Im südlichen Hamburger Stadtteil Harburg existiert seit 1926 ein Stadtpark, in dem der zentrale, 25 ha große Außenmühlenteich das Hauptgestaltungselement darstellt. Um das Gewässer erstrecken sich vielfältige Wasser- und Uferlandschaften, Laubmischwald, Feuchtwiesen, Feldgehölze und Parkelemente an mehr oder weniger steilen Hängen. Themengärten, Promenaden und Wald- und Uferwege laden zu ausgedehnten Spaziergängen durch das 90 ha große Parkgelände ein.
Der Harburger Stadtpark ist mit seinem zentralen Gewässer und den umliegenden steilen Hängen und Plateaus ein Ausläufer der Harburger Berge im Süden der Hansestadt. Das Gewässer stammt aus dem Jahre 1565, als der Harburger Herzog Otto II. die Engelbek zu einem Teich aufstauen ließ, um eine Wassermühle zu betreiben. Die Mühle und das Gewässer lagen damals außerhalb des Stadtgebietes, weshalb es als Außenmühlenteich bezeichnet wurde, was auch heute noch als Name verwendet wird. 1890 wurde das Areal durch die Anlage einer Badeanstalt am Ostufer als Freizeit- und Erholungsgebiet für die Harburger Bevölkerung erstmalig interessant.
Stadtparkentwicklung und Volksparkbewegung
Nachdem 1907 erste 3,5 ha und später 1913 weitere 18 ha von der Stadt Harburg erworben wurden, konnte der Entschluss reifen, das Gebiet zu einem Stadtpark zu entwickeln. Es war die Zeit, in der die Volksparkbewegung ihre Hochphase erlebte und auch der Hamburger Stadtpark in Winterhude und der Altonaer Volkspark angelegt wurden. Die Stadtväter und Grünanlagenplaner hatten im Sinn, durch den Bau öffentlicher Parkanlagen für Erholung, Freizeit und Bewegung zur Erhöhung der Volksgesundheit beizutragen. Die Grünanlage sollte in erster Linie eine öffentliche Fläche für die zunehmende und oft beengt wohnende Bevölkerung Harburgs sein. Ziel der Planungen war eine Grünanlage als Bewegungsraum mit Sport- und Spielflächen, aber auch interessanten Erholungs-, Freizeit- und Bildungsangeboten.
Mit der Parkgestaltung wurde ab 1913 der Stadtobergärtner Georg Hölscher beauftragt. Er nutzte die natürlichen Höhenunterschiede von bis zu 30 m zur Park- und Landschaftsgestaltung mit Wiesentälern, Hügelrücken, Heide- und Moorlandschaften, Misch- und Bruchwäldern. Die Gestaltungsarbeiten erstreckten sich, auch durch kriegsbedingte Verzögerungen, weit in die 1920er Jahre hinein, 1926 wurde der erste Teil des Parks feierlich eröffnet, damals noch in der Stadt Harburg, die erst seit 1937 ein Stadtteil von Hamburg ist. Nach dem Tod Georg Hölschers setzte sein Sohn Ferdinand als Leiter der Garten- und Friedhofsabteilung die Entwicklung des Harburger Stadtparks fort. In den frühen 1930er Jahren wurde zum Erlernen praktischen Wissens in den Bereichen Gartenbau und Landwirtschaft ein Schulgarten mit Unterrichtsplätzen im Freien eingerichtet. Es handelte sich vor allem um eine formal gegliederte Anlage mit verschiedenen Sondergärten, die auch heute noch vorhanden sind.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten weitere Grundstücke durch die Stadt hinzuerworben werden. Später kamen weitere Flächen wie das Grundstück der ehemaligen Zündschnurfabrik, der Eichenhügel und die Langenbekschen Wiesen hinzu, sodass der Park sich allmählich zur heutigen Größe von 90 ha entwickelte.
Park für Erholung, Erlebnis, Bewegung und Freizeit
Der Stadtpark ist auch heute noch eine beliebte Grünanlage der Harburger und ihrer Gäste für Freizeitgestaltung, Erholung, Sport sowie Natur- und Kulturerlebnis. Zentraler Anlaufpunkt ist der Außenmühlendamm mit der Promenade, dem herrlichen Blick über den Außenmühlenteich, einer Allee, Park- und Sitzmöglichkeiten sowie den beiden nahe gelegenen gastronomischen Einrichtungen. Neben dem vornehmen Restaurant und der Eventlocation Leuchtturm mit Seeterrasse, Festsaal und Weingrotte gibt es am östlichen Ufer das Bootshaus Außenmühle, ein Imbisslokal mit Winter- und Biergarten und einem Tretbootverleih. Von hier aus kann man also auch mit einem gemieteten Boot den Park einmal von der Wasserseite aus erleben. Der Außenmühlendamm ist zudem die Flaniermeile, auf der Veranstaltungen stattfinden wie das Harburger Außenmühlenfest, Laternenumzüge oder das White Dinner, das bereits auf eine zehnjährige Tradition zurückblicken kann.
