Buchten verteilt, in denen die Sauen in Parallelaufstallung gehalten werden – jeweils zwei Tiere stehen Kopf an Kopf, wobei die Sau seitlich zum Gang steht. Auch die Ferkel profitieren von den neuen Buchten: Ihnen steht ein großzügiges Ferkelnest von 2 m² zur Verfügung. Unterhalb der Buchten sorgen mehrere Unterflurschieber für eine effiziente Entmistung. Die Abluft des Stalles wird zentral erfasst und über eine Abluftreinigungsanlage gefiltert, um Emissionen wirkungsvoll zu reduzieren.

Bei den sich anschließenden geführten Rundgängen konnten die Gäste die neuen Stallbereiche aus nächster Nähe erleben. Mit großem Interesse informierten sie sich über erste Praxiserfahrungen und die von den beteiligten Firmen verbauten Produkte.

Den Abschluss bildete ein Sektempfang mit Mittagsimbiss, bei dem sich die Teilnehmenden in lockerer Atmosphäre weiter austauschen und ihre Eindrücke Revue passieren lassen konnten.

Hannah Straky, verantwortlich für die Bau- und Energielehrschau am LVZ Futterkamp, zeigte sich erfreut über den gelungenen Veranstaltungsauftakt nach der Sommerpause und gab einen Ausblick auf das weitere Jahresprogramm. Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Bau- und Energielehrschau ist die Futterkamper Punschwoche vom 25. bis 27. November.

Fazit

Die feierliche Einweihung der neuen Sauenställe am LVZ Futterkamp markiert einen wichtigen Schritt hin zu moderner und zukunftsorientierter Schweinehaltung in Schleswig-Holstein. Mit innovativer Technik und praxisnaher Forschung stärkt das Projekt den Standort Futterkamp als wichtigen Impulsgeber für die regionale Landwirtschaft und Ausbildung. Alle Interessierten sind weiter herzlich eingeladen, das LVZ Futterkamp zu besuchen und sich vor Ort über die neuen Stallungen zu informieren.

Publikation zu alternativen Baumarten

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Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) hat eine neue Publikation mit dem Titel „Anbauwürdigkeit und ökologische Zuträglichkeit alternativer Baumarten in Nordwestdeutschland“ veröffentlicht. Die Publikation liefert erstmals eine systematische Einschätzung der Anbauwürdigkeit alternativer Baumarten für Nordwestdeutschland. Sie richtet sich gleichermaßen an Waldbesitzende, die forstliche Praxis sowie Entscheidungsträger.

Angesichts der zunehmenden Klimarisiken für den Wald wie Dürre, Sturmereignisse und Schädlingsbefall kommt der Baumartenwahl künftig noch mehr als bisher eine zentrale Rolle beim Aufbau resilienter, stabiler und multifunktionaler Wälder zu. Die Erweiterung der Baumartenpalette durch geeignete alternative Baumarten trägt potenziell zur besseren Risikoverteilung und höheren Strukturvielfalt der Wälder in Nordwestdeutschland bei und leistet so einen Beitrag zur fachlich fundierten Baumartenwahl im klimagerechten Waldumbau.

Der Riesenlebensbaum (Thuja plicata), ein Nadelbaum, überzeugt mit seiner Bodenpfleglichkeit, seiner hohen Massenleistung und guten waldbaulichen Eigenschaften. Fotos: Stefan Lieven

Zur Analyse der Eignung potenziell infrage kommender alternativer Baumarten hat die NW-FVA auf Grundlage umfassender Auswertungen von Versuchsflächen in Nordwestdeutschland sowie einer detaillierten Literaturrecherche die Anbauwürdigkeit zahlreicher alternativer Baumarten nach einheitlichen Kriterien bewertet. Diese umfassten neben ökologischer Zuträglichkeit, Produktivität, Standortanpassung und waldbaulicher Integrierbarkeit insbesondere auch Merkmale der Anpassungsfähigkeit an künftig erwartete Klimaverhältnisse sowie einer potenziellen Invasivität. Überprüft wurden außer nicht heimischen Baumarten aus dem Mittelmeerraum, Vorderasien oder Nordamerika auch seltene heimische Baumarten, die waldbaulich bisher wenig Beachtung fanden.

