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EOAP schlägt GAP

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Die Erfolgsorientierte Agrarprämie (EOAP) ist ein Alternativmodell zum aktuellen Fördersystem der Gemeinsamen EU-Agrarpolitk (GAP). „Erfolgsorientiert steht dafür, dass man Ziele des Green Deal erreicht und damit auf der Seite der Gewinner steht“, erklärte Prof. Uwe Latacz-Lohmann am Freitag vergangener Woche bei der Vorstellung der Projektergebnisse in Kiel. Der Agrarökonom und seine Mitarbeitenden Dr. Marlene Noack und Florian Tietjens haben die EOAP entwickelt und mit Unterstützung des Bauernverbandes die Praxistauglichkeit des Systems bundesweit getestet.

Das Forscherteam stellte anhand einer Umfrage fest, dass EOAP regional unterschiedlich gut ankommt. Insgesamt erfahre sie aber eine höhere Akzeptanz als das bestehende GAP-Fördersystem. Latacz-Lohmann zeigte sich von diesem Ergebnis wenig überrascht: „Die aktuellen Förderungen kommen sich teilweise ins Gehege.“ Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen der Zweiten Säule bissen sich teilweise mit den Ökoregelungen der Ersten Säule. Es gebe komplizierte Kreuztabellen. „Wir haben einmal alles vom Tisch gewischt und neu gebaut“, schilderte der Agrarökonom. Die Maßnahmen der EOAP sind mit verschiedenen Prämienhöhen hinterlegt und orientieren sich an fünf Zielen des Green Deal:

● Reduktion der N-Düngung um 20 %
● Reduktions des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln  (PSM) um 50 %
● Reduktion der N-Verluste bei Wirtschaftsdüngern um 50 %
● Aufstockung der nichtproduktiven Fläche auf 10 %
● Erhöhung der Biodiversität Die Maßnahmen für jedes der fünf Ziele erhalten zusätzlich einen Faktor.

Und nur wenn eine gewisse Zielfläche (Schwellenwert) erreicht wird, gibt es für die jeweiligen Maßnahmen Geld. Eine Prämien-Höchstgrenze ist im Modell bislang nicht vorgesehen. Für eine Umsetzung in der Praxis empfiehlt Latacz-Lohmann aber eine Grenze von 120 % der Zielerreichung. Ökobetriebe seien voll integriert, damit es keine überlappenden Förderungen gebe. Der Wissenschaftler betonte: „Die EOAP ist besser als die GAP.“ Sie sei weniger komplex und hole den Landwirt als Unternehmer ab, weil dieser für Ergebnisse bezahlt werde. Der Ökonom stellte klar, dass vor allem intensiv wirtschaftende Betriebe bei einer Umsetzung der EOAP auf „den Boden des Ordnungsrechts“ fallen könnten, dann aber auch keine Konditionalität einhalten müssten. Weitere Vorteile des Systems seien die verbesserte Kommunikation in Richtung Gesellschaft und, dass die EOAP flexibel an sich ändernde Politikziele angepasst werden könne. Sie sei beispielsweise um das Ziel Bodenschutz erweiterbar.

GAP-Budget verteidigen

Für Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) leistet die EOAP einen wichtigen Beitrag zur Diskussion, wie die GAP ab 2028 aussehen soll. Es gehe um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit der Branche. Andere Politikbereiche meldeten in Brüssel verstärkt Ansprüche an. „Wenn die Landwirtschaft ihre Beiträge für die Gesellschaft nicht verdeutlicht, steht die Agrarförderung auf dem Spiel“, mahnte Schwarz. Die EOAP zeige auf, wie die Landwirtschaft zu den GreenDeal-Zielen beitragen könne.