Früher war der am Marmsdorfer Weg im Westen am Dahlengrund gelegene Zugang der Haupteingang. Die dort stehende dreiteilige Toranlage von 1926 aus Backstein wurde 2017 umfassend saniert. Von hier hat man bereits einen Blick auf den See, zu dem man durch eine Feuchtwiese mit Orchideen gelangt. Vom Holzsteg durch das Feuchtareal kann man mit Glück Exemplare des Breitblättrigen Knabenkrautes entdecken. Mit seinen Feuchtwiesen, Ufer- und Wasserlebensräumen, aber auch Waldarealen, Freiflächen und unterschiedlich exponierten Hängen bietet der Harburger Stadtpark für naturkundlich interessierte Besucher zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Neben 170 Pflanzenarten kann man auf dem Wasser Grau- und Kanadagänse, Höckerschwäne, Haubentaucher, Zwergtaucher, Gänsesäger, Kormorane und verschiedene Entenarten sehen, dem Gesang des Teichrohrsängers im Schilf lauschen oder sogar Kleinspecht oder Eisvogel beobachten. Fünf Fledermausarten, Großer Abendsegler, Breitflügel-, Wasser- und Zwerg- sowie Rauhautfledermaus, sind im Gebiet heimisch. Fast zahme Nutrias, Stockenten und Wasserrallen können am Wegesrand sitzen.
Interessant ist auch die Vielfalt der Gehölze von rund 100 Arten, wobei neben den heimischen Erlen, Rosskastanien, Linden, Birken, Kiefern, Eiben, Eschen, Eichen und Buchen auch die fremdländischen Arten der dendrologischen Sammlung noch im Gebiet anzutreffen sind. Dazu gehören beispielsweise Blumeneschen, Platanen, Ginkgo, Trompetenbaum, Magnolie, Sumpfzypresse, Riesen-Lebensbaum, Schmetterlingsstrauch, Judasbaum, Rhododendron, Hartriegel, Schneebeere, Kirschlorbeer, Schneeball, Roteiche und verschiedene nicht heimische Kiefern- und Fichtenarten.
Einige Skulpturen und Denkmäler befinden sich auf dem Stadtparkgelände. Neben einem Denkmal für den Parkentwickler Georg Hölscher gibt es einen Ehrenbrunnen von 1909 für den ehemaligen Harburger Bürgermeister Julius Hermann Ludowieg. Zu dem „Geparden“ von Hans Martin Ruwoldt von 1965 gesellen sich auch zwei neuere Kunstwerke: Die „Glücklichen Maße“ von Hubert Kiecol und „Hausungen“ von Winni Schaak. Auf einem Hang an der Westseite des Mühlenteiches befindet sich an einem schönen Aussichtspunkt mit Bank, der Beethovenhöhe, ein Gedenkstein, der zum 100. Todestag des Musikers aufgestellt wurde.
Die Themengärten
Auf einer Anhöhe im Nordwesten des Parks befinden sich die Elemente des ehemaligen Schulgartens, die heute als Themengärten oder auch Gärten der Jahrtausende bezeichnet werden, wo unter anderem in vereinfachter Form Stilepochen der Gartenkunst dargestellt werden. So gibt es den Jugenstilgarten mit rosenberankter Laube, das Barockparterre mit geschnittenen Buchsbaumhecken, den mittelalterlichen Bauerngarten oder den Neuzeitgarten mit Horsten von Chinaschilf und blühenden Rudbeckien. Hinzu kommen der Arznei- und Apothekergarten mit Heil- und Giftpflanzen, ein Kräutergarten sowie ein verwilderter Nachtfaltergarten mit Ilex, Phlox, Spiraea und Rosa canina.
Zudem gibt es ein Areal mit Kirschbäumen, Laubengängen mit Bänken und Buchten, geschnittenen, zum Teil bogenförmigen Hecken von Rotbuche, Hainbuche, Hartriegel und Pfaffenhütchen, ein Aussichtsplateau auf den Mühlenteich und den runden, von Hecken und Bäumen gesäumten Gymnastikrasen, auch als Tanzplatz bezeichnet, im östlichen Bereich des Schulgartens. Im Schulgarten merkt man aber auch an einigen Stellen, dass man sich in einem Stadtpark befindet, der von urbanen Bereichen, hier besonders von der lauten B 75, umgeben ist.
Sportbegeisterte kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Es gibt 16 km Wege im Park für Wanderer und Jogger, Trimm-Einrichtungen, Nordic-Walking-Areale, Rasenfreiflächen für Ballspiele und Frisbeekörbe. Für Kinder gibt es neben dem Freizeitbad Midsommerland mit Innen- und Außenbecken und Saunalandschaft drei unterschiedliche Spielplätze, beispielsweise einen Wasserspielplatz und einen mit einem Piratenschiff. Hinzu kommen Tretbootfahrten sowie Picknick- und Grillmöglichkeiten.
Die historische, von Hecken eingefasste Freilichtbühne unterhalb der Eichenhöhe steht für unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen in ansprechendem Ambiente zur Verfügung. Seit 2018 findet beispielsweise jährlich der „Sommer im Park“ statt, bei dem bis zu 900 Zuschauer Lesungen, Theater, Musikveranstaltungen und vieles andere auf der Freilichtbühne erleben können.
Abstecher in die Harburger Berge
Von Harburg lässt sich auch gut noch ein Abstecher in den Wildpark Schwarze Berge, gelegen im nördlichen Niedersachsen in den Harburger Bergen, unternehmen, wo etwa 100 heimische Tierarten zu bewundern sind, darunter Wolf, Wisent, Luchs und Europäischer Braunbär. Ebenfalls in den Harburger Bergen auf Hamburger Gebiet liegt das Freilichtmuseum am Kiekeberg. Hier kann man das Alltagsleben früherer Generationen in mehr als 40 historischen Gebäuden und Gärten erleben. Gartenfreunde fahren dort im August hin, um den größten Pflanzenmarkt Norddeutschlands zu besuchen.




