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Bioschweine: Knapp und gesucht

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Der Bioschweinepreis ist im zweiten Halbjahr 2025 angestiegen, seitdem stabilisierten sich die Preise für Verbandsware bei zirka 4,80 €/kg SG auf hohem Niveau. Verbandsware stammt aus ökologischer Erzeugung nach Richtlinien von Anbauverbänden wie Bioland, Naturland oder Biokreis und ist direkt am jeweiligen Logo auf der Verpackung zu erkennen. Sie erfüllt höhere Standards als das EU-Bio-Siegel, etwa hinsichtlich Platzbedarf (mindestens 1,3 m² plus Auslauf) und Fütterung. Da die Produktionskosten durch die strengeren Auflagen höher sind, ist Verbandsware teurer als EU-Biofleisch. Die gute Nachricht für deutsche Produzenten: Deutsche Verbandsware fließt weiter gut ab und wird überall gesucht, ist also knapp. Dies wird von den Statistiken bestätigt: Maximal 1 % des deutschen Schweinebestandes wird ökologisch gehalten, bei Geflügel sind es immerhin 1,6 % und bei Rindfleisch 6,9 %. So ist es nicht verwunderlich, dass derzeit etwa ein Drittel des konsumierten Bioschweinefleischs aus Nachbarländern stammt. Die leichte Produktionssteigerung 2025 deckte bei Weitem nicht die Nachfrage.

Importe notwendig

Und so bieten sich Chancen für Anbieter aus Nachbarländern, die schon seit Längerem günstigere Bioschweine, sogenannte EU-Bioware entsprechend EU-Bio-Siegel, anbieten. Dänische Bioschweine etwa kosteten im Dezember 2025 zirka 3,45 €/ kg SG. Allerdings kommen zurzeit nur wenige Schweine von dort. Niederländische Bioschweine werden hierzulande seit Jahren umfangreich verarbeitet. Die Preise liegen in der Regel zwischen den deutschen und dänischen. Außerdem, und erst seit einigen Monaten in nennenswertem Umfang, kommen regelmäßig Bioschweine aus Spanien (?!) auf den deutschen Markt, ebenfalls zu deutlich günstigeren Preisen.

Verbandsware mit starker Marktposition

Verbandsware bleibt gefragt und ist ein wichtiges Verkaufsargument für viele LEH-Ketten. Bei einigen Wurstartikeln aber rudern manche Einzelhandelsketten zurück und verkaufen EU-Bio-Ware, die dann ohne Herkunftskennzeichnung aus verschiedenen EU-Nachbarländern stammen kann. Andere Handelsketten fahren zweigleisig und listen Verbandsware und günstigere EU-Bio-Ware gleichermaßen. Im Großen und Ganzen aber finden sich in allen Handelsketten, nur in jeweils unterschiedlichem Ausmaß, Artikel aus deutscher Verbandsware – und daran dürften sie auch weiter festhalten.

Ist deutsche Produktion steigerungsfähig?

Die zuletzt hohen Auszahlungspreise haben einige Landwirte motiviert, in die Bioschweinehaltung einzusteigen beziehungsweise sie auszuweiten. Insbesondere die Ferkelversorgung – über lange Zeit ein Flaschenhals – wird besser, da aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und dem Osten des Landes von neuen Sauenställen berichtet wird. Gleichzeitig geben aber auch immer wieder Betriebe auf. Auch 2025 dürften die Bioschweinepreise weitersteigen, da Nachfrage und Angebot nach wie vor auseinanderklaffen. Denn trotz der attraktiven Preise scheint der Bioschweinebestand zu stagnieren. Bestehende Biobetriebe müssen Stallerweiterungen oft ohne Förderung stemmen, da die Agrarinvestitionsförderprogramme meist nur für Neu- und Umbauten genutzt werden können. Auch gilt es, mit Immissionsschutzauflagen zurechtzukommen.

