StartNachrichtenPflanzeGetreide-Ganzpflanzensilage auf der Geest

Getreide-Ganzpflanzensilage auf der Geest

Ergebnisse zu Winterroggen- und Wintertriticale-GPS
Von Dr. Elke Grimme, Landwirtschaftskammer SH
Zum Zeitpunkt der Ernte sind noch grüne Halmknoten und grüne obere Blätter vorhanden, Halme und Stroh beginnen mit der Gelbfärbung. Die Körner sollten noch weich genug sein, um sich eindrücken zu lassen, aber nicht mehr flüssig sein und spritzen. Fotos: Dr. Elke Grimme

Wintergetreide als Ganzpflanze als Ergänzung zum Mais zu nutzen, ist mit Blick auf Risikostreuung zur Futtermittelbereitstellung, limitierten jährlichen Sub­strateinsatz von Mais in Biogasanlagen und nach Vorschriften zu Fruchtwechsel und Winterbegrünung anzudenken. Die Risikostreuung zu minimieren, zielt auf unterschiedliche Wasserbedarfe von Silomais als Sommerfrucht und Ganzpflanzensilage (GPS) aus Wintergetreide ab, um auf Ernteausfälle durch Nässe oder Trockenheit zu reagieren.

Gerade auf leichten Standorten und in trockenen Frühjahren beziehungsweise Sommern sichert der Anbau unterschiedlicher Kulturen die Bereitstellung von Futtermitteln. So kann Getreideganzpflanzensilage in der Futterversorgung der Milchvieh- und Rinderbestände als Grobfutter eingesetzt werden. Getreide-GPS ist als Kombination aus stärkereichen Körnern und Stroh ein eiweißarmes Grundfutter. Ein hoher Kornanteil ist notwendig, um hohe Energiekonzentrationen und/oder hohe Stärkegehalte einzufahren.

Regelungen zum Maisdeckel im neuen Biomassepaket für den Weiterbetrieb von Biogasanlagen über die EEG-Laufzeit hinaus begrenzen den jährlichen Anteil an Mais und Getreidekorn am Substratmix für Anlagen ab 2026 auf momentan 25 Masseprozent. Beim Anbau von Wintergetreide-GPS als Sub­strat ist zu beachten, dass mehr Anbaufläche zur Erzeugung der gleichen Gasmenge als bei Silomais benötigt wird. In der Literatur werden folgende Methanerträge je Hektar beschrieben:

5.028 Nl (Norm-Liter)/ha aus Silomais und 3.677 Nl/ha aus Getreide-GPS

3.956 bis 5.934 Nm³ (Norm-Kubikmeter) Methan von 1 ha Silomais (40 bis 60 t Frischmasse, Silierverluste von 12 % berücksichtigt) und 2.884 bis 4.807 Nm³ Methan von 1 ha Getreide-GPS (30 bis 50 t Frischmasse, Silierverluste von 12 % berücksichtigt)

Mit dem Anbau von Getreide als Ganzpflanzensilage können außerdem GAP-Richtlinien zu Fruchtwechsel und Winterbegrünung erfüllt werden. Eine weitere Getreideart erweitert als zusätzliches Glied die Fruchtfolge. Ist die betriebliche Fruchtfolge bereits breit aufgestellt, kann Eco-Scheme 2 „Anbau vielfältiger Kulturen mit mindestens fünf verschiedenen Hauptfruchtarten mit mindestens 10 % und maximal 30 % je Hauptfruchtart“ im Ackerbau angewandt werden.

Die Landwirtschaftskammer führt seit Jahren Sortenversuche zu Getreide-GPS mit Winterroggen und Wintertriticale auf dem Geest-Versuchsstandort Schuby, Kreis Schleswig-Flensburg, durch. Von den neun Prüfsorten beim Winterrogen besitzen zwei die Zulassung zur Silonutzung, die restlichen Sorten gehören der Nutzungsrichtung Korn an. Im Prüfsortiment Wintertriticale-GPS mit ebenfalls neun Prüfsorten sind ebenfalls zwei Sorten mit Silozulassung enthalten.