Pflugverzicht oft gewählt

Noack berichtete, dass deutschlandweit 140  Landwirte an den EOAP-Workshops und der Umfrage teilgenommen hätten. Drei Viertel der Betriebe hätten nach ihrer Maßnahmenwahl das erste Green-Deal-Ziel „20 % weniger N-Düngung“ erreicht. Aufgrund der weniger intensiven Wirtschaftsweise waren es im Süden tendenziell mehr Betriebe. Das Ziel „50 % weniger PSM“ haben laut Noack nur 28 % erreicht. Hier sei gegebenenfalls bei der Art der Maßnahmen nachzubessern. „Die Reduktion der N-Verluste um 50 %“ erreichten 46 % der Betriebe. Dieses Ziel werde m ehesten in viehdichten Regionen erreicht, zum Beispiel durch die Maßnahme „Gülleansäuerung“.

Ziel 4, „Aufstockung der nichtproduktiven Fläche auf 10 %“, sei von 36 % der Workshopteilnehmer erreicht worden. Das fünfte Ziel „Mehr Biodiversität“ erreichten rund zwei Drittel der Betriebe. Hier hätten die Landwirte im Süden aufgrund der jetzt schon starken Förderung in der Zweiten Säule vorn gelegen. Noack konstatierte, dass in intensiv bewirtschafteten Regionen grundsätzlich weniger Ziele erreicht worden seien. Nach ihren Angaben waren die am häufigsten gewählten Maßnahmen im Ackerbau „Pflugverzicht“ (75  %) und „Anbau großkörniger Leguminosen“ (48 %). Bei übergeordneten Maßnahmen wurde am häufigsten (zwei Drittel) der „Anbau von Winterzwischenfrüchten“ gewählt

Reicht das Geld?

Tietjens rechnete vor, dass die Workshop-Betriebe  –  einschließlich derer, die keine Ziele erreichen und somit aus dem Prämiensystem fallen – eine durchschnittliche Prämie in Höhe von 384 €/ha erhalten. Hochgerechnet auf Deutschland bräuchte man schätzungsweise rund 6,4 Mrd. €, was in etwa dem aktuellen GAP-Budget entspricht. Hinzu kämen allerdings beispielsweise eine Junglandwirteprämie und investive Förderungen in den Regionen. Der Süden würde nach Tietjens Angaben tendenziell mehr profitieren. Das sei jedoch auch heute schon der Fall aufgrund höherer Förderung durch länderspezifische Programme. In zwei laufenden Masterarbeiten werde aktuell überprüft, wie einkommenswirksam die EOAP ist und wie die Umsetzung auf der Verwaltungsebene aussehen könnte. rq

„Die Rübe gehört nach Schleswig-Holstein“

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Gut 120 interessierte Rübenanbauer waren kürzlich nach Albersdorf zur Mitgliederversammlung des ­Zuckerrübenanbauverbandes gekommen. So gut besucht sei die Versammlung lange nicht mehr gewesen, war zu hören, standen doch Wahlen im Vorstand an und ein Generationswechsel in der Anbauberatung der Nordzucker.

Die Anwesenden bekamen zunächst reichlich Fachinfos über die aktuelle Kampagne, Details zur Preisgestaltungen und einen Blick auf den internationalen Zuckermarkt im Zuge des weltpolitischen Geschehens. Informationen zur Mietenpflege gab es auch und dazu, wie im Fall drohenden Frostes zu verfahren sei, sowie zur Rübenreinigung. Bisher seien die Erntebedingungen gut, weil trocken. „Im Vorjahr hatten wir hier in der Region Ende November bis minus 13 Grad und es lagen rund zehn Zentimeter Schnee“, berichtete Georg Sander, Leiter der Agriabteilung der Nordzucker in Uelzen.

Der Vorstand des Rübenanbauverbandes, darunter, in der Mitgliederversammlung wiedergewählt, Eckhard Clausen und Dr. Andreas Schröder, hier mit Vorstandsmitglied Jochen Johannes Juister (v. li.). Ove Clausen fehlt auf dem Bild.