Die Ergebnisse dieser umfassenden Untersuchungen sind in der oben genannten Publikation erstmalig veröffentlicht worden. Darin wird jede der untersuchten Baumarten in einem Steckbrief beschrieben und bezüglich der Anbauwürdigkeit bewertet. In diesem Werk ist der beste derzeit verfügbare Wissensstand zu den untersuchten Baumarten zusammengestellt. Die Autoren betonen ausdrücklich, dass der Bewertung eine einheitliche Systematik zugrunde liege, die sowohl vorhandene Erkenntnisse umfassend einbeziehe als auch noch bestehende Unsicherheiten aufzeige. Letztere resultieren für bestimmte Baumarten aus einem bisher sehr geringen Umfang des Anbaus und dadurch stark eingeschränkten Beobachtungsmöglichkeiten.

Hinzu kommen die Unsicherheiten bezüglich des Anpassungsvermögens der untersuchten Baumarten bei weiter fortschreitenden Klima- und Standortveränderungen.

Die Forschung zu den alternativen Baumarten ist damit nicht abgeschlossen, sondern bleibt ein fortschreitender Erkenntnisprozess. „Nur durch kontinuierliche Forschung, sorgfältiges Monitoring und ein umsichtiges Vorgehen können wir Wälder entwickeln, die widerstandsfähig gegenüber Klimastress sind und langfristig ihre vielfältigen Funktionen für Natur und Gesellschaft erfüllen“, betont Dr. Ralf-Volker Nagel, Direktor der NW-FVA.

„Unsere Ergebnisse haben aufgezeigt, bei welchen Baumarten künftig ein intensiverer Forschungsbedarf besteht. Zudem sollte durch einen wissenschaftlich begleiteten Anbau bestimmter Baumarten erforscht werden, welche Baumarten sich als Mischbaumarten eignen, um die waldbaulichen Erfahrungen zu erweitern“, erklärt Stefan Lieven, wissenschaftlicher Mitarbeiter der NW-FVA. Derzeit bleibt der Kenntnisstand zu vielen Arten noch unvollständig und vorläufig.

Die 316 Seiten umfassende Veröffentlichung „Anbauwürdigkeit und ökologische Zuträglichkeit alternativer Baumarten in Nordwestdeutschland“ steht zum Download unter https://www.nw-fva.de

Was ein PEMS beim Pflügen misst

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Rapsölkraftstoff kann in der Landwirtschaft regional erzeugt werden, gilt als krisensicher und umweltfreundlich. Im Rahmen des internationalen Verbundvorhabens „ResiTrac“ untersucht das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Straubing einen Traktor der Abgasstufe V mit Rapsölkraftstoff beim Pflügen. Wie schneiden Traktor und Kraftstoff im Abgastest unter Realbedingungen ab?

Die Antriebstechnologien landwirtschaftlicher Maschinen stehen vor einem Wendepunkt: Klimawandel und steigende Kosten für fossile Kraftstoffe fordern neue Lösungen. Parallel zur Weiterentwicklung moderner Dieselmotoren ist ein altbekannter Kraftstoff wieder in der Diskussion: Rapsöl. Traktoren, die damit betrieben werden, können einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten, die Abhängigkeit von importiertem Diesel verringern und die Kreislaufwirtschaft fördern. Doch wie umweltfreundlich ist diese Alternative im Vergleich zum konventionellen Dieselantrieb wirklich? Das Projekt „ResiTrac“ gibt Antworten darauf: Wissenschaftler des TFZ haben einen Rapsöltraktor beim Pflügen getestet und die Abgasemissionen mit mobiler Messtechnik ermittelt.

Was den Pflanzenölbetrieb herausfordert

Rapsölkraftstoff ist dem Diesel grundsätzlich sehr ähnlich. So ist der auf das Volumen bezogene Heizwert mit 34 MJ/l vergleichbar mit dem von Diesel (36 MJ/l). Allerdings unterscheidet sich Rapsöl deutlich im Fließverhalten. Die Viskosität, also der Wert, wie zähflüssig der Kraftstoff ist, liegt deutlich höher und ist stark von der Temperatur abhängig. Sie liegt bei 20 °C bei 75 mm2/s und ist somit etwa 15- mal so hoch wie die von Diesel, die bei etwa 5 mm2/s liegt. Das erfordert technische Veränderungen am Motor- und Kraftstoffsystem.

