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Einstreu kann das Euter krank machen

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Klebsiellen sind gramnegative Bakterien, die als Verursacher von Euterentzündungen mit hochgradig gestörtem Allgemeinbefinden Milchviehhalter zunehmend vor große Herausforderungen stellen. Die wichtigsten Arten in Zusammenhang mit Mastitiden sind Klebsiella pneumoniae und Klebsiella oxytoca. Auch Raoultella planticola verursacht Euterentzündungen, wurde bis vor einigen Jahren den Klebsiellen zugeordnet und ist nur mittels weiterführender Labordiagnostik von diesen abgrenzbar. Ein Grund, genauer hinzusehen.

Klebsiellen sind typische Umweltkeime, die zur normalen Pansenflora gehören und damit in Kot und Gülle von Wiederkäuern, aber auch in Wasser, Erdboden und auf Pflanzenfasern vorkommen. Durch die Ausscheidung mit dem Kot werden Liegeflächen, Einstreumaterial und Laufflächen in Milchviehställen permanent kontaminiert. Stärkereiche Rationen und eine schnelle Pansenpassage fördern die Ausscheidung der Klebsiellen mit dem Kot. Das ist einer der Gründe dafür, dass häufig hochleistende Betriebe betroffen sind.

Holzbasierte Einstreu wie Sägemehl, Sägespäne oder Kompost mit ihrem schwach sauren pH-Wert (pH unter 6) wird mit dem gehäuften Auftreten von Klebsiella-Mastitiden in Verbindung gebracht. Außerdem gibt es seit einigen Jahren zunehmend Hinweise, dass Betriebe mit Gülleseparat oder Gärsub­strat als Einstreu häufiger betroffen sind. Das kann wenige Wochen nach der Umstellung auf diese Einstreu, aber auch erst einige Jahre später der Fall sein. Vermutet wird eine Anreicherung besonders aggressiver Klebsiellenstämme, die dann auch zu einer Zunahme des Schweregrades der Mastitiden führen.

Bei Gülleseparateinstreu sind die Kühe und Euter augenscheinlich sauber, dennoch ist der Erregerdruck auf der Zitze sehr hoch.

Symptome und Langzeitfolgen

Klebsiella-Mastitiden sind gefürchtet, weil sie tendenziell schwerer verlaufen als Euterentzündungen, die durch andere Erreger hervorgerufen werden. Häufig sind eine deutliche Schwellung des Euters und verändertes Milchsekret (wässrig, blutig) vorhanden, betroffene Kühe haben ein gestörtes Allgemeinbefinden und können sowohl Fieber als auch Untertemperatur haben. Die Milchmenge sinkt drastisch. Genauso sind aber auch leichte Verläufe mit verändertem Sekret ohne Störung des Allgemeinbefindens oder reine Zellzahlerhöhungen möglich. Entscheidend für den Verlauf ist die Abwehrlage der Kuh. Stoffwechselentgleisungen oder (Hitze-)Stress schwächen die körpereigene Abwehr und begünstigen schwere Verläufe.

Wie bei Escherichia (E.) coli können bei der Auseinandersetzung der Bakterien mit dem Immunsystem der Kuh Bakterienbestandteile, sogenannte Lipopolysaccharide (LPS), als Giftstoffe freigesetzt werden und ins Blut gelangen. Diese Blutvergiftung führt zu unterschiedlich starken Symptomen, vom relativ milden Verlauf mit leichtem Fieber bis hin zum Tod der Kuh, und tritt bei Klebsiellen häufiger auf als bei anderen Erregern. Da zu diesem Zeitpunkt oftmals keine vollständigen, bei der mikrobiologischen Untersuchung anzüchtbaren Erreger mehr vorhanden sind, verläuft der Erregernachweis nicht selten ohne Ergebnis („zurzeit keine Erreger nachweisbar“).

Anders als E. coli bleiben Klebsiellen länger im Euter und dringen häufig tief in das Eutergewebe ein, was zu einer nachhaltigen Schädigung und damit zum anhaltenden deutlichen Milchrückgang führt. Die Abgangsraten von Kühen sind nach einer Klebsiella-Mastitis deutlich höher als bei Euterentzündungen durch andere Erreger – sei es wegen des Versterbens des Tieres oder mittelfristig aus wirtschaftlichen Gründen.

Weg der Ansteckung beachten

Bei Kontakt der Zitze mit kontaminierter Umgebung kann der Erreger über den Strichkanal ins Euter gelangen. Das ist insbesondere in Roboterbetrieben ein Problem, wenn die Kühe direkt nach dem Melken die Liegebox aufsuchen. Außerdem ist eine Ansteckung während des Melkens möglich, wenn Klebsiellen von der Zitzenoberfläche durch die die Zitze umspülende Milch ins Euter gelangen. Dabei erscheinen die Euter in betroffenen Betrieben häufig sauber, jedoch sagt das nichts über den tatsächlichen Keimdruck auf der Zitze aus. Weitere Ansteckungsmöglichkeiten, zum Beispiel über das Blutgefäßsystem, werden diskutiert.

Klebsiellen: Beim Erregernachweis wachsen Klebsiellen als schleimige Kolonien.

Diagnostik und vorbeugende Maßnahmen

Die sichere Abgrenzung von anderen Erregern ist allein anhand des klinischen Bildes nicht möglich, daher empfiehlt sich ein Erregernachweis aus möglichst steril entnommenen Viertelgemelksproben.

Da eine Elimination der Klebsiellen aus dem Stall nicht möglich ist, ist die Senkung des Keimdrucks auf der Zitzenoberfläche oberstes Ziel. Alle Maßnahmen, die dazu beitragen, die Zitzen sauber zu halten, müssen intensiviert werden. Dazu gehören eine gute Boxen- und Laufganghygiene, die Vermeidung von Überbelegung, das Schneiden der Schwanzquasten, das Entfernen von Euterhaaren oder auch die desinfizierende Vorreinigung der Zitzen vor dem Melken (sogenanntes Predipping) mit anschließender Trocknung. Die Desinfektion der Zitzen nach dem Melken mit einem Dippmittel auf Jod- oder Chlordioxid-Basis kann das Eindringen der Erreger erschweren. Auch das Kalken der Boxen kann durch das Anheben des pH-Wertes zu einer verringerten Klebsiellenvermehrung führen, gleichzeitig dürfen die Zitzen aber nicht zu trocken und spröde werden, da sonst eine Bakterienanheftung erleichtert wird. Bei ausbleibendem Erfolg der Maßnahmen ist gerade in Gülleseparatbetrieben eine Einstreualternative in Betracht zu ziehen.

Fazit

J5-Impfstoffe, die gegen alle gramnegativen Mastitiserreger, also auch E. coli und Klebsiellen, gerichtet sind, existieren in vielen Ländern. In Deutschland sind sie nur in Kombination mit einer Staphylococcus-aureus-Komponente auf dem Markt (Startvac) und daher deutlich teurer als reine J5-Impfstoffe.

Die Impfung führt nicht zu einer Verhinderung der Infektion, sondern lediglich zu einer Abmilderung der klinischen Symptome. Um diesen Schutz aufrechtzuerhalten, muss allerdings alle drei Monate geimpft werden, sodass die Wirtschaftlichkeit für jeden einzelnen Betrieb zu hinterfragen ist. Da ein zugelassener Impfstoff existiert, ist die Verwendung stallspezifischer Impfstoffe nicht zulässig. Die Vielzahl gramnegativer Erreger eines Betriebes in einem stallspezifischen Impfstoff ohne J5-Komponente abzudecken, erscheint jedoch sowieso nicht möglich. Daher bleiben Hygiene und die Stärkung der körpereigenen Immunabwehr die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Klebsiellen.

Jeder Tropfen ist zu viel

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Prävention ist wichtig, daher hier ein Interview mit Frank Gutheil. Der Bereichsleiter Prävention der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) spricht über Präventionsmaßnahmen im Anwenderschutz zur Verhinderung der Berufskrankheit Parkinson durch ­chemische Pflanzenschutzmittel.

