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Kränze und Kronen binden

Geschichte wird am Erinnerungsnachmittag lebendig
Von Dr. Claudia Kleimann-Balke
Unter dem Bogen gingen Marga Trede und Sylke Messer-Radtke schon in ihrer Schulzeit. Heute zeigen sie Besuchern am Erinnerungsnachmittag, wie ein Bogen gebunden wird.

„Hier würde ich noch eine rosa Blüte einbauen“, rät Sabine Kahl. „Versuch das mal.“ Smilla (8) sucht sich aus dem gefüllten Korb eine passende Blume und knüpft sie geschickt an ihren Blütenkranz.

An beiden Enden werden zum Schluss zwei Ösen mit Schleifenband geknotet, damit man den Kranz am Hinterkopf befestigen kann. „Ich genieße es zu sehen, wie viel Spaß die Kinder beim Binden haben und wie stolz sie sind, wenn ihre Werke gelingen“, ergänzt sie. Sabine Kahl begleitet das Binden der Blütenhaarkränze, hat das Material besorgt und erklärt den Kindern, wie sie die Blüten am besten festhalten, um den Draht fest genug wickeln zu können. Smilla ist hoch konzentriert und möchte ihren Haarkranz aus bunten Sommerblumen am liebsten sofort aufsetzen.

An diesem Nachmittag werden im historischen Haus aus Großharrie nicht nur Haarkränze gebunden. Auch Girlanden, eine Richtkrone und ein Bogen werden angefertigt, denn unter dem Motto „Kränze und Kronen binden“ hatte der Arbeitskreis LandFrauenarchiv zum Erinnerungsnachmittag ins Freilichtmuseum Molfsee eingeladen. Thematisch orientieren sich diese Nachmittage übrigens immer an der aktuellen Ausstellung – in diesem Jahr „State of Nature“ von Rebecca Louise Law.

Martina Greve erinnert sich an ihre Schulzeit in Kollmar, an das Kindergrün (traditionelles Schulfest) mit vielen Spielen, Kaffeetrinken, Tanz und vor allem an die Umzüge durch das ganze Dorf. „Zwei Kinder haben den Bogen gehalten und eines ging in der Mitte“, erinnert sie sich. Die Bögen waren meist aus Buchsbaum gebunden und mit Astern oder Frauenmantel geschmückt. Dass beim Erinnerungsnachmittag auf diese Traditionen geblickt wird, gefällt ihr. „An Tagen wie diesen wird hier Geschichte lebendig“, erzählt sie. „Man kann spüren, wie die Menschen in diesen Häusern lebten. Das finde ich sehr interessant.“

Frauke Kühl bindet eine Hochzeitsgirlande, eine Tradition, die auch heute noch sehr lebendig ist. „Die Nachbarschaft trifft sich, das Wissen wird weitergegeben. Darüber freue ich mich“, erzählt die LandFrau des Ortsvereins Albersdorf-Österdörfer. Gleich nebenan werden aus Butterbrotpapiertüten im Handumdrehen – im wahrsten Sinne des Wortes – kleine Rosen angefertigt. „In die Mitte wird noch eine bunte Perle platziert, und fertig ist die Deko“, erklärt Dorothee Kühl aus Wacken.

Der Erinnerungsnachmittag steht fest im Terminplan der Frauen, die sich im Arbeitskreis LandFrauenarchiv engagieren. „Heute haben wir ganz unterschiedliche Bindetechniken gezeigt“, fasst Sylke Messer-Radtke, Vizepräsidentin des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein, zusammen. „Ich freue mich sehr, dass unsere Aktion besonders bei den Kindern so großen Anklang gefunden hat. Sie haben eigenständig gewickelt, sich ausprobiert, und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen.“

Der Erinnerungsnachmittag findet einmal im Jahr in Kooperation mit dem Freilichtmuseum Molfsee statt. Dort ist auch das LandFrauenarchiv untergebracht – eine gemeinsame Einrichtung von LandFrauenverband Schleswig-Holstein und Freilichtmuseum Molfsee. Ziel der Zusammenarbeit ist der Aufbau einer umfassenden Sammlung zur Geschichte aller Frauen im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins.

INFO

LandFrauenarchiv
Freilichtmuseum Molfsee
Hamburger Landstraße 97
24113 Molfsee

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