Im Rahmen des Projektes rüstete der Hersteller John Deere den Testtraktor 6R 215 auf reinen Pflanzenölbetrieb um. Dazu wurde die Motorsteuerung gezielt auf die physikalisch-chemischen Eigenschaften von Rapsöl abgestimmt. Dabei passten die Ingenieure die Einspritzmengen des Kraftstoffs so an, dass der Motor eine mit Dieselbetrieb vergleichbare Leistung erbringt. Aufgrund der höheren Viskosität von Rapsöl wurden eine leistungsfähigere Niederdruckpumpe sowie Leitungen mit größerem Querschnitt im Niederdruckkraftstoffsystem verbaut. Außerdem kommt im Traktor eine serienmäßig verfügbare elektrische Motorvorwärmung zum Einsatz, die den Kühlwasserkreislauf und damit den ganzen Motorblock vorheizt. Das erleichtert den Kaltstart bei niedrigen Temperaturen.

Der Aufbau des Praxistests

Der Testtraktor zählt mit seinen 215 PS zur oberen Leistungsklasse, der schwere Bodenarbeiten wie beispielsweise Pflügen verrichten kann. Für die Emissionsmessung in diesem leistungsintensiven Bereich hat ihn das TFZ mit einem sogenannten PEMS (Portables Emissions-Messsystem) ausgestattet. Während Messungen auf dem Prüfstand unter standardisierten und idealisierten Bedingungen stattfinden, erfasst das PEMS die Emissionen direkt im realen Betrieb. Es trägt deshalb dazu bei, die tatsächlichen Umweltwirkungen von Maschinen im Feldbetrieb transparent zu machen. PEMS und Traktor kamen beim Pflügen auf einem Straubinger Praxisbetrieb zum Einsatz (siehe Bild oben).

Abgas­messung: Funktion? Was wird gemessen?

Bei der mobilen Abgasmessung wird ein Teil des Abgasstroms über spezielle Leitungen zu den Analysegeräten geführt. Dort werden die Konzentrationen von CO, CO2, HC, NOx sowie die Partikelanzahl bestimmt. Wie im folgenden Bild zu sehen, sind die Analysatoren zum Schutz vor Staub und Wasser in einer Metallbox untergebracht. Ein Generator sorgt dafür, dass die Geräte unabhängig vom Stromnetz des Traktors mit elektrischem Strom versorgt werden, ohne die Messung zu verfälschen.

„Innenleben“ des PEMS (Portables Emissions-Messsystem) zur Abgasemissionsmessung im Realbetrieb

Seit Einführung der Abgasstufe V im Jahr 2019 ist die Erfassung der Emissionen im tatsächlichen Fahrbetrieb mittels PEMS erforderlich. Konkrete Abgasgrenzwerte hierfür wurden vorerst noch nicht festgelegt. Die Anforderungen an die Überwachung der Emissionen im Realbetrieb geben die Verordnung (EU) 2016/1628 und die delegierte Verordnung (EU) 2017/655 vor.

Gemäß diesen Verordnungen werden bei der Auswertung die Messdaten sekündlich beginnenden Zeitfenstern zugeordnet, die jeweils die gleiche mittlere Arbeit wie im genormten Prüfstandszyklus NRTC abbilden. Die Messung startet, wenn eine Kühlmitteltemperatur von 70 °C erreicht ist oder spätestens 20 min nach Motorstart. Für jedes der Zeitfenster wird die durchschnittliche Emissionskonzentration ermittelt. Die Prüfdauer bei der Realemissionsmessung muss das Fünf- bis Siebenfache der Referenzarbeit des NRTC-Tests umfassen. Aus diesen Anforderungen ergeben sich dann je nach Schwere der Arbeit beziehungsweise Lastanforderung an den Motor Messzeiten für eine Einzelmessung von etwa ein bis zwei Stunden.

Die nachfolgend dargestellten Ergebnisse beschränken sich auf die Stickoxidemissionen, da sie bei modernen Dieselmotoren die wichtigsten Abgasparameter sind. Der gültige NOx-Grenzwert für die Typprüfung am Prüfstand beträgt bei diesem Traktor 0,4 g/kWh. Da für Traktoren im Realbetrieb noch keine Grenzwerte festgelegt sind, kann für die Einordnung der Ergebnisse die Gesetzgebung für Lkw herangezogen werden. Bei Lkw darf der Prüfstandsgrenzwert bei Realemissionsmessungen um nicht mehr als das 1,5-Fache (hier: 0,6 g/ kWh) überschritten werden.