Durch die Mitgliederversammlung des Zuckerrübenanbauverbandes führte der bisherige und einstimmig wiedergewählte Vorsitzende Eckhard Clausen. Ebenfalls einstimmig in den Vorstand wiedergewählt wurde Dr. Andreas Schröder. „Wir arbeiten weiter für die Rübe“, betonte Clausen. Aktuell sei die Ertragsstabilität gegeben. „Wir stehen für diese Solidargemeinschaft und moderner Logistik offen gegenüber.“ Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung sowie dem Büro. Nach ausführlichen Fachinformationen der Nordzucker zu Witterung, Schaderregervorkommen, Anbaumethodik (siehe Artikel unten) wurde der langjährige Anbauberater der Nordzucker, Frank Jeche, mit abschließenden Standing Ovations nach 33 Jahren bei Nordzucker in den Ruhestand verabschiedet.

Gut besucht war die Mitgliederversammlung des Zuckerrübenanbauverbandes in Albersdorf. Fotos: Daniela Rixen

Georg Sander berichtete in der Laudatio über dessen Werdegang, wie Frank Jeche, nach seinem Studium in Rostock beschäftigt in einer großen LPG, dann nach der Grenzöffnung und der Begegnung mit der damaligen SH-Zucker-AG – heute Nordzucker – 1991 als Rübenanbauberater in Schleswig-Holstein anfing. Als frech, selbstbewusst, streitbar kenne man Frank Jeche, stets mit dem Ziel, den Rübenanbau in Schleswig-Holstein zu halten. Ein herber Schlag, den er selbst begleiten ­musste, war die Schließung der Zuckerfabrik in Schleswig. Neu war dann die Anbauberatung auch im Bereich Biogas­rüben. Stets bodenständig, sei er ein Pflanzenschutzfachmann. „Alles hat eben seine Zeit“, sagte Sander. Damals ging es um Strohmulch statt Pflugfurche, heute um den Transport der Rüben auf der Schiene, Resistenzen, Wirkstoffwechsel bis hin zum Vergilbungsvirus und Mittelwegfall. Frank Jeche schrieb regelmäßig über viele Jahre in der sogenannten Zuckerrübenecke im Bauernblatt. Am Schluss standen sein Dank für diese intensive Zeit und der Wunsch, seinem Nachfolger das gleiche Vertrauen entgegenzubringen.


Nicht bei Frost roden

90 Prozent der Rüben bereits geerntet – Verarbeitung läuft stabil

Das Werk in Uelzen ­arbeitet weiterhin stabil auf einem ­hohen Niveau. Die Verarbeitungsleistung liegt aktuell bei zirka 21.000 t Rüben pro Tag. Die hohe Verarbeitung liegt ­sowohl an der exzellenten ­Arbeit der Belegschaft im Werk als auch an der aktuell ­guten Qualität der angelieferten ­Zuckerrüben. Es bleibt zu hoffen, dass dies noch einige Zeit so bleibt und das Wetter ­weiterhin mitspielt.

Tjark Peter Paulsen ist der neue Anbauberater der Nordzucker in Schleswig-Holstein.
Foto: Georg Sander

Die Erträge in Schleswig-Holstein sind weiterhin auf einem den Umständen entsprechend erfreulichen Niveau. Der durchschnittliche Rübenertrag liegt bei zirka 77 t/ha und der Zuckergehalt bei knapp 17 % Polarisation. Ungefähr 90 % der Zuckerrüben sind mittlerweile geerntet. Abgesehen von den Flächen, die für die gezielte Spätrodung vorgesehen sind, sollten nun Anfang Dezember die letzten Flächen gerodet werden. Von einem Roden unmittelbar vor oder während eines Frostereignisses muss unbedingt abgesehen werden. Die Rüben sind dann nicht zur Wundheilung imstande und dadurch nicht lagerstabil. Eine gute Entblattung ist zwingend notwendig, damit möglichst wenig Blattmaterial in die Miete gelangt. Blätter in der Rübenmiete führen zu einem deutlichen Temperaturanstieg und damit dann zu einer Verschlechterung der Rübenqualität.