Carstens: „Wir können nicht zaubern, nur arbeiten“

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Landwirtschaftliche Praxis und Politik trafen auf dem Kreisbauerntag der Kreisbauernverbände (KBV) Schleswig und Flensburg aufeinander, der am Freitag vergangener Woche mit rund 150 Besuchern in Schleswig stattfand. Während die Verbandsvertreter dringende Unterstützung forderten, stellte die andere Seite klar, was aus ihrer Sicht realistisch möglich sei und welche Maßnahmen bereits ergriffen wurden.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Schleswig, Klaus-Peter Dau, sprach über Themen, die die Landwirtinnen und Landwirte in Schleswig-Holstein derzeit besonders umtreiben. Schwankende Preise am Markt, Ostseeschutz, Düngeverordnung, Bürokratieabbau sowie der Umbau der Tierhaltung standen auf der Agenda. Neben diesen Themen kam Dau auch auf das Dauergrünlanderhaltungsgesetz (DGLG) zu sprechen. Er forderte eine Abschaffung des Gesetzes und erklärte, dass die Landesregierung schon vor mehreren Jahren einer Evaluierung des Gesetzes zugestimmt habe. „Die Bewirtschaftung des Grünlands ist zusehends erschwert. Wir brauchen diese Flächen, um Silage herzustellen“, erklärte Dau. Die Abschaffung des DGLG würde „einen echten Beitrag zum Bürokratieabbau darstellen“.

Das Problem der Nachfolge

Klaus-Peter Dau fordert Erleichterungen bei der Grünlandbewirtschaftung und weitere Anstrengungen zum Bürokratieabbau. Foto: bb

Denn Bürokratie koste Zeit, die auf dem Hof fehle, und Geld, das nicht erwirtschaftet werde. Zudem sinke die Motivation bei den jungen Landwirtinnen und Landwirten, die einmal die Höfe übernehmen sollen. Dau erwartet deshalb von der Regierung eine Entlastung, denn ohne klare Zukunftsaussichten würden Schleswig-Holstein bäuerliche Betriebe und die Vielfalt des ländlichen Raumes verloren gehen. Auch auf das Thema Tierhaltung kam er zu sprechen. „Wer Tierwohl fordert, muss auch bereit sein, die Mehrkosten dauerhaft zu tragen“, sagte er und fuhr fort: „Niemand hat ein größeres Interesse an gesunden Tieren als wir. Die Debatte darf aber nicht ideologisch sein.“ Verbote ohne Alternativen führten nicht zu mehr Tierwohl, sondern zu Importen aus dem Ausland, so Dau.

Landesregierung stimmt zu

„Landwirtschaft ist systemrelevant“, sagte Otto Carstens, Staatssekretär im Kieler Landwirtschaftsministerium (MLLEV), direkt zu Anfang seines Vortrags und betonte, dass er das Amt übernommen habe, um sich unter anderem für die Belange des ländlichen Raumes einzusetzen. Er stimmte den Sorgen und Befürchtungen der anwesenden Landwirte weitestgehend zu, führte aber auch an, welche konkreten Maßnahmen das MLLEV bereits durchgesetzt habe – darunter die Einrichtung des Kompetenzzentrums Klimaeffiziente Landwirtschaft und den Aktionsplan Ostseeschutz. „Wir setzen bewusst auf Kooperation statt auf Auflagen – und das funktioniert“, unterstrich Carstens. Alle fünf Ostseebeiräte hätten bereits selbst erarbeitete Konzepte vorgelegt. Das sei also nicht durch politische Vorgaben geschehen.

Für den Staatssekretär gehört auch die Tierhaltung zu Schleswig-Holstein. Diese habe seit Generationen die Gesellschaft geprägt und verdiene politische Rückendeckung. Verbraucherinnen und Verbraucher erwarteten aber auch höhere Tierwohl-Standards. „Wenn wir den Umbau wollen, brauchen die Betriebe verlässliche Förderungen und Perspektiven“, erklärte Carstens.