Messergebnisse und Analyse

Die Ergebnisse der Emissionsmessung im Realbetrieb sind in der Grafik dargestellt. Im obersten Teil der Grafik wird die Motordrehzahl des Traktors über die Zeit visualisiert. Deutlich erkennbar ist, dass der Traktor zu Beginn des Arbeitstages eine Phase bei Standgas beziehungsweise schnell wechselnden Drehzahlen durchläuft. Diese Phase ist charakteristisch für den Start des Betriebs (I), in der der Motor während des Anbaus des Pfluges (II) und anderer Vorbereitungen warm läuft und die Fahrt zum Feld (III) erfolgt. Nach dieser initialen Phase folgt eine Reihe von regelmäßig wiederkehrenden Drehzahlmustern, in denen der Traktor mit konstant höheren Drehzahlen (1.600 bis 1.700 min-1) arbeitet. Diese treten auf, wenn der Schlepper am Pflügen ist. Die Bereiche mit niedrigeren Drehzahlen dazwischen (zirka 1.000 min-1) zeigen sich bei den Wendemanövern (IV).

Der darunterliegende Teil der Grafik zeigt den Verlauf der Motorlast real (türkis) und in einer geglätteten Form (blau), die durch die sogenannte Moving-Average-Window-Methode (MAW = Fenster mit gleitendem Mittelwert) berechnet wurde. Auch hier sind die charakteristischen Schwankungen in Form von markanten Plateaus und Tälern zu erkennen. Diese Schwankungen (20 bis 85 %) spiegeln die unterschiedlichen Arbeitslasten wider, die der Motor während der verschiedenen Phasen des Pflügens zeigt.

Im mittleren Teil der Grafik wird die Abgastemperatur über den gesamten Messzeitraum dargestellt. Zu Beginn der Messung ist die Temperatur niedrig (unter 100 °C) und steigt dann kontinuierlich an, während der Traktor seine Arbeit verrichtet. Nach zirka 600 s erreicht der Motor Betriebstemperatur und somit auch die Abgastemperatur ein konstantes Niveau (zirka 300 °C).

Der von oben vierte Grafikteil zeigt die Stickoxidemissionen (NOx) in ppm (parts per million) über den gesamten Verlauf der Messung. Hier wird ein Zusammenhang zwischen der Motorlast und den emittierten Stickoxiden deutlich. Die anfänglich hohen Stickoxidemissionen sinken stark ab, wenn die Abgastemperatur zirka 250 °C überschreitet. Das lässt erkennen, dass das SCR-System damit beginnt, NOx mithilfe der Harnstofflösung AdBlue chemisch zu reduzieren. Dieser Zeitpunkt fällt mit einer Kühlmitteltemperatur von zirka 70 °C zusammen, ab der die Messwerte als gültig in die Auswertung einfließen. Im weiteren Verlauf fällt auf, dass die NOx-Werte kurzzeitig ansteigen, wenn die Last jeweils zu Beginn der Arbeit des Traktors in der Pflugfurche zunimmt. Umgekehrt sinken die NOx-Emissionen geringfügig, wenn die Motorlast bei den Wendemanövern absinkt. Der NOx-Anstieg lässt sich damit erklären, dass durch die kurzfristige Lastanforderung mehr Kraftstoff eingespritzt werden muss. Die entstehenden größeren Mengen an Stickoxiden können aber auf die Schnelle nicht vollständig reduziert werden. Dies ist bedingt durch die Trägheit des SCR-Systems bei der Nachregulierung.

Im untersten Teil der Grafik werden die NOx-Konzentrationen dargestellt, ausgewertet nach der Moving-Average-Window-Methode. Analog zur Stickoxidkonzentration, gemessen in ppm, fallen auch bei der auf die geleistete Arbeit bezogenen NOx-Emission die Werte nach Erreichen der Betriebstemperatur langsam auf ein gleichbleibendes Niveau ab. Der oben beschriebene, aus der Gesetzgebung für Lkw abgeleitete Grenzwert von 0,6 g/kWh konnte bei den durchgeführten Messungen eingehalten werden.


