Memory, Melken und Mitmischen
CDU Ostholstein gegen Nationalpark
Die CDU formiert sich im Widerstand gegen den geplanten Nationalpark Ostsee. Der Kreisverband Ostholstein der Partei hat am Montag dieser Woche im Ausschuss für Natur, Umwelt, Bau und Verkehr eine Empfehlung für den Kreistag zur Abstimmung gebracht, die Einführung eines Nationalparks Ostsee abzulehnen. Vielmehr solle der Kreis darauf hinwirken, dass mehr Konkretes für den Schutz der Ostsee unternommen werde. Die Verwaltung möge sich dazu mit sinnvollen Maßnahmen einbringen.
Der Antrag wurde im Ausschuss mit den Stimmen der CDU, der FDP und der Freien Wähler gegen die der SPD und der Grünen mit acht gegen fünf angenommen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Sebastian Schmidt, rechnet mit demselben Ergebnis bei den Mehrheiten im Kreistag. Weitere CDU-Kreisverbände würden ähnliche Beschlüsse initiieren, so Schmidt. Beim Landesparteitag der CDU am 5. Oktober werden laut Schmidt alternative Maßnahmen zum Schutz der Ostsee aufgezeigt.
Eine Uneinigkeit seiner Partei in dieser Frage sieht Schmidt nicht. Er geht davon aus, dass es eine klare Mehrheit für die Ablehnung eines Nationalparks geben werde: „Sie hören mich sehr zuversichtlich!“
Qualifizierungsangebote im Fokus
Ganz im Zeichen des diesjährigen Jahresmottos „Zukunft Land“ und der Qualifikationen, die der LandFrauenverband Schleswig-Holstein anbietet, stand die diesjährige Präsentation der LandFrauen auf der Norla.
Über alle vier Tage lief die Aktion „Bean Bag“, angelehnt an das Freizeitspiel, das derzeit weltweit beliebt ist. Das Gute ist: Die Regeln sind einfach und jeder kann mitmachen. So konnten die Messebesucher mit den Bohnenbeuteln ein Ziel anvisieren und dabei wählen, welche Themen sie für die Zukunft des Landes besonders beschäftigten. Entsprechend der Farbe des jeweiligen Zielloches setzten sie Legosteine und bauten so während der Messe ein „Zukunftshaus“. Die Auszählung ergab, dass von 817 befragten Personen 354 einen roten Stein setzten. Rot stand für die ärztliche Grundversorgung. 169 entschieden sich für Blau, die Daseinsvorsorge (Kita, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Glasfaser), 158 für Grün, Mobilität, und 136 für Gelb, bezahlbarer Wohnraum. Für den Verband ergab diese Auswertung ein Stimmungsbild für die aktuelle und künftige Arbeit.
Erstmals stand in diesem Jahr jeder Tag unter einem besonderen Thema rund um die Qualifizierungsangebote des Verbandes. Den Start machten die digitalen Patinnen. Über 70 wurden seit 2021 in Kooperation mit dem Breitband-Kompetenzzentrum ausgebildet. Vier von ihnen aus dem LandFrauenverein Aukrug waren vor Ort, um gemeinsam mit Anna Brandt, beim Kompetenzzentrum verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, über das Angebot zu informieren. „Wir haben festgestellt, dass die nötigen Anschlussquoten für Glasfaseranschlüsse in den Gemeinden oft nicht erreicht wurden. Deshalb ist es für uns wichtig, den Verbrauchern zu zeigen, wie sie vom Umgang mit Tablet und Handy profitieren“, so Brandt. LandFrau Inge Höft nahm an einer der allerersten Schulungen teil und bietet heute mit LandFrauen aus ihrem Verein Kurse für Neueinsteiger und Fortgeschrittene an. Die nächsten beginnen am 20. September. Wer dieses Angebot bei sich in Umgebung wahrnehmen möchte, kann sich an Hanna Brandt wenden, die Kontakte zu allen digitalen Patinnen im Land hält (Tel.: 04 31-57 00 50 91).
Vorgestellt wurde auch die Qualifizierung zur Büroagrarfachfrau (Baff). Zu Gast war dazu Rechtsanwältin Beate A. Fischer. Sie appellierte anhand von Beispielen aus ihrem Arbeitsalltag, sich rechtzeitig um die Rentenversicherung zu kümmern und sich bei Eheverträgen, Investitionen und Bürgschaften beraten zu lassen, um im Alter nicht vor dem Nichts zu stehen. Die Fachanwältin bot Vorträge zu diesem Thema in den LandFrauenvereinen an. Kammerpräsidentin Ute Volquardsen betonte in ihrem Grußwort, dass sie die Ausbildung zur Baff gerade auch in diesen Fragen gestärkt habe.
