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Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 3422

Erntelogistik – welches ist das kleinste Nadelöhr?
Von Caroline Hertell, LK-Markt
Pixabay

Die Getreideernte ist wie immer: plötzlich schon vorbei. Die allermeisten Landwirte erleben die fünfte Jahreszeit als schönste des Jahres und konnten sich in diesem Jahr über gute Erträge freuen. Auch im Handel freut man sich mit den Erzeugern und staunte über die zeitweise unendlichen Anlieferungen in der Getreideannahme. Die Erntelogistik ist in diesem Jahr besonders herausfordernd. Zu Beginn der Ernte wurden Gerste und Raps aus Ungeduld eher zu feucht geerntet und verursachten hohen Trocknungsaufwand. Angesichts guter Ernteergebnisse in der Gerste und dann auch im Raps und im Weizen galt es schließlich, Massen zu bewältigen. Der Abtransport der neuen Ernte vom Ort der Erfassung in Richtung der Käufer und Verarbeiter gestaltet sich allerdings nicht so einfach, es gibt einige Hürden.

Transportprobleme

Im Güterkraftverkehr mangelte es laut Bundesverband BGL schon vor dem Ukraine-Krieg an 60.000 bis 80.000 Fahrern in Deutschland. Strukturell würde nur die Hälfte der in Rente gehenden Berufskraftfahrer durch Berufseinsteiger ersetzt. Das Fehlen ukrainischer Fahrer verschärft die Situation im europäischen Raum, im Schwerpunkt bei polnischen und litauischen Unternehmen. Der Dieselpreis ist im März explodiert und seither zwar etwas zurückgegangen, liegt aber noch immer 56 % über dem Schnitt der vergangenen drei Jahre. Zusammen mit erhöhten Kosten für AdBlue, Fahrpersonal und Technik ist die Lage für Transportunternehmer oftmals existenzbedrohend. In der Binnenschifffahrt klagt man ebenso wie in der Landwirtschaft über die Dürre. Auf dem Rhein können viele Schiffe wegen Niedrigwasser weniger als ein Drittel ihrer Kapazität auslasten, auf der Donau können bei rekordtiefem Pegel abschnittsweise keine Güterschiffe mehr verkehren. Die Niederschläge der vorigen Woche heben den Pegel in beiden Flüssen nur vorübergehend an. Zudem konkurriert der Getreidetransport mit dem von Kohle. 2018 waren die Pegelstände im Rhein ähnlich niedrig, da gab es jedoch weniger Transportbedarf für Kohle und es waren insgesamt mehr Schiffe vorhanden. Die Ausweichmöglichkeiten für den Transport von Agrargütern sind begrenzt, im Exporthafen Hamburg kommt Getreide vermehrt per Schiene an. Die Lösungsansätze der Branchenverbände für mehr Warenbewegung per Lkw reichen von einer Aussetzung des Wochenendfahrverbots bis zu einer Erhöhung der Lkw-Nutzlast.

Marktlage

Neben den logistischen Schwierigkeiten beim Umschlag der neuen Ernte gibt es auch marktseitig Unklarheiten. Das turbulente Frühjahr hat zu Preiskapriolen geführt, die auf Erzeugerebene den Verkaufswillen förderten. Auf der Abnehmerseite sorgte die Rekord-Hausse für Zurückhaltung, doch mit der Erfahrung aus dem Vorjahr im Nacken entschieden sich vor allem Käufer aus dem Ausland zu Vorkäufen. Jetzt, wo die Ernte eingefahren ist und die Preise weit von den Höchstständen entfernt sind, steht das Geschäft still. Bei immer niedrigeren Terminkursen versuchen Marktteilnehmer, eine Position zu finden. Am internationalen Markt werden sinkende Preise immer wieder mit den Ausfuhren aus der Ukraine begründet, doch 25 bisher beladene Schiffe stehen nicht in Relation mit der scheinbaren Entspannung. Die Ernte ist hierzulande gut ausgefallen, beim Weizen ist die Frage nach den Qualitäten in Klärung. Brauchbare Zahlen werden auch auf globaler Ebene gesucht. Der sonst aussagekräftige USDA-Bericht hatte zuletzt zu Unverständnis geführt. Die Ernteprognose Russlands wurde mit 88 Mio. t Weizen so hoch angesetzt, dass man sie infrage stellt. Das Land selbst gibt noch größere Mengen an und will mit Abstand Spitzenreiter im Weizenexport werden. Die Glaubwürdigkeit Russlands ist seit dem Einmarsch in die Ukraine auf dem Tiefstand und trotzdem hängt der Weltmarktpreis maßgeblich vom russischen Getreideangebot ab. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Markteinschätzung ist die unter Trockenheit leidende Maisernte in Europa. Wie sagt man so schön – bald wissen wir mehr.

Marktlage für die Woche vom 22. bis 28.8.2022

Getreide: Weizenexporte aus Russland und der Ukraine haben zuletzt die Terminkurse für Weizen unter Druck gebracht.

Raps: Die Matif-Rapskurse haben weiter nachgegeben und liegen jetzt wieder auf Vorjahresniveau.

Futtermittel: Die US-Sojakurse gaben zuletzt nach, da ausreichende Niederschläge fallen. Futtergetreide wird günstiger.

Kartoffeln: Die Haupternte hat begonnen. Der Markt ist ausreichend versorgt. Die Preise stehen unter Druck.

Schlachtrinder: Jungbullen- und Färsenpreise blieben stabil, die Preise für Schlachtkühe haben nachgegeben.

Schlachtschweine/-sauen: Der Preisanstieg hat sich in der Vorwoche fortgesetzt. Die Mäster liefern nur zögernd ab.

Ferkel: Die erhöhten Schlachtschweinekurse beleben die Ferkelnachfrage. Die Kurse steigen wöchentlich an.

Milch: Die Anlieferungsmengen bleiben weiter auf dem Vorjahresniveau. Die Kurse für Spotmilch bleiben vorerst recht hoch.

Schlachtlämmer/-schafe: Die zuletzt erhöhten Kurse können sich behaupten. Die Nachfrage bleibt rege.

Markttendenz für die Woche vom 29.8. bis 4.9.2022

Getreide: Weiterhin wird mit einer nervösen Marktlage gerechnet. Die Kurse reagieren auf jede Nachricht mit Ausschlägen.

Raps: Die gute EU-Ernte sorgt für Angebotsdruck, auch die schwachen Sojakurse drücken auf die Rapsnotierungen.

Futtermittel: Aus Nord- und Südamerika wird mit einem ausreichenden Sojaschrotangebot gerechnet.

Kartoffeln: In vielen Regionen erschwert die Trockenheit die Erntearbeiten. Die Qualitäten leiden.

Schlachtrinder: Trockenheit und Futtermangel sorgen vor allem bei Schlachtkühen für ein erhöhtes Angebot und Preisdruck.

Schlachtschweine/-sauen: Die hohen Temperaturen sorgen für eine belebte Grillfleischnachfrage und reduzierte Zunahmen in der Schweinemast.

Ferkel: Die reduzierten Sauenbestände können die belebte Ferkelnachfrage kaum bedienen.

Milch: Die Kurse für MMP stehen weiter unter Druck. Die Käse- und Butternachfrage bleibt stabil, die Kurse fest.

Schlachtlämmer/-schafe: Die überregionale Nachfrage sorgt für einen stetigen Absatz zu stabilen Kursen.

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