Die Anerkennung des Parkinson-Syndroms durch chemische Pflanzenschutzmittel als neue Berufskrankheit schärft den Blick auf das, was im Arbeitsalltag den entscheidenden Unterschied macht: konsequenter Anwenderschutz für den Sachkundigen – geplant, unterwiesen, kontrolliert und gelebt. Die SVLFG arbeitet daran seit Jahren systematisch nach dem S.T.O.P.-Prinzip mit klaren technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen, die unmittelbar in Betrieben umsetzbar sind.

Wie unterstützt der Präventionsbereich der SVLFG die Betriebe beim sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln?

Frank Gutheil: Über 360 Aufsichtspersonen der Prävention sind bundesweit im Einsatz, die vor Ort in den Betrieben auch zum sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln beraten und Verbesserungspotenziale bei der Arbeitssicherheit aufzeigen. Unabhängig von Besichtigungsterminen sind die Unternehmerinnen und Unternehmer aber natürlich auch jederzeit dazu eingeladen, bei konkreten Fragen Kontakt zur Prävention aufzunehmen. So können im Dialog die bestmögliche Lösung für den Betrieb gefunden oder Unklarheiten ausgeräumt werden. Neben der persönlichen Betreuung gibt es ein allgemeines Informationsangebot zum sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in Form von Artikeln und kurzen Filmen. Dieses Angebot ist über unsere Internetseite abrufbar.

Frank Gutheil. Foto: privat

Wie funktioniert die Umsetzung des S.T.O.P.-Prinzips bei Arbeiten mit Pflanzenschutzmitteln konkret?

S.T.O.P. ist eine Abkürzung für Substitution, technische Maßnahmen, organisatorische Maßnahmen und persönliche Maßnahmen. Durch das Prinzip werden die Maßnahmen des Arbeitsschutzes nach ihrer Wirksamkeit hierarchisch geordnet. Unternehmen sollen vorrangig Maßnahmen der oberen Hierarchieebenen ergreifen, also Substitution und technische. Nur wenn sich hier keine Lösung finden lässt, sollte auf die Maßnahmen der unteren Ebenen – vor allem persönliche – zurückgegriffen werden.

Was ist unter Substitution im Zusammenhang mit Pflanzenschutzarbeiten zu verstehen?

Substitution ist ein Begriff aus dem Gefahrstoffrecht und meint den Ersatz eines gefährlichen Stoffes durch einen weniger gefährlichen Stoff oder ein alternatives Verfahren, das ohne Gefahrstoffe auskommt. Vielen Unternehmerinnen und Unternehmern wird dieser Ansatz unter dem Begriff „Integrierter Pflanzenschutz“ geläufig sein. Darunter fallen etwa Maßnahmen wie mechanische oder biologische Schädlingsbekämpfung, aber auch entsprechende Bodenvorbereitungen, Klima, Düngung und Sortenwahl. Der Gedanke dahinter ist einfach: Je weniger Kontakt zu chemischen Pflanzenschutzmitteln besteht, desto geringer ist auch die Gefahr zu erkranken.

Welche technischen Maßnahmen gelten als entscheidende Hebel zur Expositionsminderung beim Ausbringen, Befüllen und Reinigen?

Ziel technischer Schutzmaßnahmen ist es, die Anwenderinnen und Anwender von der Gefahrenquelle – hier dem Pflanzenschutzmittel – zu trennen. Als besonders wirksame Schutzeinrichtungen beim Ausbringen haben sich Schutzkabinen mit Filter und Klimatechnik erwiesen. Für das Befüllen der Spritze und Reinigen von leeren Gebinden empfehlen sich geschlossene Befüllsysteme, sogenannte CTS (Closed Transfer Systems). Da es CTS derzeit fast nur als Nachrüstlösung gibt, seien an dieser Stelle auch Einspülschleusen erwähnt, die mittlerweile zur Standardausrüstung moderner Pflanzenschutzspritzen zählen. Diese erlauben es geübten Anwenderinnen und Anwendern, Pflanzenschutzspritzen kontaminationsfrei mit flüssigen Mitteln zu befüllen.

Welche Kabinenkategorien empfiehlt die SVLFG für verschiedene Einsatzprofile? Wie fließt die „Kab­Expo-Studie“ in die Beratung ein?

Für Familienbetriebe, die klassischen Ackerbau betreiben, bieten Traktorkabinen der Kategorie 2 in der Regel ausreichend Schutz. Für Betriebe mit einer sehr großen zu bewirtschaftenden Fläche, für Unternehmen, die im Lohn spritzen, und für den Einsatz in Raumkulturen wie Wein- , Hopfen- und Obstbau empfiehlt es sich, Maschinen mit Kabinen der Kategorie 4 einzusetzen.

Die „KabExpo-Studie“ zur Anwenderexposition innerhalb geschlossener Traktorkabinen bei Pflanzenschutzarbeiten, die in Zusammenarbeit mit dem Julius-Kühn-Institut sowie dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erstellt wurde, zeigt, dass bei geschlossenen Schutzkabinen kaum noch ein Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in die Fahrerkabine über das Lüftungssystem stattfindet. Die größte gemessene Kontamination der Kabine kam durch Verschleppung durch den Fahrer zustande. In unseren Beratungen wollen wir dafür Bewusstsein schaffen, dass bei notwendigen Reparaturen während des Ausbringens konsequent persönliche Körperschutzmittel angezogen werden und diese auch wieder abgelegt werden, bevor die Fahrerkabine betreten wird.

Welche organisatorischen Mindestmaßnahmen sollen Betriebe umsetzen, um Exposition zu vermeiden?

Betriebe sollten nur fachkundige und verlässliche Mitarbeitende für Pflanzenschutzarbeiten als Sachkundige schulen lassen und damit beauftragen, die auch alle notwendigen Schutzmaßnahmen gewissenhaft und richtig um- und einsetzen. Mitarbeitende sollten regelmäßig zum Thema Pflanzenschutz fortgebildet werden, um über einen aktuellen und umfassenden Kenntnisstand zum Thema zu verfügen. Sind im Nachgang zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln Arbeiten in Kulturen nötig, sollten sie mit einem ausreichenden Zeitabstand geplant werden, sodass das ausgebrachte Mittel zumindest vollständig eintrocknen kann.

Die Ärmelschürze kann den Ganzkörperanzug ersetzen. Ihr Vorteil: Sie kann schnell an- und abgelegt werden. Sie bedeckt die Körpervorderseite und Arme und schützt damit die Körperpartien, die am wahrscheinlichsten bei der Arbeit kontaminiert werden können. Zusätzlich wird noch Hand- und Gesichtsschutz benötigt. Foto: SVLFG

Was bedeutet Differenzierung des PSA-Einsatzes nach Tätigkeit?

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für Pflanzenschutzmittel ist in unterschiedlichen Schutzstufen erhältlich. Bei Handschuhen sind dies G2, G1 und GR, bei Kleidung C3, C2 und C1. Je höher die Ziffer, desto höher ist auch die Schutzwirkung. Kleidung der Stufen C1 und C2 hat den Charakter von Arbeitskleidung. Hierbei handelt es sich um „normale“ Textilien, die eine gewisse flüssigkeitsabweisende Wirkung haben. Wir empfehlen, Kleidung der Stufen C1 und C2 grundsätzlich immer bei Arbeiten mit Pflanzenschutzmitteln zu tragen; bei Bedarf kann darüber zusätzliche Schutzkleidung getragen werden. C1- und C2-Kleidung ist auch für Nachfolgearbeiten in der trockenen Kultur geeignet. Wird mit konzentrierten Pflanzenschutzmitteln gearbeitet oder besteht Kontaktgefahr mit dem noch nicht eingetrockneten verdünnten Mittel, etwa beim Ausbringen mittels Rückenspritze oder bei Reparaturarbeiten an der Spritze während des Einsatzes, muss immer Kleidung der Stufe C3 getragen werden. Dies können Ganzkörperanzüge oder auch Ärmelschürzen sein. Beim Anmischen und bei Reparaturarbeiten bieten Ärmelschürzen in der Regel ausreichenden Schutz.

