Sowohl für Milch- als auch für Mutterkühe besteht die Möglichkeit, bei künstlicher Besamung oder beim Kauf eines Deckbullen auf typisierte Bullen mit Zuchtwerten für einen leichten Kalbeverlauf zu setzen. Wird diese Möglichkeit nicht genutzt, weiß man über den Kalbeverlauf erst Bescheid, wenn es so weit ist. Im schlechtesten Fall häufen sich in einer Saison Schwergeburten, Geburtshilfen, Totgeburten und Geburtsverletzungen. Kälber aus Schwergeburten sind betreuungsintensiv. Geburtsverletzungen und Kaiserschnitte bei den Kühen sind ein Risiko für Infektionen und erhöhen die Gefahr von Unfruchtbarkeit.
Die Geburt ist immer eine Belastung für die Kuh. Die Wehen sind anstrengend und für das Fluchttier Kuh bedeutet die temporäre Immobilität während der Kalbung Stress. Die Kuh verliert über das Fruchtwasser, Schwitzen und verstärkte Atmung Flüssigkeit und Elektrolyte. Nach jeder Kalbung sollte man der Kuh Wasser zur freien Aufnahme anbieten, idealerweise mit Kuhtrunk versetzt. Das Angebot wird von den Kühen gern angenommen, vor allem wenn der Trunk aus Kübeln lauwarm angeboten wird. 60 bis 100 l Wasseraufnahme nach einer Kalbung sind keine Seltenheit. Ist der Kreislauf der Kuh stark belastet, muss sie in Brust-Bauch-Lage gebracht und in dieser Position stabilisiert werden. Ein längeres Liegen in Seitenlage führt zur Aufgasung des Pansens. Das erschwert die Atmung und belastet den Kreislauf zusätzlich. Im schlimmsten Fall kann eine Kuh, die länger in Seitenlage liegt, versterben. Steht die Kuh nicht auf, sollte das Wasser im Liegen angeboten und in Reichweite für später positioniert werden, nur nicht direkt unter der Nase, falls das geschwächte Tier die Nase nicht mehr aus dem Kübel heben kann. Ist die Kuh so schwach, sollte allerdings ein Tierarzt hinzugezogen werden, damit sie eine geeignete Infusion oder einen Dauertropf bekommt. Nach jeder Geburt sollte die Kuh unabhängig vom Verlauf auf Verletzungen und ein weiteres Kalb kontrolliert werden.
Verletzungen vorbeugen
Zu Verletzungen kann es bei sehr großen Kälbern, bei Fehlhaltungen oder unsachgemäßer Geburtshilfe kommen. Häufig betroffen sind der Muttermund, die Vaginalschleimhaut und der Damm. Vorbeugende Maßnahmen sind:
• Den Geburtswegen Zeit zum Dehnen geben, nicht zu stark Zughilfe leisten. Die Fruchtblase möglichst geschlossen lassen, da sie die Geburtswege dehnt. Viel Gleitgel und Geburtshelfer mit Zugkraftbegrenzung nutzen. Die Öffnung des Muttermundes kontrollieren.
• Vor Auszugversuch prüfen, dass Kopf und Beine des Kalbes vollständig gestreckt sind und das Kalb in oberer Stellung („auf dem Bauch“) liegt. Eine Drehung der Gebärmutter muss ausgeschlossen sein.
• Größe des Kalbes realistisch einschätzen.
• Bei Korrektur von Fehlhaltungen mit Handschutz um die Klaue arbeiten.
• Beim Durchtritt des Kopfes den Damm schützen: Mit der flachen Hand den Bereich zwischen Vulva und After Richtung Kuh schieben.
Oberflächliche Risse in der Schleimhaut heilen oft am besten, wenn man sie in Ruhe lässt. In den Tagen nach der Kalbung sollte auf eitrigen Ausfluss geachtet und regelmäßig Fieber gemessen werden. Tiefere Verletzungen müssen vom Tierarzt kontrolliert und gegebenenfalls genäht werden. Kritisch sind perforierende Verletzungen. Dazu kann es kommen, wenn durch übermäßige Zughilfe oder eine Fehlhaltung des Kalbes die Klaue die weichen Geburtswege durchstößt und einen Zugang zum Bauchraum oder in den Darm öffnet. Beide Verletzungen müssen sofort tierärztlich versorgt werden. Weitere Möglichkeiten sind die Notschlachtung oder die Euthanasie.
Ernste Verletzungen
Eine Perforation der Gebärmutter kommt bei unsachgemäßer Lagekorrektur oder beim Lösen von Gebärmutterverdrehungen vor. Findet man Darmschlingen in der Gebärmutter, müssen diese in der Kuh gehalten werden, bis der Tierarzt eintrifft und eine Entscheidung über OP oder Erlösen getroffen wird.
