Klebsiellen sind gramnegative Bakterien, die als Verursacher von Euterentzündungen mit hochgradig gestörtem Allgemeinbefinden Milchviehhalter zunehmend vor große Herausforderungen stellen. Die wichtigsten Arten in Zusammenhang mit Mastitiden sind Klebsiella pneumoniae und Klebsiella oxytoca. Auch Raoultella planticola verursacht Euterentzündungen, wurde bis vor einigen Jahren den Klebsiellen zugeordnet und ist nur mittels weiterführender Labordiagnostik von diesen abgrenzbar. Ein Grund, genauer hinzusehen.
Klebsiellen sind typische Umweltkeime, die zur normalen Pansenflora gehören und damit in Kot und Gülle von Wiederkäuern, aber auch in Wasser, Erdboden und auf Pflanzenfasern vorkommen. Durch die Ausscheidung mit dem Kot werden Liegeflächen, Einstreumaterial und Laufflächen in Milchviehställen permanent kontaminiert. Stärkereiche Rationen und eine schnelle Pansenpassage fördern die Ausscheidung der Klebsiellen mit dem Kot. Das ist einer der Gründe dafür, dass häufig hochleistende Betriebe betroffen sind.
Holzbasierte Einstreu wie Sägemehl, Sägespäne oder Kompost mit ihrem schwach sauren pH-Wert (pH unter 6) wird mit dem gehäuften Auftreten von Klebsiella-Mastitiden in Verbindung gebracht. Außerdem gibt es seit einigen Jahren zunehmend Hinweise, dass Betriebe mit Gülleseparat oder Gärsubstrat als Einstreu häufiger betroffen sind. Das kann wenige Wochen nach der Umstellung auf diese Einstreu, aber auch erst einige Jahre später der Fall sein. Vermutet wird eine Anreicherung besonders aggressiver Klebsiellenstämme, die dann auch zu einer Zunahme des Schweregrades der Mastitiden führen.
Symptome und Langzeitfolgen
Klebsiella-Mastitiden sind gefürchtet, weil sie tendenziell schwerer verlaufen als Euterentzündungen, die durch andere Erreger hervorgerufen werden. Häufig sind eine deutliche Schwellung des Euters und verändertes Milchsekret (wässrig, blutig) vorhanden, betroffene Kühe haben ein gestörtes Allgemeinbefinden und können sowohl Fieber als auch Untertemperatur haben. Die Milchmenge sinkt drastisch. Genauso sind aber auch leichte Verläufe mit verändertem Sekret ohne Störung des Allgemeinbefindens oder reine Zellzahlerhöhungen möglich. Entscheidend für den Verlauf ist die Abwehrlage der Kuh. Stoffwechselentgleisungen oder (Hitze-)Stress schwächen die körpereigene Abwehr und begünstigen schwere Verläufe.
Wie bei Escherichia (E.) coli können bei der Auseinandersetzung der Bakterien mit dem Immunsystem der Kuh Bakterienbestandteile, sogenannte Lipopolysaccharide (LPS), als Giftstoffe freigesetzt werden und ins Blut gelangen. Diese Blutvergiftung führt zu unterschiedlich starken Symptomen, vom relativ milden Verlauf mit leichtem Fieber bis hin zum Tod der Kuh, und tritt bei Klebsiellen häufiger auf als bei anderen Erregern. Da zu diesem Zeitpunkt oftmals keine vollständigen, bei der mikrobiologischen Untersuchung anzüchtbaren Erreger mehr vorhanden sind, verläuft der Erregernachweis nicht selten ohne Ergebnis („zurzeit keine Erreger nachweisbar“).
Anders als E. coli bleiben Klebsiellen länger im Euter und dringen häufig tief in das Eutergewebe ein, was zu einer nachhaltigen Schädigung und damit zum anhaltenden deutlichen Milchrückgang führt. Die Abgangsraten von Kühen sind nach einer Klebsiella-Mastitis deutlich höher als bei Euterentzündungen durch andere Erreger – sei es wegen des Versterbens des Tieres oder mittelfristig aus wirtschaftlichen Gründen.
Weg der Ansteckung beachten
Bei Kontakt der Zitze mit kontaminierter Umgebung kann der Erreger über den Strichkanal ins Euter gelangen. Das ist insbesondere in Roboterbetrieben ein Problem, wenn die Kühe direkt nach dem Melken die Liegebox aufsuchen. Außerdem ist eine Ansteckung während des Melkens möglich, wenn Klebsiellen von der Zitzenoberfläche durch die die Zitze umspülende Milch ins Euter gelangen. Dabei erscheinen die Euter in betroffenen Betrieben häufig sauber, jedoch sagt das nichts über den tatsächlichen Keimdruck auf der Zitze aus. Weitere Ansteckungsmöglichkeiten, zum Beispiel über das Blutgefäßsystem, werden diskutiert.
Diagnostik und vorbeugende Maßnahmen
Die sichere Abgrenzung von anderen Erregern ist allein anhand des klinischen Bildes nicht möglich, daher empfiehlt sich ein Erregernachweis aus möglichst steril entnommenen Viertelgemelksproben.
Da eine Elimination der Klebsiellen aus dem Stall nicht möglich ist, ist die Senkung des Keimdrucks auf der Zitzenoberfläche oberstes Ziel. Alle Maßnahmen, die dazu beitragen, die Zitzen sauber zu halten, müssen intensiviert werden. Dazu gehören eine gute Boxen- und Laufganghygiene, die Vermeidung von Überbelegung, das Schneiden der Schwanzquasten, das Entfernen von Euterhaaren oder auch die desinfizierende Vorreinigung der Zitzen vor dem Melken (sogenanntes Predipping) mit anschließender Trocknung. Die Desinfektion der Zitzen nach dem Melken mit einem Dippmittel auf Jod- oder Chlordioxid-Basis kann das Eindringen der Erreger erschweren. Auch das Kalken der Boxen kann durch das Anheben des pH-Wertes zu einer verringerten Klebsiellenvermehrung führen, gleichzeitig dürfen die Zitzen aber nicht zu trocken und spröde werden, da sonst eine Bakterienanheftung erleichtert wird. Bei ausbleibendem Erfolg der Maßnahmen ist gerade in Gülleseparatbetrieben eine Einstreualternative in Betracht zu ziehen.
Fazit
J5-Impfstoffe, die gegen alle gramnegativen Mastitiserreger, also auch E. coli und Klebsiellen, gerichtet sind, existieren in vielen Ländern. In Deutschland sind sie nur in Kombination mit einer Staphylococcus-aureus-Komponente auf dem Markt (Startvac) und daher deutlich teurer als reine J5-Impfstoffe.
Die Impfung führt nicht zu einer Verhinderung der Infektion, sondern lediglich zu einer Abmilderung der klinischen Symptome. Um diesen Schutz aufrechtzuerhalten, muss allerdings alle drei Monate geimpft werden, sodass die Wirtschaftlichkeit für jeden einzelnen Betrieb zu hinterfragen ist. Da ein zugelassener Impfstoff existiert, ist die Verwendung stallspezifischer Impfstoffe nicht zulässig. Die Vielzahl gramnegativer Erreger eines Betriebes in einem stallspezifischen Impfstoff ohne J5-Komponente abzudecken, erscheint jedoch sowieso nicht möglich. Daher bleiben Hygiene und die Stärkung der körpereigenen Immunabwehr die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Klebsiellen.