G2-Handschuhe sind für den Umgang mit dem Konzentrat ausgelegt, G1 für die Handhabung der verdünnten Pflanzenschutzmittel. GR-Handschuhe haben nur eine Beschichtung an der Handinnenseite und bilden damit einen Kompromiss zwischen Schutzwirkung und Tragekomfort. Diese Handschuhe sind für Nachfolgearbeiten in der trockenen Kultur geeignet.

Welchen praxisnahen Tipp geben Sie als Experte den Anwendern?

Das Unfallgeschehen in der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zeigt, dass oftmals eine Mischung aus Zeitdruck und Routine für die Unfälle verantwortlich ist. Dies gilt allgemein und nicht nur für Arbeiten im Pflanzenschutz. Eine gute Planung – auch zeitlich –, das Lesen der Gebrauchsanweisung der Pflanzenschutzmittel und die Vorbereitung der Arbeiten unter Berücksichtigung der zuvor genannten Maßnahmen zum Anwenderschutz sind entscheidend für sicheres und kontaminationsfreies Arbeiten. Diese gewissenhafte Vorbereitung muss immer erfolgen. Auch sollte schon für vorhersehbare Defekte, zum Beispiel verstopfte Düsen, vorausgeplant werden, damit allen Beteiligten klar ist, welche Arbeitsschritte und Schutzmaßnahmen in diesen Fällen ergriffen werden müssen. So können solche Störungen zügig, ruhig und vor allem sicher beseitigt werden.

Welche Informationsangebote stehen bereit? Wo finden Mitglieder kompakte Orientierung zu den Maßnahmen?

Ein Großteil ist auf der Internetseite www.svlfg.de/pflanzenschutzarbeiten kompakt zusammengefasst. Hier sind auch die kurzen Videos zum Thema verlinkt. Darüber hinaus möchte ich auf die online verfügbaren Informationen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hinweisen. Zum Thema Anwenderschutz bei Pflanzenschutzarbeiten steht der Präventionsbereich der SVLFG mit dem Bundesamt im steten Austausch.

Sechs animierte Filme auf Ihrem YouTube-Kanal illustrieren die sichere und gesunde Arbeit im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. Wie nutzen Betriebe dieses Angebot?

Die animierten Filme bieten den Betrieben eine praxisnahe Möglichkeit, das Thema „Sicherer und gesunder Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ anschaulich in ihre regelmäßigen Unterweisungen zu integrieren. Sie unterstützen die Betriebsleiter dabei, komplexe Inhalte einfach und verständlich zu vermitteln. Dass dieses Angebot gut angenommen wird, zeigt die erfreuliche Resonanz: Bis September dieses Jahres wurden die Filme bereits rund 13.000 Mal aufgerufen.

Über unseren YouTube-Kanal können die Betriebe jederzeit unkompliziert auf die Inhalte zugreifen (youtube.com/@svlfg3082, Playlist „Sicherer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“):

Welche Aufgaben und Ressourcen hat die eigens eingerichtete Taskforce zur Ermittlung der Voraussetzungen in den zahlreichen Verdachtsfällen der Berufskrankheit Parkinson durch chemische Pflanzenschutzmittel?

Die Taskforce analysiert zunächst die vom Versicherten angegebenen Tätigkeiten und Arbeitsplätze. Dabei wird insbesondere untersucht, ob die genannten Pflanzenschutzmittel für die angegebenen Kulturen und Einsatzzeiträume plausibel und mit der damaligen Praxis vereinbar sind. Auf dieser Grundlage wird bewertet, inwieweit der konkrete Arbeitsplatz und die ausgeübten Tätigkeiten einen ursächlichen Beitrag zur Erkrankung geleistet haben.

Perfekte Illusionen

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Kartoffeln aus Stein, Kaffeebohnen aus Bronze, Schokolade aus Tonscherben, Lollis aus Bernstein, Müllsäcke aus Glas – in der aktuellen Ausstellung „Genuss zum Mittel“ im Museum Eckernförde verwandelt der Bildhauer und Konzeptkünstler Thomas Judisch scheinbar Alltägliches und Belangloses in Kunstwerke aus zum Teil wertvollem Material und regt damit nicht nur die Sinne an, sondern auch zum Nachdenken über unsere Lebenswelt – hintersinnig und mit einer Prise Humor.

„Es sind die Dinge, die uns täglich umgeben und die unser Leben ausmachen. Sie wirken vielleicht vordergründig belanglos, doch sind es meist Dinge, die am wichtigsten sind. Tatsächlich stellt man ihre Unersetzlichkeit oft erst dann fest, wenn sie weg, also nicht mehr verfügbar sind“, erklärt der Künstler in einem Gespräch mit Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske, das im Begleitheft zur Ausstellung abgedruckt ist.

Thomas Judisch am Südstrand von Eckernförde mit einem seiner Kunstwerke „Big Butt“
Foto: Thomas Judisch

Wie der Titel verrät, geht es um den Genuss, um Lebensmittel, um Verpackungen, um Konsum und um das Wegwerfen, um Vergängliches und Flüchtiges. Wie viel Beachtung schenken wir diesen Dingen im Alltag? Indem der Künstler sie mitunter überdimensional neu inszeniert, rückt er sie ins Bewusstsein und schafft durch Sinnestäuschungen perfekte Illusionen. Gleichzeitig verhilft er Vergänglichem durch die Wahl des Materials zu Beständigkeit. Zum Beispiel mit dem Werk „Potato Poem“, bei dem Judisch selbst gesammelte Steine, die in ihrer Form an Kartoffeln erinnern, in uns bekannte Netze packt. Schon sieht man nicht mehr die Steine an sich, sondern Netze mit Kartoffeln. Neu an der Ausstellung in Eckernförde ist, dass einige ausgewählte Arbeiten von Thomas Judisch in die bestehende Dauerausstellung des Museums integriert sind, so auch die Kartoffelnetze, die in eine Beziehung mit dem historischen Kaufmannsladen treten. „Man hätte diese Kartoffeln in diesem Laden kaufen können. Diese Art der Inszenierung war ihm wichtig. Und das ist etwas, was uns wiederum hier Spaß gemacht hat, denn durch die Werke sieht man unsere Dauerausstellung auch noch einmal mit anderen Augen und schaut sowohl bei den Exponaten des Künstlers als auch bei unseren gezeigten Objekten genauer hin“, sagt Dorothee Bieske.

„Fischers Fritze“, so der Titel dieses Werks mit Fischbrötchen und Einwegbecher aus Bronze auf Holzpaletten
Foto: Iris Jaeger

Nicht weit entfernt von den Kartoffeln stehen handelsübliche Holzpaletten, auf denen ein Fischbrötchen und ein Einwegbecher zu finden sind. Doch sind diese im Alltag schnell vergänglichen Dinge nicht echt, sondern aus Bronze gegossen und somit für die Ewigkeit manifestiert. Eine Anspielung auf den oft achtlosen Umgang mit Lebensmitteln und Verpackungen, die nicht selten auch in der Natur landen und die Umwelt belasten.

Doch möchte Thomas Judisch die Menschen gar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger belehren, „sondern eher einen Weg über die Kunst finden, um Bilder unseres Lebens zu zeichnen“, sagt er in dem bereits genannten Gespräch. Das Einweggeschirr behandle im künstlerischen Sinn die historisch relevanten Themen wie Stillleben oder Genrebilder im Allgemeinen und das Porträt im Besonderen. „Hinter jedem abgestellten Becher steht eine Person. So schaffe ich Situationen und erzähle Geschichten von uns Menschen und Tieren, auch wenn sie abwesend sind.“

Durch die Bronze erhalten die Dinge Beständigkeit. Normalerweise bestehen Statuen oder Monumentalplastiken im öffentlichen Raum aus Bronze. „Indem ich das Material verwende, nehme ich direkten Bezug und erzeuge quasi ein Denkmal für diesen flüchtigen Moment“, erklärt der Künstler in dem Begleitheft.

