Der Himmel am Milchmarkt ist aktuell bereits mit dunklen Wolken behangen. Grund dafür ist bekanntlich die nicht nur in Deutschland, sondern auch EU-weit enorm gestiegene Milchmenge. In Deutschland und den Niederlanden fällt der Produktionsanstieg europaweit gesehen aber am stärksten aus. In beiden Ländern liegen wir nach wie vor mehr als 7 % über der Vorjahreslinie. EU-weit gesehen sind es immerhin 5 %. Blicken wir nach Nordamerika fällt der Abstand zur Vorjahreslinie noch dramatischer aus. Die Milchpreise befinden sich entsprechend in einer Abwärtsspirale, die erst stoppen wird, wenn sich die angelieferte Milchmenge signifikant verringert. Dass ein so deutliches Überangebot die Preise abstürzen lässt, haben wir in der jüngsten Vergangenheit unter anderem auch beim Getreide, den Kartoffeln und den Schweinen miterlebt. Da kann man sich drüber ärgern, dagegen protestieren und auch an die Moral des LEH appellieren: Die Gesetze des Marktes lassen sich dadurch aber nicht aushebeln.
Chinesische Strafzölle auf EU-Milchprodukte
Ein wichtiges Entlastungsventil ist aktuell der Export. Aufgrund des inzwischen niedrigen Preisniveaus für Milchprodukte ist die EU auf dem Weltmarkt durchaus konkurrenzfähig. Auch wenn der gerade in den vergangenen Tagen noch stärker gewordene Euro diese Konkurrenzfähigkeit etwas dämpft. Aber gerade im Export ziehen aus China nun zusätzliche dunkle Wolken heran. Relativ spontan, mit Wirkung vom 23. Dezember 2025 hat die chinesische Regierung teilweise sehr hohe Strafzölle auf die Einfuhr europäischer Milchprodukte verhängt. Diese wurden zwar schon seit Längerem angedroht, bisher gerieten aber nur einzelne Meiereien in den Niederlanden, in Belgien, Frankreich und Italien in den Fokus. Nun trifft es aber auch einige deutsche Meiereien, wie zum Beispiel das DMK, Arla Foods Deutschland oder die Meierei Ammerland. Insgesamt betroffen sind über 50 europäische Milchverarbeiter, deren Produkte mit einem zusätzlichen Zollsatz von 21,9 bis 42,7 % belastet werden. Der Grund für diese Zölle ist der E-Auto-Streit zwischen China und der EU. Es sind von diesen Strafzöllen aber nicht nur Milchprodukte betroffen, auch der Schweinefleischsektor wird belastet. Damit müssen die europäischen Landwirte mal wieder für die Autoindustrie die Zeche zahlen, die sich mithilfe ihrer großen Lobby erfolgreich gegen billige Import-E-Autos aus China wehrt.
Rinderbestände stabil
Die Exportzölle sind aber nicht die einzige Meldung, die dieser Tage neu aufkommt und das Leiden am Milchmarkt in die Länge ziehen könnte. Auch die neuesten Zahlen zur Entwicklung der Rinderbestände gehen in diese Richtung. Nachdem die Mai-Zählung noch deutliche Rückgänge verzeichnete, kommt es nach den neuesten Zahlen der November-Zählung erstmals seit Jahren wieder zu einer Seitwärtsbewegung. Die Gesamtzahl der Rinder in Deutschland hat sich nur um 0,4 % auf 10,4 Millionen Tiere nach unten entwickelt. Bei den Milchkühen ist sogar ein minimales Plus von 0,2 % zu verzeichnen. Rechnet man nun noch die jährliche Leistungssteigerung hinzu, verschiebt sich die Hoffnung auf eine baldige Verknappung der Milchmenge immer weiter nach hinten.