Ein Notfall sind schwallartige oder pulsierende Blutungen bei Verletzung größerer Gefäße. Jede Hilfe ist hier besser als keine Hilfe, denn die Kuh kann schnell verbluten. Der Tierarzt muss sofort informiert werden. Dann wird versucht, die Blutung zu stoppen. Findet man die Verletzung zügig, kann sie abgedrückt werden. Es geht Hilfe vor Hygiene, denn zum Säubern ist meist keine Zeit. Das verletzte Gefäß abzudrücken bis der Tierarzt eintrifft, kann der Kuh das Leben retten. Ist die Verletzung unauffindbar oder großflächig, kann mit eingerollten Handtüchern Druck im gesamten Geburtsweg ausgeübt werden. Die eingerollten Handtücher am besten mit eiskaltem Wasser tränken. Das kann das Zusammenziehen der Blutgefäße als Reaktion auf die Kälte bewirken und zur Minderung der Blutung führen. Die Handtücher werden in die Scheide eingeführt. So viele Handtücher wie möglich einführen, um über die gesamte Länge des Geburtsweges Druck zu erzeugen. Eine Garantie für Erfolg gibt es nicht, aber ohne Hilfe ist die Kuh wahrscheinlich verloren, also lohnt der Versuch. Das gezielte Abdrücken ist immer vorzuziehen. 
Geschwollenes Becken
Durch länger dauernde Geburtshilfe oder ein großes Kalb, das im Becken viel Druck erzeugt, können Schwellung im unteren Bereich des knöchernen Beckens auftreten. Diese Schwellungen sind sehr schmerzhaft. Häufiges Liegen und eine geringe Futter- und Wasseraufnahme ist die Regel bei diesen Läsionen. In den meisten Fällen ist eine mehrtägige Gabe von abschwellend wirkenden Entzündungshemmern zur Linderung ausreichend. Im Auge behalten sollte man diese Tiere dennoch, denn aus einem Hämatom kann auch ein Abszess werden, der sich im schlimmsten Fall in die Bauchhöhle öffnet.
Als weitere Folge von Schwergeburten können Nerven gequetscht oder verletzt sein, was zu Lähmungen der Hinterbeine führen kann. Eine Prognose ist schwierig. Der Heilungsprozess dauert oft lange. Landwirt und Kuh brauchen Durchhaltevermögen, Geduld und Willen. Eine festliegende Kuh zum Teil mehrere Wochen zu versorgen, mehrmals täglich umzulagern, aufzustellen und zu behandeln ist kräftezehrend, vor allem wenn das Ergebnis ungewiss ist. Es kommt vor, dass die festliegende Kuh den Lebensmut verliert, die „Mitarbeit“ verweigert und das Fressen einstellt. Dann sollte das Tier erlöst werden. Wenn Landwirt und Kuh motiviert bleiben, sind auch Tiere nach vier bis sechs Wochen oder länger wieder aufgestanden. Eine Garantie gibt es nicht. Entscheidend ist eine weiche, rutschfeste Liegefläche. Ist die Unterlage zu hart, kommt es zu Schäden der Haut und Muskulatur. Versucht das Tier aufzustehen, darf es nicht wegrutschen und sich dadurch noch schwerer verletzen können. Ideal sind Sandbetten, Torf oder dicke (!) Matratzen mit frischer Strohauflage. Ein Vergrittungsgeschirr schützt vor dem Ausgrätschen. Die Kuh sollte mehrmals täglich umgelagert werden, um den Druck gleichmäßig auf beide Körperseiten zu verteilen und ein „Einschlafen“ der Gliedmaßen zu verhindern. Das tägliche Aufstellen, am besten mit einem Hebegeschirr, fördert die Durchblutung der Beine und wirkt als Physiotherapie. Bei vielen Kühen kann in der Praxis ein nicht zu unterschätzender „psychologischer“ Effekt beobachtet werden. Das Aufstellen scheint bei manchen Kühen den Willen, wieder selbst aufstehen zu können stark zu fördern. Die Heilung des Nervengewebes kann durch Gaben von Glukokortikoid und Vitamin B unterstützt werden.
Auswahl der Bullen
Vorbeugen ist besser als heilen. Es sollte bei der Auswahl des Bullen, wenn möglich, auf Zuchtwerte für den Kalbeverlauf geachtet werden. Die Kühe sollten zur Geburt nicht überkonditioniert sein, eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen in den Wochen vor der Geburt ist essenziell. Die Kühe brauchen einen ruhigen, sauberen Ort für die Geburt. Kalben die Kühe auf der Weide, müssen sich einzelne Tiere im Notfall separieren und fixieren lassen. Equipment wie Treibwagen oder Gitter sollten jederzeit einsatzbereit sein. Mit Menschen sollten die Tiere vertraut sein, denn lässt sich eine verletzte Kuh nicht zügig einfangen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Wenn Geburtshilfe nötig ist, muss sie fachgerecht geleistet werden. Im Zweifel ist der Anruf beim Tierarzt die beste Hilfe.



