Vor 50 Jahren hob eine Handvoll Frauen den LandFrauenverein Kiel aus der Taufe. Wozu das in einer Stadt, mag so manche gedacht haben, doch die Sinnhaftigkeit war damals und ist heute sehr deutlich. Mehr denn je sei es geboten, die positive Verbindung von Stadt- und Landleben zu gestalten. „Wir wollen Brücken bauen, das gegenseitige Verständnis fördern“, sagte Andrea Taube. Seit drei Jahren ist sie die Vorsitzende des Vereins mit seinen aktuell rund 90 Mitgliedern.
Die Ökotrophologin (im Ruhestand) hatte sich damals auf Anfrage der Gründungsvorsitzenden Renate Finck gemeinsam mit Ute Torsen und Alice Engel bereitgefunden, den Verein fortzuführen. Sie wollen die Arbeit der Frauen fortsetzen, die einst die Initiative ergriffen und den Mut hatten, den OV Kiel als Stadtverein zu gründen. Die Gäste erlebten einen kurzweiligen Rück- und Ausblick im Rahmen der Jubiläumsfeier im Hotel Kieler Kaufmann, ebenso wie Musik und eine Tombola.
„Ich feiere den LandFrauenverein Kiel“, sagte die LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen. Sie betonte die Besonderheit des Stadtvereins, der als Institution Brücken schlage zwischen Stadt und Land. Sie hob auch die „gute Gemeinschaft als starke Kraft“ der LandFrauen hervor, die stets ein Bezugspunkt für sie selbst gewesen sei. „Die LandFrauen sind der soziale Kitt vor Ort“, zitierte sie den Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU). Sie dankte vor allem dem Vorstandsteam für seinen „beherzten Einsatz und das Engagement, das dazu beiträgt, dass der LandFrauenverein Kiel bis heute besteht“, so Jürgensen. „Wir haben 158 LandFrauenvereine mit 27.000 Mitgliedern im Land, das ist eine große Kraft, die viel bewirken kann“, betonte die Präsidentin. Mit dem Blick auf das Jahresprogramm der Kieler LandFrauen sagte sie: „Hier werden Themen bearbeitet, die den Ursprung der LandFrauenvereine widerspiegeln: Weiterbildung, Treffen, Kultur, Gemeinschaft. Das wünsche ich mir für jeden Ortsverein.“
Spontan Mitglied
Dass der OV Kiel auf höchster Ebene in der Landeshauptstadt wahrgenommen werde, zeige unter anderem die Anwesenheit der Vertreter der Stadtverwaltung, sagte die Vorsitzende Andrea Taube. So betonte Alke Voß, Dezernentin für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität, das große Engagement des Vereins für den Austausch zwischen Frauen auf dem Lande und in der Stadt. Sie hob deren Aufgabe als Netzwerkerinnen hervor. „Es ist so wichtig, dass wir miteinander reden“, sagte Voß. Sie selbst fühle sich als Landfrau, sei sie doch mit dem Verein und seiner Wirkung auf ihre Mutter aufgewachsen. Spontan erklärte sie sich bereit, nicht nur reichlich Werbung für die LandFrauen zu machen, sondern auch gleich selbst Mitglied zu werden. Die Verbindung stellte sie aber nicht nur persönlich her, sondern bot auch die Unterstützung ihres Dezernats für die Arbeit des LandFrauenvereins an. Doris Voß vom KreisLandFrauenverband Rendsburg-Eckernförde, „selbst noch nicht lange LandFrau“, gratulierte dem Verein und betonte, die Älteren seien für sie ein Vorbild, denn die hätten sich die Stellung erkämpft, die die LandFrauen heute hätten. Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Klaus-Peter Lucht, ließ sein Grußwort übermitteln und hob den LandFrauenverein als „starke Stimme für die Frauen“ hervor. Gerade im städtischen Umfeld sei es wichtig, Verständnis für die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft zu wecken.
Riskante Entscheidung
Besondere Erinnerungen weckte diese Jubiläumsfeier vor allem bei den Gründungsmitgliedern und langjährigen Vorsitzenden des OV Kiel, die im feierlichen Rahmen für ihre Vereinstreue und den Einsatz geehrt wurden. Allen voran Renate Finck, die zur Gründung den Vorsitz übernommen und ihn 20 Jahre lang innehatte, und Karin Nagel, die 16 Jahre lang (bis 2021) den Vorsitz führte. „Die ,Kieler Nachrichten‘ haben damals über die Vereinsgründung als eine ,riskante Entscheidung‘ gesprochen, in Kiel einen LandFrauenverein zu gründen. Die entpuppte sich allerdings als goldrichtig. Der Verein Kiel wurde eine Erfolgsgeschichte“, erinnerte sich Nagel. Zu seinen besten Zeiten zählte er 185 Mitglieder.
„Wir waren immer ein sehr aktiver Verein und sahen es als unsere Aufgabe, Stadt und Land zu verbinden. Das hat schon Elisa Böhm 1889 als Begründerin der Landfrauenbewegung sehr vorausschauend erkannt“, erklärte Renate Finck. Über die LandFrauenarbeit sei sie auch in andere Ehrenämter gekommen, habe viele Aufgaben im Landesmedienrat, im Landesfrauenrat und anderen Organisationen übernommen. „Das hat mich sehr geprägt“, so Finck. Auch Doris Clauß möchte ihre Zeit als Vorsitzende des OV Kiel (1994 bis 2005) nicht missen. „Ich freue mich vor allem, dass sich mit Andrea Taube, Ute Torsen und Alice Engel ein neuer Vorstand gefunden hat und es im Verein weitergeht“, sagte sie. Die drei Frauen ließen die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre in einem Interview, moderiert von Andrea Taube, einmal Revue passieren.
Ein Fazit: Ja, es hat sich vieles verändert, von den Sozialen Medien über die Digitalisierung bis hin zu den Preisen für Kaffeegedecke und Saalmieten, doch eines ist unverändert geblieben: Der LandFrauenverein Kiel ist und bleibt eine aktive Gemeinschaft, die ihren Mitgliedern viel zu bieten hat. „Dass unser Verein interessant ist, zeigt unter anderem auch, dass gerade in den vergangenen Monaten auch neue Mitglieder hinzugekommen sind“, sagte Taube.
Dazu zählen unter anderem Britta Vierck (79) und Inge Hamann (78). „Ich wusste, dass es einen Verein gibt, aber im vergangenen Jahr habe ich einen Artikel über die Kieler LandFrauen gelesen und gesagt: Da mach ich mit“, so Hamann. Sie nannte Beispiele wie die Vorträge über Gesundheit, Ernährung, Architektur und nicht zuletzt das gesellige Beisammensein, die den Reiz dieses Vereins ausmachten. Und die 50 Euro Jahresbeitrag seien dafür nicht zu viel, betonten die beiden Seniorinnen. Auch bei dieser Jubiläumsfeier kamen alle Gäste auf ihre Kosten.