Am 27. November wurde Frank Jeche auf der Mitgliederversammlung des Zuckerrübenanbauverbandes Schleswig-Holstein offiziell verabschiedet (siehe Artikel oben). Die zweiwöchentliche Berichterstattung in der sogenannten Zuckerrübenecke im Fachteil des Bauernblattes wird fortgesetzt von Tjark Peter Paulsen. Der Autor ist Ansprechpartner in allen Angelegenheiten rund um den Anbau von Zuckerrüben in Schleswig-Holstein, Tel.: 0173-185 26 88 oder E-Mail: tjarkpeter.paulsen@nordzucker.com
Tjark Peter Paulsen, Nordzucker


Ressourcenschonung im Ackerbau

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Auch der Ackerbau in Schleswig-Holstein steht vor zahlreichen Herausforderungen. Darunter fallen zum Beispiel die Klimaveränderungen, die zu höheren Temperaturmaxima im Sommer (erhöhte Evapotranspiration), veränderten Niederschlagsverteilungen (Dürre­perioden) und Starkregen mit erhöhter Erosionsgefahr führen. Zu den Herausforderungen zählen auch gesetzliche Änderungen für Düngung und Pflanzenschutz, Resistenzzunahmen bei Ungräsern /-kräutern sowie pilzliche und tierische ­Pathogene.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, muss sich der gesamte Agrarsektor Lösungen einfallen lassen. Die Vereinzelungssaat wird durch die Landtechnik als Innovationsansatz angeboten, um die Wachstumsbedingungen für die Kulturen, besser gesagt für jede einzelne Pflanze, durch eine bessere Standraumausnutzung und Saatgutablage zu optimieren. Damit soll erreicht werden, dass die Ressourcen Wasser, Licht, Wärme und Nährstoffangebot von jeder Pflanze effizienter genutzt werden und Inputstoffe wie Saatgut und gegebenenfalls sogar Dünger und Pflanzenschutz vermindert werden können.

Das Verfahren der Vereinzelungssaat ist in Kulturen wie Mais und Zuckerrüben bereits weit verbreitet, da aufgrund der fehlenden Bestockung dieser Pflanzen der Flächenertrag stark von der Einzelpflanzenzahl auf einer definierten Fläche abhängt. Raps und Getreide können jedoch über die Bildung von Seiten-/ Nebentrieben fehlende Pflanzen oder schlechter verteilte Pflanzen besser kompensieren und über die Bildung von Seiten-/Nebentrieben auch höhere Flächenerträge erreichen als Raps- oder Getreidepflanzen, die nur einen Haupttrieb bei gleicher Triebdichte ausbilden (Zimmermann, 1984; Bosse, 1993).

Das Bestockungsverhalten von Raps und Getreide wird außer von der Dauer der Entwicklung unter Kurztagsbedingungen (Saatzeit, Vegetationsende/-anfang, Langtagesbeginn im Frühjahr), Lichtintensität und Stickstoffversorgung auch maßgeblich von der Saattiefe und der Standraumverteilung beeinflusst (Kropf, 2021). Daher ist es sinnvoll, sich über die Vereinzelung von Raps und Getreide trotz der Kompensationsfähigkeit Gedanken zu machen, um durch eine möglichst optimale Verteilung der Pflanzen auf der Fläche eine optimale Bildung von Seiten-/Nebentrieben zu erreichen. In der Theorie lockt dies mit hohen Flächenerträgen durch gesunde und effiziente Pflanzen.

Optimierung der Standraumverteilung

Stellt man sich aus der Vogelperspektive eine zweidimensionale Fläche vor, über die eine Sämaschine läuft, wird schnell klar, dass neben der Längsverteilung (Verteilung der Saat in der Reihe) auch die Querverteilung (Verteilung der Saat quer zur Fahrtrichtung) eine große Rolle spielt.

Die Längsverteilung wird durch die Fahrgeschwindigkeit, Saatstärke, Saatgutqualität und die Zuführung zum Säschar beeinflusst. Die Zuführung zum Säschar kann über den Verteilerkopf von pneumatischen Sämaschinen oder über ein Vereinzelungsaggregat direkt über dem Säschar erfolgen. Durch die Vereinzelung direkt über dem Säschar wird eine bessere Verteilung der Saat in Fahrtrichtung erreicht (Griepentrog, 1994; Beimgraben-Timm, 2018).

