Die Erfolgsorientierte Agrarprämie (EOAP) ist ein Alternativmodell zum aktuellen Fördersystem der Gemeinsamen EU-Agrarpolitk (GAP). „Erfolgsorientiert steht dafür, dass man Ziele des Green Deal erreicht und damit auf der Seite der Gewinner steht“, erklärte Prof. Uwe Latacz-Lohmann am Freitag vergangener Woche bei der Vorstellung der Projektergebnisse in Kiel. Der Agrarökonom und seine Mitarbeitenden Dr. Marlene Noack und Florian Tietjens haben die EOAP entwickelt und mit Unterstützung des Bauernverbandes die Praxistauglichkeit des Systems bundesweit getestet.
Das Forscherteam stellte anhand einer Umfrage fest, dass EOAP regional unterschiedlich gut ankommt. Insgesamt erfahre sie aber eine höhere Akzeptanz als das bestehende GAP-Fördersystem. Latacz-Lohmann zeigte sich von diesem Ergebnis wenig überrascht: „Die aktuellen Förderungen kommen sich teilweise ins Gehege.“ Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen der Zweiten Säule bissen sich teilweise mit den Ökoregelungen der Ersten Säule. Es gebe komplizierte Kreuztabellen. „Wir haben einmal alles vom Tisch gewischt und neu gebaut“, schilderte der Agrarökonom. Die Maßnahmen der EOAP sind mit verschiedenen Prämienhöhen hinterlegt und orientieren sich an fünf Zielen des Green Deal:
● Reduktion der N-Düngung um 20 %
● Reduktions des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln (PSM) um 50 %
● Reduktion der N-Verluste bei Wirtschaftsdüngern um 50 %
● Aufstockung der nichtproduktiven Fläche auf 10 %
● Erhöhung der Biodiversität Die Maßnahmen für jedes der fünf Ziele erhalten zusätzlich einen Faktor.
Und nur wenn eine gewisse Zielfläche (Schwellenwert) erreicht wird, gibt es für die jeweiligen Maßnahmen Geld. Eine Prämien-Höchstgrenze ist im Modell bislang nicht vorgesehen. Für eine Umsetzung in der Praxis empfiehlt Latacz-Lohmann aber eine Grenze von 120 % der Zielerreichung. Ökobetriebe seien voll integriert, damit es keine überlappenden Förderungen gebe. Der Wissenschaftler betonte: „Die EOAP ist besser als die GAP.“ Sie sei weniger komplex und hole den Landwirt als Unternehmer ab, weil dieser für Ergebnisse bezahlt werde. Der Ökonom stellte klar, dass vor allem intensiv wirtschaftende Betriebe bei einer Umsetzung der EOAP auf „den Boden des Ordnungsrechts“ fallen könnten, dann aber auch keine Konditionalität einhalten müssten. Weitere Vorteile des Systems seien die verbesserte Kommunikation in Richtung Gesellschaft und, dass die EOAP flexibel an sich ändernde Politikziele angepasst werden könne. Sie sei beispielsweise um das Ziel Bodenschutz erweiterbar.
GAP-Budget verteidigen
Für Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) leistet die EOAP einen wichtigen Beitrag zur Diskussion, wie die GAP ab 2028 aussehen soll. Es gehe um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit der Branche. Andere Politikbereiche meldeten in Brüssel verstärkt Ansprüche an. „Wenn die Landwirtschaft ihre Beiträge für die Gesellschaft nicht verdeutlicht, steht die Agrarförderung auf dem Spiel“, mahnte Schwarz. Die EOAP zeige auf, wie die Landwirtschaft zu den GreenDeal-Zielen beitragen könne.
Pflugverzicht oft gewählt
Noack berichtete, dass deutschlandweit 140 Landwirte an den EOAP-Workshops und der Umfrage teilgenommen hätten. Drei Viertel der Betriebe hätten nach ihrer Maßnahmenwahl das erste Green-Deal-Ziel „20 % weniger N-Düngung“ erreicht. Aufgrund der weniger intensiven Wirtschaftsweise waren es im Süden tendenziell mehr Betriebe. Das Ziel „50 % weniger PSM“ haben laut Noack nur 28 % erreicht. Hier sei gegebenenfalls bei der Art der Maßnahmen nachzubessern. „Die Reduktion der N-Verluste um 50 %“ erreichten 46 % der Betriebe. Dieses Ziel werde m ehesten in viehdichten Regionen erreicht, zum Beispiel durch die Maßnahme „Gülleansäuerung“.
Ziel 4, „Aufstockung der nichtproduktiven Fläche auf 10 %“, sei von 36 % der Workshopteilnehmer erreicht worden. Das fünfte Ziel „Mehr Biodiversität“ erreichten rund zwei Drittel der Betriebe. Hier hätten die Landwirte im Süden aufgrund der jetzt schon starken Förderung in der Zweiten Säule vorn gelegen. Noack konstatierte, dass in intensiv bewirtschafteten Regionen grundsätzlich weniger Ziele erreicht worden seien. Nach ihren Angaben waren die am häufigsten gewählten Maßnahmen im Ackerbau „Pflugverzicht“ (75 %) und „Anbau großkörniger Leguminosen“ (48 %). Bei übergeordneten Maßnahmen wurde am häufigsten (zwei Drittel) der „Anbau von Winterzwischenfrüchten“ gewählt
Reicht das Geld?
Tietjens rechnete vor, dass die Workshop-Betriebe – einschließlich derer, die keine Ziele erreichen und somit aus dem Prämiensystem fallen – eine durchschnittliche Prämie in Höhe von 384 €/ha erhalten. Hochgerechnet auf Deutschland bräuchte man schätzungsweise rund 6,4 Mrd. €, was in etwa dem aktuellen GAP-Budget entspricht. Hinzu kämen allerdings beispielsweise eine Junglandwirteprämie und investive Förderungen in den Regionen. Der Süden würde nach Tietjens Angaben tendenziell mehr profitieren. Das sei jedoch auch heute schon der Fall aufgrund höherer Förderung durch länderspezifische Programme. In zwei laufenden Masterarbeiten werde aktuell überprüft, wie einkommenswirksam die EOAP ist und wie die Umsetzung auf der Verwaltungsebene aussehen könnte. rq




