Auch im Sommer können einige Wurzelgemüsearten noch ausgesät werden. Die Wahl der geeigneten Sorte spielt dabei eine wichtige Rolle. Wer jetzt zur Samentüte greift und auf geräumten Beeten aussät, erntet bis weit in den Herbst hinein knackige Wurzeln.
Frisch vom Beet geerntet, sind Radieschen und Rettiche ein würziger Genuss. Unter der Vielzahl der Radieschensorten sind unbedingt geeignete Sommersorten wie ‚Riesenbutter‘, ‚Ilka‘, ‚Parat‘ oder ‚Vitessa‘ auszuwählen. Sie kommen mit den hohen Temperaturen zurecht, ohne in die Blüte zu gehen oder holzig zu werden. Lohnend ist auch die Aussaat der Sorte ‚Eiszapfen‘, die längliche, weiße Knollen bildet. Sie sehen aus wie zu klein geratene Rettiche. Dieses Radieschen schmeckt gedünstet sehr gut. Mit einer späterer Aussaat im August kann man mit etwas Glück die Flugzeit der Kohlfliege umgehen. Ihre Maden treten an fast allen Gemüsearten aus der Familie der Kohlgewächse auf und futtern sich munter durch die Knollen von Radieschen & Co. Tipp: Durch Gemüseschutznetze mit der geeigneten Maschenweite lässt sich ein Befall wirksam verhindern.
Schon kleine geräumte Flächen lassen sich prima für die Nachkultur nutzen.
Bei Rettichen stehen noch die Sommerrettiche wie ‚Rex‘ oder ‚Neptun‘ für eine Aussaat bis Anfang August oder die Herbst- und Winterrettiche zur Auswahl. Hier empfehlen sich die Sorten ‚Minowase Summer Cross‘, ‚Münchner Bier‘ oder ‚Runder Schwarzer Winter‘. Sie kommen von Anfang Juli bis Ende August in den Boden. Sommerrettiche benötigen acht bis zehn Wochen von der Aussaat bis zur Ernte. Für Winterrettich rechnet man etwas länger. Rettich lagert im Speichergewebe Senföle ein. Diese sind für den mitunter recht scharfen Geschmack verantwortlich. Wichtig für den erfolgreichen Anbau von Rettich ist der optimale Boden. Gut geeignet sind lockere, tiefgründige Sandböden mit hohem Humusanteil und gleichmäßiger Bodenfeuchte. Kalkhaltige, dichte Lehm- und Tonböden sind für Rettich nicht geeignet. Die Knollen formen sich auf solchen Standorte meist nicht gleichmäßig aus.
Etwas unbekannter, trotzdem einen Anbauversuch wert, ist das Teltower Rübchen, eine sogenannte Herbstrübe. Die Aussaat kann noch bis Mitte August erfolgen. Auch die Herbstrübe ‚Plessis‘ empfiehlt sich für experimentierfreudige Gärtner. Die plattrunde Rübe kann sowohl im Frühjahr von April bis Mai als auch im Herbst von August bis September ausgesät werden. Auch ein Anbau im Gewächshaus ist möglich. Etwa acht bis zehn Wochen vergehen von der Aussaat bis zur Ernte, je nach Sorte und gewünschter Rübengröße.
Die Frühjahrsvariante der Herbstrübe nennt sich Mairübe. Diese wird sehr zeitig gesät und kommt nur auf eine sechswöchige Kulturdauer. Tipp: Wer noch Samen vom Frühjahr zu liegen hat, kann den Herbstanabau mit einer Aussaat bis Mitte August ausprobieren. Speiserüben schmecken gedünstet oder geschmort sowie als Salatzugabe.
Für die Möhrenaussaat im Juli empfehlen sich früh reifende Sorten wie ‚Laguna‘, ‚Gonsenheimer Treib‘ oder die runde ‚Pariser Markt‘. Diese Sorten sind etwa 80 Tage nach der Aussaat erntereif. Wer rund 100 Tage auf die Ernte warten kann, sät ‚Nantaise 2‘ oder die zuckersüße ‚Flyaway‘. Beide Sorten eignen sich besonders gut für die Aussaat in der ersten Julihälfte. Als mittelfrühe Möhren bilden sie aromatischere Wurzeln aus. Die frühen Möhren punkten hingegen mit besonders zarten Wurzeln. Die Angaben zum jeweiligen Reihenabstand finden sich auf der Rückseite der Samentüte. Diese Empfehlung sollte unbedingt eingehalten werden, denn die Wurzeln benötigen ausreichend Platz für ihre Entwicklung. Im warmen Sommerboden keimen Möhren nun zügig, genügend Feuchtigkeit vorausgesetzt. Sie bevorzugen einen durchlässigen, leicht kalkhaltigen Boden. Frische organische Düngung vertragen die Wurzeln nicht. Als Nachkultur kommt der Mittelzehrer mit den noch vorhandenen Nährstoffen aus, wenn der Boden im Frühjahr gut versorgt wurde. Die späte Aussaat bietet neben der Ernte frischer Möhren im Oktober zudem den Vorteil, dass die Wurzeln von der Möhrenfliege verschont bleiben. Ihre Flugzeit ist nun vorüber.
Rote Rüben, auch Rote Bete genannt, bevorzugen einen mittelschweren, lehmigen Boden mit wasserdurchlässiger und humoser Beschaffenheit. Dieses Wurzelgemüse darf nicht nach Spinat angebaut werden, denn beide Arten gehören zur Familie der Gänsefußgewächse. Eine Anbaupause von drei bis vier Jahren sollte eingehalten werden. Die Nährstoffansprüche der Roten Bete fallen gering aus, auch der Wärmebedarf hält sich in Grenzen. Dennoch ist ein sonnig gelegenes Beet sehr wichtig, damit die Wurzeln kein Nitrat ansammeln. Die Ernte beginnt je nach Aussaattermin, gewählter Sorte und Entwicklung ab September. Die Sorten unterscheiden sich in der Form: runde, plattrunde oder zylindrische Rüben. Plattrunde Sorten haben in der Regel eine Entwicklungszeit von 80 Tagen. Zylindrische und runde Sorten brauchen etwa drei Monate von der Aussaat bis zur Reife. Tipp: Als Baby-Beets mit nur wenigen Zentimetern Durchmesser schmecken Rote Rüben besonders zart. ‚Forono‘ und ‚Cylindra‘ liefern mit ihren walzenförmigen Wurzeln einen hohen Ertrag. Wer lieber runde Sorten mag und gern etwas mehr Farbe auf dem Tisch möchte, wählt die ‚Hula-Hoop-Mischung‘ mit je einer roten, weißen, gelben und weiß-rot geringelten Sorte. Die Farben lassen sich schon auf dem Beet erkennen, sodass die Ernte gleichfarbiger Partien möglich ist.
Fotos: Karin Stern