Sachlichkeit, aber mit Nachdruck
Um es vorweg zu sagen: Der Landesbauerntag war von Politik und Sachthemen geprägt. Wer einen donnernden und tönenden Landesbauernpräsidenten erwartet hatte, konnte enttäuscht sein, bekam dafür aber einen komprimierten und konzentrierten Abriss zur Situation der Landwirtschaft ohne jede Polemik und mit einem starken Willen, die Forderungen der Landwirtschaft gegenüber der Politik zu platzieren. Klaus-Peter Lucht hielt sich nicht lange mit Grußworten auf und kam gleich zur Sache. Die Lage ist zu ernst.
In Schleswig-Holstein ist der Kampf um die Deutungshoheit der CO2-Reduzierung durch Wiedervernässung von Mooren in vollem Gange. Es muss um Lösungen für die Landwirtschaft gehen und nicht um deren Abschaffung in den Niedermoorregionen, machte Lucht deutlich und hatte Vorschläge parat, die gangbare Wege zeigen: vom Flächentausch über Flurbereinigung bis zur Gründung von Energiegenossenschaften für Moorstandorte. Diese sollen über Flächenbündelung eine energetische Nutzung von Vernässungsstandorten sowie den wirtschaftlichen Erhalt von Grünlandstandorten gewährleisten.
Dass Landwirtschaft kein Selbstzweck ist und der Gewinnerzielung dient, ist für Lucht selbstverständlich und stand über den Gesprächsrunden. Genauso ist es sein Anliegen, alle Akteure an einen Tisch zu rufen. Das machte er zum Beginn der Landesbauernwoche mit dem neuen Diskussionsformat des Norla-Milchfrühstücks. Noch fehlte ein Teilnehmer aus dem Umweltministerium in der Runde neben Landwirten, Bankern, Meiereiwirtschafts- und Handelsvertretern. Aber dem umtriebigen Präsidenten wird auch das noch gelingen.
Die Gastrednerin Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), ließ in ihrem Vortag beim Landesbauerntag pragmatische Töne verlauten, als sie davon sprach, wie wichtig gegenseitige Anerkennung sei und dass auch mit intensiver Landwirtschaft mehr Biodiversität zu erreichen sei.
Die Sorge um den Verlust von Tierbeständen treibt die Landwirtschaft um, machte Lucht beim Bauerntag klar. Das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung unter Führung des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Jochen Borchert (CDU) hat aufgehalten, würde man im Norden sagen. Das ist ein schlechtes Zeichen. Denn dahinter stehen die Tatenlosigkeit von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) oder seines Hauses und die Nichtannahme der Reformvorschläge.
Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) nahm die Vorlage an und betonte, die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen diene keinem Selbstzweck, sondern der gesellschaftlichen Aufgabe der Erzeugung von Nahrungsmitteln und Ernährungssicherheit. Es könne nicht das Ziel sein, die Nutzung aufzugeben. Dennoch machte er deutlich, ein „Weiter wie bisher“ werde nicht möglich sein. Auch er ist der Meinung, die Berliner Ampel-Koalition habe mit der Aufgabe des Kompetenzzentrums Nutztierhaltung eine Chance vertan. Landwirtinnen und Landwirten fehle weiter eine Orientierung vonseiten der Politik. Er kündigte an, die Agrarministerkonferenz am 20. und 21. September in Kiel werde sich mit dem Thema Tierhaltung beschäftigen. Dann werden Verbandspräsident Lucht und Minister Schwarz sich wieder gegenüberstehen. Der Bauernverband ruft zur Demonstration und Meinungsbekundung am 21. September in Kiel auf. Hoffentlich können die Demonstranten Minister Schwarz zu mehr Nachdruck verhelfen!
Beschleunigungsgesetze und lange Lieferzeiten
Das Land Schleswig-Holstein hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2030 15 GW Windenergieleistung an Land zu errichten und bis 2045 klimaneutral zu sein. Das neu eingerichtete Referat für Windenergieplanung im Innenministerium des Landes arbeitet an neuen Regionalplänen, die bis 2026 vorliegen sollen. Während der Onshore-Windenergie-Konferenz windWert wurde vorige Woche in Kiel vorgestellt, nach welchen Kriterien das Innenministerium dabei vorgeht.
