StartNachrichtenAgrarpolitikHalbierter Pflanzenschutzmitteleinsatz bis 2030

Halbierter Pflanzenschutzmitteleinsatz bis 2030

Özdemir setzt im Zukunftsprogramm Pflanzenschutz auf Dreiklang aus Innovation, Kooperation und Alternativen
Von Mechthilde Becker-Weigel
Özdemir will auf Verzicht und Forschung setzen. Foto: Agrar-Press

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat das Zukunftsprogramm Pflanzenschutz vorgestellt. Darin wird das Ziel formuliert, bis 2030 den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu halbieren. Erreicht werden soll dies mit einem Mix aus Beratung, Förderung und Forschung.

Als ein „Programm mit Maß und Mitte“ hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir sein im Vorfeld bereits kontrovers diskutiertes Zukunftsprogramm Pflanzenschutz am Mittwoch in Berlin präsentiert. Özdemir will den Pflanzenschutzmitteleinsatz in Deutschland bis 2030 halbieren und setzt dabei auf einen „Dreiklang“ aus Innovation, Kooperation und Alternativen. „Unser Weg zu einem nachhaltigen Pflanzenschutz heißt: Zusammenarbeit, wirtschaftliche Anreize und landwirtschaftliche Vernunft“, erklärte der Ressortchef. Verzichtet werden solle dem Minister zufolge auf harte ordnungsrechtliche Vorgaben.

Reduktionsziel 50 Prozent

Bei der Erstellung seines Zukunftsprogramms seien Agrar-, Wirtschafts- und Umweltverbände eingebunden gewesen, so Özdemir. Damit setze sich das Programm von dem aus seiner Sicht „handwerklich schlecht gemachten“ Brüsseler Verordnungsvorschlag zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (SUR) ab. Konzeptionelles Vorbild seien das Landesprogramm aus Baden-Württemberg und der Niedersächsische Weg, bei denen ein kooperativer Ansatz gewählt wurde. Notwendig sei die Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes laut BMEL, um Schäden an Umwelt, Gesundheit und Biodiversität so weit wie möglich zu vermeiden. Mit einem geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könne in der Landwirtschaft eine „Trendumkehr“ erreicht werden, verlautete aus dem Agrarressort.

Ganz ohne Pflanzenschutzmittel werde es Özdemir zufolge dennoch auch in der Zukunft nicht gehen: Dafür seien die aktuellen Herausforderungen, wie der witterungsbedingt starke Pilzbefall in der diesjährigen Ernte, einfach zu groß. Özdemirs Zukunftsprogramm sieht vor, den Pflanzenschutzmitteleinsatz bis 2030 um die Hälfte zu verringern. Damit orientiert sich das BMEL an der Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission. Es soll nicht um pauschale Reduktionsvorgaben auf jeder Anbaufläche gehen. Das Ziel gelte bezogen auf den durchschnittlichen Gesamteinsatz in Deutschland und auf den Bezugszeitraum von 2011 bis 2013.

Erreicht werden soll das Ziel mit einem Mix aus Beratung, Förderung und Forschung. Innovationen bei pflanzenschutzmittelarmen Anbaumethoden und moderner Technologie sollen zu einer Reduzierung des Einsatzes führen. Weiteres Reduktionsspotenzial sieht das Ministerium in der Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Durch eine „gezielte Nutzung von Maßnahmen der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)“ wolle man die Biodiversität schützen und Rückzugsflächen schaffen.

Alternativen stärken

Gestärkt werden sollen Alternativen zu chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Um risikoarme Wirkstoffe schneller auf den Markt zu bringen, soll die Pflanzenschutzmittelzulassung überarbeitet werden. Das BMEL prüfe dazu, ob eine vorrangige Bearbeitung von biologischen Wirkstoffen möglich sei. Geplant ist, noch in der laufenden Legislaturperiode eine „Nützlingsverordnung“ auf den Weg zu bringen, für Rechtsklarheit beim Einsatz von Nützlingen zur Bekämpfung von Schadorganismen. Ebenfalls im Integrierten Pflanzenschutz (IPS) sieht das BMEL Potenzial, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren.

Auch sei durch eine Ausweitung des ökologischen Landbaus mit einem reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu rechnen. Am Bioanbau-Ziel von 30  % bis 2030 wird festgehalten. Die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen aus dem Zukunftsprogramm Landwirtschaft solle laut BMEL regelmäßig überprüft und 2031 abschließend evaluÖzdemir will auf Verzicht und Forschung setzen. age

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