Projektinformationen

Titel: Resilient Food Production with Green Tractors, kurz: ResiTrac

Projektpartner: John Deere (Koordinator), Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Straubing, Fachhochschule Bern, Schweiz, ­Versuchszentrum Laimburg, Südtirol/Italien

Projektlaufzeit: Januar 2023 bis Dezember 2025

Finanzierung: EIT Food

Kofinanzierung: Europäische Union

Weitere Infos: https://www.tfz.bayern.de/projekt-resitrac


Fazit

Die aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass die Stick­oxidemissionen des getesteten Pflanzenöltraktors gering sind. Wird zur Orientierung die Abgasgesetzgebung für Lkw herangezogen, würde der zulässige NOx-Grenzwert von dem untersuchten Traktor im Rapsölbetrieb eingehalten werden.

Die mobile Abgasmessung mit PEMS eröffnet eine zusätzliche Dimension bei der Überwachung der Emissionen von Traktoren. Diese Messmethode ermöglicht es, das Abgasverhalten über die Lebensdauer unter realen Bedingungen wiederkehrend zu erfassen und Betriebsphasen höherer Abgaskonzentrationen zu identifizieren. Dies kommt der Weiterentwicklung von Traktoren mit ihrer Abgasnachbehandlungstechnik zugute, insbesondere auch bei der Umstellung auf Erneuerbare Kraftstoffe.

Fit für die Küche

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Wie können gesunde Ernährung, Küchenhygiene und der Umgang mit Lebensmitteln vermittelt werden? Aufgrund der heutigen Strukturen in der Gesellschaft, vor allem in den Familien, stehen Lieferservices eher auf dem Küchenplan als frische Lebensmittel wie Gemüse. In zahlreichen Haushalten wird kaum noch gekocht, die Kinder werden in den Betreuungseinrichtungen verpflegt und in den Schul-Brotdosen finden sich immer öfter zuckrige Müsliriegel.

Ursula Bollig aus Pinneberg ist staatlich geprüfte Ökotrophologin mit zahlreichen Zusatzqualifikationen im Bereich Ernährung und vermittelt seit 2007 die Grundlagen einer gesunden Ernährung an Grundschulen. Annemarie Rohde ist Vorsitzende des KreisLandFrauenverbandes Steinburg und gehört dem LandFrauenverein Hohenlockstedt an. Sie hat sich unter anderem zur Botschafterin heimischer Produkte qualifiziert und ist seit 13 Jahren als externe Fachkraft für Ernährung in Schulen tätig. Gemeinsam haben die beiden Frauen jetzt acht Teilnehmerinnen im Praxistraining für den Ernährungsführerschein unterrichtet.

„Ernährungsbildung sollte ab der ersten Klasse aufsteigend stattfinden, der Bedarf an den Schulen ist da, oft fehlt es aber an Lehrkräften“, weiß Annemarie Rohde aus eigener Erfahrung. Sie hat für den KreisLandFrauenverband Steinburg einen Kooperationsvertag mit dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) geschlossen, um weitere Fachkräfte für den Ernährungsführerschein zu schulen und ihr Wissen weiterzugeben. Mit im Boot sind Annika Bilo vom BZfE und Claudia Plinz von der Universität Flensburg, die jetzt in einer Schulung das theoretische Grundwissen bei einem Online-Seminar und vor dem Praxisteil vermittelten. Dabei wurde auch der Aufbau der Ernährungspyramide erarbeitet. Zur gesunden Ernährung gehören täglich sechs Portionen Getränke, fünf Mal Obst und Gemüse, vier Einheiten Kohlehydrate wie Brot, Getreide, Beilagen, je drei Anteile Eiweißlieferanten sowie Öle und Fette und maximal eine Extraleckerei.