DGLG bleibt

BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht benannte die aktuellen Probleme in der Landwirtschaft. Foto: Patrick Mühling

Zusammen mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat das MLLEV eine Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau eingerichtet.

„Eine Abschaffung des Dauergrünlandgesetzes wird es in dieser Amtsperiode jedoch nicht geben – das muss ich ganz klar so sagen“, erklärte er unter dem deutlich vernehmbaren Unmut der Anwesenden. Die verbleibende Amtszeit von knapp einem Jahr reiche, so Carstens, nicht aus, um kritische Änderungen an Gesetzen wie dem DGLG vorzunehmen. Er betonte allerdings, dass sein Ministerium es in kurzer Zeit geschafft habe, die Schadenersatzsumme für durch Wildgänse verursachte Ernteschäden im Rahmen der Wildgänserichtlinie von 350.000 € auf 1,2 Mio. € zu erhöhen. „In Zeiten knapper Kassen ist das eine richtig tolle Leistung. Wir wissen aber auch, dass Schadenersatz nicht das ist, was die Bauern wollen. Sie wollen ihre Arbeit machen“, gestand Carstens. Das MLLEV versuche, sich für eine Vergrößerung des Kreises an Menschen einzusetzen, die Gänse entnehmen dürften.

Kampf mit knappen Kassen

Er machte ebenfalls deutlich, dass er verstehe, dass viele landwirtschaftliche Betriebe die Vielzahl an Auflagen zu Recht als Belastung empfänden, jedoch setzten die öffentlichen Haushalte klare Grenzen, und es müsse bis 2030 1 Mrd. € eingespart werden. Durch die beschriebene schwierige Haushaltslage sei Prioritätensetzung das Stichwort.

„75 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein leben auf dem Land. Die Landwirtschaft und der ländliche Raum stehen im Mittelpunkt der Politik unseres Ministeriums, aber es muss auch für andere Belange aktuell Geld in die Hand genommen werden“, bekräftigte der Staatssekretär.

„Ernährung bleibt die Grundlage für alles. Dies geht aber nicht ohne Veränderungen“, so Malte Jacobsen, Vorsitzender KBV Flensburg. Foto: rq

Kenntnisse der Biologie erleichtern die Bekämpfung

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Der Schnee und die frostigen Temperaturen in diesem Winter haben kaum negativen Einfluss auf die Überwinterung der Stängelschädlinge. Mit steigenden Temperaturen gilt deshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Erwachen bersonders des Großen Rapsstängelrüsslers, denn dessen Zuflug in die Rapsbestände und der nachfolgende Schaden können zu spürbaren Ertragsverlusten führen (optisch: Verdrehen und Aufplatzen der Rapsstängel). Um dies zu vermeiden, reichen allein „Bauchgefühl“ oder nur der Blick auf die Wetterstation nicht aus, sondern die Gelbschale auf dem Acker bleibt das geeignete Hilfsmittel.

Kurzer Rückblick auf 2025: Im Frühjahr wurde auf den Schlägen zur Schaderregerüberwachung des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer an lediglich vier Standorten ein Zuflug von mehr als fünf Rapsstängelrüsslern festgestellt. Der Gefleckte Kohltriebrüssler trat vergleichsweise häufiger auf, zum Teil auch deutlich oberhalb der Bekämpfungsschwelle.

Die sauberen, möglichst nicht verblichenen Gelbschalen (kräftiges Gelb) müssen mit Wasser und etwas Spüli befüllt und zum Schutz von Bestäuberinsekten (Hummeln, Bienen et cetera) mit einem Gitter versehen werden. Von der Rapserdfloh-Überwachung übrig gebliebene Gelbschalen aus dem Herbst erfüllen diese Anforderungen nicht mehr. Je nach Wetterlage muss die Gelbschale regelmäßig alle paar Tage kontrolliert und gegebenenfalls das Wasser gewechselt werden. Sie sollte in der Höhe mit dem Bestand auch immer „mitwachsen“.