Auch bei der Querverteilung spielen die Fahrgeschwindigkeit und die Saatstärke eine Rolle. Wichtigster Einflussfaktor ist aber der Abstand der Säschare zueinander, wie anhand von Raps bei einer Anzahl von 30 Pflanzen je Quadratmeter in der Abbildung vereinfacht verdeutlicht werden soll (Müller, 1999; Reckleben, 2012).

Vorausgesetzt, die Längsverteilung gelingt optimal, wird durch Verringerung des Reihenabstandes der Standraum für die einzelne Rapspflanze vergrößert.

Untersuchungen im Raps und Getreide zeigen jedoch, dass die Bedeutung des Reihenabstandes zwischen 8 cm und 25 cm für den Flächenertrag bei gleichbleibender Saatstärke abnimmt, wenn der Variationskoeffizient der Längsverteilung kleiner als 100 % ist. Einzelkornsämaschinen erreichen Variationskoeffizienten von zirka 50 % bis 60 %, während moderne pneumatische Drillmaschinen bei guten Aussaatbedingungen Variationskoeffizienten von zirka 80 % bis 110 % aufweisen (Griepentrog, 1995; Hanse-Agro, 2013; Hokamp, 2017).

Bereits 1983 wurde ein System ermittelt (Große Hokamp), das die Berechnung der Saatreihenweite für jede Saatstärke zulässt, um einen optimalen Einzelpflanzenstandraum zu ermitteln. Es wurden Versuche im Getreide durchgeführt, die sich mit differenzierten Reihenabständen bei variierenden Saatstärken beschäftigten. Es ergab sich ein Zielverhältnis von 4:1 (siehe folgende Formel).

Das bedeutet beispielsweise einen Reihenabstand von 12,7 cm bei einer Zahl von 250 Pflanzen je Quadratmeter oder einen Reihenabstand von 20 cm bei einer Zahl von 100 Pflanzen je Quadratmeter. Dies gibt bereits Hinweise darauf, warum bei Einzelkornsaaten mit größeren Reihenweiten im Getreide oder auch Raps das Einsparungspotenzial von Saatgut vorhanden ist und sogar berücksichtigt werden muss.

Eine Gleichstandsaat, wie sie bei Rüben wünschenswert wäre, sollte bei Getreide und Raps jedoch nicht angestrebt werden, da ein Ertragsoptimum erst bei einer gewissen Pflanzenkonkurrenz in der Saatreihe erzielt wird. Auf diese Weise wird eine unproduktive Bildung von Seiten-/Nebentrieben zu einer erhöhten Kornanlage und Fertilität bei gleichzeitig homogeneren Ähren umfunktioniert.

Die Hanse-Agro führte von 2015 bis 2020 Streifenversuche zur Vereinzelung im Getreide auf verschiedenen Standorten bei gleichbleibender Reihenweite von 15 cm mit Variationen der Saatstärke und Sorte durch. Aus diesen Versuchen ist abzuleiten, dass unter Berücksichtigung einer geringeren Saatstärke für die Einzelkornsaat und der richtigen Sorte leichte Tendenzen, aber nicht statistisch signifikante Mehrerträge durch die Vereinzelung von Wintergetreide bei der Aussaat generiert werden.

Durch Bonituren und Beobachtungen aus weiteren Versuchen können Getreide- und Rapsbestände, die mit Einzelkornsämaschinen ausgesät wurden, als deutlich homogener beschrieben werden. Durch die aufwendigen Säeinheiten neuerer Maschinen wie der Väderstad Proceed oder der Horsch Solus werden die Ablagetiefe, die Längsverteilung und die Einbettung des Korns mit Erde präzisiert. Dies führt im Nachgang zu einem verbesserten und gleichmäßigeren Feldaufgang und weiter zu einer gleichmäßigeren Jugendentwicklung der Einzelpflanzen. Diese Vorteile bieten die Möglichkeit eines wesentlich gezielteren Einsatzes pflanzenbaulicher Maßnahmen und einer sicheren Etablierung der Kultur, auch wenn keine Ertragssteigerung gesichert möglich ist. Ein weiterer Vorteil dieser Maschinen ist zudem, dass die meisten gängigen Kulturen mit der gleichen Maschine gesät werden können, da die Reihenweiten für Getreide, Raps, Leguminosen, Rüben oder Mais einfach von der Kabine aus zwischen 22,5 cm, 45 cm oder 67,5 cm beziehungsweise 25 cm, 50 cm oder 75 cm gewählt werden können und lediglich die Lochscheiben in den Säaggregaten vorher getauscht werden müssen.