Witterung 2025/2026

Der Herbst im vergangenen Jahr war laut Deutschem Wetterdienst im Vergleich zur international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 sonnig, mild und nass, vor allem im Oktober regnete es ungewöhnlich viel. Die Niederschlagsmenge im Winter hingegen ergab ein Defizit von einem Drittel im Vergleich. Es gab insgesamt rund 30 Schneedeckentage im Januar und Februar, die Getreidebestände waren bei vorherrschenden Frostnächten und Eistagen vor Auswinterungsschäden geschützt. Einzelne Frostnächte im März ohne Schneeauflage hinterließen keine Pflanzenausfälle. Es folgte ein warmes, trockenes und äußerst sonniges Frühjahr, die erreichte Niederschlagsmenge von zwei Dritteln blieb unter dem Soll in den Monaten März, April und Mai. Mitte Juni gab es zu den Eisheiligen erneut Frostnächte, der Monat verabschiedete sich hochsommerlich mit extremen Höchsttemperaturen, Stürmen und niederschlagsreichen Gewittern.

Die am Gesamtsoll fehlenden Niederschlagsmengen ab Winter wirkten sich nicht auf die Biomassebildung im Getreide aus, die extremen Temperaturen der letzten Junitage ließen die GPS-Bestände äußerst zügig abreifen. Kornfüllung und Korneinlagerung wurden bei der schnellen Abreife nicht in Mitleidenschaft gezogen (siehe Tabelle 1). 

Jahresvergleich der Ergebnisse

Es überrascht nicht, dass auf dem leichten Versuchsstandort mit 24 Bodenpunkten Roggen ertraglich deutlich besser gegenüber Triticale ausfällt. Ausgebliebene Niederschläge und steigende Temperaturen im Juni führten in diesem Jahr wie auch 2023 zu rasanter Abreife der Getreidepflanzen. Jedoch verursachten die diesjährig erst Ende Juni aufgetretenen Hitzetage weder Qualitäts- noch Ertragsminderungen. Das spricht auch für eine angepasste und ausreichende Niederschlagsverteilung während der Vegetation.

Gründe für die Silierung von Getreide als Ganzpflanzensilagen liegen in der Fruchtfolgegestaltung, in Maisdeckel und Futtersicherung im Rindvieh- wie auch im Biogasbereich.

In diesem Jahr wurden die angestrebten Abreifewerte zwischen 35 bis 40 % Trockenmassegehalt zum optimalen Erntezeitpunkt zur Teigreife von Triticale erzielt. Dieser als optimal bezeichnete Erntezeitpunkt ist allerdings ein Kompromiss aus möglichst hohen Trockenmasseerträgen und nicht zu hohen Trockenmassegehalten. In dieser Reifephase werden Verdaulichkeit und Energiegehalt als am höchsten beschrieben, die noch ausreichend vorhandenen leicht löslichen Kohlenhydrate ermöglichen eine gute Vergärung. Der Strohanteil der Getreide-GPS wird über den Rohfasergehalt aufgeführt, laut Literatur wird mit einem Gehalt von 24 % Rohfaser in der Trockenmasse eine gute Qualität erzielt. Der Rohfasergehalt kann über die Schnitthöhe zur Ernte beeinflusst werden, je höher der Schnitt, desto geringer der Rohfasergehalt. Neben der Rohfaser ist auch der Stärkeanteil in der Gesamtpflanze abhängig vom Abreifegrad zur Ernte, dem Korn-Stroh-Verhältnis und der Schnitthöhe. Bei langstrohigem Getreide wie Roggen und Triticale ist der Stärkegehalt niedriger als bei kurzstrohiger Gerste und Weizen. Die Stärkeeinlagerung im Getreide beginnt zur Milchreife, wenn sich die Körner füllen, ein hoher Kornanteil an der Ganzpflanze sichert erhöhte Stärkegehalte.