Ein aufwendig handgeknüpfter Wandbehang mit einer Einkaufsliste
Foto: Iris Jaeger

Einige der gezeigten Objekte hat er für die Ausstellung in Eckernförde angefertigt. Ins Staunen versetzt einen ein handgeknüpfter Wandbehang, für den eine Einkaufsliste als Motiv verwendet wurde. Diese Einkaufszettel finden sich auch als Gemälde in den Ausstellungsräumen wieder. Bernsteine mit Pappstäbchen ähneln abgelutschten Lollis, die überdimensioniert auch noch einmal aus Glas und Papprollen zu finden sind. Fast schwarze Steinscherben auf Folie mit Pappschachtel lassen einen sofort an Zartbitterschokolade denken und auch die Installation „Deutscher Wald“ spielt mit Assoziationen. Statt durch Laub geht man durch raschelnde Haufen aus zerissenen Verpackungskartons, die aus Papier hergestellt wurden, das wiederum aus dem Holz von Waldbäumen gewonnen wurde. „Es ist eine Art Kreislauf, der hier aufgezeigt wird. Einerseits macht es Spaß, durch die Haufen zu stieben, andererseits wird man angesichts der Massen an Verpackungsmüll auch nachdenklich“, so Bieske. Somit könne sich jeder in den Arbeiten wiederfinden und sich seine Gedanken machen oder aber sich an den Ideen sowie der kreativen Umsetzung samt dem einen oder anderen Augenzwinkern des Künstlers erfreuen. Weitere Informationen unter ­museum-eckernfoerde.de

Museumsleitern Dorothee Bieske (li.) und Svenja Horeis, FSJ Kultur, auf einer Bank aus dem Kurpark, die spontan mit in die Ausstellung integriert wurde
Foto: Iris Jaeger
„Meine hundert besten Freunde“, 2020, Gläser, Gelwachs, Lippenstift auf Stehtischen mit Hussen, dahinter an der Wand das Bild „First Date“, zwei Rotweinglasabdrücke eng beieinander
Foto: Iris Jaeger
„Lollipop“
Foto: Iris Jaeger
Eine perfekte Illusion: dunkle Steinscherben, die aussehen wie köstliche Zartbitterschokolade; „Es ist genug für alle da“, 2022
Foto: Iris Jaeger
„Lollipop“ – Bernsteine, die aussehen wie abgelutschte Lollis
Foto: Iris Jaeger
„Werktags“, Kaffeebecherabdrücke als Aquarell, von links beginnend mit Montag bis Freitag, rechtes Bild
Foto: Iris Jaeger
Einkaufszettel als Gemälde
Foto: Iris Jaeger
„Time of my life“, Sack aus Buntglas
Foto: Iris Jaeger
„Potato Poem“, Steine, die aussehen wie Kartoffeln
Foto: Iris Jaeger


Ausdauer und Leidenschaft als Erfolgsrezept

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Cornelia Schmachtenberg (CDU) ist seit gut einer Woche Schleswig-Holsteins Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz. Sie bezeichnet sich selbst als „Draußen-Ministerin“. Was das für die 34-Jährige bedeutet, welche Schwerpunkte sie setzen will und wie sie sich die Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium vorstellt, erklärt sie im Interview mit dem Bauernblatt.

Mit welcher Einstellung und Motivation gehen Sie in das Amt der Landwirtschaftsministerin?

Cornelia Schmachtenberg: Ich freue mich total auf das neue Amt und weiß, dass es eine große Verantwortung ist. Natürlich habe ich großen Respekt, aber ich freue mich darauf, Landwirtschaftspolitik hier in Schleswig-Holstein gestalten zu dürfen und auch die anderen Themen wie ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz voranzubringen.

Welchen Einfluss auf Ihre Entscheidung, das Amt zu übernehmen, hatte der Familienrat?

Als ich gefragt worden bin, habe ich natürlich erst mit meiner Familie gesprochen. Letztendlich war es eine Team-Entscheidung und keine, die ich allein getroffen habe. Als Team sind wir zum Entschluss gekommen, dass wir das schaffen.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? Wollen Sie an die dialogorientierte Art Ihres Vorgängers Werner Schwarz (CDU) anknüpfen?

Ich bin sehr kommunikativ und so verstehe ich auch meine Führungsrolle: zu kommunizieren, was meine Erwartungshaltung ist. Das ganze Haus ist voller hervorragender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit enormem Fachwissen. Das ist der eigentliche Kern dieses Hauses. Werner Schwarz und Staatssekretärin Anne Benett-Sturies ist es sehr gut gelungen, ein Wirgefühl in diesem Haus zu erzeugen. Daran möchte ich anknüpfen.

Wie sehen Sie die Rolle Ihres Ministeriums innerhalb der Landesregierung?

Alle Ministerien sind erst einmal gleich wichtig. Es war auch eine bewusste Entscheidung nach der vergangenen Landtagswahl, ein eigenständiges Landwirtschaftsministerium zu schaffen. Die Themen des Ressorts passen durchaus zusammen. Zur Landwirtschaft wird ganz viel auf europäischer Ebene entschieden. Landwirtschaft ist eng mit den ländlichen Räumen verknüpft. Auch mit dem Verbraucherschutz gibt es große Schnittmengen.

Welche Schnittmengen und sehen mit dem grün geführten Umweltministerium?

Mit Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) habe ich in den vergangenen dreieinhalb Jahren schon eng zusammengearbeitet. Wir haben die Koalitionsverhandlung jeweils federführend für unser Team geführt und deswegen glaube ich, dass wir weiter gut zusammenarbeiten können.

Der Bauernverband würde vor allem die Wasserwirtschaft und den Vertragsnaturschutz lieber im Landwirtschaftsministerium angesiedelt sehen. Ist das aus Ihrer Sicht eine begründete Forderung?

Es ist klar, dass diese Themen zusammen mit der Landwirtschaft gedacht werden müssen, auch wenn die Verantwortung dafür in einem anderen Haus ist. Ich denke aber, dass wir das zusammen hinbekommen.

Sehen Sie keinen Konflikt, wenn sich Minister Goldschmidt als Fan des Ordnungsrechts sieht, Sie sich aber als pragmatische Draußen-Ministerin verstehen?

Es ist richtig, dass ich mich eher als pragmatisch bezeichnen würde. Meine Zielmarke ist definitiv nicht, mehr Ordnungsrecht zu schaffen. Tobias Goldschmidt und ich sind eben unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Interessen aus unterschiedlichen Parteien. Wichtig ist daher, dass wir politisch zu einem gemeinsamen Nenner kommen und Lösungen finden.

Können Sie nachvollziehen, dass viele CDU-Wähler aus dem ländlichen Raum kritisieren, dass sie momentan grüne Politik bekommen?

Ich nehme wahr, dass es eine gewisse Unzufriedenheit in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum gibt. Deswegen war es wichtig, ein eigenständiges, CDU-geführtes Landwirtschaftsministerium zu schaffen. Mein Ziel ist es, den Unzufriedenen zuzuhören. Und dann müssen wir gemeinsam schauen, wie wir Lösungen hinbekommen. Klar ist aber auch – das weiß man an jedem Familientisch –, dass sich nicht jeder immer zu 100 % durchsetzen kann. Ich werde mich für die Landwirtschaft einsetzen.

Der Strukturwandel und die Konkurrenz um Fläche sind wachsende Herausforderungen. Was ist aus Ihrer Sicht ein gesundes Maß und wie wollen Sie diese Themen politisch steuern?