In den Schulen arbeiten die Schüler mit einem Arbeitsheft vom BZfE, in dem Kater Cook anschaulich erklärt, wie Küchenhygiene funktioniert, welche Gerätschaften benötigt und leckere Rezepte zubereitet werden. Kleine Rätselaufgaben und fachliche Fragen gehören auch dazu. Insgesamt geht es in fünf bis sechs Einheiten zum Ernährungsführerschein. „Das hängt von den Gegebenheiten in den Schulen ab, ob etwa ein Herd mit Backofen vor Ort ist“, erklärt Rohde. Die „Kartoffel-Einheit“ sieht Backofenkartoffeln und Kartoffelpüree vor. Knabbergemüse mit Schnittlauchquark und Hummus, Nudelsalat, Brotgesichter und auch Obstsalat werden geschnippelt, angerührt und kalt hergestellt, das geht überall. Aber auch diese Rezepte haben ihre eigenen Herausforderungen, wie die Teilnehmerinnen erlebten. Hierbei muss „kindgerecht“ geschnitten werden. Kartoffeln, Wurzeln oder Apfel, alles liegt auf einem Brett mit der Schnittfläche nach unten. „Ich schneide vieles in der Hand, das geht natürlich mit Kindern nicht, da heißt es umdenken“, war die Erfahrung von Nadine Pahnke und Magret Reimers aus Dithmarschen. Sie arbeiten beim Offenen Ganztag St. Michaelisdonn und finden das Konzept des Ernährungsführerscheins gut. „Die Ernährungsgewohnheiten sind meist nicht gesundheitsfördernd, oft sehr süß, wir wollen versuchen, die Brotdosen in Dithmarschen mit gesunden Produkten aus der Region aufzuhübschen“, sagt Nadine Pahnke.

Der Krallengriff erfordert Übung, schont aber die Finger.

Im praktischen Seminarteil bereiteten die Teilnehmerinnen in vier Gruppen ein Drei-Gang-Menü zu. Als Vorspeise wurden Gemüse­sticks mit Kräuterquark und Brotgesichter gereicht. Bunter Nudelsalat in zwei Varianten und knus­prige Backofenkartoffeln gab es als Hauptgericht. Den Abschluss bildete Schlemmerquark, ebenfalls zwei Versionen mit unterschiedlichem Obst. „Zebragurken schmecken immer besser“, hatte Ursula Bollig zuvor erklärt. Dabei wird die Schale mit einem Sparschäler in schmalen Streifen geschält, wobei immer ein grüner Streifen stehen bleibt. Sie und Annemarie Rohde zeigten, wie im Tunnel- oder Krallengriff fingerschonend geschnitten wird. Sie gaben Tipps und Tricks aus ihren eigenen Erfahrungen weiter. Nach dem gemeinsamen Essen überreichten sie die Zertifikate für das Praxistraining und boten an, an ihren eigenen Praxistagen in den Schulen zu hospitieren, um selbst Erfahrungen zu sammeln. sko

Unsichtbare Arbeit sichtbar machen

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Die ehrenamtlich besetzten Fachausschüsse der Landwirtschaftskammer geben Impulse in die hauptamtliche Arbeit der Fachbereiche, das gilt auch für die Arbeitnehmerberatung. In diesem Jahr widmete sich der Fachausschuss dem Thema „Mental Load“. Annkathrin Meenken-Sievers, Beraterin bei der Landwirtschaftskammer, stellte die Wichtigkeit für eine Auseinandersetzung von Betrieben und Arbeitnehmenden in Landwirtschaft und Gartenbau mit diesem sensiblen Thema heraus.

„Wer hat sich schon einmal Gedanken gemacht, welche mentale Leistung allein in einem Einkauf stecken kann?“ So startete Prozessberaterin Annkathrin Meenken-Sievers in ihren Vortrag. „Wenn man es genauer betrachtet, scheint jeder einzelne Gedanke zwar nicht viel, aber in der Masse zeigt sich eine umfängliche – nicht sichtbare – Gedankenleistung.“

Annkathrin Meenken-Sievers, Beraterin bei der Landwirtschaftskammer SH, referiert zum Thema „­Mental Load“ in der Arbeitswelt.

Mental Load – was ist das?

„Mental Load“ bezeichnet also die unsichtbare Last alltäglicher Verantwortung. Dazu gehören die Organisation von Haushalt und Familie im Privaten, Koordination und Organisation im Beruflichen sowie die Pflege von Beziehungen und das Aufgreifen von Bedürfnissen und Befindlichkeiten in beiden Bereichen. Oft sind vor allem Frauen davon betroffen, insbesondere dann, wenn sie eine Doppelrolle in Haushalt und Beruf übernehmen. Kognitive Arbeit wird zum Mental Load, wenn sie emotionale Belastungen für die betreffende Person mit sich bringt. Dies macht auch deutlich, dass Mental Load alle Menschen treffen kann, die ohne Pause unsichtbare gedankliche Arbeit in ihrem Umfeld leisten. Im beruflichen Kontext zeigt es sich auch dadurch, dass in den letzten Jahren psychische Krankheiten als dritthäufigster Grund für Fehlzeiten angegeben werden. Die Gesunderhaltung von Mitarbeitenden ist somit zu einem wichtigen betriebswirtschaftlichen Faktor geworden.