Die Gelbschalen sollten sauber und in einem leuchtenden Gelb in der Fläche stehen.

Geeignete Standorte für Gelbschalen

Der Große Rapsstängelrüssler kann schon bei Bodentemperaturen von zirka 5 °C erwachen. Aufgrund dieser Wetterabhängigkeit erfolgt dies jährlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Da der Große Rapsstängelrüssler auf den vorjährigen Rapsflächen überwintert und folglich auch dort erwacht, ist es ratsam, auf angrenzenden Befallsflächen des Vorjahresrapses (jetzt oft mit Winterweizen bestellt) eine Schale aufzustellen. Mindestens eine weitere Gelbschale wird dann noch im Randbereich zu diesen vorjährigen Rapsflächen aufgestellt, um die direkte Zuwanderung zu erfassen. Begrenzen auch noch Knicks oder Waldränder den aktuellen Rapsschlag, sollten auch dort Gelbschalen aufgestellt werden, denn in diesen Bereichen überwintert der Gefleckte Kohltriebrüssler (sowie Rapsglanzkäfer). Sind die Gelbschalen gut platziert, ist ihre Fängigkeit und damit die Aussagekraft deutlich erhöht (siehe Grafik).

Biologie bestimmt den Bekämpfungszeitpunkt

Der Große Rapsstängelrüssler sucht gleich nach dem Erwachen die nächstgelegenen Rapsschläge zur Eiablage auf. Die Weibchen sind bereits geschlechtsreif, sodass nach der Paarung die Eier sofort abgelegt werden können. Somit bleibt nicht viel Zeit für eine Behandlung, denn mit dem Vollzug der Eiablage beginnt auch schon die erste Schädigung des Rapses.

Das Weibchen scheidet bei der Herstellung der Ei-Nischen entsprechende Wuchsstoffe aus, die für die typischen Verdrehungen der Stängel verantwortlich sind. Die sich im Stängel entwickelnden Larven sind zudem vor Kontaktinsektiziden geschützt. Die Bekämpfung muss demzufolge zeitnah nach dem Zuflug, innerhalb von ein bis drei Tagen erfolgen. Das gilt auch, wenn nach dem Zuflug in die Bestände die Temperaturen sinken. Der Große Rapsstängelrüssler ist komplett schwarz gefärbt, wobei er durch seine dichte Behaarung eher grau wirkt.

Der Gefleckte Kohltriebrüssler benötigt für das Erwachen und die Einwanderung in die Rapsbestände normalerweise etwas höhere Temperaturen. In den vergangenen Jahren erfolgte dies jedoch oft zeitgleich mit dem Großen Rapsstängelrüssler. Den Gefleckten Kohltriebrüssler erkennt man, neben seiner geringeren Größe, was aber kein sicheres Unterscheidungsmerkmal in der Gelbschale ist, an dem weißen Fleck auf dem Rücken und den rotbraunen Füßen. Im Gegensatz zum Großen Rapsstängelrüssler vollzieht er erst einen Reifungsfraß, bevor er mit der Eiablage startet. Somit stehen für eine Bekämpfung, je nach Witterung, fünf bis zehn Tage zur Verfügung – je wärmer es ist, desto zügiger muss man handeln. Nach erfolgter Eiablage wachsen die Rapsstängel optisch weiterhin gerade weiter, sodass die Larven und somit der tatsächliche Befall äußerlich oft lange unentdeckt bleiben.

Im Inneren des Stängels fressen die Larven, infolgedessen ist das Innere verbräunt.
Nach der Eiablage des Großen Rapsstängelrüsslers reagiert die Rapspflanze mit Verdrehungen: nur an der Triebspitze (li.) oder Verdrehung der ganzen Pflanze (r.).