Der Blick auf die Ergebnisse der diesjährigen Prüfsorten (Tabellen 2 und 3) zeigt, dass die Getreide-Ganzpflanzensilagen mit erzielten Rohproteinwerten im Mittel zwischen 5,5 % und 6,3 % Rohprotein niedrige Gehalte in der Trockenmasse aufweisen. Höhere Körneranteile von Sorten können Differenzen im Stärkegehalt erklären. Einen Einfluss von steigenden Strohanteilen auf abnehmende Energiegehalte von GPS zeigt Tabelle 4 für Steinhöfel. Grundsätzlich kann Wintertriticale auf dem Geest-Versuchsstandort nicht das volle Potenzial ausschöpfen, es zeigt sich erwartungsgemäß über die aufgeführten Jahre, dass Winterroggen seine Vorteile auf dem leichten Standort ausspielt. Das soll aber die Bedeutung der Triticale-Ganzpflanzensilage in Schleswig-Holstein nicht schmälern. Hinsichtlich der Prüfsorten ist zu erwähnen, dass Sorten mit einer Kornzulassung den Vorteil der Doppelnutzung bieten: Je nach Bedarf kann die Pflanze dann flexibel als GPS oder als Korn geerntet werden.

Produktionstechnik anpassen

Für den Anbau von Getreide-Ganzpflanzensilagen gelten dieselben Empfehlungen zu Standortansprüchen, Bodenbearbeitung, Saatbettbereitung, -technik, -termin, -stärke, Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz wie zur Kornproduktion. Ist zum Zeitpunkt der Aussaat die Nutzungsrichtung, Ganzpflanze oder Körnerdrusch, noch nicht endgültig geklärt, liegt die Sortenwahl auf ertragsbetonte Körnersorten mit geringer Mutterkornanfälligkeit. Sämtliche ertragssteigernden und -sichernden Maßnahmen der Körnernutzung werden auch für die GPS-Produktion gefahren. Um Ertragsverluste und Schmutzeintrag zu minimieren, ist bei entsprechendem Bedarf auf Herbizide, Wachstumsregler, Fungizide und Insektizide nicht zu verzichten. Nach Fungizid- und/oder Insektizideinsatz sind grundsätzlich die Wartezeiten bis zur Ernte einzuhalten. Es gilt, das mit wenigen Tagen sehr enge Erntezeitfenster für Ganzpflanzensilagen von Getreide zu beachten. Bei heißer und trockener Witterung während der Abreife sind der rasante Anstieg des Trockenmassegehaltes und die täglichen Zunahmen an Trockenmasseertrag nicht zu unterschätzen. Erkennungsmerkmale der Teigreife zur Ernte sind noch grüne Halmknoten und grüne obere Blätter, Halme und Stroh beginnen mit der Gelbfärbung. Die Körner sollten noch weich genug sein und sich eindrücken lassen, aber nicht mehr flüssig sein und spritzen.

Für die Düngung von Stickstoff und Phosphat ist vor dem Ausbringen der Nährstoffe eine Bedarfsermittlung erforderlich. Die vorgesehene N-Gesamtmenge wurde in zwei Gaben zu Vegetationsbeginn und zu Anfang der Schossphase verabreicht. Die Haupt-N-Gabe liegt zu Vegetationsbeginn, um den vegetativen Apparat des Getreides zu fördern. Für die Düngung weiterer Grundnährstoffe ist auf die Bodenversorgungsstufe zu achten, basierend auf einer Bodenanalyse. Aus den aktuellen „Richtwerten für die Düngung“ lässt sich der Bedarf der einzelnen Nährstoffe je Bodenart ableiten.

Vorheriger Artikel
WEITERE ARTIKEL
- Anzeige -
- Anzeige -

Meistgeklickt