Auch ein Thema im Agrarbereich

Auch Beschäftigte in Landwirtschaft und Gartenbau stehen nicht selten unter starkem Druck, angefangen bei der Witterung bis hin zu starkem Arbeitsanfall in Spitzenzeiten und hoher Flexibilität in Arbeitsabläufen. Die Identifikation von Mental Load ist aber schwierig, da neben vielen unsichtbaren, nie abgeschlossenen To-dos eine Menge an Mikroaufgaben auf den Betroffenen lastet, die im Einzelnen zwar nicht aufwendig erscheinen, sich in der Masse jedoch auswirken. „Da kann das Geschenk für die Schwiegermutter schon einmal zu viel sein“, so die Referentin. Zur Veranschaulichung füllte sie ein Glas mit Tennisbällen, die Aufgaben und Gedankenarbeit symbolisierten, und zeigte, wie schnell das System überfordert ist, wenn das Glas zu voll wird.

Interessiert hören der Ausschussvorsitzende und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer, Arno Carstensen, sowie die Geschäftsführerin des Ausschusses, Dana Ohm, den Ausführungen der Referentin zu.
Ausschussmitglied und Mitglied im Kammervorstand Claudia Jürgensen (r.) und Arbeitnehmerberaterin Sabine Magens überlegen gemeinsam, wie das Thema in die Fläche getragen werden kann.

Auch fehlende Anerkennung für Leistungen und eigene Glaubenssätze verstärken das Problem. Mental Load kann zu vielfältigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen, Migräne oder erhöhtem Blutdruck führen. Fortschreitend kann dies zu Burn-out, Depressionen oder Angstzuständen führen, was in der Landwirtschaft vergleichsweise häufig der Fall ist. Daher ist es wichtig, sich präventiv beziehungsweise frühzeitig damit auseinanderzusetzen. Dies kann konkret durch die Stärkung der eigenen Resilienz geschehen. Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientiertheit, gute Bindungen und Netzwerke gehören hier genauso dazu wie Selbstfürsorge, positive Zukunftspläne und die Fähigkeit, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. All dies erfordere laut der Referentin viel innere Arbeit. Aber auch die äußeren Faktoren müssten entsprechend angepasst werden.

Was Kollegen und Betriebe tun können

Als Schritte für mehr Entlastung im Kollegium schlug die Beraterin vor, unsichtbare Arbeit zu thematisieren, Aufgabenpakete zu definieren, Projekte ausgewogen zu verteilen, regelmäßig Rückblicke zu veranstalten und sich gegenseitig Dank und Wertschätzung entgegenzubringen. Betriebe können unterstützen, indem sie klare Strukturen schaffen, die Kommunikation verbessern, Dokumentationen erleichtern, Verantwortung gerechter verteilen, Arbeits- und Erholungszeiten einhalten und die Gesundheit der Mitarbeitenden ernst nehmen. Die Referentin betonte, dass die Selbstfürsorge immer oberste Priorität haben sollte. „Es ist wichtig, sich selbst und die Signale des Körpers ernst zu nehmen, um leistungsfähig zu bleiben. Je tiefer man in die Burn-out-Spirale gerät, desto schwieriger wird der Weg heraus.“

Nach Ermunterung der Referentin vereinbarten der Fachausschuss und die Arbeitnehmerberaterinnen, dem Themenbereich Mental Load mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Neben einer intensiveren Aufklärung durch Artikel oder Beiträge wären entsprechende Weiterbildungsangebote für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer denkbar.

Abschließend stellte die Referentin Hilfsangebote für präventive und akute Situationen vor. Diverse Angebote von Krankenkassen, Beratungsstellen und weiteren Institutionen sowie der SVLFG stünden bereits zur Verfügung. Eine Übersicht über mögliche Hilfsangebote ist dem Internetauftritt der Arbeitnehmerberatung unter https://www.lksh.de/beratung/arbeitnehmerberatung zu entnehmen.