Der Strukturwandel ist ein Riesenthema. Politik muss sich bei jeder Entscheidung bewusst machen, ob sie den Strukturwandel verschärft. Häufig gilt das familiengeführte Landwirtschaftsunternehmen parteiübergreifend als Idealbild. Mehr Regeln, mehr Kontrolltätigkeiten und mehr Dokumentationsaufwände führen dann dazu, dass es besonders die kleinen Betriebe einfach nicht mehr schaffen. Landwirtinnen und Landwirte müssen so frei wie möglich wirtschaften können, weil sie am besten wissen, was vor Ort passiert. Mit Blick auf die Flächenkonkurrenz müssen wir als Land Lösungen finden. Hier gibt es natürlich Interessenkonflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, aber auch dem Wohnungsbau oder dem Ausbau von Erneuerbaren Energien. Ein Lösungsansatz kann sein, dass man mehrere Ziele auf einer Fläche verfolgt oder dass wir Flächentausch besser ermöglichen als bisher. Das sind Themen, die ich jetzt angehen möchte, die aber gemeinsam im Kabinett entschieden werden müssen.

Sie wollen landwirtschaftlichen Betrieben mehr Freiheiten geben. Die Arbeit der Taskforce Entbürokratisierung wurde jedoch kurz vor Ihrem Amtsantritt eingestellt. Soll diese nun wiederbelebt werden?

Wir haben in der Koalition entschieden, dass wir den Bürokratieabbau in der Landwirtschaft priorisieren. Deswegen hat Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf der Norla 2024 den Neun-Punkte-Plan verkündet, den Werner Schwarz gemeinsam mit ihm zu großen Teilen umgesetzt hat. Ich halte zudem unser E-Mail-Funktionspostfach (­buerokratieabbau_landwirtschaft@mllev.landsh.de) für Vorschläge aus der Praxis für sehr sinnvoll. Dass die Taskforce Entbürokratisierung aufgelöst wurde, hatte rein organisatorische Gründe. Die Arbeitsgruppe werden wir fortführen.

Auf der Norla in diesem Jahr hat Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht weitere Erleichterungen gefordert, zum Beispiel die Wirtschaftsdüngerausbringung auf gefrorenen Böden und von bis 230 kg N/ha. Sehen Sie hier Möglichkeiten?

Ich stehe im regelmäßigen Austausch mit dem Landesbauernverband. Mit Klaus-Peter Lucht habe ich schon auf verschiedenen Ebenen zusammengearbeitet. Deswegen sind mir die Forderungen durchaus vertraut. Klar ist aber, dass wir uns erst einmal über mögliche Wege der Umsetzung unterhalten, um danach mit dem Koalitionspartner zu besprechen, wie wir weiter vorgehen.

Ist die Forderung nach einem praxisgerechteren Wolfsmanagement bereits befriedet?

Wir haben als eines der ersten Bundesländer den Wolf ins Jagdrecht aufgenommen, um Rechtssicherheit für unsere Jägerinnen und Jäger zu schaffen. Zudem wurde kürzlich von der Bundesregierung der gute Erhaltungszustand an die EU gemeldet. Der nächste Schritt ist nun, dass der Wolf auf Bundesebene ins Jagdrecht kommt.

Braucht Deutschland wolfsfreie Zonen?

Die Schafhaltung ist für uns wahnsinnig wichtig. Wir brauchen sichere Deiche für unser Land. Deswegen wäre es richtig, wenn man auf Bundesebene Ausnahmen für Küstenregionen beschließt.

Wie wollen Sie die von Gänsefraß geplagten Betriebe unterstützen?

Ich habe mir kürzlich auf Amrum bei Oke Martinen die landwirtschaftlichen Flächen angeguckt. Das ist wirklich erschreckend. Wenn Tausende von Gänsen die Flächen leer fressen, entstehen neben den wirtschaftlichen Schäden auch psychische Belastungen. Es gibt einen neuen EU-Agrarkommissar und wir müssen über einen neuen Anlauf nachdenken, den Schutzstatus der Gänse zu verringern. Immerhin haben wir bereits die Jagdzeiten verlängert, eine Billigkeitsrichtlinie veröffentlicht und die Entschädigungszahlungen ausgeweitet. Das wollen wir fortführen und ausbauen. Wenn die Landwirtschaft aufgrund der Gänse verschwände, hätte das Einfluss auf die gesamte Westküste, auf die Dörfer und den vor- und nachgelagerten Bereich. So weit darf es nicht kommen.

Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, das Eiersammeln zu erleichtern?

Diese Maßnahmen haben wir auch bei Oke Martinen besprochen. Genau diese Vorschläge werden wir jetzt prüfen.

Grünland- und Knickschutz sind Beispiele für praxisferne Anforderungen an die Landwirtschaft. Wie wollen Sie grundsätzlich das Regelungsdickicht durchforsten?

Im Koalitionsvertrag steht, dass wir in Deutschland nicht über EU-Recht hinauswollen beziehungsweise in Schleswig-Holstein nicht über Bundesvorgaben. Wir wollen dazu Bürokratie abbauen. Wir brauchen einfache, pragmatische Lösungen. Das heißt ja nicht, dass wir morgen nicht mehr das Dauergrünland schützen wollen. Ich glaube, dass den Landwirten auch Knickschutz durchaus wichtig ist. Es geht aber darum, komplexe Sachverhalte so einfach wie möglich zu gestalten.

Wie wird sich das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Düngegesetzgebung auf die Roten Gebiete im Land auswirken?

Wir müssen dazu die Urteilsbegründung abwarten. Stand jetzt gibt es keine rechtliche Grundlage für die Roten Gebiete. Wir brauchen nun eine rechtlich klare Umsetzung seitens des Bundes, um hier in Schleswig-Holstein Rechtssicherheit zu schaffen. Obwohl es derzeit Presseberichte zu Verschlechterungen bei Nitratmesswerten gibt, muss man feststellen, dass Landwirte so wenig Gülle fahren wie noch nie und immer bessere Technik einsetzen. Wir dürfen nicht diejenigen bestrafen, die jetzt gut wirtschaften.

Welche Bedeutung hat für Sie die Tierhaltung in Schleswig-Holstein?

Ich werde mich sicher nicht dafür aussprechen, Tierzahlen zu reduzieren. Tierhaltung spielt für Schleswig-Holstein eine wahnsinnig wichtige Rolle. Ich möchte, dass hier heimische Lebensmittel hergestellt werden und beispielsweise das Grünland von den Milchviehbetrieben genutzt wird.

Wie sorgenvoll schauen Sie auf das derzeitige Tierseuchengeschehen?

Die Taktung nimmt zu. Dass beispielsweise die Geflügelpest früher auftritt als in anderen Jahren, ist eine unglaubliche Herausforderung für die landwirtschaftlichen Betriebe in unserem Land. Wir haben kürzlich die Allgemeinverfügung und die damit einhergehenden Biosicherheitsmaßnahmen erneut in Kraft gesetzt. Aber auch die Afrikanische Schweinepest und die Blauzungenkrankheit führen zu zusätzlichen Belastungen für die Betriebe.

Warum können Landwirtinnen und Landwirte in Schleswig-Holstein darauf vertrauen, dass ihre Interessen in der Landesregierung ausreichend vertreten werden?

Ich stehe zu 100 % an der Seite von Landwirtinnen und Landwirten und will ihre Arbeit unterstützen. Ich kenne die Praxis, habe einen Treckerführerschein, war Erntehelferin und habe Landwirtschaft studiert. Ich kenne das Geschäft, auch wenn ich keine aktive Landwirtin bin. In den vergangenen Jahren habe ich viel Politik-Erfahrung sammeln können. Das heißt: Ich will im politischen Geschäft viel für unsere Landwirtschaft herausholen. Das mache ich mit sehr viel Leidenschaft und Ausdauer.