Bekämpfungsschwellen beachten

Aufgrund seiner höheren Schadwirkung besitzt der Große Rapsstängelrüssler eine niedrigere Bekämpfungsschwelle von mehr als fünf Käfern pro begitterter Gelbschale innerhalb von drei Tagen. Sie liegt beim Gefleckten Kohltriebrüssler im gleichen Zeitraum von drei Tagen bei mehr als 15 Käfern pro begitterter Gelbschale.

Bekämpfung nach Schwellenüberschreitung

Für die Bekämpfung beider Schädlinge sind nach wie vor die Pyrethroide (zum Beispiel Karate Zeon) das Maß aller Dinge. Zwar spielen beim Gefleckten Kohltriebrüssler bundesweit zunehmend Resistenzen eine gewisse Rolle, der alternative Wirkstoff Acetamiprid im Produkt Carnadine 200 kommt aber nicht an die Wirkungsgrade der Pyrethroide heran. Das Käferstadium des Großen Rapsstängelrüsslers reagiert derzeit weiterhin sensitiv auf die Pyrethroid-Behandlung.

Treten neben den Stängelschädlingen zugleich bekämpfungswürdige Rapsglanzkäfer im Bestand auf, kann Trebon 30 EC (B2; Pyrethroid Klasse I) zum Einsatz kommen. Mavrik Vita/Evure (B4) sollten, außer wegen ihrer aktuell fehlenden Stängelrüssler-Zulassung, aufgrund ihrer guten Wirkung und B4-Einstufung zur Rapsglanzkäfer-Bekämpfung vorgesehen werden.

Fazit

Das rechtzeitige Aufstellen der Gelbschalen ist für die Feststellung des Zuflugs von Stängelrüsslern weiterhin unverzichtbar. Insbesondere beim Großen Rapsstängelrüssler liegen Zuflug und Bekämpfung zeitlich sehr eng beieinander. Hier gilt es, die Prioritäten richtig zu setzen.

Generell sollten jegliche Behandlungen nur nach Überschreitung von Bekämpfungsschwellen erfolgen. Die Resistenzsituation gegen Pyrethroide ist inzwischen bei einigen Rapsschädlingen massiv angespannt. Hier gilt es, im System zu denken. Zum Beispiel trifft ein eigentlich unnötiger Pyrethroid-Einsatz gegen den Rapsglanzkäfer eventuell nicht bekämpfungswürdige Kohltriebrüssler und/oder zusätzlich frühe Kohlschotenrüssler. Auch die Auswirkungen auf die ganzjährig in den Beständen vorhandenen Rapserdflöhe sind inzwischen sehr deutlich spürbar. Diese Tiere sind immer als Nebeneffekt auch von den Frühjahrsmaßnahmen betroffen, sodass sich der Selektionsdruck über die Jahre massiv erhöht hat.

Gesündere Herden und weniger Kosten

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Lahmheiten, ­Euterentzündungen, Stoffwechselstörungen oder ­Kälberdurchfall: Produktionskrankheiten sind in vielen Rinderbetrieben Alltag – und sie kosten Geld, Zeit und Nerven. Gleichzeitig rücken Tierwohl und Eigenkontrolle durch Gesetzgebung und Marktanforderungen stärker in den Fokus. Der neue Ratgeber „Tierwohlplanung“ des Thünen-Instituts bündelt wissenschaftliche Empfehlungen und Praxiserfahrungen und zeigt, wie Betriebe mit einem klaren, wiederholbaren Vorgehen Tierwohlprobleme frühzeitig erkennen und gezielt reduzieren können.

Tierwohl ist mehr als Gesundheit. Tierwohl beschreibt, wie es den Tieren geht und ob ihre Bedürfnisse erfüllt sind. Im Ratgeber wird Tierwohl als mehrdimensionales Konzept dargestellt, das die drei Aspekte Gesundheit, Verhalten und Emotionen umfasst. Eine gute Tierwohlsituation liegt vor, wenn Tiere gesund sind, sie von Schmerzen, Angst und Stress möglichst frei bleiben, tiergerecht gehalten und bedarfsgerecht gefüttert werden und ihre arteigenen Verhaltensweisen ausleben können.