Gleichzeitige Aussaat von Raps in der Reihe A und Ackerbohnen in Reihe B
Entwicklung der Mischkultur aus Winterraps und Ackerbohnen vor Winter

Vorteile auf leichten Standorten

Es sollten jedoch auch weitere Standortfaktoren bedacht werden, die eine Eignung der Maschinen gegebenenfalls ausschließen. Aus den Versuchen über die Standorte in Deutschland hinweg konnte ausgemacht werden, dass die Einzelkorntechnik im Getreide ihre Vorteile auf leichteren Standorten mit geringerem Ertragsniveau und frühen Saatzeiten ausspielen kann. Auf Standorten, die bereits mit Ungräsern wie Weidelgras oder Ackerfuchsschwanz zu kämpfen haben, spielen pflanzenbauliche Maßnahmen zur Unterdrückung, wie hohe Bestandesdichten und spätere Saatzeiten im Herbst, eine wichtige Rolle. Die Erweiterung der Fruchtfolge selbst, als weiteres Werkzeug der Anpassungsstrategie gegen die bereits genannten Herausforderungen der Zukunft, stellt die Einzelkornmaschinen vor keine Probleme. Auch die Aussaat von Mischkulturen gelingt durch das Ansteuern der einzelnen Aggregate, wie auf den Bildern unten zu sehen, problemlos.

Für Zwischenfrucht-mischungen nicht geeignet

Allerdings geht in den meisten Fällen die Erweiterung der Fruchtfolge mit der Integration von Zwischenfrüchten und insbesondere Zwischenfruchtmischungen mit unterschiedlichen Korngrößen einher, was die Einzelkornmaschinen nicht bewerkstelligen können. Eine direkte Saat der Kultur in die abgestorbene Zwischenfrucht oder in die Stoppel der Vorfrucht ohne Vorbereitung des Saatbettes ist mit den Maschinen bei entsprechendem Einsatz der Furchenräumer jedoch wiederum möglich und bietet eine große Flexibilität bei den Aussaatverfahren.

Fazit

Es wird sich zeigen müssen, in welche Richtung das Für und Wider ausschlägt und ob Landwirte und Landwirtinnen bereit sind, in die aufwendige und damit teure Technik zu investieren.

EIP-Projekt „DeTail“: Vorhersage von Schwanzbeißen

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Das Thema Schwanzbeißen ist für Schweine haltende Betriebe nach wie vor sehr bedeutsam und stellt sie immer wieder vor große Herausforderungen. Die ursächlichen Risikofaktoren sind sehr komplex und vielfältig und können folglich eine Überforderung des Tieres durch seine Umwelt bedeuten. Eine Optimierung dieser Einflussfaktoren kann nicht jegliches Schwanzbeißen verhindern. Das Projekt „Detection of Tail Biting (DeTail)“, gefördert durch die Europäische Innovationspartnerschaft (EIP), bedient sich daher maschineller Lernansätze, um bevorstehende Schwanzbeißausbrüche frühzeitig erkennbar zu machen.

Ziel des Projektes ist es, ein Dashboard in Form einer webbasierten App als Frühwarnsystem für die landwirtschaftliche Praxis zu etablieren. Mit dem Projekt „DeTail“ soll ein großer Schritt in Richtung der Digitalisierung unternommen werden, technikgestützte Assistenzsysteme zu nutzen. Dafür wird an die Erkenntnis aus vorherigen Projekten angeknüpft, dass die Schwanzhaltung eine hohe Prävalenz für das Auftreten von Schwanzbeißen hat. Sie wird über Videobeobachtungen der Tiere im Stall aufgezeichnet und durch Bonituren auf mögliche Verletzungen am Tier ergänzt.