Wenn der grüne Schwanz mit dem schwarzen Hund wedelt

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Die Menschen im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins wählen konservativ. Mit Ausnahme der Städte und einiger städtischer Regionen lag die CDU bei den vergangenen Landtagswahlen in der Wählergunst immer vorn. Dennoch bestimmten Grünen-Minister seit 2012 maßgeblich die Landwirtschaftspolitik in Kiel. Zunächst war Dr. Robert Habeck (Grüne) für Landwirtschaft und ländliche Räume zuständig. 2018 trat sein Parteikollege Jan Philipp Albrecht die Nachfolge auf dem Ministerposten an. Erst in seiner zweiten Amtsperiode als Ministerpräsident entschied Daniel Günther (CDU) nach der Landtagswahl 2022, ein eigenständiges Agrarressort zu etablieren, und setzte den damaligen Präsidenten des Landesbauernverbandes, Werner Schwarz (CDU), als Ressortchef ein. Zehn Jahre grüne Politik „wider Willen“ sind aber nicht spurlos am ländlichen Raum vorbeigegangen.

Auch nach 2022 steckte Schwarz gezwungenermaßen viele Ressourcen zunächst in den Aufbau des Ministeriums. Mit dem Vorsitz Schleswig-Holsteins bei der Agrarministerkonferenz im Jahr 2023 musste er zudem eine eher moderierende Rolle ausfüllen und die beiden Konferenzen in Büsum und Kiel ausrichten. Das kostete ebenfalls Zeit und Kapazitäten. Und obwohl Schwarz den Neun-Punkte-Plan des Ministerpräsidenten erfolgreich umsetzte, wirken die damit verbundenen Erleichterungen für viele wie ein Pflaster auf einer Fleischwunde.

Die großen Herausforderungen bei der Konkurrenz um Fläche, Dokumentations- und Berichtspflichten, Restriktionen beim Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und praxisfernen Detailregelungen – zum Beispiel in der Knickpflege – produzieren Unzufriedenheit. Bei der Gänsefraßproblematik findet kaum Ursachenbehebung statt – es geht lediglich um Entschädigung. Trotzdem arbeiten Landwirtinnen und Landwirte täglich daran, nachhaltiger zu werden. Jüngstes Beispiel sind die Ostseebeiräte im Rahmen der Zielvereinbarung zum Ostseeschutz, in denen großes ehrenamtliches Engagement an den Tag gelegt wird. Die Ansage von Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne), mehr als 1.000 ha neuer Naturschutzgebiete auszuweisen, ist vor dem Versprechen im Sinne des Dialogprozesses, kooperative Lösungen zu finden, ein widersprüchliches Signal. In der Agrarbranche brodelt es.

Die neue Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, Stefanie Sabet, unterstrich bei ihrem Schleswig-Holstein-Besuch diese Einschätzung. Nach ihren Angaben hätten es Teile der Politik immer noch nicht verstanden, dass die Streichung der Agrardiesel-Rückvergütung nur der Tropfen gewesen sei, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Nun stellt sich die Frage, ob die neue Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) in der Zeit bis zur Landtagswahl 2027 pragmatische Lösungen für die Branche auf den Weg bringen kann. Im Auftaktinterview mit dem Bauernblatt zeigt sie sich optimistisch. Sie ist innerhalb wie außerhalb ihrer Partei gut vernetzt und bringt trotz ihres Alters (34) schon jede Menge politische Erfahrung mit. Mit einem CDU-Wahlergebnis von 43,4 % gegenüber 18,3 % bei den Grünen hat sie zudem ein starkes Argument in den kommenden Verhandlungen mit dem Umweltminister, das sie nutzen muss.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Weihnachtssterne – stimmungsvolle Adventszeit

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Wenn die Tage kürzer werden, beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres – und mit ihr zieht der Weihnachtsstern wieder in die Wohnzimmer ein. Mit seinen farbigen Hochblättern steht er wie kaum eine andere Pflanze für Wärme, Gemütlichkeit und weihnachtliche Vorfreude.

In Schleswig-Holstein wird jedes Jahr rund eine halbe Million Weihnachtssterne kultiviert. Sie zählen zu den meistgekauften blühenden Zimmerpflanzen in Deutschland und behaupten seit Jahren den zweiten Platz hinter der Orchidee. Besonders beliebt bleibt das klassische Weihnachtsrot – doch die Auswahl wächst: Von Apricot und Cremeweiß über Rosa- und Pinktöne bis hin zu zweifarbigen Varianten reicht die Palette, erhältlich als kleine Tischpflanze oder dekoratives Stämmchen.

Viele Betriebe im Land setzen auf kurze Wege: Weihnachtssterne aus Schleswig-Holstein gelangen oft direkt aus dem Gewächshaus in den Handel. Mehrere Fachbetriebe tragen zudem das Gütezeichen Schleswig-Holstein und vermarkten ihre Pflanzen unter „Im Norden gewachsen“ – ein Hinweis auf regionale Herkunft und frische Qualität.

Ursprünglich stammt der Weihnachtsstern aus Mexiko, wo er als imposanter Strauch wächst. In Deutschland ist er seit den 1950er Jahren als Zimmerpflanze verbreitet. Heute stehen über 150 Sorten zur Auswahl, die widerstandsfähiger sind und weniger Wärme zum Wachsen benötigen – ein Pluspunkt auch beim Energieeinsatz im Gewächshaus.

Besuchstipp: In vielen Gärtnereien im Land lässt sich die ganze farbenfrohe Vielfalt aktuell bestaunen – ein stimmungsvoller Auftakt in die Adventszeit.

Wie Weihnachtssterne lange Freude machen

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Für viele Pflanzenfreunde gehört er zur Advents- und Weihnachtszeit einfach dazu: der Weihnachtsstern. Ob klassisch in Rot oder doch lieber cremefarben, pink, orange, zitronengelb oder mehrfarbig mit Farbverläufen oder Sprenkeln: Die beliebte Zimmerpflanze gibt es in vielen Variationen – auch in unterschiedlichen Größen oder zum Beispiel mit Stämmchen.

Wer lange Freude am Weihnachtsstern haben will, sollte ein paar Pflegehinweise beachten: Der Standort sollte hell sein, Zugluft mag der Weihnachtsstern nicht. Bietet der Handel die Pflanze im Eingangsbereich oder Windfang an, sollte man sie stehen lassen. Die Weihnachtssterne haben dann oft schon einen Kälteschaden, lassen wenig später die Blätter hängen oder gehen ganz ein. Im Fachhandel sollte man sich den Weihnachtsstern gut mit Papier einpacken lassen, denn selbst der kurze Weg zum Auto kann bei kaltem Wetter Schäden hinterlassen.

Warmer, fester Standort

Zu Hause sollte der Weihnachtsstern idealerweise einen Platz bekommen, an dem er die ganze Weihnachtszeit über stehen bleiben kann. Ständiges Hin- und Herräumen mag er nicht. Die Raumtemperatur sollte bei 18 bis 22 °C liegen.

Beim Gießen ist Vorsicht geboten: Tendenziell kann der Weihnachtsstern eher trockener gehalten werden, Staunässe verträgt er nicht. Ideal ist für ihn das Tauchverfahren. Dabei wird der fast trockene Weihnachtsstern für ein paar Minuten in eine Schüssel mit lauwarmem Wasser gestellt. Überschüssiges Wasser abtropfen lassen und anschließend wieder in den Übertopf stellen. Gelbe Blätter sind häufig ein Zeichen, dass die Erde zu feucht ist. 

Bei guter Pflege kann der Weihnachtsstern für mehrere Jahre ein treuer Begleiter sein. Im Sommer darf er nach draußen an einen halbschattigen Standort ziehen. Fallen die Temperaturen unter 12 °C, muss er jedoch wieder zurück ins Haus. 