Um „Rotor in“ oder „Rotor out“, die mögliche Kombination von Windenergie mit Speichern, Herausforderungen durch lange Lieferzeiten und Hacker-Angriffe sowie Innovationen im technischen Service ging es bei der Konferenz, zu der sich 130 Branchenvertreter trafen. Die windWert wird jährlich organisiert von der Netzwerkagentur Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (EE.SH).
Rotor in oder Rotor out – dürfen die Flügel der Windenergieanlage (WEA) über die Grenzen des Windeignungsgebietes hinausragen? Schleswig-Holstein arbeite mit der Rotor-in-Regelung, machte ein Mitarbeiter des zuständigen Innenministeriums deutlich, auch wenn es einen Ermessensspielraum von einigen Metern gebe. Außerdem hat sich die Landesregierung im Koalitionsvertrag dafür ausgesprochen, die Abstände zur Wohnbebauung nicht zu verringern. So seien die Klimaziele nicht zu erreichen, hielt Marcus Hrach vom Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (LEE SH) dagegen: „Dann brauchen wir 3,8 Prozent Windenergie-Vorrangflächen.“ Laut Innenministerium werden rund 3 % der Landesfläche in den neuen Windenergie-Regionalplänen benötigt, um die selbst gesteckten Ziele des Koalitionsvertrages und die Bundesvorgaben zu erreichen.
Dabei komme die Repowering-Regelung aus den Regionalplänen weiter zur Anwendung. Demnach dürfen Windenergie-Anlagen, die außerhalb von Vorrangflächen stehen, nicht an derselben Stelle durch neue ersetzt werden, sondern der Betreiber muss sich einen Standort innerhalb eines extra für Repowering ausgewiesenen Vorranggebietes suchen und für eine neue WEA zwei alte Anlagen abbauen. Dies kritisiert der LEE SH und meint, dies stehe im Gegensatz zum neuen § 245e im Baugesetzbuch, der Teil des Windenergie-Beschleunigungspakets der Bundesregierung ist.
Auf die umfangreichen Gesetzespakete zum beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien ging auch Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer (SPD) ein. „Wir befinden uns in einer Phase großer Plastizität und Veränderungen. Vieles wird einrasten, und wenn wir es richtig angehen, haben wir für die nächsten zehn Jahre stabile Rahmenbedingungen.“
Energie aus Windenergie- und Photovoltaikanlagen ist wetterabhängig, die Verfügbarkeit schwankt stark, entsprechend volatil sind auch die Strompreise. Speicher könnten in Zeiten von viel Wind und Sonne, wenn der Strom billig ist, die Energie aufnehmen. Wenn es dunkel ist, kein Wind weht und die Strompreise entsprechend steigen, könnte die Energie wieder ausgepeichert und verkauft werden. Die Arge Netz entwickelt ein Flexibilitäten-Geschäftsmodell und plant, dafür einen 56-MW-Batteriespeicher zu bauen.
Im Gegensatz zu Photovoltaikanlagen können Windparks auch nachts Strom liefern – jedoch nur, wenn sie leise genug sind. Ein Großteil der Anlagen muss aus Lärmschutzgründen nachts leistungsreduziert betrieben werden. Axel Sachse von DNV Energy Systems Germany stellte „Trailing Edge Serrations“ vor. Die sägezahnförmigen Anbauteile verwirbeln den Luftstrom an der Rotorblatt-Hinterkante so, dass die Anlagen um bis zu 3 dB leiser gemacht werden können. Dadurch können Anlagen nachts weniger leistungsreduziert betrieben werden. Dies sei außerdem eine Maßnahme zur Netzstabilisierung, erklärte Sachse mit Verweis auf das novellierte Energiesicherungsgesetz. Zudem könnten die Anlagen, je nach Typ, einen um 3 bis 10 % erhöhten nächtlichen Jahresenergieertrag erzielen.
„Bei der windWert können sich Projektierer, Betreiber und Finanzierer von Windparks mit Dienstleistern und Vertretern aus Politik und Verwaltung austauschen“, erklärt EE.SH-Projektmanager Holger Arntzen, der die Konferenz seit 13 Jahren zusammen mit Projektmanagerin Katja Rosenburg organisiert.
Erwartungen an Paludi kommen zu früh
„Anbau und Ernte von Paludikulturen – Ertragserwartungen und Ansprüche“ war der Titel der vierten Veranstaltung in der Reihe „Zukunft der Landwirtschaft in den Niederungen“ des Ministeriums für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV), die wieder auf der Klimafarm in Erfde stattfand. Wer allerdings mit „Ertragserwartungen und Ansprüchen vor Ort“ gekommen war, wurde enttäuscht. Dafür gab es Sachvorträge zum Thema.