Warum sich Tierwohlplanung lohnt

Mehr Tierwohl bringt gleich mehrere Vorteile: weniger Gesundheitsstörungen, geringeren Arzneimitteleinsatz, weniger Leistungseinbußen und damit oft auch geringere Kosten. Der Ratgeber nennt beispielhafte Kosten je Erkrankungsfall: Euterentzündungen schlagen mit rund 220 € zu Buche, Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen mit etwa 100 bis 150 €. Für einen Betrieb mit 100 Kühen kann sich – je nach Lahmheitsniveau – ein Schaden im fünfstelligen Bereich pro Jahr ergeben. Proaktives Management zahlt sich also aus – und steigert nebenbei auch die Arbeitszufriedenheit, weil der Umgang mit gesunden Tieren schlicht mehr Freude macht.

Das Konzept: Sehen – Verstehen – Verbessern

Herzstück der Tierwohlplanung ist ein kontinuierlicher Kreislauf aus drei Schritten, der regelmäßig wiederholt wird:

1. Sehen: Tierwohl messen und Ergebnisse einordnen. Dafür werden geeignete Indikatoren regelmäßig erhoben – möglichst direkt am Tier (zum Beispiel Lahmheit, Körperkondition, Verschmutzung). Auch Herdendaten aus HIT oder Q-Check können genutzt werden. Wichtig ist, die Erhebung immer nach derselben Methode durchzuführen und Ergebnisse auf Herdenebene auszuwerten.

2. Verstehen: Ursachen und Risikofaktoren analysieren. Welche Schwachstellen gibt es im Betrieb? Hier hilft ein objektiver Blick – oft gemeinsam mit Tierarzt und Beratung. Je gründlicher die Analyse, desto klarer werden die Stellschrauben für wirksame Maßnahmen.

3. Verbessern: Managementanpassungen planen und umsetzen. Betriebe setzen konkrete, überprüfbare Ziele und wählen praktikable Maßnahmen aus. Verantwortlichkeiten, Termine und Erfolgskontrollen werden festgelegt. Nach einer gewissen Zeit werden die Indikatoren erneut erhoben – und der Kreislauf beginnt von vorn.

So gelingt der Einstieg

Im Team arbeiten: Herdenmanager plus zwei bis drei Mitarbeitende – Tierarzt und Beratung einbinden. Zeitfenster planen: Indikatoren mindestens jährlich erheben, besser im Sommer- und Winterhalbjahr; Auswertung und Teamtermin fest einplanen.

SMARTe Ziele setzen: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert – lieber schrittweise verbessern als im Hauruckverfahren

Monitoring praktikabel halten: nur Daten erheben, die auch für Entscheidungen genutzt werden (Nicht genutzte Daten sind überflüssig.)

Biosicherheit mitdenken: Hygiene- und Sicherheitspläne helfen, Übertragungs- und Einschleppungsrisiken zu senken.

Zwischendurch-Checks einbauen: Läuft die Dokumentation zuverlässig? Werden Auffälligkeiten rechtzeitig erkannt?

Hier geht’s zum Ratgeber Tierwohlplanung des Thünen-Instituts: https://www.tierwohlplanung.de/ratgeber

Fazit

Tierwohlplanung ist ein praxisnahes Werkzeug für proaktives Herdenmanagement. Wer systematisch misst, Ursachen versteht und Maßnahmen konsequent umsetzt, kann Tierwohlprobleme reduzieren – und damit Kosten, Arbeitsaufwand und Frust. Der Ratgeber, der kostenlos bestellt oder als PDF heruntergeladen werden kann, bietet neben dem Konzept auch praktische Tipps und verweist auf kostenlose Tools unter www.tierwohlplanung.de

* Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.