Kurze Tage bringen Farbpracht zurück

Kniffelig wird es, wenn die Tage länger werden: Nach dem Winter verfärben sich die farbigen Hochblätter wieder grün. Seine tolle Farbe erhält der Weihnachtsstern erst wieder, wenn die Tage kürzer als zwölf Stunden sind. Bei uns ist das natürlicherweise meist erst im Oktober der Fall. Nach sieben bis neun Wochen würde dann die natürliche Blütezeit einsetzen, also ab Ende November. Im Profigartenbau verdunkeln die Betriebe ihre Gewächshäuser, um bereits ab Mitte Oktober farbige Weihnachtssterne anbieten zu können. Aber Achtung: Selbst schwache Lichtquellen können die Blütenbildung verhindern!

Seine Wurzeln hat der Weihnachtsstern in Mexiko. Bei ganzjährig milden Temperaturen wächst er dort zu meterhohen Büschen heran. In den Gärtnereien wachsen die Zierpflanzen rund viereinhalb Monate.

Irrtümlicherweise werden die farbigen Blätter häufig für Blüten gehalten, dabei handelt es sich hierbei um Hochblätter, sogenannte Brakteen. Die eigentlichen Blüten sind klein, grünlichgelb, unscheinbar und sitzen in der Mitte der Hochblätter. Einen frischen Weihnachtsstern erkennt man daran, dass die kleinen Blüten noch knospig sind. 

Der Weihnachtsstern gehört zu den Wolfsmilchgewächsen, daher tritt weißer Milchsaft aus, wenn er verletzt wird. Dieser ist leicht giftig. In den neuen Züchtungen sind diese Giftstoffe nicht mehr enthalten. Wer Kleinkinder oder Haustiere zu Hause hat, sollte den Weihnachtsstern vorsichtshalber aber besser aus deren Reichweite stellen.

Übrigens: Auch bei der Produktion von Weihnachtssternen kommt immer weniger Torf zum Einsatz. Manche Betriebe verzichten gar völlig auf den Einsatz von Torf. Das bedeutet jedoch auch eine Umstellung für die Verbraucher, denn torffreie oder torfreduzierte Substrate trocknen oft schneller aus und sind, wenn sie einmal ausgetrocknet sind, schwer wieder zu befeuchten.

Machen Sie Ihr Hofcafé zum Lieblingsziel auf dem Land!

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Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) veröffentlicht im kommenden Frühjahr erneut die Broschüre „Gemütlich Kaffeetrinken auf dem Land“.

Hofcafés und Festscheunen erhalten damit die Möglichkeit, sich über zwei Jahre einem großen Publikum zu präsentieren. Mit 70.000 Exemplaren zählt die Broschüre zu den reichweitenstärksten Publikationen der LKSH und wird landesweit von Einheimischen und Gästen genutzt, um besondere Ausflugsziele zu finden.
Die Verteilung erfolgt über Tourismusvereine, an interessierte Privatpersonen sowie bei Veranstaltungen. Ergänzend sorgen Social-Media-Beiträge der LKSH und ein Presse-Event zum Saisonstart für zusätzliche Aufmerksamkeit. Betriebe können zwischen drei Inseratformaten wählen – vom kompakten Standardinserat bis zur ganzseitigen Premium-Variante.

Die Vorteile im Überblick:

– zwei Jahre Sichtbarkeit in einer etablierten Broschüre
– hohe Reichweite durch 70.000 Ex­emplare
– landesweite Verteilung an touristische Stellen und Gäste
– öffentlichkeitswirksames Presse-Event zum Saisonstart
– zusätzliche Social-Media-Präsenz über die LKSH
– drei Inseratformate zur Auswahl
– optionale Zusatzleistung eines Kurzvideo-Drehs
– zusätzliche digitale Sichtbarkeit über ein Online-Inserat

Die Broschüre richtet sich an Cafés und Festscheunen, die ihre Bekanntheit steigern und neue Gäste gewinnen möchten. Für mehr Informationen und die Anmeldung bitte E-Mail an Viktoria Wohlert (vwohlert@lksh.de) senden. Einsendeschluss ist der 30. November.

Deutsche Meisterschaft der Landesverbände

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Die Deutsche Meisterschaft der Landesverbände fand zum zweiten Mal während des Reitsportevents Der Große Preis von Sachsen auf dem Chemnitzer Messegelände statt. Titelverteidiger Schleswig-Holstein sicherte sich zum zehnten Mal einen Platz auf dem Podium.

„Das war ein tolles Turnier mit einer super Atmosphäre“, schwärmt Harm Sievers. Der Tasdorfer, Kreis Plön, begleitet seit Jahren das Team aus Schleswig-Holstein als Mannschaftsführer zu den Deutschen Meisterschaften der Landesverbände, und das meist mit Erfolg. Der diesjährige Parcours in dem S**-Springen sei reell gewesen und habe ein richtig gutes Niveau für die 15 Mannschaften aus 14 Landesverbänden geboten.

Über zwei Umläufe kämpften die Mannschaften um den Titel. Den finalen zweiten Umlauf erreichten sechs Teams mit jeweils drei Reitern, darunter Titelverteidiger Schleswig-Holstein. Die Mannschaft bestand aus Paula de Boer-Schwarz, Johanna Kühl, Claas Christoph Gröpper und Philipp Battermann-Voß. Doch die Reiter waren nicht allein angereist. Paula de Boer-Schwarz hatte ihre beiden Kinder dabei, das jüngste gerade drei Monate alt, außerdem ihre Mutter und eine Nanny. Johanna Kühl wurde von ihrer Tochter und ihrem Ehemann Fabian Kühl begleitet. Philipp Battermann-Voß hatte seinen Onkel, den ehemaligen Weltcupreiter Thomas Voß, als Unterstützung mitgebracht.

„Das war eine super Truppe“, freut sich Sievers. Vor allem Paula de Boer-Schwarz sei für eine Mannschaft immer gut. Mit ihrer guten Laune und positiven Einstellung reiße sie alle mit. Sie war auch im vergangenen Jahr dabei, als das Team den Sieg holte. „Das ist ein Highlight für viele Reiter. Bei den Mannschaftswettbewerben ist immer ordentlich Dampf drauf und die Einzelkämpfer werden zu einem richtigen Team“, erzählt Sievers.

Auch in diesem Jahr starteten alle Reiter aus dem Land zwischen den Meeren gut ins Turnier. Drei fehlerfreie Ritte und lediglich ein Hindernisfehler von Gröpper machten gleich klar, dass die Nordlichter in Chemnitz waren, um wieder auf dem Podium zu stehen. Drei Starter durften eine Runde weiter. Gemeinsam wurde beschlossen, dass Gröpper und sein Carlchen nicht dabei sein würden.

„Im zweiten Umlauf hat die Stute von Paula dann leider ein paar Fehler gemacht“, berichtet Sievers. My Miss Marpel, eine Oldenburgerin von Mylord Carthago-Contender, ist eigentlich das beste Pferd im Stall der Reiterin aus Stipsdorf, Kreis Segeberg. Erst vor Kurzem hat sie den Großen Preis in Negernbötel gewonnen. Doch in Chemnitz ließ die Stute dann zwei Stangen fallen.

Auch Battermann-Voß und sein Caddel S holten vier Punkte. Lediglich Johanna Kühl zeigte zwei fehlerfreie Runden mit ihrer 13-jährigen Calido I-Tochter Caluna OLD U.P. Das Paar aus Ehlersdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, ging auch im Großen Preis von Sachsen an den Start und belegte dort Platz drei.

In der Deutschen Meisterschaft war es bis zum Ende sehr eng, denn auch die anderen Reiter machten in dem anspruchsvollen Parcours mit zahlreichen Distanzen Fehler. Letztendlich sicherte sich das Team aus Baden-Württemberg den Titel. Rang zwei ging an das Team aus Westfalen und Schleswig-Holstein kam auf den Bronzerang. Die Stimmung war trotzdem gut, denn mehr als 2.700 Zuschauer verfolgten das Mannschaftsspringen in der Chemnitzer Messehalle.