Weitere wichtige Infos aus der Arbeitnehmerberatung
kurz zusammengefasst:

Zahlen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie der Ausbildungsverträge in den Grünen Berufen in Schleswig-Holstein bleiben konstant

Umstellung des Arbeitnehmer-Rundbriefs auf E-Mail für das kommende Jahr geplant

Überarbeitung des Jobportals der Landwirtschaftskammern: Die „neue“ Agrarjobbörse geht Ende des Jahres online.

Fortführung der Arbeitnehmer-Onlinetage im Februar 2026;
Schwerpunkte diesmal: Altersvorsorge und Themen aus dem ­Arbeitsrecht

„Mitarbeiter verstehen und Potenziale nutzen“ – spannendes ­Seminarangebot für Arbeitgeber im Februar 2026 in Planung


Mercosur: Fluch oder Segen?

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Am 3. September hat die Europäische Kommission dem Europäischen Rat die endgültige Fassung des EU-Mercosur-Abkommens zur Ratifizierung vorgelegt. Der 25 Jahre andauernde Verhandlungsmarathon mit dem südamerikanischen Staatenbund, dem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay angehören, kam damit zu seinem vorläufigen Ende. Allerdings wird das Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten wohl nicht mehr in diesem Jahr in Kraft treten, das hat Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen deutlich gemacht. Vor dem Hintergrund zunehmender aktueller Handelskonflikte erklärte der dänische Minister, dass man, auch wenn man weltweiten Freihandel bevorzuge, nicht naiv sein dürfe. Es gelte, durch derartige Abkommen neue Partnerschaften zu schließen. Weitere Freihandelsabkommen sind laut EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič mit Mexiko und Indonesien sowie mit Indien, Thailand, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Malaysia und den Philippinen geplant. Übrigens müssen, wie bei allen Freihandelsabkommen, auch die aus dem Mercosur eingeführten Agar- und Lebensmittelerzeugnisse den strengen EU-Standards entsprechen, weil diese für alle in der EU verkauften Produkte gelten, unabhängig davon, ob sie im Inland erzeugt oder importiert werden.

Mercosur öffnet Märkte

Insbesondere die Bundesregierung betrachtet das Abkommen als einen Meilenstein, um sich im geopolitischen Konkurrenzkampf zu behaupten und neue Märkte zu öffnen beziehungsweise zu sichern. Durch das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur bekommen deutsche Unternehmen einen freien, regelbasierten Zugang zu einem Markt mit 265 Millionen Konsumenten. Die jetzt noch durch hohe Zölle abgeschotteten Mercosur-Länder haben großen Modernisierungsbedarf. Derzeit ist der Zollsatz für Industriegüter in Argentinien und Brasilien mehr als dreimal so hoch wie in der EU. Auch Chinas Bedeutungszuwachs in der Region wird von Berlin und Brüssel mit Sorge beobachtet. Stammte der größte Teil der Mercosur-Importe bis 2017 noch aus der EU, importieren die vier südamerikanischen Staaten inzwischen Güter im Wert von 25 Mrd. US-$ mehr aus China als aus der EU.

Landwirtschaft profitiert auch indirekt

Eine jetzt im „Journal of Agricultural Economics“ veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass einige Bereiche, wie die Milchbranche oder die Ölsaaten­industrie, vom Abkommen sogar profitieren könnten. Berücksichtige man zusätzliche Arbeitsplätze, die durch das Abkommen in Europa geschaffen würden, seien weitere indirekte positive wirtschaftliche Effekte für die europäische Landwirtschaft zu erwarten. Auch erwartet man positive Auswirkungen auf den EU-Haushalt durch einen Anstieg des Bruttonationaleinkommens. Auch gesamtwirtschaftlich profitiere die EU-Wirtschaft insbesondere ­dadurch, dass die Mercosur-Staaten ihre bislang hohen Zölle auf Industriegüter senkten. Die erwarteten Exportzuwächse nach Südamerika dürften in der EU zu entsprechenden Einkommenssteigerungen führen, insbesondere durch einen Zuwachs an Arbeitsplätzen. Dadurch werde auch der Konsum von Rindfleisch und anderen Agrarprodukten angekurbelt. Insgesamt sollte der Effekt auf den Agrar- und Ernährungssektor positiv sein.