Das können wir Ihnen leider noch nicht sagen“, war die häufigste Antwort auf Fragen aus dem Publikum, das mit sieben Landwirten aus der Eider-Treene-Sorge-Region nicht allzu zahlreich war. Nur so viel: Vor vier Wochen wurden rund 200 Ballen auf 96 ha vernässter Fläche der Klimafarm geerntet – „was dort eben so wächst“, so Arndt Behrendt von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Nächstes Jahr sollen es 112 ha sein, stufenweise bis hin zu 400 ha im Zeitraum der zehn Jahre Projektzeit. Was noch nicht vernässt ist, wird vorerst verpachtet. Auch die Erntemenge ist noch nicht abzusehen. Marie Bajohr, Landwirtin der Klimafarm, rechnet mit 10 bis 16 t/ha Frischmasse, was 4 bis 6 t/ha Trockenmasse entspreche, ein ordentliches Spektrum
85.000 ha Moorfläche in Schleswig-Holstein kommen für Vernässung infrage, führte Dr. Thorsten Reinsch vom MLLEV auf, davon 67.000 ha Grünland und 18.000 ha Acker. Betroffen wären rund 4.000 landwirtschaftliche Betriebe, allerdings unterschiedlich stark: 37 % haben weniger als 20 % Mooranteil, weitere 21 % 20 bis 40 % Anteil, 41 % einen höheren. „Wer weniger Moor hat, ist natürlich flexibler“, so Reinsch. Ob mit oder ohne Wiedervernässung sieht Reinsch als Herausforderungen der Landwirtschaft in den Niederungen den Umgang mit zunehmendem Starkregen und Hochwasser, die Kompensation längerer Trockenperioden und die Bewirtschaftung bei hohen Grundwassersständen.
Welches Potenzial da Paludikulturen bieten, hat Anke Nordt von der Universität Greifswald ausgiebig untersucht am Beispiel von Schilf, Rohrkolben, Gräsern wie Seggen oder Rohrglanzgras und Torfmoos. In Vorpommern unterhält die Uni Paludi-Versuchsfelder von 900 ha, davon rund 100 ha Schilf.
Schilf hat eine lange Tradition als Dachbedeckung, entsprechend gibt es umfangreiches Wissen darüber – auf 1862 datiert die erste Veröffentlichung. Die Standortbedingungen sind: feucht bis Überstau, ¼ bis vier Pflanzen pro Quadratmeter, Ernte hauptsächlich im Sommer, Schnitthöhe 30 cm. Vorteilhaft ist die spontane Sukzession nach Wasserstandsanhebung. Der Abnahmebedarf ist groß, die Firmen haben dezidierte Anforderungen und Sortenasprüche für Dachreet.
Rohrkolben ist neu im „Geschäft“, deshalb gibt es noch wenig Erfahrung und vor allem wenige „Abnahmekanäle“. Auch hat die Uni Greifswald für diese Art nur 10 ha in Kultur. Rohrkolben ist überstaugeeignet, 100 bis 200 Samen pro Quadratmeter, Schnitthöhe 10 bis 20 cm, Ernte im frühen Winter. Nach einiger Zeit droht eine Verdrängung durch andere Arten.
In gleicher Weise wurden von Anke Nordt weitere Pflanzenarten besprochen sowie die Herausforderungen bei der Etablierung und der Ernte von Paludikulturen. Auch eine Kostenabschätzung nahm sie vor. Der vollständige Vortrag wird zeitnah auf der Homepage des MLLEV zur Verfügung stehen unter
https://t1p.de/5pv54
Die Frage eines Landwirts, ob man zum Moorschutz nicht auch natürlich gewachsenes Grünland belassen könne, wurde von Reinsch bejaht: „Es gibt nicht nur die eine oder andere Lösung, auf mineralischen Böden mit dichter Grasnarbe ist Grünland weiter möglich.“
Auf einem 25 ha großen Feld, das in diesem Herbst vernässt wird, erklärte Reinsch die Messstation der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel. Dort wird zum späteren Vergleich zunächst der jetzige Status aufgenommen – neben üblichen Wetterparametern der Gehalt von CO2, Methan und Lachgas in der Umgebung. Besonderheit: Es werden auch Turbulenzen in der Luft erfasst. Entwickelt sich das Feld als CO2-Senke oder -Quelle? Reinsch: „Wir sind froh, wenn das Moor CO2-neutral bleibt. Es ist ein riesiger Speicher. Das muss drinbleiben!“