Die Projektpartner

Das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ist Lead-Partner im Projekt. Die Autorin des Artikels ist die zuständige Projektkoordinatorin und somit Ansprechpartnerin für alle Fragen zum Vorhaben. In Kooperation mit der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg (UOL) unter der Leitung von Prof. Dr. Jorge Marx Gómez sowie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit Prof. Dr. Imke Traulsen als verantwortlicher Hochschullehrerin soll eine frühzeitige und gezielte Hilfe in Form eines Früherkennungssystems in Schweine haltenden Betrieben etabliert werden. Die UOL übernimmt dabei federführend die Modellentwicklung zur automatischen bildbasierten Erkennung der Schwanzhaltung. In enger Zusammenarbeit wird die CAU maßgeblich die Findung und Umsetzung des Alarmzeitpunktes übernehmen. Des Weiteren sind im Rahmen der Datenerhebung vier landwirtschaftliche Betriebe in Schleswig-Holstein und Niedersachsen involviert. Die Landwirtschaftskammer Niedersachen steht dem Projekt in beratender Funktion zur Seite. Die genannten Institutionen konnten bereits hinreichende Erfahrungen in verschiedenen Versuchen zum Schwanzbeißen, der Haltung von Langschwanztieren oder dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sammeln. Am Ende des Projektes sollen die Daten vor Ort auf den Betrieben ausgewertet und über ein Dashboard bereitgestellt werden. Die Schweine haltenden Betriebe bekommen so die Möglichkeit, frühzeitig einem bevorstehenden Schwanzbeiß­ereignis mit entsprechenden Maßnahmen entgegenzuwirken.

Die Schwanzhaltung der Tiere ist ein einfacher objektiver Indikator für ein bevorstehendes Beißgeschehen.Fotos: Juliane Ahlhorn

Der zeitliche Ablauf

Nach einem erfolgreichen und ergebnisreichen ersten Projekttreffen der operationellen Gruppe im Juli konnte im August dieses Jahres mit der Datenerhebung im LVZ begonnen werden. Bis Ende des Jahres wird hier Videomaterial in Ferkelaufzucht und Mast gesammelt und zum Trainieren der KI an die UOL übermittelt. Im November wurde das Vorgehen im Projekt bei einem weiteren Treffen den teilnehmenden Landwirten erläutert, sodass auch hier im ersten Quartal 2025 mit der Datenaufnahme auf den Praxisbetrieben begonnen werden kann. Je mehr Videomaterial für eine Modellentwicklung zur Verfügung steht, umso sicherer können Vorhersagen zu einem möglichen Beißgeschehen erfolgen. Das Projekt ermöglicht durch die technische objektive Unterstützung den Schweine haltenden Betrieben, bestehende Beobachtungslücken zwischen den Kontrollgängen zu schließen und Einzeltiere damit vermehrt in den Fokus der täglichen Kontrolle zu nehmen.

Fazit

Schwanzbeißen bei Schweinen ist nach wie vor ein Problem in Schweine haltenden Betrieben.

Die Schwanzhaltung ist ein guter Frühindikator für das Anzeigen eines erhöhten Beißrisikos.

Das Projekt stellt die Daten über ein natives Dashboard in Form eines Ampelsystems bereit.

Ziel ist eine Managementhilfe für die Betriebe zur Steigerung des Tierwohls und der Tiergesundheit.

Rapsdüngung mit Fernerkundung und KI

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Raps ist aus der Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins kaum wegzudenken. Doch der Klimawandel sowie Einschränkungen im Pflanzenschutz und in der Düngung machen den Anbau zunehmend problematisch. Hier setzt das EIP-Projekt „RapSmartN“ an, das sich mit der effizienten Stickstoffdüngung von Winterraps beschäftigt.