Bühne frei für Immergrüne

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Im Sommer fallen Immergrüne gar nicht großartig auf. Nach dem Laubfall sorgen sie jedoch für wohltuende Ausblicke. Als Pflanzenschätze der besonderen Art präsentieren sie ihre Nadeln und Blätter in ganz unterschiedlichen Grüntönen. Geschickt eingesetzt, wirken sie winterlicher Tristesse entgegen.

Belaubte und benadelte Immergrüne unter sich. Die Buchskugeln nehmen der Thujahecke etwas von ihrer Strenge. Foto: Karin Stern

Winterharte Blattschönheiten wie Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), Buchs (Buxus), Scheinbeere (Gaultheria procumbens) oder die Skimmie (Skimmia japonica) bieten dem Auge in der kalten Jahreszeit einen grünen Halt zum Verweilen. Sowohl die Skimmie als auch die Scheinbeere gedeihen nur in einem sauren Moorboden. Beide schmücken sich mit kugeligen Früchten. Beim Neukauf einer zweihäusigen Skimmie achtet man darauf, ob es sich um ein männliches oder weibliches Exemplar handelt. Die weibliche Form heißt Fruchtskimmie. Sie schmückt sich ab dem Spätsommer mit leuchtend roten Früchten. Die männlichen Exemplare werden im Herbst mit farbigen Knospen als Blütenskimmien angeboten. Sie verbleiben den Winter über an der Pflanze und öffnen sich je nach Sorte in Weiß oder verschiedenen Rosaschattierungen im April. Während die Scheinbeere problemlos den Winter übersteht, gilt die Skimmie erst gut eingewachsen als sicher winterhart. Viele Gärtner pflanzen sie deshalb eher zur Dekoration in Töpfe. Je nach Witterung sind diese dann schnell an einen hellen, kühlen Platz geräumt.

Schon früh im April zeigen sich die Blütentrauben des Kirschlorbeers. Foto: Karin Stern
Die Scheinbeere schmückt sich mit roten Beeren. Im Herbst nimmt das Laub eine rötliche Farbe an. Foto: Karin Stern
Fruchtskimmie ,Winnie Dwarf‘ begeistert mit reichem Fruchtschmuck. Foto: Karin Stern
Blütenskimmien zieren den ganzen Winter über mit ihren farbigen Blütenknospen. Sie öffnen sich im April. Foto: Karin Stern


Buntlaubige Efeusorten wirken sehr lebendig. Foto: Karin Stern

Reichlich Abwechslung bringen panaschierte Blätter mit ihren hellen Lichtreflexen ins Spiel. Unter den Efeusorten empfiehlt sich hier der Gelbbunte Efeu ‚Goldheart‘ (Hedera helix). Seine fast dreieckigen, dunkelgrünen Blätter werden von einer auffallend goldgelben Blattmitte verziert. Diese Sorte eignet sich sowohl als Kletterpflanze wie auch als Bodendecker zwischen Koniferen und Sträuchern. Efeu ‚Variegata‘ hingegen schmückt seine dekorativen Blätter mit einem auffälligen weißen Rand. ‚Variegata‘ ist etwas schwachwüchsiger als ‚Goldheart‘.

Ilex ,Golden Gem‘ bringt mit seinen gelb panaschierten Blättern viel Abwechslung ins Farbspiel. Foto: Karin Stern

Als hübscher Kleinstrauch mit 80 bis 100 cm Wuchshöhe kommt vielleicht auch der Gelbe Bergilex ‚Golden Gem‘ (Ilex crenata) infrage. Seine attraktiven goldgelben Blätter setzen einen edlen Kontrast zu grünlaubigen Sorten. Ilex zählt ebenfalls zu den zweihäusigen Pflanzen. Wer in den Genuss der schmucken schwarzen Früchte kommen möchte, pflanzt eine männliche Sorte wie ‚Blue Prince‘. Unter den verschiedenen Schneeball-Arten ist der Immergrüne Kissen-Schneeball (Viburnum davidii) einen Anbauversuch wert. Die großen, ovalen Blätter weisen eine glänzende Oberfläche auf und wirken rustikal-ledrig. Trotz seiner niedrigen Wuchshöhe von nur 50 bis 80 cm bringt das Zwerggehölz Struktur in den winterlichen Garten. Tipp: Besser im Kübel kultivieren, da der Kissen-Schneeball nur bedingt winterhart ist. Ausgepflanzte Exemplare benötigen bei Kahlfrösten und starker Sonne unbedingt Schutz.

Die immergrünen Blätter der Christrose bringen im Winter Struktur ins Beet. Foto: Karin Stern

Zu den sogenannten wintergrünen Stauden zählen Glanz-Schildfarn (Polystichum aculeatum), Christrose (Helleborus) und Bergenie (Bergenia). Der Unterschied zu immergrünen Pflanzen besteht darin, dass sie ihr Laubkleid nach dem Frost unauffällig durch Neuaustrieb austauschen. Der Glanz-Schildfarn verträgt für einen Farn relativ viel Sonne und verlangt einen frischen, humosen Boden. Tipp: Die derb-ledrigen Wedel machen sich auch gut in der Vase.

Bergenien sind ausgesprochen robust und vertragen erstaunlich viel Trockenheit. Die lederartigen Blätter zieren auf größeren Flächen ebenso wie in Einzelstellung. Die rötliche Herbstfärbung einiger Sorten wie ‚Admiral‘ oder ‚Eroica‘ bringt noch mehr Farbe in den winterlichen Garten. Doch Vorsicht, insbesondere im Winter vertrocknen Immergrüne häufig bei Sonnenschein und gefrorenem Boden. Sie verdunsten viel Wasser, ohne Nachschub aus dem Boden ziehen zu können. Dieses Phänomen nennen Gärtner „Frosttrocknis“. Man gießt daher Immergrüne vorbeugend bei Bedarf vor dem ersten Frost gründlich und gibt auch in frostfreien, regenarmen Perioden immer einmal etwas Wasser.

Einige Sorten der Bergenie wie ,Admiral‘ oder ,Eroica‘ nehmen in der kalten Jahreszeit eine rötliche Blattfärbung an. Foto: Karin Stern
Dank unterschiedlicher Wuchsformen und -höhen findet sich für jeden Standort und Verwendungszweck die passende Immergrüne. Foto: Karin Stern

Auch Nadelgehölze begrünen den Winter und bieten attraktive Gestaltungsmöglichkeiten. Etwas Fingerspitzengefühl ist allerdings wichtig, denn ein Zuviel an gleichartigen Nadelgehölzen kann schnell düster wirken. Mit abwechslungsreich gefärbten Nadeln hingegen lassen sich tolle Grünkontraste erzielen. Schwung bringen gelb-grün gefärbte Gehölze wie die langsam wachsende Gelbe Fadenzypresse ‚Filifera Aurea Nana‘ (Chamaecyparis pisifera). Sie zeigt das ganze Jahr über eine goldgelbe Benadelung und fügt sich mit 1,5 m Höhe überall ein. Empfehlenswert ist auch der Zwerg-Lebensbaum ‚Tiny Tim‘ (Thuja occidentalis). Die schwachwüchsige Sorte mit einem Jahreszuwachs von maximal 10 cm macht sich toll im Kübel und wird auch gern als Grabschmuck verwendet. Interessant wirken die überhängenden Triebe der Kissen-Hemlocktanne ‚Nana‘ (Tsuga canadensis), die nur 1 m hoch, dafür aber doppelt so breit wächst. Entscheidend für die Auswahl sind Boden und Lichtverhältnisse am vorgesehenen Standort und die eigenen Vorstellungen hinsichtlich Wuchsform, Wuchshöhe und Nadelfarbe.

Die geschickte Zusammenstellung unterschiedlich gefärbter Benadelung wirkt das ganze Jahr über attraktiv. Foto: Karin Stern