Traditionell wird die Bestimmung der Stickstoffdüngemenge für Winterraps im Frühjahr so vorgenommen, dass die im Herbst bereits aufgenommene Stickstoffmenge vom Düngebedarf im Frühjahr abgezogen wird. Diese Methode berücksichtigt jedoch nicht die erheblichen Unterschiede innerhalb einer Ackerfläche, die durch Bodenbeschaffenheit, Schädlingsbefall oder andere Einflüsse entstehen können. Daher ist es notwendig, ein Verfahren zu etablieren, das diesen Anforderungen gerecht wird.

Ludwig von Natzmer (li.), Berater der Hanse-­Agro, und Johannes Schacht, Wissenschaftler der Hanse-Agro, stehen bei der Probenentnahme im Feld. Ausgerüstet sind sie mit einem RTK-Stab und einer Zugwaage.

Um den Aufwand für Landwirte möglichst gering zu halten, setzt das Projekt auf Fernerkundungsdaten zur Charakterisierung des Pflanzenbestands. Großflächig erhobene Bestandsparameter werden genutzt, um ein KI-Modell zu trainieren. Sollten aufgrund starker Wolkenbedeckung keine Satellitendaten verfügbar sein, kommt ein weiteres Modell der Hochschule Neubrandenburg zum Einsatz. Es kann auf Basis historischer Daten die im Herbst aufgenommene Stickstoffmenge in der Fläche modellieren und so unter allen Bedingungen belastbare Daten liefern.

Mit den Informationen kann anschließend eine teilflächenspezifische Applikationskarte für die Frühjahrsdüngung erstellt werden. Die Auswirkungen des Verfahrens werden in groß angelegten Feldversuchen auf beteiligten Praxisbetrieben in Schleswig-Holstein und Niedersachsen untersucht und die Ergebnisse anschließend publiziert.

Johannes Schacht kartiert mit dem RTK-Stab die Stelle der Probenahme. Mit im Bild: David Faehling, Student an der FH-Kiel und Praktikant bei der Hanse-Agro

„RapSmartN“ zeigt, wie die praktische Landwirtschaft und wissenschaftliche Forschung zusammenwirken können, um mit modernen Technologien den Herausforderungen des Klimawandels und der nachhaltigen Landnutzung zu begegnen. Durch den Einsatz von Satellitendaten und Künstlicher Intelligenz wird eine präzisere und effizientere Düngung ermöglicht, die sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile bietet. Diese Innovation könnte somit einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Landwirtschaft leisten und die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte in Schleswig-Holstein und darüber hinaus stärken.

Das Projekt „RapSmartN“ wird im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP Agri) Schleswig-Holstein durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) gefördert.


Das Projekt „RapSmartN“

Das Projekt „RapSmartN“ wird durch die gleichnamige operationelle Gruppe (OG) unter Leitung der Hanse-Agro durchgeführt. Die Partner sind aus der Wissenschaft die FH Kiel und HS Neubrandenburg, das Start-up AgDoIT und Landwirte aus Schleswig-Holstein (Herzogliche Gutsverwaltung Grünholz, Landwirtschaft Röhr, Hof Grapengeter GbR, Ferienhof Wichmann) und Niedersachsen (Maschinengemeinschaft Ratke-Elsner, Landwirtschaft Domäne ­Bahrdorf):

Fachhochschule Kiel, Fachbereich Agrarwirtschaft, vertreten durch Prof. Dr. Yves Reckleben

Hochschule Neubrandenburg, Fachbereich Agrarwirtschaft, vertreten durch Prof. Dr. Eike Stefan Dobers

AgDoIT GmbH, vertreten durch Christoph Ratke

Herzogliche Gutsverwaltung Grünholz – Ferdinand Prinz zu Schleswig-Holstein, vertreten durch Broder Preuss-Driessen

Landwirtschaft Röhr, vertreten durch Klaas Röhr

Hof Grapengeter GbR, vertreten durch Jasper Grapengeter

Ferienhof Wichmann, vertreten durch Holger Wichmann

Maschinengemeinschaft Ratke-Elsner, vertreten durch Sebastian Elsner

Andreas Bertram Landwirtschaft Domäne Bahrdorf, vertreten durch Andreas Bertram

Hanse-Agro – Beratung und Entwicklung GmbH, vertreten durch Oliver Zapka